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NATURAL HISTORY
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Zeitschrift
für die
GWesammten Naturwissenschaften.
Herausgegeben
von dem
Naturw. Vereine für Sachsen und Thüringen in Halle,
redigirt von
ST -ssiegr.s®
€. Giebel und M. Siewert.
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Jahrgang 1863, IlıerAR Y,
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Mit drei Tafeln.
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Berlin,
Wiegandt u, Hempel.
1863.
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Inhalt.
Original - Aufsätze.
C. @. Giebel, Limulus Decheni Zk im Braunkohlensandsteine bei
Teuchern (TE. sa: 64
— —, zur Anatomie von Vultur fulvus aus Chr. L. Nitzsch’ "hand.
schriftlichem Nachlass mitgetheilt . . . ote (bie narsananiN
— —, zur Osteologie der Gattung Ocypterus 2 140
— —, drei und zwanzig neue und einige bekannte Spinnen der
hallischen Sammlung 306
W. Heintz, über die Daseleliäng und Basicität der Diglycolamid-
säure. . 121
H. Hornemann, "die Bildung der Weinsäure "und "Traubensäure
durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene Kohle-
Bolesie ,u..69 2nonokte] Ina lnanöhah. der oe ala er
Th. Irmisch, einige Bemerkungen über Scilla autumnalis und
Sc. bifolia u 433
R. A. Philippi, Verzeichniss der im Museum von St. Jago befind-
lichen chilenischen Orthopteren . . 217
— — , Beschreibung einer neuen Acridioide aus der argentini-
schen Republik . . . 444
M.Siewert, über Farbenveränderungen der Chromoxydsalzlösungen 501
—_—-—, über Salpetersäurebestimmung . . . .- RER ...516
— —, über das Quecksilberoxyd . . BR ENTE RR)
Bd. Söchting, zur Paragenesis des Glimmers . 30
B. L. Taschenberg, Bemerkungen zu den Arten’ der“ Gattung
Pimpla bei Durchsicht der Gravenhorst’schen Dypeniara » 50
— — , die Schlupfwespenfamilie Pimplariae der deutschen Fauna
- mit besonderer Rücksicht auf die Umgegend von Halle. . . 245
Vasquez und Bassols, Analyse einer dem Erdpech ähnlichen Sub-
stanz gefunden in einer Höhle bei Catemu in Chile. . . . 447
I. Witte, die Vertheilung der Wärme auf der Erdoberfläche . . 401
Mittheilungen.
C. Giebel, Hypoderas Nitz —= Hypodectes Filippi 79; Caridina
siamensis n sp. 329; über Borsteneichkätzchen 452; der lithographirte
lithographische Vogelsaurier 526. — H. Kenngott, Analcim mit Des-
min und Stilbit bei Andreasberg 452. — Z. Möller, der Erdfall bei
Dachrieden unweit Mühlhausen 450. — H. Richter, naturgeschicht-
liche Beobachtungen bei Saalfeld 531. — Z. Richter, Analyse einer
Hornblende von Brackendorf in Ungarn und einer Scheidungsmethode
der Magnesia von Natron 68. — M. Siewert, Analyse einer "Amnions-
flüssigkeit 146; über reines Zinkoxyd und über das Atomgewicht des
Zinks 150; Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit; über das
Oxalium; Analyse eines Stassfurter Kalisalzes 77. — G. Suckow, über
Metallreduktion 328. — C. Zincken, das Braunkohlenlager von Latdorf
bei Bernburg. (Tf. III) 330.
Literatur.
Allgemeines. E. Hallier, Nordseestudien (Hamburg 1863)
533. — (C. Hullmann, das Grundgesetz der Materie (Oldenburg 1863)
533. — Öfversigt kgl. Vetensk. Akad. Forhdl. XVIII. (1861) 330. —
Oversigt over det kgl. danske Vid. Selskp. Forhdl. (1861) 80. — Kgl.
svenska Vet. Acad. Handlgar III (1860) 331. — KH. Pompper, die
wichtigsten Formen des Thierreiches (Leipzig 1863) 533. — G. Ra-
mann, die Erdbildung oder die Entstehung und Zusammensetzung
IV
der Erdrinde (Erfurt 1863) 81. — 6. Suckow, zur Naturwissenschaft
(Berlin 1863) 532.
Astronomie u. Meteorologie. Cornelius, Meteorologie
(Halle 1863) 151. — Feuerkugel in NDeutschland am 7. Januar 82. —
@. Kratzsch, meteorologische Beobachtungen von Gera 455, — @. von
Möllendorf, die Regenverhältnisse Deutschlands 455. — 4A. Mühry,
klimatographische Uebersicht der Erde (Leipzig 1862) 81. — Nomack,
über die Gewitter 454. — Schneider, merkwürdige Erscheinungen bei
dem Gewitter am 26. April 1862 153. — Schönfeld, Beobachtungen von
Nebelflecken und Sternhaufen 454. — Simmler,, Beobachtung des Zo-
diakallichtes bei Chur 83. — Simonett, meteorologische Beobachtun-
gen in Splügen, auf dem Bernhardin und Julier 81. — sSimony,
Wärmeverhältnisse Wiens 82.
Physik. Angström, das Wärmeleitungsvermögen des Kupfers
und Eisens bei verschiedener Temperatur 436. — Aubert, die Sinnes-
thätigkeit der Netzhaut 155. — Berger, über Grundeisbildung 332;
über Nebel 534. — Dammer, Fluorescenz der Wärme 83. — Dove,
das Hörbarmachen von Beitönen durch Interferenz 83. — Keddersen,
die elecetrische Funkenentladung 155. — Fizeau, das Licht des in der
Luft verbrennenden Natriums 332. — Gassiot, die Wärmeentwickelung
an den Polen einer voltaischen Batterie 536. — Haerlin, das Verhal-
ten einiger Farbstoffe im Sonnenspektrum 332. — Kravogl, Quecksil-
berluftpumpe 333. — Zamy, das Thallium 333. — Zeroux, anomale
Dispersion des Joddampfes 334. — Mascart, Wellenlänge der Linie
A 458. — Merz, das Farbenspectrum 334. — Mitscherlich, zur Spec-
tralanalyse 334. — Mohr, die Endigungen der Blitzableiter 85; über
Flecks Beziehungen zwischen Atomgewicht und specifischem Ge-
wichte 335. — J. Müller, Bestimmung der Wellenlänge einiger hellen
Spectrallinien 457. — Paalzom, über die Glüherscheinung am positi-
ven und negativen Pole bei der Entladung einer Leydener Batterie
453. — Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspectra 86. —
$. Ringer, über die Aenderung der Tonhöhe bei Leitung von Tönen
durch verschiedene Medien 458. — ARood, das Studium des electrischen
Funkens mittelst Photographie 335. — H. Rose, Zusammensetzung
eines fossilen Eies 336. — ARüdorff, das Gefrieren des Wassers aus
Lösungen 85. — Sauber, Brechungs- und Zerstreuungsverhältnisse ei-
niger organischer und unorganischer Substanzen 337. — Schaffgotsch,
specifische Gewichtsbestimmung fester Körper beim Schweben 157.
— Schneider, Erzeugung von Tönen durch Wärme 337. — Schrauf,
Abhängigkeit der Lichtfortpflanzung von der Körperdichte 158. —
Tyndall, Strahlung und Absorption der Wärme durch Gase 160. —
Vogel, einfaches Verfahren mikroskopische Ansichten zu photographi-
ren 337. — Weiss, Spectralbeobachtungen 162. — Wiederhold, einige
Zersetzungen des chlorsauren Kalis durch katalytische Wirkung 162.
— Zehfuss, eine mechanische Wirkung des elektrischen Funkens 163.
— Zöllner, neue Art anorthoskopischer Zerrbilder 163.
Chemie. 4Arppe, die Azelainsäure 537. — Bachmann, eine
Lederschmiere 175. — Barth u. Hlasiwetz, neue Säure aus dem Milch-
zucker 338. — Baudrimont, Darstellung des Phosphorsulfochlorids
339. — Bauer, Reaktionen des Bromamylens 164. — Beilstein, Syn-
these des Amylen und Porpylen 542; Einwirkung des Jodphosphors
auf Glycerinsäure 87. — Bereitung des Knochenmebles 463. — (. Bischoff,
relative Schmelzbarkeit verschiedener Silikate 462. — C. Bödeker,
Darstellung der Wismutbsäure 458. — Fr. Briegleb u. Geuther, über
Stickstoffverbindungen 458. — Calvertu. Johnson, Wirkung der Schwe-
felsäure auf Blei 353. — Cannizaro u. Rossi, die Radikale der aroma-
tischen Alkohole, des Benzoe-, Cumin- und Anisalkohols 339.— Carius,
Entstehung der Schwefelessigsäure; Einwirkung des Selenphosphor
auf Alkohol 538. — Chevreul, Nachweis kleiner Mengen oxalsauren
Kalkes durch salpetersaures Silberoxyd 88. — Cloez, Wirkung des
Chlors und Broms auf Holzgeist 340. — Davanne u. Giraud, über
V
Sulfoeyanammonium 463. — Davidson, Einwirkung des Bromäthylens
auf Pyridin 340. — Delanue, Anwendung des Baryts bei der Melas-
senreinigung 463. — Diehl, Atomgewieht des Lithiums 165. — Du-
four, das spec. Gewicht des Eises 538. — Bliot u. Storer, chromsau-
res Chromoxyd und analoge Chromate 165. — Erdmann, Erkennung
der Bluttiecke in forensischen Fällen 341; zum Nachtheil organischer
Alkaloide 88. — Eylerts, chemische Untersuchung der Runkelrübe in
verschiedenen Wachsthumsperioden 340. — Fleury, Umwandlung des
Harnstoffs in Rhodanammonium 459. — Frankland, neue Borenthal-
tende organische Verbindungen; die Entzündungstemperatur des Stein-
kohlenleuchtgases 539. — Freund, zur phenylschwefeligen Säure und
der Phenylschwefelsäure 341. — Friedel u. Machura, Brombuttersäure
86. — Geuther u. Forsberg, über krystallisirte wolframsaure Salze
insbesondere künstlichen Wolfram 89. — Geuther, Einwirkung von
Phosphorchlorid auf einbasische organische Säuren; Zersetzung des
Chloroforms durch alkoholische Kalilösung 459. — Graham, Transpi-
ration von Flüssigkeiten 459. — Gilmer, Identität von Melampyrin
und Duleit 438. — Günsberg, die im Wasser löslichen Bestandtheile
des Weizenklebers 350. — Haneberg, Stohmann u. Rautenberg, Unter-
suchung des Harns der Pflanzenfresser 540. — Harbord, über Amido-
benzoesäure und über das Rautenöl 540. — Hague, der Guano von
den Inseln des stillen Oceans 95. — Hirsch, Reinigung des Fuselöles
175. — Hlasiwetz, einige Xanthinsäureverbindungen 342. — A. Huse-
mann, über Rhodanammonium und einige Harnstoffe 495; über Ae-
thylsulfocarbonat 460. — Kemper, Analysen einiger kampfersauren
Salze 165. — Kolbe, chemische Constitution des Asparagins und der
Asparaginsäure 342. — Korovaef, der Kischtim-Parasit, neues Mine-
ral 343. — Kraute, die Aether der Mellithsäure 166. — Kromayer,
über das Syringin 343; das Enzianbitter 344. — Zandolt, Stibmethyl]-
verbindungen 90. — Lenssen, chemische Verbindungen 176; eine Dif-
fusionserscheinung 345. — Lerch, die aus Kohlenoxyd darstellbaren
Säuren 541. — v. Liebig, Darstellung von Jodlithium, Jodcaleium, Jod-
kalium, Jodnatrium 345. — Zinnemann, Bildung des Mannits aus
Zucker 460. — Zoemwenthal u. Lenssen, chemische Untersuchungen 344.
— von Lourengo, die Polyäthylenalkohole 345. — Zuchs, über Collo-
diumbereitung 464. — Zucknomw, die Cochenilletinktur und ihre An-
wendung in der Alkali und Acedimetrie 91. — Ludwig, Chemisches
der Pilze 166; aus dem Laboratorium des chemischpharmaceutischen
Institutes 345. — Martius, rothe Tinte früherer Jahrhunderte 166. —
Matthiesen u. v. Rose, einige Goldzinnlegirungen; die Bleizink- und
Wismuthzinklegirungen 91. — Mayer, genaue Bestimmung der Alka-
loide mittelst einer Massflüssigkeit aus Quecksilber 353. — Mehla,
Berberin in Hydrastis canadensis 166. —- Mendius, neue Umwandlung
der Nitrite 166. — Menetries, die bei der Einwirkung von Bromäthy-
len auf Strychnin entstehenden Verbindungen 346. — Meynier, schwe-
felsaures Eisenoxydulammoniak 354, — Moitissier, das Camphorylchlo-
rid 167. — Zd. Müller, zur Kenntniss der Untersalpetersäure 347, —
Millon u. Commaille, gänzliche Reinigung des Silbers 354. — Neubauer,
über Kreatinin 168. — Niepce, Wirkungen der Electrieität und des
Lichtes 92, — O’Neil, Anwendung des Kampfers 354. — Oppenheim,
über Münzenkampfer 168. — Overbeck, dreizehn Fragen über Merkur
168. — Parmelee, Vulkanisirung des Cautchoucs 354. — Peckoldt, der
Bitterstoff der Samen von Feullea cordifolia 349. — Pettenkofer, Dar-
stellung des Jodkaliums mittelst schwefelsauren Kalis 349. — Petzold,
zur Naturgeschichte der Torfmoore 349. —- Pleischl, Auflöslichkeit des
Bleies aus Bleizinnlegirungen 176. — Riche, Phensäure und Benzin
349. — Eieth u Beilsten, Darstellung von Zinkäthyl 461. Synthese
des Amylen und Porpylen 542. — Ritthausen, die Bestandtheile des
Weizenklebers 350.— Rochleder, über Saponin und Cainein und deren
Spaltungsprodukte 350. — Roscoe, über den Ueberchlorsäureäther
42. — Kommieu, der grüne Farbstoff französischer Kreuzdornar-
vI
ten 92. — Rubel, krystallisirbarer mannitähnlicher Stoff aus Evony-
mus europaeus 169, — de la Rue u. H. Müller, über Terephtalsäure
und deren Derivate 169. — Salm-Horstmar, die Nothwendigkeit des
Lithions und Fluorkaliums zur Fruchtbildung der Gerste 351. — Sauer-
wein, Methode der Unterscheidung des künstlichen Kampfers vom na-
türlichen 178. — Schi, Chromsuperoxyd in Chromsäure ‘92; Löslich-
keit der Salze 542. — R. Schmidt, über Sulfanilidsäure und Amido-
phenylschwefelsäure 169; die Reproduktionsprodukte des Nitroazoxy-
benzids 351. — sSchoenbein, Verhalten des Chlors, Jods und Broms
zum wässerigen Ammoniak und den alkalischen Oxyden 92; Vermö-
gen des Jodkaliums freies Jod gegen die Einwirkung freien Kalkes
zu schützen 93; Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs und Bar-
yums zum Jod und Jodstickstoff; Verhalten des Jods zum Stärkeklei-
ster und reinem Wasser bei höherer Temperatur; Verhalten des Al-
dehyds zum Sauerstoff 94; einige durch die Haarröhrchen Anziehung
des Papiers hervorgebrachte Trennungswirkungen 95; Erzeugung sal-
petersauren Ammoniaks 542. — Schröder, die höhern Oxydationsstu-
fen des Wismuths 172. — Schur, Fabrikation von Milchglas 464. —
Schwanert, über Camphren 544. — sSeekamp, Zersetzung der Oxal-
säure durch Sonnenlicht 351. — Simpson, Synthese der Bernstein-
säure und Pyronweinsäure 173. — Stein, das Pflanzengelb und ver-
wandte Körper 174. — Stenhouse, Larixinsäure 461 — Strecker, Be-
standtheile der Schweinegalle; Zersetzung des Caffeins und Alloxans
543; eine dem Chinin isomere Basis aus Cinchonin 544. — Thiel, die
Musenarinde 175. — Troost, Aequivalentgewicht des Lithiums 544. —
Vogel, Mittheilungen aus dem Laboratorium 177. — Ze Voir, Ammo-
niakgehalt des destillirten Wassers und Eisenoxyd im statu nascenti
95. — MWildenstein, Analyse der heissesten Mineralquelle zu Burt-
scheid 352. — Weil, das Petroleum von Pennsylvanien 354; Erdpeche
von Cuba 355. — Wertheim, über Coniin 461. — MWittstein, die Farbe
der Briefoblaten 178. — Wood, neue Eigenschaften des Cadmiums 178.
— Wurtz, Bildung des Alkohols aus Aldehyd 462; die Oxäthylenba-
sen 352. — Zinin, das Hydrobenzoin 353; 462.
Geologie. Auerbach, der Kalkstein von Malöwka 362. —
v. Benningsen-Förder, das nordeuropäische und besonders das vater-
ländische Schwemmland (Berlin 1863) 544. — Coguand, neue Etage
in der untern Kreide 361. — v. Dechen, vulkanische Hügelgruppe bei
Ochtendung; Lagerung zweier Lavaströme über einander bei Nieder-
mendig 188. — Feistmantel, untersilurischer Kalkstein in Böhmen 362.
— Fuchs, der Granit des Harzes und seine Nebengesteine 179. —
Gesner, Steinölquellen in NAmerika 361. — v. Hauer u. Stache, zur
Geognosie Dalmatiens 360. — Heymann, geschlossene Hohlräume in
den Felsen 466. — Jokely, Quader und Pläner im Bunzlauer Kreise
Böhmens 99. — KÄarrer, Lagerung der Tertiärschichten am Rande des
Wiener Beckens 546. — Zipold, Paralelle des Barrandeschen Silursy-
stems und des englischen 182.— Möhl, das Auftreten des Basaltes bei
Marburg (Halle 1863) 549. — Oppel, jurassische Posidonomyengesteine
in den Alpen 359. — Paul, Kreide des Königgrätzer und Chrudimer
Kreises in Böhmen 359. — Pichler, zur Geognosie Tyrols 183. — Pis-
sis, Geologie der Cordilleren zwischen dem Copiapo und Chompaios.
— Fr. Roemer, geognostische Verhältnisse bei Constantinopel 465. —
Rammelsberg, über den letzten Ausbruch des Vesuvs 97. — Aöthe,
krystallinisehe Gesteine im Riess 357. — Schloenbach, Schichtenfolge
des untern und mittlen Lias in NDeutschland 356. — v. Strombeck,
Kreide am Zellberge bei Lüneburg 358. — Suess, der Boden der Stadt
Wien (Wien 1862) 102; die einstige Verbindung NAfrikas mit SEuropa
345. — Tschermak, die Diabase und Porphyre am Harz 469. — Ver-
sunkener Wald 363. — Vogelsang, Kugelporphyr und Kugeldiorit von
Corsika 188. — Wenkenbach, die Ergänge an der untern Lahn und
Bei Rhein 185. — Zittel, die obere Numulitenformation in Ungarn
184. —
vi
Oryctognosie. AR. Blum, neues Zwillingsgesetz vom Or-
thoklas 472; dritter Nachtrag zu den Pseudomorphosen (Erlangen 1863)
549. — Böttger, vanadinhaltiges Bobnerz von Salzgitter 368. — Da-
mour , Tscheffkinit von Coromandel 368; Lherzolith 471. — v. De-
chen, Mineralien am Laacher See 193. — Goebel, das Erdessen in
Persien und Analysen solcher Substanzen 102; Analyse der Zinkblühte
von Tafl. 103. — Haidinger, Pseudomorphosen von Glimmer und Cor-
dierit 190. — Heymann, Pseudomorphosen von Glimmer und Andalu-
sit 191; Grengesit im Melaphyr bei Herrstein; Mineralien aus dem
Golddistrikt Australiens 191. — Holmberg, Analyse des Bonsdorffit
472. — Metaxoit und Pikrofluit 367. — v. Hornberg, mineralogische
Notizen 104. — Kenngott, über Staurolith, Disthen, Argentit, Rutil,
Scheelit 369. — v. Kokscharomw, Alexandrit 105. — Meteorsteinfall bei
Manow 365 — Mitscherlich, Zusammensetzung des Turmalins, Glim-
mers, der Hornblende und des Staurolith 370. — Pisani, Spinell von
Migiandone bei Ornavasso 472. — Pusyrewski, russische Apatite 470.
— Rammelsberg, Analyse des Scolopsit 369. — Reichardt, neues Vor-
kommen von Polyhalit 371. — v. Rath, Epidotkrystalle aus dem Zil-
lerthale; Granat am Gotthardt 192; Turnerit im Tavetsch 193. —
@. Rose, Asterismus der Krystalle 364. — H. Rose, Zusammensetzung
der Niobhaltigen Mineralien 366. — Sartorius, Berechnung der quan-
titativen mineralogischen Zusammensetzung der krystallinischen Ge-
steine (Göttingen 1862) 105. — Schmidt, der Fichtelit 104. — Schrauf,
zur Charakteristik des Anhydrits 364; der Meteorit von Alessandria
365. — v. Shaffschenskow, der Paligorskit 397. — Tamnau, thoniger
Sphärosiderit von Ponoschau 103 — Tschermak, Grundriss der Mine-
ralogie (Wien 1863) 548. — Ulrich, Kalkspath im Granit des Oker-
thales 105. — O. Weber, über Moosachate 193. — Zirkel, Monographie
des Bournonit 194.
Palaeontologie. Biedermann, Cheloniens tertiaires des en-
virons de Winterthur (Winterthur 1863) 556. — Davidson, Brachiopo-
den der untern Kohlenformatian von Neuschottland 556. — Gaudry,
der fossile Affe von Pikermi 108. 376. — Goeppert, über Stigmaria
ficoides 105. — Goldenberg, Pflanzenversteinerungen des Steinkohlen-
gebirges von Saarbrücken III Heft (Saarbrücken 1862) 194. — Güm-
bel, die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten 196. — Hell-
mann, die Petrefakten Thüringens Heft 2. 3 (Cassel 1862) 199. —
Huxley, neuer Pygocephalus 374; neue Labyrinthodonten des Kohlen-
gebirges 375. — Äner u. Steindachner, neue Beiträge zur Kenntniss
der fossilen Fische Oesterreichs (Wien 1863) 374. — Kirby, über per-
mische Arten 107; neue Chitonen im Bergkalk 374. — LZesquereux,
Pflanzen der nordamerikanischen Steinkohlenformation 372. — Zud-
wig, zur Paläontologie des Ural (Cassel 1862) 199. — v. d. Mark, fos-
sile Fische, Krebse und Pflanzen aus der Kreide Westphalens 555. —
Mayer, systematische Uebersicht der jurassischen Belemniten 372. —
Oppel, paläontologische Mittheilungen (Stuttgart 1862) 177. — Omen,
Reptilien des Koblengebirges 375. — Schafhäutl, Südbayerns Lethaea
geognostica (Leipzig 1863) 472. — Schenk, Pflanzen des lithographi-
schen Schiefers und des Keupers 195. — Stolizka, oligocäne Bryozoen
von Latdorf 106. — A. Wagner, Monographie der fossilen Fische aus
dem lithographischen Schiefer Bayerns (München 1863) 552. — 0. We-
ber, Pflanzen im vulkanischen Tuff der Vordereifel 196. — Würtem-
berger, Tertiärpflanzen aus dem Klettgau 106. — v. Zittel, zur Paläon-
tologie von Neuseeland 397.
Botanik. Ascherson, Vegetationslinie der Mark 380; frei-
willig eingewanderte Pflanzen in die deutsche Flora 377. — E. de Berg,
Additamenta ad Thesaurum Literaturae botanicae altera 206. — Brandis,
Baumyegetation in Indien 378. — Bolle, neue Umbelliferengattung
418. — Caspary, die Gefässbündel der Pflanzen 200; Bastard von Di-
gitalis purpurea und lutea 205. — Chatel, nouvelles observations sur
la maladie dela pomme de terre (Caen 1860) 557. — Garcke, die Ver-
vIu
wandtschaft von Carex spicata 478; Flora von Nord- und Mittel-
deutschland 6. Aufl. (Berlin 1863) 384; zur hallischen Flora 478. —
Grantzom, Aster salieifolius 477. — Hoffmann, mykologische Berichte;
Sylloge der hessischen Pilze 380. — Jodin, Oxydation durch Schim-
melpilze 380. — Irmisch, über Trifolium lupinaster 381; zur verglei-
chenden Morphologie 558. — Jese, zur Flora des Oderbruchs 475. —
Kabsch, Haare des Samenschopfs von Asclepias syriaca 378. — Kanitz,
Pflanzen Pannoniens etc. 378. — Karsten, Entwickelungserscheinungen
der organischen Zelle 558. — ZLasch, Bastarde von Dianthus carthu-
sianorum und arenarius 475; über Verbascumarten 382. — Liebe, geo-
graphische Verbreitung der Schmarotzerpflanzen 378. — Lindenberg,
die Torfmoore 377. — Miers, über Ephedra 108. — Möhl, morpholo-
gische Untersuchungen über die Eiche (Cassel 1862) 201. — Nobbe,
Verästelung der Pflanzenwurzel 379. — Nylander, Diatomeen 379. —
Regel, blühende Palmen 204. — H. @. Reichenbach, neue Orchideen
557. — Sanio, Gerbstoff in Holzflanzen 377; die Elementarorgane des
Holzkörpers 480. — v. Schlechtendal, über Beschorneria 379. —
Schultz -Schultzenstein, seltene Pflanzen der Mark 380; Analyse des
Bodens der Salzlacke bei Nauen in botanischer Beziehung 477. —
Schumann, preusische Diatomeen 199. — Seemann, Flora der Fidji-
inseln 377. — Seidekultur auf Java 379. — Treviranus, unvollkommene
Befruchtung 202; ungewöhnliches Blühen der Agave americana 203;
Auffassung der Dichogamie 377. — v. Uechtritz, neue Beiträge zur
Flora v. Halle 478. — Wimmer, salicologische Beiträge 109.
Zoologie. Adams, neue Genera Conchylien 385; japanische
Brachiopoden 387. — Allmann, über Hydroiden 385. — Altum, die
Nahrung unserer Eulen 394. — Benson, neue Landschnecken von Cey-
lon und Indien. 387. — Blackwell, Spinnen von Rio Janeiro 389. —
Blanford, indische Helix und Nanina 386. — Boeck, Spinnen der No-
vara-Expedition 389. — Brunner, Orthopteren der Novara-Expedition
389. — Boll, Rennthiergeweihe in Meklenburg 212. — Bucholz, Ana-
tomie des Enchytraeus und die bei Königsberg vorkommenden Arten
207. — Canestrini, neuer Ophicephalus 112.— Clark, neue mexikanische
Hydroporen 112. — Cornelius, Libellenzug bei Elberfeld 208. — Costa,
neue Mittelmeerfische; Bursinia neuer Fulgoride; Nephrosia neuer
Dyetiophore 112. — #berth, Myoryctes Weissmanni 111. — Filippi,
Lebister neuer Cyprinodont 112. — Finsch, Turdus pallidus und T.
obseurus 393. — v. Frauenfeld, Bithynia und Nematura 387; neue
österreichische Trypeta 390; das Lebendiggebären des Olm 482; Höh-
lercarychien und neue fossile Paludinen 386. — Gould, Chlamydera
guttata n. sp. 395. — Gray, neue Paragorgia 110; neues System der
Crokodilier 113. — Grube, Anceus und Praniza 388. — Günther, neue
Fische von Victoria; neue Fische und Amphibien des britischen Mu-
seums; neue australische Batrachier; neue Schlange 390. — v. Heug-
lin, zur Ornithologie NOAfrikas 393. — Hinks, neue britische Hydroi-
den 385. — Jeiteles, die Süsswasserarten von Cottus 211. — Johnson,
neue Fische von Madeira 390. — Mousson, Binnenconchylien im Orient
386. — Peters, über Cercosaura (Berlin 1862) 390; Schomburgks Am-
phibien von Adelaide 392. — Reeve, über Crania und Orbicula 110.
— Schödler, die Lynceiden und Polyphemiden um Berlin 208. —
M. Schultze, das Protoplasma der Rhizopoden und die Pflanzenzelle
(Leipzig 1863) 480. — Steindachner, ichthyologische Mittheilungen
210; 2 neue Batrachier 211. — Strauch, chelenologische Studien (Pe-
tersburg 1862) 560. — Struck, Amphibien bei Dargun in Meklenburg
211. — Theobald, über einige Alpenmäuse 212. — Wallace, neue Vö-
gel von Neu Guinea 393. — Weissmann, Entstehung des vollendeten
Insekts in Larve und Puppe (Frankfurt 1863) 559. — Wicke, ist der
Sperling schädlich ? 394,
Correspondenzblatt für Januar 115—120. — Für Februar
213—216. — Für März, April 395—400. — Für Mai 483—500. — Für
Juni 562—564.
“
Jeitschrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
1865. Januar. Ne l
Ueber die Bildung der Weinsäure und Traubensäure
durch Einwirkung von Salpetersäure auf verschiedene
Kohlehydrate
von
H. Hornemann.
“ Bereits im Jahre 1837 hatte Erdmann!) durch Ein-
wirkung von Salpetersäure auf Rohrzucker und Gummi eine
Säure erhalten, die er mit der kurz vorher von Guerin
Varry?) entdeckten Hydroxalsäure identisch erklärte und
über deren Bildung er die Angabe machte, dass die zur
Hälfte mit Kali gesättigte Lösung, die er durch Oxydation
von Zucker und Gummi erhalten, bei längerem Stehen sau-
res weinsaures Kali fallen lasse und dass demnach die
Zuckersäure nach und nach in Weinsäure übergehe. In
Folge einer Untersuchung, die Hess und Thaulow °) mit dem
durch Oxydation von Zucker erhaltenem sauren Kalisalze
angestellt hatten, wonach sie dasselbe als saures zucker-
saures Kali constatirten, nahm späterhin Erdmann seine
früher ausgesprochene Ansicht über die Bildung der Wein-
säure insofern zurück, als erin einer Nachschrift®) zuden Ver-
suchen von Hess und Thaulow erklärte, dass er der irrigen
Meinung gewesen sei, dass jenes Salz, aus dem er die mit
der Hydroxalsäure identische und von ihm für Weinsäure
') Annalen der Chemie und Pharmacie Band 21 pag. ı.
2) Dieselben Band 8 pag. 24.
») Dieselben Band 27 pag. 113 u. Band 30 pag. 302.
*) Erdmanns Journal für praktische Chemie Band 15 pag. 480.
XXI. 1863, l
2
gehaltene Säure gewonnen habe, wohl saures zuckersaures
Kali gewesen sei.
Es wurde damit die erste Angabe Erdmann’s allgemein
für einen Irrthum gehalten, bis Liebig!) später diesen Ge-
genstand wieder aufnahm. Er behandelte Milchzucker,
Gummi, Rohrzucker und Traubenzucker mit Salpetersäure
und erhielt wenigstens aus den beiden ersten wirklich
Weinstein, in Folge dessen er sich über jene von Erdmann
gemachte Angabe dahin aussprach, dass das von demselben
abgeschiedene saure Kalisalz ganz gewiss, da er jetzt wenn
auch nicht aus Rohrzucker, so doch aus Milchzucker und
Gummi Weinsäure erhalten habe, Weinstein gewesen sei.
Nachdem Liebig somit die Bildung des Weinsteins aus Zucker
constatirt hatte, warf er zugleich die Frage auf, ob die
Weinsäure und Zuckersäure gleichzeitig aus dem Milchzucker
oder ob zuerst Zuckersäure und aus dieser dann Weinsäure
gebildet werde. Da er selbst verhindert war, darüber Ver-
suche anzustellen, so sprach er nur die Vermuthung aus,
dass Letzteres wahrscheinlich statt habe, weil mit Zunahme
der Zuckersäure desto weniger Weinsteinsäure und umge-
kehrt mit Zunahme der Weinsteinsäure desto weniger Zucker-
säure entstehe.
Dieser Ansicht trat auch Heintz?) in seiner „Unter-
suchung über die Konstitution der Zuckersäure und Wein-
steinsäure“ bei, modificirte sie jedoch insoweit, als er sagte,
dass allerdings nicht zu bezweifeln sei, da aus dem Milch-
zucker neben Schleimsäure auch Zuckersäure gebildet werde,
dass aus dieser dann Weinsteinsäure entstehen könne, dass
jedoch, wie er durch den Versuch nachgewiesen habe, auch
Schleimsäure in Weinsteinsäure übergehe, und dass, da bei
der Einwirkung von Salpetersäure auf Milchzucker viel
mehr Schleimsäure als Zuckersäure entstehe, wohl anzuneh-
men sei, dass die grösste Menge der von Liebig gefundenen
Weinsteinsäure aus der Schleimsäure entstanden sei, womit
zugleich der Umstand in Einklang zu bringen sei, dass bei
Anwendung von Rohrzucker, der doch reichlich Zuckersäure
!) Annalen der Chemie u. Pharmacie Band 113 pag. 1.
2) Bericht der Academie der Wissenschaften zu Berlin 1860
pag. 283 — 291.
3
bilde, Liebig keine Weinsteinsäure hatte bemerken können.
Er erklärt dann die Bildung der verschiedenen Producte
der Salpetersäure auf Milchzucker in der Weise, dass zu-
nächst durch Einwirkung der Salpetersäure Schleimsäure, und
aus dieser durch fernere Einwirkung der Salpetersäure Wein-
steinsäure entstehe, dass dann der übrige Theil des Miich-
zuckers durch die Salpetersäure, die hier zugleich als soge-
nannte Contactsubstanz wirke, in Traubenzucker umgewan-
delt, darauf durch Oxydation in Zuckersäure und weiter
dann in Weinsteinsäure umgesetzt werde.
Gegen diese Ansicht trat Carlet!) auf. Derselbe hatte
Schleimsäure und zwar ausschliesslich die durch Oxydation
des Milchzuckers gewonnene der Behandlung mit Salpeter-
säure unterworfen und unter den Oxydationsproducten nur
Traubensäure ohne jede Beimengung von Rechtsweinsäure
erhalten. Da nun durch die Oxydation des Milchzuckers
Rechtsweinsäure mit ganz geringen Mengen Traubensäure
entsteht, die nach Carlet im Anfange der Operation aus der
Schleimsäure gebildet wird und in der Mutterlauge von der
auskrystallisirten Weinsäure zu suchen ist, so glaubte Carlet
damit bewiesen zu haben, dass die bei dem Versuche Lie-
bigs auftretende Weinsäure nicht aus der vorher entstande-
nen Schleimsäure gebildet sein könne.
Ausser der Schleimsäure hatte Carlet?) darauf auch
Duleit und Mannit der Oxydation mit Salpetersäure unter-
worfen und aus beiden wie aus der Schleimsäure nur Trau-
bensäure erhalten. Da nun Duleit und Mannit und wie
Carlet in seiner Arbeit angiebt auch die Schleimsäure sich
vollkommen inactiv gegen die Polarisationsebene verhalten,
so glaubte Carlet daraus, dass das aus denselben erhaltene
Product wiederum optisch inactiv sei, die Folgerung ziehen
zu dürfen, dass überhaupt die optische Eigenschaft eines
Körpers in direceter Beziehung zu der rein chemischen Ei-
genschaft stehen müsse.
Man hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass
optisch wirksame Körper die betreffende Eigenschaft nicht
nur in ihren Verbindungen, sondern auch durch ganze
ı) Journal de pharmacie et de chimie 40, 292.
2) Compt. rend. Tom. 51 pag. 137. h
1
4
Reihen ihrer chemischen Umsetzungsproducte beibehal-
ten. Es wäre dafür als Beispiel anzuführen, dass die
verschiedenen optisch wirksamen Zuckerarten dieselbe Ei-
genschaft in ihren Verbindungen mit Kochsalz zeigen,
ferner, dass die beiden optisch verschiedenen Campher die
betreffende Eigenschaftnichtnurinihren Oxydationsproducten,
den Camphersäuren, sondern auch in deren Derivaten den
Methyl- und Aethylcamphersäuren beibehalten. Wenn nun
auch diese im Ganzen doch vereinzelten Thatsachen zu
zeigen scheinen, dass öfter eine gewisse Beziehung zwischen
den optischen und chemischen Eigenschaften besteht, so
berechtigen dieselben doch keineswegs dazu, ein bestimm-
tes Gesetz. darüber auszusprechen. Namentlich gilt dies für
die von Carlet gemachte Hypothese, nach der zwischen den
verschiedenen Zuckerarten, Weinsäuren und deren Zwischen-
gliedern die Gesetzmässigkeit herrschen soll, dass die Links
und Rechts drehenden Zucker in Links- und Rechtsweinsäure,
die inactiven in die inactive Modification der Weinsäure die
Traubensäure übergehen müssten, eine Annahme, die zu
widerlegen ich unter Berücksichtigung der von Liebig und
Heintz erhaltenen Resultate die folgenden Versuche ge-
macht habe.
Versuch mit Milchzucker.
Es wurde nach den Angaben Liebigs 1 Theil Milch-
zucker mit 2, Theilen Salpetersäure von 1,32 spec. Gew.
nnd 21/, Theilen Wasser so weit erwärmt, bis eine lebhafte
Entwicklung von Kohlensäure und den Zersetzungsprodueten
der Salpetersäure eintrat. Wenn man mit grösseren Men-
gen arbeitet, so wird durch die bedeutendere Erhitzung der
Masse schon gleich im Anfang der Operation viel Oxalsäure
gebildet. Man thut deshalb gut, die erste heftige Einwir-
kungin kleineren Quantitäten vor sich gehen zu lassen. Ich
habe bei Verarbeitung von 1 Pfund Milchzucker denselben
in Quantitäten von je 4 Unzen in mehreren Kochflaschen
so weit erwärmt, bis die heftige Reaction eintrat und dann
dieselben sofort in kaltes Wasser gestellt. Es dauerte dann
gar nicht lange, bis die stürmische Gasentwicklung aufhörte,
worauf dann die einzelnen Quantitäten zusammengegossen
5
und nun gemeinsam in einem Glaskolben bei einer Tem-
peratur von 60 bis 80°C. erwärmt wurden. Man wählt dazu
einen Glaskolben mit langem Halse, dessen Oeffnung man
mit einem Trichter verschliesst, es entweicht dann bei der
angegebenen Temperatur so wenig Wasser, dass man bis
zu Ende der Operation keinen Zusatz von Wasser zu machen
hat. Wenn man sehr vorsichtig arbeitet, so kann man, was
schon Heintz bei der Oxydation des Rohrzuckers durch $Sal-
petersäure beobachtet hat, die Bildung der Oxalsäure fast
ganz vermeiden, wenigstens habe ich einmal aufdiese Weise
eine Flüssigkeit erhalten, die ganz frei von Oxalsäure war.
Dass ich auf die Verhütung der Bildung der Oxalsäure
so grosses Gewicht lege, hat darin seinen Grund, weil, wie
wir nachher sehen werden, sich neben der Weinsäure ganz
bedeutende Mengen Traubensäure bilden, die wegen ihrer
grossen Aehnlichkeit in Bezug auf ihre Reactionen mit der
Oxalsäure sehr leicht zu Irrungen Anlass giebt und deren
Abscheidung auch mancherlei Schwierigkeiten zur Folge
hat. Ganz besonders muss man vorsichtig sein, die Tem-
peratur nicht zu hoch werden zu lassen, wenn auch der
Process dann bedeutend verlangsamt wird.
Liebig lässt, nachdem sich der grösste Theil der Schleim-
säure abgeschieden hat, noch ein Viertel der angewendeten
Salpetersäure zusetzen, man kann ebenso gut von vornherein
die ganze Menge Salpetersäure anwenden, es wird, wenn
man nur die Temperatur mässigt, auch dann nicht mehr
Oxalsäure gebildet.
Die nach und nach sich euere Schleimsäure
kann man entweder abfiltriren oder auch in der Flüssigkeit
lassen, da dieselbe von einer Salpetersäure von der Stärke,
wie sie zu dem Versuch angewendet wird, nur wenig ange-
griffen wird.
Sobald die Flüssigkeit sich zu bräunen anfängt, setzt
man kleine Mengen Salpetersäure hinzu, wodurch dieselbe,
wenn damit nicht zu lange gezögert wird, sehr bald wieder
hell wird. Hat man jedoch den richtigen Zeitpunkt 'ver-
säumt, so hält es sehr schwer die Flüssigkeit vollständig
wieder zu entfärben, auch wenn man grössere Mengen Sal-
petersäure zusetzt. Gewöhnlich bildet sich dann viel Oxal-
6
säure, sowie es in diesem Falle schwer hält einen farblosen
Weinstein zu erhalten.
Man prüft nach Liebigs Angabe öfters die Flüssigkeit
mit Kalilauge, die zu Anfang der Operation eine dunkle
Färbung hervorbringt, bis dieselbe am Ende fast vollständig
aufhört; ich habe bis zum Eintreten dieser Reaction durch-
schnittlich drei bis vier Tage gebraucht.
Nach Liebigs Angabe soll man nun die Flüssigkeit in
zwei Theile theilen, den einen mit kohlensaurem Kali sätti-
gen und dann den anderen zugiessen, worauf die Flüssig-
keit nach längerem Stehen Krystalle von saurem weinstein-
sauren Kali absetzen soll. Dies geschieht jedoch nur sehr
selten, je nach dem Gehalte der Flüssigkeit an freier Sal-
petersäure. Gewöhnlich ist davon noch so viel in der Flüssig-
keit vorhanden, dass der gebildete Weinstein davon in Lö-
sung gehalten wird. Versucht man denselben durch Zusatz
von Alkohol abzuscheiden, so scheidet sich gewöhnlich
salpetersaures Kali aus, ehe nur ein geringer Niederschlag
von Weinstein erfolgt.
Ich schlug deshalb zur Abscheidung der Weinstein-
säure einen andern Weg ein. Es wurde die saure Flüssig-
keit nach dem Verdünnen mit der 4- bis 5 fachen Menge
Wasser mit neutralem essigsauren Bleioxyd so lange ver-
setzt, als darin noch ein weisser Niederschlag gebildet wurde.
Es wurden dadurch die Bleisalze der Oxalsäure, Zuckersäure
und Weinsteinsäure gefällt. Dieser gemengte Niederschlag
wurde gut ausgewaschen, was sehr leicht zu bewerkstelli-
gen ist, wenn man dazu Wasser verwendet, das man bis
auf 50° C. erwärmt hat, so wie sich auch der Niederschlag
besser abscheidet, wenn man die Flüssigkeit vor der Fällung
bis auf diese Temperatur erwärmt hat; von diesem Nieder-
schlag wurden ungefähr ?/;, durch Schwefelsäure und darauf
das erhaltene Filtrat ‘mit dem zurückbehaltenen Bleisalz
durch Schwefelwasserstoff zerlegt. Man erreicht durch diese
Manipulation dasselbe, als wenn man den ganzen Nieder-
schlag durch Schwefelwasserstoff zersetzt hätte, indem man
nun die Säuren fast ganz frei von Farbstoff erhält, der durch
das zuletzt entstandene Schwefellei mit niedergerissen wird,
7
Die Zersetzung durch blosse Schwefelsäure ist aus zweierlei
Gründen nicht anzurathen, weil man erstens eine sehr stark-
braun gefärbte Flüssigkeit erhält, die sich nur äusserst
schwierig mit Knochenkohle entfärben lässt, und weil man
zweitens dann Gefahr läuft, freie Schwefelsäure in die
Flüssigkeit zu bekommen, die nachher. beim Eindunsten
leicht eine Zersetzung der Weinsäure herbeiführen könnte.
Nachdem man durch Kochen den Schwefelwasserstoff
entfernt hat, engt man das Filtrat bis auf ungefähr 6 Unzen
ein und sättigt es dann zur Hälfte mit kohlensaurem Kali;
lässt man nun die Flüssigkeit ruhig stehen, so dauert es
immer noch lange, ehe sich Weinstein abscheidet. Man be-
fördert dies dadurch, dass man die Flüssigkeit mehre
Stunden erwärmt und sie öfters durchschüttelt; hat
einmal die Ausscheidung begonnen, so schreitet sie sehr
schnell fort.
Der gebildete Niederschlag enthält saures oxalsaures,
saures zuckersaures, saures weinsaures und wie wir sehen
werden auch ganz bedeutende Mengen saures traubensau-
res Kali. Um ihn von der Oxalsäure zu befreien. schlug
ich zunächst den Weg ein, den Liebig angegeben, wonach
man nämlich den Niederschlag in der geringsten Menge
heissen Wassers löst, filtrirt und dann erkalten lässt. Da
der entstandene Niederschlag jedoch mit verdünnter Chlor-
ealciumlösung einen reichlichen Niederschlag gab, den ich
für oxalsauren Kalk hielt, so versuchte ich durch Auswaschen
das etwa noch vorhandene oxalsaure Kali zu entfernen.
Auch dieser Versuch misslang, indem das Waschwasser
so lange, his endlich der ganze Niederschlag gelöst war,
eine reichliche Fällung mit verdünnter Chlorcalciumlösung
gab. Ein dritter Versuch in der Weise angestellt, dass ich
den Niederschlag in heissem Wasser löste, Chlorcaleium und
dann essigsaures Natron zusetzte, gab allerdings insofern
ein günstigeres Resultat, als nun der erhaltene Weinstein
keine Fällung mit Chlorcalcium gab, jedoch wurde damit auch
die Traubensäure entfernt, die ich desshalb auch das erste
Mal übersah. Als ich später die Gegenwart der Traubensäure
fand, behandelte ich das so abgeschiedene Kalksalz mit con-
8
centrirter Kalilauge und erhielt durch Kochen des Filtrats
eine reichliche Ausscheidung von traubensaurer Kalkerde.
Als den geeignetsten Weg, um die Oxalsäure zu ent-
fernen, habe ich den folgenden gefunden. Wenn man die
Oxydation des Milchzuckers vollendet und die Schleimsäure
durch Filtriren abgeschieden hat, versetzt man die noch Sal-
petersäure haltende Flüssigkeit mit so viel kohlensaurem
Kalk, bis eine davon abfiltrirte Probe keinen Niederschlag
mit Chlorcaleium giebt. Die Lösung hält gewöhnlich noch
so viel freie Salpetersäure, dass wohl oxalsaurer Kalk aber
kein traubensaurer Kalk darin gefällt wird. Zur Sicherheit
untersucht man den gebildeten oxalsauren Kalk noch durch
Behandeln mitKalilauge auf Traubensäure, jedoch ist selten
etwas davon gefällt. Hat man die Oxalsäure auf diese Weise
ausgefällt, so behandelt man dasFiltrat auf die oben genannte
Weise durch successives Fällen mit Bleizucker, Zersetzen
des Niederschlages durch Schwefelsäure und Schwefelwas-
serstoff und Sättigung der so erhaltenen Säuren zur Hälfte
mit Kali weiter. Vom zuckersauren Kali befreit man den
erhaltenen Weinstein in der Weise, dass man ihn in der
kleinsten Menge kochenden Wassers löst und das Filtrat
langsam erkalten lässt, wo sich dann das saure weinsaure
und saure traubensaure Kali in harten Krusten abscheidet.
Gewöhnlich ist es noch etwas gelb gefärbt, durch Behan-
deln mit Knochenkohle erhält man es aber fast vollkommen
farblos.
Von diesem Salze wurde eine Quantität im Platintiegel
durch gelindes Glühen in kohlensaures Kali verwandelt:
0,2295 Grm. geben 0,0823 Grm. kohlensaures Kali, die
entsprechen 0,0561 Grm. Kali,
artına
Erhalten Nach der Formel . ee berechnet
24,44 Kali 25,0 Kali
75,56 Weinsäure 75,0 Weinsäure
100,00 100,0.
Zur Prüfung auf das optische Verhalten der in dem
Weinstein enthaltenen Säure wurde derselbe wiederum mit
9
neutralem essigsauren Blei gefällt und der erhaltene Nieder-
schlag mittelst Schwefelwasserstoff zersetzt. Als darauf das
Filtrat auf ungefähr eine halbe Unze eingedunstet ruhig
zum Erkalten hingestellt war, war eine grosse Menge von
Krystallen ausgeschieden. Anfänglich lag die Vermuthung
nahe, dass diese Krystalle ein in Folge unvollkommenen
Auswaschens des Bleiniederschlages oder durch Aufnahme
von Ammoniak aus der Luft sehr saures Kali- oder Ammo-
niaksalz sein könnte. Da jedoch einestheils die Krystalle
ohne jeden Rückstand auf dem Platinblech verbrannten,
und anderntheils durch Kali kein Ammoniak nachzuweisen
war, da ferner die Weinsteinsäure sehr schwer krystallisirt,
so war zu vermuthen, dass die entstandenen Krystalle reine
Traubensäure waren, um so mehr als die ursprüngliche Lö-
sung, mittelst des Mitscherlichschen Polarisationsapparats un-
tersucht, eine viel geringere Drehung der Polarisationsebene,
als die gewöhnliche Weinsäure zeigte, und nach dem Ver-
dünnen mit Wasser sowohl durch Chlorcalcium als auch
nach längerem Stehen durch Gypssolution gefällt wurde.
Da Liebig die Bildung der Traubensäure nicht beobach-
tet hat und dessen Weinsäure nach Bohns!) Angaben ganz
das gleiche Drehungsvermögen wie die gewöhnliche Wein-
steinsäure haben soll, so scheint derselbe wirklich nur
Rechtsweinsteinsäure gehabt zu haben. Ich habe desshalb
den Versuch mehrere Male auch mit verschiedenen Ver-
hältnissen von Milchzucker und Salpetersäure wiederholt
und stets das Gemenge von Weinsteinsäure und Traubensäure
erhalten, so dass die Bildung von Traubensäure wohl als
constant zu betrachten ist. Auch hatte Carlet schon bei der
Oxydation des Milchzuckers durch Salpetersäure die Bildung
der Traubensäure beobachtet, wenn er auch nur Spuren
davon erhalten hatte. Da sich bei meinen Versuchen nun
stets eine ganz bedeutende Menge Traubensäure ausschied,
so war es von Interesse, das Verhältniss der Traubensäure
zur Weinsteinsäure zu bestimmen:
Zu dem Ende wurden mehrere Vorversuche gemacht,
um. die beiden Säuren von einander zu scheiden. Als bestes
!) Annalen der Chemie und Pharmacie Band 113 pag. 19.
10
Unterscheidungsmittel wird gewöhnlich angegeben, dass der
durch überschüssiges Kalkwasser in freier Weinsäure her-
vorgebrachte Niederschlag von weinsteinsaurer Kalkerde in
Salmiak löslich, der traubensaure Kalk dagegen unlöslich
sei. Lässt man jedoch eine solche salmiakhaltige Lösung
längere Zeit stehen, so scheidet sich weinsteinsaurer Kalk
in harten durchsichtigen Krystallen aus. Versetzt man fer-
..ner die Lösung der Weinsteinsäure mit Chlorcaleium und
essigsaurem Natron, so entsteht wohl im Anfange kein Nie-
derschlag, jedoch nach tagelangem Stehen, hat sich gleich-
falls eine ganz bedeutende Menge von weinsaurem Kalk
abgeschieden; dasselbe findet auch dann statt, wenn man
diese Lösung noch mit Salmiak versetzt hat.
Versucht man aus einem Gemenge beider Säuren die
Traubensäure mittelst Gypssolution zn fällen, so wird wohl
der grösste Theil der Traubensäure abgeschieden, jedoch
bleibt auch nach mehreren Tagen noch ein Theil der Trau-
bensäure in Lösung; sättigt man das Gemenge der beiden
Säuren zur Hälfte mit Kali und fügt dann Gypssolution
hinzu, so erhält man den traubensauren Kalk bis auf we-
nige Procente wieder. Um auch diese Differenz auf ein
Minimum zu reduciren, liess ich zunächst die Traubensäure
zum grössten Theil auskrystallisiren. Die Krystalle wurden
auf einem Trichter ausgewaschen und dann auf dickem
Filtrirpapier durch Liegen an der Luft getrocknet und ge-
wogen. Das Papier wurde mit Wasser ausgewässert, die
erhaltene Flüssigkeit mit dem Waschwasser und der Mutter-
lauge vereinigt; daraus die noch vorhandene Traubensäure,
nachdem die Lösung zur Hälfte mit Kali abgesättigt wor-
den, durch Gypssolution ausgefällt und in dem Filtrat nach
Entfernung der Schwefelsäure durch salpetersauren Baryt
und nach Absättigen mit Kali bis zur schwach sauren Re-
action die Weinsäure mittelst Bleizucker gefällt. Der gut
ausgewaschene Niederschlag wurde dann mit Schwefelwasser-
stoff zersetzt und das erhaltene Filtrat mit Normalnatron-
lauge titrirt.
Vor der Scheidung wurde die Gesammtmenge der bei-
den Säuren mit !/, Normalnatronlauge bestimmt. Zu 10 CC.
der auf 100 CC. gebrachten Lösung wurden verbraucht
‚on
7,7 CC. Natronlauge, die entsprechen 0,5775 Grm. des Säure-
hydrats. Angewendet wurden die andern 90 CC., worin somit
9,197 Grm. des Gemisches enthalten waren.
Auskrystallisirt waren 1,806 Grm. Traubensäure von
der Formel C®H°O!? — 2 HO die entsprechen 1,612 Grm.
Traubensäure von der Formel C®H°O!?, Die Menge des durch
Gypswasser abgeschiedenen und im Exsiceator getrockneten
Niederschlags von traubensaurem Kalk betrug 0,93 Grm.
die entsprechen 0,537 Grm. Krystallwasserfreiem Trauben-
säurehydrat.
Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. aufgefüll-
ten Weinsäurelösung wurden gebraucht 3,9 CC. Normalna-
tronlauge die entsprechen: 0,2925 Grm. Weinsäure;
dies auf 100 CC. berechnet giebt 2,925 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 1,612
Traubensäure vom Kalksalz 0,537
Traubensäure | 2,149
Weinsäure 2,925
5,074.
Erhalten in 100 Berechnet auf 100
Angewendet 5,197 Weinsäure 56,9 Weinsäure 57,6
Erhalten 5,074 Traubensäure 41,4 Traubensäure 42,4
Verlust 0,123. alu 100,0,
100,0.
Daneben wurde das Polarisationsvermögen Jes Ge-
misches und der darauf abgeschiedenen Weinsäure mit Hülfe
des Mitscherlichschen Polarisationsapparates bestimmt. Das
Drehungsvermögen des Gemisches betrug bei einer Länge
des Beobachtungsrohrs von 2 Decimeter, bei einem spec.
Gewicht von 1,108 und einem Gehalte von 21,6 Procent
8 Grad nach Rechts,
woraus sich das Molecularrotationsvermögen
berechnet zu @« = —ı lin
1,108. 2. 0,216
Nach der Trennung beider Säuren betrug das Drehungs-
vermögen der Weinsäure
12
bei einem spec. Gewicht von 1,057
bei einem Gehalt von 12,4 Procent
3 Grad nach Rechts,
woraus das Molecularrotationsvermögen sich berechnet zu
an
01.057. 2,,0,124
Bei dieser Gelegenheit wurde das Molecularrotations-
vermögen der gewöhnlichen Weinsäure bestimmt. Bei einer
Temperatur von 22° C. betrug die Ablenkung
bei einem spec. Gewicht von 1,094
bei einem Gehalt von 20 Procent
5,2 Grad nach Rechts,
woraus das Molecularrotationsvermögen der Weinsäure sich
32
berechnet zu & = 1.098. 2. 02 —= 11,9.
& — a3:
Die Lösung der abgeschiedenen Traubensäure zeigte
gar keine Ablenkung.
Wenn nach der letzten Beobachtung eine Ablenkung
von 5,2 Grad einen Gehalt der Lösung von 20 Procent
Weinsteinsäure angiebt, so würde man bei einer Drehung
von 3 Grad 11,5 Procent annehmen müssen, die in den
obengenannten 21,6 Procent der Lösung enthalten waren. Da
sich daraus das Verhältniss der Weinsäure zur Trauben-
säure für 100 Theile wie 53,2 zu 46,8 berechnen würde, wäh-
rend der Wägungsversuch das Verhältniss von 57,6 zu 42,4
ergiebt, so muss man annehmen, dass in der abgeschie-
denen Weinsäure noch Traubensäure enthalten war, wodurch
dann auch das Molecularrotationsvermögen derabgeschiedenen
Weinsäure dem der gewöhnlichen näher kommt. Da jedoch
diese Differenz ebensogut durch einen Beobachtungsfehler
herbeigeführt sein kann, der um so leichter eintreten kann,
als es schwer hält, bei so kleinen Mengen farblose Lösungen
zu bekommen, so werde ich hier so wie bei den folgenden
Versuchen immer das Mittel aus dem auf optischen Wege
und dem durch die Gewichtsbestimmung erhaltenem Resul-
tate als das richtigere Verhältniss annehmen.
® 13
Bestimmung:
durch Polarisation durch Wägung Mittel
Weinsäure 53,2 57,6 55,4
Traubensäure 46,8 42,4 | 44,6
100,0 100,0 100,0.
Versuch mit Gummi.
1 Pfund Gummi arabicum wurde ganz ebenso wie der
Milchzucker der Oxydation mit Salpetersäure unterworfen,
Man löst zuerst das Gummi in dem angegebenen Quantum
Wasser und erwärmt es dann mit der angegebenen Menge
Salpetersäure in kleinen Quantitäten in einer geräumigen
Porzellanschale, da bei der ersten Einwirkung die Masse
sehr stark schäumt. Wenn diese stattgefunden hat, so ver-
schwindet auch sehr bald der Schaum, so dass man dann
die einzelnen Portionen wieder wie beim Milchzucker zu-
sammen in einem Kolben weiter erhitzen kann. Der Pro-
cess verläuft wie beim Milchzucker, nur bildet sich bei
weitem weniger Schleimsäure, die sich nicht wie bei jenem
pulverförmig, sondern meist auf der Oberfläche als schaumige
Masse abscheidet. Ebenso ist die Ausbeute an Weinsäure
und Traubensäure bei weitem geringer als,beim Milchzucker.
Nach drei bis vier Tagen ist der Process vollendet, man ent-
fernt mit kohlensaurem Kalk die gebildete Oxalsäure, fällt
mit Bleizucker und zersetzt das Bleisalz durch Schwefel-
säure und Schwefelwasserstoff. Hat man das so erhaltene
Gemenge der entstandenen Säuren Zur Hälfte mit kohlen-
saurem Kali abgesättigt, so hält es hier besonders schwer,
Weinstein daraus abzuscheiden, es dauert zuweilen Tage
lang, ehe eine Ausscheidung beginnt, man beschleunigt die-
selbe durch längeres Erwärmen im Dampfbade und öfteres
Schütteln. Das erhaltene Krystallmehl wird auf die oben
beim Milchzucker angegebene Weise vom zuckersauren
Kali getrennt; der erhaltene Weinstein besteht ebenfalls
- aus saurem weinsteinsauren und saurem traubensauren
Kali, da sowohl schwefelsaure Kalkerdelösung in der freien
. Säure einen reichlichen Niederschlag von traubensaurem Kalk
hervorbringt, als auch die Polarisationsebene durch die Lö-
14
sung nach Rechts bedeutend abgelenkt wird. Die Säuren
wurden auf die oben erwähnte Weise getrennt und dabei
folgende Resultate erhalten.
Vor der Trennung wurden wieder 10 CC, der auf
100 CC. gebrachten Lösung mit !/;, Normalnatronlauge ge-
sättigt, von der 5,3 CC. gebraucht wurden, so dass die
Menge der zur Trennung angewendeten @nantität in den
übrigen 90 CC. der Lösung 3,5775 Grm. Säure betrug.
Auskrystallisirt waren 0,893 Grm. Traubensäure die
entsprechen 0,798 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure-
hydrat. Die Menge des abgeschiedenenen traubensauren
Kalks betrug 0,757 Grm. die ehtsprechen 0,437 Grm. krystall-
wasserfreiem Traubensäurehydrat.
Zur Sättigung von 10 CC. der auf 100 CC. gebrachten
Weinsäurelösung waren 2,9 CC. !/, Normalnatronlauge er-
forderlich, die entsprechen 0,2175 Grm. Weinsteinsäure.
Wenn man dies auf 100 CC. berechnet, so waren also vor-
handen 2,175 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 0,798
Traubensäure von Kalksalz 0,437
Traubensäure 1,235
Weinsäure 2,175
3,41.
Erhalten in 100. Berechnetauf100.
Angewendet 3,5775 Weinsäure 60,8 Weinsäure 63,8
. Erhalten 3,41 Traubens. 34,5 Traubens. 36,2
Verlust 0,1675 Verlust #1 100,0.
100,0.
Bei der Untersuchung im Polarisationsapparat betrug
die Ablenkung vor der Trennung
bei einem spec. Gewicht der Lösung von 1,076
bei einem Gehalt von 16,5 Procent
2,3 Grad nach Rechts,
woraus sich berechnet das Molecularrotationsvermögen
2,3
= 6.7 511,0768)62%0;165u0m ar
15
Nach Abscheidung der Traubensäure betrug die Ab-
lenkung
bei einem spec. Gewicht von 1,051
bei einem Gehalt von 10,1 Procent
2,2 Grad rechts,
woraus sich ergiebt das Molecularrotationsvermögen
bi; 22
5 1,05%. 2:.:0,101
Berechnet man nach der oben beim Milchzucker an-
gegebenen Weise das Verhältniss der beiden Säuren, so
würden wir in 100 Theilen des Gemenges 62,3 Theile
Weinsäure und 37,7 Theile Traubensäure anzunehmen haben.
& — 1,04,
Bestimmung
durch Polarisation durch Wägung Mittel,
Weinsäure 62,3 63,8 63,0
Traubensäure 37,7 _ 36,2 37,0
100,0 100,0 100,0
Da die Differenz zwischen dem Molecularrotationsver-
mögen der hier abgeschiedenen und dem der gewöhnlichen
Weinsäure ziemlich bedeutend ist, ohne dass in der abge-
schiedenen Weinsäure Traubensäure nachzuweisen war, SO
könnte man diese Differenz vielleicht dadurch deuten, dass
der Weinsäure die sogenannte inactive Weinsäure beige-
mengt gewesen wäre, die Pasteur gelegentlich bei der Um-
wandlung der gewöhnlichen Rechtsweinsäure in Trauben-
säure beobachtet hat.
Versuch mit Rohrzucker.
Wenn man den Rohrzucker nach demselben Verhält-
niss, das man zur Oxydation des Milchzuckers angewendet
hat, mit Salpetersäure oxydiren will, so tritt gleich nach
der heftigen Einwirkung schon eine starke Bräunung der
Masse ein. Es wurde desshalb gleich von vornherein eine
stärkere Säure angewendet und dabei das Verhältniss genom-
° men, das Heintz zur vortheilhaftesten Darstellung der Zucker-
säure angiebt. Man nimmt danach auf 1 Theil Rohrzucker
3 Theile Salpetersäure von 1,3 spec. Gew. lässt die erste
heftige Einwirkung in kleineren Quantitäten vor sich gehen
16
und verfährt im Uebrigen ganz wie beim Milchzucker; nur
muss man viel öfter Salpetersäure nachgiessen, um eine
Färbung ‘der Flüssigkeit zu verhüten; auf eine Quantität von
1 Pfd. Zucker braucht man gewöhnlich noch 12 Unzen der
oben angegebnen Salpetersäure. Diese Färbung der Flüs-
sigkeit kommt, wie wir nachher sehen werden, ganz beson-
ders dem Linksfruchtzucker zu, der durch die Salpetersäure
gebildet worden ist, während Rechtstraubenzucker kaum ein-
mal und dann sehr spät braun wird, so dass man aus der
frühern oder spätern Bräunung der Flüssigkeit auf das Vor-
handensein von Linksfruchtzucker schliessen könnte. Auch
hier ist die Oxydation in 3—4 Tagen vollendet; man ent-
fernt die etwa gebildete Oxalsäure auf die früher ange-
gebne Weise und verfährt überhaupt ganz wie bei der Ab-
scheidung der Weinsäure aus dem Milchzucker.
Die Ausbeute an Weinstein ist, wenn nicht bedeuten-
der, so doch der aus dem Milchzucker aequivalent; die aus
dem Weinstein abgeschiedene reine Säure gab die Reactio-
nen der Traubensäure und liess beim Verdunsten bis zum
Eintreten einer Krystallhaut und langsamen Erkalten eine
ganz bedeutende Quantität Traubensäure herauscerystallisi-
ren. Da die Menge derselben mehrere Gramme betrug, so
wurden sie, nachdem sie nochmals umkrystallisirt und die
entstandenen Krystalle durch längeres Liegen auf dickem
Filtrirpapier vollkommen abgetrocknet waren, der Elemen-
taranalyse unterworfen, die folgende Resultate ergab.
I 0,3653 Grm. gaben 0,3825 Grm. Kohlensäure die
entsprechen 0,1043 Grm. Kohlenstoff oder 28,56 Procent.
Ferner 0,1557 Grm. Wasser, die entsprechen 0,0173
Grm. Wasserstoff oder 4,74 Procent.
II 0,325 Grm. gaben 0,347 Grm. Kohlensäure, die ent-
sprechen 0,0946 Grm. Kohlenstoff oder 29,12 Procent.
Ferner 0,1403 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01559
Grm. Wasserstoff oder 4,30 Procent.
III 0,3124 Grm. gaben 0,3296 Grm. Kohlensäure, die
entsprechen 0,0899 Grm. Kohlenstoff oder 28,78 Procent.
Ferner 0,1322 Grm. Wasser, die entsprechen 0,01469
Grm. Wasserstoff oder 4,69 Procent.
17
I uU AR Mittel Berechnet
C —= 28,56 29,12 28,78 28,82 28,57
H= 474 4,80 4,70 4,75 4,76
OO — 66,70 66,08 66,52 66,43 66,67
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
Im Platinschiffehen blieb nicht der geringste Rück-
stand zum Beweis, dass die verwendeten Krystalle frei von
Kali waren. Bei 100 Grad so lange erhitzt, bis mehrere Wä-
gungen nicht mehr differirten, verloren die Krystalle die
beiden Aequivalente Wasser. Es liessen 0,345 Grm. der
erhaltenen Krystalle 0,307 Grm. zurück, so dass sie dem-
nach 0,038 Grm. oder 11,01 Procent verloren hatten, nach
der Rechnung müssten sie 10,71 Procent Wasser verlieren.
Ausserdem wurde, um die Identität der erhaltenen Kry-
stalle mit der gewöhnlichen Traubensäure noch genauer
festzustellen, das Löslichkeitsverhältniss bestimmt. Die zu
einem feinen Pulver zerriebenen Krystalle wurden mehrere
Tage bei einer Temperatur von 20 bis 25° C. mit einer zur
Lösung unzureichenden Quantität Wasser öfters geschüttelt.
Von der so erhaltenen Lösung wurde eine gewogene Quan-
tität imPlatintiegel so lange im Wasserbade erhitzt, bis die-
selbe bei mehreren Wägungen ein constantes Gewicht behielt.
1,345 Grm. der Lösung liessen 0,2155 Grm. Rückstand,
der entspricht 0,2414 Grm. krystallisirter Traubensäure,
Es löste sich somit die erhaltene Traubensäure in 4,57 Thei-
len Wasser von 20°C. Da Walchner nach Gmelin’s Hand-
buch ') das Löslichkeitsverhältniss der gewöhnlichen Trau-
bensäure zum Wasser zu 5,7 angegeben hat, so habe ich
den Versuch mit der natürlichen Traubensäure wiederholt
und dabei die Zahlen 4,73 und 4,95 erhalten, so dass man
als Mittel die Zahl 4,84 anzunehmen hätte. Mösglicher-
weise hat Walchner die Bestimmung bei einer niedrigeren
Temperatur als die von mir angegebene vorgenommen oder
seine Zahl 5,7 giebt nicht die Menge Wasser an, welche
einen Theil Traubensäure löst, sondern die Menge Lösung,
welche einen Theil derselben enthält. Nach meinen Ver-
») Gmelin’s Handbuch der Chemie. Bd. V, pag. 447.
XXI 1863. 2
18
suchen ist im Mittel aller drei Versuche in 5,75 Theilen der
Lösung ein Theil der Säure enthalten.
Die Mutterlauge von den erhaltenen Krystallen gab
im Polarisationsapparat untersucht‘ eine bedeutende Ablen-
kung nach Rechts, es war somit neben der Traubensäure
auch Rechtsweinsäure gebildet, eine Thatsache, die insofern
von Interesse ist, als Liebig bei Behandlung des Rohr-
zuckers mit Salpetersäure die Bildung der Weinsäure nicht
beobachtet hat, Das Verhältniss der beiden Säuren zu ein-
ander wurde in derselben Weise wie beim Milchzucker und
Gummi bestimmt.
Zur Sättigung von 10 CC. des auf 100 CC. gebrach-
ten Gemisches wurden 8,8 CC. !/, Normalnatronlauge ge-
braucht, die entsprechen 0,66 Grm. Weinsäure. Angewendet
wurden zur Trennung die übrigen 90 CC., die somit ent-
sprechen 5,94 Grm.
Auskrystallisirt waren 2,222 Grm. die entsprechen
1,984 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäurehydrat. Das
Gewicht des abgeschiedenen traubensauren Kalkes betrug
0,819 Gramme, die entsprechen 0,4725 Grm. krystallwasser
freiem Traubensäurehydrat. Zur Sättigung von 10 CC.
der auf 100 CC. gebrachten Rechtsweinsäure wurden ver-
braucht 4,6 CC. Normalnatronlauge, die entsprechen 0,345
Grm. Weinsäure, so dass das Quantum der gesammten
Weinsäure betrug 3,45 Grm.
Auskrystallisirte Traubensäure 1,954
Traubensäure vom Kalksalz 0,4725
Traubensäure 2,4565
Weinsäure 3,45
5,9065
Angewend. 5,94 Erhalten in 100 Berechn. auf 100
Erhalten 5,9065 Weinsäure 58,08 Weinsäure 58,41
Verlust 0,0335 Traubens. 41,34 Traubens. 4#1,59
Verlust 0,58 100,00
100,00
Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari-
sationsebene bei einem spec. Gew. von 1,082 und bei ei-
nem Gehalt der Lösung von 17,7 Procent
2,50 nach Rechts,
19
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu
2,8
022.
Nach der Trennung betrug die Ablenkung der Rechts-
weinsäure bei einem Gehalte von 10,6 Proc. und einem spec.
Gew. von 1,044
2,6 nach Rechts,
woraus das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt zu
2,6
© 7 7,044.2.0,106
Berechnet man danach wie oben das Verhältniss der
beiden Säuren, so würden in 100 Theilen 60,84 Theile Wein-
säure und 39,16 Theile Traubensäure anzunehmen sein.
— SIT:
Bestimmung
durch Polarisation durch Wägung Mittel
Weinsäure 60,84 58,41 59,7
. Traubens. 39,16 41,59 40,3
100,00 - 100,00 100,09
Versuch mit Linksfruchtzucker.
Wenn nach Dubrunfaut’s*) Ansicht Rohrzucker durch
Erwärmen mit verdünnten Säuren: in Rechtstraubenzucker
und Linksfruchtzucker zerfällt und des Letzteren Polarisa-
tionsvermögen so bedeutend ist, dass die Ablenkung nach
der Inversion von Rechts nach Links übergeht, so konnte
das Auftreten der Traubensäure in den Oxydationsproduk-
ten des Rohrzuckers in der Weise gedeutet werden, dass
aus dem Gemeng von Rechts und Links drehendem Zucker
auch die beiden Weinsäuren entstanden wären, die sich
nachher zu Traubensäure vereinigt hätten. Zur Beantwor-
tung der Frage, ob der Vorgang wirklich der angedeuteten.
Art sei, war es nöthig, die beiden Zuckerarten getrennt mit
Salpetersäure zu behandeln, möglicher Weise konnte man
durch Oxydation von reinem Linksfruchtzucker auch reine
Linksweinsäure erhalten.
Zunächst wurde ein Versuch gemacht, den durch In-
version des Rohrzuckers entstehenden Linksfruchtzucker
!) Compt. rend. 23, 38.
2”
20
zu isoliren und dazu das von Dubrunfaut angegebne Verfah-
ren angewendet. Es wurde danach Rohrzucker mit ver-
dünnter Schwefelsäure so lange erwärmt, bis die Drehung
der Polarisationsebene nach Links übergegangen war, dar-
auf der durch Kalkerdehydrat hervorgebrachten Nieder-
schlag von Linksfruchtzuckerkalk vom löslichen Rechtstrau-
benzuckerkalk abgepresst und durch Schwefelsäure zer-
setzt. Da eines Theils eine zur Oxydation mit Salpeter-
säure zu geringe Menge Linksfruchtzucker erhalten wurde
und andern Theils dieser Zucker auch nach mehrmaligen
Behandeln mit Knochenkohle nicht so weit entfärbt werden
konnte, dass man sein Polarisationsvermögen hätte beob-
achten können, so wurde versucht, durch Kochen des Inu-
lins mit Säuren Linksfruchtzucker zu erhalten, der nach
Dubrunfaut mit dem aus Rohrzucker gewonnenen identisch
sein soll. Es wurde demnach Inulin durch längeres Kochen
mit verdünnter Salpetersäure in Linksfruchtzucker überge-
führt; der erhaltene Zucker war zwar auch stark braun, liess
sich aber durch Knochenkohle so weit entfärben, dass man
ihn sehr -gut im Polarisationsapparate untersuchen konnte,
wo er eine -bedeutende Drehung nach Links zeigte. Die
erhaltene Lösung wurde dann so weit eingedunstet, dass
sie gegen 50 Procent Zucker enthielt, dessen Menge man
am leichtesten auf massanalytischem Wege mittelst einer
titrirten Kupferlösung ermittelt, und darauf mit dem glei-
chen Gewicht einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gew. er-
wärmt, so dass annähernd dasselbe Verhältniss von Zucker
und Säure wie beim Rohrzucker entstand. Ausser der oft
eintretenden Braunfärbung dieses Zuckers, eine Erschei-
nung, die, wie ich schon oben bemerkt habe, beim Rohr-
zucker durch Auftreten dieses Zuckers becingt ist und die
man hier nur durch sehr reichlichen, und Öfteren Zusatz
von Salpetersäure vermeiden kann, bietet der Process nichts
Neues; ebenso wurde das bei den anderen Zuckerarten an-
gegebene Verfahren zur Reindarstellung der betreffenden
Säure befolgt. Beim Eindunsten der reinen Säure war die-
selbe zu einer ganz trockenen krystallinischen Masse er-
starrt, so dass man Schon daraus auf die Abwesenheit der
Weinsäure hatte schliessen können. Sie zeigte die Re-
21
actionen der Traubensäure, und da im Polarisationsapparate
gar keine Ablenkung beobachtet werden konnte, so war So-
mit nur reine Traubensäure gebildet.
Wir begegnen hier der allerdings merkwürdigen und
in gewisser Hinsicht abnormen Erscheinung, dass wir aus
einer so stark nach Links drehenden Substanz ein völlig
inactives Product erhalten, bekommen jedoch zugleich darüber
Aufschluss, wodurch das Auftreten der Traubensäure un-
ter den Oxydationsproducten des Rohrzuckers bedingt ist,
während die folgenden Versuche zeigen werden, dass die
Bildung der Rechtsweinsäure von der vorherigen Bildung
von Rechtstraubenzucker herzuleiten ist.
Versuch mit Stärke.
Zunächst wurde Stärke der Oxydation mit Salpetersäure
unterworfen und dabei dasselbe Verhältniss wie beim Inu-
linzucker angewendet. Man rührt die Stärke mit dem glei-
chen Gewicht Wasser an und setzt das doppelte Gewicht
von einer Salpetersäure von 1,40 spec. Gewicht hinzu und
erwärmt. Dabei quillt die Stärke zuerst zu einer gleich-
mässig dicken durchscheinenden Masse auf, wird dann dün-
ner, bis die heftige Reaction der Salpetersäure stattfindet,
wonach man dann eine vollständig klare Flüssigkeit erhält;
ein späterer Zusatz von Salpetersäure ist kaum mehr nö-
thig, wenigstens stellt sich eine Bräunung der Masse erst
am dritten oder vierten Tage ein. Ausser der Bildung ei-
ner geringen Menge einer wachsartigen Masse, die sich auf
der Oberfläche abscheidet, bleibt im übrigen der Process
derselbe wie bei den andern Zuckerarten, so wie man auch
nach der früher angegebnen Methode die betreffende Säure
daraus abscheidet. Sie erwies sich als reine Rechtswein-
säure, da eines Theils Gypssolution gar keine Fällung her-
vorbrachte, und anderntheils die beobachtete Ablenkung der
Polarisationsebene der der gewöhnlichen Rechtsweinsäure
gleichkam.
Die Ablenkung der erhaltenen Säure betrug bei einem
spec. Gewicht von 1,076
bei einem Gehalt der Lösung von 17,1 Procent
4,4 Grad nach Rechts,
22
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet
Ei 4,4
2 1:0767220)771
das der gewöhnlichen Rechtsweinsäure ist gleichfalls 11,9.
a — 11,9
Versuch mit Rechtstraubenzucker.
Da man den Einwand machen könnte, dass die Stärke
möglicher Weise schon vor der Umsetzung in Rechstrauben-
zucker von der Salpetersäure oxydirt worden sei und man
es eben nur mit Stärke und nicht mit Traubenzucker zu
thun gehabt hätte, so wurde derselbe Versuch mit reinem
krystallisirteem Traubenzucker wiederholt. Da die erhaltene
Weinsäure auch nach mehrtägigem Stehen mit Gypssolu-
tion auch nicht den geringsten Niederschlag absetzte, da
ferner die Ablenkung der Polarisationsebene der der ge-
wöhnlichen nahezu gleichkam, so war demnach gleichfalls
nur Rechtsweinsäure entstanden.
Es betrug die Ablenkung der Polarisationsebene bei
einem Gehalte der Lösung von 22,8 Procent und einem
spec. Gew. von 1,1125
5,9 Grad nach Rechts,
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet zu
5,9
Gr Dos
während das der gewöhnlichen Weinsäure 11,9 ist, eine
Differenz, die wohl als ein Beobachtungsfehler anzuse-
hen ist.
Nachdem die gemachten Versuche gezeigt haben, dass
wir aus den verschiedensten Kohlehydraten Weinsäure oder
Traubensäure erhalten können, wonach man wohl mit ei-
niger Sicherheit die Annahme machen kann, dass sämmt-
liche eigentliche Kohlehydrate ein gleiches Product bei der
Oxydation mit der Salpetersäure liefern können, würde es
zun darauf ankommen, die Frage zu entscheiden, ob die
Weinsäure direct aus dem Zucker gebildet wird oder ob
zunächst ein Mittelglied entsteht, aus dem dann durch wei-
tere Oxydation die Weinsäure gebildet wird. Ist letzteres
der Fall, so muss Schleimsäure und Zuckersäure, die beide
vor der Bildung der Weinsäure entstehen, durch weitere
23
Oxydation mit Salpetersäure in Weinsäure oder Trauben-
säure übergetührt werden können, was wir auch durch die
folgenden Versuche wenigstens zum Theil bestätigt finden.
Versuch mit Schleimsäure.
Die bei der Oxydation des Milchzuckers gewonnene
Schleimsäure wurde mit dem 4fachen Gewicht einer Sal-
petersäure von 1,2 spec. Gewicht mehrere Tage in schwa-
chem Sieden erhalten. Nachdem die noch nicht zersetzte
Schleimsäure sich abgesetzt hatte, wurde die klare Flüssig-
keit abgegossen und der Rückstand immer wieder mit neuen
Mengen Salpetersäure gekocht, Aus den so erhaltenen
Flüssigkeiten wurde nach Absättigen mit kohlensaurem
Natron bis zur schwach sauren Reaction mit essigsaurem
Blei die betreffenden Säuren als Bleisalze ausgefällt. Nach-
dem der Versuch sechs Wochen lang fortgesetzt war, ohne
dass eine bedeutendere Menge der Bleiverbindungen ent-
standen war, wurde derselbe abgebrochen. Die aus der
ganzen Quantität des abgeschiedenen sauren Kalisalzes ge-
wonnene Säure liess keine Ablenkung der Polarisations-
ebene erkennen, jedoch war die dazu verwendete Menge zu
gering, um mit Sicherheit entscheiden zu können, ob die
erhaltene Säure reine Traubensäure, deren Bildung nach
den erhaltenen Reactionen mit Gypswasser nicht zu be-
zweifeln ist, oder ein Gemeng der Traubensäure und Rechts-
weinsäure war.
Versuch mit Zuckersäure.
Zur Oxydation der Zuckersäure wurde das saure
zuckersaure Kali verwendet, das als Nebenprodukt von sämmt-
lichen Zuckerarten gewonnen war. Auf eine Unze dieses
Salzes wurden 4 Unzen einer Salpetersäure von 1,2 spec.
Gewicht verwendet und die Oxydation mehrere Tage im
Dampfbade fortgesetzt.
Die bei dieser Concentration nur in geringer Menge
entstandene Oxalsäure wurde auf die bekannte Weise ent-
fernt, so wie zur Abscheidung der betreffenden Säure auch
das oben erwähnte Verfahren befolgt wurde, wobei eine
reichliche Menge Weinsäure erhalten wurde. Da sowohl
eine Ablenkung der Polarisationsebene beobachtet wurde,
24
als auch Gypssolution eine Fällung von traubensaurem Kalk
hervorbrachte, so war ein Gemenge von Weinsäure und Trau-
bensäure erhalten, deren Mengen sich wie folgt berechneten:
Vor der Trennung wurden 10 CC. des auf 100 CC.
aufgefüllten Gemisches mit !/; Normalnatronlage gesättigt,
von der 1,1 CC. gebraucht wurden die entsprechen 0,0825 Grm.
Zur Trennung wurden die übrigen 90 CC. verwendet, die
somit entsprechen 0,7425 Grm.
Auskrystallisirt waren 0,135 Grm. Traubensäure, die
entsprechen 0.1205 Grm. krystallwasserfreiem Traubensäure-
hydrat. Die Menge des abgeschiedenen traubensauren
Kalkes betrug 0,115 Grm., die entsprechen 0,0663 Grm.
krystallwasserfreien Traubensäurehydrat. Zur Sättigung
der abgeschiedenen Weinsäure waren nöthig 7 CC. Normal-
natronlauge, die entsprechen 0,525 Grm. Weinsäure.
Auskrystallisirte Traubensäure 0,1205
Traubensäure vom Kalksalz 0,0663
Traubensäure 0,1868
Weinsäure 0,525
0,7118.
Erhalten in 100. Berechnet auf 100.
Angewendet 0,7425 Weinsäure 70,7 Weinsäure 73,8
Erhalten 0,7118 Traubens. 25,2 Traubens. 26,2
Verlust 0,0307 Verlust #1 100,0,
100,0.
Vor der Trennung betrug die Ablenkung der Polari-
sationsebene
bei einem spec. Gewicht von 1,025 und
bei einem Gehalt der Lösung von 5,4 Procent
1 Grad nach Rechts,
woraus sich das Molecularrotationsvermögen berechnet
Fra 0,0.
Nach der Trennung betrug die Ablenkung
bei einem Gehalte von 4,1 Procent
bei einem spec, Gewicht von 1,019
-
25
1 Grad nach Rechts,
wodurch das Molecularrotationsvermögen sich ergiebt
1 \ 4
70197 0,047. Aal
Danach berechnet sich das Verhältniss der Weinsäure
zur Traubensäure für 100 Theile wie 71,3 zu 28,7.
Bestiiamung
durch Polarisation durch Wägung Mittel.
Weinsäure 71,3 73,8 72,6
Traubens. 28,7 26,2 27,4
100,0. 100,0. 100,0.
Die beiden letzten Versuche bestätigen die Annahme
von Liebig und Heintz, dass das Auftreten der Weinsäure
und Traubensäure auf die vorherige Bildung von Zucker-
säure oder Schleimsäure zurückzuführen sei.
Wahrscheinlich bildet sich jedoch zwischen der Zucker-
säure und Weinsäure noch ein zweites Mittelglied, indem
der durch essigsaures Blei in den durch Oxydation mit Sal-
petersäure erhaltenen Flüssigkeiten entstandene Nieder-
schlag von zuckersaurem, weinsaurem und oxalsaurem Blei
noch das Bleisalz einer Säure enthält, die in ihren Reactio-
nen der Weinsäure und Zuckersäure sehr nahe kommt und
sich nur dadurch von denselben unterscheidet, dass sie keine
krystallisirbaren Salze giebt; vielleicht ist sie mit der von
Siewert!) aus den Mutterlaugen von der Zuckersäuredar-
stellung erhaltenen Cassonsäure identisch. Da dieselbe
auch bei der Oxydation der Zuckersäure gebildet wird und
an Kohlenstoff und Wasserstoff reicher als die Weinsäure
und ärmer als die Zuckersäure ist, so könnte man vielleicht
die Annahme machen, dass die Zuckersäure und Schleim-
säure vor ihrer Umsetzung in Weinsäure oder Traubensäure
erst in diese Säure übergehen. Was die zweite Frage an-
betrifft, ob die bei der Oxydation des Milchzuckers durch
Salpetersäure erzeugte Weinsäure aus der vorhergebildeten
Zuckersäure oder aus der Schleimsäure ihren Ursprung
!) Diese Zeitschrift 14, 337.
26
nimmt, so habe ich schon in der Einleitung angegeben,
wie Liebig die Vermuthung ausgesprochen hatte, dass die
Weinsäure aus der Zuckersäure gebildet werde, während
Heintz sich für die Bildung der Weinsäure aus der Schleim-
säure entschieden hatte, nachdem er durch Oxydation der
Schleimsäure saures weinsaures Kali erhalten haben wollte.
Da jedoch nach den von Carlet und mir angestellten Ver-
suchen bei Anwendung von Schleimsäure nur die Bildung
von Traubensäure beobachtet werden konnte, so muss die
von Heintz gemachte Notiz wohl auf einem Irrthum beruhen,
der dadurch veranlasst war, dass einerseits die Menge des
aus der Schleimsäure erhaltenen Kalisalzes zu gering war,
um mitSicherheit zu entscheiden, ob darin Weinsäure neben
Traubensäure vorhanden war, und dass man andrerseits da-
mals noch nicht auf die Möglichkeit der Bildung von Trau-
bensäure aufmerksam war.
Da man nun ausserdem aus allen Zuckerarten,, die
ausschliesslich Zuckersäure und gar keine Schleimsäure
bilden und auch aus der Zuckersäure selbst, die in grosser
Menge auch aus dem Milchzucker gebildet wird, Weinsäure
erhält, so muss die Zuckersäure und nicht die Schleimsäure
als das Zwischenglied zwischen dem Milchzucker und der
Weinsäure angesehen werden, während die Schleimsäure
die Bildung der Traubensäure bedingt.
Zur Erledigung der dritten Frage, ob man in Beziehung
auf das Rotationsvermögen wie Carlet meint, einen Schluss
aus den erhaltenen Producten auf die angewendeten Sub-
stanzen machen könne, halte ich es für zweckmässig, die
durch meine Versuche erhaltenen jResultate noch einmal
kurz anzuführen.
Es gaben in 100 Theilen
Milchzucker 55,4 Weins. u. 44,6 Traubens.
Gummi 63,0 Weins. u. 37,0 Traubens.
Rohrzucker 59,7 Weins. u. 40,3 Traubens.
Stärke nur Weins.
Rechtstraubenzucker nur Weins.
- Linksfruchtzucker nur Traubens.
Zuckersäure 72,6 Weins. u. 27,4 Traubens.
Schleimsäure (Weins.?) u. Traubens.
27
Die gänzliche Abwesenheit der Weinsäure konnte nicht
nachgewiesen werden.
Aus dem wenigstens in frisch bereiteter Lösung am
bedeutendsten nach Rechts drehenden Traubenzucker ha-
ben wir somit reine Rechtsweinsäure erhalten, mit der Ab-
nahme der Drehung nach Rechts findet man bei den an-
dern Zuckerarten Gemienge von Rechtsweinsäure und Trau-
bensäure, ohne dass jedoch ein bestimmtes Verhältniss
zwischen dem Rotationsvermögen der angewendeten Sub-
stanz und dem grössern oder geringeren Auftreten von
Traubensäure oder Weinsäure beobachtet werden könnte,
bis wir schliesslich aus dem am bedeutensten nach links
drehenden Zucker nur reine Traubensäure erhalten. Auch
aus der Zuckersäure, deren Rotationsvermögen ich, wie auch
Carlet angiebt, über das doppelte so hoch als das der
Rechtsweinsäure fand, wurde neben der Rechtsweinsäure
auch Traubensäure gebildet. Was ferner die Schleimsäure
anbetrifft, so giebt Carlet allerdings an, dass dieselbe op-
tisch inactiv sei und in Folge dessen auch nur die inactive
Traubensäure gebildet habe; einestheils kann man jedoch
deren Inactivität wegen der geringen Löslichkeit in Wasser
noch in Frage ziehen und anderntheils wurden von mir
die betreffenden Oxydationsproducte nur in so geringer
Menge erhalten, dass nicht mit Sicherheit zu entscheiden
war, ob in der That auch bloss reine Traubensäure gebil-
det worden war.
Wir haben somit ausser dem durch Oxydation des
Traubenzuckers erhaltenen! Resultate, wonach dieser Zucker
allerdings seine rechtsdrehende Eigenschaft in seinem Oxy-
dationsproducte beibehält, kein Beispiel, was die von Car-
let gemachte Hypothese stützen könnte, dass zwischen der
Weinsäure und Traubensäure einerseits und den verschie-
denen Zuckerarten, aus denen sie gebildet werden, und den
dazu gehörigen Zwischengliedern andrerseits die Gesetz-
. mässigkeit stattfindet, dass die betreffende optische Eigen-
schaft sich jedesmal in den erhaltenen Umsetzungspro-
ducten wiederfindet. Im graden Gegensatz dazu sehen wir
durch die mit Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Links-
fruchtzucker angestellten Versuchen zur Thatsache werden,
28
dass der so bedeutend nach Links drehende Linksfrucht-
zucker durch Oxydation mit Salpetersäure in die inactive
Traubensäure, der Rechtstraubenzucker in Weinsäure über-
geht, so dass man aus dem Auftreten der Traubensäure
eher einen Rückschluss auf die vorherige Bildung von Links-
fruchtzucker machen könnte,
Es erklärt sich dann das Auftreten eines Gemisches
von Weinsäure und Traubensäure bei der Oxydation des °
Milchznckers und Gummi’s in der Weise, dass beide, wie
Dubrunfaut beim Rohrzucker annimmt, durch die Salpeter-
säure zunächst eine Spaltung erleiden, wo dann der ent-
standene Rechtstraubenzucker die Bildung der Weinsäure,
der Linksfruchtzucker die Bildung der Traubensäure bedingt.
Da nun Milchzucker und Gummi nach der Behandlung mit
verdünnten Säuren eine Drehung nach Rechts zeigen, so
würde das Auftreten eines Plus von Weinsäure aus dem in
grösserer Menge entstandenen Rechtstraubenzucker herzu-
leiten sein, wenn nicht bei Anwendung von Rohrzucker, der
nach der Inversion durch Säuren eine Drehung nach Links
zeigt, ebenfalls ein Plus von Weinsäure erhalten würde, eine
Erscheinung, .die einfach darin ihren Grund hät, dass der
Rechtstraubenzucker, wie wir bei den einzelnen Versuchen
gesehen haben, bei weitem leichter von der Salpetersäure
angegriffen wird, als der Linksfruchtzucker.
Versucht man die von mir erhaltenen Resultate mit
der Carlet’schen Hypothese in Einklang zu bringen, so
könnte man vielleicht die Bildung der Weinsäure und Trau-
bensäure aus dem Milchzucker und Gummi so erklären, dass
beide zunächst durch die Salpetersäure in einen rechts und
einen linksdrehenden Zucker gespalten würden, und dass
dann die Weinsäure aus dem rechtsdrehenden, die Trau-
bensäure aus dem Gemisch von rechts und linksdrehenden
Zucker gebildet wäre.
Schwieriger würde die Bildung der Weinsäure und
Traubensäure aus dem Rohrzucker zu erklären sein, weil
derselbe nach der Einwirkung von verdünnten Säuren eine
Drehung nach links zeigt, so dass man nach Carlet’s Theo-
rie daraus ein Gemenge von Linksweinsäure und Trauben-
säure hätte erhalten müssen. Vielleicht liesse sich diese
29
Anomalie in der Weise deuten, dass zunächst der in Folge
der Spaltung durch Säuren entstandene Rechtstraubenzucker
von der Salpetersäure zu Rechtsweinsäure umgesetzt würde,
und darauf der Linksfruchtzucker mit dem noch übrigen
Rechtstraubenzucker die Bildung von Traubensäure veran-
lasste.
Wollte man auch noch die Bildung der Traubensäure
aus dem Linksfruchtzucker in ähnlicher Weise erklären, so
würde man die allerdings gewagte Annahme machen müs-
sen, dass sich der so bedeutend nach Links drehende Links-
fruchtzucker noch einmal erst wieder in einen rechts und
linksdrehenden Zucker spalten liesse.
Wenn man demnach in Erwägung zieht, welche Schwie-
rigkeit es macht, die von mir erhaltenen Resultate mit der
von Carlet aufgestellten Theorie, dass die optischen Eigen-
schaften der einzelnen Zuckerarten auch in deren Um-
setzungsproducten wieder auftreten müssten, in Einklang
zu bringen, so wird man nicht umhin können, jenes Ge-
setz als nicht existirend zu betrachten. Im Gegentheil
glaube ich vielmehr die Annahme machen zu müssen,
dass der linksdrehende Linksfruchtzucker die Bildung der
Traubensäure, der rechtsdrehende Traubenzucker die Bildung
der Rechtsweinsäure bedinge, eine Annahme die auch in
Bezug auf die Bildung der Traubensäure aus dem Duleit
und Mannit eine gewisse Geltung dadurch erhält, dass Ber-
thelot!) bei der Gährung des Männits mit thierischen Te-
stikeln die Bildung eines Zuckers beobachtete, der die Po-
larisationsebene nach Links ablenkte.
Bevor ich diese Arbeit schliesse, glaube ich noch darauf
aufmerksam machen zu dürfen, wie durch die von mir mit
dem Rohrzucker, Rechtstraubenzucker und Linksfrucht-
zucker angestellten Versuche vielleicht die von Dubrunfaut
gemachte Hypothese der Spaltung des Rohrzuckers durch
Säuren an Wahrscheinlichkeit gewinnt, insofern man aus
dem Rohrzucker die beiden Säuren, die Traubensäure und
_ Weinsäure gemengt erhält, die man einzeln durch Behand-
ı) Comptes rend. 'T. 44, p. 1002.
s0
lung der Spaltungsproducte für sich allein darstellen
kann.
Schliesslich kann ich nicht unterlassen, dem Herrn
Professor Dr. Heintz für die mannichfachen Rathschläge, die
derselbe mir im Verlauf der Arbeit gegeben hat, hiermit
meinen Dank auszusprechen.
Halle a. d. S. im November 1862.
Zur Paragenesis des Glimmers
von
E, Söchting.
(Aus den Verhandlungen der kaiserlichen Gesellschaft für die gesammte
Mineralogie zu St. Petersburg. Jahrg.,1862. Mitgetheilt vom Verfasser. *)
In der unlängst von mir veröffentlichten Arbeit über
die Einschlüsse von Mineralien in krystallisirten Mineralien
habe ich auch den Glimmer aufgeführt als von verschie-
denen Mineralien umhüllt, z. B. von Albit, Chrysoberyll,
Eisenkies, Feldspath, Flussspath, Granat, Hornblende, Ido-
kras, Quarz, Topas, Turmalin, Wernerit u. S. w.
Unzweifelhaft ist der Glimmer in vielen Fällen nur
im Einschluss, unabhängig von dem Bestande des ihn um-
gebenden Minerals, während er anderwärts von diesem ab-
hängt, indem er nachträglich durch irgend welche Einflüsse
aus diesem entstanden, in denselben hineingerathen ist.
Dahin gehört es unterandern, wenn Blum (Natuurkund.
Verhand. van de Hollandsche Staatsschappij der Wetensch.
te Haarlem [2], IX, 13.) solchen aufführt in Apatitkrystal-
len aus Drusenräumen des Granits von Penig, von den
Zinnerzlagerstätten zu Ehrenfriedersdorf in Sachsen, auch
!) Es war mir um so mehr werth, diesen Aufsatz nochmals ab-
gedruckt zu sehen, da er so, wie er in den „Verhandlungen“ selbst
steht, mehrfache Druckfehler erhalten hat, welche ich nicht zu entfer-
nen im Stande war, da ich die Correctur nicht besorgen konnte. S8.
3l
in Apatit von Katharinenburg in Sibirien. Dahin gehört
der Glimmer im Eisenkies von Warwick, Orange Co., New-
york, nach Beck (Nat. Hist. of New York; Mineralogy,
283). Volger gedenkt (N. Jahrb. f. Min. u. s. w., 1854,
283) Glimmers als Einschluss in Kalkspathkryställchen ei-
nes metamorphischen Gesteines von der Sella, wo die Tafel-
ebene der Glimmerblättchen stets in der Ebene der Spalt-
barkeitslage des Spathes liegt, zuweilen aber auch ihr Um-
riss durch die beiden andern Spaltungsrichtungen bestimmt
ist, so dass rautenförmige Blätter erscheinen. Der Ein-
schluss des Glimmers in Quarz ist — wenngleich nach
Kenngott (Sitzungsber. d. K. Akad. d. Wissensch. zu
Wien. Mathem, naturw. CI, IX, 407) immerhin ein selte-
ner — doch mehrfach von mir und von Andern beobachtet.
Für manche dieser Vorkommnisse des Glimmers je-
doch ist es schon eher zweifelhaft, ob man es nicht, statt
nur mit einem einfachen Einschlusse, mit einem Umwand-
lungserzeugnisse des umgebenden Minerales selbst zu
thun habe.
Hier ist vornehmlich schon der Fall zu nennen, wenn
eine Abart des Glimmers von einer andern umschlossen
wird. Es ist bekannt, dass — während viele Gesteine nur
oder wesentlich nur eine einzige Art enthalten — in man-
chen zweierlei Arten vorkommen. Ich will nur anführen,
dass de la Beche (Report on the geol. of Cornwall, Devon
and West Somerset, 157) lichten und dunkeln Glimmer zu-
sammen im Granite von Dartmoor in Devonshire angiebt,
dass Haughton (Journ. of the Geol. Soc. of Dublin, VII,
198.) unter den von M’Clintock mitgebrachten Gesteinen
einen Glimmerschiefer von Wolstonholme in Grönland, 77°
nördl. Br., bemerkte, welcher aus einem innigen Gemenge
schwarzen und weissen Glimmers in grossen Blättern be-
stand, wobei die Glimmerplatten durch Bänder reinen Feld-
spathes geschieden seien.
Ein ganz besonderer Fall des Nebeneinandervorkom-
. menslichten und dunkeln Glimmers ist der von G. Rose
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 356) hervorge-
hobene, in welchem nämlich der schwarze Glimmer in re-
gelmässiger Verwachsung mit weissem in der Art erscheint,
32
dass die Spaltbarkeit aus dem einen in den andern fort-
setzt, der weisse Glimmer aber an den Rändern den brau-
nen umgiebt, so dass letzterer der später gebildete sein
müsse, eine Verwachsung, welche fast jeder Granit zeigt,
in dem nämlich beide Glimmer vorkommen. Ehrenberg
habe bei mikroskopischer Untersuchung in den weissen Blät-
tern häufig kleine, dunkelbraune, scharf begrenzte, sechsseitige
Tafeln, oft nur von der Grösse einer halben Linie und dar-
unter, beobachtet. R
Diese Einlagerung ist dann mehrseitig angeführt wor-
den. So von G. Leonhard (Geogn. min. Besehreih. d.
bad. Bergstrasse, 10) aus gewissen Granitgängen dieses
Gebirges, so von Hochstetter (Jahrb. d. K. k. geolog.
Reichsanst., VI, 13) im Plöckensteingranite des Böhmer-
waldes. Zu erwähnen ist auch aus dem Granite von Pres-
burg nach Kenngott (ebend. U, 3, 42) ein dunkellauch-
grünes, ins Braune geneigtes Mineral, dessen Blättchen ent-
weder für sich liegen, oder in weissen Glimmer einge-
schlossen sind. Später (Uebers. d. Result. min. Forsch. im
Jahre 1853, 58) erklärte Kenngott dasselbe nach C. v.
Hauer’s Analyse (Sitzungsber. d. k, Akad. d. Wissensch.
in Wien. Mathem. naturw. Classe, VI, 609) als nicht zum
Glimmer, sondern zum Chlorite gehörig, und nannte es
Eukamptit. Nach Rammelsberg (Handb. d. Mineralch.
671) lässt es sich doch als ein wasserhaltiger, alkalifreier
Magnesiaglimmer ansehen. Auch Haughton hat (Quart.
journ. of the Geol. Soc., XII, 175 und XV, 129) Beobach-
tungen über derartige Vorkommnisse in irischen Graniten
mitgetheilt, wobei er Bestimmungen über die Lage der
optischen Axen mittheilt. In dem Granite von Ballyeltin,
Carlow Co., sind grosse Tafeln lepidomelanartigen Glim-
mers nicht nur vergesellschaftet mit solchen weissen Mar-
garodits, sondern auch diesem physikalisch eingelagert.
Aber auch das Umgekehrte findet Statt. Die Winkel an
den Tafeln des optisch einachsigen, schwarzen Glimmers
sind alle = 120°. Die Untersuchung der Platten weissen
Glimmers, welchen schwarzer ohne Unterbrechung eingela-
gert ist, ergab, dass die Ebene der optischen Achsen des
ersteren senkrecht stand auf der gemeinschaftlichen Ober-
33
fläche der beiden Glimmerarten und stets die Grenzlinie
beider in sich schloss.
Hermann erklärt (Journ. f£. prakt. Chem. LXXIV,
259) die Möglichkeit dieser Gruppirung durch Annahme ei-
ner Heteromerie der beiden Mineralien, indem die Flächen-
verbindung © P. © P». oP des zweiachsigen Glimmers
dieselbe sei, wie die © R. oR des einachsigen, da o P
==1209. y
Dagegen giebt Reuss eine andere Ursache. Der-
selbe beschreibt (Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanst., I, 19)
die Granite des Egerer Bezirkes in Böhmen und in der von
ihm unterschiedenen, ersten Abänderung auch das gewöhn-
liche Einschlussverhältniss, ausser welchem jedoch auch das
entgegengesetzte vorkomme, wie dergleichen oben nach
Haughton auch aus irischem Granite angeführt wurde.
Beide Glimmerarten bilden aber auch noch eine Art von
Verbindung. Wo nämlich mehrere, über einander liegende
Glimmerblättchen in dünnen Tafeln vereinigt sind, gehören
die mittleren gewöhnlich dem braunschwarzen, die periphe-
rischen dagegen dem silberweissen an. Oft finde man je-
doch auch zwischen den Blättchen des Magnesiaglimmers
dünnere Blättchen und kleine Schuppen des Kaliglimmers
eingeschoben. Hält man, folgert Reuss, diese Erschei-
nung mit dem Umstande zusammen, das da, wo der Gra-
nit der Verwitterung zu unterliegen beginnt, der im fri-
schen Gesteine häufigere, dunkelfarbige Glimmer immer
mehr zurücktritt, der silberweisse dagegen immer mehr vor-
herrscht, bis man endlich gar keinen braunen Glimmer
mehr entdeckt: bedenkt man, dass an grösseren Granit-
blöcken im Innern frischer Kerne fast nur schwarzbrauner,
an der verwitterten Peripherie zuletzt aber nur silberweis-
ser Glimmer vorhanden ist: so scheint die Vermuthung gar
nicht unbegründet zu sein, dass der schwarzbraune Glim-
mer durch eine noch unbekannte Metamorphose während
der Zersetzung des Granits in silberweissen übergehe, dass
der letztere daher das Product einer eigenthümlichen Art
von Pseudomorphose des ersteren sei. Dieser Granit sei
übrigens der Verwitterung sehr unterworfen.
Bischof giebt (Lehrb. d. chem. u. phys. Geol, II
XXI, 1863. 3
34'
1448) die Möglichkeit zu, dass sich Kaliglimmer, bestän-
digerer Natur als der Magnesiaglimmer, aus diesem durch
Ausscheidung von Magnesia und Eisenoxydul bilden könne.
Umgekehrt aber auch (ebend., 1389) möge es geschehen, dass
sich Magnesiaglimmer neu bilde. Aus der ganzen Erschei-
nungsweise des Magnesiaglimmers, gegenüber derjenigen
des Kaliglimmers, scheine hervorzugehen, dass jener einer
krystallinischen Ausbildung bei Weitem fähiger sei, als die-
ser. In diesem Falle sei zu begreifen, wie da, wo das
Material zur Bildung beider Glimmerarten gegeben war,
der Magnesiaglimmer sich in bestimmten, der Kaliglimmer
in unbestimmten Formen ausschied. Die kleinen, schwar-
zen, Sechsseitigen Glimmertäfelchen im weissen Glimmer
erscheinen daher als krystallinische Ausscheidungen aus
einer Masse, welche vorzugsweise Material zur Bildung von
Kaliglimmer und nur wenig zu der von Magnesiaglimmer
enthielt. Dies kann auf dem Wege geschehen, dass aus
bereits vorhandenem Kaliglimmer Magnesia und Eisenoxy-
dul ausgezogen und an andern Stellen der Tafel wieder
abgesetzt werden. Durch diese Aufnahme, vielleicht auch
durch Austausch, gehe Kaliglimmer in Magnesiaglimmer
über. — Auch Delesse (Ann. des mines [ö], XVI, 15)
fand in Granit aus Cornwall den weissen Glimmer von dun-
kelm umhüllt.
Diese Möglichkeit der Ausscheidung wird wohl min-
destens für das Eisenoxydul bestätigt durch das Vorkom-
men von Eisenoxydhydrat zwischen Glimmerlagen, wie
dergleichen z. B. Freiesleben (Oryktogn. Arbeit., V, 24)
von Schwarzenberg in Sachsen, Bischof (a. a. O., 1346)
von Aschaffenburg in Baiern anführen. Vielleicht rühren
daher auch die blutrothen Flecke von (?) Eisenoxyd, welche
man nach' v. Fritsch (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ge-
sellsch., XII, 103) im Magnesiaglimmer des Granitits von
Ilmenau in Thüringen bei durchfallendem Lichte erblickt.
Vielleicht stammt auch mindestens ein Theil der rothen
Färbung, welche sich an Quarzporphyren zeigt, wie z. B.
den von Ilmenau, nach v. Fritsch (ebend., 113), selten
gänzlich frei von Magnesiaglimmer sind, von dem ausge-
zogenen Kisengehalte dieses Glimmers her.
35
Wenn nach dem Vorhergehenden auch stellenweise
die fragliche Vergesellschaftung den dunkeln Glimmer mit
lichten eine ursprüngliche nicht zu sein braucht, so dürfte,
da sogar gerade auch das entgegengesetzte Verhältniss so-
wohl in der Lagerung beider Mineralien gegen einander
als in der Ursache ihrer Bildung zu den Möglichkeiten ge-
hört, auch beide im Ganzen gleichzeitiger Entstehung sein
können, eine Entscheidung jedes Mal nur im gegebenen
Falle sich treffen lassen.
Vielleicht gilt Aehnliches für eine Umwachsung von
Lepidolith mit Glimmer, wie dergleichen nach G. Rose
(Min.-geognost. Reise nach d. Ural, I, 4658) in der Gegend
von Schaitansk vorkommt, wo der Lepidolith den Glimmer
am Rande umfasst in Gestalt eines dünnen Streifens, und
wo seine Spaltungsflächen in die des Glimmers vollkom-
men fortsetzen. Diese Umfassungserscheinungen erinnern
an die auch in andern Mineralien beobachteten, an die
Uralitbildung, an das Vorkommen von Diallag, von Hyper-
sthen, in denen man ebenfalls Umwandlungserscheinungen
vor sich hat.
Bei der Anführung von Glimmereinschlüssen in an-
deren Silicaten bin ich Blum’s Vorgange gefolgt, so für
dergleichen in Haüyn, Mejonit, Sanidin, Topas.
Eben so ist es bei andern geschehen, wie beim Beryll,
Strahlstein, Idokras, Nephelin, Turmalin, für welche Blum
Glimmer als Einschluss genannt hat, da er sonst auch als
Umwandlungserzeugiss derselben angesehen wird. Desglei-
chen beim Feldspathe.
Die Mineralien des Granits haben sich nicht überall
in derselben Reihenfolge ausgeschieden, so dass der Feld-
spath selbst sich erst nach dem Quarze ausgebildet haben
kann. Es ist daher nichts Auffälliges, Glimmer als Ein-
schluss in Feldspath zu finden. Ich will daher nur einige
Beispiele anführen. Breithaupt (Paragen. d. Min., 19)
berichtet, dass in den Pegmatolithzwillingen von Elnbogen
in Böhmen nicht allein einzelne Schuppen von Glimmer
und Körner von Quarz, sondern auch wirkliche Kerne von
Granit vorkommen, welcher dasselbe Aussehen besitzt, als
der, welcher die Zwillinge umschliesst, — Blum, der
3%
36
ausgezeichnete Kenner der Pseudomorphosen, welchem wir
auch eine ‚vortreffliche Arbeit über die Einschlüsse in Kry-
stallen verdanken (a. a. O.), führt in. derselben ebenfalls
Glimmer als Einschluss auf. — Die Orthoklase der Grani-
tite von Ilmenau zeigen nach v. Fritsch (a. a. O., 105)
auf ihren Spaltflächen zuweilen unregelmässige Faltungen
und Knickungen der Lamellen, welche: an die ein- und
ausspringenden Winkel der triklinoedrischen Feldspathe er-
innern, aber von den Verunreinigungen der Krystalle durch
Quarz, Glimmer und‘ Hornblende herzurühren scheinen.
Auch in allen Feldspatharten der Porphyre dortiger Gegend
sind (ebd., 112) Krystalleinschlüsse von: Magnesiaglimmer
und von Quarz nicht selten, während: derartige Beimen-
gungen in den 'Quarzkrystallen der Porphyre‘ nicht bemerkt
werden.
Häufig dagegen ist der Glimmer durch Umwandlung
des Feldspathes entstanden. So in ausgezeichneter "Weise
zu Lomnitz bei Hirschberg in:Schlesien. 'G. Rose 'legtc
dies von Brücke gefundene Vorkommen: der Deutschen
geologischen Gesellschaft vor (Zeitschrift derselben’ 1, 9),
fand aber bei Weiss und L. v. Buch lebhaften‘ Wider-
spruch gegen diese Deutung der Erscheinung. Dass’ aber
doch eine Umwandlung vorliegt, beweisen die chemischen
Untersuchungen Kjerulf’s (Nyt magaz. for naturvidensk.
VIII, 2, 175) und G. vom Rath’”s (Ann..d. Phys.'u. Chem.,
XCVIII,: 280).: ‘Wenn gleich dieser Glimmer nach EG. vom
Rath eine von der gewöhnlichen abweichende Zusammen-
setzung besitzt, so ist es gerade wohl interessant zu'se-
hen: dass er sich an den anschliesst, welehen G. vom Rath
als Umwandlungserzeugniss des Wernerits von Arendal
fand. — Mit dieser Pseudomorphose aus’ Schlesien’ 'ver-
gleicht Kenngott (Uebers..d. Result. 'min. 'Forsch."i.'d.
Jahren 1856 und 1857, 191)'eine des Orthoklases im’ Gra-
nite von Rio de Janeiro in Brasilien. ‘Der Orthoklasi’des
lockerkörnigen Gesteines — dessen ' Gemengtheile' ausser
jenem grauer Quarz, Muscovit, ein’ grüner chloritischer
Glimmer, Ankerit, sehr wenig Apatit und netzförmiger, grü-
ner Rutil —’erscheint theilweise deutlich krystallisirt, zeigt
aber oft eine Umwandlung in Glimmer,; wie die des’ schle- .
37
sischen ‘Minerals, dass er grünlich wird’und Glimmerschüpp-
chen enthält. In einem Quarzstücke fand sich ein Ortho-
klaskrystall, ganz in grünen Glimmer umgewandelt, so dass
er’ die Orthoklasgestalt wie eine dichte Masse ausfüllt, beim
Herausschlagen zerbrach und dabei zwei Stücke bildete,
deren Theilung wie durch eine gebogene, grosse Spaltungs-
fläche bewirkt wurde.
Es dürfte überflüssig sein, noch mehrere Beispiele für
die Epigenie des Glimmers aus Feldspath anzuführen, einen
Vorgang, welchen Bischof in seinem reichhaltigen Werke
genugsam besprochen hat. Wenn ich' auch weit davon
entfernt sein muss, das Vorkommen von Glimmer als ur-
sprünglicher Bildung in Feldspathkrystallen zu vernachläs-
sigen — v. Fritsch giebt (a. a. O., 103) gelegentlich
auch an, dass die Blättehen des Magnesiaglimmers im Gra-
nitite von Ilmenau nach allen Richtungen nicht nur von
mikroskopischen, wasserhellen, nadelförmigen Quarzprismen
durchzogen werden, sondern, wie es scheine, hier und da
in ähnlicher Weise auch von Feldspathkrystallen — so
schien es mir doch nothwendig, meine Ansicht für die
Häufigkeit der Zersetzung auszusprechen, nachdem ich
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Ges., XII, 277) auf Wunsch
des Herrn Delesse einen Auszug aus einer Arbeit des-
selben (Ann. des mines [ö], XVI, 1) über die Pseudomor-
phosen geliefert habe, einer Arbeit, in welcher der Ver-
fasser einen grossen Theil dessen, was namentlich von
deutschen Mineralogen für pseudomorphische Bildung er-
klärt wird, für ursprüngliche, lediglich für Einschluss anse-
hen zu müssen sich ausspricht. Dahin zählt er besonders
auch die Verbindungen des Glimmers mit Feldspath, Au-
git, Hornblende, Cordierit, Andalusit, Chiastolith, Disthen,
Staurolith u. s. w.
Delesse erklärt (a. a. O., 19): „Lorsqu’un mineral
se pr&sente sous une forme qui ne lui appartient pas, il
y a ce que j’appellerai pseudomorphisme* — und (24):
„Je suis port@ & croire qu'il y avait lieu de faire des
suppressions assez nombreuses parmi les mineraux qui sont
regard&s comme pseudomorphiques, et surtout parmi les
silicates. Les seuls mindraux pseudomorphiques qui deyraient
38
ätre conserves sont ceux qui prennent la forme d’un autre
et qui de plus sont susceptibles de les remplacer com-
pletement.“ Auch (z. B. Bull. de la Soc. ge£olog. de France
[2]; XV, 741) weist Delesse darauf hin, dass Andalusit
mitunter ganz von Glimmer erfüllt sei, wobei die Blätter
des letztern wohl noch bestimmte Lagen annehmen. Um
indessen hier das Vorhandensein einer Pseudomorphose
anerkannt werden zu lassen, müsse man erst nachweisen,
dass ganz in Glimmer umgewandelter Andalusit vorkomme,
Ein Mineral soll pseudomorph sein, wenn es sich
unter der Gestalt eines andern darstellt. Es giebt eine be-
deutende Zahl von Pseudomorphosen, welche als solche
anerkannt sind, selbt wenn der Vorgang noch nicht so
weit gediehen ist, dass das stellvertretende Mineral den
Raum des ursprünglichen stets bereits vollständig erfüllt,
wie die angegebene Forderung lautet, und damit ganz und
gar die Gestalt des letzteren nachahme. Im Reiche der
Mineralien begegnen wir fortwährenden Wandlungen, und
es ist daher wohl mehr als wahrscheinlich, dass man un-
endlich häufiger auf solche Gebilde stosse, welche noch in
der Umgestaltung begriffen sind. Wenn aber die Bedin-
gung gestellt wird, dass überhaupt Fälle bekannt seien, in
denen eine vollständige Umwandlung in das neue Mineral
Statt gefunden habe, so vermag man deren auch für den
Glimmer aufzuweisen.
Für den Glimmer gerade ist es schwer, die Gestalt
eines Minerals vollständig anzunehmen, während er bei
seinem dünnblättrigen, schmiegsamen Baue viel leichter die
Fähigkeit besitzt, sich nur auf Spaltungsflächen, auf feinen
Klüften einzuschieben, oder bei verhältnissmässig gleich-
zeitiger Ausbildung sich durch die krystallrichtende Kraft
einer sich kräftiger zusammenschliessenden Verbindung in
bestimmte Lagen zwingen zu lassen. Und dennoch se-
hen wir ihn mit kleinblättrigen Massen Räume erfüllen,
welche einst von andern Mineralien eingenommen waren,
So ist nur eben angeführt worden, dass nach Kenn- .
gott dergleichen im Granite von Rio de Janeiro: vorge-
kommen sei. Blum führt (Nachtr. zu d. Pseudomorph. d.
Mineralr., 26) Umwandlungserscheinungen des Feldspathes
s 39
aus dem Granite der Gegend von Warrensteinach im Fich-
telgebirge an, deren Ergebniss ein ganz reines, sehr fein-
schuppiges Gemenge weisslichgrünen Glimmers ist, wäh-
rend sonst das Gestein nur wenig Glimmer enthält. Der
Feldspath besitzt im Allgemeinen nicht mehr seine gewöhn-
liche Frische, sondern zeigt sich mehr matt oder doch nur
“wenig glänzend und ist dabei bröcklich. Fast überall ist
er mit höchst feinen Glimmerschüppchen gemengt, die sich
durch ihren Glanz und grünlichweisse Farbe zu erkennen
geben. Dieser Glimmer hat sich nun an vielen Stellen so
gehäuft, dass der frühere Feldspath an solchen ganz ver-
schwunden ist, und jener theils die krystallinische, theils
die Krystallform von diesem zeigt. „Letztere ist scharf
und wohl erhalten.“ Die Veränderung beginnt aussen und
schreitet von hier nach innen hin vor, so dass rnanchmal
noch ein Kern vorhanden, der aus Feldspath besteht, wäh-
rend das Aeussere zu Glimmer geworden. Dieser fein-
schuppige Zustand des letzteren scheint übrigens nur der
des Ueberganges zu dem blättrigen zu sein, denn nicht
selten sind solche Massen oder Pseudomorphosen mit Glim-
merblättehen bedeckt, die ohne regelmässige Lage noch
in jene eindringen, ja selbst mitten in denselben gefunden
werden und sich in den schuppigen Glimmer verlaufen.
Hat man auch Pseudomorphosen von Glimmer nach
Oligklas noch nicht, wenigstens so weit als mir bekannt
geworden, aufgeführt, so dürfte doch wohl hin und wieder
Glimmer auch durch Umwandlungen im Oligoklase ent-
stehen können. Ich will es vorläufig dahin gestellt sein
lassen, wie es sich mit einem Vorkommen verhalte, wel-
ches ich ebenfalls wieder aus der Beschreibung der ilme-
nauer Granitite durch v. Fritsch (a. a. O., 116) entnehme.
Es treten darunter zuweilen Lagermassen untergeordnet auf,
welche Cotta (N. Jahrb. £. Min., 1848, 131) für; Bruch-
stücke älteren Gesteins erklärt. Sie bestehen aus einem
kleinkörnigen Gemenge, in dem Magnesiaglimmer, zuweilen
auch Hornblende, vorwaltet, und einer Feldspathart, meist
Oligoklas. Dieser bildet oft gewissermassen das Bindemit-
tel für die Glimmerschüppchen, und wie bei manchen Sand-
steinen mit krystallinischem Bindemittel bemerkt man
40
manchmal ganz von Glimmer durchschwärmte, in gewissen
Lagen gleichzeitig Licht reflektirende Feldspathflächen. Oft
aber sind minder verunreinigte Oligoklaskrystalle porphyr-
artig in der schwarzen Masse eingebettet. In der That mag
hier am Ende wohl nur ein Einschluss vorliegen, wie wir
den Glimmer auch als solchen in Albit kennen, indem der-
gleichen z. B. von G. Rose (Min.-geognost. Reise nach d.
Ural, I. 449) und von Blum (a. a. O., 36) angegeben wird,
dort aus dem Granite von Mursinsk, hier in Zwillingskry-
stallen des Albits aus Gängen im Gneisse des Zillerthals
in Tyrol. Ich möchte aber noch daran erinnern, dass bei
der Beschreibung des Protogingranits der Alpen Delesse
(Bull. de la Soc. geolog. de France [2], VI, 240) bemerkt,
dass, während der Orthoklas fast immer unverändert seine
graulichweisse Farbe bewahre, der Oligoklas bald milch-
weiss, bald smaragdgrün, bald graugrün erscheine. Es sei
leicht zu erkennen, dass diese grünen Färbungen von ein-
geschalteten Talkblättchen herrühren, welche die Krystalle
innigst durchdringen. Diese Blättchen liegen der Zwillings-
ebene und somit den von der Zwillingsbildung herrühren-
den Reifen parallel. Auch im Feldspathe des Euphotids
vom Mont Genevre und dem damit verbundenen Diallage
beobachtete Delesse Aehnliches.
Was den Idokras anbelangt, so führt ihn Blum
(Nachtr. zu d. Pseudomorph. des Mineralr., 29) unter den-
jenigen Mineralien auf, aus denen Glimmer durch Umwand-
lungen hervorgehen könne, wenngleich er auch nicht wirk-
liche Pseudomorphosen danach bilde Wenn aber that-
sächlich ein Mineral in einem andern eingeschlossen er-
scheint, aus dessen Bestandtheilen es erzeugt werden
konnte, warum ist es denn nicht pseudomorph, mag es
auch in seinen, gegen das Ganze kleinen Individuen die ihm
eigene Gestalt zeigen. Führt doch Blum von der Beschrei-
bung der in Rede stehenden Idokrase, um ein Beispiel an-
zuführen, Pseudomorphosen von Gypsspath nach Kalkspath
vom Schafbreiter Grubenreviere bei Eisleben auf, Rhom-
boeder, welche ihrer ganzen Masse nach aus einem höchst
feinen Aggregate von Gypspath bestehen. Auch der be-
kannte Schaumkalk von Oberwiederstädt bei Hettstädt ge-
ai
hört hierher. Dass in dergleichen Massen eine vollstän-
dige Ersetzung der ursprünglich den Raum ausfüllenden
Massen durch ein Aggregat ganz kleiner Krystalle anderer
Mineralien Statt gefunden habe und nicht nur eine theil-
weise, ist eine rein zufällige Erscheinung. Uebrigens 'sol-
len die betreffenden Idokraskrystalle sich nicht am Mon-
zoni finden, wie Blum angegeben, sondern, nach Liebener
und Vorhauser (D. Mineral. Tirols, 142) in dem Canza-
coli bei Predazzo.
Während so Glimmer als Umwandlungsproduet aus
Idokras auftritt, scheint er zum Granat nicht in dieser Ver-
wandtschaft zu stehen, obwohl dieser zu Chlorit werden
kann. ‘Wohl hat man Glimmer im Granat eingeschlossen
gefunden, wie mehrfache Angaben beweisen, z. B. von
Trolle-Wachtmeister (Ann. d. Phys. u. Chem,, II, 9),
v. Kobell, (Schweigger, Journ. f. Chem., LXIV, 289),
Bischof (a. a O., U. 1393), Blum (Naturkund. Verhand,,
41), Seyfert und Söchting (ebend. 223); aber es ist
dabei nirgends gesagt, dass andere, dabei vorkommende
Erscheinungen ein weiteres Angegriffensein des Granats
bekunden. Diese Nichtumwandlung des Granats in Glimmer,
selbst in Glimmerschiefer, verdient wohl beachtet zu werden.
Im Gegentheil finden sich auch Granaten als Ein-
schluss in Glimmer. Tyson berichtete (American journ.
of sc., XVIII, 79), dass unweit Baltimore im Granit keilför-
mige Massen von Glimmer vorkommen, welche grosse
Mengen schöner Granaten einschliessen, von denen die
meisten zwischen den Glimmernblättern zu dünnen Täfel-
chen zusammengedrückt scheinen, manche nicht stärker
als gutes Schreibpapier. Bekannt sind die grossen Glim-
merblätter aus New-Hampshire, welche bis zu äusserster
Dünne zusammengedrückte Granaten enthalten, und über
welche unter andern Bischof (a. a. O., 1392) schreibt,
indem er aus diesem Verhalten einen Schluss gegen die
pyrogene Natur des Glimmers zieht. Der Granat zeigt
übrigens jeden Falls eine bedeutende Schmiegsamkeit, sich
in dieser Weise dem Glimmer einzufügen. Eine hier min-
destens in Erinnerung zu bringende Erscheinung ist von
Chapman (London, Edinb. and Dublin philos. magaz. and
42
journ. of sec. [4], III, 141) berichtet, nämlich ein kleiner Gra-
natkrystall aus dem Zillerthale mit falschem Blätter-
durchgange, entsprechend den Theilungsflächen des umge-
benden Glimmerschiefers, ähnlich wie Breithaupt (Paragen.
d. Min., 11) ein grosses in Chlorit gehülltes Dodekaeder
von Fahlun anführt, welches beim Schiefrigwerden der als
Grundmasse gedient habenden Bergart zum Theile verscho-
ben und doch wieder fest verwachsen ist. — Um aber
nochmals auf das paragenetische Verhalten zwischen Glim-
mer und Granat zurückzukommen, so hebt Scheerer
(Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., IV, 39) es als
einen beachtenswerthen Umstand hervor, dass in den von
ihm daselbst geschilderten, metamorphischen Gebilden Nor-
wegens, welche Granat führen, doch weder im veränderten
Thonschiefer, noch im Marmor sich eine Spur von Glim-
mer zeigt. Wolle man diesen als Contactproduct finden,
so dürfe man ihn nicht in derjenigen Abtheilung des me-
tamorphosischen Thonschiefergebietes suchen, welche durch
ihren Kalkgehalt zur Granatbildung Veranlassung gegeben
habe, Granat und Glimmer schienen einander zu hassen.
In G@limmer von Haddam in Connecticut, der Berliner
Sammlung angehörig, sah ich (Zeitschr. f. d. gesammt. Na-
turwiss., IV, 13) Granat und Turmalin zugleich eingewach-
sen, stark plattgedrückt, aber doch noch körnig, während
sie in einer Tafel Glimmers von unbekanntem Fundorte,
welche die Freiberger Sammlung aufbewahrt, zu der Dünne
der Glimmerblätter zurückgebracht waren
Was das Vorkommen von Turmalin allein in Glimmer
betrifft, so hat sich solcher, nach Seyfert und Söch-
ting (a. a. O., 206), weiss und grün oder grün mit weis-
sem Kerne nach den sechsseitigen Tafeln grossblättrigen
Glimmers gefunden. Am Bekanntesten ist das Vorkommen
ganz dünn gestreckten Turmalins in Glimmer von Haddam
in Connecticut; man sehe unter andern Bischof (a.a. O.,
1393). Die interessantesten, eingehendsten, mikroskopi-
schen Untersuchungen aber verdankt man Brewster
(Transact. of the Royal Soc. of Edinb., XX, 547 ff.). Da-
nach liegt der Turmalin zwar zwischen den Glimmerblättern,
ist aber aus dem Inhalte unzähliger, kleiner Höhlungen
43
entstanden, welche jetzt leer im Glimmer zu sehen sind.
Bischof bemerkt (ebend., 1395): „Wie im Glimmer mit
Granaten, zeigen sich auch im Glimmer mit Turmalin graue,
wolkige und büschelartige Zeichnungen mit den feinsten Li-
nien, welche nicht von Salzsäure angegriffen werden; nur
die Ueberzüge von Eisenoxydhydrat werden aufgelöst. Soll-
ten diese Zeichnungen aus Turmalinsubstanz bestehen,
welche nach der Bildung des Glimmers von Gewässern ab-
gesetzt worden ist?“
Weit häufiger findet man Glimmer auf und in Turma-
lin, und ist da jener sehr häufig aus diesem entstanden,
wie z. B. auch von Rammelsberg anerkannt worden ist.
Man hat auch Vorkommnisse entdeckt, welche der von De-
lesse beim Andalusite gestellten Forderung genügen; ich
verweise daher auf das, was Blum (D. Pseudomorph. d. Mi-
neralr. 94) darüber zusammengestellt hat, ferner auf Bi-
schof (a. a. O., U, 437 und 1428).
Was aber von der gegenseitigen Ausschliessung zwi-
schen Glimmer und Granat gesagt war, findet sich in ge-
wisser Weise auch zwischen Glimmer und Turmalin. Im
Schörlgranite vertritt letzterer erstern. Dies Gestein scheint
im Allgemeinen nur an den Rändern der Granitmassive
vorzukommen. So auch an den Grenzen des Dartmoorgra-
nits gegen die Schiefer. Wenn nun aber auch im Innern
desselben sich Schörlgranit gefunden hat, so sucht de la
Beche (a. a. O., 157) dies durch die Annahme zu erklä-
ren, dass die einst darüber liegenden Schiefer hier wegge-
führt worden seien. Man könne einen vollständigen Ueber-
gang erkennen zwischen dem Gemenge von Schörl und
Quarz, gewöhnlich Schörlfels genannt, und dem gewöhn-
lichen Granite. Der Glimmer verschwindet gewöhnlich,
wie der Schörl zunimmt; zuweilen jedoch, wenn auch nicht
sehr gewöhnlich über enge Grenzen hinaus, sei der Granit
ein fast gleichmässiges Gemenge von Glimmer, Schörl, Feld-
spath und Quarz.
Auch vom Augit sagt Delesse, dass er zwar häu-
fig vom Glimmer durchdrungen, aber nicht in solchen pseu-
domorphosirt sei, In der That führt auch Blum (Pseu-
domorph. d. Mineralr,, Nachtr., 30) unter Vorkommnissen,
-
bei denen nicht von wirklichen Pseudomorphosen die Rede
sei, sondern nur von Erscheinungen, die darauf hinweisen,
dass aus Mineralien Glimmer nachträglich gebildet werden
könne, Augit in''der Varietät des Fassaits an. Die Umwand-
lung ist stellenweise so weit gegangen, dass wahre Ge-
menge der augitischen Masse mit dem Glimmer 'erschei-
nen, in denen letzterer mitunter so die Oberhand gewinnt,
dass er jene fast ganz verdrängt. Ich kann aber hiernach
eben keinen Unterschied sehen zwischen diesem Vorkom-
men und den von Blum selbst‘ beschriebenen Pseudomor-
phosen von Glimmer nach Andalusit, nach Wernerit u. s.w.—
Bischof leitet (a. a. O., II, 1413) in den Basaltblöcken
mit Glimmer im Laacher See den Glimmer von einer Um-
wandlung des Augits her, wie in vielen andern augitischen
Gesteinen, wenngleich, wie er schreibt (ebend., 1422), Blum
darin eigentliche Pseudomorphosen aufzufinden meint.» Je-
denfalls aber liegt den Verbindungen von Glimmer; mit
Augit der Grundbegriff der Pseudomorphose ausserordent-
lich nahe. — Kjerulf (Nyt magaz. f. naturvidensk., VII],
2, 173) analysirte Glimmer aus einem Lavablocke der Eifel,
in welchem er in schlecht. krystallisirte Augite gemengt
war und wohl als Zersetzungsproduct derselben erschien.
Kjerulf fügt bei, die Glimmerkrystalle hätten einen sechs-
seitigen Kern enthalten, dessen Begrenzungen denen des
Krystalläussern entsprachen, und in deren Mitte man sehr
kleine, farblose, durchsichtige Körner von Quarz oder dun-
kelgefärbte erblickt habe, welche letztere Augit zu sein
schienen; der Augit habe ja auch bei dieser Umwandlung
Kieselsäure abgeben müssen. Eine solehe Vermuthung hält
indessen Kenngott (Uebers. d. Result. min. Forsch. im
Jahre 1855, 46) für gewagt, da eine Umwandlung des Au-
gits in Glimmer, wobei der Glimmer eine andere Gestalt
annimmt, unmöglich ausgeschiedene Quarzkörner und ‘un-
veränderten Augit in der Mitte enthalten könne, da‘ be.
kanntlich die Krystallbildung allgemein vonder Mitte ‚aus-
gehe, und dergleichen Ausscheidungen sich gewiss nicht in
die Mitte zurückziehen werden.
Aehnlich verhält es sich mit dem Glimmer, der Horn-
blende gegenüber. Er bedeckt zunächst oft nur, deren
s
45
‚Oberfläche. ; Am .Grünsteinfelsen bei Boston sah Fergus
(Amer. journ.: of sc. [2]; VI, 425) die seit langer Zeit dem
Wetter: ausgesetzt gewesene Oberfläche der Hornblende-
krystalle mit Glimmerschüppchen bedeckt, während das In-
nere nur aus Hornblende bestand, — Bischof sagt (a.a.
O., II, 870) zwar, man \habe' eigentliche Pseudomorphosen
von Glimmer nach Hornblende noch nicht gefunden, aber
er führt nicht nur von: Weibye,. sondern auch von ihm
selbst beobachtete Vorkommnisse an, welche die Umwand-
lung’ der Hornblende in Glimmer beweisen. Blum be-
schreibt‘ (Pseudomorph. d. Mineralr., Nachtr. Il, 32) ‚von
dem: Thonschiefer vieler Gegenden des: sächsischen Erzge-
birges und Voigtlandes, den: sogenannten: Fleck-, Knoten-,
Garben- oder Fruchtschiefern, ‚die darin enthaltenen Con-
‚eretionen als ‚aus Hornblende entstandenen Glimmer.ı —
‚Ueber die Hornblendei des Granitits von Ilmenau schreibt
v.Fritsch (a. a. 0.,'104), sie: sei in manchem sehr häufig,
lasse sich oft als Stellvertreter des Magnesiaglimmers be-
trachten,, ‘da glimmerreiche Granitite arm an: Hornblende
seien, und umgekehrt. Kleine Titanit-Krystalle — viel-
leicht beruht der Titansäuregehalt mancher Hornblende nur
auf solchem Einschluss‘von Titanit oder auch von Titan-
eisen, wie auch letzteren bereits Kudernatsch (Annal.d.
Phys.:u: Chem., XXXVII, 587) als Ursache vermuthet hat
gleichwie ihr Magnetismus auf die Beimengung von Malnet-
eisen’ — auch wohl Glimmerblättchen, würden zuweilen
wohl’vöon der Hornblende eingeschlossen. Der Magnesia-
glimmer schien! aber als Zersetzungsprodukt derselben be-
trachtet ‘werden zu müssen, indem’ er in frischer Horn-
blende unbekannt. sei, während in zersetzten zwischen La-
mellen und Nadeln: von verwittertem’ ' Amphibol zahllose
Schüppchen dieses Glimmers auftreten.
Es ist bereits oben ‚beigebracht ,' welche Forderung
Delesse früher gestellt habe, um eine Pseudomorphose
von Glimmer naeh Andalusit anerkennen zu können. In
der neuern Arbeit führt er als Einschluss in Glimmer An-
dalusit auf, daneben Pyroxen, Amphibol, Epidot, Jolit,
Feldspathe, Staurolith, Disthen, Turmalin. Mir sind, abgese-
hen von den erwähnten Vorkommnissen von Granat, Turmalin,
46
Feldspath, keine derartigen Einschlüsse bekannt geworden, und
ich kann doch kaum glauben, dass Delesse etwas derart
meine, dass da, wo Glimmer fremde Krystallgestalten, z.B.
des Andalusits, bis auf geringe Ueberbleibsel dieser Mineralien
erfüllt hat, diese Ueberbleibsel Einschlüsse in Glimmer seien.
Gerade bei Andalusit hat Blum (Pseudomorph. d. Mi-
neralr., 91 und Nachtr., 24) Beispiele beschrieben, in denen
der Glimmer das Grundminera! bis zum völligen Verschwin-
den verdrängt hat. Aehnliche Erscheinungen zeigen sich
mehr oder minder stark an vielen Andalusiten. Der Glim-
mer zeigt sich, wenn nicht tiefer eindringend, doch auf der
Oberfläche, zumal an zersetzten Stellen. Ein entscheiden-
des Beispiel für eine weit spätere Geburt des Glimmers
dürfte wohl das sein, welches die Andalusite des Dillen-
berges, im Egerer Kreise Böhmens, darbieten, indem sie
nach Joke&ly (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., VII, 483) in
Quarzausscheidungen des granatenreichen Glimmerschiefers
bei bedeutender Grösse, sechs bis sieben Zoll lang, oft ge-
bogen und zerbrochen ‚und mit weissem Glimmer bekleidet
sind. Die Verkittung der Bruchstücke ist durch Quarz er-
folgt. Fragmente und ganze Krystalle bilden oft wahre
Brececien, in denen als Cäment auch Glimmer erscheint.
Ausserdem finden sich daselbst auch Pseudomorphosen ei-
nes steatitischen Minerals nach Andalusit. Kann man nun
wohl hier etwas anderes annehmen: als dass die Andalu-
site bereits vorhanden gewesen seien, bevor das umge-
bende Gestein zu dem wurde, was es jetzt ist, dass der
Glimmerüberzug, hier wie anderwärts, ein nachträglicher
seit Roth*), welcher dergleichen Andalusite von Lisens
ebenfalls untersuchte (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch.,
VII, 15) fand auf seiner Oberfläche und im Innern grosse
Blätter weissen Glimmers und übrigens eine völlige Um-
wandlung in grauen Cyanit. Der Alkaligehalt betrug fast
*) Blum schreibt, die Pseudomorphosen von Lisens finden sich
grobkörnig im Granite, dagegen geben Liebener und Vorhauser
(a. a. O., 9) starke Quarzadern des Glimmerschiefers als Fundstelle an,
in denen die Umwandlungen des Minerals in Cyanit, Glimmer und Stea-
tit sehr zahlreich seien, so dass sie, besonders aber letztere, öfter auf-
treten als der ächte Andalusit.
’ 47
neun Procent. Die Spaltbarkeit, und somit die Lagenbil-
dnng, des Andalusits ist zu wenig entwickelt, als dass er
grosse Neigung haben sollte,. fremde Körper regelmässig
geordnet in sich aufzunehmen, oder fremden Stoffen den Ein-
tritt auf Spaltöffnungen leicht zu machen. Auch ist seine
chemische Zusammensetzung eine zu einfache, als dass
man alle basische Bestandtheile, ausser Thonerde für un-
zugehörig erhlären sollte. Ich kann überhaupt der Annahme
„zufälliger Bestandtheile“ nur eine beschränkte Giltigkeit
zugestehen, indem es mir vielmehr scheint, als habe man
bei einmal bestimmter Zusammensetzung mit Einreihung
einiger „isomorpher“* Stoffe es sonst nur mit ganzen, frem-
den, eingemengten Mineralien, oder mit später eingeführten
Umwandlungsmitteln zu thun. — Roth gedenkt (ebend.,
297) auch umgewandelten Andalusits aus dem Glimmer-
schiefer von Goldenstein in Mähren, woselbst auch gebro-
chene Staurolithe vorkämen. — Gebrochene Andalusite
sollen nach Hugo Müller (Correspondenzbl. d. Zool.-mi-
neral. Ver. in Regensburg, VI, 45) in einem Gneissglim-
merschiefer in der Gegend von Tirschenreuth in Baiern
vorkommen.
Delesse spricht sich (in der mehrgenannten Ab-
handlung, 37) dahin aus, dass bei nahezu gleicher Zu-
sammensetzung die Entwickelung und der gegenseitige Ein-
schluss zweier Mineralien sich durch gleichzeitige Krystal-
lisation erkläre. So sei es mit Andalusit und Glimmer,
denn, sei ihre Zusammensetzung auch verschieden, so ent-
hielten sie doch Kieselsäure und Thonerde in nahezu dem-
selben Verhältnisse. Dies gelte auch für die hauptsächlich-
sten Mineralien, welche man häufig von Glimmer durch-
drungen finde. Diese Erklärung dürfte indessen kaum
zureichen, dieser Erscheinung zu genügen. Es giebt genug
Fälle, in denen das verlangte Merkmal vollständiger Aus-
füllung der fremden Gestalt durch Glimmer vorhanden ist,
wie es, um nur ein Beispiel anzuführen, bereits vor langer
Zeit (v. Leonhard’s Zeitschr. f. Min., 1828, 685) von Blum
für Pinit nachgewiesen worden ist, Die Umwandlungsfä-
higkeit des Cordierits und der aus ihm abgeleiteten Mine-
ralien ist eine zu allgemein anerkannte, und äusserte sich
48
G. Rose (Zeitschr. d. Deutsch. geolog. Gesellsch., I, 357)
dahin, dass er nie frischen Cordierit in den Gesteinen der
Granitgruppe gesehen habe. Ein Näheres behalte ich mir
für eine ausführlichere Arbeit über die Pseudomorphosen
vor, mit welcher ich beschäftigt bin.
Eines Umstandes indessen will ich nicht versäumen
zu gedenken, dem man noch nicht die rechte Aufmerksam-
keit geschenkt zu haben scheint. Es ist der, dass sich eine
nicht geringe Zahl der Mineralien, welchen man Glimmer
auf- oder auch einliegend beobachtet hat, sich nicht als
ausgebildete Krystalle, sondern jetzt an deren Stelle als
Bruchstücke im Gesteine finden. Sie müssen demnach frü-
her fest geworden sein als dieses. Die Skapolithe von
Arendal sind, wie auch G. vom Rath (a. a: O., XC, 96)
hervorhebt, an den Enden meist zerbrochen, oft auch ge-
bogen. Derselbe beschreibt (Zeitschr. d. Deutsch. geolog.
Gesellsch., IX, 220) ein eigenthümliches Gneissgestein aus
dem Berninägebirge, in welchem, parallel den Glimmerbän-
dern, kleine, nadeldicke Turmalinkrystalle liegen, sämmtlich
gebrochen, die Stücke in der Richtung der Streckung aus-
einandergerückt. Breithaupt bespricht (Paragen. .d. Min.,
56) die in Quarz eingewachsenen und häufig zerbrochenen
Turmalinkrystalle. Auch in einem ungewöhnlich stark wel-
lenförmig gebogenen Glimmerschiefer habe er zerknickte
Turmalinkrystalle wahrgenommen. Im British Museum be-
merkte ich (Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss., VI, 366) seinen
langen und starken Turmalinkrystall, eingewachsen im grü-
nen Chloritschiefer mit Granaten von Salzburg, aber gebro-
chen, die Sprünge durch Chloritschiefermasse wieder ver-
kittet. Aehnliches führen an Liebner und Vorhauser
(a. a. O., 280) aus dem Chloritschiefer des Pfitschthales und
(ebend., 281) aus einem Hornblendegesteine von Sterzing.
Dieselben berichten ferner (ebend., 172), dass im Glimmer-
schiefer des Langtaufererthales der Cyanit oft in gekrümm-
ten Massen auftrete. Auch der Disthen von Boharm in
Schottland, wo er in Quarz liegt, zeigt nach Mac Culloch
(Transact. of the Geolog. Soc. I, 431) mitunter gebogene
und. wellenförmige Krystalle. In Glimmerschiefer' aus der
Gruppe des sulzbacher Venedigers in Tirol vorkommende,
49
bis zwei Zoll lange Zoisitkrystalle zeigen, wieF.v. Hauer
(Haidinger’s Bericht über Mittheil. v. Freunden d. Naturwiss.
in Wien, II, 194) angiebt, an allen Stücken die Seitenstücken
abgebrochen. Mohs meldet (Min. Kabinet d. Herrn v.d.
Null, I, 495) von schwärzlichgrünen Krystallen gemeiner
Hornblende von Horn bei Wien, welche, ein wenig krumm
gebogen, büschelförmig zusammengehäuft in Glimmerschie-
fer eingewachsen sind. Delesse schreibt (Annal. des min.,
[5], VII, 762) von gneissartigen, hornblendeführendem Pro-
togin von der Südseite des St. Gotthards, dassin gewissen
Fällen die zum Aktinote gehörigen Krystalle, welche der
Schieferung parallel zu liegen pflegen, nach der letztern
in Stücke gerissen seien. Nach v. Zepharovich (Min.
Lex. f. d. Kaiserthum Oesterr., 114) finden sich am Schin-
derhügel bei Mariendorf in Mähren tafelartige, jedoch ge-
wöhnlich zertrümmerte Chrysoberylikrystalle. Selbst des
Glimmers ist hier zu gedenken, indem Scharff (Abhandl.,
herausgeg. v. d. Senckenberg. naturf. Gesellsch., I, 293)
Glimmer von Kainsbuch im Odenwalde als durch Quarz zer-
rissen anführt.
Ich könnte noch eine ganze Reihe von Beispielen bei-
bringen, aus denen hervorgeht, dass dies Schicksal der Bie-
gung oder der Brechung viele Krystalle betroffen hat, wel-
‚che abnormen Gesteinen, metamorphischen Schiefergebilden
und Kalken und Gangformationen angehören. Ein nicht un-
beträchtlicher Theil dieser Mineralien zeigt, wie gesagt,
Glimmer auf- oder eingelagert. Letzterer wird demnach
wohl nur als ein jüngeres Gebilde angesehen werden können,
zumal da, wo er sich in schiefrigen Gesteinen eingefunden
hat, in Gesteinen, bei deren Neugestaltung, die nun wohl,
mindestens theilweise, für älter anzusehende Mineralien ge-
dehnt, gebogen, zerrissen wurden, wie man Aehnliches auch
an Versteinerungen sieht, so dass sogar Haughton (Lond.,
Edinb. and Dublin philos. magaz. and journ- of sc., [4], VII,
403) versuchen konnte, die Gesetze der Verdrückungen der
‘ Versteinerungen durch die Ausbildung der Schieferung mathe-
matisch zu entwickeln. Hätte man danach jene Mineralien für
älter zu halten, als die Glimmer- und Chloritbildung der Schie-
fer und anderer krystallinischer Gesteine, so würde daraus fol-
XXI. 1863, 4
650
gen, dass .Glimmer, :Chlorit, Talk und Aehnliches nach und
in ihnen nur Umwandlungserzeugnisse sein, z. B. durch
neue Zersetzungen, als wie die in diesen Gesteinen erst
‚selbst zur Ausbildung gelangt gewesenen Krystallmassen.
Sonach gewinnt es den sicheren Anschein, als ob der
Glimmer, welcher sich in der mehrbesprochenen Weise auf
oder in den fraglichen Mineralien findet, nur durch Um-
wandlung der letzteren entstanden sei, und bliebe es nur
übrig, zu entscheiden, ob man dieser Verbindung den Na-
men Pseudomorphose geben wolle, oder nicht. Es dünkt
mich aber, dass man kein Recht habe, ihr demselben vor-
zuenthalten, sobald man denselben andern Vorkommnissen
beilegt, in welchen der Raum, den ein, nenne man es im-
merhin so, ursprüngliches Mineral eingenommen hatte, jetzt,
sei es selbst nicht völlig, von einemiandern Minerale erfüllt
ist, möge dieses nun unmittelbar aus jenem hervorgegan-
gen, oder aus ganz fremden Stoffen an Stelle des auf ir-
send eine Weise entfernten Urwohners abgelagert worden
sein. Das Recht der Einschlüsse verletzen zu wollen, bin
ich natürlich, nachdem ich ihnen so lange meine Aufmerk-
samkeit gezollt habe, weit entfernt.
Bemerkungen
zu den
Arten der Gattung Pimpla bei Durchsicht der
Gravenhorst’schen Typen
von
E., 1, Taschenberg.
Welche Schwierigkeiten damit verknüpft sind, bei Be-
stimmung der Schlupfwespen nach dem bisher noch immer
einzigen Werke von Gravenhorst „Ichneumonologia euro-
paea Vratisl. 1829“ durchzukommen, ist den Hymenoptero-
logen hinreichend bekannt. Der Grund hiervon liegt einmal
darin, dass die immer allgemeiner in neueren entomologi-
schen Werken eingeführte, das Auffinden eines Insekts un-
gemein erleichternde analytische Methode dort gänzlich
vermisst wird, und sodann in dem zweiten Uebelstande,
dass Gravenhorst, dessen Arbeit eine ganz enorme war,
51
das Haüptgewicht bei der Unterscheidung der Arten auf
die Farben legt, die Farben, welche sehr veränderlich bei
ein und derselben Species und umgekehrt wieder so über-
einstimmend bei verschiedenen Arten sind, dass Irrthümer
und Unsicherheit unvermeidlich werden. Wesmael hat
dies in seiner Bearbeitung der Gattung Ichneumon und der
nächsten Verwandten in den Bulletins der königl. Belgischen
Akademie zur Genüge nachgewiesen.
In der Absicht, die Familie der Pimplariae einmal gründ-
lich vorzunehmen, schien es mir von grosser Wichtigkeit,
die Typen der Gravenhorst'schen Sammlung, welche der
Breslauer Universität geschenkt wurde, durch Autopsie ver-
gleichen zu können. Durch die dankenswerthe Zuvorkom-
menheit des Herrn Professor Grube wurde mir die Gele-
genheit dazu geboten. Ich habe eine Suite der genannten
Sammlung vor mir, dessen Hauptinhalt in der 'Gattung
Pimpla besteht. Leider haben Schimmel und in noch ge-
fährlicherer Weise Anthrenenlarven manches Stück in einen
unbrauchbaren Zustand versetzt, und darum dürfte es um
so gerechtfertigter erscheinen, wenn vor dem weiteren Un-
tergange die Thiere auf andere Merkmale angesehen wür-
den, als Gravenhorst in seinem unsterblichen Werke an-
giebt.
Im Nachstehenden sollen die einzelnen Arten nach
den Merkmalen besprochen und angeordnet werden, auf
welche Holmgren in seiner neuesten Arbeit !) Rücksicht
nimmt, und die mir glücklich gewählt zu sein scheinen.
Sie werden sich aus den folgenden Mittheilungen von selbst
ergeben, zu denen wir nun übergehen mit Angabe der
Stückzahl in der Sammlung Gravenhorsts. Bemerkt sei
noch, dass bei der Längenangabe des Bohrers immer nur
das über die Leibesspitze hinausragende Ende
gemessen wurde, weil sich dieses Stück in allen Fällen
an getrockneten Exemplaren sicherer messen lässt als die
noch übrige im Hinterleibe verborgene Basis. Die Bezeich-
nung: Bohrerlänge, die somit nicht richtig ist, mag trotz-
!) Försök till uppställning:och beskrifning af sveriges Ichneumoni-
der 3. Serien. Fam. Pimplariae af Aug. Emil Holmgren, in Kong-
liga Svenska Vetenskaps -Akademiens Handlingar. Ny följd III. 2. 1860.
4”
52
dem der Kürze wegen eingeführt werden, und kann jetzt
zu weiteren Missverständnissen keinen Anlass geben.
I. Luftlöcher des Hinterrückens länglich oder eiförmig
und deshalb leicht kenntlich. Innerer Quernerv (nerv.
transversus analis) der Hinterflügel über seiner Mitte
gebrochen.
1. Die Klauen @ am Grunde nicht lappig erweitert.
Fühler, ausser bei der ersten Art, schlank, ihre Glie-
der in der ersten Hälfte der Geisel am Ende schwach
geschwollen.
P. flavicans no 749. Eine wegen des durchaus glän-
zenden, nicht punktirten, lehmgelben Körpers kaum zu ver-
kennende Art. Die 3 vordern Felder des Hinterrückens
deutlich, das mittelste quadratisch. Erstes Segment des
Hinterleibes scharf gekielt, zwischen den Kielen fast bis zur
Spitze ausgehöhlt. Glieder der Fühlergeisel vollkommen
cylindrisch. Beine kräftig, vorletztes Glied der Hintertar-
sen kaum halb so lang als das letzte. Lg. 12, 5==, Hin-
terleib 7, 5, Bohrer 3, 75m,
P. instigator no 103 /’Q Hinterrücken ohne Felder, rauh,
im vordern Theile deutlich querrissig. Brustseiten stark
punktirt; Stirn ausgehöhlt mit Mittelfurche und (2) quer na-
delrissig bis zur Fühlerwurzel. Hinterende des ersten Hin-
terleibssegments ungekielt. Vorletztes Glied der Hintertar-
sen fast nur!/, des letzten Gliedes. Lg. 17==, Hinterl. 9,75,
Bohrer 4um (seine wahre Länge 8um), |
P. illecebrator no 104 59. Ganz wie vorige Art, das
Q aber noch kräftiger, sein Hinterrücken lederartig, mit kei-
ner Spur von Querrunzeln, die Stirn nur in ihrem obern 2);
quer nadelrissig, vor den Fühlern polirt. Beim J die Ta-
ster schwarz und das Flügelschüppchen bleich hornbraun,
während beide Theile bei dem „' der vorigen Art gelb aus-
sehen. Lg. 18m, Hinterl. 11, Bohrer über 8%®2 (seine wirk-
liche Lg. fast 12, 5).
P. examinator no 99. Ausser der Färbung wie P. in-
stigator, aber die Punktirung ‚des Körpers weniger grob,
das ganze Thier minder robust. Vorletztes Hintertarsen-
glied beinahe nur °/; von der Länge des letzten. Lg. fast
11, 5”®, ‘Hinterl. 7, Bohrer 3””,
53
Var. 1. 59 gehört schwerlich dazu: Stirn ohne
Längsfurche und Querrisse, vollkommen polirt, Brustsei-
ten sehr glänzend, ohne Punktirung; bei der Vergrösse-
rung, die überall angewandt wurde, erscheint der Hinter-
rücken vorn sehr fein punctirt, sein abschüssiger Theil po-
lirt. Erstes Segment, von der Seite gesehen, in der Mitte
nicht höckerig erhaben, sondern flach gerundet, nur an der
Wurzel ausgehöhlt. Bloss Fühlerbildung und Färbung der
Hinterschienen stimmen mit der Stammart. Beim 9 Hin-
terhüften und die vordersten an den Spitzen, so wie alle
Schenkelringe roth. Lg. 6"", Hinterl. 3, 75, Bohrer 1, 33",
Beim 5 alle Hüften schwarz, alle Schenkelringe roth, sonst
der Stammart näher stehend.
Var. 2. 0 ist auf ein Glimmerplättchen aufgeklebt
und so, dass sich nicht viel sehen lässt, vor Allem bleiben
die Luftlöcher des Hinterrückens unkenntlich. Ich enthalte
mich daher jedes Urtheils darüber.
P. spuria no 88. @ :Ich kann keinen Unterschied zwi-
schen dieser und der folgenden Art wahrnehmen, selbst
nicht in der Färbung, es sei denn, dass hier der helle Ring
vor der Hinterschienenbasis verwischter ist, als dort, wie
in var. 2. der folgenden Art. Das Exemplar ist etwas klei-
ner. Meiner Ansicht nach muss dieser Name also wegfal-
len und die Art mit P. turionellae vereinigt werden.
P. turionellae no. 93 52. Stirn ausgehöhlt, verwischt
querrissig. Fühler wie bei P. instigator, aber an der Spitze
etwas feiner. Mittelrücken sehr fein, aber doch deutlich
punktirt, Seiten der Brust polirt, dabei verwischt punktirt.
Hinterrücken gröber punktirt, aber doch glänzend, 2 un-
vollkommene Längsleisten deuten ein mittleres Feld an,
und eine mehr oder weniger scharfe Bogenlinie grenzt den
abschüssigen vom vordern Theile ab; jener ist in der Mitte
polirt, nur an den Seitenrändern matter und rauher. Hin-
terleib deutlicher punktirt als alle übrigen Theile, mit glän-
zenden, nicht erhabenen Hinterrändern der Segmente. Seg-
‘ ment 1 vorn schwach gehöhlt, in der Hinterhälfte gerundet
und kiellos. Vorletztes Hintertarsenglied in der Länge et-
was unter !/, des letzten. Lg. 10, 5mm, Hinterl. kaum 6, 5,
Bohrer 2, 75”®, Beim f Segment 1 gestreckt, flach, fast
rechteckig, ganz vorn tief ausgehöhlt.
54
var. 19, var: 2 9, var. 3 d'Q geben zu keiner weitern
Bemerkung Anlass.
2. Klauen Q@ am Grunde: in einen, zipfelartigen Lappen
erweitert,, Fühlerglieder vollkommen cylindrisch.
P. rufata no. 82 2. Hinterrücken. glänzend, mit ein-.
zelnen groben Punkteindrücken und 2 nach hinten diver-
girenden Mittelleisten als; einzige Andeutung von Feldern,
Erstes, Segment. mit 2 Leisten, zwischen denen sich, aber
an der hintern Hälfte keine Aushöhlung findet,
so dass: diese auf. dem Rücken flach: erscheint. Brustseiten
polirt. Die gelben Zeichnungen am Thorax, besonders die-
beiden Längslinien des: Rückens, zu hakenartigen Zeichnun-
gen mit den Linien am Vorderrande verbunden, herrschen.
hier vor. Bei dem 9, welches: als: var. 1 bezeichnet ist,
fehlen sie; es steckt auf der Puppenhülse von Zerene gros-
sulariata.. Das Q der Stammart ist besonders klein: 6",
Hinterl. kaum 4", Bohrer 1,25, dagegen Jd’ 11"; ihm feh-.
len, die beiden gelben Rückenlinien. \
P. varicornisi no. 83 d' (mit zwei undeutlich gelben
Rückenlinien), © (ohne Hinterleib) und var. 1} € mit: ganz,
schwarzem Thorax. Diese, Art unterscheidet sich von. der;
vorigen. durch das, erste Segment des Hinterleibes, welches;
bis zur Spitze zwischen den Kielen muldenartig-
ausgehöhltist. Die gelbe. Zeichnung am; Thorax weni-
ger ausgebreitet, das. gelbe Gesicht beim d* mit schwarzer
Mittellinie, die, weissen, Ringe. der Hinterschienen: wenig:
ausgeprägt.
Ich. muss: hierbei eine Namenverwechselung in Hio)lm-'
gren’s oben erwähnter Arbeit berichtigen. Der genannte:
Autor führt auf: P. flavonotata, mit welchem neuen Namem
er P. rufata var. 1 Gr. belegt, und P. rufata Gmel. Gr:, die
er mit P. varicornis. identificirt. Er giebt die: Unterschiede:
beider Arten scharf und richtig an. Da aber Gravenhorst:
ausdrücklich, bemerkt, dass seine var: 1. eigentlich auf die:
Gmelin’sche rufata passe und: ich. dazu: ein of besitze,. .
welches die gelben Zeichnungen vollständig aufweist, so‘
muss für die Art mit ebenem Hinterende des ersten. Seg-'
ments. der Name: rufata bleiben und: darf sie nicht: mit
varicornis: vereinigt: werden, wo das ganze erste Segment!
55
bis zum Ende ausgehöhlt ist. Die Nomenelatur'bei Gra-
venhorst ist demnach unverändert beizubehalten.
P. roborator no84£J'Q. Der ganze Körper gleichmässig
grob punktirt. Scheitel: breit auf Kosten der Stirn. Mit-
telrücken schwach dreilappig, Hinterrücken kurz und ge-
rundet, durchaus grob punktirt mit Ausschluss eines vier-
eckigen, glänzenden Fleckchens an Stelle des vordern Mit-
telfeldes. Erstes Segment gleichfalls gedrungen und in sei-
ner Hinterhälfte mit gerundeter Oberfläche, die Vorderhälfte
schräg nach vorn abgestutzt. Alle Segmente braun mit glän-
zenden Hinterrändern, die beim 0’ schwarz sind. Vorletz-
tes: Hintertarsenglied kaum halb so lang, als das letzte.
Lg. 14, 5mm, Hinterl. reichlich 9, 5, Böhrer reichlich 11, s"m,
P. viduata no 101 %. DBrustseiten glänzend, an der
vordern Hälfte punktirt, in der Furche vor der hintern Naht
deutlich punktirt. Hinterrücken' glänzend, an den Rändern
einzeln, im Felde der Luftlöcher dichter punktirt, darunter
polirt, keine Spur von Feldern. Hinterleib grob punktirt,
die Punkte theilweise der Länge’ nach zusammenfliessend,
Segmente vom zweiten an mit einem Quereindrucke, wo-
durch die Hinterränder stark leistenartig hervortreten, ohne
besonders zu glänzen. Segment 1 vorn schräg gestutzt,
in der Hinterhälfte oben: gerundet, von der Seite gesehen
mit tiefer Längsfurche, in deren grubenartigem Ende die
Luftlöcher sitzen. -Lg. 9, 5%%, Hinterl. 6°”, Die kräftigen
Fühler kaum länger als’ der Hinterleib und dicker, als bei
voriger Art, ebenso‘ die Hinterschenkel dicker, genau von
der Gestalt wie bei P. examinator. — Obwohl: das & fehlt
und mithin’ der Anhaltepunkt für die Unterbringung der Art,
so passt sie doch dem Habitus nach eher unter diese, als
die erste Abtheilung.
II. Luftlöcher des Hinterrückens kreisförmig und klein,
darum und: weil der Aussenrand bisweilen etwas
wallartig emporsteht, ziemlich undeutlich. Fühler-
glieder vollkommen cylindrisch, darum nur durch die
Färbung von einander abgesetzt.
1. Die wvordernı Felder des’ Hinterrückens höchstens
durch 2-Längsleisten angedeutet, also unvollständig.
a. Letztes Hintertarsenglied' vier Mal so lang, als das
vorletzte.
56
P. melanocephala no 759. Klauen am Grunde nicht
erweitert, innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner
Mitte gebrochen. Brustseiten glänzend mit punktirter Hin-
ternaht, Hinterrücken schwach punktirt, mit 2 parallelen
Leisten. Hinterleib sehr grob punktirt und sehr uneben,
sein erstes Segment fast bis zur Spitze flach eingedrückt,
das ?2., 3. und 4. mit seichter Längsfurche in der Mitte.
Der ganze Körper rothgelb, schwarz sind: Kopf, die Wur-
zel der Fühler und die Enden der Geiselglieder, der Tho-
rax mit Ausschluss des grössten Theiles vom Metathorax,
der Bohrer mit seiner Schneide, die Krallen und die äusser-
ste Spitze ihres Tarsengliedes. Lg. fast 8, 75°®, Hinterl.
5, 5, Bohrer kaum 2%,
b. Letztes Hintertarsenglied kaum drei Mal so lang als
das vorletzte.
a. Klauen 9 nicht lappig erweitert.
P. alternans no 97 529. Eine sehr fragliche Art, die
von Holmgren mit der folgenden verbunden wird. Das
einzige @ hat ovale Luftlöcher und durchaus rothe Hüften.
Brustseiten wie bei P. viduata. Hinterrücken ziemlich glän-
zend, vorn und an den Seiten deutlich punktirt. Segment
1 nur ganz vorn ausgehöhlt, sonst gerundet, die übrigen
grob, wenig zusammenfliessend punktirt, durchaus eben und
mit fein hellen Hinterrändern. Innerer Quernerv der Hin-
terflügel über der Mitte gebrochen. Lg. 11“, Hinterl. 6,5,
Bohrer 2, 5mm, Ich würde dieses Exemplar seinem sonsti-
gen Habitus nach mit P. viduata verbinden und an Stelle
von P. flavicans treten lassen, die so besser als besondere
Gattung abgeschieden werden muss, wenn nicht die Fär-
bung dem widerspräche. P. viduata hat durchaus schwarze
Hüften und einfarbig rothgelbe Hinterschienen, während
unser Stück, dessen Hinterschenkel mit jener Art sehr
übereinstimmen, einen lebhaft weissen, dunkel eingefassten
Fleck vor der Basis der Hinterschienen zeigt, ausserdem
ein gelbes Fleckchen vor den Flügelschüppchen; erfah-
rungsmässig sind aber die Farben der Yo in Vergleich zu
ihren 22, wenn Unterschiede statt haben, lichter, und nicht
umgekehrt, wie es dann hier der Fall sein würde. Das /
hat schwarze Hinterhüften und ich weiss es so wenig von
57
der folgenden Art zu unterscheiden, wie das kleinere, als
var. 1 noch dabei steckende 2. Der Artname dürfte am
besten zu cassiren sein.
P. scanica no. 98 22. Innerer Quernerv der Hinter-
flügel über der Mitte gebrochen. Q am Gesicht, dem gan-
zen Thorax mit Ausschluss des glänzenden, abschüssigen
Theiles am Hinterrücken und an den Beinen anliegend weiss-
haarig, und zwar auffälliger als bei andern Arten. Hinter-
rücken mit kurzen Längsleistehen. Stirn eingedrückt, sehr
fein quer nadelrissig. Hinterleib sehr fein punktirt, kaum
uneben, alle Hinter- und Seitenränder rothgelb; Segment 1
schwach gekielt, an der vordern Hälfte nicht eingedrückt,
an der hintern verhältnissmässig platt, nur sein Hinterrand
schmal rothgelb. Lg. 9mm, Hinterl. kaum 6””, Bohrer 2,25".
Männchen schwächer behaart, daher glänzender, besonders
an den kaum punktirten Brustseiten. Hinterleib mit schmal
hellen Hinterrändern der Segmente. Lg. 6”=, Hinterleib
reichlich 4,5”,
var. dQ@. Hinterschenkel unten mit dunklerem Längs-
streifen, 2 kleiner als das eben beschriebene, in der Be-
haarung dem cd entsprechend.
P. ruficollis no. 78 2. Innere Querader der Hinterflü-
ge! gerade in der Mitte gebrochen. Scheitel breit, auf
Kosten der Stirn. Brustseiten glänzend, einzeln schwach
punktirt. Hinterrücken gröber punktirt, gerundet, ohne Spur
von Längsleisten. Segment 1 in der vordern Hälfte stark
gehöhlt, in der hintern ziemlich flach, die übrigen grob und
dicht, aber nicht zusammenfliessend punktirt, gelb-
roth, auf der Rückenmitte dunkler, an den Hinterrändern
glänzend schwarz. Beine bis auf die bräunlichen Schienen
und Tarsen von derselben gelbrothen Farbe. Mesothorax
roth, Pro- und Metathorax, Kopf mit den Fühlern und er-
stes Hinterleibssegment schwarz. Lg. 8,25”®, Hinterleib
fast 5, Bohrer 8,75 mm,
ß. Klauen an der Basis lappig erweitert.
* Innere Augenränder nicht gelb. Innerer Quernerv
der Hinterfügel unter seiner Mitte gebrochen sel-
ten, in dieser selbst, bei arundinator darüber.
>< Bohrer mindestens von der Länge des Hinterleibes.
58
P. calobata: no. 85 2. Scheitel ziemlich: breit, von’ der
vertieften Stirm durch 2 Einbuchtungen getrennt. Brust-
seiten glänzend, undeutlich punktirt, vor der hintern Leiste‘
mit tiefer, ganz: glatter Furche. Hinterrücken: deutlicher
punktirt, mit zwei’ Längskielen und glänzendem abschüssi-
gen: Theile. Segment: 1 des Hinterleibes mit 2 deutlichen:
Kielen, die fast bis zum Ende reichen, die Fläche zwischen)
ihnen aber an der hintern Segmenthälfte platt, die übrigen!
Segmente sehr grob, nicht zusammenfliessend punktirt, durch:
die Beulen und wulstigen Hinterränder sehr uneben. Lg:
10,75», Hinterleib 7, Bohrer fast 8m,
P. didyma no. 87 2.. Scheitel und: Stirn wie bei vorir
ger‘ Art. Brustseiten polirt, in der vordern Hälfte: seicht,:
aber deutlich punktirt, vor der hintersten Leiste mit tiefer,
ganz glatter Furche: Hinterrücken vorn einzeln grob punk
tirt, mit’ 2: kurzen Längsleisten, dabei etwas; glänzend; all-
mählig‘ ganz ‘glatt werdend am abschüssigen: Theile. Der!
Hinterleib sehr uneben, grob, mehr oder weniger zusam-
menfliessend: punktirt, in‘ seiner Mitte breiter, als bei allen
übrigen Arten: Segment 1 an seiner hintern; Hälfte platt
und kiellos, daselbst auf der Mittelfläche weniger dicht punk-
tirt. Lg. 10,25”, Hinterl. reichlich 6”, Bohrer desgl.
P. stercorator. no. 92 dQ. Das d gehört nicht, hier-
her, sondern zu P. graminellae,, wie dort‘ gezeigt’ werden:soll,
Holmgren verbindet das:Q dieser Art mit P. flavipes; Gr.
und ich kann dem’ nur beipflichten, weil ich: ein: Pärchen.
in Copula fing, von dem: das d'! genau dem! einzigen Exem-
‘plare in der Gravenhorst’schen Sammlung entspricht, das: 9
dagegen dem Exemplare, welches unter var: 3° bei-P. ster-
corator steckt. Somit wäre: also die Nomenclatur dahin zu
berichtigen: P. stercorator 2 = P. flavipes d. Beim 2'Stirn
und Scheitel wie bei beiden vorigen Arten. Gesicht und
Brustseiten polirt, letztere verwischt punktirt; in der Fürche,
vor der hintersten Leiste bemerkt man bei günstiger Be-
leuchtung feine Querstriche. Hinterrücken mit zwei langen
Längskielen, am: abschüssigen Theile lederartig gerunzelt.
Hinterleib uneben,: Hinterränder. der Segmente vom zweiten
an breit,. glänzend,, vor. ihnen grobe,. kaum: zusammenflies-
sende Punktirung. Segment 1 hinten flach, die Kiele mehr
59
oder weniger deutlich: Lg. 11,25, teichlich, Hinterl. 7,9"=,
Bohrer desgl. Das: ? ist bedeutend kleiner "m, Hinterleib
5em, in der Skulptur nicht verschieden. — var. 1—3, von
jeder 1 9 geben: zw weiteren Bemerkungen keinen An-.
lass, als dass bei allen die Skulptur des Hinterrückens
glätter erscheint, und die Fühler kürzer sind, alsı bei der
Stammart. Var. 4 2: ist ein ganz bleiches, kleines Exem-
plar, anı welchem sich gar nichts: sehen lässt.
><>< Bohrer unter: Hinterleibslänge.
P. graminellae no 91 2 var. 1 2, var. 42 Scheitel,
Stirn: und Brustseite wie: bei: der vorigen Art, Hinterrücken
glatt und: glänzend mit; 2 langen Leisten und 2 tiefen Gru-
ben beiderseits der Einlenkungsstelle des Hinterleibes:,
Segment k bis zur Mitte: oder’ darüber gekielt,, aber an
seiner hintern Hälfte, oben flach, etwas flacher als bei vo-
riger, Art. Die glänzenden Hinterränder der Segmente hier
etwas weniger ausgeprägt als dort, Punktirung und Uneben-
heit sonst ebenso. Fühler so; lang, wie bei dei var, der vo-
rigen Art, Bohrer: merklich kürzer. Lg. 10, 75"®, Hinter-
leib fast: 7,5, Bohrer, 2,5mm, Bei: var. 1 sind die Hinter-
beine scharf gezeichnet: die Schienen vor der Wurzel mit
dunklem Fleck, die Tarsen hell und dunkel geringelt. Die:
Hinterhüften unten granulirt, d. h. durch feine
Wärzchen etwas uneben: und‘ die innere Querader der Hin-
terflügel über ihrer Mitte gebrochen. Dieselben Merk-
male- zeigt das /', welches bei: P. stercorator steckt und dies
bestimmt! mich, mit: Holmgren. die eben angegebnen Merk-
male: für die charakteristischen der P. graminellae. fest zu
halten. Die Stammart: müsste‘ allerdings einen andern Na-
men bekommen. — Var. 4, ein sehr kleines, blondes 2 ge-
Hört schwerlich hierher; der Hinterleib‘ erscheint mir zu
glatt, und’ an den Seiten weniger erweitert.
P. arundinator no. 86: 2 Scheitel, Stirn und Brustseiten
wie: bei P; calobata.: Der: stark gerundete Hinterrücken mit
2 langen Kielen und lederartig gerunzelt. Hinterleib grob,
aber nicht: tief punktirt, uneben, Segment 1 am Hinterrande,
5. am Vorderrande: und: die dazwischen liegenden ganz roth
bis auf die schmal schwarzen Hinterränder. Segment
1,: von: den Seite; gesehen, stumpfwinkelig, anı der schräg
60
abgeschnittenen Vorderhälfte gekielt, zwischen den Kielen
flach ausgehöhlt und die Höhlung bis zur hintern Hälfte
fortgesetzt, so dass sie von oben sichtbar ist, ohne jedoch
den Hinterrand zu erreichen. Beine ganz rothgelb. Lg.
10,5", Hinterl. 6,75, Bohrer 3,75",
P. melanopyga no 76 2 Brustseiten polirt, ohne Punk-
tirung. Hinterrrücken glänzend, einzeln punktirt, seine
Längsleisten, die nach hinten etwas divergiren, erreichen
den abschüssigen Theil. Hinterleib uneben, grob und dicht,
aber flach punktirt, auf dem zweiten Segmente am dichte-
sten. Segment 1 gedrungen, kiellos, die hintere Hälfte ge-
rundet. Lg. kaum 10m, Hinterl. kaum 6, Bohrer 1,5"m
(seine wahre Länge 3®”),
P. brevicornis no 100 d' 2. Das kleine 2 ziemlich glän-
zend. Scheitel und Stirn wie bei P. calobata, Flügel irisi-
rend, ihr Mal verhältnissmässig gross. DBrustseite polirt,
in ihrer hintern Furche vollkommen glatt (bei andern, et-
was grössern Ex. meiner Sammlung lassen sich einzelne
feine Punkteindrücke unterscheiden). Hinterrücken ge-
rundet, mit einzelnen verwischten Pünktchen und kaum be-
merkbaren Leisten. Hinterleib fein und dicht punktirt, die
Hinterränder der Segmente wenig augenfällig. Segment 1
mit etwas erhabener Mittelplatte der hintern Hälfte. Die
Hinterhüften sind übrigens rothbraun. Lg. reichlich 5°,
Hinterl. 3, Bohrer 2,75"®, Das ' hat alle Hüften schwarz,
eben so irisirende Flügel und, wie es scheint, dieselbe
Skulptur; es befindet sich in einem Zustande, der nicht
viel erkennen lässt — var. 1 mit rothen Hinterfüssen ist
etwas kräftiger, als das eben beschriebene ?, entspricht:
ihm senst vollständig. Var. 2 & ist entschieden nichts
weiter als P. roborator' mit etwas dunkleren Mittel- und
Hinterfüssen und ganz schwarzem Hinterleibe. Merkwür-
diger Weise steckt es auf einer eben so kurzen Nadel, wie
die eben genannte Art, während die Nadeln aller übrigen
länger sind. \
** Wenigstens die innern Augenränder bis zum Schei-
tel gelb. Innere Querader der Hinterflügel ein We-
nig über der Mitte gebrochen.
P. angens no 81 Brustseiten polirt, Hinterrücken glän-
61
zend, einzeln flach punktirt, mit kaum einer Spur von Mit-
telleisten. Hinterleib knotig, grob punktirt, auf dem 2
Gliede @ jedoch so, dass die Zwischenräume grösser als
die Punkte sind, dieser ausserdem mit 2 tiefen Seitengruben
an seiner Basis; beim „’ unterscheidet es sich nicht in der
angegebnen Weise von den übrigen. Segment 1 oben plat-
ter beim @ als beim X. Lg. 10mm, Hinterl. 6,75, Bohrer
2,90;
P. ornata no 80 9 Brustseiten glänzend, sehr fein ein-
zeln punktirt, auch die Furche vor der hintern Naht punk-
tirt. Hinterrücken kurz, gewölbt, steil abschüssig, dicht
und ziemlich grob punktirt, auch theilweise an der abschüs-
sigen Stelle, mit einer kaum angedeuteten Mittelfurche,
aber ohne Leisten. Hinterleib gedrungen, seine Segmente
deutlich breiter als lang, uneben, grob und theilweise zu-
sammenfliessend .punktirt, das erste kurz und gerundet an
seiner reichlichen hinteren Hälfte, nach vorn schräg abge-
stutzt und glänzend. Lg. 10,75%®, Hinterl. 7,5%=, Bohrer
22: |
Var. 1 Q Thorax auf dem Rücken unvollkommen, an
den Brustseiten gar nicht roth.
P. oculatoria no 79 X2 die rothe Brustseite polirt,
Punktirung nicht bemerkbar. Hinterrücken gewölbt, ein-
zeln punktirt mit schwacher Andeutung der Mittelkiele.
Hinterleib gestreckt, seine Glieder so lang als breit, beim
noch länger, Segment 1 an der .hintern Hälfte etwas ge-
wölbt, auf der Mitte derselben etwas platt. Lg. Yun,
Hinterl. 6%®, Bohrer kaum 2unm, das 5 kaum $=nm, Hinterl.
50mm, var. 1 Q und var. 2 Q geben zu keiner weitern Be-
merkung Anlass.
2. Hinterrücken wenigstens mit deutlichem, mittleren
Felde vorn. Innere Querader der Hinterflügel unter
der Mitte gebrochen. Klauen 2 an der Wurzel nicht
lappig erweitert.
P. laevis no 89 Q Brustseiten glänzend, verwischt punk-
tirt; Hinterrücken lederartig, sein Mittelfeld vorn *halb ellip-
tisch, etwas glätter und in der Mitte schwach eingedrückt.
Hinterleib sehr fein und dicht punktirt, nur das erste Seg-
ment lederartig, in der platten Mittelläche der grössern
62
Hinterhälfte etwas glätter. Wegen seiner Länge und der
vollkommen ebenen übrigen Segmente, deren zweites
nur je einen seitlichen schrägen Eindruck hat, müsste diese
Art nicht zu Pimpla, sondern zu Lissonota gestellt werden,
"wenn nicht die Bauchspalte, aus dem der Bohrer kommt,
dagegen spräche. Lg. 10,25”=®, Hinterleib 5,75”m, Bohrer
35mm,
P. mandibularis no 90 9 Brustseite glänzend, verwischt
punktirt. Hinterrücken vorn mit je 2 geschlossenen Seiten-
feldern, deren hinteres mit seiner Spitze am abschüssigen
Theile etwas herabreicht, Mittelfeld schwach vertieft, Hin-
terleib wie bei voriger Art sehr fein und dicht punktirt und
glatt; die Quereindrücke der ‘Glieder schwach angedeutet.
Das erste mit stumpfen Leisten, zwischen denen die Hin-
terhälfte fast bis zum Ende flach ausgehöhlt ist. Bohrer
breiter, als bei den meisten andern Arten. Lg. 12”=, Hin-
terl. 7em, Bohrer reichlich 4,5®m,
P. abdominalis. no 77 © Kopf, Thorax und Hinterleib
gleichmässig grob punktirt, die glänzenden Brustseiten et-
was einzelner. Hinterrücken vorn mit 5 geschlossenen,
hoch umrandeten Feldern, sein abschüssiger Theil jäh und
runzelig, wie am vordern Theile. Segment 1 wenig ge-
wölbt, mit 2 Kielen, welche auf der hintern, sonst platten
Hälfte noch etwas sichtbar sind. Keine Bauchspalte,
die letzte Bauchschuppe überragt sogar die des Rückens
etwas; das Schildchen ist ausserdem etwas erhaben, mit
einem Rande umgeben und hinten sehr stumpf, fast abge-
stutzt; die Art gehört also nicht zu Pimpla. Lg. 6,25 wm,
Hinterl. 3,5”, Bohrer fast 2m,
Es bieiben nun noch 3 Arten übrig, welche sich den
obigen Abtheilungen nicht unterordnen lassen:
P. aterrima no 102 die beiden Q, welche unter diesem
Namen vorhanden sind, von denen das zweite als var. 1
bezeichnet ist, ohne irgend wie vom ersten unterschieden
werden zu können, müssen durch ein Versehen dahin ge-
langt sein. Der Bohrer von P. aterrima soll nach Graven-
horst fast von halber Hinterleibslänge sein und die Grössen-
verhältnisse des ganzen Thieres denen von P. examinator
63
entsprechen. Jene Weibchen haben einen Bohrer, welcher die
Körperlänge übertrifft, einen gestreckten Körperbau und
gehören entschieden zur Gattung Ephialtes, ich möchte sie
für E. tuberculatus erklären.
P. pictipes no 95 Q An diesem kleinen Thier lässt sich
nicht viel sehen. Flügel irisirend, die innere Querader der
hintern ‚unter der Mitte gebrochen. Brustseite polirt, Hin-
terrücken ohne Felder, weniger glänzend, seine Luftlöcher
kreisrund. Hinterleib gestreckt, Segmente länger als breit,
sehr grob punktirt und .weisshaarig, Segment 1 buckelig,
oben san der hintern Hälfte nicht gekielt. Fühlerwurzel
unten, Kopfschild, Wurzel der Kinnbacken, Flügelmal und
Beine bleichgelb, letztere zum Theil weiss, Hinterschienen
an der Spitze und vor ‚der Wurzel und Hintertarsenglieder
an ihren Spitzen dunkel, Vorderschenkel nicht ausgefressen.
P. vetula no 96 X, Kann ich nicht für eine Pimpla
halten. Der Kopf verengt sich nach unten schnauzenartig.
Ein Kopfschild ist nicht zu erkennen; die grossen gelben
Kinnbacken mit 2 gleich grossen, schwarzen Zähnen an der
Spitze stehen frei heraus, die Augen quellen stark "hervor
und sind sehr deutlich facettirt, Scheitel breit, Stirn nicht
eingedrückt. Gesicht eben, dieht mit weissen anliegenden
Härchen besetzt, Thorax etwas buckelig, dicht fein punk-
tirt. Schildehen stumpf dreieckig, wenig erhaben, Hinter-
schildehen eine breite Stufe bildend. Hinterrücken grob
runzelig und dadurch die Felder begrenzenden Leisten un-
deutlich, aber vorhanden. Luftlöcher kreisrund. Hinter-
teib dicht und grob, aber kaum zusammenfliessend punk-
tirt, Rücken der Segmente eben, auch des ersten, welches
vor seiner Spitze die Andeutung eines Quereindruckes hat.
Der ganze Umriss gedrungener, als bei irgend einer andern
Art. Beine zart, letztes und vorletztes Tarsenglied der
hintersten gleich lang und dick, Klauen einfach, sehr klein.
Flügelmal gross, innerer Quernerv der Hinterflügel unter
seiner Mitte gebrochen. Lg. 4,75%®, Hinterl. 2,5u», Scheint
mir zu Phytodietus zu gehören, wovon Gravenhorst nur
Weibchen beschreibt.
64
Limulus Decheni Znk Taf. 1.
im Braunkohlensandstein bei Teuchern
von
0, Giebel,
Der Moluckenkrebs hat eine so absonderliche und
abenteurliche Gestalt, dass man seine lebenden Arten für
Ueberbleibsel einer in phantastischen Gestalten sich gefal-
lenden Urschöpfung halten möchte. Und in der That sind
auch schon längst vorweltliche Limulusarten:. bekannt, so
ganz ähnlich den lebenden, dass noch kein Systematiker
daran denken konnte, sie von diesen generisch zu trennen,
zugleich aber meist viel kleiner und jener haltlosen Theorie
entschieden widersprechend, nach welcher die vorwelt-
lichen Repräsentanten lebender Typen grösser sein sollen
als ihre heutigen Arten. Die bis jetzt bekannt geworde-
nen fossilen Limulusarten gehören den permischen Gebil-
den, dem Muschelkalk und dem lithographischen Schiefer
an und es liess sich erwarten, dass die Existenz dieses
ausgezeichneten Typus auch während der Kreide- und der
tertiären Epochen nachgewiesen werden würde, um die un-
unterbrochene Fortdauer seit dem ersten Auftreten bis in
die gegenwärtigen Meere ausser Zweifel zu setzen.
Für die Existenz während der tertiären Zeit hat nun
Hr. Zinken in dem Limulus Decheni von Teuchern den
Beleg; beigebracht, in unserer Zeitschrift Bd. XIX S. 329.
Er führte denselben nur mit einer allgemeinen von der er-
sten Beobachtung an Ort und Stelle entlehnten Charakte-
ristik ein und war so freundlich, das Exemplar der hiesigen
Universitätssammlung zu verschaffen, so dass ich nun Ab-
bildung und specielle Beschreibung davon vorlegen kann.
Es fällt zunächst sehr auf, dass der Limulus Decheni,
der doch wie alle andern Arten seiner Gattung ein ganz ent-
schiedener Meeresbewohner gewesen sein wird, im Braun-
kohlensandstein, also einer Süsswasserbildung lagert. Da auf
jenem Gebiete triasische Schichten das herrschende Grund-
gebirge constituiren: so könnte man eine irrige Deutung
des Alters der Lagerstätte vermuthen und an eine Verwechs-
65
lung mit buntem Sandstein denken. Mir sind die Einzeln-
heiten der dortigen Lagerungsverhältnisse nicht aus eigener
Anschauung bekannt, um ein Urtheil über das Alter dieses
Sandsteins zu begründen, Hr. Zinken dagegen hat sich
so eingehend und lange mit den geognostischen Verhält-
nissen unserer Braunkohlenformation beschäftigt, dass wir
Seiner a. a. OÖ. gegebenen Darstellung und Deutung dieses
Sandsteins Glauben beizumessen keinen Anstand nehmen
dürfen. Der Sandstein führt überdies Dicotylenblätter,
welche dem bunten Sandsteine entschieden fremd sind.
Unsere Limulusarten leben sämmtlich an seichten Küsten-
stellen mit sandigem Boden, verlassen auch bisweilen das
seichte Wasser und kriechen auf dem feuchten Strande eine
kurze Strecke vorwärts sehr langsam und unbeholfen. Wir
dürfen also nicht annehmen, dass der Dechensche Limulus
aus. einem ferner gelegenen Tertiärmeere in das Braunkoh-
lenbecken von Teuchern gekrochen sei, und wo sollte ein
solches Meer gewesen sein. Lassen wir also das Vorkom-
men dieses Meeresbewohners in einem Süsswassergebilde
unerklärt in der Hoffnung, dass fortgesetzte Beobachtungen
an Ort und Stelle neue unzweideutige Aufschlüsse bringen
werden.
Das Exemplar liegt in einem sehr festen und feinkör-
nigen Sandsteine, dessen rundliche und eckige Körnchen
kaum Bindemittel zwischen sich erkennen lassen, und ist
in Ab- und Gegendruck vorhanden. Es ist im aufgelösten
Zustande zur Ablagerung gekommen, nur mit dem Schilde
des Cephalothorax und des Hinterleibes, beide noch normal
hinter einander liegend, aber um 6°‘ par. von einander ab-
gerückt, was im Leben des Thieres nicht der Fall gewesen
sein kann. Von der Schalensubstanz selbst ist keine Spur
erhalten worden. Die beweglichen Randstacheln des Abdo-
minalschildes fehlen sämmtlich, "ebenso. der beweglich ein-
gelenkte Schwanzstachel‘ und wie aus. der stellenweisen
Bloslegung der Unterseite ersichtlich ist, auch die. Glied-
massen. Die Beschreibung muss sich also auf die; ober-
flächlichsten Verhältnisse der beiden Schilder beschränken,
welche aber hinlänglichen Anhalt. gewähren, um die Selb-
ständigkeit der Art darzuthun,
XXL 1863. 5
66
Das parabolische Schild des Cephalothorax ist hoch- '
gewölbt und steigt wie bei allen Arten von dem Stirnrande
steiler als von den Seitenrändern zur Scheitel- oder Rücken-
fläche auf. Der Mittelkiel liegt in senkrechter Linie 2 2
über dem Seitenrande. Die Länge beträgt in gerader Mit-
tellinie vom Stirn- bis zum Hinterrande 4 2“, die grösste
Breite etwas hinter der Mitte 7“ 4“, zwischen den äusser-
sten Hinterecken nur 6°. Unter den bekannten vorwelt-
lichen Arten liegen bei keiner einzigen die Seitenränder ge-
gen die Hinterecken so stark gegen einander geneigt, unter
den lebenden nur bei dem jungen Limulus polyphemus. Der
Umfang gleicht bis auf den etwas gedrückten Stirnrand
ziemlich einem Halbkreise, dem die ausgezogenen Hinter-
ecken angesetzt sind. Der Rand ist ringsum eine Linie
breit horizontal scharf abgesetzt. Die Beschaffenheit des
umgeschlagenen Randes aber lässt sich nicht erkennen.
Auf der Oberseite zunächst über dem Stirnrande be-
ginnt der mittlere Kiel mit einem breiten stumpfen Höcker,
welcher die beiden einfachen Augen trägt. Dieser Kiel
läuft niedrig und breit gerundet ohne Höcker und Stachelen
bis nahe zum Hinterrande, verflacht sich unmittelbar vor
demselben gänzlich, aber tritt auf dem Rande selbst wieder
mit einem schwachen Höcker hervor. Die beiden Rinnen,
welche in der hintern Hälfte diesen Kiel ziemlich parallel
begleiten, lassen nichts von den lebenden Arten abweichen-
des erkennen. Dagegen heben sich die: Seitenränder dieser
breiten Scheitelfläche als starke abgerundete Leisten: heraus,
enden jedoch vor dem einspringenden Winkel des Hinter-
randes ohne Höcker wie bei dem lebenden Limulus rotun-
dicus da. Zehn Linien vor dieser Endigung liegt das sechs
Linien lange zusammengesetzte Auge jederseits. Von.dem-
selben ist aber nur der äussere Umriss markirt, da das
Sandsteinmaterial einen feinern Abdruck nicht; gestattete.;
Der gerade Mitteltheil ‘des Hinterrandes: misst»3° 4, dann
läuft der Rand’ unter 120° abbiegend geradlinig zur Hinter-
ecke, stark aufgeworfen.. Bei allen lebenden und fossilen
Arten erscheint dieser Rand mehr: oder! minder. geschwun#
gen, bei keiner einzigen so 'starkkaniig erhöht. Ebenso ist
bei allen lebenden Arten neben dem obern Winkel: dieses:
67
Randes ein markirter Eindruck, der nur bis zu einem Drit-
tel; meist weniger die Länge des Rändes begleitet, bei un-
serer Art dagegen sehr breit ist und bis zur Hinterecke
fortsetzt. Die Hinterecke bildet, den äussern gebogenen
Rand gerade gedacht, einen Winkel von etwa 60 Grad.
Das Hinterleibsschild hat eine ungleichseitig hexago-
nale Gestalt mit abgerundeten Seitenecken, in der Mittelli-
nie 2° 10° lang, in der grössten Breite 4 6°, am geraden
Vorderrande 3‘ 4‘ dem Hinterrande des Cephalothorax
entsprechend. Die Seitenränder sind schwach bogig und
der Hinterrand für die Einlenkung des Schwanzstachels tief
ausgebuchtet. In seiner Wölbung gleicht dieses Schild
ganz dem des lebenden Limulus longispina, aber die Mit-
tellinie hebt sich der ganzen Länge nach als abgerundeter
Kiel: stark hervor und zeigt nirgends Höcker oder Stächeln.
Bei. EL: polyphemus ist dieser Kielin der Jugend sehr scharf
und mit drei Stacheln bewehrt, bei L, rotundicauda fehlen
die Stacheln, aber der Kiei ist sehr flach, kaum kantig her-
vortretend: Die diesen Kiel begleitenden Kerben- oder
Grübchenreihen verhalten sich ganz wie-bei den zur Ver-
gleichung vorliegenden lebenden Arten, in jeder Reihe sechs
längliche Einstiche und die Reihen nach hinten etwas con-
vergirend. ;
An den hintern Seitenrändern finden sich sechs all-
mählig an Breite und Grösse zunehmende glatte Stacheln,
welche horizontal abstehen. Zwar sehr unvollständig er-
halten, erkennt:man doch noch, dass sie mit denen von
L. polyphemus die meiste Aehnlichkeit haben. Von den
zwischen ihnen eingelenkten beweglichen Stacheln ist leider
nirgends eine! Spur ‘erhalten, nur vermuthen lässt sich, dass
auch sie denen der eben genannten lebenden Art gleichen,
nämlich sehr schmal und schlank, waren. | j
. Nach. dieser Beschreibung weicht also der' L.>Decheni
von. allen: lebenden: Arten - sicher und auffällig ab. Nach
den! Formverhältnissen des Hinterleibsschildes müssen wir.
den an den Hhordärnerikaniscken Küsten lebenden L. poly-
phemus für seinen. nächsten Verwandten halten, ‘von’ wel-
chem er sich aber alsogleich durch den Mangel der Sta-
chelhöcker auf dem Rückenkiel unterscheidet, Die vorwelt-
5*
68
lichen Arten befinden sich leider in einem andern Erhal-
tungszustande, welcher nur eine Vergleichung der allge-
meinsten Formverhältnisse beider Schilder gestattet und
nach diesen würde L. Walchi Desm. aus dem lithographi-
schen Schiefer in nähere Beziehung zu dem unsrigen zu
stellen sein. An den Arten des lithographischen Schiefers
_ sind meist die Randstacheln vollständig erhalten und sie
bieten daher einen Anhalt zur gemeinsamen Gruppirung mit
den lebenden, indem man sie in solche theilen kann, bei
welchen die Spitzen der Randstacheln in die Fortsetzung
des Cephalothoraxrandes fallen (Z. moluccanus, brevicauda,
ornatus), in solche bei denen die Spitzen über jene Rand-
fortsetzung hinausragen (L. longisspina, Walchi), und end-
lich in solche, wo die Spitzen der Randstacheln jene fort-
gesetzte Randlinie gar nicht erreichen (L. rotundicauda,
Polyphemus und intermedius). Zu letztern würden wir un-
sere Art bringen müssen und zwar zwischen L. rotundicauda
und Poiyphemus, da L. intermedius durch die Form der
Endspitzen seines Abdominalschildes wieder mehr unter-
unterschieden ist.
Unsere Abbildung Taf. I. den Cephalothorax im hohlen Abdruck, das
Abdominalschild im convexen Abdruck der Oberseite dar.
Mittheilungen
aus dem chemischen Universitätslaboratorium zu Halle.
Analyse einer Hornblende aus Brackendorf. in Ungarn,
und eine Scheidungsmeihode der Magnesia vom Natron.
In einem Handstück’ von der strahligen Hornblende Aus
Brackendorf: in der’ Sammlung des’ Herrm Prof: Dr. Heintz be-
findet; sich) ‚eine gangartige, etwa, !/, Zoll/starke Schicht,’ die sich
durch ihre dunkelgrüne, fast schwarze Farbe, und ‚durch: ihre,
blättrig Krystallinische Structur ganz deutlich. von der grünen
Hauptmasse des Gesteins rtrengdbratiken lässt.
Diese letztere war von Herrn lan >” analysirt worden,
1). Diese Zeitschrift Bd." XIX. S. 152. °
69
der darin merkliche Mengen Alkali fand. Es war von Interesse,
zu untersuchen, in wie weit die den Gang ausfüllende dunklere,
krystallinischere Substanz in ihrer Zusammensetzung von jener
Hauptmasse abweicht. Zu diesem Zwecke wurden von dieser
dunkleren Masse einige Stückchen sorgfältig ausgewählt und im
fein gepulverten Zustande der Analyse unterworfen.
Die qualitative Untersuchung ergab die Zusammensetzung
dieses Minerals aus Eisenoxydul, Manganoxydul, Thonerde, Kalk,
Masgnesia, Spuren von Kali, Natron und Kieselsäure.
Bei der quantitativen Bestimmung habe ich im Allgemei-
nen denselben Gang befolgt, den Herr Lüthe bereits angeführt
hat, deshalb will ich uur da, wo derselbe von jenem abweicht,
desselben ausführlicher Erwähnung thun. Meine Arbeit zerfällt
ebenfalls in zwei Theile. Bei der ersten Untersuchung wurde
das Mineral durch Schmelzen mit wasserfreiem kohlensauren
Natron aufgeschlossen, dieser diente zur Bestimmung der Kiesel-
säure, des Eisens, Mangans, der Thonerde, des Kalks und der
Magnesia. In der zweiten, wo die Aufschliessung der Substanz
durch Flussäure bewirkt wurde, wurden sämmtliche Basen, Kali
und Natron mit eingeschlossen bestimmt.
I. Von der zuerst im Luftbade bei 100° C. getrockneten
Substanz wurden 0,8165 Grm. angewendet, die durch starkes
Glühen 0,0135 Grm. an Gewicht verloren oder 1,65 Procent.
Die wasserfreie Substanz wurde mit kohlensaurem Natron zu-
sammengeschmolzen und ganz nach der von Herrn Lüthe ange-
gebenen Methode weiter behandelt. Auf diese Weise wurden
0,369 Grm. Kieselsäure erhalten, die 45,19 Procent entspre-
chen. — Die Kieselsäure war vollständig rein, denn eine Probe
derselben löste sich in einer concentrirten Lösung von reinem
kohlensauren Natron, die in einer Platinschale zum Kochen er-
hitzt war, vollständig klar auf. — In der von der Kieselsäure
abfiltrirten Flüssigkeit wurden Eisen, Mangan und Thonerde
ebenfalls nach der Methode von H. Rose?) durch Ammoniak und
Erwärmen der Mischung, bis der Ammongeruch verschwunden
war, abgeschieden. Der Niederschlag wurde in verdünnter Salz-
säure gelöst, auf ein geringeres Volumen eiugedampft, in einer
Platinschale mit einer concentrirten Lösung von kohlensaurem
Natron nahezu neutralisirt, bis zum Kochen erhitzt und mit rei-
nem Kalihydrat im Ueberschuss versetzt, um den entstandenen
Thhonerde - Niederschlag wieder aufzulösen; während Eisenoxyd-
hydrat verbunden mit kleinen Mengen Mangans ausgeschieden
bleibt. Der Niederschlag wurde wieder in heisser Salzsäure und
heissem Wasser gelöst, nochmals mit kohlensaurem Natron na-
hezu neutralisirt und mit Kalilauge gekocht. Dies Filtrat wurde
2) Poggendorf’s Annalen Bd. 110. $S. 292.
70
dem ersten beigefügt, weil es noch Thonerde enthielt, die sich
nicht durch einmaliges Kochen mit Kalihydrat vollständig vom
Eisen trennen lässt. Diese Flüssigkeit wurde mit Salzsäure
sauer gemacht, mit chlorsaurem Kali gekocht und dann die Thon-
erde durch Ammoniak gefällt. Die im Gasgebläse geglühte Thon-
erde wog 0,0458 Grm., die 5,61 Procent entsprechen. — Der
Niederschlag, bestehend aus Eisen und Spuren von Mangan
wurde wieder gelöst und die Lösung vorsichtig mit Ammoniak
neutralisirt. Nachdem sich der Niederschlag abgesetzt hat, muss
die überstehende Flüssigkeit noch etwas gelblich erscheinen, denn
es kommt darauf an, dass der grössere Theil des Eisens gefällt
ist, ein kleinerer suspendirt bleibt, damit die vollständige Fällung
des Eisens als bernsteinsaures Eisenoxyd gelingt. Nachdem
dies erreicht war, wurde durch bernsteinsaures Natron gefällt
und das entstandene bernsteinsaure Eisenoxyd durch starkes
Glühen in Eisenoxyd übergeführt und gewogen. 0,235 Grm.
Eisenoxyd entsprechen 0,2115 Grm. Eisenoxydul und diese
25,90 Procent. — Die Flüssigkeit wurde mit kohlensaurem
Natron gekocht, um die Ammoniaksalze zu zerstören und damit
so lange fortgefahren „ bis nach erneuertem Zusatz von kohlen-
saurem Natron die heisse Flüssigzeit keinen Ammoniakgeruch
mehr erkennen liess. Der entstandene Niederschlag enthielt koh-
lensaures Manganoxydul, das beim Glühen in Manganoxydoxy-
dul übergeht. 0,0073 Grm. Manganoxydoxydul entsprechen
0,0068 Grm. Manganoxydul und diese 0,53 Procent. — Im
ersten Filtrat nach Abscheidung des Eisens, Mangans und der
Thonerde durch Ammoniak wurden Kalk und Magnesia bestimmt.
Der Kalk wurde aus derselben durch saures oxalsaures Kali als
oxalsaurer Kalk gefällt und durch Glühen im Gasgebläse in
Aetzkalk übergeführt. Gefunden wurden 0,1085 Grm., die
12,96 Procent entsprechen. — Das Filtrat wurde mit Ammo-
niak im Ueberschuss und mit einigen Tropfen Chlorammonium
versetzt. Da durch Ammoniak eine Trübung entstanden war, so
tröpfelte ich solange Chlorammonium hinzu, bis dieselbe ver-
schwand und fällte die Magnesia durch phosphorsaures Natron
als phosphorsaure Ammoniak - Magnesia. Gefunden wurden
0,1325 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia, die 0,0476 Grm. rei-
ner Magnesia entsprechen und diese geben 5,83 Procent.
Das Resultat der Analyse ist also:
0,0135 Grm. HO 1,65
0,3690 - Si O2 45,19
0,0485 - Al2O3 5,61
Darlo 0 FeO 25,90
0,0068 - MnO© 0,83
0,1058 - CaO 12,96
0,0476 - MgO 5,83
0,8000 Grm. 97,97
71
Es fehlen 0,0165 Grm., die 2,0% Procent entsprechen.
Dieser Verlust ist wahrscheinlich durch das vorhandene Alkali
bedingt, das in der zweiten Analyse bestimmt werden soll.
II. Eine neue Probe der ursprünglichen Substanz wurde
mit Flusssäure aufgeschlossen, die zu diesem Zwecke aus Fluss-
spath und Schwefelsäure frisch dargestellt war. Die voraufge-
gangene Wasserbestimmung ergab bei Anwendung von 1,503 Grm.
bei 100° C. trockner Substanz einen Gewichtsverlust von
0,026 Grm., die 1,73 Procent entsprechen. — Auch hier habe
ich dasselbe Verfahren wie Herr Lüthe befolgt. In der Lösung,
welche die Basen als schwefelsaure Substanzen enthielt, schied
ich durch Ammoniak zunächst wieder Eisen, Mangan und Thon-
erde ab. Die beschränkte Zeit gestattete mir nicht, diesen Nie-
derschlag in seine einzelnen Theile zu zerlegen, das Gesammtge-
wicht desselben war nach dem Glühen 0,535 Grm. Eisen ist
darın als Eisenoxyd, Mangan als Manganoxydoxydul gewogen,
muss aber als Eisenoxydul und Manganoxydul berechnet werden;
dies ist unmöglich. Die Kenntniss des Gesammtgewichts kann
nur insofern zur Kontrolle der ersten Analyse dienen, als ich
darin das Gewicht kenne ir
des Eisenoxyds — 0,2350 Grm.
des Manganoxydoxyduls —= 0,0073 -
und der Thonerde — 0,0458 -
Gesammmtgewicht — 0,2881 Grm.,
die für die zweite Analyse ein Gewicht von 0,530 Grm. for-
dern; es sind also 0,005 Grm. zu viel gefunden, die etwa
0,2 Procent entnprechen. — Der Kalk wurde diesmal durch
reine Oxalsäure gefällt; gefunden wurden 0,196 Grm. Kalk oder
13,04 Procent. — In der vom oxalsauren Kalk abfiltrirten Flüs-
sigkeit waren schliesslich noch Magnesia, Kali und Natron zu
bestimmen. — Da die vorhandenen Methoden zur Trennung der
Magnesia von den Alkalien stets mit Schwierigkeiten und Feh-
lerquellen verknüpft sind, so habe ich auf Herrn Prof. Heintz
Rath einige Versuche gemacht, um eine möglichst einfache Tren-
nungsmethode aufzufinden. Wenn auch das Resultat derselben
nicht ganz das Erwünschte ist, so will ich dieselben dennoch
mittheilen, da ich sie bei vorliegender Arbeit zur Trennung der
Magnesia von Kali und Natron benutzt habe. Diesen Versuchen
lag der Gedanke zu Grunde, diese Basen, nachdem sie an Schwe-
felsäure gebunden, durch blosses Glühen im Gasgebläse, unter
Zusatz von trocknem kohlensauren Ammoniak zu trennen, d. h.
die schwefelsaure Magnesia sollte dadurch zersetzt und in un-
lösliche reine Magnesia übergeführt werden, während die Alka-
lien an Schwefelsäure gebunden bleiben sollten, welche denn
durch ihre Löslichkeit in Wasser leicht von der Magnesia zu
72
trennen waren. Es entstand zunächst die Frage, ob schwefel-
saure Magnesia in der Hitze des Gasgebläses die Schwefelsäure
vollständig verliert. Ich befreite dieselbe deshalb von ihrem
Wassergehalte und wandte von dieser trocknen Substanz 0,546 Grm.
an. Diese Menge wurde nun in einem Platintiegel im Gasge-
bläse längere Zeit unter Zusatz von kohlensaurem Ammoniak
geglüht und zwar so, dass ich den Tiegel jedesmal erkalten liess,
bevor ich neue Portionen von kohlensaurem Ammoniak hinzu-
fügte. Diese Glühungen setzte ich fort, bis ich ein constantes
Gewicht erzielt hatte. Die Substanz hatte verloren 0,364 Grm.,
ihre Lösung zeigte bei Zusatz von Chlorbaryum weder durch
Erwärmen, noch nach längerem Stehen eine Trübung. _Schwe-
felsaure Magnesia lässt sich also durch einfaches Glühen im Gas-
gebläse unter stetem Zusatz von kohlensaurem Ammoniak voll-
ständig zersetzen und in reine Magnesia überführen. — Es fragt
sich zweitens, ob schwefelsaures Natron, wenn es in ganz der-
selben Weise behandelt wird, seine Schwefelsäure behält. Ich
befreite schwefelsaures Natron zunächst durch Glühen in der
Gasflamme des Bunsenschen Brenners von seinem Krystallwasser
und verwandte von diesem wasserfreien Salze 0,5225 Grm. Ich
glühte den Tiegel nun unter Zusatz von kohlensaurem Ammo-
niak im Gasgebläse, wog stets erst nach mehrmaligem Glühen
und beobachtete einen Verlust von 0,0065 Grm. Es war also,
obgleich der Tiegel während des Glühens stets sorgfältig ver-
schlossen gehalten wurde, etwas von der Substanz verflüchtigt
worden.
Es entstand nun die Frage, ob beide Bestandtheile des
Salzes oder nur die Schwefelsäure verflüchtigt worden sei. Um
das zu ermitteln, löste ich einen Theil der Substanz und prüfte
seine Reaktion. Die Lösung reagirte alkalisch, es war also
Schwefelsäure entwichen. Um zu erfahren, ob nicht auch Na-
tron mit verflüchtigt sei, fügte ich zu der Lösung einen Tropfen
reiner Schwefelsäure und glühte, nachdem das gelöste Salz bis
zur Trockne abgedampft war, wieder unter Zusatz von. kohlen-
saurem Ammoniak in der Flamme mit doppeltem Luftzuge. Die
Wägung ergab das ursprüngliche Gewicht, vermindert um
0.0005 Grm., ein Verlust, der leicht durch die Prüfung auf al-
kalische Reaktion entstanden sein kann. Schwefelsaures Natron
verliert also in der Glühhitze des Gasgebläses unter Zusatz von
kohlensaurem Ammoniak einen geringen Theil seiner Schwefel-
säure, die sich indess wieder ersetzen lässt. — Bei der Analyse
eines Doppelsalzes brachte ich diese Methode zur Trennung der
Magnesia vom Natron zur Anwendung und erhielt sehr befrie-
digende Resultate. Ich übergoss nämlich einfach die so lange mit
kohlensaurem Ammoniak geglühte Masse, bis sie nur noch sehr
unbedeutend an Gewicht verlor, mit Wasser, schwefelsaures Na-
tron löste sich auf, während Magnesia ungelöst zurückblieb. —
73
Bei mehreren Versuchen, die ich mit schwefelsaurem Kali
in’ganz derselben Weise anstellte, erzielte ich weniger befriedi-
gende Resultate! Es schien mit der Schwefelsäure sich auch
freies Kali zu verflüchtisen. Nur bei ganz geringen Mengen
waren die Resultate annähernd genau. — Bei dem ersten Ver-
suche verloren 0,945 Grm. durch mehrfaches Glühen mit koh-
lensaurem Ammoniak im Gasgebläse 0,023 Grm. Die Lösung
des geglühten Salzes reagirte alkalisch. Nach Zusatz von Schwe-
felsäure dampfte ich zur Trockne ab und glühte wieder in der
Flamme des Bunsenschen Brenners unter Zusatz von kohlen-
saurem Ammoniak. Ich erhielt 0,933 Grm., es waren also von
den verloren gegangenen 0,023 Grm. nur 0,011 Grm. ersetzt,
folglich ein Verlust von 0,012 Grm. entstanden. Da ich nun
wusste, dass das Salz theilweise zersetzt wurde und nach
dem Glühen alkalisch reagirte, so prüfte ich bei den weiteren
Versuchen seine Reaktion nicht, um Verlust zu vermeiden.
Angewandt wurden von wasserfreiem schwefelsauren Kali
0,5415 Grm. Nach dem Glühen im Gasgebläse ergab die Wä-
gung 0,528 Grm., nach Zusatz von Schwefelsäure 0,534 Grm.,
es waren also 0,0075 Grm. verloren gegangen. Bei einem an-
dern Versuche wandte icb nur 0,161 Grm. schwefelsaures Kali
an. Diese verloren beim Glühen im Gasgebläse 0,006 Grm.;
nach Zusatz von Schwefelsäure erhielt ich das ursprüngliche
Gewicht vermindert um 0,002 Grm., also 0,159 Grm. wieder. —
Ein anderer Uebelstand dieser Methode ist der, dass wenn die
Menge der bei den Alkalien bleibenden Magnesia bedeutend ist,
das Glühen zur vollständigen Zersetzung ihres schwefelsauren
Salzes ausserordentlich oft wiederholt werden muss. Ausserdem
zieht die geschmolzene Masse, indem sie sich beim Erkalten stark
zusammenzieht, häufig das Platin des Tiegels mit sich, in Folge
dessen seine innere Höhlung buckelförmige Erhöhungen zeigt. —
Bequem kann also nach dieser Methode nur Natron von der
Magnesia getrennt werden und zwar dann am Besten, wenn von
letzterer nicht zu viel vorhanden ist.
Da nun in der zu analysirenden Hornblende nur Spuren
von Kali vorhanden waren und die Menge der Magnesia auch
nicht bedeutend, so habe ich diese Methode zur Trennung der
Magnesia von den Alkalien benutzt. Um diese Basen in schwe-
felsaure Salze zu verwandeln, dampfte ich bis zur Trockne ab,
verflüchtigte durch Glühen die Ammoniaksalze, löste in Wasser
und fügte zu dieser Lösung reine Schwefelsäure. Diese Lösung
wurde nun bis zur Trockne abgedampft und der Rückstand un-
ter Zusatz von trocknem kohlensaurem Ammoniak in der bei den
Versuchen angegebenen Weise geglüht. Um das schwefelsaure
Alkali ohne Verlust in Lösung zu bekommen, übergoss ich die
geglühte Masse mit möglichst wenig Wasser und filtrirte. Das
Filtrat nebst Waschwasser dampfte ich auf ein geringes Volu-
74
men ein und goss diese Flüssigkeit durch ein zweites Filter, um
die darin möglicherweise abgeschiedene Magnesia auf dem Filter
zu behalten und mit der zuerst erhaltenen gleichzeitig zu bestim-
men, und zwar so, dass das Filtrat direct im Platintiegel aufge-
fangen wurde, Beide Portionen Magnesia wogen 0,0863 Grm.,
die 5,74 Procent entsprechen. — Zu dem Filtrat fügte ich ei-
nen Tropfen Schwefelsäure, um die von dem schwefelsauren Al-
kali etwa fortgegangene Schwefelsäure wieder zu ersetzen und
dampfte bis zur Trockne ab; der geglühte Rückstand wog
0,0977 Grm. Da in demselben Spuren von Kali vorhanden wa-
ren, so sollten diese nach Angabe von H. Rose durch Platin-
chlorid als Kaliumplatinchlorid gefällt und darin das Platin be-
stimmt werden. Die Substanz wurde deshalb in möglichst we-
nig Wasser gelöst und zu dieser Lösung eine Auflösung von
Platinchlorid und Alkohol im Ueberschuss hinzugefügt. Der ent-
standene Niederschlag, welcher etwas schwefelsaures Natron zu
enthalten schien, wurde mit Alkohol ausgewaschen, getrocknet und
nun mit Vorsicht, weil sonst leicht mit den Dämpfen dss Chlors
etwas unzersetztes Salz und selbst etwas metallisches Platin ent-
weichen können, geglüht. Ich legte den Niederschlag in’s Fil-
trum eingewickelt in den Platintiegel und erhitzte denselben mit
ganz aufgelegtem Deckel so lange, bis das Filter sich langsam
verkohlt und das Salz sich zersetzt hatte. Hierauf verbrannte ich
bei stärkerer Hitze unter Zutritt.der Luft die Kohle des Filters
zu Asche und übergoss nach dem Erkalten den Rückstand mit
saurem Wasser, um das Chlorkalium aufzulösen. Das gewa-
schene metallische Platin wog 0,0027 Grm.; diese entsprechen
0,00129 Grm. Kali oder 0,09 Procent. Aus der Summe der
schwefelsauren Alkalien und dieser Quantität Kali berechnet sich
die Menge des Natrons zu 0,0417 Grm., die 2,77 Procent geben.
Die Resultate beider Analysen sind folgende:
I. ul,
Mit CO? NaO Mit FIH aufgeschlossen.
SiO? 45,19 —
A203 5,61 Ba
FeO 25.90 —
MnO 0,33 —_
CaO 12,96 13,04
MgO 5,83 5,74
KO = 0,09
NaO ae 2,77
HO 1,65 1,73
und aus beiden Analysen das Mittel:
75
Sauerstoffgehalt
Si O2 45,19 23,47
A1203 5,61 350, 27,06
FeO 2590 5,75
MnO 0,83 0,18
CaO 13,00 u:
MsO 5,78 2,3119
KO 0,09 0,02 14,18
Na0 "re 2,77 0,71)
HO 1,69 1,50
100,86
Der Sauerstoff der Basen verhält sich zu dem der Säuren:
12,68 :27,06—=1:: 2,13
und bei Hinzuziehung des Wassers:
14,18 :27,06—1:1,91. /
Zur Bestätigung meiner Analysen dienen die von Herrn
Schroecker mit demselben Material in dem hiesigen Laboratorium
ausgeführten, bei denen ähnliche Methoden zur Anwendung ka-
men. In einer derselben fehlt die Bestimmung der Alkalien und
in beiden die des Mangans.
Die Resultate derselben sind folgende:
E. II. Mittel:
SiO2 45,37 BL 45,37
A1203 5,81 6,06 5,94
FeO 27,02 26,41 26,76
CeO 12,42 11,95 12,19
Mg0 6,15 6,37 6,21
HO 1,42 1,41 1,41
97,88
Aus diesen Analysen ergiebt sich dieselbe Formel, welche
auch die Grundmasse des analysirten Handstücks besitzt, wie
aus der im Eingange erwähnten Analyse derselben von Herrn
Lüthe hervorgeht, nämlich SO?--RO.
Dessen ungeachtet weichen die Resultate der letzteren von
denen der von Herrn Schroecker und mir ausgeführten Analysen
wesentlich ab. Herr Lüthe fand im Mittel;
Si 0? 48,80
A120? 3,18
FeO 19,73
MnO 0,10
CaO 18,96
MsO 3,22
NaO 5,41
HO 1,15
76
Man ersieht hieraus, dass die dem Ansehen nach verschie-
denen Hornblenden desselben Stücks wirklich ‘verschiedene Zu-
sammensetzung besitzen. Während das Sauerstoffverhältniss der
Basen und Säuren in beiden gleich ist, enthält die krystallinische,
dunklere, den Gang bildende Hornblende viel mehr Eisenoxydul,
Thonerde und Magnesia, dagegen bedeutend weniger Kalkerde
und Alkalien, als die Hauptmasse des Handstücks.
'L. Richter.
Mittheilungen aus dem Laboratorium des Dr, Siewert,
1. Untersuchung einer hydropischen Flüssigkeit.
Von Herrn Prof. Dr. Olshausen wurde mir eine bei der
zweiten Punktion aus dem Hydrovarium einer Frau abgelassene
Flüssigkeit zur Untersuchung übergeben. Die erste Punction hatte
im Februar 1862 stattgefunden, die zweite erfolgte am 7. Dee.
desselben Jahres, und lieferte 5!/, Quart Flüssigkeit von 1,033
spec. Gew. Dieselbe war ziemlich zähflüssig und setzte nach
einigen Stunden eine geringe Menge eines weissen, flockigen Bo-
densatzes ab, welcher sich nach Befreiung von der durchtränken-
den Flüssigkeit durch Filtration und darauf folgendes Auswaschen
weder in Essigsäure noch in Kalihydrat in irgend bedeutender
Weise löslich zeigte, also entweder als Cysten-Membranen oder als
coagulirtes Fibrin betrachtet werden musste. Nachdem dieser
feste Bestandtheil zuerst mit Wasser, dann mit verdünnter Essig-
säure ausgewaschen war, bis Kaliumeiseneyanür nur eine ganz
geringe Reaction auf Eiweiss gab, wurde nach dem Trocknen
bei 120°C. dessen Gewicht bestimmt. Dasselbe betrug 1,5 Grm.
also 0,018 Proc. der ganzen Flüssigkeitsmasse.
Die von den weissen Flocken befreite gelblich gefärbte
Flüssigkeit, welche keine Spur von Blutkörperchen enthielt, zeigte
deutlich alkalische Reaction und coagulirte beim Erhitzen zu ei-
nem fast völlig festen Coagulum, wie es bei reinem Albumin der
Fall ist. Nachdem die Flüssigkeit mit dem vierfachen Volum
Wasser verdünnt war, erfolgte beim Erhitzen noch eine ziemlich
beträchtliche Coagulation, so dass auf einen sehr hohen Albumin-
gehalt der Flüssigkeit geschlossen werden konnte.
Zur Bestimmung der festen organischen und unorganischen
Bestandtheile wurde eine grössere Menge der Flüssigkeit, 1394,5
Grm. im Wasserbade zur Trockne verdampft, und schliesslich
bei 120°C. im Luftbade völlig vom Wasser befreit. Das Ge-
wicht betrug 104,82 Grm. oder 7,517 Proc. Hierauf wurde
mit absolutem Aether das etwa vorhandene Fett kalt extrahirt,
und die Operation noch zweimal wiederholt; von den vereinigten
ätherischen Flüssigkeiten der Aether zum grossen Theil’ abdestil-
lirt und der Flüssigkeitsrest der freiwilligen Verdunstung über-
77
lassen, und die. gewonnene kleine und Fettmenge noch einige
Zeit bei 100°C. erhalten. Das Gewicht betrug 0,219 Grm. oder
0,016 Proc.
Zur Bestimmung des vorhandenen Harnstofis wurden die
mit Aether erschöpften Rückstände mehrmals mit Alkohol absol.
in der Wärme extrahirt. ‚Da hiebei auch etwas Salze und eine
braune leimartige Substanz ausgezogen worden war, wurde der
im Wasserbade völlig zur Trockne gebrachte Auszug nochmals
mit absolutem Alkohol aufgenommen, und der zurückbleibende
Salzbestand zur weitern Untersuchung aufgehoben. Die alkoho-
lische Harnstofflösung wurde zur Trockne gebracht und gewogen.
Das Gewicht betrug 2,625 Grm. Da die Masse aber ziemlich
stark mit Extractivstoff verunreinist war, wurde sie in Wasser
gelöst und mit salpetersaurer Quecksilberoxydlösung titrirt; wobei
sich ergab, dass in der gewogenen Menge nur 2,15 Grm. Harn-
stoff, gleich 0,1542 Proc. Der Rest von 0,475 Grm. muss da-
her als Extractivstoff gleich 0,034 Proc. in Rechnung gebracht
werden.
Der mit Aether und Alkohol extrahirte Eiweissrückstand
wurde nun wiederholt mit heissem Wasser ausgezogen, um die
ganze Menge der unorganischen Salze zu gewinnen. Zu der er-
haltenen Flüssigkeit wurde die kleine oben erhaltene Menge hinzu
gethan, auf ein bestimmtes Volum verdünnt, und in einzelnen
aliquoten Theilen theils maass- theils gewichtsanalytisch die Menge
unorganischer Bestandtheile bestimmt.
Da Kali in der Flüssigkeit nicht nachgewiesen werden
konnte, so muss die geringe Menge Phosphorsäure (es wurden
gefunden 0,0875 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia) als an Na-
tron gebunden angenommen werden. , Das gefundene Magnesia-
phosphat entspricht 0,10304 Grm. wasserfreiem Natronphosphat,
mithin 0,074 Proc. ., Die, Schwefelsäure wurde als schwefelsaurer
Baryt bestimmt, und erhalten 0,12.Grm.-entsprechend 0,0731 Grm.
oder 0,005 Proc. Na0.S03. Der Kochsalzgehalt wurde schliess-
lich dureh titrirte Silberlösung ‚bestimmt ‚und erhalten 6,189 Grm,
entaprechend 0,444 Proc, NaCl. wir
er Zuckergehalt wurde in einer besondern Mense en
hydropischen Flüssigkeit ermittelt, indem zuerst aus über schön,
ger\Fehling’scher Lösung das Kupferoxyd zu Oxydul reducirt,
und dann dessen Menge mit Chamäleonlösung bestimmt wurde.
76 Grm. Flüssigkeib /önthielten’'0,02443 Grm! eos Pechend 0,032
Proc, ; Zucker, ‚Somit ‘wurden ermittelte. pt:
\s1lor Fibrin: wisol (OLE ER SArEn
lot arobunäkkmine ie) gu) 85 |
jt9%| ilaPetwino: lol ib) 0,016 Ins ib: „sill,, 20)
Js Extractivstoff : 0,034 5
Harnstoff | molırıog 05164 lud orsulem
[3
Zucker 0,032 ©,
Schwefelsaures Natron 0,005 hs
Phosphorsaures Natron 0,074 a
Kochsalz 0,444 ,„
Wasser 92,465 4
100,000
2. Ueber das Oxalium.
Das im Handel käufliche zweifach oxalsaure Kali scheint
häufig nicht nur mit dem vierfach sauren Salz ganz allein zu
bestehen. Die Analysen, welche von den Herren stud. phil.
Mayer und stud. pharm. Feige mit käuflichem Oxalium an-
gestellt wurden, führten zu folgenden Resultaten.
1.) 1,053 Grm. des Salzes wurden in schwefelsaures Salz
umgewandelt und gaben 0,355 Grm. KO.SO3 entsprechend 0,1918
Grm. oder 18,21 Proc. KO.
2.) 0,964 Grm. gaben in derselben Weise behandelt 0,333
Grm. KO.SO?, entsprechend 0,1800 Grm. oder 18,60 Proe. KO.
3.) 0,798 Grm. gaben in derselben Weise 0,267 Grm.
KO.SO3, entsprechend 0,1442 Grm. oder 18,07 Proc. KO.
4.) 0,546 Grm. gaben 0,185. Grm. KO.SO®, entsprechend
0,09994 Grm. oder 18,30 Proc. KO.
5.) 0,702 Grm. wurden zur Oxalsäurebestimmung mit
Chlorcaleium versetzt, mit Ammoniak alkalisch gemacht und ‚so-
dann wieder mit Essigsäure angesäuert. Der gefällte oxalsaure
Kalk sodann nach dem Auswaschen und Trocknen in kohlen-
sauren Kalk übergeführt, und aus dem Gewicht desselben der
Gehalt des Oxaliums und Oxalsäure berechnet. Es wurden er-
halten 0,5423 Grm. Ca0.CO?, entsprechend 0,3904 Grm. oder
55,62 Prod, C?0%.
6.) 0,938 Grm. gaben in derselben Weise 0,7368 Grm.
Ca0.CO?, entsprechend 0,5305 Grm. oder 56,55 Proc. 0203 |
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3... Analyse. eines sul Kalisalzes.!
Das reiche Stassfurter' Steinsalzlagerbietet’ in sehen‘ Sinzer)
nen Teufen dem. Chemiker fortwährend Gelegenheit Schichten
von besonderer Zusammensetzung zu analysiren:ı« Besonders wich-
tig für die Industrie sind; die mehr oder weniger"kalihaltigen
Salzschichten, deren Auffindung schon in der Nähe von Stassfurt
mehrere Fabriken ins Leben; gerufen hat, welche ..das!in den Salz-
79
gemengen enthaltene Chlorkalium nach verschiedenen Methoden
von den übrigen Salzen trennen, hauptsächlich deshalb, um das zum
Schiesspulver in grossen Mengen verbrauchte salpetersaure Kali
auf billigere Weise als bisher darzustellen. Ein solches für den
Salpeterfabrikanten ausserordenlich brauchbares Salzgemisch wurde
von dem Bergexpectanten Herrn Hörnecke analysirt und ge-
funden im Mittel: ;
HO — 6,92 Procent.
K0.503 =. 3,54” ,„
KCl — 8010 ,„
NaCl —— 1545.00,
MÜl —= 442 „ s
Ca0.Ss0? — . (0,06 ,„,
100,04 Procent.
M. Siewerti.
Hypoderas Nitzsch — Hypodectes Filippi.
Im Jahrgange 1861 Bd. XVII, S. 438—444 theilte ich
aus Chr. L. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlasse die Cha-
rakteristik von zwölf unter der Haut verschiedener Vögel leben-
der Milbenarten mit, für welche Nitzsch den Gattungsnamen
Hypoderas angenommen hatte. Ich vermuthete damals, dass diese
Gattung mit Koch’s Dermaleichus identisch sein könnte, finde
aber jetzt bei Einsicht in Koch’s Werk diese Vermuthung nicht
bestätigt, Dermaleichus gehört einer ganz andern Familie an und
Koch kannte keine Hypoderasart.
Dagegen erhalte ich erst jetzt das erste Heft der neuen ita-
lienischen Zeitschrift Archivio per la Zoologia l’Anatomia e la
Fisiologia Giugno 1861, in welchem de Filippi p. 53— 60;
tb. 5. eine neue Milbengattung Hypodectes auf eine Art von
Ardea nycticorax begründet und zu derselben noch Arten von
Ardea garzetta, von Alcedo und Strix flammea hinzufügt, in
Allem fünf Arten. Dieser Hypodectes nun: ist identisch mit un-
serem 'Eiypoderas und die abgebildete Art des Nachtreihers mit
dem H,. lineatus. Die abermalige Prüfung unserer Spiritusexem-
plare’ zur Vergleichung mit de Filippi’s Angaben’ zeigt aller-'
dings’ Unterschiede, die jedoch nieht als artliche Differenzen auf-
gefasst werden’ können. ‘So habe ich’ die Augenpunkte auf den
Vorderhüften' durchaus nicht finden können und es wäre möglich;
dass die 'dreissig Jahre lange Einwirkung des Spiritus dieselben
beseitigt hat. Vorn auf den braunen Linien‘, ‘welche Nitzsch
als! die Grenzlinien der Fussglieder deutet; sitzt rechts und links‘
ei brauner Bogen auf, dessen gegem einander gekehrte Schenkel
zweispitzig' enden. Man’ erkennt dieselben‘schon unter einer star-
ken Loupe deutlich, aber in den de Filippi’schen Abbildungen
ist nichts davon angegeben,
80
De Filippi benennt die Arten nach ‘den Wohnthieren,
wogegen sich Nitzsch mit Recht entschieden ausgesprochen hat,
da von den Schmarotzern sowohl ein und dieselbe Art auf ver-
verschiedenen Thieren vorkömmt, als auch ein und dasselbe Wohn-
thier verschiedene Arten derselben Gattung nährt. Ardea nycti-
corax beherbergt ausser H. lineatus noch H. brevis, ferner Co-
lumba nicobarica den H. gonogrammicus und H. exilis. In un-
serem Verzeichniss der nach den Wohnthieren geordneten Epizoen
in dieser Zeitschrift Bd. XVIIL, S.-289—318 sind Beispiele an-
derer Art zu finden. C. Giebel.
Literatur
Allgemeines. Oversigt over det Kongel. danske Vi-
denskab.-Selskabs Forhandl. etc. i Aaret 1861. No. 1—6. Jan.
bis Jun. Naturwissenschaftlicher Inhalt. — S.69—86. Prof.
Steenstrup’s Mittheilung eines Ueberblicks über die in den Kopen-
hagener Museen vorhandenen Dintenfische aus dem offnen Meere
(1860—61). Darunter, 1..S. 70—72, über die Cranchia-Familie und
„Gattung, 2. S. 72—76, Cranchia scabra Leach, 3. S. 76—77, Cr. Rein-
hardtii (Stp.) 4. 77-80. Cr. megalops Prosch. 5. 8. 80-83. Lea-
chia ellipsoptera (Adams und Low. Reeve.) 6. 8.83—85. Taonius
hyperboreus (Stp.) S. 85—86. — 8. 87—93. Prof. Holten’s Mitthei-
lung der Resultate seiner Untersuchungen über die Regenverhältnisse
in:Nordamerika. — S. 100-134. Doc. Thomsen, über die allge-
meinen Charactere der chemischen Processe und eine auf diese ge-
gründete Affinitätslehre. — 8. 135—154. Prof. Reinhardt, Beiträge
zur Kenntniss des grossen an den Quellen des weissen Nils entdeck-
ten Watvogels, Balaeniceps Rex, und namentlich über seine Verwandt-
schaften. — 8. 159 -162. Staatsingenieur Colding’s Mittheilung der
durch’ eine Untersuchung’ der Wässerspiegelformen, welche sich in
prismatischen und cylindrischen Wasserleitungen bilden, wenn, die
Wasserleitung durch die ganze Länge. der. Leitung constant ist, ‚ge-
wonnenen! »Resultate. — : 8. 163-164. |,Prof. Steenstrup zeigte, ei-
nen ungewöhnlich grossen Kopf. vom Ursus Arctos L..,vor,: welcher,
aus''einem 'Torfmoor auf Fünen ausgegraben worden! war, und theilte
geolögisch -zoologische; Bemerküngen über ‚den; Fund mit.,-—.18.213
—224..Vaupell, Beitrag zur Morphologie’ des Oedogonium. regulare,
sibi.: Dazu eine Taf. „Prof. Kröyer, welcher. .sich in. ‚der; letzten
Zeit'mit einer erneuerten Bearbeitung der grönländischen Amphipo-
den nach: dem ihm zu, Gebote. stehenden Materiale beschäftigt hat,
legte: alsı Probe dieser, Arbeit, ‚eine, monographische Behandlung der
Gattungen Oedicerus und Ampelisca. vor. Die erste derselben: tritt
mit bedeutendem Formreichthum in dem. nordischen ‚Meer auf; ‚der
&
237. beschreibt 10 grönländische Arten, welche ihm alle von den im
skandinavischen Meere bisher gefundenen Arten verschieden zu sein
scheinen. Unter der Gatt. Ampelisca, von welcher man bis jetzt nur
2 grönländische Repräsentanten kannte, handelt der Verf. auch von
den ihm bekannten dänischen Arten. In den detaillirten Beschrei-
bungen wird beständig Rücksicht auf die Mundtheile in allen Ein-
zelnheiten des Baues genommen, und lateinische Diagnosen, Ausmes-
sungen und die nothwendigen Zeichnungen begleiten dieselben.“ —
S. 225-229. Prof, Forchhammer, Verzeichniss der in den Samm-
lungen‘ der Universität vorhandenen Meteoriten. Meteorologische Ta-
bellen von Januar bis Juli 1861 inclus. Creplin.
G. Ramann, die Erdbildung oder die Entstehung und
Zusammensetzung der Erdrinde. Allgemein fassliche Darstel-
lung der unorganischen Chemie in ihrer Beziehung zur Geologie so-
wie der Mineralogie und Geognosie, 3. gänzlich umgearbeitete Aufl.
Erfurt 1863. 8°. — Der allgemeine Titel scheint nur von den frü-
hern viel enger begrenzten Auflagen auf diese herübergenommen zu
sein und passt hier in sofern weniger, als die Mineralogie und Pe-
trographie nunmehr den überwiegenden Theil des Buches ausmachen.
Dasselbe ist in dieser Bearbeitung ein recht zweckmässig eingerich-
teter Leitfaden, welcher in leicht fasslicher Darstellung so viel bie-
tet als nur irgend der Schulunterricht bewältigen kann und wir wün-
schen, dass er auch in dieser neuen Gestalt den verdienten Beifall °
der Lehrer und Lernenden finden möge.
Astronomie und Meteorologie. A. Mühry, klima-
tographische Uebersicht der Erde in einer Sammlung. authen-
tischer Berichte mit hinzugefügten Anmerkungen zu wissenschattli-
chem und zu praktischem Gebrauch. Mit einem Appendix und drei
Kartenskizzen, Leipzig und Heidelberg 1862. 8°. — Verf. stellt die
Witterungsberichte aller Länder in der Reihenfolge der Zonen von
der heissen zur polaren und innerhalb dieser nach den natürlichen
Gebieten aus den authentischen Berichten zusammen ‘und. webt all-
gemeine Betrachtungen hie und da ein. Im Appendix behandelt er
die nördliche Polarzone, die beiden Passate in Europa, die südliche
Polarzone, ein neues Atmometer und ein System der; grossen Meeres-
strömungen. Das Buch füllt eine sehr wesentliche und empfindliche
Lücke in unsrer Literatur aus und wird jedem Manne von Fach, Je-
dem,, der es ernstlich mit dem Studium der Naturwissenschaft über-
haupt meint ein höchst willkommenes Nachschlagebuch sein. Die
Quellen, aus welchen Verf. schöpfte sind überall angeführt und ge-
wissenhaft benutzt. Die Angaben natürlich nur die mittlen Beobach-
tungen und das Gesammtgebiet der Klimatologie betreffend.
Simonmett, meteorologische Beobachtungen in Splügen
4833‘ Meereshöhe, auf dem Bernhardiner Passe 6887‘ und Albertini
auf dem Julier 7473‘ wäbrend 1860 und 1861. Sp., B. und J. bezeich-
nen die Orte für die nachfolgenden Spalten, welche nur die Monats-
XXL 1863, 6
82
mittel angeben, das Thermometer ist R, die Niederschläge sind all-
gemein nach Anzahl der Tage angegeben:
Temperatur. Niederschläge.
Sp. B. J. Sp. ’IBIDWII
Januar —6,10 —415 — 5,8 5 1 7
Februar 0,58 —2,31 —10,7 11°%,10 7
März —0,69 —3,43 — 74 "20: 12 4
April 2,23 —0,90 — 2,6 14 5 ?
Mai 5,92 2,38 2,8 155 12 7
Juni 9,36 7,36 5,3 2177113 78116
Juli 9,73 7,08 4,8 16-1012 schl
August 11,74 9,33 5,8 6 Dil!
September 7,67 4,97 4,7 13 9,5
October 5,21 3,39 1,1 5 3 8
November 0,36 —2,35 — 3,9 11 8 9
December —3,88 —5,01 — 7,8 4 1 9
Jahresmittel 3,41 1,362. 61 141 _91 104
Die niedrigste Temperatur war in Splügen im Januar und December
—17,8, auf dem Bernhardin im März —13, auf dem Julier —22,5,
die höchste in derselben Reihenfolge der Orte im August 23, im Au-
gust 17, im Juni 16%. — (Graubündener Jahresbericht VIl. 121—124.)
Fr. Simony, Wärmeverhältnisse Wiens. — Nach den
Beobachtungen auf der Sternwarte von 1775—1850 liegt die Mittel-
temperatur zwischen Januar — 1,4 und Juli 16,70, doch kommen
Jahre mit geringern Extremen vor. Das mittle Minimum ist —11°
und das Maximum 27°. Am 14. Juli 1832 stand das Thermometer im
Schatten auf 31° am 22. Januar 1850 sank es auf — 20,4% herab, das
sind die beiden beobachteten äussersten Extreme. Die mittle Jahres-
temperatur stellt sich auf 8,10, die von London auf 8,4, Brüssel 8,1,
Paris 8,6, Mailand 9,7, Nizza 12,5, Gibraltar 14,3, Kopenhagen 6,4,
Berlin 7,0, Petersburg 3,4, Konstantinopel 11,8, Ragusa 13,00. In Wien
schwankt das Mittel um 1,5 höher und tiefer. — (Mittheilungen de
geogr. Gesellsch. V. 37). Y
Feuerkugel in Norddeutschland am 7. Januar 1863.
— Dieselbe wurde laut Zeitungsnachrichten an den verschiedensten
Orten (Stettin, Halle u. a.) beobachtet und berichtet ein Beobachter
in der Magdeburger Zeitung darüber also: Mitwoch Abend, etwa 38
Minuten vor 7 Uhr übergoss eine plötzliche Helle den östlichen Him-
mel in der Richtung von Norden her; es war ein starkes, intensiv
rothes Licht, so dass die Sterne, welche kurz zuvor in hellem Glanze
am östlichen Himmel funkelten, unsichtbar gemacht wurden. Auf
der Erde verbreitete sich ein heller Lichtschein, als wenn plötzlich
eine Feuersbrunst in der Nähe aufginge. Die ganze Erscheinung
währte vielleicht drei Sekunden, war am stärksten im Norden, etwa
in der Höhe des Polarsternes, doch etwas östlich. davon, und zog
mit grosser Schnelle über den ganzen östlichen Horizont. "Einige
Augenzeugen wollen einen Feuerball in der Grösse der halben Mond -
83
fläche geseher haben, der schnell senkrecht herniederfiel und in ei-
nem Feuerregen, sternschuppenartig endigend, ihren Blicken ent-
schwand. Letzteres habe ich nicht gesehen, da mein Auge zuerst
nach Osten gerichtet war, ein Steueraufseher an der Hohenpforte,
den wir nach seiner Wahrnehmung fragten, hat die Feuerkugel ge-
sehen, und von jemand, der sich um die Zeit auf dem Fort Scharn-
horst befand, habe ich diese Wahrnehmung bestätigen hören.
Simmler, Beobachtung des Zodiakallichtes bei Chur.
— Am 19. September 1861 war es bereits um 6 Uhr so dunkel, dass
alle Sterne 5. Grösse deutlich erschienen, auch die Milchstrasse. Nach
W. zeigte sich ein verwaschener heller Schimmer, am westlichen Ende
des Calanda breit aufsetzend und schief am Himmel aufsteigend und
bis gegen die Plejaden sich zuspitzend. Die Intensität des Scheines
war etwas geringer wie die der Milchstrasse in der Gegend des
Schwanes. Diese kosmische Helligkeit war gegen den Horizont zu
von dem Sternbilde des Wallfisches, gegen den Zenith hin vom Pe-
gasus und Widder eingeschlossen. Hie und da liess sich ein Zucken
erkennen. In mondfreien Nächten des Februar wurde dieser Schein
wiederholt beobachtet. — (Graubündener Jahresber. VII. 126).
Physik. O. Dammer, Fluorescenz der Wärme —
Auf einer Pfütze schwammen Eichenblätter, die bei eintretendem Froste
eingefroren. Nach und nach hatte sich alles Wasser in Eis verwan-
delt. Als nun im Februar die Eisfläche von der Sonne warm be-
schienen wurde, fand D. unter jedem Blatte eine die ganze Eismasse
durchsetzende ein getreues Bild von dem Blatte gebende Höhlung.
Als ferner vom Neuen der Frost eintrat, durch den die Blätter fest-
froren, dann aber das Wasser stieg und endlich noch zu Eis gefror,
fand D. bei später eintretender Wärme, dass die über den Blättern
liegende etwa einen Zoll dicke klare Eisschicht von den Sonnenstrah-
len nicht aufgethaut wurde, während sich unter den Blättern die
oben beschriebenen Höhlungen zeigten. D. glaubt, dass hier ein
ganz ähnlicher Fall vorliegt, wie der von Melloni entdeckte und von
Salm-Horstmar erwähnte [Zeitschr. f. die ges. Naturwissensch. Bd. 18,
8. 414]. — (Pogg. Ann. Bd. 115; 1862. S. 658.) Hhnm.
Dove, über das Hörbarmachen von Beitönen durch
Interferenz. — Von gleichzeitig erregten Tönen ungleicher Stärke
können die schwächeren entweder dadurch, dass man sie durch Mit-
tönen anderer Körper verstärkt oder dadurch, dass man die Inten-
sität der stärkeren vermindert, hörbar gemacht werden. Das Mit-
tönen ist der Grund, dass unter dem Einflusse des Tagesgeräusches
an das Ohr gehaltene Muscheln, ebenso Röhren von einer bestimmten
Länge und Weite einen Ton von bestimmbarer Höhe hören lassen,
weil von den das Geräusch zusammensetzenden Tönen eben nur die
von bestimmter Höhe verstärkt werden. Des Mittels der Schwächung
des stärkern Tones hat sich Savart bedient, indem er bemerkt, dass
wenn man sich während eines Geräusches einem Gegenstande nähert,
der wie z. B. eine Mauer dasselbe zurückzuwerfen im Stande ist,
6*
84
aus diesem Geräusche ein Ton hervortritt, dessen Höhe mit zuneh-
mendem Abstande des Ohres von dem refleetirenden Körper allmäh-
lig tiefer wird, bei abnehmendem dagegen höher. Die bei gemessenen
Abständen wahrgenommenen Töne entsprechen der Annahme einer
Interferenz der vom tönenden Körper ausgehenden und der von der
Mauer reflectirten Wellen einer aus der Tonhöhe folgenden Wellen-
länge. Um dies Princip für musikalische Töne anzuwenden, schraubte
D. auf einen mittönenden Kasten 2 Stimmgabeln, von denen die eine
das tiefere A der Scheibler’schen Scala gab, die andre mit jenen
Schwebungen von 3!/, Secunden Dauer machte. Wenn jede für sich
den Grundton gab, so hörte man von der mittönenden höhern Octave
nichts; sie trat aber vollkommen deutlich hervor, in den Momenten,
wo die Schwebungen den Grundton unhörbar machten. D. stellte
noch folgenden Versuch an. Er nahm zwei Kasten für Marlay’sche
Stimmgabeln bestimmt, die so neben einander gestellt wurden, dass
ihre Längenaxen in eine gerade Linie fielen, ihre einander zugekehr-
ten Oeffnungen aber so weit von einander abstanden, dass die ab-
geschraubte horizontal‘ gehaltene Stimmgabel von oben so in die
Oeffnung hineinbewegt werden konnte, dass die über einander ste-
henden Zinken in eine lothrechte Ebene fielen. Bei Annäherung der
Gabel tönten der Kasten zuerst mit der die Zinken äusserlich be-
rührenden Luft, dann durch die zwischen den Zinken befindliche.
Da nun diese sich verdichtet, wenn jene sich verdünnt und umge-
kehrt, so tritt bei dem Herabbewegen der Stimmgabel ein Punkt ein,
wo der erregte Thon verschwindet. Dieser Gegensatz der innern
und äussern Luft findet in gleicher Weise für den Grundton und seine
Beitöne statt. Schlägt man daher die Stimmgabel so an, dass mit
dem Grundtone einer oder mehrere Grundtöne laut mitklingen, so
verschwinden sämmtliche an der Stelle, wo der Grundton unhörbar
wird. — Ueberhaupt ist die Anwendung der Interferenz ein geeigne-
tes Mittel um manche Eigenthümlichkeiten des Tones bemerkbar: zu
machen. Nach W. Weber giebt ein und dieselbe Saite ausser ‚den
Flageolettönen zwei und vielleicht mehrere direct nicht bemerkbare
Grundtöne; nach Seebeck liegt der Grund vielleicht darin, dass der
Querschnitt der Saite nicht kreisförmig ist. ‘Der Querschnitt. der
Stimmgabeln ist in der Regel nicht quadratisch. Schraubt man da-
her eine Stimmgabel auf einen Resonanzboden und erregt durch Aen-
derung der 'Streichungsebene zwei etwas verschiedene Schwingungs-
systeme, erzeugt man ferner durch eine andere ihr in der Höhe nahe
stehende Schwebungen, so erhält man zwei Intervalle der Hörbarkeit,
die sich in ihrer Dauer ‚etwas unterscheiden. In einem solchen Falle
kann dann die im Moment der Stille sanft hervortretende höhere Oc-
tave vollständig verschwinden gegen den stärkern vom ‚Grundton
etwas verschiedener tiefen Ton. Man hört dann die Schwebung im
Maximum der Stärke als eine doppelte. —(Pogg. Ann. Bd. 115,5: 1862.
$. 650.) Hhnm.
85
Mohr, die Endigungen der Blitzableiter. — Da die
Bodenableitungen der Blitzableiter auf die Dauer keinen Schutz ge-
währen, weil kein Metall dem nagenden Einfluss des Wassers und der
Kohlensäure widersteht, das Anlegen von Brunnen und die Anwen-
dung’'edlerer Metalle als Eisen zu kostspielig ist, ausserdem an den
Löthstellen des Eisens mit edleren Metallen sobald sie benetzt wer-
den galvanische Ströme entstehen, welche der Ableitung entgegen-
wirken, und auch die Anwendung von feuchten Kohlengruben das
Rosten des Eisens nicht verhindert, schlägt M. vor. die Blitzableiter
mit eisernen Wasserleitungsröhren oder Abzugskanälen in Verbindung
zu setzen, da es vor dem Gewitter gewöhnlich zu regnen pflegt, und
dadurch die nöthige Wassermenge ohne menschliches Zuthun zur Ab-
leitung vorhanden sei. Auch könnte man die Enden der Blitzableiter
mit zolldicken Eisenplatten, die gleichzeitig als Trottoirs dienen in
Verbindung setzen. — (Pogg. Ann. CXVI, 181.) St.
Rüdorff, das Gefrieren des Wassers aus Lösungen.
— R. beobachtete früher dass die Erniedrigung des Gefrierpunktes des
Wassers proportional dem Salzgehalt der Lösung sei, dass man aber
nur bei einigen Salzen namentlich den Chloriden die Beziehung nach-
zuweisen, annehmen müsse, dass diese mit einer bestimmten Menge
Wasser verbunden sich in der Lösung befände. Dufour in Lausanne
trat darauf mit der Beobachtung auf, dass das aus Lösungen ausfrie-
rende Eis nie Salzfrei sei, sondern feine Salzkrystalle umschliesse,
welche er allerdings selbst mit dem Mikroscop nicht habe entdecken
können. R. weist diese Ansicht damit ab, dass er sagt, wenn ein
Salzkrystall mit Eis zusammenkommt, wird beides flüssig unter Tem-
peräturerniedrigung, es wird sich also auch wahrscheinlich kein Salz-
krystall unter Umständen bilden, unter denen er nicht bestehen kann.
Versuche mit den Lösungen des dichroitischen Magnesiumplatiney-
anür unterstützten den Beweis. Ferner wenn man eine übersättigte
Lösung von Glaubersalz unter den Gefrierpunkt abkühlt, so scheidet
sich nur Eis aus, wenn man ein Eisstück, nur Salz, wenn man ein
Stück Glaubersalz hineinwirft. Das spec. Gew. beider Ausscheidungen
lässt sie sehr gut von einander unterscheiden; würde aber im ersten
Falle neben Eis auch nur eine geringe Menge Salz ausgeschieden, 80
hätte, da es eine übersättigte Lösung, alles Salz auf einmal ausge-
schieden worden sein müssen. Bei den Abkühlungen unter den Ge-
frierpunkt muss man die Erniedrigung nur allmälig unter Umrühren
stattfinden lassen. Aus dem Quotienten = (worin T = den Gefrier-
punkt, M die in 100 Grm. Wasser gelöste Salzmenge bezeichnet) fand
R., dass erstens die Erniedrigung des Gefrierpunktes in einfacher Pro-
m j
portion stände, die Zahl m; eine constante Zahl sei, und schwefelsau-
res Kali, schwefelsaures Natron, Bromkalium und Jodkalium als Was-
serfreie Salze auf die Erniedrigung des Gefrierpunktes wirkten. Bei
andern mit Krystallwasser krystallisirenden Salzen fand er den Quo-
86
üienten 7, eine zunehmende Reihe darstellend. Er wurde dadurch zu
der Annahme geführt, dass sich diese Salze bei ihrer Lösung in Was-
ser mit einer andern Atomzahl Wasser verbänden, als bei ihrer Ab-
scheidung in festem Zustande. Er fand nach den von ihm anfgestell-
ten Formeln, dass Manganchlorür, welches mit 4 At. Wasser krystalli-
sirt, sich in Auflösung-mit 12 At. HO verbunden befindet, dass Brom-
natrium und Jodnatrium sich nicht als wasserfreie Salze sondern mit
8 At. HO, Kupferchlorid mit 12 At. HO, Ammoniumkupferchlorid nicht
mit 2 sondern 4 At. HO verbunden in Lösung befinde; und das un-
ter diesen Atomen der Coeffizient der Erniedrigung des Gefrierpunk-
T
tes nach der Formel M eine constante Zahl sei. Auch bei den ver-
dünnten Lösungen freier Säuren und Alkalien fand er die Erniedri-
gung des Gefrierpunktes nicht abhängig vom Gehalt an wasserfreier
Substanz, sondern des damit verbundenen Hydratwassers. Salzsäure
soll mit 12 At. HO, Jodwasserstoffsäure mit 8 At. HO, Schwefelsäure
und Salpetersäure mit 10 At. HO, Natron mit 4 At. HO, Kali mit 5
At. HO, Ammoniumoxyd mit 2 At. HO verbunden sein. Es folgt so-
mit aus den Versuchen, dass in den meisten Fällen ein Salz erst bei
seiner Abscheidung aus der Lösung eine bestimmte Menge Wasser
aufnimmt, mag es als wasserfreies oder wasserhaltiges Salz gelöst
gewesen sein. In den meisten Fällen ist der Wassergehalt der Kry-
stalle und des gelösten Salzes übereinstimmend, in andern der des
letztern ein Multiplum von dem des erstern. Bekanntlich geht die
blaue Farbe einer Kupferchloridlösung bei zunehmender Concentra-
tion plötzlich in Grün über, woraus man schon früher auf eine Ver-
änderung in der Constitution des Salzes schloss. Die Gefrierversuche
beweisen diese Ausnahme. In den blauen Lösungen ist CuCl + 12 HO
in den grünen Lösungen CuCl + 4HO enthalten, welche Verbin-
dung dann aus der grünen Lösung krystallisirt. — (Pogg. Ann. CXVI.
55.) Swt.
Plücker, über recurrente Ströme und deren Gasspec-
tra. (Fortsetzung). — RBecurrente Ströme geben wie gewöhnlich
Entladungen, ihre Existenz durch Wärmeerregung kund, die oft bis
zur Lichterscheinung gesteigert ist. Sie wirken nicht auf die Gal-
vanometernadel. In weiten Röhren ist die Erscheinung am Effectvoll-
sten, aber ist noch bedeutend genug, wenn der Strom durch ein fei-
nes Capillarrohr geht. Alsein recurrenter Strom in äquatorialer Rich-
tung auf die einander genäherten Halbanker eines grossen Elektro-
magneten ging, trennte sich die Lichtlinie in ihrem Innern in zwei
fast mathematische Lichtlinien die über einander liegend durch eine
schwarze Linie getrennt waren. Viel intensiver werden die fragli-
chen recurrenten Ströme und die sie begleitenden Lichterscheinungen
wenn eine evacuirte Glasröhre, die in ihrer Mitte eine dünne isoli-
rende Scheidewand an ihren Enden eingeschmolzene Electroden hat,
hergestellt wird und gleichzeitig die beiden Electroden mit den bei-
87
den Drahtenden. der Inductionsrolle in Verbindung gesetzt werden.
Die Lichterscheinung ist in beiden Hälften der Röhre gleich intensiv,
indem jede Electrode die Erscheinung des eintretenden und des aus-
tretenden Stromes darbietet. Auch hier war bei aequatorialer Stel-
lung eine Trennung des Stromes bemerkbar. In der Nähe der Scheide-
wand zeigt der recurrente Strom eine dunkle Stelle. Bei dem elec-
trolytischen Strome ist die Inductionswirkung in jedem Theilchen von
einer chemischen Zersetzung desselben begleitet. Ein Wassertheil-
chen zerfällt in Sauerstoff, den Träger der negativen, und in Was-
serstoff, den Träger der positiven Electricität. Mit der Wiederaus-
gleichung der positiven Electrieität des vorhergehenden mit der ne-
gativen des nachfolgenden Theiles ist immer die chemische Wieder-
vereinigung der Träger dieser Electrieitäten zu einem neuen Wasser-
theilchen verbunden. Bei metallischen Leitern findet die Ausgleichung
durch blosse Entladung, Blitz, statt, zwischen zwei aufeinander fol-
genden Körpertheilchen. In Isolatoren findet sie ebenfalls successive
in den auf einander folgenden Theilchen statt, in welchen die Ver-
theilung erfolgte. Hiefür spricht der Versuch, dass trockner Quarz-
sand von geriebenem Glas oder Siegellackstangen angezogen wird.
Das Vorhandensein eines solchen Stromes scheint ferner bewiesen
durch die Molecularthätigkeit, die wir im Glase beobachten, das vom
Inductionsfunken durchbohrt ist. Das reinste Beispiel recurrenter
Ströme bieten die electrischen Lichtausstrahlungen dar, die in gas-
verdünnten Räumen von den einzelnen Punkten der negativen Elec-
trode divergirend nach den umgebenden Glaswandungen hingehen,
und von diesen wieder zur Electrode zurückkehren. Jedes divergi-
rende Büschel concentrirt sich unter der Einwirkung des Electromag-
neten zu einer hellen Lichtlinie.e Wenn recurrente Ströme das ver-
dünnte Gas der Capillarröhre glühend machen, so kommt dies von
keiner chemischen Wirkung her, sondern muss der Wärme des Stro-
mes zugeschrieben werden, der auf seinem Wege zurückkehrend, zwei-
mal die gleiche Wärme entwickelt. — (Pogg. Ann. CXVI. 27). St.
Chemie. a. Theoretische. F. Beilstein, über die Einwir-
kung des Jodphosphors auf Glycerinsäure. — Da Propion-,
Milch- und Glycerinsäure in einer einfachen Reihe stehen, so liess sich
vermuthen, dass Glycerinsäure aus der Milchsäure sich ebenso würde
erhalten lassen, wie diese aus der Propionsäure. Wenn man Brom in
zugeschmolzenen Röhren auf 1000 erhitzt auf Milchsäure wirken lässt,
so entsteht eine syrupdicke Masse und beim Oeffnen entweicht Koh-
lensäure, ohne dass jedoch das gewünschte Resultat erhalten war.
Jetzt wurde versucht umgekehrt aus Glycerinsäure Propionsäure oder
Milchsäure zu erhalten. Die Glycerinsäure wurde nach Debus’ Me-
thode dargestellt, indem Glycerin mit Salpetersäure behandelt wurde,
aus dieser Flüssigkeit wurde dann das Kalksalz und durch Zersetzen
desselben mit Oxalsäure Glycerinsäure erhalten; besser ist es wenn
man das Bleisalz darstellt und dieses durch Schwefelwasserstoff zer-
setzt. Bei Einwirkung von Jodphosphor auf diese Säure entweicht
88
Jödwasserstoff nebst knoblauchartig riecheiden entzündlichen Däm-
pfen, während im Kolben eine krystallinisch erstarrende weisse Masse
zurückbleibt. Löst man diese in heissem "Wasser, so erhält man
beim Erkalten Jodpropionsäüure €3H; Js. Sie krystallisirt klino-
rhombisch, ist löslich in Alkohol und Aether und ihre Salze sind
dürch Kochen mit Wässer leicht zersetzbar. Wird eine Lösung von
Jodpropionsäure in Alkohol mit Salzsäufegas gesättigt, so scheidet
sich ein öliger Körper ab, der einen Aether der Jodpropionsäure dar-
stellt. Die Entstehung der Jodpropionsäure aus Glycerinsäure findet
in folgender Formulirung ihren Ausdruck:
£&; HH 04 1 PJa = C3H;J&3 + HJ + Ps»,
wo denn die Gruppe P®, unter Wasseraufnahme zu Phosphorsäure
und Phosphorwässerstoff zerfällt. Milchsäure konnte aus der Jod-
propionsäure durch Kochen mit Alkalien nicht erhalten werden. Beim
Versetzen der Jodpropionsäure mit Silberoxyd wird Jodsilber gefällt
und in der Flüssigkeit befindet sich das Silbersalz einer Säure, die
mit der Milchsäure isomer zu sein scheint, deren Salze aber von de-
nen der Milchsäure total verschiedene Eigenschaften haben. — (Ann.
d. Chem. u. Pharm. CXX. 226.) B. Si
E. Chevreul, über Nachweisung kleiner Mengen oxal-
sauren Kalks durch salpetersäures Silberoxyd. — Vermöge
einer umständlicheren Methode hatte Verf. früher in dem Schweisse
der Schaf- nnd Alpacawolle oxalsauren Kalk nachgewiesen. Er fand
jetzt, dass sich der oxalsaure Kalk leicht durch salpetersaures Silber-
oxyd in salpetersauren Kalk und oxalsaures Silberoxyd umsetzt. Däs
letztere giebt bei der Behandlung mit verdünnter Salzsäure Chlor-
silber und zu krystallisirende Oxalsäure. Ausser kohlensaurem Kalk,
phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia, Silicat und oxalsaurem Kalk fand
Verf. in dem Schweisse noch einen Körper, welcher bei der Destil-
lation Ammoniak entwickelte und doch nur oxalsäurer Kalk war. Er
untersuchte daher einige Eigenschaften des oxalsauren Kalkes, und
fand, dass die Schwefelsäure den oxalsauren Kalk bei einer 100°.
nahe liegenden Temperatur vollständig zersetzt, ohne dabei die Oxal-
säure zu zerlegen. Dann, dass der oxalsaure Kalk nach dem Lösen
in Salzsäure und Fällen mit Ammoniak eine Verbindung giebt, die
bei der Destillation Ammoniak entwickelt. Endlich, dass auch nicht
concentrirte Salzäure aus dem neutralen Oxalat ein saures bildet. —
(Journ. f. prakt. Chem. Bd. 84, p. 453.) 0. K.
J. Erdmann, zum Nachweis organischer Alkaloide.
— E. stellt folgende Reactionsreihen in Bezug auf Morphium, Nar-
cotin, Strychnin, Brucin und Veratrin auf:
I. Concentrirte Schwefelsäure mit etwa 6 Tropfen Salpetersäure von
1,25 specifischem Gewicht zu 100 CC. verdünnt:
1. Morphium: violettroth nach Zusatz von 2—3 Tropfen Wässer
stark violettblau.
2. Narcotin: zwiebelroth, durch Zusatz von Wasser schneller her-
beigeführt.
89
3. Stryekhin: unverändert.
4. Brucin: zuerst roth, dann gelb.
5. Veratrin: gelb, nach Zusatz von Wasser blutroth.
II. Concentrirte Schwefelsäure und Braunstein:
1. Morphium: mahagonibraun.
2. Narcotin: gelbroth bis blutroth.
3. Strychnin: violettpurpurn bis dunkel zwiebelroth.
4. Bruein: zuerst roth, dann gelb.
5. Veratrin: dunkelschmutzig kirschroth.
Werden diese Lösungen mit Wasser verdünnt und mit Ammoniak dem
Neütralisationspunkte nahe gebracht, so zeigen sie folgende Reaction:
1. Morphium: schmutzig gelb.
2. Narcotin: unverändert roth.
3. Strychnin: unverändert.
4. Brucin: goldgelb.
5. Veratrin: matt braun.
Nach Uebersättigung mit Ammoniak giebt die Lösung von 1. eine
braunrothe Färbung, ohne Niederschlag, 2. dunkelbraunen Niederschlag,
3. gelbgrünen, 4. gelben, 5. grünlichbraunen Niederschlag. Alle auf-
tretenden Farben werden durch verdünnte Schwefelsäure haltbarer.
— (Ann, d. Chem. u. Pharm. 0XX. 188.) B. 8.
C. Friedel und V. Machuca, über Brombuttersäure.
—Brombuttersäure kann man in ziemlicher Menge erhalten, indem
man 1 Aequivalent Buttersäure auf 2 Aequivalente Brom in zuge*
schmolzenen Röhren bei 1300 wirken lässt; bei höherer Temperatur
entsteht nur eine schwarze Masse, die hauptsächlich Kohle und Bern-
steinsäure enthielt. Die Auf jene Weise erhaltene Brombuttersäure
wurde mit Silberoxyd behandelt, worauf die vom Bromsilber abfiltrirte
Flüssigkeit nach dem Sättigen mit Zinkoxyd ein Salz ergab, das die
Zusammensetzung des butylmilchsauren Zinks hatte: €4H-Zn®3, sich
jedoch dadurch von ihm unterschied, .dass es immer nur beim Kry-
stallisiren in wärzenförmigen Massen und nie in Schuppen erhalten
worden. Man kann dieser neuen Säure passend den Namen Oxybutter-
säure beilegen. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CAX, 279.) B. 8.
A. Geuther und E. Forsberg, über krystallisirte wol-
framsaure Salze, insbesondere künstlichen Wolfram. —
Aethnlich wie Manross durch Zusammenschmelzen von wolframsaurem
Natron mit einem Ueberschuss von Chlorcaleium und Chlorblei Schee-
lit und Scheelbleierz darstellte, so gelingt es auch, namentlich wenn
man noch Kochsalz anwendet, fast alle natürlichen Wolframverbindun-
gen kryställisirt zu erhalten. So wurden erhalten: wolframsaurer
Bäryt BaO W000, in grossen farblosen Oktaödern, wolframsaure Mag-
nesia MgOWo0O; ebenfalls oktaödrisch, wolframsaures Zinkoxyd in
quadratischen Säulen wnd wolframsaures Manganoxydul MnO Wo 0:
und wolframsaures Eisenoxydul FeO W00; in orthorhombischen Kry*
stallen. Man erhält Doppelsalze der beiden letztern, indem man wol-
fratsaures Natron, Chlormangan, Eisenchlorür und Kochsalz in einem
90
Tiegel zusammenschmilzt. Sie entsprechen mehr oder weniger na-
türlich vorkommenden Verbindungen. So wurde erhalten:
7(MaOWo00;) + FeOWo0;, 2(MnOWo0;) + FeOWoQO,,
2(MnO Wo0;) + 3(FeOWo00;), MnOWo0; +4(FeOWoO;),
MnO Wo0; + 7(FeO WoO;), je nach den angewandten Mengen
der einzelnen Theile. Von den verschiedenartigen krystallisirenden
Salzen, Kalk- und Magnesiasalz einerseits, Mangan- und Eisensalz
anderseits liessen sich keine Doppelsalze erhalten. Durch Zusammen-
schmelzen von wolframsaurem Natron, Chromchlorid und Chlornatrium
lässt sich kein krystallisirtes wolframsaures Chromoxyd darstellen;
auch krystallisirtes wolframsaures Silber konnte nicht erhalten wer-
den. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXX, 270.) BES:
H. Landolt, über Stibmethyl-Verbindungen. — Bei
der Einwirkung von Jodmethyl auf Antimonnatrium erhält man leicht
bei der Destillation einen krystallinischen Körper, welcher eine Ver-
bindung von Jodmethyl mit Stibmethyl (Stibmethyliumjodid) (Sb(€2H3)sJ)
ist. Durch Wasser von überschüssigem Jodmethyl getrennt und von
neuem mit Antimonkalium erhitzt, erhält man reines Stibmethyl, es
ist eine wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit von unangenehmem
zwiebelartigen Geruche, spec. Gew. 1,523 bei 15°C. und Siedepunkt
80,6°C. bei 760 Mm. Bar., es ist äusserst leicht entzündbar. Es ist
wie das Stibäthyl ein zweiatomiges Radical, und vereinigt sich direct
mit 2 Atomen Sauerstoff, Schwefel, Chlor ete. Das Oxyd (Sb(€,H32)303
wird am besten durch Zersetzung des schwefelsauren Salzes mittelst
Baryt erhalten, die wässrige Lösung desselben giebt mit Chlorwasser-
stoffsäure einen krystallinischen Niederschlag von Stibmethylehlorid
Sh(€H;); Cl. Die wässrige Lösung des Oxydes giebt mit einigen
Metallsalzen Niederschläge mit andern nicht. Bei der langsamen
Oxydation des Stibmethyls an der Luft entsteht kein reines Oxyd,
es tritt zugleich eine Zersetzung ein. Das Sulfid kann direct durch
Erwärmen einer ätherischen Lösung des Radicals mit Schwefel, oder
durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf eine verdünnte wäss-
rige Lösung des Oxyds erhalten werden, es bildet kleine glänzende
Schuppen. Das Chlorid Sb(&H3;);Clz entsteht als weisser Körper beim
Einleiten von Chlor in eine Lösung von Stibmethyl in Schwefelkoh-
lenstoff. In Chlorgas getropft entzündet sich das Stibmethyl. Das
Bromid und Jodid sind ebenfalls krystallinische Verbindungen. Die
Oxyhaloidverbindungen des Stibmethyls können nach dem von Stre-
cker zur Gewinnung der entsprechenden Aethylkörper angegebenen
Verfahren erhalten werden. Versuche, Haloidverbindungen einatomi-
ger Säureradicale an Stibtrimethyl zu binden, führten zu keinem Re-
sultate. — 2. Ueber die Titrirung des Eisens mittelst un-
terschwefligsaurem Natron. Die Methode, das Eisen als Chlo-
rid in Lösung durch unterschwefligsaures Natron zu bestimmen, wurde
von Mohr verworfen, da man stets zuviel des letzteren Salzes braucht,
weil es durch die in der Eisenchloridlösung stets überschüssig vor-
handene Salzsäure sofort zersetzt wird. Verf. berichtet, dass Essig-
91
säure dagegen das unterschwefligsaure Natron erst nach mehreren
Stunden zersetzt, und man daher bei Beachtung einiger Vorsichts-
massregeln folgende Methode anwenden könne. Die zu prüfende
Eisenverbindung wird in Salzsäure gelöst, essigsaures Natron zuge-
setzt bis sich die rothe Farbe des essigsauren Eisenoxydes zeigt, dann
wieder bis zum Verschwinden derselben Salzsäure zu getröpfelt, dann
unterschwefligsaures Natron zugesetzt bis die dunkle Farbe wieder
eintritt. der Ueberschuss des letztern wird nach Zusatz von Stärke-
kleister durch Titriren mit Jodlösung bestimmt. 3. L. Lamers, No-
tiz über Jodschwefel. Es ist bekannt, dass man Jod und Schwe-
fel in allen möglichen Verhältnissen zusammenschmelzen kann, man
"erhält aber nach H. Rose bei Sublimation eines Gemenges von Jod
und Schwefel kein Produkt von constanter Zusammensetzung. Nur
Guthrie hat die Bildung von Jodbisulfid bei Einwirkung von Jodäthyl
auf Halbchlorschwefel beobachtet. Verf. fand, dass bei langsamer
Verdunstung verschiedener Gemenge von Jod und Schwefel, gelöst
in Schwefelkohlenstoff, Krystalle resultiren, welche ziemlich constant
auf 96 pC. Jod ApC. Schwefel enthalten, die man daher als Dreifach-
Jodschwefel ansehen kann. Sie verlieren aber schon beim längern
Liegen an der Luft sämmtliches Jod und der Schwefel bleibt als Ge-
rippe des Jodschwefelkrystalles zurück. Beim Einleiten von Schwe-
felwasserstoff in eine verdünnte wässrige Lösung von Dreifach-Chlor-
jod-Chlorkalium entsteht ein intensiv orangerother Niederschlag, des-
sen Zusammensetzung Verf. zu S3J, Drittel-Jodschwefel gefunden hat.
Frisch dargestellt ist derselbe weich, nach dem Trocknen eine feste
amorphe Masse von schwarzbrauner Farbe. Aus fünffach Chlorjod
erhält man durch Schwefelwasserstoff einen röthlichen Jodschwefel,
der aber nur geringe Spuren von Jod enthält. — (Journal f. prakt.
Chem. Bd. 84, p. 328.) O0. K.
C. Lucknow, die Cochenilletincetur und ihre Anwen-
dung in der Alkali- und Acedimetrie. — Die Vortheile der
Anwendung der Cochenilletinetur gegenüber der Lackmustinctur lie.
gen darin, dass sie bedeutend empfindlicher als letztere ist und auch
zur Erkennung der Thonerde und der Metalloxyde angewendet wer-
den kann. Dann, da die Carminsäure eine stärkere Säure als die Koh-
lensäure ist, kann sie selbst zur Entdeckung des kohlensauren Kal-
kes und bei Bestimmung der kohlensauren Alkalien angewendet wer-
den. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 424.) 0. K.
A. Matthiessen und M. v. Bose, über einige Gold-
Zinn-Legirungen. — Verff. fanden ebenso wie Cooke von den
Zinn-Antimonlegirungen, dass Zinn und Gold sich verbinden und be-
stimmte krystallinische Formen hervorbringen können in andern Ver-
hältnissen, als ihren chemischen Aeguivalenten entspricht. Die Kry-
stalle, die Verff. darstellten, enthielten von 27,4 pC. bis 43 pC. Gold.
— (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 319). 0. K.
A. Matthiessen und M. v. Bose, über die Blei-Zink
und Wismuth-Zinklegirungen. — Es ist bekannt, dass Blei
92
und Zink, sowie Wismuth ünd Zink nicht in allen’ Verhältnissen Le
girungen mit einander bilden. WVerff. fanden, dass Blei nur 1,6 pC.
Zink, und Zink 1,2 pC. Blei auflöst; und dass Zink nur 2,4 pC. Wis-
muth, sowie Wismuth 8,6—14,3 pC. Zink auflöst. — (Ebda Bd. 84,
». 323.) 0. K.
Niepce de Saint-Victor, über Wirkungen der Elec-
trieität und des Lichtes. — Salpetersaures Uranoxyd, Weinsäure
und Citronensäure erhalten unter dem Einfluss der Eleectrieität die Ei-
genschaft Gold- und Silbersalze zu reduciren. Rother Wein wird ver-
ändert, und wird, ebenso auch weisser, alkoholreicher. Beim Stehen
an der Luft verschwinden diese Einwirkungen der Electrieität allmä-
lich wieder. Unter Einwirkung der Electrieität und des Sonnenlichtes
setzt das salpetersaure Uranoxyd einen wvioletten Niederschlag ab,
welcher durch Kali grün wird, und sich in Säuren mit seiner ur-
sprünglichen Farbe löst. Die Elemente einer einfachen Kette entwi-
ckeln in einer Auflösung von Oxalsäure und salpetersaurem Uranoxyd
schon in der Dunkelheit Electricität, in der Sonne verstärkt sich diese
Entwicklung bedeutend unter Abscheiden von Kohlenoxyd und oxal-
saurem Zinkoxyd. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84. p. 422.) O0. K.
Rommien, über den grünen Farbstoff französischer
Kreuzdornarten. — Der Farbstoff der Rinde von Rhamnus ca-
tharticus scheint nach des Verf. Untersuchungen mit dem chinesischen
Lo-Rao identisch zu sein, nur scheint er etwas haltbarer und das
daraus erzeugte Gelb nicht so brillant zu sein. — (Journ. f. pract
Chem. Bd. 84. p. 432.) 0. K.
H. Schiff, über Chromsuperoxyd und Chromsäure =
Am besten stellt man braunes Chromoxyd (Chromsuperoxyd) dar, in-
dem man chromsaures Kali mit Oxalsäure mengt, concentrirte Salpe-
tersäure hinzusetzt und erwärmt; durch Ausfällen mit Ammoniak
erhält man hieraus das braune Oxyd, aus dem durch Auswaschen
nur sehr wenig Chromsäure ausgezogen werden kann, während aus
dem durch Einwirkung von Chlorkalk auf Chromoxydhydrat darge-
stellten braunen Oxyde, noch bedeutende Mengen von Chromsäure
getrennt werden können. Chromsäure wird auch in den geringsten
Spuren nachgewiesen, wenn mnn die Lösung mit Schwefelsäure und
Guajak versetzt, indem bei Gegenwart derselben eine intensive Bläu-
ung eintritt. Die Reaktion liess auch erkennen, dass die Chromate
von Blei und Baryt etwas Weniges löslich sind. Wenn man Wein-
stein mit neutralem chromsauren Kali zusammenbringt, so entsteht
saures chromsaures Kali und neutrales weinsaures Kali. Eine Lö-
sung von Brechweinstein mit neutralem chromsaurem Kali versetzt
giebt eine blattgrüne Färbung; Natronsalze erzeugen dann einen weis-
sen Niederschlag. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXA, 207.) B.8.
C. F. Schönbein: 1. über das Verhalten des Chlors,
Broms und Jods zum wässrigen Ammoniak und den.alka-
lischen Oxyden. Man nimmt bis jetzt an, dass Chlor der wäss-
rigen Ammoniaklösung Wasserstoff "entziehe, und unter Bildung von
93
Chlorammonium den Stickstoff frei mache. Wenn man aber, in Chlor-
wasser Ammoniak bis zur alkalischen Reaction giesst, so hat die Flüs-
sigkeit noch die Eigenschaft Indigosolution zu zerstören, den Jod-
kaliumkleister auf’s Tiefste zu bläuen, und im Uebersehuss wieder zu
entfärben, die frische Guajaktinetur zu bläuen, überhaupt alle Re-
actionen der Hyperchlorite wie auch deren Geruch und Geschmack
zu zeigen, dann auch beiZusatz von Wasserstoffsuperoxyd eine merk-
liehe Entwicklung von Sauerstoffgas zu erzeugen. In der Kälte all-
mälich, schnell in der Wärme verliert die Flüssigkeit obige Eigen-
schaften. Verf. betrachtet daher den Vorgang bei der Einwirkung
des Chlors auf Ammoniak so, dass sich zuerst unterchlorigsaures Am-
moniak. bilde,-dieses sich aber nach der gewohnten Gleichung
3NH,0.C0 = 2N + NH,Cl + 2HCl + 6HO
zerlege. Bei der Einwirkung des Jodwassers und Bromwassers auf
Ammoniak lassen sich dieselben Erscheinungen beobachten, bedin-
gen daher: dieselbe Erklärung. Die Erscheinungen, welche bei Ein-
wirkung des Jodwassers auf Kalilösung stattfinden, gleichen ebenfalls
den vorhin angeführten. Die Aehnlichkeit, welche das Jod aber auch
sonst mit dem Chlor hat, lassen daher: hier umsomehr auf die Exi-
stenz einer unterjodigen Säure schliessen, wie dieselbe Sauerstoffver-
bindung vom Chlor längst bekannt ist. Es wird sich demnach beim
Zusammentreffen von Jod und Kali zuerst Jodkalium und Kalihypo-
jodit, aus letzterem dann sehr bald Jodmetall und Jodat bilden, da
die Hypojodite noch viel weniger Beständigkeit als die Hypochlorite
zu. besitzen scheinen. Das Auftreten des Jodstickstoff erklärt sich
nach Verf. ebenfalls aus der Umsetzung des unterjodigsauren Salzes.
U, Ueber das Vermögen des Jodkaliums, freies Jod gegen
die Einwirkung freien Kalis zu schützen. Wenn concentrir-
tes Jodwasser eine bestimmte Quantität einer Kalilösung zu seiner
Entfärbung braucht, so braucht eine gleiche Quantität desselben Jod-
wassers, 'wenn es vorher mit Stärkenkleister versetzt wird, eine grö$-
sere Quantität derselben Kalilösung zur Entfärbung; ganz unverhält-
nissmässig steigt aber die Quantität der zu verwendenden Kalilösung,
wenn das Jodwasser mit Jodkalium versetzt worden ist. Umgekehrt
bläut sich ein aus Jodwasser und Stärkekleister bestehendes Gemisch,
welches durch eine hinreichende Menge Kalilösung entfärbt ist, wie-
derum tief bei Zusatz von Jodkalium. Es schützt also der Stärke-
kleister, bedeutend mehr aber noch das Jodkalium bis zu einem ge:
wissen Grade das Jod gegen die Einwirkung des freien Alkalis, Da
die Hypochlorite freies Jod mit grosser Leichtigkeit zu Jodsäure oxy+
diren, so war anzunehmen, dass sie auch alkalische Jodmetalle sofort
in Jodate verwandeln würden, Tröpfelt man nun aber ein Hypochlo-
rit zu Jodkaliumlösung, so bräunt sich die Flüssigkeit und bläute sich
bei Anwesenheit von Stärkekleister. Da die Ausscheidung von Jod
nur’unter Freiwerden von Alkali möglich ist, so ist hier wieder die
Erscheinung wahrzunehmen, dass freies Jod neben freien Kali bei An-
wesenheit von Jodkalium in einer Flüssigkeit existiren kann. Jeden-
94
falls stehen diese Erscheinungen mit der Erscheinung, dass ozonisir-
ter Sauerstoff Jod aus Jodkalium ausscheidet, in Zusammenhang.
III. Ueber das Verhalten der Superoxyde des Wasserstoffs
und Baryums zum Jod und Jodstickstoff stellte Verf. eine
Reihe von Versuchen an, in denen er seine Ansicht, dass Jod eine
posit. activ. O Wasserstoff- und Baryumsuperoxyd eine negat. activ, O-
haltige Verbindungen seien, bestätigt findet. Wässrige Jodlösung
und Wasserstoffsuperoxyd wirken, der bisherigen Meinung entgegen,
kräftig auf einander; dass Gemisch entfärbt sich sofort, und röthet
nach dem Abdampfen Lackmuspapier, bläut allein nicht, doch mit
Hilfe von Chlorwasser den Stärkekleister, kurz zeigt die Reactionen
der Jodwasserstoffsäure, obgleich sich Jodwasserstoffsäure und Was-
serstoflsuperoxyd zersetzen. Führt man in alkalihaltiges Wasserstoff-
superoxyd fein zertheiltes Jod ein, so erfolgt eine stürmische Ent-
wicklung von gewöhnlichem Sauerstoffgas, und wird sofort eine farb-
lose und geschmacklose Flüssigkeit erhalten. Es lässt sich hiebei
also nicht die Bildung eines Hypojodites beobachten, aber ebensowe-
nig auch die eines Jodates. Verf. erklärt daher den Vorgang: das
posit. activ. O des Jod und negat. activ. © des Wasserstoffsuperoxydes
vereinen sich zu gewöhnlichem Sauerstoff, wodurch das Jod zu einem
Oxyde reducirt wird und sich mit dem Kali zu Jodkalium vereint.
Baryumsuperoxyd und Jod verbinden sich zu Jodbaryum und gewöhn-
lichem Sauerstoff ohne Entstehung von Jodat. Verf. macht darauf
aufmerksam, dass nach seiner Anschauung es natürlich ist, dass Jod
mit Baryumoxyd nicht Jodbaryum und Sauerstoff bildet. Ausgewa-
schener Jodstickstoff mit wässrigem Wasserstoffsuperoxyd in Berüh-
rung gesetzt entwickelt Sauerstoffgas mit etwas Stickstoff gemengt
daneben entsteht Jodwasserstoffsäure, Jodammonium und eine Spur
Jodsäure, so dass die Constitution des Jodstickstoffs als einer Ver-
bindung von eigentlichem Jodstickstoff mit Ammoniak wahrscheinlich
wird. IV. Ueber das Verhalten des Jods zum Stärkeklei-
ster und reinen Wasser bei höherer Temperatur. Durch
Jodwasser gebläuter Stärkekleister wird bei der Temperatur des sie-
denden Wassers entfärbt, beim Erkalten tritt die blaue Färbung wie-
der hervor. Unterhält man aber die Siedehitze genügende Zeit in
einem verschlossenen Gefässe, so tritt beim Erkalten keine Färbung
ein. Es rührt dies nicht vom Verflüchtigen des Jod sondern von der
Bildung von Jodwasserstoffsäure her, denn die Flüssigkeit reagirt
sauer, und erhält ihre blaue Farbe wieder, wenn man verdünnte Schwe-
felsäure und wenige Tropfen einer alkalischen Nitritlösung hinzusetzt.
Auch wässrige Jodlösung allein, einige Stunden in engen Röhren der
Hitze kochenden Wassers ausgesetzt, verliert die Fähigkeit Kleister
zu bläuen. Es bildet sich hier aber zugleich neben Jodwasserstoff-
säure auch etwas Jodsäure, welche beiden Säuren in stark verdünn-
ten Lösungen sich nicht zur Wasser und Jod umsetzen, wie in con-
centrirtern. V. Ueber das Verhalten desAldehyds zum Sauer-
stoff. Nicht der gewöhnliche Sauerstoff ist es, welcher den Aldehyd
9
ebenso wie das Bittermandelöl oxydirt, sondern es muss zunächst die
Bildung des Ozons hiebei eingeleitet werden. Setzt man in einem
Gefässe Sauerstoff und Aldehyd’ dem Sonnenlichte oder selbst zer-
streuten Tageslichte aus, so weisen alle Reactionen neben dem Auf-
treten der Essigsäure, das des Sauerstoffs nach. Im Dunkeln tritt
die Bildung von Ozon nicht ein, es wird daher hier auch nicht der
Aldehyd von Sauerstoff oxydirt. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84.
p. 385.) 0. E.
€. F. Schönbein, über einige durch die Haarröhr-
chenanziehung des Papiers hervorgebrachte Trennungs-
wirkungen. — Taucht man einen Papierstreifen mit dem einen Ende
in, ‚eine verdünnte wässrige Lösung von Alkalien, Säuren, Salzen oder
Farbstoffen, so steigt dieselbe vermöge der Capillarität in: die ‚Höhe.
Jedoch bewirkt das Papier hierbei eine Trennung sowohl des Was-
sers als der verschiedenen darin gelösten Stoffe von einander, in-
dem dieselben mit verschiedener Schnelligkeit der Capillarattraction
des Papiers folgen, und daher beim Unterbrechen des Aufsaugens
durch das Papier bis zu verschiedenen Stellen in demselben vorge-
rückt sind. Es lässt sich hieraus vielleieht für die qualitative Analyse
ein Vortheil ziehen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, p.410.) 0.K,
L. €. Le Voir, Notiz über Ammoniakgehalt des de-
stillirten Wassers und Eisenoxyd in statu nascenti. —
Das Eisenoxyd ist in statu nascenti im Stande die Alkalien aus ihren
Salzen abzuscheiden. Eisen an Messing gelöthet und in Kochsalzlö-
sung rostend giebt Krystalle von kohlensaurem Natron auf der Ober-
fläche des Messings; ist Salmiak zugegen, so bemerkt man Ammoniak-
entwicklung. Man hat bemerkt, dass Eisentheile in destillirtem Was-
ser rostend, darüber hängendes Lackmuspapier bläuen. Dies rührt
davon her, dass das destillirte Wasser meist eine Spur Ammoniak-
salze enthält, mit denen durch das entstehende Eisenoxyd Ammoniak
frei gemacht wird. (Journ. f. pract. Chem. Bd. 84, 326.) O.K.
> b. Angewandte Hague, über den Guano von den Inseln
des stillen Oceans. — Seit einigen Jahren erscheint ein an phos-
phorsauerm Kalk reicher Guano im Handel unter dem Namen Amerikani-
scher Guano, der auf einigen Inseln des stillen Oceans, besonders Baker,
Howland und Jarvis gefunden wird. Charakteristisch für ihn ist seine
Armuth an Ammoniak und löslichen Salzen. Der Verfasser hat nun
1) den Baker Guano der Untersuchung unterworfen und nennt den
von dem nördlichen Theile der Insel Nr. I, von dem südlichen Theile
Nr. II, der von der Oberfläche der Schichten Nr. III.
das Ergebniss war Nr. I. 10%, IIL
Feuchtigkeit 1,82 2,92 11.15
Glühverlust 8,50 8,32 “rl
Kalk 42,34 42,74 40,93
Magnesia 2,75 2,54 0,74
Schwefelsäure 1,24 1,30 5,66
Phosphorsäure 40,14 39,70 40,47
Kohlensäure, Chlor und Alkalien 3,21 2,48 0,45
100,00 100,00 100,00
96
Nr. L ist trocken, dunkelbraun, grobkörnig und schliesst Wur-
zeln und Fasern ein, sowie kleine weisse Körperchen, die Liebig als
Krystalle von Phosphorsaurer Ammoniaktalkerde erkannt hat,
Nr. U. ist feuchter, leichter, mehr roth und enthält wenig
Pfianzentheile.
Nr, III. hat ein krustenartiges Ansehen und ist jedenfalls den
auslaugenden Wirkungen des Wassers am meisten ausgesetzt ge-
wegen. \ &
Der Guanolagerplatz in Schichten, die von 15 .‚Centimeter bis
zu 1 Meter von dem Rand nach, der Mitte stärker werden, ist ‚von
Sand, Korallen und Muscheln umgeben.
Der Guano von der Insel Howland kommt ‚gewöhnlich in 2
Sorten vor.
Nr: üL\sto,. H+82
Feuchtigkeit 1,83 4,12
Glühverlust 8,65 22,63
Unlöslich in Salzsäure
(unverbrannte org. Subst.) 1,95 2,00
Kalk 42,00 36,90
Magnesia 2,65 1,24
Schwefelsäure 1,33 0,58
Phosphorsäure 39,65 30,80
Kohlensaure Chlore Alkalien 1,94 1,67
100,00 10,000
Nr. I ist heller kommt aus tieferen Schichten und enthält we-
nig Pflanzeneinschlüsse, Nr. II dagegen dunkler und schliesst viele
kleine Wurzeln und Fäserchen ein.
Beide Sorten enthalten Korallenstückchen, in denen die Kohlen-
säure des Kalkes durch Phosphorsäure ersetzt ist. Viele dieser Ko-
rallen enthielten bis zu 70 °/, phosphorsauren Kalkes. Oft fand man
einen festen Kern von kohlensaurem Kalk, umhüllt von einer zerreib-
lichen Hülle von phosphorsaurem. Der Guanoplatz liegt in .der
Mitte der Insel. —
Der Guano von Jarvis endlich kommt nur in einer Sorte in den
Handel und zwar ergab die Analyse
Feuchtigkeit 0,12
Glühverlust 9,62
Kalk 38,22
Schwefelsäure 1,93
Phosphorsäure 50,04
Nicht bestimmte Stoffe 0,27
Dieser Guano ist sehr hell, fast weiss und da die Insel Jarvis
auf dem Korallengrund noch eine oft 60 Centimeter starke'Gypsdecke
hat, so kam es oft, vor, dass man den Gyps für Guano hielt und so
ohne es: zu wollen..die Güte dieses Handelsartikels mit Unrecht in
Misskredit brachte. (Sillim. Amerie. Journ. ZXXIV. Sept.) 2. D.
97
Geologie; Rammelsberg berichtet über den letzten
Ausbruch des Vesuvs am 8. December 1861 nach den Mitthei-
lungen von Guiscardi, Palmieri und Deville. — Am genannten Tage
zeigten sich starke und dauernde Erdstösse, welche man Mittags in
Neapel verspürte und um 4 Uhr Nachmittags begann die vulcanische
Thätigkeit oberhalb Torre del Greco mit einer Reihe von Dampfsäu-
len, welche sich bald in eine lange das Haus des Dedonne verschlin-
gende Spalte verwandelten. An vielen Stellen dieser Spalte schleu-
derten Dämpfe Lapilli und Asche empor, während in der Mitte ge-
krümmte Blitze mit Donner sich zeigten. Zugleich flogen Stücke
glühender Lava empor und es brach ein Strom von Lava hervor, der
sofort in erkaltende Schlacken sich zertheilte, gegen Torre del Greco
sich-wendend, aber schon Abends 11 Uhr zu fliessen aufhörte. Gleich-
zeitig. verstärkte der obere Krater seinen Dampf durch Auswürfe vul-
eanischer Asche. Andern Morgens beim Besuch des Berges fanden
PB. und G. schon in Portiei vulcanische Asche, die Gebäude in Torre
del-Greco: von oben bis unten zerrissen, gleich wie die Lava von 1794
von :Spalten durchsetzt von Asche und frischer Lava. bedeckt war.
Die Eruptionsmündungen‘ der letztern liegen in einer NO-SW-Reihe,
Schlacken und Asche bildeten schon einen länglichen Hügel, aus der
entferntesten Oeffnung: drangen Fumarolen hervor, in denen Wasser-
dampf und schweflige Säure sich bemerkbar machten. Aus den tiefer ge-
legenen Oeffnungen wurden die pulverigen Materien mit glühenden
Lavastücken unter brüllendem Getöse ausgeworfen, in das der obre
Krater einstimmte. Erstre Thätigkeit hörte in der folgenden Nacht
auf,. der grosse Krater beschränkte seine Auswürfe auf einen Tag,
aber am 14.:December stürzte die Punta von 1850 zusammen. Mit
der, Eruption begann eine Bodenhebung zu Torre del Greco 2 Tage
lang, ‚wobei der auf der Lava von 1794 liegende Stadttheil stark litt.
Die , Wassermenge: der Brunnen erschien vermehrt, am Meeresufer
brachen Quellen, hervor , ja der grosse Stadtbrunnen überschwemmte
seine; Umgebung. Ueberall drang Wasser mit Kohlensäure hervor,
selbst im; Meere, wo viele Fische starben.‘ Die Bodenerhebung be-
trägt 1,12 M., bei Torre'di Basano 0,3 M. Unter den Sublimaten der
Fumarolen war Schwefel häufig’ und Schwefelwasserstoff, hie und da
aueb Alkalichlorüre‘ durch Eisenchlorid gefärbt. ‘Deville traf am 17.
December in. Neapel ein, fand die submarinen Mofetten nur theilweis
aus! Kohlensäure bestehend, ohne Sauerstoff, aber mit Stickstoff und
Kohlenwasserstoff. Die Gase aus den Spalten der alten Lava am
Lande enthielten. 96532 C, und nur: 3,68 N und Kohlenwasserstoff, die
aus! dem! Meere. nahe‘ am Lande 88,60 C, ‚fern. von der: Küste 11,54
noch! am, 1.. Januar; ihre Temperatur 20° bei der alten Lava, und das
Meerwasser 32°... Die/ jetzige ‚Spalte ‚entspricht ganz der, vom Juni
1794, deren. Strom Torre, del; Greco zerstörte,. Sie liegt‘ z. Th, im
Tuff, und die Auswürflinge kleiner Oeffnungen zeigen diesen, körni-
gen dolomitischen Kalkstein, Aggregate‘ von Glimmer, Vesuvian, Ne-
phelin;, . Von 10: Vertiefungen der obern Spalte haben nur 2. Lava ger
XXL 1863, 7
98
liefert, welche sich gegen S dann SW verbreiteten, die übrigen war-
fen Asche und glühende Blöcke aus. Der stumpfwinklig folgende
untre Theil der Spalte mit 3 Oeffnungen in der Lava von 1794 lie-
gend lieferte keine festen oder flüssigen Produkte. Noch am 26. Ja-
nuar war die Umgebung beider Lavakrater und die sie trennende ge-
zackte Schlackenmauer glühend in Folge der massenhaften Entwick-
lung von Chlorwasserstoff- und schwefliger Säure, von Chlorkalien,
Oxyden, Chloriden von Eisen und Kupfer. Gegen S. waren kältere
Lavastellen mit Flocken von Salmiak bedeckt, gegen N. mit Subli-
maten von Chlornatrium und Eisenchlorid. Später erschienen 'Was-
serdampffumarolen reich an Chlorwasserstoffsäure. Auch die Bildung
der Chlorkalien hörte auf und die Temperatur sank allmählig. Trotz
der häufigen Chlorverbindungen fand sich auch Schwefel theils in
Klümpchen an der Oberfläche geflossen theils in kleinen scharfen
Rhombenoctaedern fadenförmig gereiht. Ueberraschend schnell wech-
selt die chemische Beschaffenheit der Fumarolen. Am 4. Tage nach
der Operation brannte Kohlenwasserstoff an Spalten und am grossen
Brunnen von Torre del Greco, der aber von Kohlensäure verdrängt
wurde, welche im Steinbruch von Scarpi 5 Arbeiter betäubte und. am
9. Januar noch den Zugang verwehrte. Auch der grosse Strom von
1831 entwickelte aus seinen Spalten viel Kohlensäure, welche zu St.
Maria di Pugliano die Keller erfüllte, auf der Strasse kleine Haus-
thiere tödtete und die Kinder zu hüten nöthigte. Das dauerte bis
Ende Januar. Allmählig verminderten sich die Gasausströmungen,
wobei aber ihre Temperatur stieg, denn das Gas aus einer Spalte
hatte am 23. December 12%, dann längere Zeit 20°, am 5. Februar
47%. Deville schliesst, dass im Anfang sich vielleicht reines Kohlen-
wasserstoffgas entwickelt habe, darauf Kohlensäure und später noch
Schwefelwasserstoff und heisse Wasserdämpfe gefolgt seien, und’ meint
ferner, dass nur ein kleiner Theil der Lava ausgeflossen, der grössere
in die Höhlungen des alten Stromes von 1794 eingedrungen sei, wel-
ches zugleich die Verwüstungen Torre del Grecos am untern Ende
dieses Stromes erklärt. Der ergossene Lavastrom hat einen Lauf von
1860 M. und bedurfte dazu 7 Stunden (nahe 0,75 M. in der Secunde).
Charakteristisch ist ihre Discontinuität, ihre schlackige Beschaffenheit
und selbst bei 8-10 M. Mächtigkeit sind es nur Anhäufungen schar-
fer Blöcke, in der bizarresten Weise gehäuft... Den Grund davon bil-
det die Neigung des Bodens, welche durchschnittlich 5° beträgt. Die
Blöcke zeigen schon eine röthliche oxydirte Oberfläche, während die
ältern compakte Stöme noch ein frisches Ansehn haben und während
diese noch heisse Dämpfe entwickeln, sind die einzelnen Blöcke schon
ganz kalt und ohne alle Thätigkeit: Am interessantesten an der Lava
von 1858, welche durch zahlreiche successive Ausbrüche einen 'gros-
sen Raum bedeckt, ist die Art, wie sie auf horizontaler oder kaum
geneigter Basis sich vorwärts bewegt hat. Anstatt die Unebenheiten
auszufüllen und eine ebene Oberfläche herzustellen, hat sie auch d&
wo sie compackt erscheint unzählige Höhlungen gebildet und ihre!
99
Kruste reisst und berstet überall sehr leicht. Die Lava von 1861
ist wenig krystallinisch, in der schwarzen Masse liegen jedoch viele
Leucitkörner. Die Augitkrystalle sind zahlreich, selten Olivinkörner,
Glimmer’in kleinen braunen sechsseitigen Tafeln. Es lassen sich zwei
Lavaabänderungen unterscheiden, eine von krystallinischer oder dich-
ter Masse stark magnetisch, die andere glasig oder harzartig nicht
oder kaum magnetisch. Bei der schnellen Erkaltung des Stromes
wär auch dessen chemische Thätigkeit nur kurz. An seinem untern
Ende schloss er ein Haus fast ein und liess eine schöne Palme ver-
schont. 'Hier waren am 21. December zwei Arten von Furmarolen
in den Lavaspalten: die einen bildeten schwache Absätze von Chlorna-
trium und’hatten sehr hohe Temperatur, die andern entwickelten stark
weisse Dämpfe; jene waren anfänglich trockne Furmarolen, jetzt ent-
hielten sie schon etwas Wasserdampf, schweflige und Chlorwasser-
stoffsäure, die andern‘ bestanden aus Wasserdämpfen und Chloram-
monium.' Schon im Laufe des Januar verschwanden diese Erschei-
nungen. Dagegen hatten im obern Laufe des Lavastromes die Fu-
marolen anfangs Alkalichlorüre und darüber Salmiak abgesetzt. Die
Temperatur war hier am 18. December sehr hoch und noch am 15.
Februar schmolz Zink. Zu dieser Zeit aber waren sie sauer und setz-
ten Schwefel ab, wie denn der Schwefelwasserstoff das letzte Glied
in’ der Reihe der-successiv auftretenden Gasbestandtheile der Fuma-
rolen zu sein scheint. — (Geol. Zeitschr. XIV. 367-374.)
J. Jokely, @uader und Pläner im Bunzlauer Kreise
Böhmens. —- ‘Nach’ einer kurzen Skizzirung der topographischen
Verhältnisse 'hebt Verf. die fast ungestörte Lagerung der Quaderge-
bilde 'einerseits und ‘die bedeutenden Schichtenstörungen andrerseits
hervor. In'S des Bunzlauer und SO des Leitmeritzer Kreises meist
ein'flaches S-Einfallen von 15 bis 200°. Gegen das Leitmeritzer vul-
eanische Mittelgebirge zu wird die Neigung steiler, um einzelne Pho-
nolith-‘oder Basaltkerne schon erhebliche Störungen, die grössten aber
zeigen sich in der merkwürdigen Aufrichtungszone der Quadersand-
steinbänke und z. Th. des Rothliegenden, welche am S-Rände des
Oberlausitzer- , Jeschken- und Riesengebirgs von Sachsen herein auf
weite Erstreckung steil aufgerichtete und umgekippte Schichten wahr-
nehmen lässt. Der isolirte rothe Gneiss bei Maschwitz inmitten des
Quadersandsteines scheint‘ wenn jener auch mit dem letzteren und
den darin in unmittelbarer Nähe nördlich blos liegenden Quadermer-
gel durch den Phonolith des Maschewitzberges in etwas dislocirt wor-
den, doch eine schon während der Ablagerung des Quadersandstei-
nies höher emporragende Felseninsel gewesen zu sein. Stratigraphisch
hat daher das Quadergebiet wenig auffallendes und seine Störungen
sind leicht‘ zu erklären.’ Mehr Interesse ' bietet seine Gliederung.
Das Verhalten des Quadersandsteines und Quadermergels liegt meist
deutlich vor. In N des Kreises, wo theilweis eine mächtige Quader-
sandsteindecke vorhanden, findet sich der Quadermergel blos in sei-
ner obersten Bank vereinzelt im Quadersandstein, in dem tiefen Thal-
1
100
einschnitte hat, man, bereits drei solcher; Bänke, die unterste über. 10
Klafter mächtig. Noch südlicher im ganzen Iserthale und dessen Ne-
benthälern bietet jede höhere Lehne wenigstens 2 mächtigere Qua-
dermergelbänke im Quadersandstein, dazwischen noch eine schwä-
chere. Ebenso an den Gehängen der östlichen Zuflüsse der Elbe.
An den rechten Elbgehängen von Melnik über Wegstädt bis Ruscho-
wan bildet Quadermergel ununterbrochen die steilen Lehnen und tritt
unter dem Pläner, noch weiter abwärts hervor... Bei Lobositz beginnt
das ausgedehnte Plänergebiet des Leitmeritzer. Kreises. InS schnei-
det dasselbe scharf an der Egerspalte ab, nimmt aber. rechts;der Eger
die durch diese und die Elbe gebildete N-Landspitze um. Doxan ein,
um dann bei Duschnik wieder dem Quadermergel zu weichen, der in
S des Kreises herrscht. Von Auscha bis Dauba wieder mächtige
Quadermergel im Quadersandstein, die Bänke bei den häufigen Schich-
tenstörungen nicht, mehr ununterbrochen zu; verfolgen. ‚Die dünnen
Schichten pflegen ein viel. gröberes, Korn zu haben und. kein mergli-
ges Bindemittel sondern krystallinischer ‚Kalkspath. An: Glaukonit
sind sie höchst arm. Bisweilen scheidet den Quadermergel vom Qua-
dersandsteine eine Letten- und Lettenschieferlage hin und wieder, von
limnischem Charakter. . Dabei finden sich oft vollkommen plastische
Thone neben andern eisenschüssigen Lagen.. Meist gehen, jedoch
beide Glieder: durch Vermehrung oder Veränderung. des, Kalkgehal-
tes ganz allmählig in einander über und der Absatz. beider, war. ein,
völlig, ununterbrochener.. ‚Für diesen, innigen Zusammenhang spricht
auch ihre Fauna. Die, charakteristischen . Arten, kommen in beiden
zugleich ‚vor. Immerhin können, einzelne Localitäten leicht zu einer
falschen Deutung, verleiten. , So namentlich: indem südlichen Theile
des Leitmeritzer. und Bunzlauer Kreises bildet der Quadermergel.die
oberste Schicht und wird dann unmittelbar von Pläner, überlagertiund
mit diesem eng, verbunden, und, daher die Annahme, eines ’nachturo-,
nen Quaders. scheinbar gerechtfertigt. Unzweifelhaft; aber ist es, (dass:
vor, Ablagerung, des Pläners höchst bedeutende Veränderungen in. der
Oberflächengestaltung der Quadermasse statt.hatten. Die,höhern Schich-.
ten, wie sich die Sandsteine, in,.der sächsischböhmischen Schweiz .dar-
stellen wurden theilweise fortgeführt, theils gänzlich zerstört bis, auf
die tiefer gelegenen Quadermergelbänke und, so kommt es, dass,der,
Pläner. theils ‚auf. Quadermergel theils, auf, Quadersandstein ruht. | Die,
grosse Verschiedenheit in den Niveaus, . welche sich zwischen., den,
Schichten des Quaders und Pläners. kund. gibt, ‚beruht, offenbar, auf
jenen Verwerfungen während ‚der vulcanischen Beriode, — Das Plä-
nergebiet des Saatz-Leitmeritzer Kreises. ist das. ausgedehnteste in:
Böhmen. ‚Es, nimmt vorzugsweise die,W-Gegenden, von der Elbe 'zwi-
schen .der Eger; und. Birla ein.. Südlich, vom,.Leitmeritzer; Mittelge-,
birge, erstreckt. .es sich ununterbrochen; über. die, dortigen: hochflächi-:
gen. Ebenen, aber im Bereich, ‚der, Kegelberge..von: Basalttuffen und)
Conglomeraten ‚bedeckt liegt es nur.in tiefen T'hälern. ‚bloss. .Aehnlich:-
nördlich.der Birla bis. Bodenbach, dann östlich der,Elbe, ‚Nur, bei,
101
Leitmeritz liegt ein breiter Plänerstreifen am S-Rände des Basaltge-
birges entblösst. Von da nördlich und östlich der Elbe bis zur Iser
weicht der Pläner fast ganz dem Quader. Dieser einförmigen Ge-
gend stellt sich an der O-Seite der Iser ein vielfach gegliedertes Wel-
lenland entgegen, ein zweites Plänergebiet. Ausserdem tritt hier di-
luvialer Schotter und Sand auf und ausgedehnte Alluvien. Petrogra-
phisch und paläontologisch ist dieser Pläner hinlänglich bekännt.
Seine höhern Schichten pflegen milde, bisweilen lettenschieferartig
zu sein. Die mergligen Schieferthone von Altlenzl und Obertenzel
gehören ihm an wie alle im Leitmeritzer Mittelgebirge unter vulca-
nischen Sedimenten zu Tage tretenden ähnlichen Schichten. Derselbe
thonige Mergel bildet in isolirten Partien die dem Quadermergel oder
Sandstein aufgesetzten hügelförmigen Kuppen rechts der Iser, von
Basalt durchsetzt an mehren Orten. Auch auf der linken Iserseite
erscheint er nördlich noch in solchen Lappen, ferner in schmalen
Streifen längs dem N-Abfälle des Musky-Gross-Skaler Quadersand-
steinmässivs. Hier aber fehlt Plänerkalk gänzlich, die ganze Ablage-
rung ist eine geologisch völlig ungegliederte. Aber interessant ist
das Auftreten von Sandstein immitten des Pläners. Es ist ein gelb-
Hichweisser, feinkörniger bisweilen kalkiger Quarzsandstein in Bän-
ken und Lagen, mit denselben Petrefakten wie die Mergel. Dieser
Plänersandstein ist also wesentlich verschieden vom Quadermergel.
Verf. bespricht noch einige untergeordnete Verhältnisse. — (Jahrb.
Geol. Reichsanst. XII. 367-378.)
Pissis, Geologie der Cordilleren zwischen dem Co-
piapo und Choapa. — Eine syenitische Achse erstreckt sich durch
diesen ganzen Raum parallel der Kammlinie des Gebirges etwas west-
lich von derselben. Zu ihren beiden Seiten erscheinen zuerst trachy-
tische Gesteine und dann die ganze Flötzgebirgsreihe vom Gneiss
bis zum Lias. Letztrer tritt jedoch nur in Osten der Syenitachse
auf, beschränkt sich auf kleine Stellen auf den höchsten Gipfeln und
führt allein Versteinerungen (vergl. Burmeister und Giebel, Liasver-
steinerungen im Thal der Junta). Die Spalten, durch welche die sye-
nitischen und trachytischen Gesteine hervorbrachen, sind einander
vollkommen parallel. Ebenso wiederholt sich die Hebungsrichtung
der Haupt-Andeskette in den westlichen Cordilleren Chilis. Einer
dieser Gebirgsrücken lässt sich ununterbrochen acht Grade weit vom
Vulcane von Tuiguirivica bis in die Wüste von Atakama verfolgen
und überall begleiten die Trachyte die Syenite. Selbst die geringe
Abweichung von 6°, welche P. anfangs zwischen den beiden Kreisen
der Hebungssysteme gefunden, scheint davon herzurühren, dass in
S-Chili die Syenitmassen keine zusammenhängende Linie mehr bilden
und die Örientirung der Kreise daher nur annähernd möglich war.
Die zum Systeme der Ostanden gehörenden und vom Verf. schon in
der Wüste von Atacama nachgewiesenen Rücken setzen auch in die
Provinz Coquimbo fort, wie sie im Thale von Choapa ihr Ende zu
erreichen scheinen. — (Cömptes rendüs LIl. 1147.)
102
Ed. Suess, der Boden der Stadt Wien nach. seiner Bil-
dungsweise, Beschaffenheit und seinen Beziehungen zum bürgerlichen
Leben. Eine geologische Studie. Mit 21 Holzschnitten und einer
Karte. Wien 1862. 8°. — Der erste Abschnitt bespricht nach Dar-
legung der betreffenden Literatur die-Lage Wiens, die Oberfläche und
Gewässer, der zweite die tertiären, diluvialen und alluvialen Bildun-
gen, der dritte das Auftreten der einzelnen Schichten in Wien der
vierte endlich ist den. Beziehungen des Bodens zum bürgerlichen Le-
ben jedoch nicht allseitig genug gewidmet. Die Schrift ist, nicht blos
für Fachgeologen bestimmt, sondern beansprucht ein allgemeines In-
teresse und wird Jedem, der mit der Geognosie auch nur ganz allge-
mein betraut ist, verständlich sein, und reiche Belehrung gewähren.
@l.
Orycetognosie. Goebel, Ad., das Erdeessen in Per-
sien und Analysen solcher Substanzen. — Das Essen mine-
ralogischer Stoffe ist nirgends so verbreitet wie in Persien, wo diese
Substanzen sogar einen bedeutenden Handelsartikel bilden, doch nur
bei dem niedern Volke und ganz besonders den Frauen. Schon Ed-
drisi (F 1159) gedenkt eines blendend weissen Thones der weit ver-
führt wird um gegessen zu werden, ebenso andere ältere Reisende,
während neuere nichts davon erwähnen, weil sie eben nicht darauf
achteten und doch ist es z. B. in Kaschan und Kum ganz leiden-
schaftlich. G. traf die essbaren Erdarten in vielen Bazaren. Beson-
ders sind es zwei Erdarten, Ghel i Giveh von Kirman, und Ghel
Mahallat von Kum in den Handel gebracht. Letztere ist ein blen-
dend weisser fettiger Thon stark an der Zunge klebend und findet
sich im Gebirge Mahallat massenhaft. Er saugt begierig Wasser auf
bis 5l pC. seines Gewichtes, ohne zu zergehen. Bei 250-maliger
Vergrösserung zeigt er keine Spuren von Organismen. Im Kolben
erhitzt, gibt er alkalisch reagirendes Wasser, ist vor dem Löthrohr
unschmelzbar, färbt sich mit Cobaltsolution schön blau. Er besteht
aus 43,115 Kieselerde, 0,052 Kali und 19,398 Wasser und hat die
Formel Al,0;, 2SiO2 + 3HO. Er steht dem Steinmark und Halloy-
sit am nächsten, von beiden durch seinen Wassergehalt verschieden.
G. nennt ihn Mahallatin und reiht ihn dem Porzellanthone unmit-
telbar an, von welchem er eine der reinsten Varietäten repräsentirt.
Die andre Art Ghel i Giveh, Thon von Giveh kömmt SO. von Kir-
man im Gebirge Häsar vor und zwar in reinweissen harten Knollen
mit Flecken organischer Materie auf ihren Kluftflächen, feinerdig,
nicht fettig, schwach an der Zunge haftend, von salzigem Geschmack.
Gibt im Kolben etwas Wasser und besteht aus einem Gemenge von
vorwiegend Magnesiacarbonat mit etwas Magnesiahydrat und kohlen-
saurem Kalk. Das Microskop zeigte weder Organisches noch Kry-
stallinisches darin. Die Analyse ergab bei zwei Proben:
1. II.
kohlensaurer Kalk 14,680 23,500
kohlensaure Magnesia 78,162 68,757
103
I II.
Magnesiahydrat 1,385 2,985
Chlornatrium 1,773 1.946
schwefelsaures Natron 0,314 f
Wasser 3,308 2,812
Das Mineral reiht sich hienach dem Hydromagnocaleit an. Beide
Substanzen enthalten weder etwas Nährendes noch etwas auf das
Nervensystem wirkendes. .Die trockene Hitze in den meisten persi-
schen Ebenen und das unthätige Leben vieler Orientalen, zumal der
Frauen hat ein vermindertes Nahrungsbedürfniss zur Folge und jene
Substanzen werden daher genossen nur um den Magen mit völlig in-
differenten Stoffen zu füllen, das Gefühl einer vermeintlichen Sättigung
zu gewähren. — (Bulletin Acad. St. Petersbg. V. 397—407.)
Derselbe, Analyse der Zinkblühte von Tafl in Per-
sien. — Das Dorf Tafl liegt auf dem Wege von Jesd nach Teheran
zwischen Dolomitvorbergen des Schirkuhgebirges.. Eine Höhle im
Dolomit führt reiche Mangan-, Eisen- und Bleierze. Zinkspath, Ku-
fergrün und Bleispath treten in Drusenräumen und fein eingesprengt
auf und am Eingange der Höhle Sinterkrusten von Zinkblühte. Die
Analyse dieser ergab folgende Bestandtheile:
kohlensaures Zinkoxyd 42,256
> Bleioxyd 0,513
5 Kupferoxyd 0,749
in Manganoxydul Spur
kieselsaures Zinkoxyd 0,523
Zinkoxydhydrat 55,361
99,402
woraus G. die Formel 5(ZnO,CO;2) + 8(ZnO,HO) -+ HO berechnet.
Das Mineral schliesst sich hienach derjenigen Zinkverbindung an,
welche auf künstlichem Wege als Niederschläge von Zinksalzen aus
wässeriger Lösung durch kohlensaure Alkalien erhalten werden. Die
Art des Auftretens in traubigen Massen oder concentrisch schaligen
Krusten lässt über die secundäre Entstehung keinen Zweifel. Diese
Zinkblühte kann als Umwandlungsprodukt des im Gestein enthaltenen
Zinkspathes angesehen werden. G. geht noch weiter auf diesen Bil-
dungsprocess ein, worüber wir auf das Original verweisen. — (Ebda.
407-415.)
Tamnau, thoniger Sphärisoderit von Ponoschau in
Oberschlesien. — Derselbe findet sich in einem mächtigen Lager
grauen Thons in losen Knollen und unförmlichen Massen so häufig,
dass er bergmännisch gewonnen und bei 40 pC. vorheilhaft verschmol-
zen wird. Merkwürdig ist die Bildung eines offenbar jüngern Spath-
eisensteins, der in kleinen rhombo&edrischen Krystallen die Sprünge,
Klüfte und Drusen des Sphärosiderits bedeckt und nicht selten als
dünner Ueberzug in der Gestalt grosser jetzt hohler Rhomboöder er-
scheint. Diese pseudomorphen Krystalle lassen bestimmt erkennen,
dass sie nur dem primitiven Rhomboöder des Kalkspathes, des Do-
104
lomites oder Eisenspathes angehören konnte und höchst wahrschein-
lich dem Dolomite, der doch auch sonst häufig den Spatheisenstein
begleitet. — (Geol. Zeitschrift XIV. 539.)
v. Hornberg, kleine mineralogische Notizen. — Zu
den Bodenmaiser Mineralien: Stilpnomelan vom Giesshübelhaupttrum
des Silberberges derb mit Pyrit; Fahlunit auf der Barbaragrube derb
und krystallisirt; Caleit sonst sehr selten jetzt auf dem Wolfgangstol-
len; Pseudomorphosen von Brauneisenerz nach Kalkspathskalenoedern
ebenda; Antholit auf der Grube Barbara. — Krystalle von Lead-
hillit auf König David bei Schneeberg. — Karbonbleispath auf dem
Bleibergwerk in Höllenthal — Olivenit am Kogel bei Brixleck — Gö-
thit am rothen Hahn zu Langenberg in spiessigen Lamellen — Pyro-
morphit — Pyromorphit haarförmig und büschelförmig bei Schlotten-
hof — Zinkvitriol krystallisirt bei Schemnitz — Realgar auf der An-
timonkluft zu Kremnitz einmal in langen Säulen — Schalenblende
theils nierenförmig, theils traubig mit Weissgültig und Fluss im Mün-
sterthal in Baden — Andalusit mehrfach in verschiedenen Vorkomm-
nissen — Eisenkiesel pseudomorph nach Kalkspath, Quarz, Amphibol
und Sahlit. — Silber ganz rein meist in der Kernform, auch moos-
artig, gestrickt vom Lake superior — Kupfergrün von Leistenberg
in Verdrängungspseudomorphosen nach Bleicarbonat mit Quarz und
Brauneisenerz — Fasriges Brauneisenerz in Verdrängungspseudomor-
phosen nach Quarz bei Aue in Sachsen, nach Eisenspath in Lichten-
berg, dichtes in solchen nach Bitterspath bei Kaulsdorf, Umwand-
lungspseudomorphosen nach Kammkies zu Schlaggenwald, nach Am-
phibol am Graul bei Schwarzenberg — Stilpnosiderit theils pseudo-
morph theils nierenförmig bei Lichtenberg — Malachit säulenförmig,
in Zwillingen, drusig auf zelligem Quarz bei Zellerfeld, noch, schö-
ner auf dem Schmidthof bei Aachen, pseudomorph bei Kupferberg
mit Krystallen der Kupferlasur auf Baryt, nach Bleicarbonat bei Lich-
tenberg — Eisenvitriol krystallisirt auf blauem Quarz bei Badenwei-
ler — Kaliglimmer in grossen Tafeln im Schriftgranit zu Zwiesel in
Begleit von Columbitkrystallen. — (Regensburger Correspondenzblatt
AVI. 13. 37. 139.)
Schmidt, der Fichtelit in den Torfmooren des Fichtelge-
birges. — Diese Holzmoore führen ungemein viel Holz zumal Cöni-
ferenstöcke, untergeordnet Birke, Haselnuss, Weiden und: Erlen. Bei
Redwitz und Zeitelmoos findet sich zwischen den Holzspalten des
Tichten- und Föhrenholzes ein verdichteter Kohlenwasserstoff, der
Fiebtelit in glänzenden Schuppen, auch in monoklinometrischen Pris-
men und in ganzen. Schichten das Holz bedeckend, wie ein sublimir-
ter Anflug. Er lässt sich in einen in Alkohol löslichen,und unlöslichen
Theil trennen, Clark gibt 87 Kohlenstoff und 11,86. Wasserstoff an.
Neben ihm findet sich noch. eine andere Kohlenwasserstoffverbindung,
das Reten, schuppenartig angeflogen und die sämmtlichen Holztheile
durchdringend. Mit Pikrinsäure bildet es gelbe Nadeln, mit Schwe-
105
felsäurehydrat löst es sich mit dunkelbrauner Farbe, nach Fritzsche
36 0,18 H. —: (Zbenda 180.)
‘5 F. Ulrich;'Kalkspath im Granit des Okerthales. —
Tief. im Innern: einer Klippe wurden Kalkspath mit Flussspath ent-
deekt , welche 'nicht späterer Entstehung sein dürften. In einer klei-
nen etwa einen Fuss grossen Ausscheidung grobkörnigen Granites,
welche‘ nach aussen in gewöhnlichen‘ Granit verläuft, liessen sich
Quarzkrystalle und Andeutungen von Feldspathkrystallen unterschei-
den; während die Mitte vorzugsweise aus Kalkspath und Flussspath
bestand. Letztrer' bildete einen einzigen Krystall von 3/4‘ Achsen-
länge. Söchting’hebt bei dieser Mittheilung die Seltenheit des Kalk-
spathes im Granit 'hervor, das Vorkommen bei Baveno für sicher
secundärer Entstehung und meint auch hier nur Erfüllung eines Dru-
senraumes zulässig. — (Geol. Zeitschrift XIV. 534.)
Nik. v. Kokscharow, Beschreibung des Alexandrits
(Petersburg 1862. 40. 3 Tff.). — Dies Mineral findet sich in den
Smaragdgruben der Tokowaia O. von Katharinenburg und wurde an-
fangs dem Chrysoberyll zugewiesen. Seine schönen grossen Krystalle
sind meist Drillinge, oft auch unregelmässig gruppirt im Glimmer-
schiefer eingewachsen, dunkelgrasgrün in smaragdgrün ziehend, auch
blass gelblichgrün, besitzen einen sehr starken Pleochroismus. Verf.
gibt nun genaue Messungen der Krystallformen, wegen der wir auf
das Original verweisen müssen. Die grössten Krystalle messen 9
Centimeter. Das spec. Gew. bestimmte G. Rose auf 3,689, Verf. auf
3,666 und 3,577 also beträgt es im Mittel 3,444. Vor dem Löthrohre
vollkommen unschmelzbar, schmilzt mit Borax zu einer reinen hell-
grünen Glasperle, in Boraxsäure kaum bemerkbar auflöslich, mit Phos-
phorsalz sehr schwer schmelzbar zu einer blassgrünen Glasperle,
mit kohlensaurer Soda und schwefelsaurem Kali beinah unveränder-
lich, mit Flussspath schmilzt er ziemlich leicht zu einer blassgrünen
undurchsichtigen Kugel. Die chemische Analyse ergab 78,92 Thon-
erde, 18,02 Beryllerde, 3,48 Eisenoxyd, 0,36 Chromoxyd, 0,29 Kupfer-
und Bleioxyd. Die optischen Eigenschaften hat Haidinger ausführlich
dargelegt.
W. Sartorius v. Waltershausen, über die Berechnung
der quantitativen mineralogischen Zusammensetzung der
krystallinischen Gesteine vornehmlich der Laven. (Göttingen 1862. 4°.)
— Verf. berechnet Gleichungen, aus denen die mineralogische Zu-
sammensetzung krystallinischer Gesteine schneller als nach der
bisherigen Methode ermittelt wird, soweit es nämlich nicht auf äus-
serste Genauigkeit ankömmt. Der Inhalt gestattet leider einen kur-
zen Auszug nicht und empfehlen wir die schätzenswerthe Abhandlung
der Aufmerkamkeit der Fachgenossen. G.
Pihlacontologie,. H. R. Goeppert, neuere Untersu-
chungen über Stigmaria fiecoides. — Die Akten über die
Deutung dieser weit verbreiteten Kohlenpflanze sind noch immer
mcht geschlossen. "Verf, wirft einen Blick auf dieselben und legt
106
dann seine neuesten Untersuchungen vor, aus welchen er nun folgende
zweifellose Resultate zieht. 1. Die Stigmarien sind nur Wurzeläste
der Sigillarien, deren 3 Arten S. reniformis, elongata, alternans er in
Stigmaria übergehen sah, ohne diese Wurzelstöcke specifisch unter-
scheiden zu können. Deren Modifikationen beziehen sich nur auf die
Form der Oberfläche, welche geglättet, gestrichelt, gerunzelt vor-
kommt, kaum eine auf die Form der Narbe. 2. Die grossen mächti-
gen Stämme der Sigillarien entbehrten also jeder Spur einer Pfahl-
wurzel und befestigten sich nur durch von allen Seiten ausgehende
Dichotomie, schon bis 30° lang verfolgte Wurzeläste, welche eben
Stigmaria ficoides heissen. Von diesen ausstrahlenden oft 60° langen
Nebenwurzeln, deren ein Stamm von 2‘ Durchmesser mindestens 20
bis 30 besass, gingen nun wieder 1‘ dicke, 6‘ lange an der Spitze
gabelig getheilte Fasern rechtwinklig aus,, wodurch ein sehr dichtes
und verworrenes Gewebe gebildet ward. 3. Niveauveränderungen
führten meist auf der zu Torf oder Kohle gewordenen Unterlage neue
Vegetation herhei, neue Kohlenflötze bildeten sich über den alten so
in Neuschottland in den 1400° mächtigen Kohlenführenden Schichten
68 verschiedne Niveaus von Stigmarien. Jene Unterlage von soweit
reichenden mächtigen Wurzeln im thonig-schlammigen Boden konnte
auch einbrechenden Wasserströmen um so eher widerstehen, während
andre Pflanzen leicht fortgeschlemmt oder in höhere Niveau der Schie-
ferthon- und Sandsteinschichten eingeschlossen wurden. Daher die auf-
fallende Erscheinung der Stigmaria im Liegenden der Flötze. Die
Verwandtschaft der Sigillarien zu andern Pflanzen ist eine vielseitige,
aber keine innige. — (Geol. Zeitschr. XIV. 555— 566.)
Würtemberger, Fr. und Th., fossile Pflanzen aus den
Tertiärgebilden des Klettgaus. — Die miocänen Tertiärgebilde
S-Bayerns sind sehr arm an Pflanzenresten, um so erfreulicher ist
die Auffindung zweier Localitäten, welche reich daran sind. Die
eine liegt bei Baltersweil in einem grobkörnigen glimmerreichen Sand-
steine auf dem Weissen Jura, welcher der aquitanischen Stufe ange-
hören wird. Sie wird bei Dettighofen von der Austernagelfluh über-
lagert und die Decke dieses marinen Conglomerates bildet eine mäch-
tige Sandschicht, in deren Knauern sich Conchylien und Pflanzen finden.
Selbige ist eine Brakwasserbildung und reiht sich der Mainzer Stufe
an. Die Bestimmungen der 49 Arten von Baltersweil und der 29 von
Dettighofen gab O. Heer und Verff. zählen dieselben namentlich auf
eine ausführliche Abhandlung über die Tertiärgebilde im Klettgau in
Aussicht stellend. — (Neues Jahrb. f. Mineral..1862. $. 719-722.)
F. Stoliezka, oligocäne Bryozoen von Latdorf bei
Bernburg. — Nachdem Verf. die von ihm bestimmten Foramini-
feren und Anthozoen blos namentlich aufgezählt hat, wendet er sich
zu den Bryozoen, beleuchtet deren Vorkommen in den marinen Schich-
ten des Wiener Tertiärbeckens und charactersirt dann die 47 Arten
von Latdorf, welche mit denen der Leithakalkbildungen in eine Reihe
zu bringen sind. Indem wir die Arten hier namentlich aufführen,
107
lassen. wir wie gewöhnlich: bei. den neuen den Autornamen weg und
bezeichnen die Arten von Reuss nur mit. R.
Pustulopora ‚attenuata
Idmonea Hoernesi
Eschara ornatissima
pulchella R Domopora prolifera R crenatula
retifera Pavotubigera anhaltina subovata
Hornera hyppolyta Dfr | Heteropora similis pulchra
reteporacea M |Cellaria Michelini R moniliferaMEdw
Edw Beyrichi proteus R
verrucosa R Lepralia Grotriani Reussi
porosa pedieularis coscinophora R
‚gracilis Phil macropora porulosa
‚ subannulata Phil | Membranipora robusta |Bidiastopora tubulife-
|. «TaR.
Cellepora globularis Br
Retepora Rubetschi R
9 seriatopora R R
Fitisparsa tenella anhaltina
Idmonea foraminosa R | Alveolaria Buski
. Giebeli Biflustra elathrata Phil fasciata
delicatula Buck glabra Phii Lunulites subplana R
tenuisulca R Eschara mortisaga latdorfensis
und zwei neue Gattungen mit je einer Art, deren Diagnosen wir wört-
lich mittheilen. '
Orbitulipora: Die Zellenkolonie bildet einen scheibenförmigen,
beiderseits flachen oder nur wenig vertieften Körper, an dem. die
blasigen Zellen beiderseits münden; ander Oberfläche sind sie ganz
unregelmässig vertheilt und erscheinen am Querschnitte in 2 in ein-
ander greifende Reihen gesondert, ohne dass sich eigene Scheide-
wände ausbilden möchten. Unter einander anastomosiren die Zellen
durch Sprossenkanäle. Erinnert auffallend an Orbitulites. Art, Orb.
Haidingeri. — Stichoporina: Die kalkige Zellenkolonie ist frei, napf-
bis ‚scheibenförmig; die Zellen haben die gewöhnliche Form einer
Blase, münden nur ‚an der. Oberseite und beginnen ihr Wachsthum
von einer im Centrum liegenden Mutterzelle gleichmässig nach allen
Richtungen, ohne jedoch in einzelne Radial- oder concentrische Rei-
hen geordnet zu sein;;an der Unterseite sind die Begrenzungen der
einzelnen Zellen durch Furchen angezeigt; unter einander communi-
ciren sie durch Sprossenkanäle, während ausserdem ein zweites Ka-
nalsystem sich in den Zwischenräumen der Zellen verzweigt und an
beiden Seiten mittelst feiner Poren mündet. Die Art heisst St. Reussi.*)
— (Wiener Sitzungsberichte ALV. 71—94. 3 Taf.)
Kirby beschreibt als permische Arten Cythere plebeja Rss,
C. Schaurothana und Fenestella retiformis und gibt alsdann ein Ver-
zeichniss von 20 Arten, ‚welche in Steinkohlen- und in permischen
Schichten vorkommen, z. Th. aber, besondere Namen für jede Forma-
tion ‚erhalten haben, So Terebratula sacculus Mart = T. elongata
*) Eine ausführliche Monographie der Latdorfer Fauna erscheint
demnächst in den Abhandlungen der Hallischen naturforschenden Ge-
sellschaft. Giebel.
.
108
Schl, 'Spirifera Urii Fl = Sp. Clannyana Kg, Spiriferina öctöplieata
Swb = Sp. cristata Schl, Camarophoria erumena Mart = 0. Schlot-
heimi Buch, C. rhomboidea Phill = C. globulina Phill, Athyris Royssi
Lev = A. pectinifera Krb, Lingula mytiloides Swb = L. Credneri
Gein, Discina nitida Phill = D. Konincki Gein, u. a. — (Am. mag.
nat. hist. X. 202—215. tb. 4.)
A. Gaudry, die fossilen Affen von Pikermi. — Meso-
pithecus pentelieus liegt nun vollständig vor undestimmt im Schädel
und Gebiss fast gänzlich mit Semnopithecus überein, aber der übrige
Skeletbau weicht ab, die Gliedmassen zeigen ein viel weniger schlan-
kes Thier, dessen hintere Extremitäten nur wenig länger als die vor-
deren waren ähnlich wie bei Macacus. Von Hylobates weicht er im
Schädel- und Gliederbau ab. Alle Affenreste von Pikermi, welche G.
sah, gehören dieser einen Art an, deren Kiefer und Zähne nach Al-
ter und Geschlecht erhebliche Unterschiede zeigen. Die Länge des
Thieres vom Kopfe bis zum Beckenrande mag !/, Meter betragen, und
die Höhe beim Gange auf alle Vieren 0,30. Der Schwanz hatte das
Verhältniss wie bei Semnopithecus, etwas über !/, Meter. So bei
dem Weibchen, das Männchen scheint um !/; grösser gewesen zu sein,
Das Thier muss mehr auf dem Boden als auf Bäumen und gesellig
gelebt haben. Der Gesichtswinkel beträgt 57°. Die Zähne sind auf
Kraut und selbst holzartige Pflanzentheile (Früchte) eingerichtet. Das
Ischium weist auf Gesässschwielen. Der Daumen ist den Mittelfin-
gern gegenüber schlanker und zum festen Greifen nicht eben geeig-
net. Die schlanken Zehen der Hinterfüsse waren unbequem für den
Gang. Wie üblich schliesst Verf. auf ein wärmeres Klima als ge-
genwärtig für Griechenland, wozu dieser Affe doch auch nicht den
geringsten Anhalt bietet. Wie lange wird es ‘dauern, dass man eine
so gänzlich unbegründete Hypothese wie die vom wärmern Klima
bei jeder Gelegenheit auftischt! — (Compft. rend. LIV. 1113—1114.) @l.
Botanik. Miers setzt seine Untersuchungen der Ephe-
dra fort und gibt nach den ihm bekannten südamerikanischen Arten
folgende specielle Characteristik der Gattung: Flores unisexuales; sed
dubitandum est, si sexus singuli in diversis plantis, vel in diversis
ramis vel in eadem spica orti sint; certissime 5! in axillis spicarum
enati, mox deciduis, 2 semper terminales et forsan in eadem spica
tardius oriundi. Flores J'! in spica amentiformi imbricatoinvolucrata
plurimi; involucellum singulum bracteiforme imo cum opposito in va-
ginam brevem coalitum ovatum erectum; involucella hoc modo per
paria nexa, decussatim imbricata et quadrifaria, singula uniflora. Pe-
rigonium intra quodque involucellum unicum, e basi ortum, petaloi-
deum, coloratum, turbinatotubulosum, compressum, limbo bilabiato,
labiis rotundatis, aestivatione imbricatus, posteriore exteriore mox de-
ciduum, Stamina monodelpha, cum perigonio decadentia; filamenta
in columnam fistulosam compressam apice dentatam aut breviter fis-
sam perigonio aequilongam vel longiorem connata; antheräe 3—12,
tubi dentibus vel filis brevissimis crebriter basifixae ovatae vel oblon-
109
v4
gae erectae, ‚bilobae bilocellatae, poris 2 apicalibus rarissime trans-
versim connexis dehiscentes. Pollen globosum vel ellipticum 8 sul-
eatum. Ovarii vestigium nullum. Florum 2 partes ignotae. Achenia
2 distincta, rarius solitaria, summo spicae amentiformis affıxa, involu-
cellis omnino vel semiinelusa oblonga subcompressa, planoconvexa,
eollateralia, erecta. Pericarpium siccum, coriaceum glaberrimum, in-
dehiscens, apice glandulaeformae pro tubilli transitu pervium, unilo-
culare. Semen unicum, basi affıxum, loculo paulo brevius, apice acu-
tum; integumenta 2, simplicia, ab imo usque ad medium coalita et
membranacea, dehine superne libera et distineta; testa tegmine valde
brevior, ore lato aperta; tegmen superne opacius, erassius, saepe cor-
rugatum, apice glandulae carnosa majuscula clausum; tubillus e cen-
tro glandulae productus, erectus, elongatus, per foramen pericarpii
prolatus, et saepe longe exsertus, filiformis, teres, fistulosomembra-
naceus, persistens, apice irregulariter laceratus aut breviter bilabia-
tus, labiis aut brevibus concavig et subaequalibus, aut inconstanter
inaequalibus; hilum cum chalaza basali confusum, substipitatum; ra-
phe/ nulla;. albumen oblongum, compressum, obpyriforme, carnosulum,
apice ad glandulam adhaerens, embryone paulo longius; cotyledones
oblongae, ‚compressae, ‚subfoliaceae, radicula teres, süpera, 'hilo con-
traria,, cotylis, aequilonga. wel dimidio; brevior et earum sexta parte
latitudinis. — Suffrutices cosmopolitani, e basi ramosissimi, erecti,
humifusi/vel alte scandentes; ramulis teneribus, saepius virgatis, op-
positis, ternis aut faseiculatis, in-axillis nodosis; folia rudimentaria
2, opposita; velplura, primum in vaginam brevem amplexicaulem apice
2 %-4 fissam coalita, demum saepe disjuncta; flores parvi, spicati;
spicae parvulae, in axillis sessiles, solitariae, binae aut plures glo-
meratae, veliin ramulum. brevem terminantes,, involucellis viridibus,
perigonio. saepius, aurantiaco, columna staminali viridescente, en
laete.flavis, —. (Ann. mag. nat. hist. X. 133—140.)
Fr. Wimmer, salicologische Beiträge. — 1. Salix pyre-)
naica, tephrocarpa. und longifolia Host. Die erste Art: gehört zu den
seltenen, wurde von Seringe als S. ovata, von Fries als S. pyrenaica
nprvegica , von Blytt alsıS. norvegica, von Anderson als’ S. alpestris
aufgeführt. Es ist, eine gute Art, den obern Alpengegenden eigen!
W.ichanakterisirt'sie vergleichend mit ihren Verwandten\und verfolgt
ihne geographische, Verbreitung. ' Die zweite erhielt er aus dem Ber-
liner Garten,‘ Sie: ist\S. eineres sehr ähnlich, aber wohl’ ein Bastard
von, dieser. und: $. laurina, dennoch gibt’ er ihr einen Artnamen S$.
tephrocarpa, und! beschreibt: sie näher. Die dritte Art! stammt aus
Schlesien. und, ist: von W, in Breslau angepflanzt' worden. — 2, Er-
läuterung: den Synonymie der Salixarten. Mit einer'Monographie über
die europäischen Weiden beschäftigt theilt Verf. hier als Vorläufer:
denselben. deren Synonymie. unter specieller Darlegung‘ mit, Es sind
folgende Synonyme: +
1.)8i aeuminata, Hoffm Wild — $. einerea. L; $. acuminatal'Sm
110
— 8. calodendron Wien, S. acuminata Koch = mollissima Sm, Smi-
thana Wild und lanceolata Fries. /
2. S. mollissima Ehrh Willd' Koch Comm = triandraviminalis
Wim und pubera:Koch, $. mollissima Sm = viminalis-caprea angu-
stifolia Koch, ferner = Smithana Willd Koch Forb und einereovimi-
nalis, endlich S. mollissima Wahlb = viminalis-purpurea und ru-
bra Huds.
3. S. holosericea Willd f' —= triandra-cineres Meyer und eine-
rea-longifolia Wim und velutina Schrad., S. holosericea Koch — ci-
nerea-viminalis Wim, $S. holoserices Ser = incana-caprea Wim und
Seringeana Gaud, endlich S. holosericea Gaud —= $. viminalis-caprea.
4. S. lanceolata Sm ein Bastard von alba und triandra,: bei Ehr-
hard undulata.
5. 8. rosmarinifolia steht S 'repens auffallend nah und fällt mit
dieser zusammen. Bei ihrer: grossen Manichfaltigkeit sollte sie S. pö-
lymorpha heissen wie Ehrhart vorgeschlagen hat. Die Linnei’sche
Art ist $. repens-viminalis, wie auch die Smith’sche und: Willdenow’-
sche. Für diesen Bastard wählte Koch und Fries mit Unrecht Wul-
fens Namen S. angustifolia. 18
6. S. oleifolia Sm nach Koch eine’ schmalblättrige S. cinerea L.
Seringes oleifolia ist aurita-incana = Flüggeana Willd und pallida
Forb und salviaefolia Koch.
7. 8, bicolor. Ehrh vom Brocken: ist genau Weigeliana Willd' von
Riesengebirge und dieselbe, welche Fries für phylieifolia L. erklärt.
Eine / Weide in den Gärten unter dem Namen bicolor ist bestimmt
verschieden davon und die $. discolor Schrad und Schraderana Willd
und phyticifolia var. violacea Hartig, wahrscheinlich ein Bastard.
8. S. phylieifoia L wird von Einigen auf bicolor Ehrh von An-
dern auf nigricans Sm gedeutet und letztres hat viel für sich. W.
hält es für besser diesen nieht sicher zu deutenden-Namen ganz fal-
len zu lassen. Wulfen verstand unter: phylieifolia die S. glabra Scop.
9... cinerea L ist allgemein anerkannt, bei Hoffmann und Will-
denow als acuminata aufgeführt. »Smiths cinerea ist eine andere nicht
deutbare, Gost nennt die ächte cinerea $. polymorpha und seine ci-
nerea ist daphnoides, ‘die W. nicht .enträthseln kann.
10. 8. finmarchia. Willd ist S. repens-myrtilloides, bei Fries bi
zieht sie sich auf einen Bastard von myrtilloides und aurita, den Hart-
mann $. paludosa nennt. — (Schlesische Abhdl. II. 125—137). —e
Zoologie. J.'E. Gray führt eine neue Art der Gattung
Paragorgia als P. Johnsoni von Madeira auf, welche der norwe-
gischen sehr nah steht, doch in ‘der stärkern Verästelung und zahl“
reicheren Zellen davon verschieden ist. — (Ann. mag. Ks "hist,
A. 125.) ib
L. Reeve, Revision der Geschichte, PER und
geographischen Verbreitung der lebenden Crania und Or-
bieula. — 1. Orania Retz zählt 4 lebende Arten,sinämlich Cr. ano-
mala Müll (= Patella distorta Montg, Orbicula norvegica Lmk, Cr.
111
personata Lk, norvegiea Swb, Criopus anomalus Flem) im nördlichen
atlantischen Ocean von‘ Spitzbergen: bis Vigo Bai. — Cr. turbinata
Poli (= ringens Hoeningh) im Mittel- und Aegeischen Meere in 40
bis ’150 Faden Tiefe. — Cr. rostrata Hoeningh an der W-afrikanischen
Küste. — Cr. Suessi n. sp. bei Sydney. — 2. Orbicula Swb in 7 le-
benden Arten bekannt: O. ostreoides Lk (= O.norvegica Swb, striata
Swb, Crania radiosa Gould, Orb. Evansi' Davd) NW-Afrika. — Orb.
stella Gould China, Singapore und Philippinen. — Orb. antillarum
d’Orb Cuba und Martinique. — ©. Cumingi'Brodp Centralamerika.
— 0. laevis Swb Chili. — ‘©. tenuis Swb Chili, S-Australien. —
O.lamellosa Brodp Peru. R. spricht sich über. diese einzelnen Arten
besonders aus und verspricht deren Abbildungen im 13. Bde. seiner
Conchol. icon. zu geben. — (Ann. mag. nat. hist. X. 126 —133.)
H. Clark beschreibt folgende neue mexikanische Hydro-
pori: A. thorace haud striolato; 1. rotundati: H. Portmanni, Lecontei,
Bryanstoni; 2. breviter ovati: H. Roffi, decemsignatus; 3. oblongi:
H. Wardi, Kingi, aequinoctialis, infaustus, infacetus; B. thorax striola
utrinque basali. a. in elytris continuata. 1: breviter ovatus, sat con-
vexus: H. Fryii; 2. oblongi: H. magensis, Charlotti, Emilianus, adum-
brätus; b. thoracis striola in elytris haud continuata: H. apicatus.
— (Ann. mag. nat. hist. X. 173-184.)
C. 3. Eberth, über Myoryctes Weismanni neuer Parn-
sit im Froschmuskel. — Dieser Wurm ist mit blossem Auge nicht
zu erkennen und wurde zuerst im Hautmuskel der Brust bei Rana
temporariain drei Exemplaren von Kölliker aufgefunden. Zwei Exem-
plare lagen im Innern der Primitivfasern,: und einer frei im Perimy-
sium, erstere von einem walzigen Schlauch umschlossen; welcher in
eine Oeffnung der Faser mündet und aus einer zähflüssigen oder schlei-
migen Substanz besteht. Die Länge des Wurmes beträgt 0,162 —0,216
Millim., die Breite 0,0135-- 0,0162, der cylindrische grade Leib' endet
beiderseits mit einer knopfförmigen Anschwellung. Im Munde findet
sich ein horniges, vorn in ein feines Knöpfchen geendigtes Stäbchen;
vielleicht‘ ein Bohrapparat für die Wandung. Unter der glatten Haut
folgt eine schmale Längsmuskelschicht. Der Oesophagus ist walzig
mit 'innerer fester structurloser Membran, der walzige Darm mit Plat-
tenepithel ausgekleidet, das Rektum ohne solches, der After kurz. vor
der knopfförmigen Anschwellung gelegen. Die weibliche Geschlechts-
röhre ist doppelt, ihre Oeffnung im Anfang des hintern Körpervier-
tels gelegen. Die Hoden ein kurzer cylindrischer Schlauch, ‚welcher
mit dem Darm mündet; zwei kleine paarige Spicula.' E. fand diese
Würmer ausser im Brustmuskel auch in den Muskeln ‘der Zunge, des
Herzens, in der Serosa der Leber, der Submucosa der Zunge. Im
März fand E. sie am häufigsten, minder ‚häufig im Juni.‘ Sie neh-
men mit vorschreitender Jahreszeit an Grösse zu und werden ge-
schlechtsreif, im’ März nur 0,162 Millim. lang, im Juni 0,594 Millim.
und dann mit reifen Eiern. Männchen wurden nach April nie mehr
aufgefunden. Ihre Verschiedenheit von Trichina spiralis bedarf kei-
112
ner weitern Auseinändersetzung und auf diese schlägt; E. obigen neuen
Namen: vor.— (Zeitschr. f. wiss. Zoologie XII. 530—535 Tf.,37.):
Fil. de Filippi, Lebistes nov. gen. Cyprinidontum: ‚Habi-
tus Poeeiliae. ' Dentes supra et’ subtus in serie ‚externa majusculi,
compressi, ineuryi;.\in serie interna rari distantes,. minimi conici.
Pinnae ventrales anali‘valde approximatae, radio secundo; longiore,
in ‘feminis: protracto,, ungulifero. ‘Pinna analis radiis secundo et
tertio in utroque sexu valde incrassatis et elongatis.. Die Art L. poe-
cilioides. hat in) den Brustflossen 14, den Bauchfl. 6, der'Afterflosse ı7,
der Rückenflosse I. 8 Strahlen. Insel Barbados. — (Archi. Zool. Anat.
Fisiol. 1861. Giugno. 1. 69-70, tb. 4. fig.:6. |
G. Canestrini, Ophicephalus apus nov. sp.: sine 'pinnis
ventralibus.- Altitudo.\corporis; longitudini —= 1:71/a— Tl/a. Longi:
tudo capitis: ‚longitudini eorperis = 1:4. Caput, diametro oculi se-
ries. eirciter longius. In maxilla inferiori et vomere. dentes, aliquot
majores, inter alios parvos. 'Macula nigra in posterioribus pinnae
dorsalis radiis.‘ Rad. br. 5, D. 33, A. 23, P. 14, V. 0, ©. 14, Giava
— (Ibidem 77. tb.:4., fig. 7.) ?
A. Costa, meue. Mittelmeerfische. — 1. ‚Plagusia pieta:
elongata,, latere' ‚sinistro; seu..oculifero, saturate, griseolutescente, irre-
gulariter nigro signato, pinnis sordide, luteis,.;radiis omnibus. nigro
notatis:: latere dexteno s./eaeco; albido lutescente immaculato; oper-
eulo: postice profunde sinuato.. Long. JO mm. —. 2. Grammäiconotus:
nov. gen. Esoein : corpus-elongatum, valde,compressum, dorso angusto
lineari, planato; caput, acutiusculum; ore, parvo, ‚maxilla inferiore, su-
periorem paullo superante; ‚pinnae:‚dorsalis. ‚et, analis ‚similes atque
oppositae,, in«corporis, parte, postica,sitae, radiis anticis a membrana
conjunctis, simplieibus; posticis; diseretis, ramosis, pinnulas, forman-
tibus; pinnae; ventrales. minutae, in, medio'abdominis insertae; cutis
pigmento, argenteo vestita, squamis hand conspieuis., ‚Die. Art Gram:
bicolor. ist. silbenfarben;| längs. der Oberseite schwarzblau. — Cannon
rio Mus. Z0olog. Napoli. I. 51.55. tb. 1.),
Derselbe, Bursinia.nov./gen. Fulgoridarum:, Sa yalde
produetum,, productione ‚tetrandra,; lateribus: parallelis;, fronte 'tricari-
nata, carinulaque altera in quavis, faeie. laterali,. pronotum .transver-
sum, mesonoto. brevius;; elytra abbreyiata,. postice truncata, omnino
coriacea,. obsoletisssime; reticulatovenosa; . tegula, elytrorum alaeque
nulla.. Die Art: B. hemiptera.,mit ‚drei Kielen; auf dem Pro- und. Me-,
sonotum, einem auf dem Hinterleibe,, mit schwarzspitzigen Dornen an
den Schiener@und| Tarsen, lebt im, südlichen Italien.
Nephrosia,novw, gen. Dictyophorum:, caput antice breviter
pyramidatoproductum; vertice frontequeitricarinatis, carinis frontalibus
in.elypeum continuatis; oculi, reniformes,. infra ‚sinuosi; ‘jantennae, im
oculorum: sinu: insertae, minus ‚breves validae;;. pronotum transversum,
mesonoto multo: brevius; mesonotum-fere aeque longum alatum, sub-
triangulare;; ‚elytra, coriaceohyalina, ‚venis/discoidalibus longitudinalibus
tribug-apice conjunctus,: venulasque ad.marginem posticum mittentibus;;
113
areolis nullis; tibiae posticae calcare mobili valido compresso lato,
oblique truncato praeditae. Die Art N. elegans im südlichen Italien.
. = (Annuürio Mus. Zoolog. Napoli I. 72. tb. 2.)
J. E. Gray gibt eine neue Gruppierung der Crocodile
mit Charakteristik der neuen Gattungen, die wir nur namentlich auf-
führen können: I. typische Crocodile. A. 1. Oopholis mit ©. poro-
sus (= Cr. biporeatus Cuv, biporcatus raninus M Schl) Asien und
Australien; ©. pondicerianus n. sp. Pondichery. B. Flusscrocodile.
2. Bombifrons mit B. trigonops (= Cr. biporcatus Cautl, trigonops
und palustris Gray, marginatus Fale) Ganges, Ceylon; B. siamensis
(= Cr. galeatus Cuv, palustris Less, vulgaris DB) Siam. 3. Palinia
mit P. rhombifer (= Cr. rhombifer Cuv) Cuba; P. Moreleti (DB) Yu-
catan. 4. Crocodilus mit Cr. vulgaris Cuv (= Cr. lacunosus Geoffr,
suchus und marginatus Geoffr) Afrika. 5. Molinia mit M. americana
(= Cr. acutus Geoffr) tropisches Amerika; Mol. intermedia (Grav)
Amerika. 6. Halcrosia mit H. frontata (= Cr. palpebrosus var. Cuv)
W-Afrika. 7. Mecistops mit M. cataphractus (Cuy) Afrika. — (Ann.
mag. nat. hist. X. 265—274.)
und eine solche der Alligatoren: 1. Jacare mit J. nigra (— Crocodi-
lus.selerops autor, niger Spix), J. latirostris (= C. fissipes Spix, Al-
ligatör cynocephalus DB) Brasilien, J. longiscutata tropisches Ame-
rika, J. ocellata Santa Cruz, J. punctulata (Spix) S-Amerika. — 2.
Caiman mit C. trigonatus (Schn. Natt) tropisches Amerika, C. palpe-
brosus aut ebda. — 3. Alligator mit A. mississippiensis (= Cr. lueius
Cuv, All. lucius DB). — (Ibidem 327-331.)
Sommer, Bastardbildungen bei Vögeln. — S. kennt
deren zwei Fälle zwischen Enten und Hühnern, einen zwischen Enten
und Gänsen und einen zwischen Perlhuhn und Pfau oder Truthahn.
Den ersten beobachtete er in den 20 ger Jahren in der Oeblitzmühle
zwischen Naumburg und Weissenfels. Aus einem Entenei schlüpfte
der dunkelfarbige Bastard äus, im Körper mehr Ente, am Kopfe und
Schnabel mehr Huhn, mit: vollständigen Hühnerfüssen, aber mit hal-
ben Schwimmhäuten. Das Thier hielt sich zur Entenbrut, schwamm
auch gut, ging aber nur behufs Badens ins Wasser. S. versuchte nun
einen Enterich und eine Henne zur Begattung zusammen zu bringen
und erhielt aus den Eiern der letztern zwei Monstra: ein in allem
Uebrigen vollständiges Hühnchen nur mit förmlichen Entenbeinen,
das gleich in der ersten Nacht von der Alten erdrückt wurde, und
ein mehr entenartiges Geschöpf mit Hühnerfüssen und einem Mittel-
ding zwischen Enten- und Hühnerschnabel. Das Thierchen befiederte
sich ganz nach Entenart, verunglückte aber leider nach sechs Wochen.
Der dritte constatirte Bastard befand sich in Gotha, hatte überwiegend
die Körperform des Pfau, der Kopf ohne Krone, ohne Horn und
Backenläppchen blos mit graubraunen kurzen Haaren bewachsen, das
Gefieder an Hals und Brust dunkel, nur am Rücken und den Schul-
terdecken wirklich geperlt wie beim Perlhuhn. Der vierte Fall in
Wellenborn bei Saalfeld, wo der Pfarrer einen wüthend auf die Gänse
XXI. 1863. 8
114 B
gehenden Enterich besass und dann im Herbst mehre gut beleibte
Mitteldinge zwischen Gans und Ente erhielt, die recht wohlschmek-
kend waren. Verf. behauptet, es gehe etwas von dem Wesen des
brütenden Vogels auf die ihm unterlegten Eier über und bei männ-
licher Brut äussert sich dies später in der Neigung sich mit der Art
ihrer Pflegemutter zu begatten. Ein Hähnchen von Tauben gebrütet
ist stets bösartig gegen Menschen und Vieh. Erst kürzlich musste
S. einen von Cochinchinesen ausgebrüteten Perlhahn wegschaffen, weil
er sich durchaus nicht mit seines Gleichen paarte, sondern sich stets
an Cochinchinas anschloss. *) — (Journal für Ornithol. X. 209—212.)
GL.
Abnorme Witterung. Der bisher ungewöhnlich milde, für
unsere Gegenden schneearme Winter hat eine Menge von abnormen Na-
turerscheinungen in seinem Gefolge. So berichten die Zeitungen von
grossen Schneemassen im Süden Europa’s, besonders Italien und den
Alpen, von Ueberfluthungen im Norden, in Haag. Im südlichen Ba-
den wurden am 16, Jan., in Breslau am 19. Erderschütterungen
wahrgenommen. Vor allem zeichnete sich der 20. Jan. für den grössten
Theil von Deutschland durch seinen orkanartigen Sturm aus, derin
vielen Gegenden mit Regen, Schlossen und heftigen Gewitterschlä-
gen verbunden war. Zwischen 2 und 3 Uhr des Nachmittags wü-
theten die Elemente in Eckartsberga, Naumburg, Löbejün — in Halle
wurde der Donner nur aus weiter Ferne vernommen — Wittenberg,
Leipzig, Werdau. Ueberall richtete der Orkan bedeutenden Schaden
an und an 3 Orten (Buttstädt, Löbejün und Werdau) schlug der Blitz
in den Kirchthurm ein.
Wiederum am 30. d. M. zog ein Gewitter von SW. nach NO.
bei ziemlicher Windstille und wurde das Rollen des Donners zweimal
in der Nähe von Halle deutlich vernommen.
*) Der Bd. V, S. 444 von mir erwähnte Bastard von Schwan
und Gans in Langenbogen ist verunglückt und leider vom Hofknecht
beseitigt worden, so dass die in Aussicht genommene anatomische
Untersuchung nicht angestellt werden kann. . Giebel. _
Correspondenzblatt
des
Naturwissenschaftlichen Vereines
für die
Provinz Sachsen und Thüringen
Halle.
1863. Januar. IR 1.
Sitzung am 7. Januar.
Eingegangene Schriften:
1. Memoires de la societe de physique de Geneve. Tom. XVI. Ge-
neve 1862. 4°,
2. Quarterly Journal of the Geological Society. London 1862. Vol.
XVIII, no. 72. 8°,
3. Mittheilungen der kk. geographischen Gesellschaft in Wien. Fünf-
ter Jahrg. Wien 1861. gr. 8°.
4. Sitzungsberichte der kön. bayerschen Akademie der Wissenschaf-
ten zu München. München 1862. I,4. II, 1. 8°.
5. Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogthum Nassau.
16. Heft. , Wiesbaden 1861. 8°.
6. Dr. F. Buchenau, die botanischen Produkte der Londoner inter-
nationalen Industrie- Ausstellung. Bremen 1863. 8%. (Geschenk
des Herrn Verfassers.)
Hr. Giebel eröffnet die Sitzung mit einem kurzen Rückblick
auf das eben vollendete funfzehnte Jahr des Vereines und mit der
betrübenden Nachricht, dass Hr. Heintz wegen überhäufter amtli-
cher Geschäfte sich genöthigt sehe die Theilnahme an der Redaktion
der Zeitschrift sowie die damit verbundene Stellung im Vorstande
niederzulegen. Hr. Heintz hat sich durch eine zwölfjährige Theil-
nahme an den Redaktionsarbeiten und Vorstandsgeschäften, nicht
minder durch seine werthvollen wissenschaftlichen Beiträge ein blei-
bendes Verdienst um das Gedeihen des Vereins erworben, wofür
wir ihm bei dieser Gelegenheit unsere dankbarste Anerkennung aus-
sprechen. Seine fernere Betheiligung an unserer wissenschaftlichen
Thätigkeit entzieht er mit dieser Amtsniederlegung dem Vereine nicht.
Durch die hierauf erfolgte statutenmässige Neuwahl des Vor-
standes für das laufende Jahr fungiren:
als Vorsitzende: die Herren Giebel und Siewert.
8*+
116
als Schriftführer: die Herren Taschenberg, v. Land-
wüst, Weitzell.
als Cassirer: Herr Grünhagen.
als Bibliothekar: Herr Hahnemann.
und im wissenschaftlichen Ausschusse, wie früher: die
Herren Volkmann, Girard, Schrader, Schaller, Knoblauch,
Francke, Kleemann, Krause.
Mit Uebernahme des Vorsitzes zeigt Hr. Giebel an, dass die
Redaktion des physikalisch -chemischen Theiles der Zeitschrift von
jetzt ab Hr. Siewert übernommen habe und mit dem Beginn des
21. Bandes einige kleine mehr formelle als sachliche Aenderungen
zur Ausführung kommen werden, so die Aussonderung der techno-
logischen Berichte aus der Physik und Chemie in eine eigene Ab-
theilung, etwas ausführlichere Berichte über die Vorträge im Copre-
spondenzblatte u. dgl. Das Verlagsgeschäft hat Herr G. Bossel-
mann wegen leidender Gesundheit an den frühern Besitzer Herrn
Karl Wiegandt abgetreten, der nunmehr mit Hrn. Hempel ge-
meinschaftlich den Verlag der Zeitschrift fortführt. Hr. Bosselmann
hat mit grosser Liberalität die Publikationen unsers Vereines geför-
dert und wir sprechen ihm dafür unsern wärmsten Dank aus. Dass
die Herrn Wiegandt & Hempel der Veröffentlichung unserer Ar-
beiten bereitwillig dieselbe Theilnahme schenken werden, dafür bür-
gen ausser der freundlichen Zusicherung die bereits in frühern Jah-
ren unsern Berichten gebrachten Opfer. Es sind Vorkehrungen ge-
troffen, die Hefte schneller als in den letzten Jahren erscheinen zu
lassen und bitten wir unsre Herrn Mitarbeiter durch fleissige Zusen-
dungen von Aufsätzen, Mittheilungen und Referaten uns in Stand zu
setzen die pünktliche Ausgabe der Hefte auch auf die Dauer. aufrecht
zu erhalten.
Das Doppelheft für Aubst u. September liegt zur Vertheilung vor.
Zu den wissenschaftlichen Mittheilungen übergehend, spricht
Hr. Giebel zunächst über die Identität der Milbengattung Hypode-
ras Nitzsch und Hypodectes Filippi (vergl. Seite 79). ;
Hr. Zineken macht auf einen in der cölnischen Zeitung pub-
lieirten, höchst interessanten Aufsatz von Plücker und Hittorf
über Speetralanalysen aufmerksam. Nach diesem Berichte haben die
genannten Physiker in Anschluss an die im J. 1858 und 1859 ausge-
führten Versuche Hittorfs mit Geissler’schen Röhren, welche mit ver-
dünnten Gasen als Wirkung des eletrischen, mittelst eines kleinen
Ruhmkorffschen Apparates hervorgebrachten Stromes ausgesetzt wur-
den, Versuche mit solchen Röhren unter Benutzung von Leidener Fla-
schen behufs schrittweiser Erwärmung der nicht mehr verdünnten
Gase angestellt. Das Wasserstoffgasspectrum verwandelte sich bei
steigender Erwärmung in ein continuirliches, aus welchem nun noch
ein breiter, stärker glänzender Streifen, hervortrat. Die hellen, schar-
fen Linien der Spectra des Sauerstoffs, Chlors, Broms, Jods, Queck-
silbers erhalten eine immer grössere Helligkeit und neue, früher nicht
117 ,
beobachtete Linien treten auf. Wasser im leeren Raume einer neuen
Spectralröhre zeigt eine Ueberlagerung der Spectra seiner beiden
Elemente. Kohlensäure wurde so leicht zersetzt, dass auch der schwä-
chere Strom immer nur das Spectrum des Kohlenoxydgases gab. Im
stärkern Strome geben beide Gase, ganz übereinstimmend, das blen-
dende Spectrum des Sauerstoffs mit Andeutungen von Kohle. Chlor-
metalle: Chlorzink, Chlorcadmium geben im absolut leeren Raume
erst dann Spectra, wenn die Röhre eine Zeit lang erwärmt wurde und
zwar zuerst die linienreichen des Chlors, welche allmälig verschwan-
den, um den Spectren der resp. Metalle Platz zu machen.
Jeder zusammengesetzte, gasförmige Körper scheint in der
Gluht des concentrirten electrischen Stromes in seine Bestandtheile
sich zu zerlegen, bei Abnahme der Temperatur aber wieder sich zu
componiren. — Stickstoff, Schwefel, Selen, Phosphor, die als einfache
Körper gelten, geben im schwächeren Strome ein „erstes characteri-
stisehes Spectrum“ und ähnlich wie es bei den eben angeführten zu-
sammengesetzten Körpern der Fall war, ein „zweites, absolut davon
verschiedenes“, im stärkern Strome, Der Uebergang aus einem Spec-
trum in den andern war ein ganz discontinuirlicher. Sollten Stick-
stoff, Schwefel etc. vierfacher Körper nicht sein oder sollte bei der
hohen Temperatur eine Allotropie eintreten? Am Schlusse des Be-
richtes werden interessante Erörterungen angestellt über das Vor-
kommen von Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Kohle in der Atmo-
sphäre der Sonne, nachdem darin bereits Metall von Kirchhoff und
Bunsen nachgewiesen worden sind. Durch die treffliichen Arbeiten
dieser genialen Forscher ist das Auffinden einer Substanz in der Son-
nenatmosphäre einfach darauf zurückgeführt worden, zu ermitteln, ob
die hellen Linien in dem Spectrum des Körpers dunkeln Linien des
Sonnenspectrums entsprechen.
Hr. Siewert spricht über die Wärmeentwicklung bei der Ver-
brennung, gedenkt des Wasserstoffes, welcher die höchste Temperatur
erzeugt, aber in dieser Eigenschaft darum keine technische Verwen-
dung finden kann, weil er sich nicht rein in der Natur findet, ferner
des reinen Kohlenstoffs als Diamant und geht zu unsern gewöhnlich-
sten Heizmaterialien über. Nachdem er auf die Schwierigkeiten auf-
merksam macht, welche mit der Feststellung des Wärmeeffects der
einzelnen verknüpft sind, bespricht er ausführlich die Versuche, welche
er in dieser Beziehung mit unsern gewöhnlichen Braunkohlensteinen
und den neuerdings mehr in Aufnahme gekommenen Presssteinen an-
gestellt hat und die im Allgemeinen zu Gunsten der letztern spre-
chen. 1000 Kohlensteine zu 5 Thlr. sind dem Gewichte und Preise
nach gleich 2500 Presssteinen. Wenn von beiden dem Gewichte nach
gleiche Quantitäten angewendet werden, erhöhen letztere in gleichen
Zeiten die Temperatur des Zimmers etwas mehr, verdunsten etwas
mehr Wasser, halten länger wieder und bewähren sich, wie von ih-
nen zu erwarten stand als ein mehr concentrirter Brennstoff, wie die
auf gewöhnliche Weise geformten Steine.
118
Hr. Giebel widerlegte schliesslich die in dem neuesten Hefte
der Nassauer Jahrbücher von H. v. Hayden ausgesprochene Ansicht,
dass die einzeln bei Schlangenbad vorkommende Coluber flavescens
von den alten Römern, bei denen diese Schlange heilig war, dort hin
verpflanzt worden sein soll dadurch, dass sich dies Thier auch ein-
zeln im Harze finde, wohin es schwerlich von den Römern gebracht
sei, diese Schlangenart, welche mehr im Süden Europas lebt, komme
einzeln weiter nach Norden hin an wärmeren, geschützten Stellen
vor, wie diese Erfahrungen lehren. Uebrigens machte Derselbe
noch auf die Art, wie dergleichen Thiere verschleppt werden können
aufmerksam, in dem er meint, das der bei Halle nicht vorkommende
Feuersalamander vor einiger Zeit in 2 Exemplaren in einem hiesigen
Keller gefunden worden sei und höchst wahrscheinlich mit einer La-
dung Bretter aus dem Harze mit gekommen wäre.
Sitzung am 14. Januar.
Eingegangene Schriften:
1. Karsten, Florae Columbiae specimina selecta tom.I, fasc. 5 (1861)
tom. II, fasc. 1. Berol. 1862. Fol. — Geschenk vom hohen Kul-
tusministerium mittelst Rescript vom 8. h.
2. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in
den königl. preuss. Staaten. Berlin 1862 No. 48—52, 1863 No.1. 40,
3. Der zoologische Garten III. Jahrg. No. 12. IV. Jahrg. No 1.
Frankfurt a./M. 89°.
Zur Aufnahme angemeldet werden
Hr. Feige stud. pharmac. hier und
Hr. Carl Reinh. Teuchert stud. math. hier
durch die Herren: Siewert, Giebel, Taschenberg.
Hr. Siewert spricht über den Sauerstoff, erzählt die Geschichte
seiner Entdeckung und erläutert seine Eigenschaften an verschiede-
nen Experimenten, unter denen die Verbrennungsversuche den ersten
Platz einnehmen.
Hr. Marschner zeigt eine Rose von Jericho vor, Anastatica
hierochuntica C. eine kleine Crucifere, an welcher sich, nach Aufwei-
chung in warmem Wasser, einzelne Blühtentheile und Schötchen deut-
lich unterscheiden liessen.
Hr. Giebel legte die den Tropengegenden eigenthümliche Spin-
nen-Gattung Thelyphonus vor und wies auf die Analogie ihrer Kör-
performen mit den Skorpionen hin. Sodann verbreitet sich Der-
selbe ausführlich über Reicherts neueste Untersuchungen (cf. Bd.
XX, 373) über die Natur der Sarkode.
Sitzung am 21. Januar.
Eingegangene Schriften:
Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin XIV.
3. Berlin 1862. 8°.
Als neue Mitglieder werden proclamirt die Herren
Feige stud. pharm. hier
Carl Reinh. Teuchert stud. math. hier.
Hr. Zinken legt ein Stück verbleites Eisenblech vor, aus einer
Fabrik in Neudeck bei Karlsbad, welcher es auf eine Weise, die sie
geheim hält, gelungen ist, den Ueberzug gleichmässig, ohne Blasen-
bildung herzustellen und so ein Problem zu lösen, das man sich im
Interesse technischer Verwerthung neuerdings mehrfach zur Aufgabe
119
gestellt hatten. Ferner zeigt Derselbe der Versammlung ein Exem-
plar des Scirpus mucronatus Poll., welche Art neuerdings von Würz-
ler und Preusing östlich von Bernburg aufgefunden worden ist.
Hr. Giebel legt ein Stück aus dem Harze eingesandtes Holz
vor, aus dem Stamme einer Rothbuche, an welchem die Narbe eines
eingeschnittenen Buchstabens sowohl auf der Rinde, als auf der In-
nenseite des mehr als 2 Zoll dicken Stückes wahrnehmbar war. Diese
schon öfter gemachte Beobachtung liefert den unzweideutigen Beweis,
wie das Wachsthum vom Splint aus nach innen und aussen zugleich
vor sich geht. Bei dieser Gelegenheit gedachte Herr Marschner
einer Methode, die lebenden Holzstämme etwa ein halbes Jahr vor
ihrer Fällung mit Stoffen zu imprägniren, die sie später vor der Ver-
wesung auf lange Zeit sicher stellen. Nach Angabe des Vortragen-
den wurde eine etwa 11/, Fuss Stammdurchmesser haltende Eller durch
ein Bohrloch mittelst eines Schlauches aus einem Gefässe mit Eisen-
vitriol genährt, von dem sie täglich 4—5 Quart aufnahm. Man speiste
einen andern Baum nur von aussen dadurch, dass man ihm einen Gurt
von einem beliebigem Gewebe umlegte und dessen eines Ende mit
jener Flüssigkeit in Verbindung setzte. Er nahm auch davon auf,
aber in geringerern Mengen und zeigte, als er später gefällt wurde,
die Imprägnation nicht so tief in das Innere eingedrungen, wie der
andere.
Hr. Siewert besprach eine neue, sehr einfache und wenig
Zeit erfordernde Methode Vergiftung durch Alkaloide nachzuweisen.
Der Inhalt des Magens wird mit Ammoniak und heissem Fuselöl tüch-
tig geschüttelt, letzteres dann abgehoben, das abgehobene Fuselöl
mit verdünnter Salzsäure geschüttelt und aus der sauren Lösung
durch Ammoniak und neuen Amylalkohol wieder abgeschieden. Diese
Procedur kann man nach Umständen ein zweites oder drittes Mal
wiederholen, bis man das reine Alkaloid erhält, das man durch Reagen-
tien auf seine weitere Natur zu prüfen hat. Der Vortragende hatte
bei einer hier vorkommenden Vergiftung durch Belladonna 36 Stun-
den alten Urin auf diese Weise geprüft und das genannte Alkaloid
gefunden, zugleich den Beweis geliefert, dass dergleichen Gifte auch
in den Harn übergehen. Bei dieser Gelegenheit gedachte Herr
v. Landwüst einer Vergiftung, welche in der Nähe von Halle vor
Kurzem durch Fahrlässigkeit vorgekommen ist. Fliegenwasser, in
einer Flasche aufbewahrt, war für Wein gehalten und in kleiner Quan-
tität an eine Speise gethan worden, welche allen denen Erbrechen
verursachte die davon genossen hatten.
Hr.Siewert machte schliesslich noch auf die Versuche aufmerk-
sam, welche Rüdorf in Berlin angestellt hat, um die Behauptung von
Dufour in Lausanne zu widerlegen, dass beim Ausfrieren von Flüssig-
keiten, die im Wasser gelösten Körper: (Salze, Alkohol etc.) mit, aus-
krystallisirten. Rüdorf legte durch seine Versuche zur Genüge dar,
dass. :nur« Wasser, und nichts weiter ausgeschieden werde, denn bei-
spielsweise zeigte das Eis einer mit Magnesiumplatincyanyr gefärbten
Lösung keine Spur von Farbe.
Sitzung am 29. Januar.
Hr. Giebel legt einen Stein aus dem Dickdarm eines Pferdes
vor, welchen Hr. stud. Rupp ihm für das hiesige zoologische Museum
übergeben hatte. Derselbe ist kugelrund mit warziger Oberfläche
und wiegt 2 Pfd. 8 Lth. altes Gew.: er rührt von einem Pferde her,
das von noch 3 andern ähnlichen beschwert worden war. Sodann
zeigt er die Abbildung des Limulus Decheni s. S. 64 und characterisirt
denselben vergleichend mit vorgezeigten lebenden Arten. Beiläufig
120
bemerkte er, dass man neuerdings im londoner zoologischen Garten
einen lebenden Limulus polyphemus uuterhalte.
Hr. Siewert verbreitet sich in einem längern Vortrage über
die Geschichte der Alchemie, hermetischen Kunst d. h., die Kunst
aus unedlen Metallen Silber oder Gold zu fertigen. Die Alchemisten,
auch Adepten genannt geben vor, dies durch einen geheimen Zusatz
bewirken zu können, den sie den Steim der Weisen, das grosse Elixir,
am häufigsten die rothe Tinktur nannten; das Experiment selbst hiess
die Projection. Der Erfolg war nicht immer derselbe, weil die Mei-
ster auf verschiedenen Stufen der Kunst standen, oder richtiger ge-
sagt, weil einer das Betrügen besser verstand, als der Andere. Der
Araber Geber wird im 8. Jahrh. als der erste Alchemist genannt.
In der Zeit von 1600—1750 lebten die berühmtesten Adepten, die
man aber nur den Namen nach kennt, denn sie zogen im Lande um-
her, unstät und flüchtig und hielten sich überall möglichst verborgen,
zumal dann und wann Fürsten ihnen nachstellten, damit sie die Be-
cepte der rothen Mixtur verrathen sollten. Als Gefangener auf dem
Königssteine erfand bekanntlich Bötticher das Porzellan (1701). Vor
Allen werden genannt Setonius, Philasetha 1640—58, Lasharis 1701—20
und Lehfeld 1746—50. Von ersterem weiss man, dasser 1604 in Kra-
kau starb, nachdem er zweimal auf Befehl Christians II. von Sachsen
gefoltert worden und dann entflohen war. Späterhin zeigten sich keine
mehr, es bestand aber noch längere Zeit eine hermetische Gesell-
schaft, deren Sitz in Thüringen gewesen sein soll und welche Apostel
aussandte, um die Kunst zn treiben. Ein solcher kam 1750 auch nach
Halle, wo er den Apotheker des Waisenhauses für sich einnahm. Ja
selbst Semmler Prof. der Theologie gewann Interesse an der Sache
und liess den Chemiker Klaproth seine Fabrikate untersuchen. Manche
gelehrte Männer jener Zeiten liessen sich bethören, selbst ein Skepti-
ker wie Spinoza schenkte dem Unfuge Glauben.
Weiter berichtet Herr Giebel die Beobachtung Sommer’s
über Bastarderzeugung des Hausgeflügels (cf. S.113), und Eberth’s
Entdeckungen des Myoryctes n. gen. in. den Muskeln des Frosches
(ef. S. 112).
Die XX. Generalversammlung
unseres Vereines wird am 26. und 27. Mai hier, in Halle ge-
halten werden. Indem wir schon jetzt zu einer möglichst allsei-
tigen Theilnahme an derselben einladen;,. verweisen wir Wegen
des Näheren auf das demnächst erscheinende Programm.
Halle im Januar. 1863. | Der Vorstand.
Druck von W. Plötz in Halle.
FAeitsechrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
1863. Februar. N II.
—
Ueber die Darstellung und die Basicität der
Diglycolamidsäure
von
W. Heintz
Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 122. S. 297. mitge-
theilt vom Verfasser.
In meiner Arbeit „über dem Ammoniaktypus angehö-
rige Säuren“ !) gab ich an, eine dieser Säuren, die Diglyco-
lamidsäure, sei zweibasisch. Ich stützte diese Angabe dar-
auf, dass das Kupfersalz derselben, welches seiner Schwer-
löslichkeit wegen dazu benutzt werden kann, diese Säure
rein darzustellen, in einem Atom zwei Atome Kupfer ent-
hält. Andere Verbindungen hatte ich wegen Muse an
Material nicht untersucht.
Wenn es auch nach dem erwähnten Versuchsresultate
nicht zweifelhaft ist, dass die Diglycolamidsäure mindestens
zweibasisch ist, so könnte doch der Zweifel entstehen, ob
sie nicht noch ein drittes durch Metall vertretbares Wasser-
stoffatom enthalten möchte. Nach Darstellung einer grösse-
ren Menge Diglycolamidsäure habe ich daher die Unter-
suchung einiger Metallderivate derselben wieder aufgenom-
men, um ihre Bibasicität vollkommen festzustellen.
Ehe ich jedoch zur Beschreibung derselben übergehe,
will ich der Beobachtungen Erwähnung thun, welche ich
bei der Darstellung des zu diesen Versuchen dienenden
Materials gemacht habe.
!) Diese Annalen CXXIL, 257*
ÄXI, 1863, 9
122
In der oben eitirten Abhandlung habe ich angegeben,
dass bei der Einwirkung von wässerigem Ammoniak auf
Monochloressigsäure hauptsächlich vier Körper entstehen,
nämlich Glycolsäure, Glycocoll, Diglycolamidsäure und Tri-
glycolamidsäure.
In Betreff der Glycolsäure bemerkte ich schön früher,
dass sie in um so geringerer Menge zu entstehen scheine,
je längere Zeit die Monochloressigsäure mit der ammoniaka-
lischen Flüssigkeit gekocht werde. Der neuerdings ange-
führte Versuch lehrt, dass in der That, wenn das Kochen
nur hinreichend lange geschieht, gar keine Glycolsäure ge-
bildet wird. Nach 48stündigem Kochen fand sich in den
Producten der Umsetzung keine Spur Glycolsäure.
Hieraus folgt, das wirklich, wie ich es an der citirten
Stelle schon als Vermuthung aussprach, die früher beobach-
tete Glycolsäure nicht durch die Einwirkung des Ammoniaks
auf Monochloressigsäure entstanden war, sondern erst spä-
ter durch die Behandlung mit Kalk aus einem Rest von
Monochloressigsäure, welcher der Zersetzung durch jenes
Alkali noch entgangen war.
Als Producte der Einwirkung des Ammoniaks auf Mo-
nochloressigsäure sind also nur das Glykocoll, die Di- und
die Triglycolamidsäure zu betrachten.
Nach Abscheidung der letzteren Säure als Kalk- und
Baryt- und der Diglycolamidsäure als Kupfersalz in der
Weise, wie es in meiner früheren Abhandlung beschrieben
ist, bleibt ein Rückstand, in welchem sich, wie ich schon
dort nachgewiesen habe, Glycocoll vorfindet, der aber noch
organische Säure zu enthalten schien. Ich habe jetzt eine
grössere Menge Glycocoll daraus N und zwar»in
folgender Weise.
Das Kupfer ward aus der Lösung düreh Schwegsihiäh-
serstoff gefällt. ’ Die vom: Schwefelkupfer abältrirte Flüssig-
keit kochte ich, nach Verdunstung des Schwefelwasserstoffs
durch gelinde Wärme, mit überschüssigem ‚Bleioxydhydrat,
filtrirte den Niederschlag: von der Flüssigkeit ab und wusch
ihn aus.
Die Lösung enthielt Blei in Heiler nie: Menge, ‚das
durch Schwefelwasserstoff entfernt wurde. Beim Verdampfen
123
setzte die Lösung eine beträchtliche Menge Krystalle ab,
die, nachdem sie mehrfach aus schwach ammoniakalischem
und Alkohol enthaltendem Wasser umkrystallisirt worden
waren, als reines Glycocoll erkannt wurden.
Aus den Mutterlaugen, die beim Verdunsten einen sauer
reagirenden Syrup hinterliessen, ward durch Kochen mit
Barythydrat ein ebenfalls syrupartiges Barytsalz gebildet,
das mit schwefelsaurem Kupferoxyd zersetzt noch eine
reichliche Menge diglycolamidsauren Kupferoxyds lieferte.
Die letzten Krystallisationen dieses Körpers waren durch
die zarten Nadeln des Glycocollkupferoxyds verunreinigt.
Desshalb.kochte ich diese mit der Mutterlauge mit Wasser
und Kupferoxydhydrat, um auch das Glycocoll vollkommen
in die Kupferverbindung umzuwandeln, filtrirte und liess
wieder Krystallisiren, nachdem das Filtrat auf ein kleines
Volum gebracht war. Die Flüssigkeit erstarrte vollkommen.
Die beiden Kupferverbindungen liessen sich dadurch leicht
trennen, dass das Glycocollkupferoxyd sich schon bei ge-
linder Wärme wieder auflöst, während das diglycolamidsaure
Kupferoxyd ungelöst bleibt.
Der Bleiniederschlag wurde ebenfalls durch Schwefel-
wasserstoff zersetzt und das gebildete Schwefelblei mit Was-
ser ausgekocht. Erst nach dem Verdunsten und Erkalten
der Lösung schieden sich daraus einige Krystalle von Tri-
glycolamidsäure ab. Die Mutterlauge davon verdunstete
ich bei einer Temperatur von circa 60°, bis fast alle noch
vorhandene Salzsäure verflüchtigt war. Der Rückstand gab
in wenig kochenden Wassers gelöst nochmals Krystalle
von Triglycolamidsäure.
Die Mutterlauge endlich von diesen Krystallen wurde
in’ Barytsalz verwandelt und dieses durch schwefelsaures
Kupferoxyd möglichst ‘genau zersetzt. Das heisse Filtrat
lieferte beim Verdunsten einige Krystalle der Kupferverbin-
dungen der Diglycolamidsäure und des Glycocolls, deren
Gegenwart sicher allein durch unvollkommenes Auswaschen
des Bleiniederschlags bedingt war. Zuletzt blieb eine nur
‚geringe Menge grüner Mutterlauge, die nicht weiter unter-
sucht werden konnte. -
Aus diesen Versuchen folgt, dass die zur Scheidung
9*r
124
der drei bei Einwirkung von wässerigem Ammoniak auf
Monochloressigsäure entstehenden Körper bis dahin ange-
wendete Methode unvollkommen ist. Sie kann durch fol-
gende ersetzt werden:
Das Product der Einwirkung des Ammoniaks auf Mo-
nochloressigsäure wird zunächst möglichst von dem gebil-
deten Salmiak befreit und darauf sofort anhaltend mit über-
schüssigem Bleioxydhydrat gekocht, bis alles Ammoniak
verjagt ist. Den Niederschlag wäscht man vollkommen aus.
Er enthält basisches Chlorblei und triglycolamidsaures Blei.
Er wird durch Schwefelwasserstoff in der Wärme vollkom-
men zersetzt und das gebildete Schwefelblei mit kochen-
dem Wasser gewaschen. Die kochenden Lösungen liefern
beim Verdunsten die Triglycoladmidsäure.
Wird die von dem Bleiniederschlag getrennte Flüssig-
keit ebenfalls durch Schwefelwasserstoff zersetzt, so ist dar-
in Diglycolaimidsäure und Glycocoll enthalten. Diese bei-
den Körper können zwar, wie ich weiter oben erwähnt
habe, in Form der Kupfersalze von einander getrennt wer-
den; allein einmal ist die Trennung nie vollkommen, und
dann ist es schwierig, die ganze Menge der Diglycolamid-
säure in der von mir angewendeten Weise in das schwer-
lösliche Kupfersalz zu verwandeln, weil, wie ich weiter un-
ten zeigen werde, das durch überschüssiges Barythydrat
und Kohlensäure gebildete Barytsalz derselben nur wenig
mehr als ein Atom Baryt enthält, während in dem Kupfer-
salz zwei Atome Metall enthalten sind.
Nach Versuchen, welche weiter unten beschrieben
sind, entsteht aber durch Kochen der Diglycolamidsäure mit
auf nassem Wege gefälltem basisch-kohlensauren Zinkoxyd
ein selbst in kochendem Wasser ausserordentlich schwer
lösliches Zinksalz, während die gleichzeitig entstehende Gly-
cocollverbindung darin leicht löslich ist. Kocht man:also
jene durch Schwefelwasserstoff vom Blei: befreite Flüssig-
keit mit dieser Zinkverbindung, so müssen die beiden ge-
bildeten Zinksalze durch Wasser‘ leicht‘ geschieden werden
können. .Aus dem Glycocollzinkoxyd kann ohne Zweifel
durch Schwefelwasserstoff, aus dem diglycolsauren Zinkoxyd
125
durch Salzsäure und Alkohol die organische Substanz ab-
( geschieden werden.
Ueber die Anwendbarkeit dieser Methode der Darstel-
lung der drei Glycolamidsäuren hoffe ich bald Versuche an-
stellen zu können.
Die Metallderivate der Diglycolamidsäure, welche ich
neuerdings einer Untersuchung unterworfen habe, sind das
Ammoniak-, das Baryt-, das Zink- und das Silbersalz.
Diglycolamidsaures Ammoniak. — Uebersättigt man eine
Lösung der Diglycolamidsäure mit Ammoniak und verdun-
stet die Mischung im Wasserbade, so bleibt ein syruparti-
ger Rückstand, der in der Kälte zu einer weissen krystalli-
nischen Masse gesteht, die sehr leicht in Wasser löslich
ist und deren Lösung sauer reagirt. Lässt man eine wässe-
rige Lösung dieses Salzes an der Luft verdunsten, so bil-
den sich grosse tafelförmige Krystalle, die bei Darstellung
grösserer Mengen gewiss messbar sein werden. Bei der
kleinen Menge mir zu Gebote stehender Substanz konnte
ich nur nachweisen, dass sie aus rhombischen Prismen mit
grader Endfläche bestehen. Durch das Mikrogoniometer er-
gab sich der Winkel des rhombischen Prisma’s im Mittel
vieler nahe übereinstimmender Messungen gleich 95°42‘,
Häufig fand sich an den Krystallen die grade Abstumpfung
der scharfen, zuweilen auch der stumpfen Seitenkanten.
Letztere Abstumpfung beobachtete ich besonders häufig an
solchen Krystallen, die in der Richtung der Hauptaxe stär-
ker ausgedehnt waren. Gewöhnlich aber erschienen die
Krystalle eben desshalb tafelförmig, weil sie in dieser Rich-
tung nur geringe Ausdehnung besassen.
Im Wasser ist dieses Salz, wie schon erwähnt. sehr
leicht löslich. Alkohol und Aether lösen es nicht auf. Sein
Geschmack ist eigenthümlich salzig, nicht sauer.
In der Hitze schmilzt es zu einer farblosen Flüssig-
keit, die bei etwas stärkerem Erkitzen in’s Kochen kommt,
braun und schwarz wird, dann sich, indem Verkohlung ein-
tritt, stark aufbläht, eine voluminöse Kohle zurücklassend.
Das Destillat ist flüssig, stark ammoniakalisch.
Die Analyse lehrte, wie auch wegen der sauren Reac-
126
tion erwartet werden durfte, dass das Salz nur Ein Atom
Ammonium enthält.
Die Formel £?H$(NH*)N®* verlangt 12,00 pC. Ammo-
nium, der Versuch ergab 11,67 pC.
Dieses Salz ist mit dem Glycocoll polymer.
Diglycolamidsaure Baryierde. — Uebersättigt man reine
Diglycolamidsäure mit Barythydrat und leitet man Kohlen-
säure durch die Mischuug, so hört die Lösung nicht auf,
alkalisch zu reagiren. Wenn dieselbe dann gekocht und
der gefällte kohlensaure Baryt abfiltrirt wird, so erhält man
eine farblose Flüssigkeit und durch deren Verdunstung ei-
nen farblosen Syrup, der endlich zu einer durchsichtigen,
gummiartigen Masse eintrocknet. Mischt man die wässerige
Lösung dieser Substanz mit Alkohol, so entsteht eine weisse
Trübung, die sich als dickflüssige Masse unter dem Alko-
hol ansammelt. und endlich in eine feste opake Masse über-
geht. Es gelang in keiner Weise, dieselbe in krystallirte
Form zu bringen.
Obgleich dieser Körper in seiner wässerigen Lösung
alkalisch reagirte, so bestand er doch nicht aus dem zwei-
basischen Barytsalz, wie die Analyse lehrte, die ergab
I. u. berechnet
Kohlenstoff _ 23,36 23,94 46
Wasserstoff En 3,03 2,99. 6H
Baryum 85,07 35,06 84,16 1 Ba
Sauerstoff a 31,92 42
100,00 100,00.
Die Rechnung stimmt nicht ganz vollkommen mit den
Resultaten der Analyse. Es findet dies jedoch darin sei-
nen Grund, dass durch Kohlensäure die ganze Barytmenge
auszuscheiden nicht gelingt, welche zur Bildung des reinen
einbasischen Barytsalzes ausgeschieden werden muss. Der
folgende Versuch lehrt, dass die alkalische Reaction der
Verbindung durch die Gegenwart einer kleinen Menge des
zweibasischen Salzes bedingt ist.
Fällt man so viel Baryt aus der Lösung des alkalisch
reagirenden Salzes durch Schwefelsäure, dass dieselbe ge-
nau neutral reagirt, und dampft man die Lösung nun über -
Schwefelsäure bis zu einem geringen Volum ein, so fällt
‚127
daraus durch Alkohol ein Syrup: nieder, der aus dem rei-
nen einbasischen Barytsalz besteht. Den Beweis hierfür
liefert eine Barytbestimmung, wobei 0,2319 Grm., der be
130° C. getrockneten Substanz 0,1137 Grm. kohlensaures
Baryt hinterliessen, entsprechend 34,10 pC. Baryum. Das-
selbe Salz wird durch Sättigen mit Essigsäure und Fällung
durch Alkohol erhalten. ® =
Das einbasische Barytsalz der Diglycolamidsäure ist
nicht krystallisirbar, leicht löslich in Wasser, nicht löslich
in Alkohol und Aether. Seine wässerige Lösung wirkt
nicht auf Lackmuspapier ein, In der Hitze schmilzt es ei-
gentlich nicht, bläht sich aber stark auf, ohne dass die
weisse Farbe wesentlich verändert würde und schwärzt sich
erst bei schwacher Glühhitze. Endlich bleibt weisser koh-
lensaurer Baryt zurück. Der Geschmack dieses Körpers
ist schwach, fade, nicht salzig.
Der Versuch, ein zweibasisches Barytsalz der Digly-
colamidsäure rein darzustellen, gelang nicht. Zu dem Zweck
löste ich 1,26 Grm. der einbasischen Verbindung in mög-
lichst wenig Wasser, und filtrirte dazu die klare, kochend
concentrirte Lösung von 0,99 Grm. Barythydrat. Es fand
keine Ausscheidung statt. Die Lösung ward unter der Luft-
pumpe neben Schwefelsäure verdunstet, wobei eine farb-
lose, durchsichtige, extractartige Masse zurückblieb, in der
keine Spur von herauskrystallisirtem Barythydrat zu bemer-
ken war, und die zuletzt wie das einbasische Salz zu einer
gummiartigen Masse eintrocknete. In kaltem Wasser löst
sie sich leicht wieder auf.
Hieraus folgt, dass die zweibasische Barytverbindung
der Diglycolamidsäure zwar existirt, aber wie die einba-
sische in Wasser sehr leicht löslich ist und nicht in Kry-
stalle übergeführt werden kann.
Diglycolamidsaures Zinkoxyd. — Dieses Salz suchte ich
dadurch darzustellen, dass ich Diglycolamidsäurelösung mit
frisch gefälltem, noch feuchtem, basisch-kohlensaurem Zink-
oxyd im Ueberschuss kochte.. Eine Probe der filtrirten
Flüssigkeit enthielt sowohl Zink, als organische Substanz,
beide jedoch nur in sehr geringer Menge; ein Beweis, dass
die Verbindung in Wasser nur wenig löslich ist. Sehr ver-
128
dünnte Essigsäure löst sie wenig und dadurch war das
Mittel gegeben, das überschüssige basisch-kohlensaure Zink-
oxyd zu entfernen. Um jedoch Verlust an Substanz mög-
lichst zu vermeiden, muss die Quantität Essigsäure so ab-
gemessen werden, dass die Flüssigkeit nur schwach sauer
reagirt, weil Essigsäure enthaltendes Wasser doch mehr da-
von löst, als reines Wasser.
Um die Substanz zu reinigen, kochte ich sie mit ei-
ner ausserordentlich grossen Menge Wasser, worin sie sich
endlich löste. Beim Erkalten krystallisirt jedoch nichts ber-
aus. Lässt man aber die Lösung im Wasserbade verdun-
sten, So setzen sich in dem Masse, als die Flüssigkeits-
menge sich vermindert, farblose, äuserst kleine, mikrosco-
pische quadratische Täfelchen ab, die aus dem zweiatomi-
gen Zinksalz der Diglycolamidsäure bestehen.
‘Die Analyse derselben ergab folgende Resultate:
I. II. berechnet
Kohlenstoff — 24,60 24,48 48
Waserstoff — 2,75 2,55 : SH
Zink 33,14 33,33 33,18 2 Zn
Sauerstoff = Ken 132,65 409
100,00 100,00.
Hiernach ist die empirische Formel dieses Körpers
8°H°Zn?NQ*
Dieses Salz ist in kaltem und kochendem Wasser
äusserst schwer löslich, hat daher auch nur einen sehr
schwachen, etwas metallischen Geschmack. Doch reagirt
seine Lösung schwach sauer. In Alkohol und Aether löst
es sich nicht. Es ist farblos, schmilzt nicht in der Hitze,
bläht sich auch nicht auf, schwärzt sich aber und verbrennt
endlich unter Zurücklassung von weissem Zinkoxyd.
Diglycolamidsaures Silberoxyd, — In meiner früheren
Abhandlung!) habe ich schon angegeben, dass dieses Salz
entsteht, wenn diglycolamidsaures Ammoniak in wässeriger
Lösung mit salpetersaurem Silberoxyd versetzt wird. Ich
beobachtete aber schon damals, dass die über dem entstan-
denen Niederschlage stehende Flüssigkeit stark sauer rea-
girt. Zur Darstellung des reinen Silbersalzes wendete ich
!) Diese Zeitschrift Bd. 20. 5. 15. *
129
daher die Methode an, nach welcher es mir gelungen war,
ein reines dreibasisches triglycolamidsaures Silber zu ge-
winnen ?). Ich sorgte nämlich dafür, dass nach beendeter
Fällung die Reaction noch schwach alkalisch war, indem ich,
sobald sie sauer geworden war, sofort einige Tropfen Am-
moniak hinzufügte. Der gebildete Niederschlag lässt sich
leicht auswaschen.
Er besteht aus einem sandartigen, schweren Pulver,
das sich auch unter dem Mikroscop aus Krystallkörnchen
zusammengesetzt zeigt, an denen eine bestimmte Form
meist nicht erkennbar ist. Hier und da sieht man einige
kurze prismatische Krystalle von geringer Ausdehnung mit,
wie es scheint, grader Abstumpfungsfläche. Zuweilen er-
scheinen auch kleine Täfelchen von kahnartiger Form, welche
an beiden Enden grade abgestuzt sind.
Das diglycolamidsaure Silber ist farblos, färbt sich aber
am Licht, wenn auch nur langsam, bräunlich. In Wasser,
selbst kochendem, ist es nicht löslich, kann daher nicht
umkrystallisirt werden. Auch in Alkohol und Aether ist es
unlöslich. Wird es mit Wasser benetzt, so röthet es Lack-
muspapier schwach. In der Wärme verändert es seine
Farbe. Schon bei 100 bis 150° C. färbt es sich gelb, ohne
dass wesentliche Gewichtsveränderung einträte. Es ist also
wasserfrei. Erhitzt man es stärker, so tritt eine schwache
Verpuffung ein. Diese Verpuffung ist schwächer, als die
des triglycolamidsauren Silberoxyds unter gleichen Umstän-
den. Daher kann der Silbergehalt desselben genauer durch
blosses Glühen bestimmt werden, als der des letzteren.
Sonst sind die Erscheinungen beim Glühen denen ganz gleich,
welche bei letzterem Salze eintreten.
Die Analyse führte zu folgenden Zahlen:
I. I. berechnet
Kohlenstoff — 13,91 13,83 46€
Wasserstoff — 1,67 1,44 5H
Silber 62,01 — 62,25 2 Ag
Stickstoff — a 404 IN
Sauerstoff — _ 1844 40
100,00,
Seine empirische Formel ist €*H°Ag?N9*
I) Diese Zeitschrift Bd. 20. S. 12° *
130
Aus den Resultaten namentlich der Untersuchung des
letzteren Salzes, welches in schwach alkalischer Flüssig-
keit entstanden war, ergiebt sich, dass die Diglycolamid-
säure in der That eine zweibasische Säure ist, dass sie nur
zwei durch Metall ersetzbare Wasserstoffatome enthält.
Eine Bestätigung dessen durch Darstellung eines basischen
Bleisalzes und dessen Analyse zu liefern gelang nicht, da,
wie ich übrigens schon in meinem früheren Aufsatz!) er-
wähnt habe, durch Zusatz von basisch-essigsaurem Bleioxyd
zu der Lösung eines diglycolamidsauren Salzes weder im
Kochen noch in der Kälte ein Niederschlag entsteht. Die
geringe Trübung, welche sich zeigt, ist ohne Zweifel nur
durch die Bildung von kohlensaurem Bleioxyd veranlasst.
nn
Vergleiche man die Diglycolamidsäure mit anderen
'mehrbasischen Säuren in ihrem Verhalten zu Basen, so
zeigt sich, dass sie sich an einige derselben eng anschliesst,
nämlich an diejenigen, welche nur einen Theil der Basis,
durch welche sie in ein Salz übergeführt werden, energisch
gebunden halten, den anderen Theil aber wenigstens dann
nicht, wenn die zweibasische Verbindung nicht unlöslich
oder doch mindestens nicht schwer löslich ist. Zu diesen
Säuren gehört z. B. die Phosphorsäure, deren lösliche drei-
basische Salze schon durch Kotlensäure zersetzt werden
können und desshalb auch alkalisch reagiren. So verhält
sich grade die Diglycolamidsäure. Werden dagegen die
löslichen einbasischen Salze dieser Säure durch solche Salze
zersetzt, deren Basis eine unlösliche zweibasische Verbindung
mit derselben bilden kann, so fällt dieselbe wirklich nieder
und die Flüssigkeit wird sauer. So verhält sich bekannt-
lich die Phosphorsäure ebenfalls.
Stellt man aber die drei Glycolamidsäuren selbst in
Vergleich mit einander, so sieht man in der Glycolamid-
säure (Glycocoll) das einzige durch Metall vertretbare Was-
serstoffatom zwar leicht dadurch vertreten werden, allein
das eingetretene Metall ist nicht sehr fest gebunden. Die
Glycolamidsäure ist eine schwache Säure. Das Aeiglycolyl
!) Diese Zeitschrift Bd. 20. 8. 14.
131
€H?
€£O | Bi wird in seinen stark electronegativen Eigenschaften
H
dadurch wesentlich beeinträchtigt, dass es in den Ammo-
niaktypus getreten ist. Der Einfluss des letzteren hält der
Electronegativität des ersteren so ziemlich das Gleichge-
wicht. Daher ist das Glycocoll gegen Basen eine schwache
Säure, gegen Säuren eine schwache Base.
In der Diglycolamidsäure ist nur das eine Atom Aci-
glycolyl durch die ammoniakartige Form der Verbindung
seiner electronegativen Eigenschaften fast ganz beraubt,
das zweite wandelt dieses Ammoniak in eine starke Säure
um, es macht die Bildung von den Ammoniumverbindungen
ähnlichen Verbindungen mit Säuren, worin diese Substanz
die Rolle des Ammoniaks spielte, unmöglich, Körper, die
mittelst der Glycolamidsäure noch darstellbar sind. Ganz
so verhält sich die Triglycolamidsäure, nur ist sie eine noch
stärkere Säure, weil darin zwei Atome Aciglycolyl enthal-
ten sind, deren negative Natur durch die ammoniakartige
Form der Verbindung nicht beeinträchtigt wird. Das dritte
Atom Aciglycolyl in dieser Säure verhält sich aber genau
so, wie das eine in dem Glycocoll und wie eins der beiden
in der Diglycolamidsäure. Die einbasischen Salze dieser und
die zweibasischen der Triglycolamidsäure enthalten zwar
noch ein durch Metall vertretbares Wasserstoffatom, allein
sie haben wie das Glycocoll nicht merklich saure Eigen-
schaften und das an Stelle dieses Wasserstoffatoms tretende
Metall kann wie beim Glycocoll schon durch die schwäch-
sten zersetzenden Einflüsse wieder ausgeschieden werden.
Zur Anatomie von Vultur fulvus
aus Chr. L. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlass mitgetheilt
von
C, Giebel,
Das zur Untersuchung genommene Exemplar war ein
männliches, seit einem halben Jahre hier in Halle im Käfig
gehalten, vom Schnabel bis zur Schwanzspitze 3° par. lang
132
und nach mehren Hungertagen unmittelbar vor der Tödtung
noch 161/, Pfund schwer. Die Flügelspannung betrug $.
Die äussern Augenlider sind mit feinen schwarzen Wim-
pern am Rande besetzt, übrigens völlig nackt, runzelig,
das untere mit einer vollkommen. ausgebildeten rundlichen
Knorpelplatte an der innern Fläche versehen. Die Nickhaut
ist weissgrau, mit sehr feinen schwärzlichen Aederchen durch-
zogen, am freien Rande ganz schmal schwärzlich, übrigens
nur schwach durchscheinend, nicht gläsern und durchsich-
tig. Die Augen selbst erscheinen im Verhältniss zur Grösse
des Vogels klein, der Augapfel kaum so gross wie bei
Falco buteo und die Cornea noch kleiner wie bei diesem.
Thränenpunkte, Thränenkanäle wie gewöhnlich zwei. Die
Die Thränendrüse und die Harder’sche Drüse dagegen sehr
gross, die Ausführungsgänge beider einfach und deutlich,
auch die vier geraden und zwei schiefen Augenmuskeln
wie gewöhnlich bei Tagraubvögeln. Der zwischen dem un-
tern Augenlide und der innern Knorpelplatte desselben
liegende und in die Orbita gehende sehr dünne und breite
Muskel verhält sich wie ein gerader Augenmuskel und
öffnet durch Herabziehen des untern Augenlides das Auge.
Die Retina erschien bereits etwas gefaltet, wie ge-
wöhnlich in nicht ganz frischen Augen. Fächer und Scle-
roticalring sind schon Bd. IX, Seite 392 u. 401, wo diese
Theile durch die ganze Klasse der Vögel dargestellt worden
. sind, beschrieben. Erstrer bildet auf der Innenseite zehn, auf
der andern elf Falten und misst entfaltet noch lange nicht die
doppelte Länge des grössten Bulbusdurchmessers. Er bleibt
weit von der Linse entfernt. Diese ist flach, nur hinten etwas
gewölbter als vorn. Die Choroidea strotzte von Blut, wahr-
scheinlich weil das Thier durch Erstickung getödtet worden,
nachdem es der Blausäure Widerstand geleistet hatte (ef.
Bd. X, 369). Der Crampton’sche Muskel ist sehr ansehn-
lich und von vielen Ciliarnerven durchzogen.
Die Nasendrüse liegt in der Augenhöhle oben an den
Stirnbeinen hinter den Thränenbeinen ganz wie bei Adlern
und Bussarden, ist sehr dunkel braunroth und etwas ge-
lappt, nicht besonders gross und doch floss dem Vogel so
lange er in Gefangenschaft lebte sehr viel Feuchtigkeit aus
133
den Nasenlöchern, was sehr grosse Nasendrüsen vermu-
then liess.
Die Mundwinkeldrüse weicht nicht von der anderer
Tagraubvögel ab; länglich kegelförmig besteht sie aus we-
nigen zusammengeklebten Acinis, liegt dicht am Mundwin-
kel und öffnet sich einfach am vordern dickern Ende. Von
den gewöhnlichen Gularspeicheldrüsen findet sich allein nur
die bei allen Raubvögeln wie auch bei Hühnern im Kinn-
winkel gelegene breite Doppelmasse mit vielen Oeffnungen
auf der Mundfläche, aus welchen sich viel Schleim ergoss.
Die übrigen schmalen und kleinen bei Falconen zur Seite
und unter der Zunge befindlichen Schleimdrüsen fehlen hier
gänzlich.
Die Gaumenfläche zeichnet sich aus durch einen vor-
dern mittlen unpaaren und sehr ansehnlichen Zapfen, wel-
cher in die Höhlung der Zunge passt, sobald diese nach
vorn geschoben wird und durch den ganz unstreitig die
Zunge sich reibend reinigt, wenn etwas vom Frasse in ih-
rer Höhlung hängen bleibt.e Einen andern Zweck dürfie
der Zapfen schwerlich haben. Weiter erstreckt sich der
besonders lange Besatz beträchtlich nach hinten und die
Tuba Eustachii öffnet sich in einer enorm langen, ungemein
tiefen und breiten Grube. In dieser befinden sich viele
schlitzartige Lücken, in welchen reichlicher Schleim abge-
sondert wird, der eigentliche Eingang in die Tuba aber ist
sehr eng und-schwer zu finden. Die vordere Querleiste
des Gaumens ist deutlich gezähnt, quer und nicht so wink-
lich wie bei den Edelfalken; die Seitenleisten fein gezähnelt
und neigen sich hinter der vordern Querleiste einwärts, um
ungefähr in der Richtung, wo die Choanen 'enden, ebenfalls
aufzuhören, dann fängt aber mehr auswärts eine neue fein-
gezähnelte Seitenleiste an, welche in der Strecke der Tuba-
grube liegt und einen Winkel mit der hintern' gezähnten
Gaumenleiste‘bildend endet. Auf dem hintersten Theile
der Gaumenfläche öffnen sich zahlreiche feine Schleimdrü-
sen. Die Choanenöffnung ist eine einzige ungetheilte, in-
dem die weiche Scheidewand nur in der Tiefe 'bemerklich
ist, und lange nicht bis zum Niveau der Gaumenfläche reicht.
Der Seitenrand dieser Oeffnung wenigstens die hinter der
134
vordern Querleiste befindliche längere Strecke ist völlig
glatt, ohne alle Zähne.
Das Gehörknöchelchen ist lang und sanft gebogen.
die auf der Fenestra ovalis aufsitzenden Platten etwas ge-
höhlt, mit einem kurzeh spitzen, und einem langen breiten
runden Ende, der Knorpeltheil ganz verloren.
Die Muskulatur zeigt eine grosse Uebereinstimmung
mit der der gemeinen Falken, bietet aber doch einige Be-
sonderheiten, zumal in der gewaltigen Stärke der Kiefer-
und Zungenmuskel, welche kaum von einem andern Raub-
vogel erreicht wird. Vor Allem zeichnet sich der M. pte-
rygoideus durch Grösse und Erstreckung aus. Sein oberer,
die Gaumenbeine bedeckender Theil reicht vorn bis zum
Oberkieferbein. Aber auch die Schläfenmuskeln und die
Niederzieher des Unterkiefers sind viel voluminöser als bei
andern Raubvögeln. Der Schläfenmuskel reicht hoch am
Hinterkopf hinauf und bedeckt, nachdem er unter dem Zy-
goma sehnig war, wieder fleischig werdend, fast die ganze
äussere Fläche der Unterkieferäste, deren hintersten Theil aus-
genommen, wo Sich bei den Papageien der M. pterygoideus
herumschlägt. Der M. quadratomaxillaris und orbitoquadra-
tus bieten die bei Raubvögeln gewöhnlichen Verhältnisse.
Besonders merkwürdig und ausgezeichnet aber ist ein Mus-
kel, welcher hinterwärts über dem vordern Ende der Flü-
gelbeine von der Augenhöhlenscheidewand entspringt, sich
über die Flügelbeine wegschlägt und schief nach unten und
hinten gehend sich mit einer ziemlich schmalen Sehne an
die innere Fläche des hintern Theiles des Unterkieferastes
kurz vor der Gelenkfläche ansetzt. Dieser Muskel ist sehr
verschieden von dem, welcher bei den Enten an derselben
Stelle entspringt, aber zum Flügelbeine geht. Man könnte
ihn M. ethmomaxillaris posterior nennen. Er zieht den Un-
terkieferast aufwärts und nach vorn.
Die Zungenmuskeln sind gleichfalls von bedeutender
Stärke zumal die M. coniei ossis hyoidei, welche ‚ebenso
weit vorn in der Nähe des Mundwinkels vom Unterkiefer
abgehen wie bei dem Bussard. Die M. hypoglossi recti
und der M. ceratohyoideus fehlen, der hypoglossus obliquus
ist klein und vom vordern Theile des ceratoglossus bedeckt,
135
der wie die übrigen sehr stark ist, | Dieser starken Entwick-
lung der Kiefer- und Zungenmuskeln bedurften die Geier,
um das Fleisch der Hufthiere zu zerreissen und von den
Knochen abzulösen, wobei ihnen noch die Zunge ganz be-
sondere Dienste leistet.
Von den Hautmuskeln fehlt der M. ypsilo- oder ster-
nothyroideus und der humerocutaneus. Der M. costocuta-
neus entspringt nur ‘von zwei Rippen. Ein besonderer
Hautmuskel geht von der Furcula bis zur Federnkrause am
Nacken und endet hier. Er ist stärker als der übrige Hals-
hautmuskel, welcher hauptsächlich aus Querfasern beste-
hend von Fasern verstärkt wird, die seitlich von den Win-
keln der Furcula ausgehen.
Die eigentlichen Halsmuskeln sind den Kiefermuskeln
entsprechend von ausnehmender Stärke. Die M. recti ca-
pitis postiei bilden nur ein Paar, sind ungetheilt. Der M-
biventer cerviecis mit sehr kurzer Mittelsehne, sein vordrer
Bauch viel kürzer als der hintere wie gewöhnlich bei Raub-
vögeln. — Der M. serratus anticus minor ist vom major
getrennt.
Der M. latissimus dorsi theilt sich wie gewöhnlich in
einem vordern und hintern. Die Sehne des letztern ver-
bindet sich mit dem seitlichen Kopf des Anconaeus longus
und inserirt sich mit diesem hinten an das Os humeri. —
Der Deltoideus major oder primus verhält sich wie bei an-
dern Raubvögeln, ist kräftig aber nicht weit am Humerus
sich erstreckend und wie gewöhnlich mit einer Seitensehne
an den hintern Rand der Scapula angeankert. Der Deltoi-
deus secundus (Tiedemanns Levator humeri), welcher:.die
Sehne des M. pectoralis secundus begleitet, ist sehr ansehn-
lich, liegt unter dem Tensor patagii und ist auf der Kante
des’ Oberarmes neben dem ‚vorigen sichtbar: Der Deltoi-
deus tertius (Tiedemanns 'Deltoideus ‘minor),; welcher von
dem langen Kopfe des Biceps gewöhnlich begleitet oder be-
deckt wird, erscheint hier ungemein stark und tritt neben
jenem langen Kopfe weit ‘hervor. — Der M. pectoralis ma-
jor ist sehr voluminös, ‘obwohl die crista sterni, auffallend
niedrig ist, indem er auf den -Schlüsselbeinen und Oberarm
nit seiner grössten Masse aufliegt. Er gibt wie gewöhn-
136
lich ein Bündel zur Bildung der grossen Flughautsehne.
Der M. pectoralis minor oder secundus dagegen ist unge-
mein schmal und klein, mehr noch wie bei andern Raub-
vögeln. Der Tensor patagii magni longus und brevis er-
scheinen vereinigt. Der gemeinschaftliche Muskel entspringt
hauptsächlich vom höchsten und hintersten Theile der Fur-
cula, vielleicht aber zugleich vom obersten Theile des Schlüs-
selbeines, auf welchem die Ursprungssehne darübergehend
wenigstens fest aufliegt. Die zum Extensor metacarpi ra-
dialis gehende Sehne, die des sogenannten kurzen Flug-
hautspanners ist durchaus nur einfach, auch unten nicht
gespalten, schmal, und geht wie gewöhnlich in den Kopf
oder Bauch des genannten Muskels und in die Aponeurose,
welche die Aussenfläche des Vorderarmes bekleidet. Die
lange oder Hauptsehne des Flughautspanners hat wie ge
wöhnlich dem Ellnbogengelenk gegenüber die von elasti-
scher Substanz gebildete Strecke und theilt sich hierauf
in zwei dünnere Sehnen, welche in ein sehr längliches voll-
kommen knöchernes ansehnliches Epicarpium übergehen.
Elastische Fasern liegen übrigens auch weiter vorwärts in
der Flughaut unter dem Verlauf der Doppelsehne. Sehr
deutliche und schöne strahlige Bündel elastischer Fasern
liegen an der Schwingenseite der Ulna, welche jede Feder-
spuhle in spitzen Winkel zur Ulna ziehen. Hinten an der
Biegung des Carpus befindet sich ausserdem ein grosses
strahliges Bündel von solcher elastischer Substanz, welches
zwischen die letzte- Strecke der Ulna und den hintern Rand
des Metacarpus ausgespannt ist und dazu dient den Hand-
theil des Flügels, welchen dieser Geier ausserordentlich tief
eingeschlagen und an den Vorderarmschwingen ganz ver-
deckt trug, ohne Muskelanstrengung in der Ruhe halten
zu können, zumal insofern keine Tragfedern da sind oder
der Flügel in der Ruhe nicht von den Seitenfedern des Brust-
streifs getragen wird.
Die am Oberarm liegenden Muskeln wie auch alle übri-
gen der Flügel bieten nichts von denen der Gemeinfalken.
Abweichendes. Der Biceps brachii ist wie gewöhnlich un-
getheilt, seine Sehne setzt sich mit einem kurzen Zipfel
an den Radius, mit einem langen, wieder zweitheiligen an
137
die Ulna. Der Anconaeus longus Tiedemanns kommt wie
gewöhnlich mit zwei kurzen Sehnenköpfen von der Scapula
und setzt sich dann noch mit dem seitlichen oder Querseh-
nenkopf an den Humerus, mit welchem seitlichen Sehnen-
kopfe sich die Sehne des M. latissimus dorsi posticus ver-
bindet. Die Sehne ist ohne Patella, ebenso die des Anco-
naeus secundus. Der kleinste Ellnbogenknorrenmuskel Tie-
demanns findet sich hier so wenig wie bei andern Vögeln
- mit etwaiger Ausnahme von Cypselus, und seine Unter-
scheidung ist eine blos willkürliche, indem eine Theil des
Anconaeus secundus dafür genommen wird. Der Brachia-
lis internus verhält sich wie bei allen Raubvögeln. Der
Pronator primus oder brevis nimmt etwas über den vier-
ten Theil der Speiche ein. Der stärkere Pronator secundus
nimmt etwas über ein Drittheil der Länge der Speiche ein.
Der Extensor metacarpi ulnaris besteht aus zwei unvoll-
kommen getrennten dünnen Bäuchen, deren Sehnen sich
in eine vereinigen, wie sie denn auch von demselben Punkte
entspringen.
Die Muskulatur der hintern Gliedmassen schliesst sich
dem allgemeinen Falkenplane aufs engste an, namentlich
gilt dies von den am Oberschenkel liegenden M. M. sarto-
rius, latissimus femoris Tied. oder glutaeus magnus Meck,
glutaeus medius und minor Meck, iliacus internus genui-
nus, obturator externus, extensor cruris, rectus cruris in-
ternus Tied., gracilis femoris Tied, rectus cruris Meck, wel-
cher ziemlich ansehnlich den gewöhnlichen Ursprung hat
und die gewöhnliche Verbindung mit dem durchbohrten
Zehenbeuger der mittlen und äussern Zehe macht. Der Ad-
ductores femoris sind zwei sehr leicht trennbare, aber beide
haben denselben Ursprung und dieselbe Anfügung und sind
ungemein stark. Der Flexor cruris fibularis N zeichnet sich
nur durch seine ansehnliche Stärke aus, ebenso der Flexor
eruris tibialis. Der Biceps cruris fehlt hier wie allen Raub-
vögeln gänzlich. Der M. tibialis anticus ganz gewöhnlich.
Der Gastrocnemius besteht wie bei Pandion halia@tos aus
zwei Bäuchen, von welchen der äussere nur einen Kopf
hat, während der innere Bauch mit drei Köpfen entspringt.
Der M. plantaris fehlt gänzlich, auch ist der bei den Edel-
XXL 1863, 10
138
falken vorkommende M. tibialis posticus hier so wenig wie
bei den Gemeinfalken vorhanden. Der Peronaeus verus
und brevis ist klein und reicht noch nicht bis zur Mitte
der Länge des Crus hinauf. Er scheint keine wirklich knö-
cherne Patella zu haben. Der Peronaeus longus s. com-
municans, welchen Tiedemann als tibialis posticus beschreibt,
ist sehr ausgebildet wie bei Gemeinfalken, entspringt ganz
oben von der äussern Knieleiste der Tibia, zwischen dem
Tibialis anticus und Flexor perforatus perforans der Mittel-
zeh liegend und herablaufend, geht mit einer breiten Sehne
zum Fersengelenk und mit einer längern hier auch verhält-
nissmässig starken Sehne zur Sehne des durchbohrten
Beugers der Mittelzehe nach dem gewöhnlichen Verhält-
nisse. Vorzüglich auszeichnend erscheint das Verhältniss
der Nagelgliedbeuger zu den durchbohrten Zehenbeugern;
indem diese an Masse ganz und gar nicht von jenen über-
wogen werden, was sonst bei allen Tag- und Nachtraub-
vögeln eben mit Ausnahme der geierartigen der Fall ist,
bei denen die Nagelgliedbeuger bisweilen die stärksten Mus-
keln am Crus sind. Mit dem gegentheiligen Verhältniss
bei Vultur fulvus stimmen wohl auch die Catharten, Neo-
phron und Gypogeranus überein, weil auch sie die Klauen
nur wenig zum Einschlagen gebrauchen.
Von den Bauchmuskeln endlich entspringen die M.
recti abdominis blos vom Abdominalrande des Brustbeines
und gehen sehnig zum Schambeim. Der M. tranversus ab-
dominis kömmt nur von den Schambeinen fleischig, Kei-
neswegs von den Rippen wie Meckel irrthümlich angibt,
und wird in der Nähe des Brustbeines häutig. Der M. ob-
liquus externus bedeckt mit seinen schief querlaufenden
Fasern alle übrigen Bauchmuskeln und namentlich auch
die geraden völlig, indem er an der Linea alba mit seinem
socius zusammen stösst. Er erstreckt sich übrigens über
die vier letzten Rippen. Der M. obliquus internus füllt den
dreieckigen Raum zwischen der letzten Rippe und dem
Beckenrande aus und ist blos fleischig ausser einem klei-
nen Theile am Schambeine.
Der Verdauungsapparat verdient in mehrfacher Hin-
sicht eine besondere Aufmerksamkeit. Im Schlunde zu-
v
139
nächst, der einen grossen kropfartigen Bauch hat, liegen
feine Drüsenöffnungen, welche im Kropfbauche spärlich
werden, hinter demselben aber wieder zahlreich auftreten
und gegen die Grenze des Vormagens hin am grössten
werden. Der grosse Vormagen hat ziemlich deutliche Juga
und zwar vier. Seine Drüsen sind nicht stark, deren Oeff-
nungen sehr klein, aber unzählige. Der Magen erscheint
als blosser kleiner Anhang des Vormagens und ist ganz
häutig, doch mit sehnigem Centrum. Der Pylorus ist merk-
würdig durch drei sehr deutliche Klappen, von welchen die
grösste einen Zipfel bildet, die beiden andern mehr rund-
lich sind und von erstrer umgeben werden. Der Darmka-
nal misst sieben Fuss Länge und ist sehr eng, im Duode-
num und Mastdarm schwach erweitert. Die fast vier Fuss
lange Duodenalschlinge macht in der hintern Hälfte eine Spi-
ralwindung. Das Darmdivertikel liegt wie ein dünner Fa-
den in fast vier Fuss Entfernung vom After. Die Blind-
därme gleichen kleinen Papillen. Am Ende des Darmes im
After zeigen sich zwei kleine Zipfel wie Ruthen, neben je-
der nach innen eine kleine Oeffnung. Die innere Darm-
fläche ist zottig. Die ganzen Gedärme liegen sehr vollkom-
men in einen Peritonealsack eingeschlossen. Die Leber
verhält sich wie bei Adlern und Falken, mit abgerundeten
ziemlich gleich langen Lappen, von welchen der rechte je-
doch etwas breiter und grösser ist als der linke. Die grosse
Gallenblase ist rundlich oval nierenförmig als quere Erwei-
terung des rechten Gallenganges sich darstellend, indem
sie durch einen dünnen Gang die Galle bekömmt und wie-
- der durch einen ebenso dünnen dieselbe in den Darm er-
giesst. Das Pankreas ist klein und einfach, nur den vor-
dersten Theil der Darmschlinge einnehmend, umgibt den
Lebergang mit einem Theile und sendet drei Ausführungs-
gänge in das Duodenum zwischen den beiden Gallengängen.
Die Milz ist kurz oval.
Im Gefässsysteme ist zu beachten eine Vena jugula-
ris jederseits, zwei sehr versteckte dicht neben einander
verlaufende Carotiden. — Die Luftzellen des Rumpfes ver-
halten sich ganz wie bei Buteo. Die Zelle zwischen bei-
den Leberzellen, welche die Edelfalken haben, fehlt hier.
107
140
— Die Lungen sind sehr niedrig. — Die vordern Nierenlap-
pen sind rundlich oval, die mittlen sehr schmal und lang,
die hintern ganz davon getrennt, breit und kurz. Die Ho-
den sind länglich, der rechte etwas grösser als der linke
bohnenförmige. — Die Bürzeldrüse ist breit herzförmig»
ohne Zipfel und zeigt der Länge nach durchschnitten ei-
nen eiförmigen Kessel mit vielen Oeffnungen in den Wänden.
Zur Osteologie der Gattung Ocypterus
C, Giebel,
Die zu den Pirolen gehörige Gattung Ocypterus Cuv
(Artamus Vieill und Leptopteryx Horsf) mit ihren indischen
und neuholländischen Arten ist meines Wissens noch nicht
osteologisch mit ihren Verwandten verglichen worden. Un-
sere anatomische Sammlung besitzt ein Skelet mit der Eti-
quette Ocypterus cinereus, welcher Artname keine Berechti-
gung hat, vielmehr wird es OÖ. leucorhynchus sein. Dies
veranlasst mich zu nachfolgender Vergleichung mit dem
einheimischen Sturnus und Oriolus galbula und mit Icte-
rus, von welchen Arten ich eine ganze Suite von Skeleten
vor mir habe.
Die sehr charakteristische Schnabelform ist schon in
der Gattungsdiagnose gewürdigt und braucht hier nicht be-
schrieben zu werden, wogegen das Verhalten der Nasenlö-
cher ein so durchaus eigenthümliches, weit von den ver-
wandten Gattungen abweichendes ist, dass es alle Aufmerk-
samkeit verdient. Während nämlich bei Sturnus, Oriolus
und Icterus die Nasenlöcher grosse elliptische Oeffnungen
am Schnabelgrunde sind, finden wir bei Ocypterus gleich
hinter der Schnabelmitte dem Kieferrande näher als der
Schnabelfirte jederseits eine kleine birnförmige Oeffnung,
das Nasenloch, und gleich hinter diesem, bei dem befieder-
ten Vogel ganz unter dem Gefieder versteckt, senkt sich
anfangs sehr seicht eine Grube am Schnabelgrunde ein,
welche dem hintern Drittheil der Nasenöffnung bei jenen
Gattungen entspricht. Die Nasenhöhle ist also hier in zwei
141
Gruben getheilt. Die Lücke zwischen Nasenloch und Au-
genhöhle verhält sich wesentlich wie bei Icterus und Orio-
lus, nur das sie erheblich kürzer, höher als lang, bei jenen
lang und dreieckig ist, bei Sturnus dagegen viel länger
nach vorn sich erstreckt und nach hinten ganz in die Au-
genhöhle sich Öffnet. Auch der Schnabelgrund mit der Beu-
gungsstelle und die Stirngegend gleicht im Wesentlichen
den Verhältnissen von Icterus und Oriolus und entfernt
sich von Sturnus mehr. Die Augenhöhlenränder sind gar
nicht verdickt und aufgeworfen, nur hinterwärts treten sie
schwach hervor.
Die Hirnkapsel erscheint relativ kleiner als bei den
verwandten Gattungen, kurz und breit, der Scheitel flach.
Die ganze Hinterhauptsgegend stimmt auffällig mit Oriolus
überein und zeigt keine Eigenthümlichkeit von generischer
Bedeutung. Bei Icterus ist dieselbe merklich schmäler und
fast wulstig umrandet, bei Sturnus hebt sie sich stark ge-
wölbt hervor. Auch in der Grösse, Form und Berandung
des Foramen magnum oceipitale finde ich Ocypterus gar
nieht von Oriolus verschieden, während bei Icterus dieses
Loch merklich kleiner ist.
An der Seitenansicht ist die Schläfenfläche für die gros-
sen Kiefermuskeln merklich umfangsreicher bei Ocypterus
wie bei allen verwandten Gattungen und der hintere Rand
der Augenhöhle ragt als starker Fortsatz tief senkrecht herab,
so dass seine Spitze kaum eine Linie weit vom Jochbogen
entfernt bleibt, während bei Oriolus und Icterus derselbe
viel höher steht, kürzer ist und mehr als zwei Linien weit
über dem Jochbogen steht, Bei diesen Gattungen ragt in
der Mitte des Raumes dieses Fortsatzes und Jochbogens
ein starker kantiger Fortsatz vom Schläfenbein über das
Quadratbein nach vorn; bei Ocypterus ist dieser Fortsatz
fadendünn, viel länger, stärker abwärts und etwas nach
innen geneigt. Das Septum interorbitale finde ich bei Ocyp-
terus etwas weiter durchbrochen wie bei Oriolus, bei Icte-
rus aber noch viel mehr, eigentlich nur rudimentär. Der
Jochbogen ist fadendünn und kantig, merklich stärker bei.
Icterus und Oriolus, aber noch feiner bei Sturnus.
Die untere Schädelseite stimmt wieder auffällig mit
142
Oriolus überein, und nur relative Unterschiede machen sich
bemerklich. So ist bei Oriolus die Gaumenfläche merklich
tiefer muldenförmig und die Hinterecken der Gaumenbeine
länger nach hinten ausgezogen wie bei Ocypterus, bei die-
sem die Rinne längs der Mittellinie schmäler u. dgl. Bei
Icterus dagegen sind die Gaumenbeine überhaupt viel schmä-
ler und gar nicht nach hinten verlängert. Sturnus schliesst
sich zwar enger an Ocypterus an, doch nicht in dem Grade
wie Oriolus.
Das Quadratbein weicht von dem des Oriolus nur durch
seinen ansehnlich dünnern und etwas längern Orbitalfort-
satz ab, welcher dem Flügelbeine ganz parallel liegt, bei
Ieterus und Oriolus nur wenig, bei Sturnus aber sehr stark
aufwärts gerichtet ist. Bei Icterus ist unter allen dieser
Knochen am kräftigsten.
Die Unterkieferäste erscheinen von der Seite betrach-
tet merklich höher als bei Oriolus, ähnlicher Iceterus, wo-
gegen bei diesem die hintere Ecke in einen starken Fort-
satz eine ansehnliche Strecke über das Gelenk hinaus nach
hinten fortsetzt, der bei Sturnus zugespitzt ist, bei Ocyp-
terus und Oriolus aber gänzlich fehlt. Bei diesen Beiden
endet vielmehr jeder Ast gleich unterhalb des Gelenkes mit
einer schiefen dreiseitigen Fläche und Ocypterus zeichnet
sich von Allen besonders noch aus durch einen gegen das
Flügelbein aufsteigenden Stachelfortsatz an der Innenseite
gleich vor dem Gelenk, von welchem bei den andern nicht
einmal eine schwache Andeutung zu finden ist.
Die Wirbelsäule besteht bei Ocypterus und ÖOriolus
aus 13 Hals-, 7 rippentragenden, dem Kreuzbein und 8
Schwanzwirbeln bei Icterus aus nur 11 Hals- und 7 Schwanz-
wirbeln, bei Sturnus aus 1” Hals- und 7 Schwanzwirbeln.
Die Wirbelsäule ist in ihrer ganzen Länge bei Ocyp-
terus auffallend schwach und zart gebaut im Verhältniss
zu der der andern Gattungen. Die Halswirbel zeichnen
sich besonders durch ihre Kürze und die weiten Bogenlü-
cken aus. Der Atlas ist ein sehr feiner Ring mit dickem
Körper und kleinem Fortsatz an dessen Unterseite, welcher
bei Oriolus die Form einer dicken Warze hat, bei Icterus
zweispitzig ist. Der Epistropheus stimmt in seinen Fort-
143
sätzen mit Oriolus überein. Der dritte und vierte Hals-
wirbel hat auf seinem, hinten noch nicht ausgerandeten
Bogen einen kleinen zitzenartigen Dornfortsatz, der dritte
auch einen breiten untern Dorn, welcher dem vierten gänz-
lieh fehlt, während er bei Oriolus und Icterus noch vorhan-
den is, Vom fünften Wirbel an sind die Bögen tief aus-
gerandet und bilden schmalarmige Kreuze bis zu den drei
letzten, deren Bögen wieder breit sind. Allen diesen feh-
len obere Dornen gänzlich, und untere Dornen haben nur
die letzten beiden. Dagegen sind die seitlichen oder Ge-
lenkfortsätze ziemlich kräftig und die fadendünnen Rippen-
rudimente fast von Wirbellänge. Bei Oriolus finden wir
dieselben Formen, aber kräftiger, massiver, in noch höhe-
rem Grade bei Icterus.
Von den Rückenwirbeln ist nur der erste und sechste
frei, beweglich, die dazwischenliegenden unter einander,
der siebente mit dem Hüftbein verwachsen. Der erste trägt
nur einen ganz niedrigen Dornfortsatz und hat einen brei-
tern Bogen als der letzte Halswirbel, aber einen hohen un-
tern Dorn wie die beiden letzten Halswirbel und die beiden
folgenden Rückenwirbel. Die verwachsenen Rückenwirbel
haben einen starken ununterbrochenen Dornenkamm und
breite schwach aufwärts geneigte Querfortsätze und stark
comprimirte, unterseits kantige Körper. Der vorletzte ist
zwar frei, doch steht sein Dornfortsatz so nah an dem des
letzten, dass eine allmählige Verwachsung leicht eintreten
kann. Bei Oriolus finde ich diese Wirbel kräftiger und län-
ger, ihre starken Dornfortsätze zwar verbunden, doch selbst
bei alten Exemplaren noch deutlich unterscheidbar und
nicht in einen gleichmässigen Kamm verschmolzen, Ihre
Querfortsätze sind bedeutend breiter. Bei Icterus bleiben
die Dornfortsätze völlig isolirt, dagegen ziehen sich die
Ecken der breiten Querfortsätze so lang aus, dass sie zu
einer Verschmelzung gelangen. Sturnus hat wieder einen
ununterbrochenen Dornenkamm wie Ocypterus, doch brei-
tere Querfortsätze.
Die Kreuzwirbel sind völlig unter einander und mit
dem Becken verschmolzen, so dass eine weitere Verglei-
chung kein Interesse gewährt. Die Schwanzwirbel sind bei
dad
Ocypterus kurz, mit sehr niedrigen und breiten Dornen
stark abwärts geneigten breiten Querfortsätzen, die drei
vorletzten mit untern Dornen, der letzte mit hohem trape-
zoidalen Dorn und dreiseitiger ebener Hinterfläche. Orio-
lus unterscheidet sich nur durch kräftigere Formen und eine
sehr spitz dreiseitige Dornplatte des letzten Wirbels. Bei
Icterus stehen die viel längern und breiten Querfortsätze
fast wagrecht und der letzte Wirbel hat eine viel höhere
spitze Dornenplatte und hinten am Körper eine ovale Fläche.
Dem schliesst sich Sturnus enger an als erstern Gattungen.
Die Rippen beginnen bei unserm Ocypterus also gleich
mit einer wahren und scheint es mir, als sei eine erste
falsche bei der Präparation verloren, für welchen Fall die
obige Zahl der Halswirbel um einen zu hoch angegeben
wäre. Alle Rippen sind oberhalb des Hakenfortsatzes sehr
breit, unterhalb desselben schmal, sie haben mit Ausnahme
der ersten und letzten den Hakenfortsatz, welcher mit sei-
ner Spitze sich auf die nächst folgende Rippe legt. Die
letzte mit dem Hüftbeine verwachsene Rippe ie* die einzige
ohne Sternalfortsatz. Ganz dieselbe Rippenbildung besitzt
Oriolus, nur sind hier die IIakenfortsätze bemerkenswerth
länger. Bei Icterus und Sturnus sind die sämmtlichen Rip-
pen in der obern Hälfte ansehnlich breiter und auch die
letzte hat einen Sternalknochen. |
Das schmal säbelförmige Schulterblatt reicht bei Ocyp-
terus, Oriolus, und Icterus, bis auf die drittletzte, bei Stur-
nus bis auf die vorletzte Rippe, und ist bei Ocypterus fast
gerade mit scharfer hinterer oberer Ecke, zumal bei Icterus
und Oriolus völlig abgerundet. Die Furcula zeigt bei allen
die gleichen Formverhältnisse, nur sehr geringfügige Un-
terschiede in der Krümmung. Am Processus coracoideus
besitzen an der untern Hälfte der Hinterseite Icterus eine
sehr hohe, Oriolus und Sturnus eine kleinere Leiste, welche
bei Ocypterus nur ganz schwach angedeutet ist. Zugleich
ist bei letztrer Gattung dieser Knochen ansehnlich kürzer
wie auch die Furcula als bei den übrigen.
Das Brustbein trägt bei Ocypterus eine ungleich höhere
Spina wie bei den andern Gattungen, die niedrigste bei
Icterus. Der bei allen vorkommende Gabelfortsatz in der
652
v9
Mitte des Vorderrandes zwischen den Rabenschnabelbeinen
ist bei Ocypterus am niedrigsten und dessen Aeste zugleich
sehr sperrig, dagegen erscheint der seitliche Fortsatz, an
dessen Rande die Sternocostalien gelenken, beträchtlich schmä-
ler wie bei den übrigen und zugleich zugespitzt, bei den
andern breit abgestutzt. In dem hintern Ausschnitte stim-
men alle überein.
Der Oberarm hat allgemein ziemlich die Länge der
Scapula und sehr starke Knorren Eine Patella brachialis
ist allgemein vorhanden. Die Unterarmknochen sind etwa
um ein Drittheil länger, der kantige fadendünne Radius ganz
gerade, die starke abgerundete Ecke nur am obern Ende
schwach gekrümmt. In der Hand- und Fingerbildung finde
ich gar keinen beachtenswerthen Unterschied. „
Auch das Becken zeigt in allen seinen Formenverhält-
nissen eine so merkwürdige Uebereinstimmung, dass man
nur mit geringfügigen relativen Unterschieden wie der schwä-
chern Buchtung der obern abfallenden Seite der Hüftbeine,
der breitern untern Oeffnung, den etwas kürzern Scham-
beinen u. dgl. die Trennung des Ocypterus von Oriolus
rechtfertigen kann. Nicht minder schwierig wird esin dem
Oberschenkel und Unterschenkel Differenzen zu constatiren.
Ieterus und Sturnus haben allerdings viel höhere Knielei-
sten an der Tibia als Oriolus und Ocypterus, und letztere
beiden unterscheiden sich auch etwas in der Form dieser
Leisten von einander, doch ein erhebliches Gewicht lässt
sich darauf nicht legen. Besser charakterisirt sich der Tar-
sus bei Ocypterus durch seine grosse Kürze und die mar-
kirte Rinne auf der breiten Vorderseite. Sturnus und Icte-
rus haben im Verhältniss zu Oriolus und Ocypterus sehr
lange Tarsen. Im Grössenverhältniss der einzelnen Zehen
wird man zwischen letztern beiden keinen Unterschied mit
dem Massstabe ermitteln.
Unsere Vergleichung ergibt also, dass Ocypterus osteo-
logisch bis auf einige Eigenthümlichkeiten im Schädelbau
so völlig mit Oriolus übereinstimmt, dass auf ‘das Skelet
allein beide Gattungen sehr wohl in eine vereinigt werden
könnten. Unterschiede in der übrigen Organisation recht-
fertigen jedoch die generische Trennung.
146
n Mittheilungen,
Aus dem Laboratorium des Dr. Siewert.
1. Analyse einer Amniosflüssigkeit.
Während die Quantität des Fruchtwassers in normalen Fäl-
len meist nur 2—3 Pfund beträgt, war durch Veränderungen im
Gesundheitszustande der Schwangeren die Masse des Fruchtwas-
sers bis auf nahezu 9 Pfund vermehrt !). Dasselbe hatte ein
spec. Gewicht von 1,021, und war, wie es gewöhnlich der Fall
ist, von schwacher, aber deutlich alkalischer Reaction. Es war
ziemlich stark getrübt durch die abgestossenen Epidermiszellen
der Fötalhaut, die sich bei längerem Stehen der Hälfte der vor-
handenen Flüssigkeit als eine weisse, fast pulvrig scheinende
Schicht am Boden des Gefässes ausschieden. Das Gewicht der-
selben liess sich leider nicht gut bestimmen, da sie durch Fil-
tration von der Flüssigkeit nicht geschieden werden konnten.
Weder beim Kochen für sich, noch auf Zusatz von Essig-
säure, Alkohol oder Kaliumeiseneyanür erfolgte Fällung oder
Coagulation; es wurde jedoch beim Kochen nach vorherigem Zu-
satz reiner Salzsäure von 1,2 spec. Gewicht beim Erkalten eine
albuminöse Substanz in Flocken abgeschieden. Als statt reiner
Salzsäure die rohe Salzsäure verwandt wurde, trat nach einigem
Kochen die charakterische violette Farbe ein, welche die Anwe-
senheit von Albumin in einer Flüssigkeit beweist. Merkwürdig
und charakteristisch für das in diesem Fruchtwasser enthaltene
Albuminat ist, dass ein Theil desselben in Salzsäure löslich, aber
durch Kalihydrat fällbar ist Concentrirte Salpetersäure erzeugt
schon in der Kälte eine starke Albuminabscheidung, die sich beim
Erhitzen zusammenballt und gelb wird. Salpetersaures Queck-
silberoxydul gibt einen käsigen Niederschlag, der beim Kochen
an die Oberfläche der Flüssigkeit steigt und graugelblich erscheint.
Salpetersaures Quecksilberoxyd gab in der Kälte ebenfalls einen
weissen flockigen Niederschlag, der beim Kochen rosenroth wurde.
Alle diese Reaktionen deuteten auf einen, wenn auch nur ge-
ringen Gehalt an einer albuminösen Substanz hin, welche siehjedoch
in mancher Beziehung vom gewöhnlichen Albumin unterscheidet.
Zucker, Hippursäure und Harnsäure konnten nicht nach-
gewiesen werden. *
1.) Beim Abdampfen einer grössern Menge Flüssigkeit
(475,1 Grm.) schied sich die albuminöse Substanz in dünnen
Häutchen an der Oberfläche der Flüssigkeit, caseinähnlich, ab.
Die Gesammtmenge des festen Rückstandes bei 120°C. im Luft-
!) Diese Amniosflüssigkeit war auf dem hiesigen Entbindungsin-
stitut von Herrn Prof. Dr. Olshausen kurz vor der Geburt des Fötus
abgelassen und mir sogleich zur Untersuchung übergeben worden.
147
bade getrocknet, betrug 6,74 Grm. — 1,418 pC. Daraus wur-
den mit Aether extrahirt 0,1252 Grm. Fett, entsprechend 0,0262 pC.
2.) 276 Grm. Flüssigkeit in einer Platinschale zur Trockne
verdampft, lieferten oberflächlich verkohlt, mit Wasser der Glüh-
rückstand völlig erschöpft, die erhaltene Lösung wieder zur Trockne
gebracht und bis zur Zerstörung aller organischen Substanz
erhitzt, nochmals mit Wasser extrahirt und zur Trockne ge:
bracht, einen 1,9500 Grm. betragenden Salzrückstand, entspre-
chend 0,706 pC.
3.) 520,8 Grm. Flüssigkeit im Wasserbade zur Trockne
verdampft und bei 120°C. im Luftbade getrocknet, gaben 7,335
Grm. entsprechend 1,412 pC. Darin waren enthalten mit Aether
extrahirbares Fett 0,1445 Grm. — 0,277 pC. Die mit Aether
extrahirte Substanz wurde mehrmals mit kochendem Alkohol ex-
trahirt, um den etwa vorhandenen Harnstoff zu erhalten. Da
jedoch auch unorganische Salze und etwas Eiweisssubstanz mit
gelöst wurden, musste das alkoholische Extract mehrmals im Was-
serbade abgedampft und von Neuem mit absolutem Alkohol auf-
genommen werden. Nach dreimaliger Wiederholung des Verfah-
rens wurde ein in kaltem Alkohol ganz lösliches Extract erhal-
ten, das zwar keine unorganischen Salze, wohl aber noch andre
organische Stoffe ausser Harnstoff enthielt. Um letztern mit sal-
petersaurer Quecksilberoxydlösung titriren zu können, wurde der
Alkohol nochmals im Wasserbade verdunstet und der Rückstand
in Wasser aufgenommen, wobei eine weisse flockige Substanz zu-
rückblieb, welche auf einem gewogenen Filter abfiltrirt wurde. Das
Gewicht derselben wurde zu 0,1400 Grm. bestimmt. Die wässrige
Lösung des Harnstofis wurde nun mit salpetersaurem Quecksilber-
oxyd titrirt und davon 22 CC. verbraucht, welche (da der Titre
12 CC. Quecksilberlösung — 0,10 Grm. Harnstoff bestimmt war)
0,1833 Grm. entsprechen — 0,0352 pC. Die Gesammtmenge
der in Wasser löslichen unorganischen Salze betrug 3,676 Grm.,
entsprechend 0,706 pC., dieselbe war theilweise durch Extraction
der schon mit Alkohol und Aether behandelten Albuminsubstanz,
theilweise aus dem alkoholischen Extract erhalten. Gleichzeitig
war mit den Salzen auch ein beträchtlicher Theil des vorher coa-
gulirt gewesenen Albumins wieder gelöst worden, so dass der in
den angewandten Lösungsmitteln unlösliche Theil nur einen klei-
nen Theil der ganzen albuminösen Stoffe ausmachte. Das Ge-
wicht derselben betrug nach vollkommener Entwässerung nur
1,7495 Grm. —= 0,238 pC.
Rechnet man zu 1,7495 Grm. noch die oben angeführten
0,1400 Grm. Albuminsubstanz hinzu, welche mit Alkohol extra-
hirt waren, und durch Wasser vom Harnstoff abgeschieden waren,
so wurden, da das Gesammtgewicht der Salze, des Fettes und
Harnstoffs 3,8638 Grm. beträgt, durch Wasser noch 1,6017 Grm.
albuminöser Substanz gelöst. Es ergibt sich hiermit, dass der
148
Albumingehalt des Fruchtwassers geringer war, als der der Salze
(nämlich im Verhältniss 3,3512 Grm. : 3,676 Grm.), dass aber
das Verhältniss der organischen Stoffe überhaupt zu den unor-
ganischen gleich 1:1 (3,679:3,676) war.
In Folge der Beobachtung, die ich bei der ersten Prüfung
des Wassers gemacht hatte, dass nur ein Theil der albuminösen
Substanzen durch Kochen mit verdünnter reiner Salzsäure abge-
schieden würde, ein andrer, wenn auch geringerer Theil aus dem
klar filtrirten salzsauren Filtrat durch Kalibydrat gefällt werde,
versuchte ich, diese verschiedenen Eiweissmengen in derselben
Weisse quantitativ zu bestimmen. Es wurden zu diesem Zwecke
488,1 Grm. der Flüssigkeit mit verdünnter Salzsäure längere
Zeit bei 80°C. erwärmt und dann durch mehrere gewogene Filtra
filtrirt. Nachdem der gesammte Niederschlag auf die Filtra auf-
gebracht war, wurde zuerst mit salzsäurehaltigem Wasser aus-
gewaschen, und das erhaltene klare Filtrat mit Kalihydrat gefällt,
und der Niederschlag wieder auf einem gewogenen Filter abfil-
trirt. Während dieser Niederschlag sich ganz gut mit reinem
Wasser auswaschen liess, ohne sich wieder zu lösen (sein Gewicht
betrug nach dem Trocknen 0,2442 Grm. = (,05 pC.), löste
sich der mit Salzsäure erhaltene beim Auswaschen mit reinem
Wasser wieder vollkommen auf, und liess sich auch durch Ko-
chen nicht wieder erzeugen, so dass ich auf die Gewichtsbestim-
mung desselben verzichten musste.
Die Analyse der unorganischen Salze wurde in der Weise
ausgeführt, dass die erhaltenen 3,676 Grm. in 100 CC. Wasser
gelöst, und zur Bestimmung der einzelnen Bestandtheile je 10 CC.
verwandt wurden.
1.) 10 CC. gaben 0,0451 Grm. BaO.SO?, entsprechend
0,0155 Grm. SO3.
2.) 10 CC. gaben nach längerem Kochen mit Salpetersäure,
um die etwa gebildete Pyrophosphorsäure in gewöhnliche Phos-
phorsäure überzuführen, nach Uebersättigung mit Ammoniak und
schwefelsaurer Magnesia einen sehr geringen Niederschlag. Das
Gewicht desselben nach dem Glühen betrug 0,0060 Grm. ent-
sprechend 0,0038 Grm. PO®.
3.) 10 CC. gaben mit etwas Salzsäure sauer gemacht und
mit überschüssigem Platinchlorid auf ein ganz geringes Volumen
eingedampft, einen 0,2530 Grm. betragenden Niederschlag von
Kaliumplatinchlorid, entsprechend 0,0487 Grm. KO.
4.) 10 CC. gaben mit Salpetersäure und salpetersaurem
Silberoxyd versetzt, gaben 0,7533 Grm. AgCl, entsprechend
0,18636 Grm. Cl.
Angenommen, dass alle Schwefel- und Phosphorsäure an
Kali gebunden in dem Salzgemenge vorhanden waren, so erhält
man aus obigen Daten nach ihrer Verzehnfachung für die unor-
ganischen Salze die Zahlen
\ 149
KO0.SO® — 0,3371 Grm.
PO5.2KO — 0,088 „
Kcal 2294000,
NaCl — 2,7570
3,5824 „
Daher Verlust = 0,0936 ,„
Magnesia- und Kalksalze konnten nicht nachgewiesen werden,
was schon daraus zu vermuthen war, dass sich das geglühte Salz
völlig klar und leicht in Wasser löste. Möglicherweise war die
Kalibestimmung zu niedrig angegeben, indem bei der Wäguns
des getrockneten Salzes auf dem Filter eine geringe Menge ver-
loren wurde.
Somit wurden gefunden:
Feste Bestandtheile 1,412 pC.
Wasser 98,588 „
100,000 pC.
Fett 0,0277
Organ. Bestandtheile |! Harnstoff 0,0352 | 0,7068
\ Albuminöse Substanzen 0,6434
K0.SO3 0,0647
Base Bestandtheile. 1,50%: 2K0 0,0170
elle 0.0768| 0,7057
'Nacı 0,5293
Verlust 0,0179
1.4120
Es liegen so wenig gründlich und nach genauen Methoden
durchgeführte Analysen von Amniosflüssigkeiten des menschlichen
Fötus, zu verschiedenen Perioden der Entwicklung desselben vor,
dass es wünschenswerth erscheint, diesem Gebiete der chemischen
Untersuchung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zieht
man in Betracht, dass bei der vorliegenden Amniosflüssigkeit das
Volum sehr vermehrt und trotzdem aber der Gehalt an Protein-
stoffen gegenüber dem Gehalt an unorganischen Stoffen nicht
sehr gering war, so gingen mit dieser Flüssigkeitsmenge eine
weit bedeutendere Menge fester Substanzen verloren, als es sonst
der Fall zu sein pflegt. Man nimmt bisher an, dass mit dem
Fortschreiten der Schwangerschaft der Gehalt des Fruchtwassers
an albuminöser Substanz abnehme, während der der nicht ver-
brennlichen Stoffe zunehme. Dem scheinen jedoch die von Schloss-
berger !) erhaltenen Resultate bei vergleichenden Analysen der
Amniosflüssigkeit des Kuhfötus zu widersprechen; Schl. fand den
Eiweissgehalt von der vierten bis zur zwanzigsten Woche zu-
nehmend und die Menge der Salze abnehmend. Im vorliegenden
Falle fand ich beide Arten der festen Bestandtheile gleichmässig
vertrgten. °
*) Ann. d, Chem. und Pharm. XCVI, 67 und CIII, 193.
150
Schlossberger hatte die einzelnen Bestandtheile des unorga-
nischen Salzgemenges nicht näher untersucht und auch keine
Scheidung der organischen Bestandtheile versucht. Er gibt nur
die Menge des Zuckers an, die er bei einem 7- wöchentlichen
Kuhfötus in der Amniosflüssigkeit fand; in den übrigen wies er
den Zuckergehalt nur qualitativ nach. Ich fand im vorliegenden
Falle keinen Zucker, wohl aber, wie auch Schlossberger, Harnstoff.
Die Scheidung und quantitative Bestimmung der verschie-
denen Proteinstoffe bleibt vorläufig eine noch zu lösende Aufgabe,
man hat sich bisher damit zu helfen gewusst, dass man alles
Organische, dessen Natur man nicht genau kannte, unter dem
Namen „Extractivstoff“ zusammenfasste, ohne damit irgend eine
klare Vorstellung zu verbinden. Ich glaube annehmen zu dür-
fen, dass solche Extractivstoffe in den zu untersuchenden thieri-
schen Flüssigkeiten nicht präexistiren, sondern dass sie erst bei
der chemischen Untersuchung durch die vielfachen Manipulationen
aus dem gewöhnlichen Eiweiss entstehen. Ich habe deshalb in
vorliegender Analyse alle andern organischen Stoffe ausser den
bestimmt charakterisirten Fett und Harnstoff, unter dem Namen
albuminöser Substanzen aufgeführt, obgleich ich schon oben be-
merkte, dass selbst in dem frischen, keinen weitern Operationen
ausgesetzt gewesenen Fruchtwasser zwei Arten albuminöser Stoffe
vorhanden waren.
2. Ueber reines Zinkoxydhydrat und das Atomgewicht
des Zinks.
Bei meinen zahlreichen Salpetersäurebestimmungen, in wel-
chen die Salpetersäure in alkoholischer Flüssigkeit durch Einwir-
kung von Aetzkali auf ein Gemenge von Zink- und Eisenfeile
in Ammoniak übergeführt und als solches quantitativ mit dem
besten Erfolge bestimmt wurde, resultirten eine grosse Menge
Zinkoxyd und Kalihaltiger Flüssigkeiten, welche nach Filtration
in einer grossen mit eingeriebenem Glasstöpsel versehenen Flasche
aufbewahrt wurden. Nach längerem Stehen bemerkte ich in die-
ser Flasche einige schön glänzende, kleine Krystalle, die sehr
hart und im Wasser unlöslich waren. Ich überliess die Flüssig-
keit in der Flasche bei Luftabschluss völlig sich selbst in der
Hoffnung, dass sich allmählig zu einigen Analysen hinreichendes
Material ausscheiden würde. Meine Erwartungen wurden nicht
getäuscht, denn ich erhielt nach Verlauf eines halben Jahres eirca
10 Grm. ganz kleiner, aber reiner Krystalle, welche nach Ent-
fernung der Kali-Zinkoxyd-haltigen Mutterlauge nochmals mit
Wasser abgespült und dann zwischen Filtrirpapier getrocknet
wurden. Da die Krystalle aus einer sehr stark alkalischen Flüs-
sigkeit abgeschieden waren, hielt ich sie anfangs für kohlensgures
Zinkoxydkali. Da sie sich aber in Salzsäure ohne Gasentwick-
151
lung lösten,-und aus dieser Lösung mit kohlensaurem Natron ein
sehr starker Niederschlag erhalten wurde, so mussten sie zum
grössten Theil aus Zinkoxyd bestehen. Dass sie aber ausser
Zinkoxyd nur Wasser und keine Spur Kali enthalten würden,
frappirte mich so, dass ich es anfangs für unmöglich hielt. Die
gepulverten Krystalle wurden zuerst im Exsiccator von hygros-
kopischem Wasser befreit, und dann, da sie selbst bei 150° bis
170°C. noch nicht alles eek verlieren, schliesslich ge-
glüht.
l.) 0,8383 Grm. verloren 0,1512 Grm. HO = 18,03 pCt.
2.). 0,7561. „ 5 W180 4% N
3.) 1,0375 , an BZ An en
4.) 1,0194 BA el
5.) 0,8291 „ E 0,1492 „ rer
6.) 1,1174 ,„ 0,2017 „ SH BER
Also im Mittel aus den 6 Analysen 18,056 pC. HO. Die Kıy-
stalle waren daher reines ZnO.HO. Aus diesen Analysen be-
rechnet sich ferner das Atomgewicht des Zinks in Uebereinstim-
mung mit dem von Favre nach andern Methoden gefundenen
Resultaten — 32,972, also nahezu — 33.
Halle im Februar 1863. . M. Siewert.
Literatur
Astronomie u. Meteorologie. C. S. Cornelius, Me-
teorologie. Mit 35 Holzschnitten und 5 Karten. Halle bei H.
W. Schmidt 1863. 39 Bogen in 8°. — Der Verf. spricht sich in ei-
nem längern Vorworte über das Object und die Methode der Meteo-
rologie aus, die jetzt als Physik der Atmosphäre sich definiren lässt,
und bezeichnet als ideales Ziel der meteorologischen Beobachtungen
und Untersuchungen eine Dynamik der Atmosphäre. Das Buch, wel-
ches nach einer in diesem Vorworte gemachten Mittheilung aus den
bei den seit einer Reihe von Jahren an der Universität Halle gehalte-
nen meteorologischen Vorlesungen des Verf.s zu Grunde gelegenen
Heften hervorgegangen ist, soll innerhalb gewisser Grenzen eine mög-
lichst vollständige Darstellung der heutigen Meteorologie geben und
dazu beitragen, dass richtigere Ansichten über die atmosphärischen
Vorgänge in weiteren Kreisen Verbreitung finden. Wir zweifeln nicht,
dass dieser Zweck erreicht werden wird. Das Werk wird vielen will-
kommen sein, denn es hält, wie anzuerkennen ist, im Allgemeinen die
richtige Mitte zwischen einem dürftigen Grundrisse, welcher ohne Bei-
hülfe eines Sachverständigen oder ohne anderweite Benutzung von
152
Lehrmitteln eine wirkliche Erkenntniss entweder &ar nicht oder nur
in einem unvollkommenen Maasse verschafft, und einer allzubreiten
Darlegung der meteorologischen Verhältnisse, welche den Leser er-
müdet und abschreckt. Einige Kapitel hätten in Hinsicht auf die Ten-
denz des Buches allerdings kürzer gefasst werden können, während
andere eine ausführlichere Behandlung verdient hätten Das durch
die Literatur gebotene ziemlich umfangreiche Material ist in systemati-
scher übersichtlicher Weise geordnet worden, nur ist zu bedauern,
dass bei den einzelnen Paragraphen der Inhalt nicht besonders be-
zeichnet worden ist, wie solches in andern Werken z.B. auch in dem
- Grundrisse der Meteorologie von Dr. E. E. Schmid zweckmässig ge-
schieht, wodürch eine leichtere Uebersicht über das behandelte Ma-
terial und ein schnelleres Nachschlagen ermöglicht werden würde.
Die Darstellungsweise ist klar und wird, obschon wissenschaftlich
gehalten, selbst‘ Laien verständlich sein. Die meteorologischen Phä-
nomene werden mit nicht ungeschickter Benutzung der Ergebnisse der
angestellten vielfachen Beobachtungen in ihrem Zusammenhange vor-
geführt und aus den verschiedenen Ansichten darüber wird diejenige
hervorgehoben und motivirt, welche der Verf. für die richtige hält.
Das Buch zerfällt in 7 Kapitel. Das erste behandelt die At-
mosphäre als solche, nach ihren chemischen und allgemeinern physi-
kalischen Verhältnissen und die Bestandtheile der Atmosphäre, deren
Elasticität, Gewicht, Höhe und Gestalt und den mittleren Luftdruck
im Niveau des Meeres. Das zweite Kapitel bringt ausführliche Be-
trachtungen über die Temperaturverhältnisse der Atmosphäre und
Erde, über die Erwärmung durch die Sonne, die periodischen Aende-
rungen der Lufttemperatur, die mittleren Temperaturen, die Isother-
men, die Extreme der Temperatur, die Temperaturabnehmung der At-
mosphäre nach der Höhe, die Temperaturverkältnisse der Erde so-
wohl des Bodens als der Gewässer. Die Quellentemperatur, die Tem-
peratur der Seen und Meere, das Gefrieren der Gewässer. Im drit-
ten Kapitel ist die Rede von den Erscheinungen, welche mit den Tem-
peraturverhältnissen der Atmosphäre und Erdoberfläche in nächster
Beziehung stehen, von den Winden, den Feuchtigkeitsverhältnissen
der Atmosphäre, von dem Verdunstungsprocess des Wassers und der
Bestimmung des Feuchtigkeitsgehaltes der Atmosphäre, von den pe-
riodischen Veränderungen desselben, von der Condensation des at-
mosphärischen Wasserdampfes: Thau und Reif, Nebel, Wolken, Re-
gen, Schnee, Graupeln und Hagel, von den Aenderungen des atmos-
phärischen Luftdruckes oder dem Barometerstande. Im vierten Ka-
pitel werden die electrischen Erscheinungen der Atmosphäre, im fünf-
ten deren optische Phänomene mit Einfluss der Meteore, vorgeführt.
Das sechste Kapitel handelt von den Wetteranzeigen und das siebente
von den klimatischen Verhältnissen nach ihren physikalischen Ursa-
chen, bei welcher Gelegenheit auch der Vegetationsverhältnisse in ih-
rer Abhängigkeit von der Temperatur etc. Erwähnung geschieht.
153
Wir .wollen schliesslich noch anerkennend hervorheben, dass
der Verf. die so interessanten electrischen Erscheinungen der Atmos-
phäre mit grösserer Ausführlichkeit und Gründlichkeit behandelt, als
dieses in vielen andern Werken über Meteorologie geschehen ist, auch
den Versuch gemacht hat, die electrischen Vorgänge in der Atmos-
phäre theoretisch zu erklären.
Der Druck des Buches ist gut, das Papier aber sehr dünn, so
dass der Druck der Rückseite nicht selten zu stark durchschlägt, die
beigegebenen 5 lithographierten Kärtchen sind viel schlechter ausge-
führt als bei solchen bildlichen Darstellungen in jetziger Zeit zu ge-
schehen pflegt. Zek.
J. Schneider, über einige merkwürdige Erscheinun.
gen bei dem Gewitter vom 26. April 1862. — Schn. beobach-
tete in Düsseldorf. Er fand eine auf dunkeln Hintergrunde deutlich
wahrnehmbare Erleuchtung der Luft, ehe das Gewitter den Horizont
überschritten hatte, in der Gegend des Himmels, wo das Gewitter
aufstieg. Ein beinahe senkrecht herabfahrender Linienblitz verschwand
nicht plötzlich, sondern erlosch allmählig, indem der Strahl abwech-
selnd hellere und dunklere Partien zeigte, die nach und nach erlo-
schen bis nur einzelne getrennte Fünkchen blieben. Nach dem sich
das Gewitter verzogen hatte, bedeckte sich der Himmel mit sehr vie-
len dünnen cirrusartigen Wölkchen, durch die selbst die kleinern Sterne
gesehen werden konnten, und die deutlich mit einem weisslichen Lichte
leuchteten. Bei Nordlichtern hat man auch solche feine leuchtenden
Wölkchen beobachtet — (Pogg. Ann. Bd. 115; 1862, 8. 659). Ahnm.
Physik. H. Aubert, über die Sinnesthätigkeit der
Netzhaut. — Licht und Farbe bringen auf der Netzhaut Erregun-
gen hervor, welche entweder von uns benutzt werden, die Objecte
der Aussenwelt zu erkennen, oder nicht diesem Zwecke dienen, die
erstere Thätigkeit bezeichnen wir als eigentliche Sinnesempfindungen,
die übrigen Erregungen nennen wir „subjective Fähigkeiten.“ Im
ersten Falle ist ein wichtiges Object unserer Empfindungen da, im
zweiten geht die Erregung wesentlich vom Subject aus. Die letztere
Art der Fähigkeit entgeht uns sehr häufig, und wird meist nur in
Form von Blendungs- und Nachbildern empfunden. Da die Retina
ein fortwährend sich wandelndes Gewebe ist, so ist es schwer die
Veränderung in der Erregbarkeit unserer Netzhaut während des er-
sten Momentes festzustellen. Dies gelingt jedoch, wenn man die
durch Anschauen des elektrischen Funkens erregten Nachbilder be-
trachtet. Da ferner die subjective Thätigkeit zum Theil unabhängig
von dem objectiven Eindruck ist, so ist der Fall möglich, dass er-
stere solche Höhe erreicht, dass ein Object keinen Eindruck macht.
Es war daher zu untersuchen A., die Art und Dauer der Nachbilder
bei verschwindend kurzer Dauer des objectiven Eindrucks. Es sind
zuvörderst Blendungsbilder und Nachbilder zu unterscheiden, erstere
entstehen, wenn man einen starken elektriechen Funken im dunkeln
Zimmer betrachtet, letztere wenn man die durch den Funken beleuch-
XXI. 1863. 11
154
teter Körper betrachtet, sodann sind zu unterscheiden positive und
negative Nachbilder, wobei nur die Helligkeit abgesehen von der Farbe
in Betracht kömmt. Positiv ist ein Nachbild, wenn in ihm das hell
ist, was im Object hell war; negativ heisst es, wenn im Nachbild das
hell ist, was im Object dunkel war. Drittens sind zu unterscheiden
gleichfarbige und complementäre Nachbilder, und wofern es sich um
Farben, abgesehen von der Helligkeit handelt. Die Versuche werden
in einem stark verdunkelten Zimmer gemacht, in welchem man sich
längere Zeit vorher aufgehalten hat. Der Funke springt zwischen
2 Messingkugeln in bestimmtem Abstand über, und muss mit dem
Centrum der Netzhaut bei möglichst accomodirtem Auge zu sehen ge-
sucht werden. Beim direeten Anschauen des Funkens entstehen zu-
erst positive dann negative Blendungsbilder mit Lichthöfen; sie klin-
gen durch mehrere Farben ab und lösen sich endlich im Nebel des
Lichthofes auf. Im ganz Dunkeln erscheint der Funken nahe an weiss
mit röthlichgelbem Hof; gleich darauf sieht man einen bläulichen
Streif, der im Verlauf einer halben Secunde seine tiefste Farbe zeigt,
dann geht die Farbe in roth, demnächst in gelb über. Im Halbdun.
kel sind die Erscheinungen mannigfacher besonders wenn man un-
mittelbar nach dem Ueberschlagen des Funkens auf ein weisses Blatt
Papier sieht. Sieht man statt auf weiss, auf schwarzen Sammt, so
hat man ein Nachbild von der Bläue des Funkens; das Blau geht durch
violet zu roth, tritt dann in eine negative Phase, indem ein schwar-
zer Streif im gelben Hofe erscheint, dieser wird allmälig grün und
endlich gelb sich allmälig im Hofe auflösend. Sieht man den Fun-
ken durch rothe oder grüne Gläser an, so zeigen sich positive com-
plementäre Nachbilder. Sieht man den Funken indirect an, so hat
man positive Nachbilder. Zu diesem Versuche construirt Verf. einen
besondern Apparat. Die Nachbilder von Objecten, welche durch den
electrischen Funken beleuchtet werden, sind immer nur positiv, indess
bald gleichfarbig, bald complementär. Dies hängt von der Farbe des
Gegenstandes selbst, von dem umgebenden Grunde und vielleicht auch
von der Grösse der farbigen Fläche ab. Mit der Beleuchtung einer
farbigen Fläche durch den elektrischen Funken tritt zugleich eine
complementäre Färbung des gleichzeitig gesehenen Weiss auf, welche
mitunter auch ein Nachbild bleibt. Scheinbar gleichzeitig mit dem
Ueberspringen des Funkens treten nämlich an den rothen und schwar-
zen Quadraten auf weissem Grunde sehr helle grünliche oder weisse
Quadrate auf, welche nur einem Moment dauern. Man kann auch
ohne Anwendung des elektrischen Funkens bei sehr kurzer Dauer des
objectiven Eindruckes positive Nachbilder bekommen, wenn man die
Augen schliesst, nur einen Moment die Augen öffnet und die Objecte
ansieht und dann wieder die Augen schliesst und bedecket. Die Ver-
suche beweisen 1) dass die subjective Erregung der Netzhaut den
momentanen objectiven Eindruck lange Zeit überdauert, 2) dass sie
ihn unter gewissen Umständen sogar vollkommen gleichsinnig in Be-
zug auf Helligkeitsverhältnisse und Färbung überdauert. 3) Dass
155
die Erregung gleichsinnig in Bezug auf Helligkeit, aber nicht auf Farbe
ist, 4) dass wenn nur ein kleiner Theil der Netzhaut momentan erregt
wird auch die übrige Netzhaut complementär afficirt wird.
B. Das Verhalten des objectiven Eindrucks und der subjecti-
ven Erregung zu einander bei längere Zeit dauerndem Anschauen
des Objectes. Mit Berücksichtigung von Licht- und Farbensinn er-
geben sich folgende Fälle: 1. Die objective Einwirkung wird durch
die subjective verstärkt d. h. Helligkeit und Färbung werden inten-
siver. 2. Erstere Erregung wird durch die zweite geschwächt. (Das
Object wird dunkler, oder die Farbe des Objects schlägt in die com-
plementäre um.) 3. Die Veränderungen sind entweder gleichmässig
oder oscillatorisch; indem das Object bald heller bald dunkler wird,
bald erscheint bald verschwindet, oder abwechselnd mehr oder weni-
ger intensiv gefärbt erscheint. Der erstere Fall scheint nicht statt-
zufinden. Wohl aber der zweite. Wenn man die Sonne einige- Se-
eunden fixirt, so überzieht sich die glänzende Scheibe mit einem dun-
keln Schleier, dies ist der Ausdruck der subjectiven Thätigkeit. Rit-
ter berichtet, dass als er 20 Minuten starr in die Sonne gesehen hatte,
er sie nicht mehr sah. Aus Moleschotts Untersuchungen ergibt sich
a. dass im verbreiteten Tageslicht oder bei hellem Lampenlicht indi-
rect angesehne Objecte undeutlicher, endlich unsichtbar werden, b. im
stark verdunkelten Zimmer der fixirte Punkt nicht verschwindet, wenn
derselbe gegen seine Umgebung stark contrastirt, c. er verschwindet
um so früher, je weniger er contrastirt, d. dass von Objecten die
gleich lichtschwach sind, die direct gesehenen früher verschwinden,
als die indirect gesehenen, e. Lichtstärkere Objecte indirect gesehen
in der Weise verschwinden, dass sie sich in einen hellen Nebel auf-
lösen, f. dass sie wieder auftauchen, wenn sie verschwunden waren.
Wie beim Lichtsinne tritt das gleiche beim Farbensinne auf. Schliess-
lich bringt Verf. noch einige interessante Belege für oscillatorische
Erregung der Netzhaut mit Hülfe des Farbenkreisels. — (Pogg. Ann.
CAXVTI. 249.) Smt.
W. Feddersen, die elektrische Funkenentladung. —
Die Untersuchung schliesst sich an frühere Arbeiten des Verf. an,
denselben zur Stütze dienend. F. hat sich hauptsächlich photogra-
phischer Funkenzeichnungen bedient, um die von ihm aufgestellte
Theorie näher zu begründen; er bemerkt zwar, dass schwächere Licht-
eindrücke von kurzer Dauer vom Auge noch leichter empfunden als
von der photographischen Platte wiedergegeben werden, dass aber
durch den elektrischen Funken, der sehr viel chemische Lichtstrah-
len enthält im Zeitraum von ein Milliontel Secunde noch ein kräf-
tiger Eindruck auf sehr empfindliches photographisches Papier her-
vorgebracht wird, und gibt in einer Tafel die vielfältigsten Varia-
tionen der Erscheinungen. Bei ruhendem Spiegel beobachtet man
deutlich an beiden Polen mehrere Ausströmungspunkte, welche sich
bei Einschaltung von Widerstand im Schliessungsdrahte verringern.
Bei sehr starkem Widerstand und ruhendem Spiegel zeigt sich an
11*
156
der positiven Seite noch ein kleines Spiegelbild des ganzen Funkens.
Sind die beiden Pole bis zu einem kleinen Punkt mit Schellack überzo-
gen, dann zeigen sich an jedem ein kleines Lichtbüschel verbunden
durch eine sehr helle Lichtlinie. F. glaubt beobachtet zu haben,
dass beim Ueberspringen zwischen gleichartigen Polen meist am ne-
gativen Pole die grössere Lichtintensität vorhanden sei. Kupferpole
gaben eine sehr geringe, Magnesiumpole eine höhe Intensität der pho-
tographischen Wirkung des Entladungsfunkens. Bei notirendem Spie-
gel zeigen die Bilder ein sehr verschiedenes Ansehen, je nach dem
sie mehr oder weniger auseinander gezogen sind. Bei langem gut
schliessendem Leitungsbogen zeigen sich eigenthümliche Erscheinun-
gen, je nachdem man den Funken zwischen Drahtspitzen, ganzen Ku-
geln oder mit Schellack bis auf eine kleine freie Stelle überzogenen
Kugeln überspringen lässt. Es zeigen sich einzelne Querabtheilun-
gen im Bilde, die auf ein stossweises Austreten des Lichtes schlies-
sen lassen, welches besonders bei Eisenpolen deutlich hervortritt und
eine grössere Lichtstärke am negativen Pol im Gefolge hat. Die durch
die Entladung fortgeschleuderten Massentheilchen der Pole beschrei-
ben im photographischen Bilde eigenthümliche Curven, die aber keine
Regelmässigkeit zeigen. Im Allgemeinen sieht man jedoch besonders
bei Eisenpolen ein gewisses Alterniren in der Lichtintensität an bei-
den Polen. Auch auf die Länge der Zeit, während welcher die ein-
mal ins Glühen gebrachten Theilchen ihre Temperatur behielten, ist
die Art des angewendeten Metallpoles von Einfluss. Zinn schien sie
am schnellsten zu verlieren, ihm zunächst stand Zink, am längsten
behielt sie Platin, und diesem sehr nahe das Silber. In Bezug auf
die Oscillationsdauer glaubt F. annehmen zu dürfen, dass die Schlag-
weite oder die Höhe der Ladung keinen wesentlichen Einfluss habe;
denn bei der Summe der Abstände des Spiegels vom Funken und des
Spiegels von der photographischen Platte von 1054mm und bei 98
Rotationen des Spiegels in der Secunde betrug die Dauer einer Os-
eillation für 4mm Schlagweite 0”,00000304 und für 8mm 0",00000305;
und bei Anwendung von 16 Flaschen war die mittlere Breite einer
Querabtheilung 4,76mm bei 8 Flaschen 4,89 mm. Veränderung der elek-
trischen Oberfläche äussert seinen Einfluss auf das Gesetz dahin, dass
T= ays, woa eine constante, s die Flaschenzahl bedeutet. Da der
Spiegel zu 925 Rotationen während der Entladung von 16 Flaschen
54,5, von 8 Flaschen 37,3, von 4 Flaschen 26, von 2 Flaschen 25,8
Sec. gebrauchte, so ergeben sich für die Oseillationsdauer folgende
Werthe bei 16 Flaschen 0,0000446 Sec.
8 do 0,0000414 „
& » 0,0000224 „
2 > 0,0000156 „
F. glaubt, dass die Formel {= ays einer Verallgemeinerung fähig
sei und hat zu diesem Zwecke noch weitere Versuche gemacht, in-
dem er eine kleinere Anzahl Flaschen sich gegen eine grösse Anzahl
entladen liess, Er fand, dass die berechnete Oscillationsdauer mit
157
der beobachteten völlig übereinstimmte. Indem er ferner die von Sie-
mens zuerst angestellten Versuche mit langen weitausgespannten Te-
legraphendrähten wiederholte, fand er, dass die Induetionswirkungen,
welche durch Länge und Aufspannungsart der Leitung bedingt sind,
einen bedeutenderen Einfluss auf die Oscillationsdauer haben, als die
elektrostatischen Bindungen. Die Oscillationsdauer wächst mit zu-
nehmender Leiterlänge, aber nicht proportional derselben. Die In-
duction von parallelen Leitertheilen auf einander verlängert die Os-
eillationsdauer, wenn der Strom in ihnen gleichgerichtet fliesst, ver-
kürzt sie, wenn er entgegengesetzt gerichtet ist; und es scheint, dass
die Oscillationsdauer in arithmetischem Verhältnisse zunimmt, wen»
die Entfernung zweier paralleler entgegengesetzt gerichteter Leiter-
theile in geometrischem Verhältnisse wächst. — (Pogg. Ann. CXVI, 132).
F. Schaffgotsch, specifische Gewichtsbestimmung
fester Körper beim Schweben. — Die Bestimmungen des spec.
Gew. sind um so unsicherer, wenn dasselbe gross und das absolute
Gew. des angewandten Stoffes klein ist. Für Körper von geringerem
spec. Gew. kann man den Fehler vermeiden, wenn man die Körper
in durchsichtiger Flüssigkeit zum Schweben bringt und dann das spee.
Gew. der Flüssigkeit bestimmt. Die Gewichtsmenge des Körpers
kann hiebei ganz unbekannt bleiben. Sch. fand diese Methode brauch-
bar, selbst wenn er Körpermengen anwendete, die selbst kleiner als
0,1 Grm. betrugen. Beryll auf gewöhnlichem Wege bestimmt bei
161/,0C. = 2,122 spec. Gew. gefunden, wurde in salpetersaurer Queck-
silberoxydlösung zum Schweben gebracht und nun sein spec. Gew.
= 2,7109 gefunden. Paraffin von 46° Erstarrungspunkt nach gewöhn-
lichen Methoden bestimmt von 0,856—0,900 spec. Gew. zeigte, in ver-
dünntem Alkohol zum Schweben gebracht, 0,900 spec. Gew.; Kaut-
schouk auf gewöhnlichem Wege 0,924 in verdünntem Alkohol 0,922;
Gutta-Percha nach altem Verfahren 0,962 nach neuem in verdünntem
Alkohol 0,969; Bernstein n. a. V. 1,080; in verdünnter Salpetersäure
1,083; Muschlige Brunkohle n. a. V, 1,175, in Salpetersäure 1,177.
Feiner Siegellack n. a. V. 1,77; in salpetersaurem Quecksilberoxyd
1,768. Stangenschwefel n. a. V. 2,004, in s. @. 2,003. Hyalith.n.a. V.
2,169, in s. @. 2,167; etc. Die Bestimmungen wurden in der Weise
ausgeführt, dass die Schwebeflüssigkeit in einen 40 Grm. Wasser fas-
senden Cylinder gebracht wurde, und durch Umrühren mit einem ge-
nauen Thermometer so viel Verdünnungsflüssigkeit zugegeben wurde,
bis die zu untersuchende Substanz grade schwebte. ' Dann wurde die
Temperatur des Thermometers abgelesen und mittels einer tarirten
Vollpipette das Flüssigkeitsgemisch ausgesogen, diese in ein tarirtes
Reagensrohr geschoben und gewogen. Das Gewicht der in die Pi-
pette eingesogenen Schwebeflüssigkeit, dividirt durch das Gewicht des
gleichen Volums destillirten Wassers von derselben Temperatur, er-
gibt dann das spec. Gew. der Schwebeflüssigkeit, mithin das des zu
untersuchenden Körpers von, unbekanntem spec. Gewicht. — (Pogg.
Ann. CXVI, 279.) St,
158
A. Schrauf, die Abhängigkeit der Lichtfortpflan-
zung von der Körperdichte. — Die Emanationstheorie hatte
den Connex zwischen den Licht- und Körpertheilchen, beide dem Ge-
setz der Schwere unterworfen gedacht, theoretisch durch die Formel
n?®—1
—- C ausgedrückt; eine Formel, die durch Ausbildung der Vi-
brationstheorie ihre Begründung verlor. Laplace hatte dafür die For-
n2—1 4K
mel AG idee eingeführt, woraus abzuleiten war, dass 1. die
Funktion der Entfernung, welche den Einfluss der Körpertheilchen
auf das Licht bestimmt, für jeden Körper eine verschiedene sei; 2.
sie sich von einem Körper zum andern nur durch das Produckt der
Dichte in einen constanten Coefficienten unterscheidet, welches von
spec. Gew. des Körpers bestimmt wird. Arago hatte dann zuerst
die Ansicht ausgesprochen, dass man die Beobachtungen am Wasser
besser mittels der Interferenzfransen als mit dem Prisma machte, und
Jamin hatte auf diese Weise in Uebereinstimmung mit Grassi die Zahl
0,000504 nach dieser Methode für den Compressionscoefficienten des
Wassers gefunden. Verf. legt bei seinen Untersuchungen folgendes
zu Grunde a. dass durch vielfache Beobachtungen bestätigt wurde,
dass die Aenderungen in der Dichte immer zugleich von einer Vari-
ation des Brechungsexponenten begleitet sind, b. dass diese von der-
selben Ordnung wie die ersten ist, c. dass die Einflussnahme auf den
Aether einstweilen zu vernachlässigen und d. dass nach der Cauchy-
schen Formel jeder Brechungsexponent als aus dem Refraetions- und
Dispersionscoefficienten bestehend zu betrachten ist unter der Form
B
AH Da ferner die Dispersion nur durch moleculare
Störungen höherer Ordnnng hervorgerufen wird und sie mit der
Dichte der Körper abnimmt, so dass sie für Gase ein Minimum beträgt,
2—1
4 B
so. stellt S. die Formeln Di. w M und asien N auf, worin M das
spee. Refractionsvermögen, N das spec. Dispersionsvermögen ausdrückt.
Aus der. letztern Formel ergibt sich das von Weiss beobachtete Ab-
sorptionsphänomen, dass die Fraunhofer’schen Linien bei: Verdichtung
der brechenden Substanz ihre Mitten gegen das: violette Ende hin
verschieben. Es wurde von Schr. die Dichte der atmosphärischen
Luft als Einheit zu Grunde gelegt. Aus dem von andern: Forschern
- (Dale und Gladstone) gelieferten. Messungen, welche mit Berücksich-
tigung der Dispersion bei verschiedenen Temperaturen angestelit’wur-
den; aus den für einige Mineralspecies; (Topas, Beryll, Apatit) welche
je nach ihrem Fundort verschiedene Dichte und Berechnung besitzen,
neu bestimmten Messungen; aus den an C,HO,P, Ca0.CO2 beobach-
teten Allotropien und den Beobachtungen, die für einige Elemente
in fester und gasförmiger Gestalt festgestellt wurden, sucht Verf. nach-
zuweisen, dass: das Brechungsvermögen bei jeder Aenderung der
Dichte und selbst wenn sie einen allotropen Zustand herbei führt, sich
159
eonstant erhält; und dass ferner, wenn man'die Dispersion für einen
und denselben Körper in Gasform und in fester Form vergleicht,
das Brechungsvermögen der Körper in festem Zustande ein Multiplum
von dem desselben Körpers in Gasform, d. h. durch die Formel
A2—1
N ( F) ) — M allgemein auszudrücken sei. Es erhellt ferner, dass
nicht die Elasticitäts- sondern nur die Dichtigkeitsvariationen in den
Körpern von entscheidendem Einfluss auf die Fortpflanzung des Lichts
sind, und dass wenn auch erstere eintreten, diese Functionen der
zweiten sein können, woraus folgt, dass die Aetherdichte der des
Körpers gleich oder proportional gesetzt werden muss, und dass schliess-
lich die Fortpflanzungen der Lichtvibrationen für isophane Körper
auf eine Function der chemischen Formel zurückgeführt ist. Betrach-
tet man nur oberflächlich die Verhältnisse der krystallisirten Körper
und die von Seite der Vibrationshypothese bis jetzt gegebenen Auf-
klärungen, so erheben sich viele Zweifel an der Möglichkeit eines
Einflusses der Körperdichte. Da jedoch 1. die Beobachtungen Rud-
bergs zeigen, dass die Variationen der Dichte von solchen der Bre-
chungsexponenten begleitet sind, 2. alle Elasticitäts- und Dichtigkeits-
versuche lehren, dass letztere nach den 3 Dimensionen symmetrisch
varjiren, 3. die Dichte des Aethers mit der des Körpers proportional
ist, so stehen die Doppelbrechung und die Dichtigkeitsvariationen in
Connex. Die nähere Betrachtung zeigt, dass die Fortpflanzungsge-
schwindigkeit von dem Widerstande abhängig ist, welchen die seitli-
chen Theile dem Verschieben ausihrer Ruhelage entgegensetzen, wäh-
rend die longitudinale Fortpflanzung des Stosses unabhängig von der
Dichte ist. Nachdem Schr. noch die Verhältnisse von ..Flüssigkeits-
mischungen und Krystallmischungen besprochen hat, kommt er zu
folgenden Schlüssen: 1. Der Brechungsexponent ist bei allen Unter-
suchungen nach Cauchy’s Vorgange in dem Refractions- und Disper-
’ B
sionseoefficienten zu zerlegen und unter der Form u—=4-+ „ zu
betrachten. 2. Die Aenderungen: des Refractions und’ Dispersitions-
coefficienten ‘sind abhängig von den Aenderungen der Körperdichte
nach der Formel-4dA = MdD und dB =:NDdD.: 3. Die Aether-
dichte kann: der Körperdichte proportional gesetzt:«werden. 4, Die
Integration innerhalb der Grenzen 0 bis wo für die Dichte liefert
2.__
— —= M und = —= N. 5. M und N sind für jede chemische Ver-
bindung constante: Grössen,, bloss abhängig von den Eigenschaften
der Stoffe, aus welchen die Verbindung zusammengesetzt ist, und da-
her charakterisirende Merkmale der Materie. 6. Jede chemische Ver-
bindung besitzt in den: verschiedenen Aggregatszuständen ein glei-
ches oder ein durch einfache Multipla‘ darstellbares: Refractionsver-
mögen. 7. Die für das Refractionsvermögen: geltenden Multiplicato-
ren aus der Reihe der natürlichen Zahlen sind durch die für das Vor-
kommen der Brechungsexponenten ermittelten Grenzen unzweifelhaft
160
bestimmt. 8. Die Constanz von M und N ist auch für krystallisirte
Körper gültig und die Doppelbrechung daher nur eine Folge der Va-
ziation der Dichte nach 3 Axen. 9. Die Fortpflanzung des Lichtes
lässt sich abhängig hiedurch darstellen von der Dichte oder Cohäsion
der Molecüle in der Richtung der Transversalvibrationen, während
die Longitudinalvibration ungehindert von der Dichte analog mit den
Forderungen der Vibrationstheorie vor sich gehen. 10. Da sich die
Dichten wie die Massen, diese wie die Distanzen oder Molecüle ver-
halten, so ist der Dispersionscoefficient dem allgemeinen Gesetze der
Anziehung im verkehrt quadratischen Verhältniss unterworfen _ = MN.
11. Die Formeln sub IV geben die Möglichkeit für krystallisirte Kör-
per die Dichte nach den 3 Dimensionen zu berechnen und die Mes-
sungen von Brechungsexponenten zu controliren. 12. Die optischen
Eigenschaften von Mischungen ändern sich proportional den Eigen-
schaften der Bestandtheile und den Procenten der Massen, mit wel-
chen letztere in die Mischung eingetreten sind, unter der Form
MP = mp + mp + ..-:- und NP =np, + Mmpı + .-...
13. Die bei Mischungen eintretende Contraction hat keinen Einfluss
auf das Refractions- und Dispersionsvermögen. — (Pogg. Ann. CAVI,
193.) St.
J. Tyndall, Strahlung und Absorption der Wärme
durch Gase. — Der von T. benutzte Apparat war der von ihm
schon bei frühern Arbeiten benutzte. Die die Gase aufnehmenden
Röhren waren an beiden Enden mit zolldicken Steinsalzplatten ver-
schlossen, welche alle Arten von Wärme, dunkle und leuchtende, durch-
lassen. Es zeigte sich, dass die Galvanometernadel, die mit der dem
einen Ende der Röhre gegenüber aufgestellten thermo- elektrischen
Säule verbunden war, die gleiche Ablenkung zeigte, mochte sich in
der Röhre trockne Luft oder ein luftverdünnter Raum, Stickstoff,
Sauerstoff oder Wasserstoff befinden. T. untersuchte nun das Absorp-
tionsvermögen des Chlors und Ozons und fand, dass Chlor von vie-
len farblosen Gasen weit übertroffen wird, und Ozon eine weit grö-
sere Absorption besitzt als gewöhnlicher Sauerstoff. Da die Feuch-
tigkeit der Gase einen grossen Einfluss auf das Absorptionsvermögen
der zu prüfenden Gase haben konnte, prüfte er nochmals die Ver-
suche von Magnus, welcher gefunden hatte, dass trockne und feuchte
Luft nahezu dasselbe Absorptionsvermögen besässen; wurde jedoch
durch Wiederholung der Magnus’schen Versuche. auf das entgegen-
gesetzte Resultat geführt, und glaubt, das Magnus die Luft bei sei-
nen Versuchen nicht genügend getrocknet angewendet habe. T. fand
das Absorptionsvermögens feuchter Luft oft 30 mal grösser als das
der getrockneten. Ferner hatte T. früher gefunden, dass einfache
Körper sich weniger dem Durchgang längerer Wellen widersetzten
als zusammengesetzte Körper. Er prüfte nun das Verhalten von
Chlorgas und Chlorwasserstoffgas, und fand dass wenn die Absorp-
tion des Chlors durch 44 ausgedrückt wurde, die des Chlorwasser-
161
stoffs durch 68 zu bezeichnen war, woraus hervorgeht, dass Durch-
siehtigkeit für Licht und Undurehsichtigkeit für Wärme denselben
Act der chemischen Verbindung begleiten, d. h. dass die chemische
Action, welche Chlorgas durchsichtig für Licht, es undurchsichtig für
dunkle Wärme macht. Bei Versuchen mit Brom und Bromwasserstoff
waren die Unterschiede noch eclatanter. Er stellt für die Absorption
unter gewöhnlichem Luftdruck folgende Reihe auf; Luft, Sauerstoff,
Stiekstoff, Wasserstoff 1; Chlor 39; Chlorwasserstoff 62; Kohlenoxyd
und Kohlensäure 90; Stickoxydul 355; Schwefelwasserstoff 390; Gru-
bengas 403; Schweflige Säure 710; Elayl 970; Ammoniak 1195. Hier-
aus ergibt sich, dass Gase, welche sich bei ihrer Verbindung aus Ele-
menten stark verdichten, am stärksten absorbiren. Sodann stellte T.
Versuche mit Dämpfen an, die er durch eine besondere Abänderung
seines Apparates aus kleinern Röhren, welche nur mit der dampfgeben-
den Flüssigkeit und deren Dämpfen gefüllt waren, vermittelst eines
Hahnes in die völlig luftleer gepumpte Versuchsröhre einströmen liess.
Bei verschiedener Spannung der Dämpfe erhielt er auch verschiedene
Absorptionen. Bei ein Zoll Spannung wurden die Absorptionen aus-
gedrückt von Schwefelkohlenstoff durch 62; Benzol 267; Chloroform
236; Holzgeist 590; Aether 870; Essigäther 1195 etc. Hieraus geht
hervor, dass das Absorptionsvermögen des Essigäthers bei einer Span-
nung, die nur !/;, von der des Ammoniakgases beträgt, diesem gleich-
wirkend ist. Eine eigenthümliche Beobachtung T.’s ist folgende: als
er bei Alkoholdampf von 0,5‘ Spannung eine Ablenkung der Galva-
nometernadel von 720 beobachtet hatte, sah er nun, indem er den
Dampf auspumpte und dafür trockne Luft einströmen liess, dass die
Nadel nicht bloss auf 0° zurückging, sondern bis auf 25° der ent»
gegengesetzten Seite ausschlug. Bei Stickoxydulgas wurde ein Aus-
schlag von 28° erzielt, bei Auspumpung ein Ausschlag von 20° auf
der entgegengesetzten Seite; bei ölbildendem Gase von 67° der durch
Strablung, beim Auspumpen ein Ausschlag von 41°, der von Absorp-
tion herrührte. Nachdem das Gas ausgepumpt war und trockne Luft
zugelassen wurde, betrug ‘der Ausschlag der‘von der dynamischen
Strahlung des zurückgebliebenen Theils (von 0,2 Zoll Spannung) her-
rührt, 590%. Bei raschem Auspumpen gab die dynamische Absorption
einen Ausschlag von 40°. Es gehen also ‚dynamische Strahlung und
dynamische Absorption Hand in Hand. Da Borsäureätherdampf das
stärkste Absorptionsvermögen gezeigt hatte, so wurde !/ıo Zoll des-
selben in der Röhre auf seinen Effect geprüft, ‚er wurde dynamisch
erwärmt und dann abgekühlt und gab Strahlung == 569 und Absorp-
tion = 28% Ablenkung. Die Spannung des Dampfes in der Röhre
ER £
hatte dabei zu, der Atmosphäre betragen; bei successivem Auspum-
pen gab eine Spannung von in Atom 429; ara Atom 209; Aorsanaon
Atom 149 Ablenkung. Bei ganz geringen Mengen aetherischer Oele fand
er die 30 bis 109fache Ablenkung von der der trocknen Luft, und
zwar wurde dieser Effect schon durch Mengen hervorgebracht, die
162
nieht zur Wägung gebracht werden konnten. Auch beim Ozon fand
er ein sehr stark ausgeprägtes Absorptionsvermögen für eine unwäg-
bare Masse des Körpers, und schreibt diese Wirkung des Ozons der
sehr viel grösseren Dichte dieses modifieirten Sauerstoffes zu. —
(Pogg. Annal. CAVI. 1 und 289). Smt.
Weiss, Speetralbeobachtungen. — Es wird darauf auf-
merksam gemacht, dass Griechenland und die ionischen Inseln sich
am besten zu Spectralbeobachtungen eigneten, weil hier keine inten-
siven Dunstschichten den Horizont verdunkeln. W. hat dort das Ver-
dicken der Frauenhoferschen Linien des Sonnenspeetrums wiederholt
beobachtet. Die Erscheinung war besonders eclatant bei den Linien
in Roth und Gelb, es liess sich sogar eine Verdickung nach dem vio-
letten Ende des Spectrums hin beobachten, wie sie bei Messungen
für Untersalpetersäure und Chlorophyll vom Verf. bereits nachgewiesen
sind. — (Pogg. Ann. CXVI. 191.) St.
E. Wiederhold, über einige Zersetzung des chlorsau-
ren Kali’s durch katalytische Wirkung. — Es wurde zuerst
von Döbereiner entdeckt, dass wenn man chlorsaures Kali mit gepul-
vertem Braunstein erhitzt, die Entwicklung des Sauerstoffs schon bei
niedrigerer Temperatur erfolge, und kein überchlorsaures Kali ent-
stehe. Da der Braunstein hiebei nicht verändert wird, schrieb man
die Erscheinung einer katalytischen Wirkung zu. Wie Braunstein
wirken auch Kupferoxyd und andre Oxyde so wie Platinschwarz;
Schönbeins Ozontheorie war also hier nicht richtig. Verf. hat Ver-
suche darüber angestellt, bei welchen Temperaturen Mischungen von
Oxyden mit chlorsaurem Kali im Verhältniss 1:2 den Sauerstoff des
Salzes frei werden lassen, und gefunden, dass mit schwarzem oder brau-
nem Mangansuperoxyd bei 200—205°, mit Kupferoxyd bei 230—235°,
mit Platinschwarz oder käuflichem Braunstein bei 260 —270°, mit Blei-
superoxyd bei 280—285° eine gleichmässige Sauerstoffentwicklung 'er-
zielt wird, und dass dieser Sauerstoff Jodkaliumstärkepapier bläut,
W.:'prüfte nun mit einem Leslie’schen ‘Differentialthermometer ‘das
Wärmeabsorptionsvermögen der katalytisch bei diesem ‚Process wir-
kenden Körper, und fand, dass dieselben sämmtlich ein grosses Ab-
sorptionsvermögen für Wärme haben. Hiedurch erklärt er die’Wir-
kung. der Körper auf das chlorsaure Kali bei der: Erwärmung, indem
er annimmt, dass die Wärmestrahlen von diesen Körpern absorbirt
und von ihnen direct auf das chlorsaure Kali übertragen würden,
welcher dadurch schmelze und sich bis zu seiner Zersetzungstempe-
ratur weiter erhitze. Dass die einzelnen katalytisch wirkenden Kör-
per die Zersetzung :bei verschiedenen Temperaturen hervorbrächten,
erklärt W. dadurch, dass die voluminösenen mehr Oberfläche. bieten
und .inniger mit dem feingepulverten chlorsauren Kali in Berührung
kommen; ob die Temperatur genau propertional dem Volumen sei,
kann nicht bestimmt werden. Um die Wärmevorgänge im Innern
der Retorte kennen zu lernen, erhitzte er in einem Metallbade eine
Mischung von 'chlorsaurem Kali und Braunstein schnell auf 250° und
163
fand dann, dass das in der Mischung befindliche Thermometer 254--550
zeigte. Bei Kupferoxyd lag dies Freiwerden von Wärme erst bei
290°. Bei sehr stürmischer. Sauerstoffentwickelung steigt die Tem-
peratur der Mischung sehr schnell um 40—50°C. W. findet daher
folgende Resultate: 1. Eine Reihe von Körpern zersetzen das chlor-
saure Kali unter dessen Schmelztemperatur, 2. die Wirkung ist un-
abhängig von der chemischen Constitution dieser Körper. 3. Ist aber
abhängig von ihrem Wärmeabsorptionsvermögen. 4. Steht in Zusam-
menhang mit ihrem Volumen. 5. Es bildet sich kein überchlorsaures
Kali 6. Es wird Wärme dabei frei. -— (Pogg. Ann. CAVI. 171.) Smt.
Zöllner, F., über eine neue Art anorthoscopischer
Zerrbilder. — Nachdem Z. eine Erklärung der bekannten Zerr-
bildererscheinung gegeben, die sich darauf gründet, dass die mit den
Bildern versehene Tafel und der davor befindliche mit Löchern ver-
sehene Schirm in entgegengesetzter Richtung sich bewegen, so dass
das Auge durch die Dauer des Lichteindrucks und die Zeitfolge der
nach einander wahrgenommenen Theile des Zerrbildes über die wahre
Beschaffenheit dieses letzteren getäuscht wird, beschreibt Z. Versuche,
bei denen der mit einem schmalen Spalt versehene Schirm ruht, wäh-
rend das Zerrbild, ein schwarzer Kreis auf weissem Grunde, unter
dem Schirme senkrecht gegen die Längsrichtung des Spaltes fort-
bewegt wird. Je nach der Geschwindigkeit dieser Bewegung 'er-
scheint der Kreis als eine Ellipse, deren grosser Halbmesser bei
schneller Bewegung senkrecht, bei langsamer Bewegung parallel zur
Längsrichtung des Spalts erscheint. ‚Zwei convergente Linien schei-
nen nur dann bei langsamerer bezüglich schnellerer Bewegung we-
niger, oder mehr zu convergiren, wenn der Scheitel des Winkels oder
das. Ende der Schenkel beim Spalt vorbeigegangen. Eine Verschie-
bung der Augen als nothwendig zur Hervorbringung der Täuschung
anzunehmen ist, unstatthaft, da dieselbe auch eintritt, wenn. die Augen
auf eine feste Marke ‘gerichtet sind. — (Pogg. OXVIL, 477.) W. W.
Zehfuss, G., über eime mechanische ‚Wirkung des
eleetrischen Funkens. — Zur Entscheidung der Frage, warum
beim Durchschlagen des electrischen Funkens durch ein Blatt unter
Umständen ein oder zwei und mehr Löcher entstehen, stellt Z. eine
Reihe Versuche an mit Stanniol, Papier in Luft mit gleichgerichte-
ten und geneigten Drähten, mit mehren Papier- oder Stanniolblättern
in verschiedenen Medien, im luftverdünnten Raume, mit Blättern aus
einigen andern Substanzen in Luft. Z. stellt folgende Ansicht "über
die Entstehung der Löcher des Stanniols in Luft auf: ehe noch die
beiden in der Flasche gesammelten Electricitäten gänzlich in die
Spitzen übergeströmt sind, beginnt in dem ziemlich gut leitenden
Stanniol eine rasch wachsende Vertheilung der Art, dass unter jeder
Polspitze die Dichte der entgegengesetzten Electricität zunimmt, bis
endlich die Anziehungen nach den nächstgelegenen Polen +2, — P
für beide vertheilte Electrieitäten 'stark (genug zum Durchbrechen der
trennenden. Luftschicht ‚werden. Der momentane 'Vertheilungsstrom
164
bringt nun zufolge des geringen Querschnitts, also bedeutenden Lei-
tungswiderstandes, im Stanniol unter jedem Pole eıne Erhitzung her-
vor, deren Existenz wenigstens durch die Brandflecken und Rauch-
wölkchen, bei Wachstaffet durch wirklich sichtbare Schmelzung, be-
urkundet wird. Das erweichte Metall erhält alsdann durch die ge-
genseitige Repulsivkraft der benachbarten gleichartig electrischen
Theilchen ein Loch. Auch die im Papier entstehenden, mit beider-
seits aufgeworfenen Rändern versehenen Löcher rühren dem entspre-
chend von der Abstossung der gleichartig electrisirten Papierfasern
her. — Die Entstehung der einzigen Oeffnung am negativen Pole
bei einem Papierblatte erklärt Z. gestützt auf die von Riess beob-
achtete Thatsache, dass im luftleeren Raume die Verschiedenheit der
durch positive und negative Electrieität auf einem Harzkuchen her-
vorgebrachten Lichtenbergschen Figuren wegfällt, dahin, dass das
Papier in Berührung mit der bei der Entladung sich heftig daran
reibenden Luft negativ electrisch wird, daher den positiven Funken
anzieht und auf seiner Oberfläche nach dem anziehenden negativen
Pole hinlaufen lässt, während im Gegentheil die negative Electrici-
tät des — Poles in ihrem Bestreben zur Vereinigung mit der Elec-
trieität des + Poles durch das — electrische Papier gehemmt wird.
Solchergestalt ist die + Electrieität bereits am — Pole auf dem Pa-
pier angekommen, ehe noch die Vereinigung mit der — Electrieität
mittels Durchbrechung des Papiers vor sich gehen kann. — (Pogg.
Ann. CXVII, 487.) W. W.
Chemie. a. Theoretische. A. Bauer, über einige Reak-
tionen des Bromamylens. — Essigsaures Silberoxyd oder essig-
Kali zerlegen das Bromamylen sowohl so, dass das Radikal & Hy
frei wird, als auch, dass Wasserstoff austritt und Brom dafür ein-
tritt:
2 KR url £sHıo
SH HoBrs + Ac,m,o3°) = (emin,| 02 + 2KBr.
: H
HB + g,9}0 = SEBr + .m,o]9 + BrK.
Am besten erhält man das gebromte Amylen, indem man concentrirte
alkoholische Kalilösung mit Bromamylen behandelt. Man filtrirt vom
Bromkalium ab und destillirt; aus dem Destillate kann man mit Was-
ser das gebromte Amylen abscheiden. Bringt man das Bromamylen
in einem abgekühlten Kolben mit Brom zusammen, so entsteht
6; HsBr.Bra, was durch Umkrystallisiren aus alkoholischer oder äthe-
rischer Lösung leicht gereinigt werden kann. In Wasser sind die
eampherartig riechenden Krystalle unlöslich, mit alkalischer Kalilö-
sung gekocht entsteht Bromkalium und €; H3Bra. €; HsBr bildet mit
Chlor: &;HsBr.Cl,, was jedoch nicht rein erhalten werden konnte.
Bei der Einwirkung von Natriumamylat auf Bromamylen entsteht we-
der Amylamylenglycol noch eine Verbindung a } Br,. Die bei die-
ser Einwirkung erhaltene Flüssigkeit wurde fraktionirt destillirt; das
von 75—120°, 130—135° und 170—1909 Uebergehende wurde beson-
165
ders aufgefangen. Der erste Theil war gebromtes Amylen 6, H,Br,
der zweite Amylalkohol; über die anderen wurde Nichts festgestellt.
Wenn man Kalium cder Natrium auf Bromamylen einwirken lässt,
so geht keine glatte Ausscheidung von Amylen vor sich, vielmehr er-
folgen gleichzeitig die Zersetzungen:
(&sHu)Bra + Na — Hi + 2NaBr.
(5 Hıo) Bra + Na = &H,Br + NaBr + H.
Nach den vorhandenen Reaktionen könnte man dem Amylen auch die
Formel beilegen en] und dem gebromten Bromamylen en ’
s Cs HsBr
dem Amylbromür el ; dem Bromamylen H). — (Am.
Br
d. Chem. u. Pharm. CXX, 167.) B. S.
Diehl, das Atomgewicht des Lithiums. — Diehl stellte
zuerst reines kohlensaures Lithion dar, das selbst im Spectralapparate
keine Beimengungen fremder Substanzen mehr erkennen liess; dieses
führte er dann in das schwefelsaure Salz über, fällte mit Chlorbaryum
und fand, nach dieser Methode von Berzelius, wie dieser das Atom-
gewicht 6,57. Im Spectralapparate fand sich jedoch, dass der Baryt-
niederschlag noch Lithion enthielt, das in keiner Weise ganz entfernt
werden konnte. Diehl benutzte darauf das kohlensaure Lithion zur
Atomgewichtsbestimmung, indem er die Kohlensäure bestimmte und
fand so das Atomgewicht 7,026. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXA],
93.) , B. 8.
Eliot und Storer, über chromsaures Chromoxyd und
analoge Chromate. — In einer Lösung von chromsaurem Kali
erzeugt schon die geringste Quantität einer Chromalaunlösung einen
bleibenden Niederschlag, um aber in einer Chromalaunlösung einen
bleibenden Niederschlag zu erhalten, muss man soviel der Lösung
des chromsauren Kali’s zusetzen, dass fünf Aequivalente des letztern
Salzes auf ein Aequivalent der Alauns kommen. Danach, glauben
die Verff., geschehe die Zersetzung nach der Gleichung 5(KO,CrO®)
+K0,S0? + Cr203.330? — 4(K0,S0?°) + 2(KO,2CrO2) + Cr203,CrO3,
und der Niederschlag sei chromsaures Chromoxyd. Da sich aber der
Niederschlag beim Auswaschen zersetzt, wovon sich auch die Verfl.
überzeugten, ergiebt die Analyse verschiedene Resultate nach der
Zeit des Auswaschens. Ein anderer Weg der Analyse, den Verft.
einschlugen; Glühen bei einer Temperatur, bei der das chromsaure
Kali noch nicht verändert wird; und Bestimmen des Sauerstoffverlu-
stes scheint die Zusammensetzung Cr2O°,CrO® zu bestättigen. Da
es ganz analog gelang, chromsaure Thonerde und chromsaures Eisen-
oxyd darzustellen, glauben die Verfasser aus Gründen der Analogie
das Mangansuperoxyd für mangansaures Manganoxyd halten zu kön-
nen, — (Arch. der Pharm. zweite Reihe Bd, CA, p. 231.) O.K&.
R. Kemper, Analysen einiger kampfersauren Salze.
— Umfassen die neutralen Salze der Alkalien, alkalischen Erden, des.
166
Zink- und Uransalzes. Die Formel &0oHıs 04 erleidet nach des Ver-
fassers Analysen keine Veränderung. — (Ebenda p. 146.) 0. E.
K. Kraut, über die Aether der Mellithsäure — Die
zusammengesetzten Aether wurden durch Zusammenbringen von mel-
lithsaurem Silberoxyd mit Jodäthyl, Jodmethyl und Bromamyl darge-
stellt. Der mellithsaure Methyl- und Aethyläther bildete Krystalle,
während der Amyläther ein bei gewöhnlicher Temperatur nicht er-
starrendes Oel bildet. Nach Limpricht krystallisirt auch der Aethyl-
äther nicht. Auch hinsichtlich der Einwirkung von Ammoniak auf
Mellithsäure-Aethyläther widersprechen die Angaben des Verf.’s denen
von Limpricht und Scheibler vollständig. — (Zbenda p. 217.) O0. K.
H. Ludwig, Chemisches der Pilze. — Die Arbeit enthält
zunächst eine kritische Beleuchtung der Arbeiten. welche bisher über
diesen Gegenstand veröffentlicht sind, woraus dem Verf. hauptsächlich
hervorzugehen scheint, dass die Pilze kein Amylum enthalten; dass
während in den essbaren Pilzen die nährenden Bestandtheile wirklich
aus eiweissartigen Substanzen bestehen, die giftigen Pilze nur Zer-
setzungsprodukte der Albuminate enthalten. Ferner glaubt der Verf.
ächtes Chitin namentlich in den Sporen der Pilze annehmen zu müs-
sen, und erwähnt schliesslich einige Versuche über das Zerfliessen
der Pilze. — (Ebenda p. 193.) 0. K.
Th. Martius, die rothe Tinte der frühern Jahrhun-
derte. — Der Farbstoff, welcher sich in der rothgefärbten Initialen
von Manuscripten aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert
findet, besteht nach Verf. aus Zinnober, der zum Schreiben wahr-
scheinlich mit Eiweiss angerührt war. — (Zbda. 110.) 0. K.
Ph. F. Mehla, über das Vorkommen von Berberin in
Hydrastis canadensis. — A.B. Durand hat aus dieser Pflanze
ein krystallinisches Alkaloid Hydrastin und einen gelben Farbstoff
isolirt. Nach des Verf.’s Untersuchung ist der gelbe Farbstoff wahr-
scheinlich auch ein Alkaloid und zwar Berberin. Die Pflanze gehört
zu den Ranunculaceen. — (N. Repert. f. Pharm. Bd.AT, p.191.) O0.K.
O.Mendius, über eine neue Umwandlung der Nitrite.
— Diese Umwandlung der Nitrite besteht in einer unmittelbaren Auf-
nahme von Wasserstoff ohne Hinzutritt oder Austritt eines andern
Elementes: €&n Hm-ıN + 4H = £n Hn+3N oder (En Hzn+1) H>N.
Man bekommt diese Reaktionen, wenn man die Nitrite dem Wasser-
stoff in statu nascenti also der Behandlung mit Zink und Schwefel-
säure oder Salzsäure aussetzt. Es entsteht neben Chlorzink oder
Zinksulfat die Salz- oder Schwefelsäureverbindung der gebildeten
Aminbase. Den grössten Theil des Zinkvitriols kann man durch
Krystallisation entfernen, den Rest durch Schwefelwasserstoff. Das
hiervon Abfiltrirte wird mit Natronlauge zersetzt, destillirt und die
übergehende Base in Salzsäure aufgefangen; hatte man das Zink als
Chlorid, so fällt man dasselbe mit kohlensaurem Natron und Schwefel-
wasserstoff. Der beim Destilliren bleibende Rückstand wird mit Al-
kohol behandelt, um die noch darin befindliche salzsaure Aminbase
167
vom 'Salmiak zu trennen. In dieser Weise wurde zuerst Cyanäthy],
erhalten durch Destillation von ätherschwefelsaurem Kali und Cyan-
kalium, behandelt. Man erhält nach Entfernung des Zinks salzsaures
Propylamin, das uuzersetzt sublimirbar ist und aus Alkohol in qua-
dratischen Tafeln krystallisirt; mit Platinchlorid giebt es einen gold-
gelben Niederschlag von der Zusammensetzung &;H},N.CIPtCl. Wird
die salzsaure Verbindung mit Aetzkali destillirt, so erhält man eine
stark lichtbrechende Flüssigkeit, Propylamin enthaltend, die bei 490,7
siedet. Es fällt Metalloxyde, Eisenoxyd etc. aus ihren Lösungen und
bildet mit Schwefelsäure ein krystallinisches sehr leicht zerflliessliches
Salz. Erhitzt man diese Base in einer zugeschmolzenen Röhre mit
Jodäthyl, so erhält man Propyltriäthylammoniumjodür &3Hz(&2H;)sNJ,
leicht löslich in Wasser und Alkohol, unlöslich in Aether und mit
Kalilauge nicht zersetzbar. Die Base war also nicht etwa eine Imid-
(Aethyl-Methyl), sondern die Amidbase. Wenn man wässrige Blau-
säure und Schwefelsäure oder alkoholische Blausäure und Salzsäure
auf Zink wirken lässt, so erhält man eine Salzmasse, die nach wie-
derholtem Ausziehen mit Alkohol salzsaures Methylamin giebt; mit
Kalilauge behandelt entweicht aus derselben Methylamin, mit Gold-
ehlorid und Platinchlorid entstehen Niederschläge, letzterer von der
Zusammensetzung EHsNCIPtCl.. In entsprechender Weise erhält man
aus Cyanmethyl und Schwefelsäure und Zink schwefelsaures: Aethyl-
amin, aus dem mittelst Kali die Base abgeschieden werden kann.
Butyleyanür, aus Valeramid und wasserfreier Phosphorsäure darge-
gestellt, giebt mit Salzsäure und Zink die salzsaure Verbindung des
Amylamins. Behandelt man Benzonitril, erhalten durch Einwirkung
von Benzamid auf wasserfreie Phosphorsäure, mit Salzsäure und Zink,
so erhält man, wenn man das Produkt mit Kalilauge behandelt, dann
mit Aether auszieht und Chlorwasserstoffsäure hinzusetzt, einen kry-
stallinischen Niederschlag, der mit Alkohol umkrystallisirt die Formel
€rHnNCl giebt. Mit Goldchlorid und Platinchlorid entstehen Doppel-
salze, mit Quecksilberchlorid nur, wenn man alkoholische Lösungen
anwendet. Durch Behandeln mit Kalilauge erhält man die freie Ba-
sis als ein dünnflüssiges Oel. Sie zieht schnell Kohlensäure aus der
Luft an, ist in kaltem Wasser, Alkohol und Aether leicht löslich; beim
Erwärmen der wässrigen Lösung jedoch wird sie milchig ausgeschie-
den. Die Analyse ergab die Formel &;HsN; diese neue Basis ist
mit dem Toluidin isomer. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXI, 129.)
B. 8.
A. Moitissier, über das Camphorylchlorid. — Man er-
hält dasselbe. indem man Camphersäurehydrat mit Phosphorsuper-
ehlorid auf 1000 erhitzt, wobei sich Chlorwasserstoffsäure entwickelt
und Phosphoroxychlorid entsteht, von dem das Camphorylchlorid leicht
durch Destillation getrennt werden kann:
61H + 2PC, = 60H1492Cl; + 2P9Ch, + 2HCL.
Wasserfreie Camphersäure wird nur schwierig angegriffen. Das Chlo-
rid ist eine gelbliche Flüssigkeit, schwerer als Wasser, mit siedendem
168
Wasser sich zu Camphersäure und Chlorwasserstoffsäure zersetzend.
Kohlensaures Ammoniak und trocknes Ammoniakgas bilden Camphor-
amid CioHıs Na9a. Anilin bildet mit dem Chlorid eine in Alkohol
und Aether lösliche Substanz, wahrscheinlich Camphoranilid. — (Ann.
d. Chem. u. Pharm. CXX, 252.) B. 8.
C. Neubauer, über Kreatinin. — Man erhält Aethylkre-
atinin, wenn man zu einer concentrirten Lösung von Jodäthylkreati-
nin Silberoxyd hinzusetzt bis keine Jodreaktion mehr entsteht, dann
vom entstandenen Jodsilber abfiltrirt und im Vakuum verdunstet. Es
ist in Aether nicht, in Alkohol leicht löslich, ebenso in Wasser. Die
Lösung reagirt alkalisch, ist von bitterm Geschmacke und fällt neu-
trale Lösungen von Eisen und Thonerde. Beim Erhitzen verlieren
die Krystalle Wasser und eine Gelbfärbung tritt ein. Die Analyse
ergab: C}2Hı2N; 03, HO + xaq. Die Platinverbindung des krystalli-
sirten Aethylkreatinin ergab die Formel C.H}2N; O,2Cl + PtCh.
Wenn man auf alkoholische Lösung von Aethylkreatinin Jodäthyl in
zugeschmolzenen Röhren einwirken lässt, so wird kein weiteres Was-
serstoffatom substituirt, sondern es erfolgt eine Umsetzung in Jod-
äthylkreatinin und Alkohol. Hiernach wäre das Kreatinin eine Amin-
base und das Aethylkreatinin eine Ammoniumbase. Wenn man eine
wässrige Lösung von Aethylkreatininoxydhydrat mit Salzsäure versetzt
und dann verdunstet, so bleibt eine stark glänzende, strahlige Kry-
stallmasse von Chloräthylkreatinin zurück, leicht löslich in Wasser
und Alkohol, unlöslich in Aether. Jodwasserstoffsaures Kreatinin
entsteht bei der Einwirkung von Jodäthyl auf Kreatinin zugleich mit
Jodäthylkreatinin. Ersteres ist in der von letzterm trennbaren Mut-
terlauge enthalten und wird beim Verdunsten als bräunliche Krystall-
masse leicht daraus gewonnen; es ist in Wasser und Weingeist sehr
leicht löslich und ergab die Formel (;H;N50;zJH. Mit essigsaurem
Natron und Chlorzinklösung versetzt, giebt es einen Niederschlag
von Kreatininchlorzink, das nach sorgfältiger Reinigung die Formel
von Heintz ergab: C3H;N30zZnCl, so dass Loebe’s Formel CHH-N;0zCIH
+ ZnO nicht bestätigt werden konnte. Salzsaures Kreatininchlor-
zink wurde durch Auflösen von Kreatininchlorzink in überschüssiger
Salzsäure und durch Verdunsten erhalten. Es ergab die Formel:
CsH7N:30;CIH -+ ZnCl. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXZ,257.) B.S.
Oppenheim, über den Münzencampher. — Die Analysen
und Reactionen desselben lassen ihn als einen einatomigen Alkohol aus
der Reihe des Acrylalkohols erkennen. Die Camphorsäure scheint
ihm zu entsprechen. Wegen seiner Aehnlichkeit mit dem Borneol
schlägt der Verf. für ihn den Namen Menthol vor; wie er die von
ihm daraus dargestellten Aetherarten essigsaures, bittersaures und
Chlormenthyl nennt. — (N. Repert. f. Pharm. Bd. AI, p.21) 0.K.
A. Overbeck, dreizehn Fragen über Mercur. — Ent-
hält eine Zusammenstellung der Thatsachen, die bisher über die Ein-
wirkung offieinellen Quecksilberpräparate auf den Organismus be-
kannt gemacht sind und macht dabei auf die Erscheinungen aufmerk-
169
sam, welche noch nicht genügend erklärt sind. — (Arch. f. Pharm.
zweite Reihe Bd. CIX, p. 6.) 0. K&.
W. Rubel, krystallisirbarer mannitähnlicher Stoff
aus Evonymus europaeus. — Aus der Cambialschicht der di-
ckeren Zweige von Evonymus europäus wurde durch Extraction mit-
telst Alkohol ein krystallisirbarer Körper erhalten, der in Zusammen-
setzung und chemischen Eigenschaften dem Mannit gleicht, sich durch
Krystallform und höheren Schmelzpunkt von ihm unterscheidet, und
vom Verf. Evonymit genannt wird. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85.
2p. 372.) 0. &.
W. de la Rue und ;Hugo Müller, über Terephtal-
säure und die Derivate derselben. — Die Terephtalsäure,
schon früher von Caillot durch Einwirkung von verdünnter Salpeter-
säure auf Terpentinöl erhalten, entsteht auch bei der Darstellung von
Toluylsäure aus Cymol, oder wenn letzteres mit rauchender Salpe-
tersäure behandelt wird. Die von Hoffmann entdeckte Insolinsäure ist
mit der Terephtalsäure identisch, sie entsteht am leichtesten bei der
Einwirkung von Chromsäure auf Römisches Kümmelöl oder Cuminalde-
hyd. Die Terephtalsäure, die mit der Phtalsäure isomer ist, besitzt
die Formel €£3H; 04, ist ein weisses krystallinisches Pulver, in Was-
ser und Aether unlöslich, löslich in Schwefelsäure; sie ist sublimir-
bar. Sie ist eine zweibasische Säure. Die neutralen Aether entste-
hen durch Einwirkung von Chlorterephtalyl auf Alkohole oder durch Ein-
wirkung der Jodverbindungen der letztern auf das Silber- oder Kalium-
salz der Terephtalsäure. So wurde der Methyläther G3H,(EH3), 04
in schönen Krystallen erhalten, auch der Amyl-Aethyl- und Phenyl-
äther wurden dargestellt. Bei der zuletzt angeführten Reaktion bil-
den sich auch die sauren Aetherarten. Die Nitroterephtalsäure
entsteht bei der Einwirkung von Salpetersäure und rauchender Schwe-
felsäure auf Terephtalsäure, sie ist ebenfalls zweibasisch und bildet
gut krystallisirbare Salze. Chlorterephtalyl £;,H,0,C], entsteht
bei der Einwirkung von Phosphorpentachlorid; durch Einwirkung
von Ammoniak auf die Chlorverbindung erhält man das Amid €3H,N,9,,
das mit rauchender Salpetersäure zu C3H,(N0,)N,0, wird. Durch
Entziehen von Wasser z. B. mit wasserfreier Phosphorsäure entsteht
das Nitril. Bei der Reduktion der Nitroterephtalsäure entsteht Oxy-
terephtalamsäure €;H,N®,, der Glycocollgruppe angehörig und
sich mit Basen und Säuren verbindend. Die Lösungen der ersten
Salze zeigen sehr starke Fluorescenz. Die Aether dieser Säure ent-
stehen durch Behandeln der Aether der Nitroterephtalsäure mit re-
ducirenden Substanzen. Salpetrige Säure greift diese Verbindungen
sehr leicht an und es entstehen dabei stickstofffreie Verbindungen,
namentlich Oxyterephtalsäure: &3Hg 05. — (Ann. d. Chem. u. Pharm.
CAXAT, 86.) B. 8,
kudolf Schmitt, Beitrag zur Kenntniss der Sulfani-
lidsäure und Amidophenylschwefelsäure. — Entsprechend
der Benzaminsäure und Anthranilsäure, die sich von der Kohlensäure
XXI. 1863, 12
170
ableiten lassen, lassen sich von der Schwefelsäure auch die Amido-
phenylschwefelsäure und Sulfanilidsäure ableiten, deren Verschieden-
heit bei ihrer Thonerde auf den verschiedenen Radikalen beruht. Die
Sulfanilidsäure HO (N) S20; + 2aq. entsteht durch Einwir-
kung von concentrirter Schwefelsäure auf Anilin oder Anilide in der
Wärme. Sie ist in kaltem Wasser schwer (1 Theil in 128 Theilen
Wasser) in heissem leicht löslich, unlöslich in Alkohol und Aether.
Sie krystallisirt mit zwei Aequivalenten Krystallwasser, die sie erst
bei 110° ganz verliert; bei 220° tritt Zersetzung ein, wobei sich dann
schweflige Säure entwickelt. Sieist eine starke Säure, welche Alkalien
vollständig sättigt; ihre Salze sind leicht durch Zersetzen der be-
treffenden kohlensauren Salze darstellbar und mit Ausnahme des Sil-
bersalzes leicht löslich. Chlor und Jod wirken nicht auf sie ein, mit
Brom entsteht ein weisser Niederschlag von verfilzten Nadeln, der,
unlöslich in Wasser, in Aether und Alkohol sich leicht löst; bei 100°
schmilzt er und sublimirt bei höherer Temperatur unzersetzt. Die
Analyse ergab die Formel des Tribromanilins: CH4Br3 N, so dass
die Zersetzung wäre:
CH NS2 0; + 6Br:—— C2»H,Br; N En S2 0 + 3HBr.
Wenn man nicht genug Brom hinzufügt, so erhält man zugleich zwei-
fach gebromte Sulfanilidsäure. Von salpetriger Säure wird die Sul-
fanilidsäure zersetzt unter Entwicklung von reinem Stickstoff, wäh-
rend die Flüssigkeit sich braun färbt. Beim Verdampfen bleibt ein
sauer reagirender Rückstand, dessen Salz stickstofffrei ist; dieses
war eine der Salicylsäure analoge Säure Oxyphenylschwefelsäure.
Leitet man durch Alkohol, in dem Sulfanilidsäure suspendirt ist, sal-
petrige Säure, so nimmt die Masse des Pulvers bedeutend zu und der
entstandene Körper ist sehr leicht explodirbar. Die Dibromsulfani-
lidsäure HO (Ca 2) N. 80; + 3aq. wird aus der Lösung, die
H
zugleich Tribromanilin enthält und auf schon beschriebene Weise er-
halten wird, durch Ausfällen mit Chlorbaryum und Zersetzen dieses
Barytsalzes mit Schwefelsäure erhalten. Sie ist in Wasser leicht,
in Alkohol schwer löslich. Ueber 180% zersetzt sie sich, wobei Tri-
bromanilin und schweflige Säure auftreten. Mit Kali- oder Kalkhy-
drat erhitzt giebt sie ebenfalls Tribromanilin. Die Salze dieser Säure
krystallisiren leicht in nadelförmigen Krystallen und werden leicht
durch Zerlegung der betreffenden kohlensauren Salze erhalten. Aus-
ser dem Barytsalze wurden das Blei- und Silbersalz dargestellt durch
Fällung der reinen wässrigen Säure mit essigsaurem Blei oder salpeter-
saurem Silber. Die Alkali- Kalk- und Zinksalze werden in beschrie-
bener Weise dargestellt. Die Diazophenylschwefelsäure HOCja He S203
2
wird erhalten, indem man durch in Alkohol suspendirte Sulfanilid-
säure salpetrige Säure leitet. In heissem Alkohol wird die Säure
leicht zerlegt, ebenso wie auch in heissem Wasser; trocken erhitzt
171
explodirt sie leicht. Wässrige Alkalien zerlegen die Säure schon in
der Kälte unter Stickstoffentwicklung und Bräunung, ebenso wirkt
Schwefelwasserstoff. Die Flüssigkeit reagirt sauer und durch Sätti-
gen mit kohlensauren Salzen erhält man Salze, deren Analyse zeigte,
dass dies Oxyphenylschwefelsäure war:
CıaHaN38S30: + 2HO = CaHs 820; + 2N
nach Kolbe’s Ansicht HO ( C?10,) S20;. Das Barytsalz erhält
man durch Neutralisiren mit kohlensaurem Baryt, es ist in Wasser
löslich und liefert mit Kalihydrat destillirt schwefelsaures Kali und
Phenyloxydhydrat. Das Silbersalz erhält man in ähnlicher Weise,
ebenso das Kali-Ammoniak und Bleisalz, die alle leicht löslich in Was-
ser sind. Kocht man die Säure mit Alkohol von 90%,, so entwickelt
sich Aldehyd und Stickstoff, und beim Eindampfen bleibt eine stark
sauer reagirende tiefbraune Flüssigkeit zurück, aus der man durch
Neutralisiren mit kohlensaurem Bleioxyd ein stickstofffreies Salz er-
hält; absoluter Alkohol bewirkt nur bei höherm Drucke diese Spal-
tung. Das Bleisalz ergab die Formel des phenylschwefelsauren Bleies,
so dass die Säure entstände nach:
u C2H4ıN, 5.0; + GC, Hs (OF = Ci Hs S2 Os Er C4H403 + 2N.
Diazophenylschwefelsäure Phenylsch wefelsäure
Das Blei- und Barytsalz erhält man durch Neutralisiren der
wässrigen Säure mit den kohlensauren Salzen, beide sind in Wasser
leicht löslich. Diese Säure hat mit Mitscherlichs Sulfobenzidinsäure,
durch Behandeln von Benzol mit rauchender Schwefelsäure erhalten,
gleiche Zusammensetzung, ist jedoch nicht krystallisirbar und ver-
trägt keine so hohe Temperatur. Diazodibromphenylschwefelsäure
H
#0 ( Ca lBr, ) S,0, erhält man, wenn man salpetrige Säure auf
eine Me akssihe Lösung von Dibromsulfanilidsäure wirken .lässt. Sie
bildet gelbliche Schüppchen, ist’ schwer in kaltem, leicht in heissem
Wasser löslich, wird durch kochenden ‚Alkohol zerlegt und verhält
sich gegen Schwefelwasserstoff und Alkalien wie die nicht gebromte
Diazoverbindung. Salze dieser Säure liessen sich nicht darstellen.
Dibromphenylsch wefelsäure HO ( Cı2 | Ei ) S20; + 2aq. entsteht durch
Zerlegung der vorigen mit unter höherm Drucke siedenden Alkohol,
wobei zugleich Aldehyd und Stickstoff entweichen, Aus der braunen
Flüssigkeit erhält man mit essigsaurem Blei, Chlorbaryum und sal-
petersaurem Silberoxyd Niederschläge. Die Entstehung der Säure
lässt sich darstellen durch:
C)H2Bra N,8, 0; IF [079 5} Os == CsH,Br3 8; Os -F C,H403 -- 2N.
Oxydibromphenylschwefelsäure bildet sich bei der Zerlegung von Dia-
zodibromphenylschwefelsäure durch kochendes Wasser. Wenn man
durch Wasser, worin Diazophenylschwefelsäure. suspendirt ist, Schwe-
felwasserstoff leitet, so findet Stickstoffentwicklung Statt, und es ent-
steht eine trübe Flüssigkeit, die hald Schwefel absetzt. Man erhält
12”
173
beim Eindampfen eine krystallinische Masse, die sich nach dem Rei-
nigen als Sulfanilidsäure ausweist:
CıH4N,»S20; + 3HS = CR»H-NS:0; + 35 + N.
Die dieser Säure isomere Amidophenylschwefelsäure zeigt sich in ih-
rem Verhalten gegen Brom und in ihren Salzen von der vorigen
Säure wesentlich verschieden. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CAX,
129.) B. 8.
Schrader, über diehöhern Oxydationsstufen des Wis-
muths. — Wenn man aus Wismuthoxydsalzen mit Kali weisses Wis-
muthoxydhydrat fällt, so wird der Niederschlag bald in gelbes was-
serfreies Oxyd umgewandelt und zwar in um so kürzerer Zeit, je
concentrirter die Kalilösung war. Dasselbe Resultat erhält man, wenn
man mit einer alkalischen Lösung von unterchlorigsaurem Alkali Wis-
muthoxyd fällt, oder dasselbe in der Kälte auf Wismuthoxydhydrat
wirken lässt. Wendet man verdünntere Lösungen des Alkalisalzes
an, so erhält man einen hellgelben Niederschlag, Wismuthoxyd und
Wismuthoxydhydrat, welches man durch Kalilauge in ersteres über-
führen kann. Durch Auswaschen kann man diese Niederschläge chlor-
frei erhalten, die dann nicht mehr verändert werden. War das Aus-
waschen des unterchlorigsauren Salzes nicht vollständig, so erhält
man beim Kochen dunklere Körper, Gemenge von Wismuthoxyd, hö-
hern Oxyden des Wismuths und Kali. Arppe hielt diesen gelben
Niederschlag für das Hydrat eines höhern Oxydes und wollte %ier-
aus durch Kochen mit alkalischem unterchlorigsaurem Kali braunes
Wismuthoxyd BiO, erhalten haben; wenn beim Auflösen in Salpeter-
säure dieses einen Rückstand hinterliesse, so sollte derselbe von Wis-
muthsäure herrühren. Sch. wiederholte den Versuch: er kochte mit
unterchlorigsaurem Alkali oder leitete Chlor in nicht genug concen-
trirter Kalilauge, welche Wismuthoxyd suspendirt enthielt; er erhielt
dabei bald: gelbe, bald braune, bald schwarze Körper, theilweise oder
vollständig löslich in Salpetersäure, Wismuthsuperoxyde, die je nach
den Umständen der Reaktionen erzeugt werden. Die Verschiedenheit
der Niederschläge hängt hauptsächlich von der grössern oder gerin-
gern Menge Kali und der Zeit des Chlordurchleitens ab. In ihren
äussern Eigenschaften sind sie nur durch die Farbe verschieden, wäh-
rend sie sich gegen Reagentien ganz gleich verhalten. In Salzsäure
lösen sie sich unter Chlorentwicklung und in Schwefelsäure unter Sauer-
stoffentwicklung. In concentrirter Salpetersäure lösen sie sich eben-
falls vollständig und farblos auf. Sie geben beim Glühen gelbes Oxyd
und verlieren ihren Wassergehalt bei 120%; bei Anwendung von ver-
dünnter Salpetersäure wird ein schwarzer dem Eisenoxyd ähnlicher
Körper zurückgelassen Wenn man concentrirtere Kalilösung und
Siedhitze anwendet, so werden Körper erhalten, die mit concentrir-
ter Salpetersäure einen orangegelben Rückstand hinterlassen. Die
Niederschläge haben sehr verschiedene Farben. Wendet man Kali
von 1,385 spec. Gew., im Verhältniss zum Wismuthoxyd wie 1:2 an,
so erhält man beim Durchleiten von Chlor durch die siedende Lösung
173
einen pechschwarzen Körper, der Wismuthoxyd, Sauerstoff, Kali und
Wasser enthält; er scheint hauptsächlich aus krystallisirtem Wismuth-
oxyd mit Kali zu bestehen, das durch beigemengte höhere Oxydations-
stufen des Wismuths schwarz erscheint; behandelt man diesen Kör-
per mit concentrirter Salpetersäure, so erhält man eine dunkelbraune
Substanz, die ungefähr der Formel BiO, + 2aq. entspricht. Stei-
gert man den Kaligehalt, so erhält man gelbliche Körper, die beim
Behandeln mit concentrirter Salpetersäure das gelbe Endprodukt hin-
terlassen. Dieses verliert bei 150% sein Wasser und wird braun, mit
Salpetersäure behandelt erhält es seine ursprüngliche Farbe wieder;
nach der Analyse kommt ihm die Formel BiO, + 2aq. zu. Nimmt
man 10 Theile Kali auf 1 Theil Wismuthoxyd und leitet dann Chlor
in die siedende Lösung, so erhält man rothe oder rothbraune Kör-
per, die mit Salpetersäure jenen orangegelben geben, sich aber auch
nur als Gemenge von höhern Oxydationsstufen des Wismuths mit
Kali und Wismuthoxyd ausweisen. Arppe wollte reines Wismuthsäure-
hydrat BiO;,HO erhalten haben, indem er durch sehr concentrirte
Kalilauge mit suspendirtem Wismuthoxydhydrat Chlorgas leitete,
Heintz hingegen erhielt bei dieser Reaktion auch rothe Körper, die
von ihren Verunreinigungen nicht ganz getrennt werden konnten,
sich aber als BiO;, berechneten. Sch. bekam eben diese rothen Nie-
derschläge, die seinen Untersuchungen nach aus Wismuthsäure, Wis-
muthoxyd und Kali bestanden. Bei wiederholter Behandlung dieser
rothen Niederschläge mit Kalilauge wurde ein rother Körper erhal-
ten, der jedoch nicht sauerstoffreicher als die frühern war. Durch
Behandeln mit verdünnter Salpetersäure kann man hieraus nicht rei-
nes Wismuthsäurehydrat erhalten, sondern es tritt schnell eine Zerset-
zung ein. Beim Kochen mit verdünnter Salpetersäure erhält man einen
hellrothen Körper von der ungefähren Zusammensetzung Bi 0;3Bi 0;
+ 6aq. Mit Essigsäure lässt sich jene höchste Oxydationsstufe gleich-
falls nicht isoliren. Auch bei der Einwirkung von Salpetersäure auf
die rothen Körper entsteht zuletzt ein gelber, dem die Formel BiO,
+ 2aq. zukommt. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXI, 204.) B. S.
Simpson, über die Synthese der Bernsteinsäure und
der Pyroweinsäure. — Da die Bernsteinsäure in derselben Be-
ziehung zum Glycol steht, wie die Propionsäure zum Alkohol, so
wurde versucht in entsprechender Weise aus Cyanglycol und Kalihy-
drat Bernsteinsäure zu erhalten:
'
G4H;Cy + © | r + 2H0O = 0, } a 0, + NH;
CHA Cya + 20) 5 +4H0O — 0,3 Ola | on.
Das Cyanäthylen wurde durch Erhitzen von Cyankalium mit Bromä-
thylen und Alkohol in einem verkorkten Kolben dargestellt. Es ist
eine hellbraune krystallinische Masse, bei 370 zu einer öligen Flüssig-
keit schmelzend, die ohne Zersetzung destillirt werden kann, im Was-
ser und Alkohol leicht, im Aether schwer löslich, Wird nun eine al-
174
koholische Lösung von Cyanäthylen und Aetzkali in einem mit einem
Kühler versehenen Kolben erhitzt, so entwickelt sich Ammoniak und -
nach Zerstörung der Verunreinigungen mit Salpetersäure erhielt man
beim Eindanıpfen des Rückstandes salpetersaures Kali und eine freie
Säure, die durch Lösen in Alkohol davon getrennt werden kann. Nach
dem Reinigen durch Umkrystallisiren ergab sie die Formel C(3H,0;,
Bernsteinsäure, die auch in allen Eigenschaften der gewöhnlichen
Bernsteinsäure entsprach. Wenn man Cyanäthylen mit Salpetersäure
eindampft, so erhält man eine weisse krystallinische Masse, die sich
als Gemenge von Bernsteinsäure und salpetersaurem Ammoniak aus-
wies. Wird Salzsäure in einer zugeschmolzenen Röhre mit Cyanäthy-
len auf 100° erhitzt, so erhält man ein krystallinisches Gemenge von
Bernsteinsäure und Chlorammonium:
C;,H;Cya + 2HCl + 8HO = GH,0; + 2NH;CI.
Cyanäthylen mit salpetersaurem Silber und Aether zusammengerie-
ben giebt eine Verbindung beider Körper: G4HsCya + A(ASONO,).
Die Krystalle dieser Verbindung geben mit Salzsäure behandelt Bern-
steinsäure. In entsprechender Weise wurde auch versucht Pyro-
weinsäure zu erhalten. Cyanpropylen erhält man durch Erhitzen
von Brompropylen, Cyankalium und Alkohol in einem verschlossenen
Gefässe, es konnte nicht ganz rein erhalten werden. Wird Cyanpro-
pylen und concentrirte Salzsäure in einer zugeschmolzenen Glasröhre
erhitzt, so erhält man nach einiger Zeit eine Krystallmasse aus ei-
ner Säure und einem Ammoniaksalz bestehend. Erstere wurde durch
Alkohol und Aether von letzterem getrennt und gab nach dem Um-
krystallisiren die Formel: CioHs03s Pyroweinsäure, die ganz die Ei-
genschaften der gewöhnlichen Pyroweinsäure besass. Ihr Entstehen
erklärt sich nach der Gleichung:
C;,HsCya 2 2HCl nn sHO = CioHsOs + 2NHaCl.
— (Annal. d. Chem. u. Pharm. CAAI. 153).
W. Stein, über das Pflanzengelb (Melin, Phytomelin,
Rutinsäure) und einige ihm verwandte Körper. — Nach-
dem die Rutinsäure in vielen Körpern aufgefunden, wurde sie von
Hlasiwetz für identisch mit dem Quereitrin erklärt und diese Mei-
nung allgemein beibehalten. Der Verf., dessen Untersuchungen ihm
die Identität beider Substanzen nicht wahrscheinlich machten, giebt
eine erneute Untersuchung und Vergleichung der Eigenschaften bei-
der Körper wieder. Er giebt der Rutinsäure den Namen Phytome-
lin, oder einfach Melin von unAsvog quittengelb. Das Melin ist eine
schwache Säure, welche aber noch deutlich Kohlensäure aus ihren
Salzen austreibt. Sie unterscheidet sich von dem Quereitrin, sowohl
durch ihr Verhalten zu den Lösungsmitteln als beim Schmelzen. Beide
Körper sind als Kohlenhydrate anzusehen, die sich durch den Was-
sergehalt unterscheiden. Verf. schlägt deswegen für das Quereitrin
den Namen Quercimelin vor. Durch Säuren werden beide Körper
in Melatin (Quereitin) Zucker, Melulmin, Ameisensäure und Kohlen-
säure zerlegt. Der Punkt der Beendigung dieser Zersetzung ist aber
=
| 175
nicht genau zu bestimmen, da die Säure auch verändernd auf die ent-
stehenden Körper wirkt. Das Melin und Melatin, werden von Alka-
lien und Baryt bei Zutritt der Luft unter Aufnahme von Sauerstoff
verändert; sehr energisch wirkt in gleicher Weise Silberoxyd. Durch
Reduction mittelst Natriumamalgam entsteht ein Körper, welcher sehr
schöne Farbenerscheinungen zeigt, dessen nähere Beschreibung sich
Verf. vorbehält. Das Melin und Quercimelin lassen sich als Reprä-
sentanten einer gauzen Gruppe von Körpern betrachten, die in den
Farbstoffen vieler Pflanzen enthalten sind. — (Journ. f. pract. Chem.
Bd. 85. p. 351.) 0. K.
C. Thiel, chemische Untersuchungen der Musena-
Rinde. — Die Musenarinde, Bandwurmmittel enthält nach des Verf.’s
vorläufiger Untersuchung als hauptsächlichen Bestandtheil einen dem
Saponien in vieler Beziehung ähnlichen, sehr kratzend schmeckenden
Stoff, der sich vom Saponin besonders durch seine leichtere Löslich-
keit in Alkohol unterscheidet. Die geringe Quantität des vorliegen-
den Materials ermöglichte eine genauere Untersuchung noch nicht.
— (N. Repert. f. Pharm. Bd. AI. 97.) 0. K.
b. Angewandte. H. Bachmann, über eine Lederschmiere.
— Das Verderben des gegerbten Leders, d. h. seine Neigung nach
längerem Gebrauch oder nach Berührung mit Regen- oder Schnee-
wasser zu reissen, zu brechen, zu schimmeln und wasserundicht zu
werden, beruht darauf, dass die beim Gerbprocess von den thierischen
Geweben aufgenommene Gerbsäure allmälig zersetzt oder ausgelaugt
wird. Durch Ersatz dieser verlornen Gerbsäure unter Vermittelung
einer fetten Säure gelingt es, das verdorbene Leder wieder vollkom-
men brauchbar zu machen Verf. schlägt daher vor, die verdorbenen
Gegenstände Stiefeln, Pferdegeschirre, Lederüberzüge von Wagen etc.
mit einer auf 6000. erwärmten Mischung zu imprägniren, die dar-
gestellt wird aus: 8 Th. Elainsäure, 2 Th. Palmitinsäure (beide durch
Ammoniak in Seifenleim übergeführt) 6 Th. gewöhnlicher Seife und
1!/, Th. festen Gerbstoff, (bestehend aus 3 Th. Eichengerbsäure und
1 Th. Katechngerbsäure.) Da das Gemenge der Gerbsäuren in 8 Th.
Wasser gelöst werden soll, so werden bei der Bereitung der Schmiere
zuerst die Seifen auf 60°C. erwärmt und unter Umrühren sodann
3!/; Th. der erhaltenen Gerbstofflösung zugegossen. Die Schmiere
lässt sich in gut verschlossenen Gefässen ziemlich lange aufbewahren.
— (Baierisches Kunst-Gewerbeblatt 1862, 23.) Swt.
B. Hirsch, über Reinigung des Fuselöles. — Um aus
dem immer 20—30 pCt. Alkohol haltenden rohen Fuselöl möglichst
die ganze Menge reinen Oeles zu erhalten, wäscht Verf. das Roh-
product mehrere Male mit Kochsalzlösung, dann mit wenig Wasser
und destillirt mit Wasser. Es soll hierbei anfangs nur Wasser und
Alkohol übergehen, und sich die Grenze sehr scharf bemerken lassen,
wo das Fuselöl nun frei von Alkohol über zu destilliren beginnt. —
(Arch. d, Pharm. zweite Reihe Bd. CIX, p. 30.) 0. &.
176
E. Lenssen, chemische Mittheilungen. — 1. Ueber
die Darstellung der essigsauren Thonerde aus schwefel-
saurer Thonerde. — Wenn man essigsaures Bleioxyd und schwe-
felsaure Thonerde in äquivalenten Verhältnissen mischt, so nimmt
man an, bilde sich nur essigsaure Thonerde und unlösliches schwe-
felsaures Bleioxyd. Dies ist aber nicht der Fall, sondern ein Theil
des Bleioxydes bleibt gelöst, und lässt sich nur durch einen Ueber-
schuss von schwefelsaurer Thonerde fällen. Setzt man zu schwefel-
saurer Thonerde etwas mehr kohlensaures Natron, als nöthig ist,
um die freie Säure der schwefelsauren Thonerde abzustumpfen, so
bleibt beim Fälien mit der aequivalenten Menge essigsauren Bleioxy-
des noch mehr Blei in Lösung als im vorigen Falle, da das Lösungs-
vermögen des essigsauren Natrons für schwefelsaures Bleioxyd noch
bedeutender ist, als das der essigsauren Thonerde. — 2. Entgla-
sung durch gespannte Wasserdämpfe. Ein Manometerrohr,
welches mehrere Jahre einem Druck bis zu zwei Atmosphären ausge-
setzt gewesen war, hatte sich an der Stelle wo das Niveau des Queck-
silbers sich befindet der Art verändert, dass es sich bedeutend verdickt
hatte, undurchsichtig und milchweiss geworden war, und ungefähr das
Ansehen der Stearinsäure angenommen hatte, der Analyse nach bestand
in diesem Falle die Entglasung in einem Verlust an Alkali. — 3. Sil-
beroxydulverbindungen in Silberschlacken enthalten. —
H. Rose hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass das Silberoxydul
„mit den Basen R?O? Verbindungen eingehe. Verf. erhielt beim Ein-
schmelzen einer grössern Partie Silberrückstände ebenfalls einen
lachsfarbenen pulverförmigen Körper nach dessen Analyse er ihm
die Formel Fe&O0;3 + AgO + 7ZnO beilegt. Durch Glühen wird
der Körper nicht verändert. — 4. Zusammensetzung einiger
Legirungen. — Die Legirung der Formen in Zeugdruckereien be-
steht aus Wismuth 10,15 pC., Zinn 57,23 pC., Blei 31,13 pC. Die
Legirung für Compositions-Rackeln beim Rouleauxdruck aus Zinn
4.93 pC., Zink 9,78 pC., Kupfer 85,79 pC. — (Journ. f. prakt. Chem.
Bd. 85, p. 89.) 0. K.
A. Pleischl, über die Auflöslichkeit des Blei aus
Bleizinnlegirungen. — Die Behauptung von Proust, dass Blei
aus seinen Lösungen durch Zinn gefällt, und dass aus Bleihaltigen
Zinnlegirungen durch Essigsäure kein Blei aufgelöst werde, wurde
durch neue Versuche nicht bestätigt gefunden; sondern im Gegen-
theil constatirt, 1. dass Zinn aus seinen Auflösungen durch Blei ge-
fällt werde, 2. dass aus jeder Bleizinnlegirung schon in der Kälte
nach 12-stündiger Einwirkung einer verdünnten Essigsäure von 1,005
spec. Gew. nicht nur Zinn, sondern auch Blei aufgelöst werde. Die
Quantität des in Lösung übergehenden Bleies richtete sich nach dem
Gehalt der Legirung an diesem Metalle. Es ergiebt sich daraus ein-
mal eine ziemlich schnelle und bedeutende Abnutzung von Gefässen,
die aus dieser Metalllegirung gefertigt und zur Bereitung saurer
Präparate benutzt werden, sondern ein schädlicher Einfluss auf den
177
Organismus, wenn die in solchen Gefässen bereiteten Speisen genos-
sen werden, da das Blei zu den sogenannten schleichenden Giften
gehört, deren Wirkung sich erst kund gibt, wenn sie die innersten
Wurzeln des Organismus vergiftet haben. — (Wien. Akad. Berichte
Bd. 43, 8. 555.) Smt.
A. Vogel, Mittheilungen aus dem Laboratorium. —
I. Ueber den Stickstoffgehalt des Mehles und Brodes.
Zur Entscheidung der Frage, ob der Stickstoffgehalt des Mehles durch
das Backen verringert werde, wurden in des Verf.’s Laboratorium ei-
nige Versuche mit der Krume von Weizen- und Roggenbrod ange-
stellt, bei denen die Gährung durch Hefe eingeleitet war. Es zeigte
sich im Brode nicht weniger Stickstoff als im Mehl, aus dem sie be-
reitet waren. II. Prüfung des Bieres auf Ammoniaksalze.
Da sich keine Ammoniaksalze im Biere nachweisen liessen, ist der
Stickstoffgehalt desselben dem Eiweiss zuzuschreiben. III. Zur Werth-
bestimmung der Kartoffeln. Vergleichende Versuche ergaben,
dass wenn man den Trockengehalt der Kartoffeln durch das spec.
Gewicht nach der Mohrschen Methode bestimmt, er für technische
Zwecke genügend mit dem durch Trocknen und Wägen erhaltenen
übereinstimmt. Der Stärkemehlgehalt aber, aus dem spec. Gewicht
nach der Tabelle von Berg und Leidersdorff berechnet, wurde drei
bis vier pC. höher als durch Auswaschen gefunden. IV. Zur Nach-
weisung des Traubenzuckers. Die Muldersche Methode der
Nachweisung des Traubenzuckers durch die Entfärbung des Indigo-
carmins ist in sofern unsicher, als bei längerm Kochen auch Rohr-
zucker den Indigo entfärbt, da er durch die freie Schwefelsäure der
Indigolösung umgewandelt wird. Verf. benutzt daher statt der In-
digolösung Lakmustinktur, im Uebrigen nach der Mulderschen Vor-
schrift verfahrend. Uebrigens entfirbt Milchzucker ebenfalls sowohl
Lakmus als Indigo. V. Ueber Schwefelwasserstoffbereitung
zu analytischen Zwecken. Um eine gleichmässige Gasentwick-
lung zu jeder Zeit bewerkstelligen zu können, soll man gewogene
Mengen des Schwefeleisens und der Schwefelsäure anwenden. VI.
Ueber die Darstellung eineshaltbaren Lakmuspräparates.
Die Entfäürbung der Lakmustinktur rührt von einer Reduction des
Farbstoffes her, daher dieselbe durch Schütteln mit Luft ihre Farbe
wieder erhält. Verf. schlägt vor, um jederzeit mit Leichtigkeit eine
Lakmuslösung von beliebiger Concentration zu haben, das fein ge-
pulverte Lakmus mit Wasser zu übergiessen (16 Grm. mit 120 CC.)
nach 24 Stunden, dasselbe fort zu giessen, dann noch einmal mit
derselben Quantität kalten destillirten Wassers 24 Stunden zu behan-
deln, und diese Lösung zur Hälfte mit Salpetersäure schwach anzu-
säuren und mit der andern Hälfte vereint im Wasserbade zur Trockne
zu bringen. Das Pulyer löst sich klar in kaltem Wasser. VII. Ueber
die Darstellung arsenfreier grüner Farben. Der im Han-
del vorkommende sogenannte grüne Zinnober soll nach Elsners Vor-
schrift aus Lösungen von Blutlaugensalz und chromsaurem Kali ei-
178
nerseits und essigsaurem Eisenoxydul und essigsaurem Bleioxyd and-
rerseits dargestellt werden. Um die Darstellung des essigsauren Ei-
senoxyduls zu umgehen, schlägt Verf. vor, sich des durch etwas Oxal-
säure ‚gelösten Berlinerblau’s zu bedienen. Will man auch kein Blei
in der Farbe haben, so kann man sich der Barytverbindungen bedie-
nen. Grün von sehr schönem Glanz wird durch salpetersaures Wis-
muthoxyd in der Lösung von Berlinerblau und chromsaurem Kali er-
halten. VIII. Ueber das Verhalten des Chromsuperechlori-
des zu Schwefelwasserstoff. Leitet man Schwefelwasserstoff
- durch die Flüssigkeit, welche durch Destillation von zweifach chrom-
saurem Kali, Kochsalz und Schwefelsäure erhalten wird so fällt ein
grüner Körper nieder, welcher bisjetzt für Schwefelchrom gehalten,
nach des Verf. Untersuchung aber reines Chromoxyd ist. — (N. Repert.
f: Pharm. Bd. AT. p. 56 u. 180.) i 0. K.
Wittstein, über die Farben der Briefoblaten. — Verf,
fand in den rothen Oblaten Mennige, in den gelben und grünen chrom-
saures Bleioxyd, sogar in einigen hellblauen schwefelsaures Bleioxyd.
In rosa-, violett-, fleischfarben-, braun-, und weissfarbigen, waren nur
Spuren von Bleiverbindungen zu entdecken. Die erstern sind daher
mit Vorsicht zu gebrauchen. — (Arch. d. Pharm. II. Reihe Bd. CIX,
». 126). . 0. K.
Sauerwein, Methode den künstlichen Kampher vom
natürlichen zu unterscheiden. — Dumont’s Angabe den na-
türliehen Campher vom künstlichen zu unterscheiden durch Zusatz von
Ammoniak ‘zu den alkoholischen Lösungen, wodurch die des ersteren
nur schwach getrübt, die des letzteren vollkommen gefällt würde, ist
nicht ausreichend, da die alkoholische Lösung des künstlichen Kam-
phers je nach dem Concentrationsgrade mehr oder weniger gefällt
wird. Der Niederschlag in der stark verdünnten Lösung desselben
löset sich beim Erwärmen vollkommen auf, in der concentrirten (be-
stehend aus 12 Theilen Alkohol auf 1 Theil künstl. Kampher) ist er
beständig. Ein besserer Anhalt um den künstlichen Kampher zu er-
kennen ist die Prüfung auf Chlor, von welchein derselbe (nach sei-
ner Darstellung aus Terpentinöl und Salzsäuregas) kaum völlig befreit
wird. — (Polytechn. Centrb. 1862, 1102.) B. D.
Wood, Neue Eigenschaften des Kadmium. — Der
Verf. giebt den Schmelzpunkt des Kadmium auf 6000 F. (315—-3169 C.)
an, also dem des Bleies sehr nahe. Bei höherer Temperatur verflüch-
tigt sich das Metall in orangefarbenen Dämpfen, die eine süsslich
zusammenziehende Empfindung auf den Lippen hervorrufen, sowie
Kopfschmerz, Bruststiche und Uebelkeit.
Man hat bisher die Legirungen des Kadmium für spröde ge-
halten, obwohl das Metall selbst dehnbar und hämmerbar ist. Spröde
sind denn auch wirklich die Legirungen mit dem Gold, Platina, Kupfer
und einige mit dem Quecksilber; wie denn Berthier ein Amalgam be-
schreibt, dass bei 750 C. schmelzbar 21,70 %, Cd. enthält, silberweiss,
hart und spröde ist, sowie in Oktoedern krystallisirt. Dagegen sind
179
die Legirungen mit Blei, Zinn und in einigen Verhältnissen mit Sil-
ber und Quecksilber sehr dehnbar. Eine Legirung von 2 Theilen
Silber und 1 Theil Cadmium ist vollkommen hämmerbar, hart und
fest. Gleiche Theile Silber geben schon ein spröderes Produkt und
2 Theil Cd. und 1 Theil Silber ist so spröde, dass es nicht hämmer-
bar ist. Gleiche Theile Cd. und Quecksilber geben ein dehn- und
hämmerbares Amalgam, das sehr brauchbar ist, 2 Theile Quecksilber
und 1 Theil Cd. ist auch hämmerbar, wird aber leichter rissig. Die
Eigenthümlichkeit des ersteren Produktes ist um so interessanter als
die meisten Amalgame sich durch Sprödigkeit und Zerbrechlichkeit
auszeichnen. Ferner verdankt man dem Verfasser die Kenntniss von
Legirungen, in denen das Kadmium die Schmelzbarkeit befördert. So
schmilzt die Legirung von 2 Theilen Cd. mit 2 Theilen Blei und 4 Thei-
len Zinn (Woodsche Legirung) leichter als die sogenannte d’Arretsche
Legirung, die statt des Cd. Bismuth enthält. In anderen Legirungen
mit Silber, Antimon erhöht es nicht die Schmelzbarkeit. — (Chem.
News Sept. 1862. p. 135.) B.D.
@esolegie. C. W. Fuchs, der Granit des Harzes und
seine Nebengesteine. — Diese umfangreiche Abhandlung zerfällt
in einen chemischen und einen mineralogischen Theil, aus welch letz-
term wir zuvörderst einen Auszug geben, den ersten uns für ein späte-
res Referat aufsparend. Der Harzer Granit zeigt eine grosse petro-
graphische Einförmigkeit, zumal im Okerthale, veränderlich ist nur der
am N-Rande des Brockens, im Radau- und Eckerthale. Er besteht im-
mer aus Quarz, Orthoklas, Oligoklas und Glimmer, vorwiegend ist
der Feldspath, demnächst der Quarz. Orthoklas und Oligoklas wech-
seln sehr in ihrem Mengenverhältniss, meist überwiegt aber ersterer,
nur am Meineckenberge im bunten Granit stehen sich beide gleich.
Der Orthoklas ist am wenigsten in seiner Ausbildung gestört, um-
schliesst auch kein andres Mineral, auch der Oligoklas kommt oft in
Individuen vor, erscheint aber schon von ersterm gestört. Völlig selb-
ständig ohne alle Verwachsung mit Orthoklas tritt der Oligoklas im
bunten Granit des Meineckenberges auf. Der Glimmer in Blättchen,
selten in langgestreckten Individuen ist zuweilen auf die Weise ein-
gewachsen, dass die Oberfläche der Blättchen in einer Ebene liegt,
aber bei seiner Spärlichkeit bewirkt er keine Spaltung. Meist sind
die Blättchen regellos nach allen Richtungen zerstreut. Wo Turma-
lin vorkommt, ist derselbe mit Glimmerblättchen überkleidet. Der
Quarz drängt sich in ungestalteten Formen zwischen die übrigen Be-
standtheile und ist von diesen allseitig eingedrückt, während er selbst
in jene nicht eindrückt. Der Feldspath zeigt seine rechtwinklige Spal-
tung sehr deutlich, die Spaltung des Oligoklas ist stets undeutlich.
Die Färbung des ersten geht durch alle Uebergänge von rein weiss
bis dunkelfleischroth; der Oligoklas meist ganz weiss, sogar wasser-
hell, minder häufig matt blassgrün, auch schön hellgrün stark glän-
zend; der Glimmer vorherrschend dunkel, weiss in grösserer Menge
nur an der Rosstrappe, bisweilen grün, sehr selten braun; der Quarz
180
stets durchsichtig, aber nie rein weiss, heller oder dunkler grün, sel-
ten gelblich. Die Struktur des Granits pflegt regelmässig zu sein,
schwankt meist zwischen klein- und grobkörnig, bisweilen so fein-
körnig, dass die einzelnen Individuen mit blossem Auge nicht mehr
unterscheidbar sind z. B. im Abbestein und im drei Brode-Thal; auch
porphyartige Struktur im Ockerthai, am Rehberg. In grössern Mas-
sen tritt eine eigenthümliche Spaltung auf, die Risse bald nahezu
horizontal, bald geneigt. Eine zweite Spaltung ist minder deutlich,
sie schneidet erstere in einem spitzen Winkel. Durch beide ist der
Granit in parallelepipedische Blöcke zerspalten. Verwitterung ist
im Harzer Granite allgemein, am frischesten ist er noch im Ocker-
thale, ganz unversehrt aber nur am Gläseckethale, sehr auffallend da-
gegen die Verwitterung am Brockengranit, der nur sehr wenige fri-
sche Stellen z. B. am Meineckenberge zeigt. Auch im Ramberger
Granit ist die Verwitterung allgemein weit vorgeschritten und ver-
breitet. Ueberhaupt sind die Arten am wenigsten verwittert, deren
Feldspath am wenigsten Eisen enthält, wie das im Ockerthale auf-
fallend ist. Das Eisenoxydul verwandelt sich in Eisenoxyd und lo-
ckert dadurch die Masse auf und scheidet sich endlich aus der Ver-
bindung ganz aus. Noch leichter wie der Orthoklas verwittert der
Qligoklas wegen seines Kalkgehaltes, der gleich als zweifach kohlen-
saurer Kalk gelöst wird. Selbst der Glimmer kann der Verwitterung
nicht entgehen und bekundet dieselbe zuerst durch einen Kreis von
Eisenoxyd. Durch die Verwitterung lassen sich beide Feldspathspe-
cies leicht erkennen, selbst da wo es im frischen Zustande kaum mög-
lich ist. Der Orthoklas ist stets röthlich und oft dunkelroth, die die
beginnende Zersetzung anzeigende mattgrüne Färbung des Oligoklas
führt leicht zur Verwechslung mit Pinitoid und geht endlich in weiss
über, wobei das Mineral in mehligen Staub zerfällt. Die Verwitte-
rung bedingt zugleich eine Aufnahme von Wasser, das jedoch auch
in ganz frischen Graniten schon gefunden wird. Schreitet die Ver-
witterung zur Lockerung der Bestandtheile fort: so bildet der Gra-
nit einen eckigkörnigen Gruss.
Eintheilungen der Harzer Granite sind mehrfach versucht wor-
den. So unterscheidnt Jasche drei locale grosse Gruppen mit ver-
schiedenem Alter, nämlich den Ilsesteiner Granit, den Gabbrogranit
und den Brockengranit. Der Ilsesteiner Granit ist nur 100 Schritt
breit und mehre Stunden lang und hat im Ilsestein seine charakteri-
stische Ausbildung, welche auf fleischrothem Orthoklas und grünli-
chem Oligoklas mit wenig dunkelgrünem oder braunem Glimmer und
etwas mehr Quarz beruht. Er enthält viele kleine Höhlungen mit
Krystallen, zumal auch Flussspath. Der Gabbrogranit zieht sich zwi-
schen den Ilsesteiner- und Brockengranit trennend hindurch, ist sehr
reich an Varietäten, deren Jasche 14 zählt nach Korn, Farbe und
Mengeverhältniss. Es sind Granitgänge im Gabbro und ihnen rech-
net Jasche auch das Ockerthal und den Rammberg zu. Den Brocken-
granit charakterisirt grosse Einförmigkeit, heller Feldspath und Man-
181 .
gel des Flussspathes. Verf. ist entschiuden gegen diese Eintheilung
und widerlegt dieselbe. Anders G. Rose’s Unterscheidung von Gra-
nit und Granitit. Erster besteht aus ÖOrthoklas, Quarz, Kali- und
Magnesiaglimmer und Oligoklas in geringer Menge, letztrer aus Or-
thoklas, Quarz, dunklem Magnesiaglimmer und mehr Oligoklas. Hier-
nach ist die ganze um den Brocken herumliegende Masse Granitit,
Rammberg und Öckerthal aber Granit. Aber der Glimmer in Bro-
ckengranit ist durchaus nicht Magnesiaglimmer, auch spielt der Oli-
goklas nicht die beanspruchte hervorragende Rolle, ist oft ganz un-
tergeordnet. Ebenso treffen die angegebenen Eigenthümlichkeiten für
den Rammberg und das Ockerthal nicht zu. In letztrem findet sich nur
schwarzer Glimmer, nur am Rammberge schwarzer und weisser doch
auch nicht durchgängig, denn es gibt Stellen ganz frei von weissem
Glimmer und wo beide zusammen liegen, verhalten sie sich anders
als Rose behauptet. Daher trat auch Hausmann gegen diese Neue-
rung des Granitits auf und man kann die Harzer Granite nur local
unterscheiden, nämlich in 1. Granit des Ockerthales: stark vorwalten-
der weisslicher Orthoklas, wenig matt hellgrüner Oligoklas und rauch-
srauer Quarz, schwarzer Glimmer zerstreut, schwarzer Turmalin häu-
fig und wesentlich und den Glimmer verdrängend; 2. Brockengranit:
durchweg rother Orthoklas, weisslicher oder grüner Oligoklas, we-
nig Quarzkörner und dunkler Glimmer; 3. Rammberggranit mit fei-
nerm Korn und hellerem Orthoklas; 4. Granit im Gabbro: ausseror-
dentlich manichfaltig ohne bestimmten Typus.
Verf. beleuchtet nun die Fels- und Thalbildung des Harzer Gra-
nites und wendet sich dann zu den Nebengesteinen. 1. Hornfels
umgibt fast zu 2/3; den Granit als Grenze gegen Thonschiefer und
Grauwacke, fast ganz am Rammberge, zum grossen Theile am Bro-
cken und im Ockerthale. Der Schiefer ist theils devonisch, theils si-
lurisch und das Hervortreten des Granites veranlasste die Bildung des
Hornfelses. Derselbe hat sich am häufigsten entwickelt. aus einem
schwärzlichen oder bräunlichen Thonschiefer, der stets in mächtige
Schichten obne Schieferung auftritt. Aber auch feinkörnige Grauwacke
erscheint als Muttergestein des Hornfelses, an einer Stelle im Ocker-
thal sogar der Kramenzelkalk. Am besten ausgebildet ist der Horn-
fels stets in unmittelbarer Nähe des Granits, je weiter ab verschwin-
den seine Eigenthümlichkeiten bis er ganz in Thonschiefer übergeht
ohne irgend eine bestimmte Grenze. Der Thonschiefer geht durch
grössere Härte, Bleichung und Eintritt eines krystallinischen Zustan-
des in den Hornfels schneller ‘oder langsamer, so dass der letzte
bisweilen mehre 1000 Schritt breit, bisweilen nur wenige Fuss aus-
macht. Die Umwandlung beruht auf chemischen Vorgängen, welche
Verf. darlegt. Der Hornfels ist ein feinkörnig krystallinisches Ge-
stein, sehr fest und zähe, hell, schmutziggelbgrau oder rauchgrau,
von splittrigem Bruch. Er überzieht sich mit einer dünnen braunen
Verwitterungsrinde und widersteht dann hartnäckig den Atmosphäri-
‚ lien, Die Schichtung gewöhnlich sehr undeutlich, Schieferung selten,
182
oft zerklüftet wie der Granit. Er zeigt mehrfache Abänderungen am
Rehberg, in Sieberthal, Achtermannshöhe, Sonnenberg mit krystallini-
schen Ausscheidungen von Feldspath und Quarz, selbst Glimmer an
der Treseburg, Turmalin am Ilsestein. Mit dem Hornfels eng ver-
bunden ist oft Kieselschiefer ganz verschieden von dem in der Grau-
wacke und deren Thonschiefer. Er ist hier ein ganz dichtes schwar-
zes oder dunkelgrünes Gestein im Bruch flachmuschelig oder splitt-
rig, chemisch nur wenig vom Hornfels verschieden. — 2. Quarz-
fels. Zwischen Treseburg, Hexentanzplatz und Friedrichsbrunn fehlt
der Hornfels an der Grenze des Granitit. Hier ist der Thonschiefer
zertrümmert und von Quarzgängen durchsetzt. Der Quarz ist kör-
nig bis dieht, stark hellglänzend, weiss, gelblich oder grau. Weiter
vom Granit ab verschwindet er. Zwischen Harzburg und Wernige-
rode begrenzt ein eigener Quarzfels den Granit, derselbe ist grau,
feinkörnig, deutlich geschiefert, aus einem Schiefer oder Grauwacke
entstanden. — 3. Quarzsandstein tritt zwischen der Quelle der
Sieber bis zur steilen Wand auf am Granit, bestehend aus runden
oder eckigen Quarzkörnern mit Quarzbindemittel und Quarzkrystal-
len. Er gehört zur ältesten Kohlenbildung und ist fest mit dem Gra-
nit verbunden. — 4. Gneiss im obern Theil des Radauthales, an
der Baste und im Eckerthale ist oft verkannt, von Jasche sogar zum
Hornfels verwiesen, weil sehr feinkörnig. — 5. Diorit nur an der
Rosstrappe und nur wenig 1000 Schritt breit doch in einer grobkör-
nigen und einer feinkörnigen Varietät, mit Epidot auf Kluftflächen.
— 6. Gabbro im Radauthale und Eckerthale von Granitgängen durch-
setzt. — 7. Diabas an nur einer Stelle im Ockerthale durch Horn-
fels vom Granit getrennt. — 8. Chloritschiefer wenige Zoll und
Fuss am Meineckenberge, wahrscheinlich Lager oder Stöcke bildend
im Granit. — 9. Syenit erstreckt sich von den Hohneklippen durch
das Dumkuhlenthal bis zum Drengethale von Quarzgängen durchsetzt.
— (Neues Jahrb. f. Mineral. 1862. 769. 859.)
Lipold, Parallele des Barrandeschen Silursystems
und des englischen. — Die Schichten von
Obersilurisch in Böhmen in England
Hlubocep K Passagebeds
Branik G Ober Ludlow
„.gal: Aymestrykalk
Konieprns Eh | Er Ludlow
Kuhelbad E Wenlockkalk
'Litten E Wenlockschiefer
Untersilurisch
Kossow und Königshof d® |
Zahoran d
Vinie as ) Caradoc
Brda a2 \
Rokycan ) d!ı Lilandilo
Komorau
183
ı | Stiverston
Span i | Upper Lingula Flags
SE c \ Lingula Flags
Pribram
Pribram (Schiefer etc.) Cambrian System
(Jahrb. kk, geol. Reichsanst. XII. 284.)
Ad. Pichler, zur Geognosie Tyrols. — In dem noch
nicht näher untersuchten Gebirgsstocke des Stanerjoches S. vom
Achensee in NW Richtung von Jembach nach der Lamsen ziehend
ist sehr wichtig das Auftreten der untern Trias in grosser Mächtig-
keit zwischen den Wänden des Hallstätter Kalkes und selbst in dem-
selben auf dem Saukopfe am Abhange gegen das Innthal bei 6000‘
Höhe. Höher steht in weitrer Umgebung der bunte Sandstein nicht
an. Zugleich besitzt hier das Salzgebirge eine bedeutende Mächtig-
keit. Am Bärenkopfe dem letzten NAusläufer gegen den Achensee
legen sich sanfte Hügel vor, bisher für Diluvialschotter gehalten, aber
es sind die Gesteine des Haselgebirges und darüber Muschelkalk.
Daran lehnen sich Felsen von Mitteldolomit. Im wunderschönen Pro-
fil des Tristenkopfes zu unterst das Haselgebirge mit Gyps und den
bekannten Pseudomorphosen nach Steinsalz, dann Rauchwacke, darauf
untrer Alpenkalk (Gümbels Muschelkalk), und endlich der obere lichte
Alpenkalk. Ausbisse von Salzthon an mehreren Orten, auch auf
der NSeite des Falzthurnthales im Sattel zwischen Bellerkor und Sonn-
joch in 5000° Höhe. Mit dieser Ausdehnung darf sich der Salzstock
von Hall nicht im entferntesten messen. Partnachschichten fand P.
auf diesem Gebiete nirgends. Er untersuchte auch die Kalkalpen
von der Martinswand bis Hall, zumal die Virgloriakalke. Mögen
diese nun nach Richthofen zum Keuper oder nach Gümbel zum obern
Muschelkalk gehören: so sind sie doch im Stallenthale, wo Partnach-
schichten fehlen, dem obern Alpenkalk sehr nah gerückt, ebenso wie
die Kalke mit Wülsten an der Frauhütt, im Stallenthale, im Kaiser-
gebirge weit über den eigentlichen Guttensteinerkalke an der Grenze
des obern Alpenkalkes liegen. An vielen Punkten zwischen Inns-
bruck und Hall und andern Gegenden treten aber noch sehr eigen-
thümliche Verhältnisse auf, So im Profil über das Thaurer Schloss
liegt unter dem Diluvialschotter bunter Sandstein, dann Guttensteiner
Kalk, das Schloss selbst steht auf prächligem Virgloriakalk,, darauf
schwarze Schieferthone, dunkelgraue weissadrige Kalke, diese mit
Schieferthonen wechselnd, in den Schieferthonen stellenweise Sand-
steinschichten oft mit Cardita crenata, Ostraea montis caprilis und
Pentacrinus propinguus, darauf in der Schlucht oder dem Thaurer
Schlosse wieder Kalk mit Schieferthonen und Sandsteinen; der Kalk
geht allmählig in Dolomit über, der von Absan bis zur Martinswand
reicht. Der Dolomit geht wieder in jenen Kalk über, und diesem
liegt der obere Alpenkalk unmittelbar auf ohne Spur von Partnachschich-
ten. Achnliches zeigt das Kaisergebirge in dem Graben über Schef-
fau. Wohin soll man diesen ganzen Schichtencomplex zwischen un-
184
terer Trias und obern Alpenkalk stellen? Vielleicht ist hier ein. St.
Cassian im engern Sinne. P. gelang es ferner den Mitteldolomit, die
Gervilliaschichten, untere und obere Lias (Adnether Kalke, Flecken-
mergel), der obere Jura (Aptychenschichten) und stellenweise das
Neocom von der Wanderalm bei Hall über das Gebirge über Kloster
Ficht durch das Stallenthal bis zum Lampsenpasse zu verfolgen, wo
diese Formationen durch Ueberschiebung verdeckt sind, und alsogleich
bei der Bimsalm wieder auftreten. — (Jahrb. geol. Reichsanst. XI.
531— 532.)
K. A. Zittel, die obere Nummulitenformation in Un-
garn. — Dieselbe hat im Gegensatz zu der ausgedehnten Masse
des untern Nummulitenkalkes in Ungarn nur Auftreten in kleinen
Becken, deren Zusammenhang durch jüngere Schichten verdeckt ist.
Kohlenversuchs- und Abbaue haben neuerdings mehr Aufschluss ge-
währt, aber immer noch nicht befriedigende. In der Gegend von
Gran erscheint sie als Hügelreihe entlang der Donau zwischen Ba-
jot, Piszke und Nagy-Sap. Weit davon ein andrer Aufschluss am
SO-Abhange des Bakonyer Waldes bei Stuhlweissenburg und bei Ko-
vacsi, wo sie auf unterm Nummulitenkalk lagern. Das Profil bei To-
kod zeigt folgende Gliederung: a) Marinebildung: feinkörniger Num-
mulitensandstein und 18° sandiger Nummulitenkalktegel mit Cerithium
striatum, calcaratum etc. b) Süsswasserbildung: 3° Fürstenflötz, 1’ Kalk-
mergel, 24° Oberflötz, 3‘ Süsswasserkalk, 15‘ Unterflötz und liegender
Mergelschiefer. Das Profil bei Dorogh: 36° Löss, 42' Sand, 72° pla-
stischer Thon, dann a) die marine Bildung: 92‘ Tegel mit Cerithium
striatum und calcaratum; b) die Süsswasserbildung: Mergel mitschlech-
ten Süsswasserschnecken, Hauptkohlenflötz, drei kleinere Kohlenflötze
mit dünnen Mergelmitteln, liegende Mergelschicht, Dachsteinkalk.
Die in den marinen Schichten auftretenden Nummuliten sind N. va-
riolaria, contorta, laevigata. Es erhellet, dass die obere Nummuliten-
formation den unteren Nummulitenkalk, dessen Petrefakte gänzlich ver-
schieden sind, direet überlagert und dass dieselbe in Ungarn aus
einer untern Süsswasserbildung mit Kohlenflötzen und aus einer obern
marinen Bildung zuweilen mit grossen Massen von Nummuliten zu-
sammengesetzt ist. Die Süsswasserschnecken sind so mangelhaft,
dass sie sich nicht sicher bestimmen lassen. Von den 62 marinen
Conchylien, welche Verf. hier beschreibt, stammen 41 von Grau und
30 von Forna. Nur 9 Arten kommen an beiden Localitäten vor, da-
runter die gemeinsten. 19 Arten sind hier eigenthümlich, mit Ronca
23 Arten gemeinsam, mit andern gleichaltrigen Localitäten nur 13,
welche also die eigentlichen Leitmuscheln bilden, nämlich Fusus Noae
Lk, Cerithium striatum Defr, auriculatum Cchl, plieatum Brng, troch-
leare Lk, Ampullaria perusta Brgt, Diastoma costellata Lk, Corbula
semicostata Bell, Pholadomya Puschi Gf, Psammobia pudica Brest,
Cardium gratum Dech. Mit dem Grobkalk 22 Arten gemein, aber
nur 12 mit dem mittlern Meeressande des Pariser Beckens, 9 mit dem
Londonthon wie auch mit der untern Nummulitenformation, nämlich
185
Marginella ovulata Lk, Fusus maximus Dech;, rügosus Lk, Turritella
earinifera Dech, Corbula semicostata Dech, angulata Lk, Pholadomya
Puschi Gf, Cardium gratum Dech, welche fast sämmtlich auch im
Pariser Grobkalk sich finden. Die grösste Uebereinstimmung hat
also die obere Nummulitenbildung Ungarns mit Ronca und dem Pari-
ser Grobkalk. Dieselbe ist aber ferner keine locale Facies des un-
tern Nummulitenkalkes, sondern eine davon verschiedene Stufe und
überlagert jene. — (Wiener Sitzungsberichte XLVI. 353—395. 3 Tff.)
Fr. Wenkenbach, die Erzgänge an der untern Lahn
und dem Rhein im Nassauschen. — Der N-Theil dieses Erz-
gebietes gehört zum Westerwalde, der südliche zum Taunus. Das-
selbe wird vom Lahnthal und dessen Seitenthälern tief durchschnit-
ten und seine Gebirge bilden Plateaus, die in langgezogene Rücken
auslaufen. Die ältere rheinische Grauwacke erscheint als Hauptge-
stein, bestehend aus quarzigen Sandsteinen, sandigen Schiefern und
blauen Thonschiefern. Hauptstreichen des rheinischen Schiefergebirges
h. 4-5, Schichtenfall 300°—90° meist SO, bisweilen NW. Von pluto-
nischen Gesteinen treten Porphyre und Grünstein auf, von vulkanischen
Trachyt nur bei Arzbach, Basalte mehrfach und Bimsteinsand. Die
Gangzüge haben eine mehr minder parallele Lage. Der liegend-
ste Zug ist der Emser, da andre dem Preussischen angehören
oder im Naussauschen noch nicht genügend bekannt sind. 1. Auf
dem Emser Gangzuge bauen die Gruben bei Dernbach, Arzbach,
Ems, Oberlahnstein, Braubach, auf 6 Stunden Erstreckung. Das Vor-
kommen der einzelnen Gangmittel ist an eine Schieferschicht h. 3 SO
fallend gebunden, welche aus blauen Grauwackenschiefern mit Nestern
fester Grauwacke besteht, über und unter sich Grauwackenschichten
hat, durch ein liegendes Hauptbesteg und ein hangendes begleitet
wird. Die Mächtigkeit der Schieferschicht beträgt über 80 Lachter.
Dem hangenden Hauptbestege liegen die Erzmittel vorzugsweise im
Liegenden, bezüglich im Liegenden dessen verlängerter Streichungs-
linie wnd weichen in ihrem Streichen mehr minder von der Haupt-
streichungsrichtung ab. Die einzelnen Gangmittel werden durch be-
deutende Klüfte von einander getrennt und oft stark verworfen. Sie
haben ein steil südliches, bisweilen auch widersinniges Fallen und
eine Länge von 2 bis 120 Lachter, eine Mächtigkeit von 1 Fuss bis
mehrere Lachter. Die Erzmittel setzen nur in den Bergrücken auf,
unter den Thälern pflegen die Gänge taub zu sein. Die Gangart be-
steht aus festem oder zerklüftetem Quarz und Grauwackenschiefer, sehr
untergeordnet aus Kalk- und Bitterspat. Die Haupterze sind silber-
haltiger Bleiglanz und Bleierde, ausserdem Kupfer- und Schwefelkiese,
Fahlerz, Weissbleierz, Grün- und Braunbleierz, Braun- und Spathei-
senstein, Kupferziegelerz, Rothkupfererz, Kupferlasur, Malachit, Ko-
baltkies, Nickelarsenikglanz, Bournonit, Bleivitriol, gediegen Silber
und Kupfer. Das Ausgehende der Gänge bildet meist Brauneisenstein,
der in der Tiefe in Spatheisenstein übergeht (ganz so auch im Unter-
harze bei Strassberg), dann folgen gesäuerte und in grösserer Tiefe
3XI. 1863. 13
186
Schwefelerze. Die Eisenerze bleiben unverwerthet. Der Bleiglanz
erscheint oft dicht als Bleischweif, meist jedoch fein- und grobspei-
sig und auch grobblätterig; die Blende meist grobblättrig; Weissblei-
erz meist in Begleit von Brauneisenstein, häufig in grossen schönen
Krystallen; Grün- und Braunblauerze oft schon krystallisirt; Kupfer-
und Schwefelkies derb und krystallisirt. Die Gangmasse hat eine
massige Structur, bisweilen Neigung zum bandartigen, ist häufig sehr
zerklüftet, die Gangmittel mit dem Nebengestein verwachsen, selten
mit deutlichen Saalbändern, oft aber mit Ausläufern und Nebengestei-
nen. Die Vertheilung der Schwefelerze ist auf allen Mitteln dieselbe,
doch sind einzelne Mittel vorzugsweise blendig, andere beherrscht
Bleiglanz, nur wenige Kupferkies. Die obern Weisbleierze bilden
mit Brauneisenstein besondere Mittel. Der Nickelarsenikglanz bildet
ein im Fahnenberger Mittel eingelagertes Nest. Wo die Gänge im
Grauwackenschiefer aufsetzen, liefern sie die besten Erze; in Berüh-
rung mit fester Grauwacke sind sie rauh und verdrückt. Kleine
Klüfte theilen die Mittel oft in Trümer und sind bei einiger Stärke
mit blauen Letten und Erzbrocken ausgefüllt. Verdrückungen sind
häufig, ebenso Vertrümerungen. Verf. durchgeht nun die einzelnen
Gruben und die schöne Aussicht bei Dernbach baut auf einem gros-
sen Nest, Silberkaule bei Arzbach, Merkur bei Ems mit 7 Gangmit-
teln, Bergmannstrost bei Nievern, Friedrichssegen bei Oberlahnstein
mit 18 Erzmitteln, Rosenberg bei Braubach mit mehren Mitteln. —
9, Der Mahlberger Gangzug zeigt auf der einzigen Grube nur
kurze Erzmittel in unregelmässiger Lagerung, derben Bleiglanz und
Blende führend. — 3. der Hömberg-Dansenauer Gangzug baut
auf drei Gruben: Kaltebach bei Hömberg auf 3‘ Mächtigkeit im Grau-
wackenschiefer mit Quarz und Schiefer Blende, Kupferkies und Blei-
glanz; Oberberg bei Dansenau zwei Gänge aus Quarz und Grauwacke
in Thonschichten und Kupferkies, ebenso auf Nonnengrube. — 4. Win-
dener Gnadenzug mit folgenden Gruben: Gossengraben bei Ga-
ckenbach vier Gänge mit Bleiglanz und Blende; Anna bei Winden
fünf parallele Gänge im Grauwackenschiefer mit Kupferkies, Bleiglanz,
Blende, silberreichen Fahlerzen, vielfach gestört; Pauline bei Scheurn
vier Gänge ebenfalls in Grauwackenschiefer mit Blende und Bleiglanz;
Morgenröthe bei Dahlheim ein sehr schwacher Gang mit Bleiglanz,
Blende, Spateisenstein, Grauspiessglanz, Kupfer- und Eisenkies. —
5. Weinährer Zug besteht aus 85 Lachter Breite. Der erste Gang
führt Kupferkies mit Quarz, auch Blende und Bleiglanz; die beiden
folgenden nur Kupfererze; der vierte 1° mächtig sehr edle Kupfererze,
der letzte Blei- und Kupfererze. — Holzappeler Gangzug auf
7 Stunden Länge bekannt, von Holzappel und Obernhof, Geisig,
Weyer bis Wellmich und jenseit des Rheines, mit fünf Gängen. Das
hangende Trum ist nur durch die Grube Leopoldine-Louise bekannt.
Der zweite oder weisse Gebirgsgang besteht aus einem weissen kal«
kigthonigen, von Quarz durchsetzten Gestein mit erzführenden Quarz-
trümern im Hangenden und Liegenden. Der Hauptgang sehr erz-
187
reich. Das liegende Trum führt vorzugsweise Kupfererze. Alle vier
werden von einem Quergange durchsetzt. Das Nebengestein ist Grau-
wacke und Grauwackenschiefer h. 4 mit 460 SO fallen, die Gänge
h.4,4 mit 500 SO fallen, der Quergang h. 1,2 mit 750 SO Einfall und
nie über 2° mächtig. Klüfte verwerfen die Gänge. Auch Verdrückun-
gen und Vertrümerungen kommen vor, und sogenannte Bänke, d.h.
der Gang nimmt plötzlich ein schwächeres Fallen an, legt sich auch
wohl ganz söhlig, geht ins Hangende fort und nimmt seine frühere
Fallrichtung wieder an. Die Bänke verursachen oft Taubheit, gänzli-
ches Verschwinden, doch auch gute Erzführung. Die gewöhnlichsten
Erze sind: silberhaltiger Bleiglanz, Weissbleierz, Blende, Kupfer-
und Schwefelkies, Fahlerz, Spateisenstein, selten gediegen Silber,
Grün- und Vitriolbleierz, die Gangarten Quarz und Thonschiefer, das
Ausgehende Quarz, in der obersten Teufe auch Brauneisenstein mit
Weissbleierz bis zu 40 Lachter Teufe. Meist deutliche Saalbänder,
und bisweilen Verwachsung mit dem Nebengestein. Die wichtigsten
Gruben dieses Zuges sind Holzappel bei Dörnberg die bedeutendsten
mit 500 Lachter Länge bauwürdiger Erzmittel, Leopoldine bei Obern-
- hof, Kux bei Nassau, Rauschethal bei Singhofen, Basselstein bei Gei-
sig, gute Hoffnung bei Wellmich. — Der letzte Gangzug hat nur
die Zeche Oranien bei Obernhof im blauen Thonschiefer mit Blende
und Bleiglanz. Die früheste sichere Nachricht über diesen Bergbau
gibt 1158 an, im 14. und 15. Jahrhundert stand er in Blühte, wurde
dann auflässig, im J. 1662 wieder aufgenommen und seitdem mit
wechselndem Erfolge fortgesetzt. Der Bau auf dgm Holzappeler Zuge
ist älter, soll schon von Tacitus erwähnt sein. Im Jahre 1860 betrug
die Förderung auf der Grube Mercur 16738 Centner Bleierze, 4818
Blende und 20 Kupfererze, auf Bergmannstrost dieselben Erze in
6003, 1116, 110 Centner, auf Friedrichssegen 14190 Bleierze und 2586
Blende, auf Rosenberg 1684 Bleierze, 250 Blende, 56 Kupfererze, auf
Holzappel 43818 Bleierze und 42760 Blende. — (Nassauer Jahrbücher,
AVI, 266 — 303.)
v. Dechen, die vulkanische Hügelgruppe bei Ocht--
endung. — Der höchste Hügel der Gruppe der Gross Wannen misst
302‘ Meereshöhe, 300° über Ochtendung. Die Länge der Gruppe von
O nach W beträgt 560 Ruthen, die Breite 430 und 360 Ruthen. Auf
der O-Seite der durchführenden Strasse liegt der grosse und kleine
Wannen mit anreihenden Hügeln, auf der W-Seite die übrigen. Der
Gross Wannen, Michelsberg und Rotheberg sind deutliche Krater.
Am Gross Wannen ist der Krater gegen SO offen, der höchste Punkt
seines scharf zulaufenden Walles liegt ziemlich in der-Mitte, vor der
Oeffnung ein niedriger von den Schenkeln des Walles getrennter
Rücken. Die Lager der Schlacken und Lavastreifen fallen auf der
Aussen- und Innenseite des Kraters der Oberfläche ziemlich parallel.
Der Krater des Michelsberges öffnet sich gegen N, sein Wall ist in
der Mitte am niedrigsten und die Schenkel erheben sich kuppenför-
mig gegen ihre Enden, am O-Schenkel ist die innere und äussere
13*
188
Böschung 220, Von demselben ziehen mehrere niedere Kuppen nach
dem N-Eiterkopfe. Der Kraterwall des Roiheberges ist halbkreisför-
mig, gegen ONO geöffnet, sein höchster Punkt S von der Mittellinie,
die Schenkel neigen sich stark nach der Oeffnung hin. An den W-
Schenkel schliessen sich die beiden Eiterköpfe und der Taumen in
SO-Richtung als gesonderte Kuppen an. Ganz eigenthümlich ist der
zwischen Michelsberg und Rotheberg gelegene Langenberg, ein schma-
ler dachförmiger Rücken mit fast horizontaler Firste im SW nach NO
882‘ hoch. Der von vom Rath beschriebene Eisenglanz ist ungemein
häufig im N-Eiterkopfe, in einer Schlackenpartie am Rotheberge, an
der innern Kraterseite des Roderberges bei Rolandseck, am Wartes-
berge bei Schutzalf. Der Eisenglanz wurde nur wenig später nach
der Entstehung der Schlackenberge gebildet unter Einfluss von Chlor
dessen Entwicklung bei Ausbrüchen der von Schwefel und Kohlen-
säure vorausgeht und den Auswürfen geschmolzener und glühender
Silikate zunächst folgt. Nicht allein auf der sanft geneigten Fläche
um diese Hügelgruppe finden sich Bimssteinlager und Löss, sondern
beide erheben sich auch zu ansehnlichen Höhen. — (Kheinländ. Ver-
handlungen AIX. 45—47.)
Derselbe, Lagerung zweier Lavaströme über einan-
der bei Niedermendig. — Längst schon kennt man in der Mühl-
steingrube bei Niedermendig in der Olligschlägerkaul zwei Lavaströme
über einander durch 8‘ vulkanischen Tuff getrennt. Neuerdings ist
nun auch in dem SO-Theile des Lavastromes ein ähnliches Verhält-
niss aufgeschlossen gyorden, In einem Brunnen ist der Lavastrom
mit gewöhnlichem Haustein 24‘, mit Dielstein 41/3‘ mit Schlacken 21/a‘
stark durchbrochen. Darunter liegt gelblich röthlicher vulkanischer
Tuff 2‘, dann folgt der untre Lavastrom, der mit Schlaken 6° mäch-
tig anfängt, unter diesem gewöhnliche Lava, welche wie die obre Ne-
phelinlava ist. — (Ebenda 47—48.)
Vogelsang, Kugelporphyr und Kugeldiorit von Cor-
sika. — Erstrer findet sich an der unbewohnten Westküste an
dem prächtigen Felsengolf von Porto. Von S her die interessante
Granitpartie von la Piana verlassend und im Tiefsten des Golfes den
Portofluss überschreitend gelangt man auf der N-Seite der Bucht in
dunkeln Schiefer mit deutlicher Schichtung aber dicht und grünstein-
artig und doch mit Kohlenflötzen und Steinkohlenpetrefakten. Dieses
Kohlengebiet ist von vielen Porphyrgängen durchbrochen mit OW-
Streichen und die Schichtung meist rechtwinklig durchsetzend zumal
zwischen Curzo und Osani in mächtigen hohen Mauern aufsteigend.
Die meisten bestehen nur aus dichtem Quarzporphyr mit gelblichgrü-
ner Grundmasse und kleinen Krystallen von Quarz und rothem Feld-
spath. Nur drei Gänge enthalten auch Kugeln. Der eine gelbliche
Kugelporphyrgang ist 6° mächtig, der andere ist roth, der dritte wie-
der gelb und 2 Lachter mächtig. Letztrer häuft die Kugeln an den
Gangflächen an und ist in der Mitte fast leer. Die Kugeln sind Ya
—2‘ dick, fallen leicht heraus und zeigen auf der Oberfläche blasige
189
Erhöhungen, im Innern eine strahlige Streifung. In der Mitte be-
findet sich entweder dichte Porphyrmasse oder ein grosser Feldspath-
krystall und um diese haben sich längliche weisse oder gelbliche Kör-
per sternförmig gruppirt und durch Quarzmasse verbunden. Jene
Körper sind keine Krystalle. Feldspath- und Quarzkrystalle sind auch
in der Masse der Kugeln vertheilt, aber stehen in gar keiner Bezie-
hung zur Kugelform, sind vielmehr unregelmässig zerstreut und oft
von dichter durchscheinender Porphyrsubstanz umhüllt. Diese zeigt
häufig einen ganz runden Durchschnitt, also die Kugelbildung-im Klei-
nen; stets sind die Formen von einem hellen Hof umgeben und durch
Quarzmasse verbunden. Dunkelmetallische Krystalle im Porphyr und
in den Kugeln scheinen Schwefelkies zu sein. Häufig sind mehre Ku-
geln traubig verwachsen, aber im Durchschnitt die Strahlen benach-
barter durch feine Quarzlinien getrennt. — Der schöne Kugeldiorit
(bei Ajaceio nicht vorkommend) tritt im S der Insel auf unweit Sar-
tene am äussersten Vorsprung des Gebirgsrückens, welcher das Thal
der Rizzanese von dem des Fiumicicoli trennt. Das Hauptgestein
ist Granit und Syenit, der Rücken aber dicht bewaldet, nur stellen-
weise der Kugeldiorit entblösst zur Gewinnung von Handstücken. Auf
der Höhe des Berges sind ganz weisse Feldspathkugeln aus einem
krystallinischen Gemenge derselben Substanz mit grüner Hornblende
ausgeschieden, weiter südlich erscheinen auf dem Durchschnitte der
Kugeln um einen Kern von krystallinischem Gemenge abwechselnd
weisse und grüne Ringe von Feldspath und Hornblende. Die Horn-
blendenadeln lagern nicht regelmässig zur Kugelform. Der Feldspath
ist Anorthit. Glimmer kömmt in allen Varietäten vor, auch Quarz-
körnchen und Magnetkies. Die Vertheilung der Kugeln in der Masse
ist eine sehr ungleichmässige. Ob die Grünsteinmasse Gänge im
Granit bilden, lässt sich nicht erweisen. Weiterhin bei Mela und Le-
vie aufgeschlossen ist das Gestein fast schwarz, die Hornblende dunk-
ler und reichlicher und die Kugeln im Innern ohne concentrische
Kreise und strahlige Zeichnung und hornblendreicher. Dieses Ge-
stein bildet grosse Blöcke, welche durch Granitmasse verkittet sind.
Sind es fremdartige eingewickelte Massen oder basische Concretionen
im Granit? Das eine nach der Art des Vorkommens, das andre nach
der gewöhnlichen Theorie minder währscheinlich. — Die gewöhnlichen
Kugelbildungen der Grünsteine, Basalte, Mandelsteine sind von die-
sen völlig verschieden. Am ähnlichsten sind noch die Granitkugeln bei
Schwarzbach im Riesengebirge, die Porphyrkugeln in den sächsischen
Pechsteinen, die Sphärolithe in Obsidianen und Perlsteinen. Künst-
liche erzeugt eine Glashütte in den Pyrenäen durch langsames Ab-
kühlen eines alkalireichen Glases. Wenn ein heissflüssiges Magma
erstarrt, so kann durch ungleichmässiges Erkalten an einzelnen Punk-
ten stärkere Contraction der Masse und hierdurch kugelige Absonde-
rung bewirkt werden. Tritt dieser Umstand nach Ueberschreitung
des Erstarrungspunktes der einzelnen Mineralien ein: s0 entstehen
nur concentrischschalige Körper wie in vielen eruptiven Gesteinen.
190
Tritt aber die Tendenz zur Kugelbildung ein, während auch noch
eine Trennung des Magma in einzelne Mineralien Statt finden kann:
so wird naturgemäss eine bestimmte Anordnung derselben nach dem
Mittelpunkte zu bewirkt werden. Bei dem Kugeldiorit mit weissen
Kugeln finden wir eine krystallinische Ausscheidung eines einzelnen
Minerales; bei der zweiten Varietät ist ebenfalls nur der Feldspath
radial krystallinisch, die grünen Ringe wahrscheinlich nur durch me-
chanisch eingeschlossene Hornblendetheilchen entstanden beweisen
aber eine gewisse Periodicität. Als Kern haben wir hier eine kör-
nige Grundmasse. Bei der dritten dunkelsten Varietät sind die Ku-
geln aber nur Verdichtungen der krystallinischen Masse. Bei dem
Kugelporphyr hat entweder ein Krystall oder dichtere Masse das Mo-
ment zur Kugelbildung abgegeben und zwar nachdem die Ausschei-
dung der krystallinischen Mineralien beendet war, denn diese finden
sich unregelmässig in den Kugeln zerstreut. Es ward aber noch hya-
liner Quarz in die Contraktionsspalte abgesondert, welcher auch die
kleinen Porphyrkörperchen durchdrang. Diese Ausscheidung mag
noch wie die ganze Kugelbildung eine Folge der Erstarrung sein,
mit Rücksicht auf die eingeschlossenen Quarzkrystalle und die fleisch-
roihen Orihoklase ist sie jedenfalls secundär. Dass eben die ganze
ungewöhnliche Struktur eine Folge eigenthümlicher Erkaltung sei,
dafür spricht deutlich die Anhäufung der Concretionen nach den Gang-
flächen hin. — (Edda 185—192.) @l.
Oryetognosie. Haidinger, Pseudomorphosen von
Glimmer nach Cordierit. — Dieselben wurden bei Greinburg
im Mühlkreise von Oestreich ob der Enns gefunden und haben 2“
Länge bei 1° Dicke, sind in Quarz eingewachsen und auf dieser Seite
gut ausgebildet, auf der entgegengesetzten stossen sie wie aufge-
wachsen an ein körniges Orthoklasgestein an. Es sind gewöhnliche
zwölfseitige Prismen mit Endfläche, ganz analog den Piniten. Im In-
nern mehr die Struktur des Chloropbyllits, die Glimmerblättchen so-
wohl auf den Endfiächen und parallel denselben und den Krystall-
schalen als auch parallel allen Prismenflächen abgelagert, so dass
eine scheinbare Spaltbarkeit in diesen Richtungen entsteht. Keine
Spur des ursprünglichen Cordierits mehr übrig, überall die Härte
2,5—3,0, Gewicht 2,646. Die Analyse ergab 44,94 Kieselerde, 24,90
Eisenoxyd, 13,18 Manganoxydul, 2,64 Magnesia, 8,94 Kali, 2,06 Natron
und 2,74 Glühverlust. Das führt auf die Formel 2Ka0.3SiQ0, +
2Al,0;.38i0, jene Verbindung von Kalitrisilicat mit Thonerde Sin-
gulosilicat, während der ursprüngliche Cordierit aus 2 Magnesiabisili-
cat und 1 Thonerdesingulosilicat bestand. — (Jahrb. geol. Reichs-
umsi. AIL 304.)
Heymann, Pseudomorphosen von Glimmer nach An-
dalusit. — Im Schrifigranit von der Blötze bei Bodenmais fehlt
Glimmer als wesentlicher Gemengtheil gänzlich. Das Korn der Fels-
art ist sehr grob und sie geht durch Aufnahme von krystallisirtem
Kalislimmer in einen grobkörnigen Granit über. An der Grenze
191
beider Gesteine finden sich viele Andalusitkrystalle und minder häu-
fig Pinitkrystalle. Man überzeugt sich, dass der Pinit nur eine
Mittelstufe der Umwandlung von Cordieritkrystallen in Glimmer bil-
det und kaum als besonderes Mineral betrachtet werden darf. Bei
den Andalusitkrystallen ist die Ueberzeugung, dass eine Pseudomor-
phose in Glimmer obwalte, nicht so leicht zu gewinnen und sind
solche Stücke für Andalusit mit eingeschlossenem Glimmer erklärt.
Aber im Schriftgranit kommen bisweilen kleine Glimmerpartien vor,
welche nach der Grenze gegen den grobkörnigen Granit häufiger wer-
den, niemals Krystallformen zeigen, sondern andalusitische Säulen.
Der Glimmer in dem Andalusit ist hellweisser Kaliglimmer, der im
Cordierit ein grünlichbrauner Magnesiaglimmer. Aus dem Schriftgra-
nit selbst können sich hier weder die Räume der Andalusitkrystalle
nach der Zersetzung mit Glimmer ausgefüllt haben, noch ist anzuneh-
men, dass die Krystalle bei ihrer Entstehung den Glimmer einge-
schlossen hätten und nach Extrahirung der Andalusitmasse dann der
Glimmer allein zurückgeblieben sei. Die theoretische Erklärung der
Umwandlung dürfte durch Bischofs Annahme der Zuführung von Kali-
salzen nach der Teufe, bei Zersetzung des Feldspathes der Bergkup-
pen und Umwandlung desselben in Kaolin genügend festgestellt sein.
— (Rheinländ. Verhandl. ZIX, 184.)
Heymann legte der niederrheinischen Gesellschaft Grenge-
sit im Melaphyr vor aus dem Fischbachthale unweit Herrstein im
Fürstenthum Birkfeld. Die knollenartigen Massen des Grengesits sind
theils nur an den Rändern, theils ganz in Delessit umgewandelt, und
wie die Stücke des Fassathales ein Umwandlungsprodukt des Augits.
— (Rheinl. Verhandlungen XIX, 27.)
Heymann, Mineralien aus den Golddistrikien Au-
straliens. — Derbes gediegenes Gold mit Skeleten von Octaödern
aus dem Alluvium des Distriktes Ballarat; desgleichen stalaktitisch
aus dem Alluvium des Distriktes Back kreek; goldhaltiges Arsenikal-
kies in Quarz von White horse reef im Distrikt Maryborough; ge-
diegen Gold haarförmig in zerfressenem Quarz von ebenda; gedie-
gen Gold in dünnen Blättchen auf Grauwackenschiefer im Liegenden
der goldhaltigen Quarzgänge im Chim Crowdistrikt; gediegen Gold
eingesprengt in Quarz mit Brauneisenstein von Sydney reef im Ma-
ryborough, desgleichen mit Malachit, Kupferziegelerz und Eisenocker
in zerfressenem (Quarz, endlich goldhaltiger Arsenikalkies von Munt
Franklin. Diese Mineralien ergeben mit Sicherheit, dass das gedie-
gene Gold in den Quarzgängen Australiens eine secundäre Bildung,
eine Ausscheidung aus andern Erzen ist, welche früher die Drusen-
räume und Zellen des zerfressenen Quarzes füllten. Das Mineral,
welches im White horse reef das Gold verlarvt enthalten hat, ist un-
zweifelbaft der Arsenikalkies, welcher noch an einzelnen Stellen des
Ganges unzersetzt auftritt. Bei den Stücken von Blakmans reef könnte
der Malachit und das Kupferziegelerz zu der Vermuthung führen,
dass hier das Gold in Schwefelkupfererzen verlarvt war. Aber auch
192
hier entsprechen die Quarzhöhlen den Krystallformen des Arsenikal-
kieses. Sogar wo scheinbar das gediegen Gold in dichter Gangmasse
eingesprengt ist, ist es eigentlich in Drusenräumen und auf schmalen
Klüften abgesetzt, welche durch Brauneisenstein und secundäre Quarz-
bildungen wieder ausgefüllt sind. — (Zbda 126.)
G. v. Rath, Epidotkrystalle aus dem Zillerthale mit
zwei neuen Flächen und einer eigenthümlichen Durchkreuzungszwil-
lingsbildung. Die Epidotkrystalle sind sehr verschieden betrachtet
worden. R. schliesst sich der Stellung von Marinae und Kokscharow
an, weil nur in dieser der mit dem Epidot isomorphe Orthit betrachtet
werden kann, nur in ihr die Zwillingsbildung des Epidots dem ge-
wöhnlichen Gesetze monokliner Systeme entspricht und in ihr die
deutliche Spaltung des Minerals wie P beim Feldspathe liegt. Wäh-
rend nun die deutlichste Spaltungsrichtung zur Basis wird, geht die
zweite Spaltbarkeit der Querfläche parallel. Bekannt waren bisjetzt
beim Epidot 34 Flächenpaare und 19 Einzelflächen. Die beiden neuen
Flächenpaare sind positive Hemipyramiden und erhalten nach Kok-
scharow die Zeichen d — (a‘:!, b:c) + 4PAund & = (!% a’: Ya b:e)
+ 5P2%. 6ö gehörtin die Diagonalzone von r, £ wird bestimmt durch
die Zone d:u und q:T. Die Epidotzwillinge aus dem Zillerthale sind
theils gewöhnlicher Art, theils durchkreuzen sie sich, so dass die
Individuen mit der Zwillingsebene T und noch mit einer zur Achse
e senkrechten Ebene sich begrenzen. Es können auf diese Weise
Combinationen entstehen, welche ein völlig rhombisches Ansehen ha-
ben. — (Zbda 51.)
Derselbe, Granit im Thal Maigels am Gotthardt. —
Derselbe ist bräunlichgelber Kalkthongranat in Dodekaedern mit Leu-
citoeder und gewöhnlichem Hexakisoctaeder und merkwürdig dadurch,
dass das Innere der grössern Krystalle nicht aus Granat sondern zum
grosse Theile aus andern Mineralien besteht und zwar aus grauem
Epidot, Kalkspath und Quarz. Häufig bilden diese je eines oder zu
zweien und dreien miteinander gemengt Schalen, welche der äussern
Form des Granates ungefähr entsprechen. An einem 5‘“ grossen Kry-
stalle ist die äussere eine Linie dicke Hülle reiner Granat, darunter
folgt eine Schicht Kalkspath mit Quarzkörnern gemengt, dann eine
Schicht grauen Epidots, endlich ein Kern von Granat. Häufig be-
deckt die Granathülle einen fast reinen Kern von Epidot oder ein
unregelmässiges Gemenge von Quarz, Kalkspath und Epidot ohne
Granatkern. Die Schichten von Granat und Epidot sind aufs schärfste
von einander geschieden, so dass die innern Mineralien nicht auf Ko-
sten des Granates gebildet sein können. Der mit und in den Grana-
ten vorkommende graue Epidot ist auch nach dem Glühen durch
Salzsäure nicht zerstörbar, besteht aus 39,1 Kieselsäure, 28,9 Thon-
erde, 7,4 Eisenoxyd, 24,3 Kalkerde, 0,1 Magnesia, 0,6 Wasser. Zu-
weilen ist er in deutlichen wenn auch nicht flächenreichen Krystallen
ausgebildet und ist wirklicher Epidot, nicht Zoisit wie oft angenom-
men. Wenn nun auch schalenförmige Krystalle mit fremdartigen Sub-
193
En
stanzen nicht ungewöhnlich sind: so erscheinen diese Granaten doch
merkwürdig. An einem der Granathülle entblössten Krystalle zeigte
der Epidotkern die Granatform und sogar deren Streifung. Die äus-
sere Granathülle muss erst entstanden sein und das Innere wurde
später ausgefüllt. Volger erklärt dieselben als Pseudomorphosen, was
sie entschieden nicht sind. Wohl aber kommen an derselben Fund-
stätte Pseudomorphosen von grünlich braunem Epidot in Granatform
vor, — (Ebda 127.)
“ Derselbe, Turnerit bei Surrheim im Tavetsch —
Dieses nur erst vom Berge Sorel im Dauphine bekannte Mineral fin-
det sich im Tavetsch mit Anatas und Quarz auf Talkschiefer aufge-
wachsen, in sehr kleinen honiggelben, titanitähnlichen Krystallen des
monoklinen Systemes. Die Winkel stimmen ungefähr mit denen vom
Sorel überein. Eine krystallographische Bestimmung des flächenrei-
chen Krystalles behält sich R. vor. — (Zbda 160.)
v. Dechen, Mineralien am Laacher See. — In einer
Druse von körnigem Sanidin liegen mehre theils dünne theils starke
Säulenkrystalle von Mejonit, der zu den seltenen Vorkommen des Laa-
cher Sees gehört. Ein anderes Stück besteht aus Sanidin und Glim-
mer mit vielen rothen Granaten. Das Gestein ist ebenfalls selten in
Blöcken, die ursprünglich in den Tuffen eingelagert, durch deren Zer-
störung aber an die Oberfläche gelangen. Ferner ein weisser Tri-
pel oder Infusorienerde im Tuffstein im Eulenkruge oberhalb Tönnis-
stein, ganz aus Kieselschalen bestehend. — (Zbda 72.)
OÖ. Weber, über Moosachate. — Die bei Besselich in Trier
zu sehr mässigen Preisen käuflichen Moosachate zeigen z. Th. sehr
deutlich, wie die moosähnlichen Erscheinungen lediglich durch Infil-
trationen farbiger Substanzen auf Sprüngen und Rissen des Chalee-
dons entstanden sind. Andere Moosen sehr ähnliche Bildungen las-
sen bei der microskopischen Untersuchung keinen Zweifel aufkom-
men, dass sie durchaus nicht pflanzlichen Ursprunges sind. Man sieht
vielmehr deutlich, wie die färbende Flüssigkeit, meist eine Mangan-
verbindung, sich flächenartig auf der Oberfläche der Chalcedonschich-
ten dendritisch ausbreitete aber auch von hier aus quer durch feine
Löcher des Steines vorgedrungen ist und sich je nach der Porosität
weiter verbreitete. Man unterscheidet dabei deutlich verschiedene
Concentrationssphären, indem die Färbung an der blattähnlichen Pe-
ripberie wegen grösserer Dichtigkeit des Gesteines weniger intensiv
ist als in der Mitte, wo die Porosität grösser war, dennoch mehr
Pigment zurückblieb und stengelähnliche Zeichnungen erscheinen;
wo dabei die Flüssigkeit auf eine Schicht traf, verbreitete sie sich
auch seitlich in die Flächeneinrichtung und diese seitlichen Ausläufer
beweisen deutlich, das die zierlichen Zeichnungen nicht von Pflanzen
herrühren. Nöggerath unterscheidet die eigentlichen Moosachate, in
welchen die grüne algenartige Substanz aus Delessit besteht, der fa-
denförmig oder verwischt zertheilt eingeschlossen ist. Die Steine
mit schwarzen Dendriten aber sind durch Infiltrationen von Mangan-
194
oxydullösungen entstanden, es sind Mokkasteine. Dagegen erklärt
Schaafhausen Achate mit wirklichen gegliederten Fäden also Algen
zu besitzen. Bowerbank erkannte in sicilischen und obersteiner Acha-
ten Fasern der Spongia fistularis Lk und Schaffner und Dippel in ost-
indischen Chalcedonen mit aller Bestimmtheit Algen. — (Zbda 175—177.
F. Zirkel, Monographie des Bournonit. — Der Bour-
nonit bricht auf Gängen im krystallinischen Schiefer- und Uebergangs-
gebirge meist mit Bleiglanz und Zinkblende, doch auch mit Kupfer-
kies, Antimonglanz und Fahlerz begleitet von Quarz, Kalkspath, Braun-
spath und Eisenspath. Verf. zählt zunächst die seitherigen Arbeiten
darüber speciell auf, dann die Orte seines Vorkommens in England,
Deutschland, Oestreich, Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko, Peru und
Sibirien und geht nun auf eine sehr detaillirte krystallographische
Untersuchung ein, welche einen kurzen Auszug nicht gestattet. G. Rose
weicht in der Deutung der Gestalten von andern Beobachtern ab, um
das Mineral mit Aragonit und Weissbleierz in Beziehung zu brin-
gen. Es waren bisher 29 Flächen bekannt und zu diesen werden
noch 11 hinzugefügt. Alle werden krystallographisch bestimmt und
dann drei Hauptgestalten angenommen: 1. Krystalle, deren Umriss ei-
nem rectangulären Prisma gleicht, die Flächen 100, 010, 001 sind
ziemlich im Gleichgewicht und treten scharf hervor; 2. Der allge-
meine Umriss der Krystalle ist der einer breiten quadratischen Säule
mit octaedrischer Zuspitzung, die Endfläche a erscheint als kleines
Quadrat oder Rechteck, die Flächen m und n sind scheinbar im Gleich-
gewicht und sehr ansgedehnt, desgleichen b und c; 3. Krystalle,
. welche durch Verkürzung der Achse ce und Ausdehnung der Fläche
c die Gestalt einer platten aufrecht stehenden Tafel besitzen, an der
aber stets die Endfläche a auftritt, die übrigen Flächen sind sehr
schmal. Ausserdem kommen interessante Zwillinge vor. Die Gestal-
ten werden nun im Einzelnen untersucht. Es gehört zum Bournonit
der prismatoidische Dystomglanz oder Wölchit von Wölch in Kärn-
ten. — (Wiener Sitzungsber. ZLV, 431—466. 7 T/f.) @.
Paläontologie. Fr. Goldenberg, die Pflanzenver-
steinerungen des Steinkohlengebirges von Saarbrücken
mit Berücksichtigung der Kohlenpflanzen andrer Localitäten. III Heft.
(Saarbrücken 1862. Mit 6 Tff.) — Dieses neue Heft beschäftigt sich
mit den schon vielfach behandelten, aber noch immer nicht vollstän-
dig aufgeklärten Gattungen Stigmaria, Diploxylon, Lomatophloyos
und Lepidophloyos und erweitert unsere Kenntniss derselben in er-
freulicher Weise, Verf. stellt die ersten beiden in die Familie der
Iso&teae und untersucht zunächst sehr eingehend den Bau von Stig-
maria und gibt für die fünf hier speciell beschriebenen und abgebil-
deten Arten folgenden Clavis: 1. Narbe sich fast berührend St. con-
ferta. — 3. Narben mehr weniger entfernt (3). — 3. Narben ellip-
tisch in flachen Vertiefungen stehend (5). — 4. Narben rundlich auf
flachen Erhöhungen stehend (7). — 5. Rinde rissig, um die Narben
etwas eingedrückt, Aeste kurz und abgerundet, St. rimosa n. sp. —
195
6. Narben genähert, Rinde glatt, St. Socolowi. — T. Die Gefässe
des Holzkörpers porös, Blätter ceylindrisch, an der Spitze oft schein-
bar gabelig getheilt, St. ficoides. — 8. Gefässe des Holzkörpers trep-
penförmig, Blätter an der Basis etwas verdickt, St. anabatra. — Von
Diploxylon werden D. cycadoideum und anabathra beschrieben. Von
Lomatophloyos aus der Gruppe der Lycopodiodendreen L. crassicaule
und intermedium n. sp, von Lepidophloyos L. laricinum und macro-
lepidotum n. sp. Die Beschreibungen gestatten einen kurzen Aus-
zug nicht und empfehlen wir den Paläophytologen deren Studium.
Schenk, einigePflanzen des lithographischen Schie-
fers. — Nach Unger gehört Caulerpites nicht zu den Algen sondern
zu den Coniferen und soll wegen der Verwandtschaft mit Arthrota-
xis den Namen Arthrotaxites führen. Die Art A. lycopodioides ist
im lithographischen Schiefer mit Zapfen gefunden worden. Die Stern-
bergschen C. princeps, colubrinus, sertularia und elegans und Presl’s
laxus und ocreatus fallen sämmtlich in A. princeps zusammen, Balio-
stichus ornatus Stbg ist A. baliostichus, Die vierte Art ist A. Frisch-
manni. Sch. fand bei Durchsicht der Münsterschen Sammlung Un-
gers Ansicht bestättigt und noch mehr. Zu A. princeps gehören C.
bipinnatus von Daiting, Halymenites elegans von Solenhofen und
St. truncatus von Eichstätt. Zu A. Frischmanni verweist er C. lon-
girameus von Solenhofen, C. parallelus und intermedius von Eich-
städt, C. flexuosus von Daiting, alle haben vierzeilig gestellte schup-
penförmige Blätter und sind unzweifelhafte Astspitzen. Den C. tor-
tuosus erklärt Unger für eine Alge, was sicherlich falsch ist, aber
das Originalexemplar gestattet überhaupt keine Deutung. Halymeni-
tes cernuus gehört gleichfalls zu Arthrotaxites princeps. Halymeni-
tes nodosus ist keine Alge, sondern ein mit Narben abgefallener Aest-
chen versehener Zweig einer dikotylen Pflanze, welcher, lässt sich
aus dem Exemplar nicht ermitteln. Die C. thuiaeformis und expan-
sus gehören nach den Abbildungen zu urtheilen gleichfalls zu Arthro-
taxites, nicht zu Thuites. Es ist sehr dankenswerth und verdienst-
lich, dass die ältern Bestimmungen endlich einer strengen Revision
unterzogen werden, wo die Originalexemplare vorhanden sind und sie
sind es glücklicher Weise von den bedeutenden Sammlungen eines
Münster, Schlotheim u. A., denen unsere Wissenschaft so sehr viel
verdankt. — (Würzburger naturwissenschaftl. Zeitschr. III. 174—177.)
Derselbe, über einige Keuperpflanzen. — Equisetites
columnaris Ettgh. Unzweifelhaft gehören einige Sternbergsche Arten
zusammen, indem die Scheidenzähne mehr weniger vollständig erhal-
ten sind, im erstern Falle also den E. cuspidatus, im andern E. co-
lumnaris und sinsheimicus entsprechen. Ein dem E, areolatus ent-
sprechendes Exemplar entspricht einem quer durchbrochenen Stengel-
knoten, wie sie Sternberg als E. Bronni beschreibt. Die übrigen un-
tersuchten Exemplare gehören Calamites arenaceus an. Alle der Blum-
schen Sammlung in Heidelberg sind theils aus dem Lettenkohlensand-
stein von Sinsheim, theils aus dem Lettenkohlenschiefer von Wies-
196
bach, dem mittlen Keupersandstein von Malsch und bei Stuttgart. —
Chiropteris digitata Kurr aus dem Lettenkohlensandstein von Sins-
heim von Bronn abgebildet findet Sch. im Nervennetz an der Basis
nicht ganz genau und hält die Ansicht für die Unterseite. — Thau-
matopteris marantacea aus dem Lettenkohlensandstein von Sinsheim
in Exemplaren von nicht fructificirenden Fiedern wird beschrieben.
Neuropteris remota ebendaher gibt auch Gelegenheit zu einer Ver-
gleichung mit Presl’s Angaben in Sternbergs Flora. — (Zbda 178—180).
O. Weber, Pflanzenreste im vulkanischen Tuff der
Vordereifel. — Von Gänsehalse bei Mayen stammen Zweige und
Blätter entschieden der Rothtanne, Picea vulgaris angehörig, wonach
die Tuffe der gegenwärtigen Periode angehören. Minder sicher gilt
dasselbe an den Holzresten in den Tuffen von Rieden, nur wahr-
scheinlich Picea vulgaris. Wichtiger ist das Vorkommen von Sequoia
Langsdorfi in den Tuffen von Schutz und in der Nähe von Daun,
welche also entschieden tertiär sind. — (Rheinl. Verhandl. XIX. 177.)
Gümbel, die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Ver-
wandten. — °G. findet aus seinen umfassenden Untersuchungen,
dass sich durch eine ganze Reihe alpiner Gesteinsschichten der Dach-
steinbivalve ähnliche Muscheln finden, welche namentlich in den ver-
schiedenen Querschnitten einander so ähnlich sind, dass sie ohne nä-
here Untersuchung sehr leicht verwechselt werden können. Also nicht
alle Kalksteine mit sogenannten Dachsteinbivalven sind identische
Gebilde. Megalodon triqueter findet sich in den N-Alpen fast aus-
schliesslich im eigentlichen Dachsteinkalk d. h. in der dem obern
Muschelkeuper (Kössener Schichten) ein- oder aufgelagerten Kalkbank
überaus häufig und weit verbreitet. Stellenweise geht sie auch in
die Mergelschichten des obern Muschelkeupers und selbst in den
Hauptdolomit. In den S-Alpen hat sie vorzüglich ihre Verbreitung
in dolomitischem Gesteine, welches sowohl dem Hauptdolomit als dem
Dachsteinkalk angehört. Die Italiener unterscheiden nach der Lage-
rung ein Cardium ihres mittlen Dolomits und ein Cardium des ei-
gentlichen Dachsteinkalkes. An einer Stelleliegt sie mit M. columbella
der Hallstätter Schichten zusammen, von Stoppani zum Esinokalk
gerechnet. M, gryphoides beschränkt sich auf den Dachsteinkalk der
N-Alpen. M. columbella findet sich in den hangendsten Schichten
des untern alpinen Keuperkalkes (Hallstätter Schichten) in den N-Al-
pen und wie erwähnt in der Esinogruppe. M. complanatus hat seine
Lage im Hauptdolomite und M. chamaeformis scheint dem Alter der
Raibler Schichten zuzufallen. Den Gattungscharakter von Megalodon
fasst G. also: Schale länglich ei- oder herzförmig, stark gewölbt, gleich-
klappig, ungleichseitig, rings vollkommen schliessend, gegen den Wir-
bel sehr stark verdickt, hinten der Länge nach stumpf oder scharf
gekielt und abgestumpft oder eingedrückt; Wirbel vorragend, stark
nach vorn gewendet, mehr weniger stark eingerollt; Band halbäusser-
lich; Schloss stark entwickelt bestehend aus einer Hauptplatte unter
dem Wirbel, welche den Hauptzahnbau trägt, und einem von dieser
197
Platte aus längs der hintern Seite fast bis zum untern Rande herab-
laufenden Randplatte. In der rechten Klappe steht unter dem Wir-
bel ein einfacher durch eine seichte Furche schwach getrennte oder
ein durch eine Grube geschiedener Doppelzahn; dahinter liegt eine
tiefe Grube und am Rande gegen die sich abzweigende hintere Rand-
platte eine Leiste in der linken oder ein Längszahn in der rechten
Klappe, in der linken Klappe ein einfacher oder tiefgetheilter Zahn
und ganz nach vorn ein Nebenzahn. Auf der Längsplatte zeigt sich
mehr weniger deutlich eine Erhöhung oder Vertiefung; der vordere
Muskeleindruck liegt hoch oben am Schlosse fast noch auf der Schloss-
platte, ist verhältnissmässig schmal, tief und seitlich von einer schma-
len Leiste begränzt; der hintere Muskeleindruck ist schwach, liegt
nahe am hintern und untern Rande auf einem verdickten Schalentheil,
der durch eine vom Wirbel herabziehende schmale seichte Längs-
furche gegen innen abgegrenzt ist. Die Arten werden in Subgenera
vertheilt, nämlich Neomegalodon mit M. triqueter, gryphoides n. sp.,
complanatus n. sp., columbella n. sp., Pachymegalodon mit M. cha-
maeformis n. sp. — (Wiener Sitzungsber. XALV. 325—378. 7 tbb.)
Alb. Oppel, paläontologische Mittheilungen (Stutt-
gart 1862. Mit 50 Tff.) — Verf. beginnt mit dieser splendid aus-
gestatteten Monographie eine Reihe von Publikationen, welche das
schöne und reiche Material der Münchener paläontologischen Samm-
lung betreffen. Wir begrüssen dieselben mit Freuden, da sie nach
dem vorliegenden Anfange sehr schätzbare Untersuchungen bringen
und die Wissenschaft wirklich fördern. Diese Monographie ist den
jJurassischen Crustaceen gewidmet und dient einem in der That sehr
empfindlichen Bedürfnisse, da die Münsterschen Bestimmungen den
Anforderungen der heutigen Careinologie längst nicht mehr genügen
und wenn Verf. auch die Vergleichung mit den lebenden Gattungen
und Arten nicht so weit ausdehnte, wie es im besondern dem Zoolo-
gen erwünscht sein möchte: so liefert er doch durch seine im Ueb-
rigen sehr gründliche Darstellung Anhalt genug, um dem Careinolo-
gen von Fach ein Urtheil über die fossilen zu ermöglichen. Er geht
nach Aufstellung einer geognostischen Webersichtstabelle und eines
Clavis der 24 Macrurengattungen sogleich an die einzelnen Gattun-
gen und Arten des Lias, Dogger und Malm, die wir hier nur nament-
lich aufzählen, um auf den reichen Inhalt aufmerksam zu machen,
Wie gewöhnlich lassen wir bei den neuen Arten den Autornamen weg.
Eryon Escheri Eryon arctiformis Schl |Eryma amalthea
barrovensis MC bilobatus Mstr laedonensis Etall
antiqua Brod longipes Fr aalensis @
Hartmanni Mr Schuberti Mr würtembergensis
Perroni Etall Redenbacheri Mstr aspera
propinguus Schl Stenochirus Meyeri elegans
spinimanus Germ angustus Mstr compressa Deel
orbiculatus Mstr | Eryma propinqua Greppini
‘ elongatus Mstr. numismalis Girodi Etall
Eryma squalida Etall
ornata ®
Mandelslohi Mr
calloviensis
Romani
rugosa Etall
radiata
ventrosa Mr
subventrosa Etall
Perroni Etall
isignis
modestiformisSchl
leptodactylinaGrm
Veltheimi Mstr
elongata Mstr
major
punctata
verrucosa Mstr
suevica @
Fraasi
minuta Schl
fuciformis Schl
Babeani Etall
Thurmanni Etall
Thirriae Etall
Pseudastaeus Münsteri
pustulosus Mstr
Palaeastacus Edwardsi
Etall
198
Etallonia longimana Et | Mecochirus BeyeriGrm
Uncina posidoniae @
Pseudoglyphea grandis
Mr
Etalloni
amalthea
stricta Et
eximia
Terquemi
Glyphea Heeri
major
alpina
liasina Mr
Terquemi
solitaria
pustulosa Mr
crassa
Martini Et
ornata @
Udressieri Mr
Münsteri V
Regleyana Desm
Bronni Röm
rostrata Phill
Etalloni
Perroni Etall
gratiosa Mr
pseudoscyllarus
Schl
Palaeastacus solitarius | GlypheasquamosaMstr
Magila Bonjouri Et
Pikleri
parvula
suprajurensis @
latimana Mstr
robusta
deformis
tenuis
Saemanni
jurensis
Meyeri Röm
Mecochirus olifex ®
socialis Mr
longimanus Schl
brevimanus Mstr
dubius Mstr
Palinurina tenera
longipes Mstr
pygmaea Mstr
CanerinusclavigerMstr
latipes Mstr
Penaeus liasicus
intermedius
speciosus Mstr
Meyeri
latipes
Acanthochirus longipes
cordatus Mstr
angulatus Mstr
Bylgia spinosa Mstr
hexadon Mstr
Heberleini Mstr
Blaculla nicoides Mstr
brevipes Mstr
Sieboldi
- Udorella Agassizi
|Drobna deformis Mstr
curvirostris Mstr
Dusa Bronni
monocera Mstr
denticulata Mstr
Aeger insignis
tipularius Schl
elegans Mstr
Bronni
armatus
Udora brevispina Mstr
Hefriga serrata Mstr
Frischmanni
Elder ungulatus Mstr
Es gehören von diesen 136 Arten 10 dem untern, 8 dem mittlen, 4
dem obern Lias, 2 dem Dogger, 5 dem Bajocien, 3 dem Bathonien,
12 dem Callovien, 8 dem Kimmerigdien und 70 den lithographischen
Schiefern an. Von den als neu eingeführten Gattungen schliesst sich
Stenochirus anEryon zunächst an, hat aber am ersten Fusspaare lang-
gezogene sehr dünne Scheeren, auf der Innenseite der Scheerenfinger
zahlreiche spitze Stacheln und über körperlange äussere Fühler. Die
Form des Cephalothorax ist nicht bekannt. Pseudastacus hat mit Eryma
gemein den länglichen stark gewölbten Cephalothorax mit spitzer Stirn
und die Scheerenbildung an den drei vordern Fusspaaren, unterschei-
199
det sich aber durch nur eine tiefe Furche auf dem Cephalothorax und
das völlig glatte vierte Fusspaar. Die Gattung Etallonia ist noch
fraglicher Verwandtschaft, kenntlich an dem dünnen und verlänger-
ten beweglichen Scheerenfinger des ersten Fusspaares und an dem
Nebenzacken des kürzern unbeweglichen Fingers. Pseudoglyphea wird
durch den Verlauf der Vertiefungen im Cephalothorax bestimmt. Acan-
thochirus aus der Familie der Garneelen trägt am ersten Fusspaare
nnd den Kieferfüssen bewegliche Stacheln und hat die kleinen dün-
nen Füsse von Penaeus, an den drei vordern Fusspaaren Scheeren.
Bei der nah verwandten Udorella sind alle Füsse von übereinstim-
mendem Bau.
R. Ludwig, zur Paläontologie des Urals: die Actino-
zoen im Kohlenkalk von Perm (Cassel 1862. 18 Tff.) — Die marinen
Kalksteine der uralischen Kohlenformation lassen sich nach ihren Fau-
nen scharf in Productuskalk, Spiriferenkalk und Fusulinenkalk son-
dern und in jedem derselben kommen auch leitende Corallenarten vor.
Diese untersucht Verf. näher, legt zuerst seine Beobachtungen über
deren Bau vor und beschreibt alsdann die Arten im Einzelnen, näm-
lich folgende: Columnaria solida, Cyathophyllum calamiforme, Helio-
phyllum colosseum, .denticulatum, arietinum, gracile, multiplex, humile,
Lithodendron fasciculatum Phill, Lonsdalea floriformis MEdw, Zaph-
rentis impressa, alveata, gigantea, Cyathaxonia carinata, aperta, graci-
lis, squamosa, cincta, Harmodites parallelus Fisch, confertus Eichw,
ramulosus Park, capillaceus, arborescens, Aulopora glomerata, Cerio-
cava crescens, Fenestella carinata MC, plebeja MC, Tubulipora anti-
qua, Vincularia lemniscata.
A. Hellmann, die Petrefakten Thüringens I.III. Lie-
ferung: Das Uebergangsgebirge. (Cassel 1862). — Die erste das
Diluvium behandelnde Lieferung dieser Monographie zeigten wir Bd.
XX. 363 an, die vorliegenden beiden behandeln die Kupferschiefer-
formation, welche Verf. als jüngste des Uebergangsgebirges betrach-
tet, eine Bezeichungsweise, welche seit 30 Jahren ganz ausser Brauch
gekommen ist. Die Pflanzen werden blos namentlich nach Geinitz
aufgezählt und hätten wir gewünscht, dass wenigstens die Thüringi-
schen Fundorte bei jeder Art speciell angegeben wären, um eben
über deren Vorkommen und Häufigkeit auf dem Gebiete Kenntniss
zu erhalten, ebenso das geognostische Lager. Das kann man nun
freilich aus andern Schriften zur Genüge erfahren, allein man hat es
lieber und bequemer in der Gebietsmonographie selbst. Ueber einige
Arten werden betreffende Bemerkungen mitgetheilt. Ebenso werden
die Fische namentlich nach des Refrenten Fauna aufgezählt und die auf
Taf. 6—13 abgebildeten Arten mit wenigen Notizen versehen. GI.
Botanik. J. Schumann, preussische Diatomeen —
Verf. untersuchte auf ihre Diatomeen die offenen Süsswasser, die
sehr reiche durch Ehrenberg bekannt gewordene Sumpferde, welche
in Königsberg 70° mächtig ansteht, die alluvialen 2— 20’ mächtigen
Kalkmergel mehrer Orte, den brakischen Hafen von Pillau und die
200
Saline Ponnau, die Ostsee, das diluviale Kalkmergellager von Dom-
blitten bei Zinthen und zwei Bernsteinstücke. Er theilt einige Be-
obachtungen über die Schalenstruktur und deren Inhalt sowie die
Lebensäusserungen mit und zählt dann die beobachteten Arten na-
mentlich auf. Ueber einzelne werden erläuternde Bemerkungen ge-
geben, die zahlreichen neuen diagnosirt. Es sind überhaupt 298 Ar-
ten, davon 18 im Bernstein, 86 diluvial, 23 in der Ostsee, ebenso
viele in brakischen Wassern, 107 in den alluvialen Kalkmergeln, 187
im Königsberger Lager und 175 in offenen Süsswassern. — (Königs-
berger physikalisch-ökonomische Gesellschaft III. 166—192.)
R. Caspary, über die Gefässbündel der Pflanzen. —
Die Nymphäaceen haben keine Gefässbündel im Mohl’schen Sinne,
die Ring-, Spiral- und Leitergefässe sind vollständig geschlossene
Zellen. Mettenius bestättigte dasselbe für Coniferen und Cycadeen,
selbst für Farren, Lycopodiaceen, Selaginellen, Rhizocarpeen, Equise-
taceen, und dass diejenigen ring-, schrauben- und leiterförmig ver-
dickten Elemente ihrer sogenannten Gefässbündel nur geschlossene
Ring-, Schrauben- und Leiterzellen sind. C. fand dasselbe bei Isoe-
tes lacustris und untersuchte nun auch Monocotylen und Dicotylen
auf diese Verhältnisse. Bei Drimys Winteri und granatensis war es
erwiesen, ebenso für Tasmania, und für Ceratophyllum demersum.
Er fand nun noch Monotropa und Aldrovandia gefässlos, in Houttuy-
nia cordata nur Wurzel-, Rhizom- und Luftstammgefässe, keine Blatt-
gefässe, aber alle übrigen untersuchten Dikotylen besitzen wirkliche
Gefässe. Dagegen hat nur der kleinere Theil der Monokotylen in al-
len Organen Gefässe. Von 19 untersuchten Familien zeigten nur
fünf: Palmae, Commelyneae, Juncaceae, Gramineae, Cyperaceae in al-
len Organen Gefässe, sechs durchaus gefässlos: Aspidistreae, Hydro-
charideae, Orchideae, Aroideae, Lemnaceae und Najadeae; die Mehr-
zahl nur Gefässe in der Wurzel: Musaceae, Asphodeleae, Dracaeneae,
Irideae, Butomeae, Alismaceae, Orchideae (einige), Aroideae. Die
Dioscoreen haben Gefässe nur in der dünnen Wurzel und dem Stamm,
‚in der dicken essbaren Wurzel und im Blatt nicht, die Asparageen
in Wurzel und Stamm, nicht im Rhizom und Blatt. Andere nur theil-
weise untersuchte Familien zeigten nicht in allen Organen Gefässe.
Hiernach muss nun für die aus geschlossenen Zellen bestehenden Bün-
del, welche den Gefässbündeln entsprechen, ein Ausdruck gesucht
werden, der sie als ihnen coordinirt bezeichnet und ein andrer allge-
meiner für beide. C. schlägt Leitzellen und Leitbündel dafür vor
und theilt die Gefässbündel ein in Ringgefäss, Schrauben-, Netz-, Lei-
ter-, Porengefäss und zählt zu den Zellenleitbündeln:: Ringleitzelle,
Schraubenleit-, Netzleit-, Leiterleit- und Porenleitzelle.. Von den Ring-
‚zellen sind die Ringstückzellen mit Verdickungen von nicht ganzem
Umlauf nur eine unvollkommene Form so bei Hydrilleen, Lemnaceen,
Aldrovandeen und andern. Nach noch einigen Definitionen zählt Verf.
die seither als gefässlos bezeichneten Pflanzen auf, doch bezog sich
diese Deutung nur auf die Abwesenheit von ring- oder schraubenför-
=
201
mig verdiekten Leitbündelgliedern und Verf. sieht sich genöthigt nä-
' her hierauf einzugehen und gibt zuletzt einen Ueberblick über die
Beschaffenheit der luftführenden Leitbündelglieder nach den von ihm
selbst untersuchten Pflanzen. — (Berliner Monatsber. 1862. 448—483).
H. Möhl, morphologische Untersuchungen über die
Eiche. (Cassel 1862. 4%, 3 Tf.) — Verf. legt seine Untersuchun-
‚gen und Betrachtungen im Einzelnen vor. und fasst am Schlusse die
Resultate kurz zusammen. Dieselben betreffen Quercus pedunculata
und Qu. sessiliflora. Die Winterknospe von letztrer ist vom Knos-
pengrunde an conoidisch, zeigt 5 deutliche Längskanten, weil die in
einer Windung auf einander folgenden Schuppen sich an ihrem Grunde
nur wenig, die in den aufeinander folgenden Windungen über ein-
ander stehenden aber über die Hälfte decken und die Spirale mit den
vorhandenen 8 Windungen sehr flach ansteigt. Die Krospe von Qu.
peduneulata ist gedrungen, bauchig und die auf 4 weit aus einander
gerückten Windungen vertheilten Schuppen liegen über die Hälfte
frei, sind stark gewölbt und scheinbar unregelmässig vertheilt, ob-
gleich die in einer Windung auf einander folgenden sich an ihrem
Grunde. ‘oft über die Hälfte decken. Der Knospenknäuel am Trieb-
ende ist bei Qu. ped. gedrängter an starken Knospen als der von
Qu. sess., bei jener wird die Gipfelknospe meist nur von starken trieb-
‚fähigen Knospen, bei letztrer von einer Anzahl verkümmerter Seiten-
- knospen umgeben und die triebfähigen sind schon durch Internodien
von einander getrennt. Bei Sprossen von sehr alten Bäumen dage-
gen, an welchen die Gipfelknospe fast regelmässig verkümmert, sind
oft nur triebfähige Seitenknospen geknäuelt, so dass man die Unter-
scheidungsmerkmale auf die Knospe selbst beschränken muss. Die °
Form des Blattes gibt die festesten Anhalte. In eben entfalteten
Knospen ist das junge Blatt von Qu. sess. elliptisch, langgestielt, die
Secundärnerven treten stark hervor und gehen bis über die Spitzen
der an Gestalt und Grösse unter einander wenig verschiedenen Rand-
vorsprüngen hinaus. Das junge Blatt von Qu. ped. dagegen ist schon
spatelförmig, kaum gestielt, verdreht, die Randvorsprünge lang, schmal,
wellig gebogen und die Buchten sehr tief eingeschnitten. Das ent-
wickelte Blatt von Qu. sess. ist fast rautenförmig, langgestielt, in
Beziehung auf beide Blatthälften mehr minder symmetrisch. Die Se-
cundärnerven sind gleichmässig nach stetiger Proportion dem Primi-
tivnerv entlang vertheilt und laufen in dem von der Spitze und dem
Blattgrunde nach der grössten Blattbreite gleichmässig zunehmenden
Randvorsprüngen als Stachelspitzchen aus, Die wenig abstehenden
Ohren am Blattgrunde laufen am Blattstiele herab. Das Blatt von
Qu. ped. ist spatelförmig, sehr kurz gestielt, auffallend asymmetrisch,
die auf den ersten Blick scheinbar unregelmässig vertheilten Secun-
därnerven treten zwar stark hervor, aber auch die Tertiärnerven bil-
den ein deutliches Gitterwerk. Die Randvorsprünge sind zwar ihrer
relativen Grösse nach wie bei Qu. sess, vertheilt, aber ihr Umriss
weniger regelmässig. Gegen den Sec ry sind sie asymmetrisch
XXI]. 1863.
202
und dieser läuft nicht in die Spitze sondern in die herzförmige Ein-
biegung an deren Stelle aus. Der Blattgrund ist stark buchtig und
beiderseits vom Blattstiele ohrförmig umgeschlagen. Aus dem öftern
Verkümmern der Endknospe bei Qu. ped. und der sich statt dessen
stärker entwickelnden Nebenknospe erklärt sich das Hin- und Her-
biegen der Hauptäste, aus der anderseits gleichmässig vorschreiten-
den Entwicklung der Neben- mit dem Hauptäste und aus dem Vor-
handensein einer Menge rosettförmig starkbeblätteter und zusammen-
gedrängter Stauchlinge der gedrungene und wellige Bau eines belaub-
ten Astes. Aus der vorherrschend stark entwickelten Endknospe er-
klärt sich der schlanke Bau von Qu. sess. Durch die gleichfalls stark
beblätterten kleinen Sprossen und Strauchlinge ist zwar auch ein
belaubter Ast gedrungen und wellig, besetzt mit zahllosen Blattro-
setten; diese sind aber nie so abgerundet wie bei Qu. ped., da über-
all die Endtriebe zackig hervortreten und dem belaubten Aste ein
mehr zerrissenes Ansehen geben. Der Habitus des Baumes trägt den
Charakter der Blaitform. Qu. ped. sendet von den Hauptästen ent-
sprechend den Secundärnerven die bedeutendsten Aeste nach unten.
Ist die Endknospe des Hauptastes verkümmert, so entwickelt sich die
ihr zunächst stehende Nebenknospe, d. h. der dem Tertiärnerv ent-
sprechende Ast bildet die Fortsetzung des Hauptastes, macht aber
gegen diesen eine Kniebeuge. Die stärksten Hauptäste erscheinen
erst unter der Mitte der Baumhöhe, gehen unter 40—45°0 nach oben
und concurriren in der Regel mit der geraden Stammfortsetzung an
Stärke und Höhe. Der untere Theil des Baumes sowohl als die Spit-
zen der Aeste zeigen die Abrundung der Blattspitze und Blattvor-
sprünge. Bei Qu. sess. dagegen sind die Hauptäste entsprechend
den Secundärnerven immer stark entwickelt gegen die gleichmässiger
entwickelten Nebenäste, gegen die Stammfortsetzung aber bleiben sie
zurück und ihre Spitzen stehen daher immer pyramidenförmig her-
vor. Der ganze Baum sowohl als die Enden der einzelnen Aeste sind
spitzer als bei Qu. ped. und daher ihre Form der Endform des gan-
zen Blattes und der der Secundärnerven entsprechenden Vorsprünge
angemessen.
D. €. Treviranus, unächte oder unvollkommene Be-
fruchtung. — Verf. beobachtete früher an der japanesischen Quitte
(Cydonia japonica) monströse Früchte ähnlich den reifen Lamberts-
nüssen. Nur der Kelch zeigte sich in seinem angewachsenen und
freiem Theile angeschwollen, die übrigen normalen Faktoren, nämlich
das Kerngehäuse mit seinem Fleische und die Kerne selbst waren
nicht entwickelt. Im letzten Sommer aber hatten sämmtliche Sträu-
cher nur normale Früchte, ganz übereinstimmend mit denen unserer
Aepfel-, Birn- und Quittenstämme, auch darin dass der freie Kelch-
theil vertrocknet und meist abgefallen ist. Indessen zeigen solche
Früchte auf dem nämlichen Stamme darin eine unwesentliche Ver-
schiedenheit, dass an einigen innerhalb der Vertiefung, des sogenann-
ten Auges ein kegelförmiger oben etwas eingedrückter fleischiger
203
Fortsatz bis über den Rand derselben hervortritt, was bei andern
nicht der Fall ist. Es ist dieser Zapfen der herausgetretene, ehe-
dem Nektarabscheidende Discus der Blume und aus einem durch die
Mitte gehenden Längsschnitte ergibt sich am Uebergehen der Peri-
carpialgefässe in denselben, er sei eine Fortsetzung des Pericarps d.
h. der Frucht im engern Sinne, welche hier aus unbekannter Ursache
frei vom Kelchüberzuge, was nicht bei der gewöhnlichen Form, mit
der Spitze hervortriti. Aehnlich sieht man bei mehren Arten von
Crataegus und Mespilus die Spitzen der fünf einsamigen Früchtchen,
welche bei der Quitte in eine fünfjährige Gesammtfrucht vereinigt
sind, als einen Kreis von 5 Hügelchen sich darstellen. Verf. glaubte
früher, dass eine partielle Befruchtung diese Monstrosität veranlasse
und findet diese Ansicht noch weiter bestättigt. Gärtner führt Fälle
solcher unächten Befruchtung an, Gallesio leitet alle Monstrositäten
von derselben her und Decandolle stimmt dem bei. Gärtner lässt
dieselbe ohne männliche Organe nur durch die mütterliche Thätigkeit
vor sich gehen, aber warum ist es von unzähligen Blühten nur bei
wenigen der Fall. Tr. glaubt an eine Theilnahme des Pollens, ohne
dieselbe näher bestimmen zu können. Im Sommer 1860 zeigte sich
an den Pflaumenbäumen ungemein häufig solche Monstrosität der
Früchte, die man Taschen nennt. Nasskalte Witterung während der
Befruchtung war die Ursache und einem ähnlichen Einflusse werden
auch jene Früchte der japanischen Quitte ihre Entstehung verdan-
ken, denn 1859 bei dem häufigsten Vorkommen waren März und April
als die Blühtenzeit sehr kalt und hagelreich. — (Rheinländ. Verhandl,
AIA. 297-301.)
Derselbe, ungewöhnliches Blühen der Agave ameri-
cana L. — Die Agave blüht wo sie im freien Lande gezogen wird,
im südlichen Europa, N-Afrika oft, in Deutschland in Kübeln äusserst
selten. Der Blumenschaft kommt aus der Mitte der Blätter hervor,
wächst in 24 Stunden 3° bis 1‘ und erreicht bis 30° Höhe, oben in
Aeste sich theilend, welche bis 10000 Blühten tragen. Gleichzeitig
werden die Blätter saftleer, schlaff, vertrocknen gänzlich, aber aus
dem kurzen Grundstamme unterhalb der Blätterrose treiben neue Sei-
tentriebe hervor, welche die Pflanze reproduciren. Bei einem Pop-
pelsdorfer Exemplare zeigte sich die zweifache Anomolie, dass der
nur 8° hohe Blumenschaft mit etlichen 100 Blühten nicht aus der Mitte
des Blätterbüschels sondern unter demselben aus dem kleinen Stamme
entsprang und dass die Blätterrose nicht vertrocknete sondern wei-
ter wächst. Zum Blühen der Pflanzen gehören Blätter, welche den
rohen Saft assimiliren. Weiter geht alles Wachsthum der Pflanze
vom Mittelpunkte aus, der Nahrungssaft muss also von den Blättern
zum Stamme zurückkehren und zwar in grösserm Masse bei Blüh-
tenbildung als bei blosser Blattbildung. In Algier, wo die Stadt rings-
um dicht mit Agaven bewachsen war, blühte bis zum J. 1831 keine
einzige, aber als dann die Franzosen dort ihr Lager errichteten und
viele Agaven verstümmelten, blühten im nächsten Sommer schon 1500,
14”
204
‘die nicht beschädigten kamen auch im folgenden Jahre noch nicht zur
Blühte. Ebenso in unsern Gewächshäusern, schwächende Ursachen
können sie auch in diesen zur Blühte bringen. In Breslau blühte
1821 eine etwa 90 Jahre alte, nachdem man sie aus ihrem Kübel auf
dem Unkrauthaufen geworfen hatte. Ihre Blühtenschaft hatte jedoch
nur 12° Hühe und kaum etliche 1000 Blühten. Das Poppelsdorfer
Exemplar, welches im vorigen Sommer blühte, war in einem Raume
mit einseitiger Beleuchtung überwintert, deshalb hatte sich der Blüh-
tenschopf stark nach einer Seite geworfen, wodurch im Frühjahr die
'Entwickelung aufgehalten und der Stamm einen Druck erlitt. So bil-
dete sich ein Seitentrieb, der bei reichlichem Saftzufluss zum Blüh-
tenschaft sich entwickelte. Auch in Paris hat man jährige Seiten-
triebe blühen sehen. — (Zbda 330 — 334.)
E. Regel, blühende Palmen. — Im Syon House bei Lon-
don blühte im J. 1862 im Februar die Cocos nucifera, deren Cultur
in unsern Gewächshäusern man früher für unmöglich hielt. Das
Blühen der Palmen hat aber bei uns keinen Nutzen, vielmehr grossen
Nachtheil. Denn einmal sind die meisten Palmen getrennten Ge-
schlechts und wir bringen beiderlei Blühten nicht zugleich und nicht
-zur rechten Jahreszeit zur Befruchtung. Entschieden nachtheilig aber
ist das Blühen solcher Palmen in unsern Gewächshäusern, bei wel-
chen der erste Blühtenstand sich aus dem Herzen des Baumes auf
dessen Spitze entwickelt. Der Punkt, wo der Palmenstamm sich ver-
dicken kann, d.h. wo er sich bis zu dem Zeitpunkte, bevor die Palme
den Stamm bildet, jährlich durch Wachsthum und Vermehrung der
Zell- und Gefässpartien verdickt, liegt am Grunde. Schiesst der Pal-
menbaum erst in den Stamm, dann verdickt sich derselbe nicht mehr
‚durch jährliche Umkleidung mit neuen Gewebsmassen, sondern das
punctum vegetationis befindet sich nur noch in der Spitze und am
Grunde. Daher kommt es auch, dass der Palmenstamm sich nur bei.
wenigen Arten verästeln kann und dass wenn eine seitliche Veräste-
lung bei den einfach bleibenden Palmenstämmen vorkommt, diese nur
am Grunde ähnlich wie eine Sprosse erscheint. Entwickelt sich nun
_ der erste Blühtenstand auf der Spitze des Palmenstammes aus dessen
Herzen, so schliesst damit auch das Spitzenwachsthum ab, die blü-
hende Palme stirbt allmählig ab. R. beobachtete diesen Vorgang an
meheren Caryotaarten im Petersburger Garten, deren schöne Stämme
nach dem Blühen eingingen. Eine gleiche und noch interessantere
Erscheinung der Art bieten seit einigen Jahren zwei mächtige Exem-
plare der japanischen Zuckerpalme, Arenga saccharifera, welche be- -
kanntlich auch nach Entwicklung des Stammes die abgestorbenen:
Blätter nicht abwirft, sondern es umkleiden die Reste der abgeschnit-
tenen Blätter mit den in Fasern aufgelösten Blattscheiden den Stamm
fast bis zum Grund und geben dem dicken Stamm das Aussehen, als
sei er. mit einer sandigen Wollmasse umhüllt. Vor 5 Jahren ent-
wickelte der eine 30‘ hohe Stamm aus seiner Spitze den ersten Blüh-
tenstand, im folgenden Jahre erschienen Blühtenstände aus den Ach-
205 .
‘ seln der obern grünen Blätter; diese sind jetzt ganz abgestorben,
so dass der Stamm als blattlose Säule dasteht. Nichts destoweniger
entwickeln sich aber jährlich von oben nach unten fortschreitend
aus den Achseln der abgestorbenen Blätter mächtige Blühtenstände
und im letzten October standen an diesem blattlosen Exemplare wie-
der deren in kräftigster Entwicklung. Das andre Exemplar ent-
'wickelte vor 4 Jahren den ersten spitzenständigen Blühtenstand. Auch
hier erlosch damit das Spitzenwachsthum, noch aber hat das mäch-
tige Exemplar einige Blätter grün erhalten. Wie bei ersterem ent-
wickelten sich seitdem von oben nach unten fortschreitend jährlich
kräftige Blühtenstände, erst aus den Achseln der noch lebenden, dann
aus denen der abgestorbenen. Am Grunde scheint sich ausserdem
noch ein Spross zu bilden. Die kleinern Sabalarten mit kriechendem
Rhizom blühen bekanntlich fast jährlich in unsern Gewächshäusern,
ohne dass dadurch eine Rückwirkung auf deren Vegetation geäussert
wird, ebenso die Palmen mit nur achselständigen Blühtenständen, wie
Chamaerops, Chamaedorea u. a. Dagegen trieb ein grosses Exem-
plar einer noch stammlosen Sabal umbraculifera einen spitzenständi-
‚gen Blühtenstand und seitdem kein neues Blatt. — (Gartenflora 1862.
December $. 410.)
R. Caspary, Bastard von Digitalis purpurea L und
lutea L. — In einem Königsberger Garten erschienen 1862 auf ei-
nem Beet drei eigenthümliche Digitalisartige Pflanzen an einer Stelle,
wo früher die Samen von Digitalis purpurea, lutea, ferruginea und la-
nata unter einander gesäet waren. Die langspindelförmige Pfahlwur-
zel der drei Bastarde hatte viel verästelte Nebenwurzeln. Der nur
21/,' höhe Stamm war drehrund, nur zogen sich. unter jedem Blatt
von dessen Basis drei flache stumpfkantige Längsleisten hinab. So-
weit die Laubblätter den Stamm bedeckten war er glatt, bei Eintritt
der Hochblätter bekleidete er sich mit dichten sehr kurzen geknöpf-
ten Haaren. Die untersten dichtesten Blätter waren oblong lanzett-
föormig mit langem geflügelten Stiel, dessen Basis etwas breiter war.
An den höhern Blättern wurde der Stiel schnell kürzer und undeutli-
cher und schon 2° über dem Stammgrunde waren die Laubblätter
sitzend und lanzettförmig mit verschmälerter Basis, welche an beiden
Seiten gerundet abschloss. Allmählig gingen die Laubblätter in die
dreieckig lanzetförmigen Hochblätter über, jene waren sämmtlich ge-
zahnt, von diesen nur die untersten; der Zahnausschnitt stumpfwink-
lig, seltener rechtwinklig bogig, nie spitzwinklig. Laubblätter und
Hochblätter waren spitz, letztere mit kurzen Haaren gewimpert, jene
nur am Grunde mit längern Haaren. Auch die Rippen des 1. und 2.
Grades der Unterseite der Laubblätter trugen lange Haare. Der Blüh-
tenstand bildete bei 2 Exemplaren eine einfache Traube, am dritten
war dieselbe an der Basis zusammengesetzt. Die Spitze des Blühtenstan-
des nickte, die Blühten waren einseitig gerichtet, kurz gestielt, Stiel
und Kelch mit kurzen Kopfhaaren besetzt; die Kelchzipfel lanzetlich,
gewimpert; die Krone über dem etwas bauchigen Grunde verengt,
[4
u: 206
der obere Theil ceylindrisch, undeutlich fünfkantig, gegen den Schlund
kaum bauchig erweitert. Saum der Krone zweilippig; Oberlippe nie-
renförmig mit rechtwinkliger meist bogiger Ausrandung und 2 kur-
zen kaum spitzen eiförmigen Lappen. Unterlippe dreilappig, Krone
glatt, Lappen sehr kurz gewimpert, einzelne Haare im Schlunde. In
ältern Blühten schlägt sich der Rand der Lappen der beiden Lippen
etwas zurück. Die Kronen innen und auf den Lappen des Saumes
lichtgelb, aussen blass karmoisin, die nicht aufgebrochenen Blühten-
knospen grünlichgelb. In den Blühten der Achse ersten Grades keine
Spur von Staubblättern, nur in den Knospen eines einzigen Astes
zwei verkümmerte, das Pistill dagegen in allen Blühten gut ent-
wickelt, der Griffel platt, solang wie die Korolle, die Narbe zweilap-
pig mit halbkugeligen Papillen; Fruchtknoten oblong, dicht mit Kopf-
haaren besetzt, zweifächerig, die Placenien central mit sehr zahlrei-
chen Samenknospen, diese anatrop mit dickem Funiculus, dickem In-
tegument, kurzem Kern und langem Keimsack. In der Form der
Blätter und Blühten steht dieser Bastard D lutea viel näher als pur-
purea. Die sehr schlanke, dünne, kaum bauchige Röhre der Blumen-
krone, die ansehnliche Länge, die kurze Bewimperung der Kronen-
lappen trennen sie von D. lutea. In den Achseln der untersten Blät-
ter fanden sich einige Knospen, welche vielleicht die Pflanze im zwei-
ten Jahre erhalten. Beide Mutterpflanzen sind zwei- seltener drei-
jährig. Kölreuters D. purpurea-lutea war perennirend. Dieser zog
die Bastarde künstlich und Gärtner wiederholte diese Experimente,
Bastarde wurden auch oft schon im wilden Zustande gefunden. Sie
ordnen sich in zwei Gruppen, I. Digitalis purpurealutea: Corolla deut-
lieh bauchig, oft glockig bauchig, im Schlunde karmoisin gefleckt, sel-
ten ungefleckt. Hierher ausser Kölreuters künstlichen Bastarden:
D. purpurascens Roth, D. intermedia Lapeyr, D. lindleyana Tausch,
D. purpureolutea Hensl, D. lutea ö fucata Hook. II. Digitalis sub-
purpurea-lutea: Corolla lang, dünn, kaum bauchig, im Schlunde un-
gefleckt: D. hybrida Salv, D. lutea y hybrida Lindl, vielleicht auch
D. lutescens Lindl, D. tubiflora Lindl. — (Königsb. öconom. physie.
Gesellschaft III. 139—146. Tf. 7.)
E. de Berg, Additamenta ad Thesaurum Literaturae
botanicae altera. (Petropoli 1862. — Lipsiae E. A. Zuchold.) —
Nachdem schon Zuchold einen erheblichen Beitrag zu Pritzels gros-
sem Thesaurus im Jahresbericht des Naturwissenschaftlichen Vereines
zu Halle und darauf Verf. der vorliegenden Additamente einen zwei-
ten Nachtrag in dieser Zeitschrift brachte, erhalten wir hier einen
dritten Nachtrag, welcher 90 botanische Titel aufführt, sämmtlich vom
Verf. mit bibliographischer Genauigkeit von den Büchern selbst auf-
genommen. Es sind abermals einige darunter, von welchen man nicht
recht begreift, wie dieselben dem Verf. des Thesaurus entgehen konn-
ten. Mit diesen Nachträgen vervollständigt sich der Thesaurus mehr
und mehr und die Botaniker werden endlich eine vollständige Biblio-
graphie ihrer Literatur erhalten.
“00
Zoologie. Bucholz, Anatomie des Enchytraeus und
die bei Königsberg vorkommenden Arten. — Nach kurzer
Darlegung der Geschichte dieser Gattung zählt B. zunächst mit Di-
agnosen die Königsberger Arten auf, nämlich E appendiculatus n. sp.,
E, vermicularis Hoffm (albidus Henle), ventrieulosus Udk, galba Hoffm.
Die äusserste Hauptschicht ist wie gewöhnlich eine glashelle Cuticula
sehr resistent gegen Reagentien also chitinisch, darunter eine undeut-
lieh zellige Epidermis. Die in letztrer befindlichen Tastkörperchen
sind länglichviereckig und am Rande unregelmässig gezackt, zahlreich
in der Oberlippe, am übrigen Körper regelmässig vertheilt, in ihrem
Innern mit blassen Pünktchen, wahrscheinlich dem Tastsinn dienend.
Die Cutis bildet eine muskulöse Schicht, aus äussern Ring- und in-
nern Längsfasern bestehend. Darunter noch ein überaus zartes zier-
liches Netzwerk ramificirter Zellen blass und zart punktirt, sehr schwer
zur Anschauung zu bringen, vielleicht eine gangliöse Nervenausbrei-
tung für die Haut. Der Mund ist eine unterseits gelegene quere
Spalte und führt durch eine trichterförmige Vertiefung in den Pha-
rynx, der selbst sehr kurz, eng, zarthäutig, völlig cylindrisch ist und
in einen weitern Schlundkopf übergeht. Derselbe im 2, und 3. Seg-
ment gelegen erscheint als halbkugelige Ausstülpung des Oesopha-
gus mit sehr muskulöser Wandung und durch Muskelfasern mit der
Cutis verbunden, welche ihn hin- und herziehen. Ein enger Abschnitt
des Darmrohres führt von ihm ins 7. Leibessegment zum eigentlichen
Darm und zeigt innere Flimmern, die bis zum After fortsetzen. Zwei
paarige geknäuelte Drüsen liegen am Oesophagus, mit geschlängel-
tem Ausführungsgange. Die Arten weichen am Ende des Oesophagus
von einander ab. Den ganzen Darm bekleidet aussen eine drüsige
Zellschicht, einfache Schicht polygonal abgeplatteter Zellen, meist
bräunlich durch granulösen Inhalt, leichtt vom Darm ablösbar und
isolirt kugelig, gewiss nicht Leberzellen, sondern zur Aufnahme von
Stoffen aus dem Darme bestimmt wie auch bei andern Lumbricinen.
Den Raum zwischen Darm und Leibeswand füllt bei allen Anneliden
eine Flüssigkeit mit zelligen Elementen, hier sehr zahlreich vorhan-
den und nicht wie gewöhnlich kugelrund, sondern stark abgeplattet,
oval, bald mit fein granulirtem Inhalt bald noch mit groben glänzen-
den Körnchen, ausserdem noch andere zahlreiche Körperchen mit voll-
kommen homogenen Inhalt. Vom Hirnganglion geht ein starker Ner-
venstamm in die Oberlippe mit pinselartiger Auflösung. Die Genital-
drüsen liegen zu vier Paaren am Oesophagus, von Henle als Spei-
cheldrüsen gedeutet, von Udekem als glandes capsulogenes. Sie um-
geben den Oesophagus fast in seiner ganzen Länge, bilden einen un-
regelmässigen Ballen, aber sind doch sämmtlich isolirt. Im August
bildet sich noch ein besonderes Organ mit langem dickrandigen Aus-
führungsgange vorn nach aussen mündend und mit einem kugeligen
hoblen Abschnitt am zweiten Drüsenkörper, dieser geht in einen dünn«-
wandigen Abschnitt mit geräumiger Höhle über und endet in der Ge-
gend der fünften Borstenreihe blindsackartig. Ein Inhalt wurde nie-
BOB:
mals beobachtet. Die nicht in unmittelbarer Verbindung damit ste-
henden Geschlechtsdrüsen werden von sehr blass granulirten Zellen
gebildet, welche von ihnen Hoden, welche Ovarien sind lässt sich
nicht ermitteln. Während der Geschlechtsreife findet man das Gür-
telsegment mit seinen Nachbarn ganz erfüllt von Eier- und Samen-
fäden regellos neben einander, beide vollkommen frei in der Leibes-
-höhle, die Eier in allen Entwicklungsstadien, die völlig entwickelten
hinterwärts gelegen, auch die Spermatozoen verschieden entwickelt.
In der Mitte des Gürtelsegmentes zeigten sich auf der Bauchseite
paarig zu beiden Seiten des Nervenstammes zwei hohle lange Pa-
pillen, am Grunde einer jeden eine taschenförmige Einstülpung der
Cutis, Begattungstasche, in welche die hohle Papille als Penis zu-
rückgezogen werden kann und in ihrem Grunde eine Oeffnung, die
Mündung des Vas deferens. Dieses bildet einen sehr langen vielfach
gewundenen Kanal und geht am innern Ende in ein eigenthümliches
Organ über aus langen Cylinderzellen mit granulirtem Inhalt beste-
hend, frei in der Leibeshöhle schwebend und hier die Spermatozoen
aufnehmend. Der Gürtel gehört ganz der Epidermis an und besteht
nur aus einer stärkern Entwicklung ihrer zelligen Elemente. Aus-
führungsöffnungen für die reifen Eier vermochte B. nicht aufzufinden,
die Genitalpapille dient gewiss nicht dazu, wahrscheinlich bildet sich
dazu eine vorübergehende Oeffnung. — (Königsberger physical. öco-
nomische Gesellsch. III. 93—131. Tf. 4—6.)
Schoedler, die Lynceiden und Polyphemiden umBer-
lin. — Eine sehr verdienstliche Abhandlung, welche sich die betref-
fenden Lehrer an Realschulen und Gymnasien zum Muster nehmen
sollten. Selbige ziert den Jahresbericht der Dorotheenstädtischen Re-
alschule in Berlin — und zum Belege, dass sie sich durch Monogra-
phien ihrer Localfanna, zu deren Bearbeitung die literarischen Hülfs-
mittel meist ohne erhebliche Opfer herbeizuschaffen sind, um die Er-
weiterung der Wissenschaft verdient machen können. Die Klagen
über Mangel an Zeit und die nöthigen Hülfsmittel sind ganz unge-
rechtfertigt, Lust und Liebe zur eigenen Thätigkeit überwindet die
Schwierigkeiten. Verf. charakterisirt die beiden Familien und deren
bei Berlin auftretende Gattungen und zählt dann die einzelnen Arten
mit der Synonymie, beschreibenden und kritischen Bemerkungen auf.
Es sind Eurycercus lamellatus Müll, laticaudatus Fisch, acanthocercoi-
des Fisch, Chydorus sphaericus Müll, globosus Baird, nitidus n. sp.,
caelatus n. sp., latifrons Dana, tenuirostris Fisch, Alona spinifera
Schödl, affinis Leyd, lineata Fisch, sulcata Schödl, camptocercoides
(Camptocercus alonoides Schödl), reticulata Baird, esocirostris Schödl.,
Acroperus leucocephalus Leyd, Camptocercus macrurus Müll, C. Lil-
jeborgi n. sp., rectirostris n. sp., biserratus n. sp., Peracantha trun-
cata Baird, brevirostris n. sp., Pleuroxus trigonellus Müll, aduncus
Jur, striatus Schödl, ornatus Schödl, excisus Fisch. transversus n. sp.,
glaber n. sp., Lynceus rostratus Koch, Polyphemus pediculus L.
C. Cornelius, ein Libellenzug bei Elberfeld. — C. er-
E
”:..200:
fuhr aus der Elberfelder Zeitung vom 21. Mai 1862, dass einige Tage
zuvor bei Mettmann ein grosser Heuschreckenzug vorbeigekommen,
und Tags darauf ein anderer von Erkrath. Die gefürchtete Wander-
heuschrecke konnte es nicht sein, da diese nur sehr sporadisch bei
Elberfeld auftritt und überdiess im Mai noch nicht wanderfähig ist,
sondern erst im Sommer. Er eilte nach Erkrath, erfuhr dort aber
nichts, dann nach Mettmann, wo ein ackernder Bauersmann den Schwarm
der Augenstösser (Libellen) gesehen haben wollte. Ein Mann hatte
zwei Exemplare aus dem’ungeheuren Schwarme gefangen und aufbe-
wahrt und €. erkannte in denselben die Libellula quadrimaculata.
Nach des Besitzers Aussagen erschien am 19. Mai Mittags 10 Minu-
ten vor 12 Uhr der Zug und dauerte etwa 50 Minuten. Der Vortrab
war schwächer als das Gros und der Nachtrab ebenfalls. In seiner
Hauptstärke mochte der Zug 200 Schritt breit sein und war so dicht
gedrängt, dass wäre er nicht so niedrig (4—5’) geflogen, wohl die
Sonne verfinstert worden wäre. Die Stadt mied er und seine Rich-
tung ging von SO nach NW, dem Winde entgegen. Es war heitrer
Sonnenschein und warm, die Luft etwas unruhig. Ermüdete und Nach-
züglerruhten an Stangen und Zweigen aus, waren aber wie das ganze
Heer sehr flüchtig und scheu. Der Zug machte ein Geräusch wie
wenn Wasser siedet oder wie das Gesumse der Hummeln. Leute,
die an Heuschrecken dachten und für ihre Rapsfelder fürchteten, such-
ten die Thiere durch Lärmen und Geschrei zu verscheuchen. Der
dumme prophetische Aberglaube brachte den Zug sogleich mit dem
ärohenden Hessenkriege in Verbindung, die alte Verblendung noch
in unserm gebildeten Jahrhundert! In Lay, Bollenhof, Schöller, Hah-
nenfurth, Dornap bis zur Tesche bei Vohwinkel war der Zug bemerkt
worden. Von der Tesche aber verlor sich seine Spur, nur eine Zei-
tungsnachricht meldete ihn noch von Kronenberg und Solingen, von
wo C. auch Exemplare erhielt. Auffallend war, dass der Zug östlich
von Kronenberg von Remscheid herübergekommen sei, denn der So-
linger Zug eine Meile westlich liess sich damit nicht in Verbindung
bringen. Ueber Hochdahl, eine Stunde SW von Mettmann war ein
starker Zug von NO gekommen, hatte die Düsseldorf-Elberfelderei-
senbahn geschnitten und war nach Unterbach bei Erkrath gelangt,
liess sich in gleicher Richtung bis nach Hahn verfolgen. Von da an
wieder widersprechende Nachrichten. Es haben also zwei Züge statt
gefunden. Nahrungsmangel scheint nicht die Ursache gewesen zu
sein und ganz bestimmt konnten die Züge nicht aus einem oder meh-
ren nah beisammen liegenden Teichen ihre Contingent bezogen haben.
C, berechnet die mögliche Anzahl auf 216 Stück in einem Kubikfuss
und den ganzen Zug auf 60 Millionen Kubikfuss Raum, aber als wahr-
scheinlich nur 40 Stück auf einen Kubikfuss, was 2400 Millionen
Thiere für den Zug gibt, die unmöglich ein kleines Gebiet geliefert
haben kann. Der Zug vermehrt sich vielmehr durch fortwährende
Zuzüge aus der Nachbarschaft des ganzen Weges, den er nimmt und
wächst dadurch an, spaltet sich wieder und verschwindet durch Auf-
210.
lösung. Uebrigens sind der Geheimnisse noch viele in dieser Er-
scheinung. Hagen beschrieb einen viel grössern Libellenzug von Kö-
nigsberg im J. 1852 und der Holländer van Bemmelen hat von 1673
bis jetzt 40 derselben aufgezeichnet. — (ZRheinländische Verhandl.
AIX. 321—329.)
Fr. Steindachner, ichthyologische Mittheilungen. —
1. Kritische Bemerkungen über Th. Gills Monograph of the Genus
Labrax. Verf. beabsichtigte eine Monographie dieser Gattung in ih-
ren amerikanischen Arten zu veröffentlichen, unterlässt dieselbe aber,
da Gill ihm zuvorgekommen und beschränkt sich nunmehr auf eine
kurze Darlegung seiner abweichenden Ansichten. Er bezweifelt zu-
nächst, dass Geoffroys Perca elongata = Labrax elongatus CV eine
von Labrax lupus verschiedene Art sei. Die Abbildung in der Deser.
del’ Egypte ist unbrauchbar zur Bestimmung und am allerwenigsten
darf mon darauf ein eigenes Genus Dicentrachus gründen. Die Wie-
ner Sammlung besitzt ein Exemplar, von welchem Verf. eine getreuere
Abbildung bringt und nur L. lupus darin erkennt. Sämmtliche ame-
rikanische Labrax unterscheiden sich von den europäischen durch den
fein gesägten untern Vorderdeckelrand und deshalb kann man sie mit
Rafinesque in eine Gattung Lepibema vereinigen. Gill vertheilt sie
in 2 Genera: Roccus (von Rock Fisch!) Mitch. Gill mit Zähnen auf
der Mitte der Zunge und Morone Mitch. Gill mit Zähnen nur an
den Rändern der Zunge, die andern Eigenthümlichkeiten erweisen
sich als nicht stichhaltig, wie speciell nachgewiesen wird und St. will
daher die Gattung Lepibema statt dieser beiden aufrecht erhalten,
Er zählt zu ihr: Labrax lineatus CV, L. multilineatus CV = Perca
chrysops Raf, L. osculatii Fil), L. mucronatus CV (= Perca ameri-
cana Bloch, L. americanus Hollbr) und endlich L. chrysops Gir (=
Morone interrupta Gill, L. multilineatus Kirtl). Die Synonymie die-
ser 4 Arten hat Gill vollständig zusammengestellt; die Wiener Samm-
lung besitzt Exemplare aller. -— 2. Dreifacher Verlauf der Seiten-
linie auf der Schwanzflosse einiger Percoideen. Bekanntlich läuft bei
vielen dieser Fische die Seitenlinie über die Höhenmitte der Schwanz-
flosse bald bis an den hintern Rand derselben, bald vor demselben
endigend, aber bei einigen Arten findet sich noch ein zweiter und
dritter Ast der Seitenlinie, welcher mit dem von der Suprascapula
kommenden Hauptstamme in keinem sichtlichen äussern Zusammen-
hange steht. Die Entfernung beider Seitenäste vom Hauptstamme
variirt nach den Geschlechtern. Verf. fand diese Seitenäste bei sämmt-
lichen Labrax, Lepibema, Lates und Lucioperca. Bei Lates nobilis
und nilotieus läuft der obere Ast zwischen dem 3. und 4. Strahl ober-
halb des Hauptastes, der untere zweite zwischen dem 3. und 4, un-
terhalb desselben. Ebenso ist es bei Labrax lupus und bei allen Le-
pibema. Bei Lucioperca dagegen liegt der obere und untere Seiten-
ast in gleicher Entfernung vom Hauptstamm, nämlich zwischen dem
4. und 5 Flossenstrahl. — (Wiener Zool. Botan. Verhandl. 1862. S.
497-505. Tf. 14.)
211
> L.H. Jeitteles, die Süsswasserarten der Gattung
Cottus. — Nach Darlegung der speciellen Untersuchungen gibt Verf.
folgende Uebersicht der Arten: I. Vier weiche Strahlen in den Bauch-
flossen. A. Der After der Schnauzenspitze näher als dem Schwanz-
flossenende. a. Bauchflosse kurz und ungebändert. .«. Afterflosse ent-
springt vor dem 4. Strahl der 2. Rückenflosse: 1. Cottus gobio L
(= C. microstomus Heck, ferrugineus Heck, affinis Heck, Wilsonii
Gir, meridionalis Gir, Alvordii Gir) — B. Afterflosse entspringt hin-
ter dem 5. Strahl der zweiten Rückenflosse: 2. C, cognatus Richds.
(— C. Bairdi Gir) — b. Bauchflossen lang bis zum After reichend
und gebändert: C. poecilopus Heck. — B. After genau in der Mitte
der ganzen Länge: 4. C. Richardsoni Ag. — II. Mit nur 3 weichen
Strahlen in den Bauchflossen. A. Rückenflossen 7—9/16—17, Brust-
flossen 12—14, Afterflosse 11—12. a. Die Spitze der Brustflosse er-
reicht den 4. oder 5. Strahl der 2. Rückenflosse. 5. C. gracilis Heck.
(= C. boleoides Gir) — b. Spitze der Brustflosse nur bis Anfang
der 2. Rückenflosse höchstens bis vor den 3. Strahl derselben. 6. C.
viscosus Hald (= C. gobioides Gir, C. formosus Gir, C. Franklini Ag).
— B. Rückenflosse 10/;, Brustflosse 19, Afterflosse 18. — 7. C. Fa-
brieii Gir. — C. gobio Riss scheint einem andern Genus anzugehö-
ren, ©. minutus gehört vielleicht zu den Acanthocotten. — (Archiv
per la Zoolog. I. 158—177.)
Fr. Steindachner, zwei neue Batrachier in der Wie-
ner Sammlung. — Dieselben gehören zur Hylagattung Osteoce-
phalus und sind OÖ. taurinus: Körperoberfläche, Kehle und Brust
glatt, lichtbraun mit wenigen dunkelbraunen kleinen Flecken; Seiten
des Bauches dicht braun gefleckt, Knochenkamm an der Oberseite
des Kopfes paarig, schwach verkehrt 5förmig gekrümmt. O. flavoli-
neatus: Körperoberfläche granulirt, Oberleib grünlich olivenfarben mit
schwärzlichen Flecken, hellgelber Längsstreif von der Nasenspitze
bis ans Steissende. Beide von Natterer in Brasilien gesammelt. —
(Arch. per la Zoolog. II. 77—82. tb. 6.)
C. Struck, Amphibien bei Dargun in Meklenburg. —
Emys europaea wurde noch nicht gefunden, doch will Verf, ihre
Stimme wiederholt gehört haben und nimmt ihre Existenz am Cum-
merower See als gewiss an, um so mehr da sie im ganzen östlichen
Meklenburg eben nicht selten ist und auch bei Wismar noch gefan-
gen worden ist. Lacerta agilis sehr gemein. Anguis fragilis über-
all in Buchenwäldern; Verf. fand Weibchen mit 30 und selbst 40 Ei-
ern und meint, sie lege im Frühlinge und zum zweiten Male um Jo-
hannis ihre Eier in Sand, ‘unter Steine. [Aus welchen Lehrbüchern
mag denn Verf. die ganz neue Beobachtung des Eierlegens entlehnt
haben? —]. Tropidonotus natrix häufig, bei Ankershagen in Feder-
viehställen, dem Backhause, auf dem Dung und im herrschaftlichen
Garten. Die Volksmähr, dass die Natter mit Enten sich paare, er-
klärt Verf. aus der Neigung der Natter sich auf dem Rücken der En-
ten tragen zu lassen. Er sah dies jedoch nur ein einziges Mal und
212
schliesst nun weiter aus dem Lieblingsaufenthalte der Nattern in Fe-
derviehställen. Tropidonotus laevis wnrde noch nicht beobachtet.
Vipera berus in Tannenschonungen nicht häufig. Bufo cinereus sehr
gemein. Bufo Roeseli hin und wieder’ in alten Torfstichen. Bufo ca-
lamita sparsam auf nassen Wiesen Mitte Juni. Bufo variabilis häu-
fig. Pelobates fuscus vielleicht. Bombinator igneus in allen Tei-
chen und Sümpfen. Rana temporaria und esculenta sehr gemein [auf
die Steenstrupschen Unterschiede achtete Verf. nicht]. Hyla arborea
überall, ganz besonders häufig in einem Sumpfe am Kantnersee. Sa-
lamandra atra noch nicht beobachtet. Triton cristatus von Arbeitern
gefunden. Triton taeniatus sehr gemein. Triton igneus sehr selten.
— (Meklenburger Archiv AVI. 172—177.) i
E. Boll, Rennthiergeweihe in Meklenburg. — Bereits
an den verschiedensten Orten in Meklenburg, nämlich bei Badresch
10° tief im Moder, bei Lützow, Gädebehn, Gerdshagen 24° tief im Mo-
der, Hinrichshagen, Karlow, Kölpin, Lapilz, Luttersdorf und Miltzow
u. a. Ö. wurden im Torf oder Moder Rennthiergeweihe gefunden, also
in Bildungen der gegenwärtigen geologischen Periode, welche somit
die Existenz dieses Thieres in unserm gemässigten Klima ausser Zwei-
fel setzen. Ebenso fand man dieselben in Pommern bei Janschendorf
und Cummerow, in Livland bei Alt-Kaiper, in Kurland im Wihdel
See. Unsere Zoologischen Gärten beweisen auch, dass das Rennthier
sich ganz gut an die Sommertemperatur Deutschlands wieder gewöhnt,
— (Heklenburger Archiv XVI. 172.)
Theobald, über einige Mäusearten. — Talpa caeca wurde
in einem Exemplar im Garten bei Chur gefangen, das erste nördlich
der Alpen beobachtete. Auch zwischen Maienfeld und Fläsch, also
wahrscheinlich im ganzen Rheinthal heimisch neben der gemeinen
Art. Aeusserlich gleichen sich beide Arten ganz, aber der Blinde
hat völlig von Haut überkleidete Augen und die zwei mittlen obern
Schneidezähne breiter. — Sorex alpinus kömmt am Pizokelberg bei
Chur vor. Sorex pygmaeus soll in der Gegend von Lavin vorkom-
men. Hypudaeus nivalis in ganz Bünden über der Waldregion bis
auf Gletscherinseln und Spitzen in 11000‘ Höhe soweit noch einige
Vegetation reicht. Sie gräbt unter dem Schnee ihre labyrintbischen
Gänge, welche beim Schmelzen desselben offen daliegen und hält in
einem runden Nest aus gekauten Gräsern und Wurzeln Winterschlaf.
Die Nester für die Jungen werden später unter der Erde und Stein-
haufen angelegt. Man sieht diese Schneemäuse oft, aber sie sind zu
scheu und flink um sich fangen zu lassen. Im Winter beziehen sie
oft die Sennhütten, scheinen überhaupt der Nahrung wegen oft ihren
Wohnplatz zu ändern. So sind sie auf dem Gipfel des Piz Languard
sehr häufig geworden, seitdem derselbe besucht wird und dort viel
Reste von Mundvorrath zurückgelassen werden. Ihre erste Entde-
ckung machte Hugi mitten im Winter in einer hochgelegenen Alpen-
hütte. Noch früher am Ende des vorigen Jahrhunderts sah sie Pater
Placidus a Spescha bei der Ersteigung des Badus. Doch bedürfen
die hochalpinen Arten noch sehr der weitern Beobachtung ihres Vor-
kommens. — (Graubündener Jahresbericht VII. 99—102.) Gl.
Correspondenzblatt
des
Naturwissenschaftlichen Vereines
für die
Provinz Sachsen und Thüringen
Halle.
1863. Februar. Ne 1.
Sitzung am 4 Februar.
Eingegangene Schriften:
1. Isis, der Mensch und die Welt, Bd. 1. Hamburg 1863. 8°.
2. Suckow, Dr. G., zur Naturwissenschaft. Berlin 1863. 80. die
censions- ee)
3. Möhl, Dr. Heinr., morphologische Untersuchungen über die Eiche.
Cassel 1862. 4%. (Recensions-Exemplar')
4. Sitzungsberichte der k. k. Akademie der Wissenschaften zu Wien.
- Bd. XIV, Heft 2. 3.4. 5. Bd. XI, VI. Heft, 2. a. 2. Wien
1862. 8°.
5. Bulletin d. 1. Societ& des Sciences naturelles de Neuchatel VI. 1.
* Neuchatel 1862. 8°.
Zur Aufnahme angemeldet wird
Hr. Klemm, stud. math. hier
durch die Herren: Giebel, Taschenberg und Siewert.
Hr. Weitzel erläutert die früher von Hrn. Hahnemann be-
sprochenen Spectralanalysen von Bunsen und Kirchhoff durch Ex-
perimente mit einfachen Apparaten.
Hr. Giebel berichtet Leydig’s neueste Untersuchungen über
die früher als Blutgefässe angesprochenen Muskelstränge bei Ben
Schmetterlingen.
Ueber einen zur Sprache gebrachten Zeitungsbericht, dass man
in England im rothen Sandsteine ein Krokodilskelet gefunden habe,
verbreitet sich Hr. Giebel.
Sitzung am 11. Februar.
Eingegangene Schriften:
1. Wochenschrift des Vereins zur Förderung des Gartenbaues Nr.
1—5. Breslau 1863. 49,
2, Jahrbücher der geolog. Reichsanstalt XII. Wien 1861. gr 8°.
214
Als neues Mitglied wird proclamirt
Hr. Stud. Klemm hier,
Zur Aufnahme angemeldet:
Hr. Albert Wilh. Richter stud. math. u. phys. hier
durch die Herren Giebel, Taschenberg, Weitzel.
Hr. Drenckmann spricht über das Petroleum. Dasselbe war
bereits im Alterthume bekannt, wo Herodes desselben gedenkt, und
findet sich in Persien, China, am todten Meere, in verschiedenen Ge-
genden Europas, (Ungarn, Galizien, Schweden, England, Pyrmont).
In Pennsylvanien bei Pittsburg entdeckte man 1845 eine Quelle, ohne
sie weiter zu verwerthen. Erst vom Auffinden einer Quelle in Con-
necticut (Neuhafen) im Jahre 1857 datirt der technische Gebrauch
des Steinöls, namentlich seine Verwerthung als Brennmaterial und
die Anlage einer grossen Menge von Quellen in den verschiedensten
Staaten Nordamerikas. Unter derselben gab es welche, die täglich
261000 ja sogar 600000 Quart Petroleum lieferten. Auf einem Flä-
chenraum von 364600 Quadratmeilen kommen in jenen Gegenden 66200
Quadratmeilen bituminöse Kohlenlager vor, woraus sich der grosse
Reichthum an Steinöl leicht ergiebt.
Die chemischen Analysen, zum Theil mit grosser Oberfläch-
lichkeit angestellt, haben verschiedene Resultate ergeben und man
kann hiernach jene Oele in 2 Gruppen eintbeilen: in solche mit hö-
herem Siedepunkte und geringerem Gehalte an Benzol und Paraffin
und in solche mit niedrigerem Siedepunkte, aber srösserm Gehalt an
Paraffin und Benzol. Der Vortragende verbreitet sich weiter über
die Methode, welche man bei der Anlage der Quellen und bei der
Reinigung des Oeles anzuwenden pflegt und schliesst mit einigen sta-
tistischen Angaben über Verbrauch und Transport auf Eisenbahnen.
Das gereinigte Petroleum kostet bei uns 4mal so viel als an Ort und
Stelle, wo man das Quart mit 2 Sgr. bezahlt.
Hr. Siewert nimmt hierauf Veranlassung, vorläufige Mitthei-
lungen über seine noch nicht beendigten Untersuchungen mit Solaröl
zn machen. Als Produkt der Nitrirung ergab sich ein paraffinähnli-
cher Körper, der je nach dem höhern oder geringeren Siedepunkte
des genannten Oeles wieder kleine Verschiedenheiten zeigte. Der-
selbe macht ferner darauf aufmerksam, dass nach neuern Untersu-
chungen verzinnte Gefässe in der Wirthschaft mit Vorsicht zu brau-
chen seien, weil wegen des vielfach durch Blei verunreinigten Zinnes
Bleivergiftungen möglich wären.
Hr. Giebel legt eine Wurmröhre aus der so überaus reichen
Latdorfer Braunkohle vor, die er früher, nach zu unbedeutenden Bruch-
stücken, als Serpula anhaltina beschrieben hat. Das über einen Fuss
lange vorliegende Exemplar, zu welchem der Einsender, Herr Schwar-
zenaucr das fehlende, sehr zerbrechliche Kopf- und Schwanzende in
Zeichnungen beigefügt hat, lässt keinen Zweifel übrig, dass die Röhre
das Gehäuse einer Schnecke von den Gattungen Siliquaria und Ver-
215
metus sei; ein bedeutend kleineres Exemplar einer noch lebenden Art
ward zur Vergleichung herumgereicht.
Derselbe theilt als für die Umwandlung thierischen Naturells
durch die Zähmung einen interessanten Fall mit, der sich in Harz-
. gerode zugetragen. Ein jung aufgezogenes wildes Schwein lief sei-
nem Herrn nicht nur wie ein Hund auf Schritt und Tritt überall hin
nach, sondern wusste sich auch bei einer Gelegenheit, wo es nicht
mitgenommen werden sollte aus seinem Gefängniss zu befreien und
legte, allein durch den Geruch geleitet, einen ihm ganz unbekannten
Weg von 2/, Stunde zurück, um seinen Herrn zu erlangen.
Sitzung am 18. Februar.
Eingegangene Schriften:
1. Der zoologische Garten IV. Jahrg. Nr. 2. Frankfurt a./M. 1836. 8°.
2. Verhandlungen des naturhistorischen Vereines für Anhalt in Des-
sau 21. Bericht. Dessau 1862. 8°.
3. Würzburger naturwissenschaftl. Zeitung III. 2. Würzburg 1862. 80.
Als neues Mitglied wird proclamirt:
Hr. Richter stud. math. et phys. hier.
Das Januarheft der Zeitschrift liegt zur Vertheilung vor.
Hr. Zinken giebt eine geognostische Darstellung der Braun-
kohlengruben von Latdorf und Neugattersleben.
Hr. Giebel spricht über die Anatomie und den Generationswech-
sel der Medusen oder Hutquallen unter Vorlegung schöner Exemplare.
Schliesslich berichtet Hr. Weitzel F. Zöllners Beobachtungen,
dass scheinbare Verschiebungen von Figuren bemerkbar werden, nicht
nur wenn beide Schirme, deren unterer die Figur, ideren oberer ei-
nen geraden Spalt trägt, gegen einander bewegt werden, sondern
dass diese Erscheinung auch bei ruhendem oberen und bewegten un-
terem Schirme eintritt. Hr. W. fügt zu dem geraden Spalte noch
den kreisförmigen und stellt dahin einschlagende Versuche an.
Sitzung am 25. Februar.
Eingegangene Schriften:
1. Schriften der königl. physikalisch-ökonomischen Gesellschaft in
Königsberg III. Jahrg. 2. Abthl. Königsberg 1863. 4°.
Nachrichten von der Georg-Augusts- Universität und der königl.
Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen vom Jahre 1862 Nr,
1—27. Göttingen 1862. 8°.
3. Stettiner Entomologische Zeitung XXIII: Jahrg. Stettin 1862, 80
mit einer Beilage Nr. 1—3 des 24. Jahrganges.
4. Notizblatt des Vereines für Erdkunde III. Jahrg. 1. Heft Nr. 9-—-12.
Darmstadt 1862. 8°,
5. Verhandlungen und Mittheilungen des siebenbürgischen Vereines
für Naturwissensch. XIII. Jahrg. Nr. 1—4. Hermannstadt 1862. 8°,
Hr. Giebel legt mehrere neue Spinnen aus Siam vor, der Gat-
tung Gasteracantha angehörig, und charakterisirt dieselben näher.
w
z r A +
216
Hr. Weitzel berichtet die neuesten Entdeckungen von Lar-
roux, wonach beim Durchgange des weissen Sonnenlichtes durch ein
mit Joddampf erfülltes hohles Prisma, rothe Strahlen: stärker gebro-
chen werden als blaue und violette. Hierauf theilt Derselbe die
Construction einer neuen, von Krahvogl in Innsbruck erfundenen
Luftpumpe mit und verheisst derselben eine Zukunft.
Hr. Siewert verbreitet sich ausführlicher über den Einfluss
des Eisens, Jods und Quecksilbers auf den thierischen Organismus
und erläutert seinen Vortrag durch Experimente.
Bekanntlich kommt Eisen im menschlichen Körper vor und färbt
die Blutkügelchen roth; im normalen Zustande beträgt sein Gehalt .
auf 1000 Theile Flüssigkeit bei Männern 0,565, beim weiblichen Ge-
schlecht 0,541. Zu wenig Eisen im Organismus veranlasst Bleisucht,
zu viel bringt Verdauungsbeschwerden hervor; ob im erstern Falle
die Befähigung zur Aufnahme des Eisens überhaupt fehle, oder nur
zur rechten Verwerthung des bereits aufgenommenen, weiss man
nicht; eben so wenig lässt sich mit Bestimmtheit ermitteln, ob es als
Eisenoxydulsalz oder Eisenoxydsalz im Organismus vorkommt, wahr-
scheinlich ist aber sein’ Vorhandensein im letzteren Zustande. Das
Jod, ein Produkt von Fucusarten, mit der Eigenschaft Stärkelösung
blau zu färben, wurde anfänglich in seinem metallischen Zustande ge-
gen Skrophelkrankheiten gegeben, dann wieder verworfen, bis man
seine Anwendung in alkalischen Lösungen als wirksam erkannte. Im
Harn erscheint es sehr schnell, in der Milch sehr spät und lässt sich
in ihr nur durch Untersuchung des Käsestoffes nachweisen. Das
Quecksilber, bekanntlich ein starkes Gift, kann nur in nicht löslichen
Quecksilbersalzen einzeln als Kalomel innerlich und Quecksilbersalbe
äusserlich angewandt werden, es geht in Blut und Milch über.
Anzeige
..... „Die verehrlichen- Mitglieder, welche Bücher aus der: Vereins-
bibliothek entliehen haben, sind gebeten dieselben behufs einer Re-
vision recht bald abzugeben.
} Neu eintretenden Mitgliedern stehen die frühern Jahrgänge der
Zeitschrift a einen ‚Thaler zu Gebote und sehen wir, da der Vorrath
nur ein geringer ist baldigen Aufträgen entgegen. Auch von den
frühern Jahresberichten II—V sind noch wenige Exemplare & zwei
Thaler (statt 91/; Thaler Ladenpreis) vorhanden.
Der Vorstand.
Druck von W. Plöts in Halio.
. Zeitschrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
a
1863. März und April. NE I IV.
Verzeichniss
der im Museum von Santiago befindlichen
Chilenischen ÖOrthopteren
von
Dr. R. A. Philippi.
ForrıcuLA L.
Sämmtliche Chilenische Arten sind ungeflügelt, und es
fehlen ihnen auch mit Ausnahme einer Art die Flügel-
decken gänzlich.
1. Forficula lativentris Ph.
F. omnino aptera, castanea; antennis saltem 19-articulatis protho-
race subquadrato, marginibus lateralibus testaceo; abdomine in 2
versus apicem valde dilatato, apice truncato; forcipibus distantibus,
masnis, in @ curvatis, inermibus cylindrieis. Longit. cum foreip.
5Y2 — 6 lin.
In prov. Valdivia satis frequens videtur.
Das ganze Thier ist fein runzelig punktirt, oben kahl,
auf dem Untergesicht und der untern Seite des Körpers mit
abstehenden Härchen bekleidete Der Kopf ist glatt, mit
ein paar Grübchen auf der Stirn, bei den Q mit einem gelb-
lichen Fleck am innern Rande des Auges, und einer gel-
ben Querbinde auf dem clypeus. Das erste Fühlerglied ist
keulenförmig, das zweite klein, beinah kugelig, das dritte
eylindrisch, so lang wie die beiden folgenden das vierte und
die nächst folgenden nehmen allmählig an Länge zu, die
10 letzten sind ziemlich gleich lang. Die Vorderbrust ist
so breit wie der Kopf, und etwas breiter als lang, sonst
XXL 1863, 15
218
viereckig. Das sechste, siebente und achte Glied des Hinter-
leibes haben an den Seiten Längsfurchen, welche den Männ-
chen fehlen. Das vorletzte Glied des Hinterleibs ist kaum so
lang wie die vorhergehenden; das letzte so lang wie die 3
vorhergehenden Glieder, fast 2!/, mal so breit wie lang,
nach hinten abschüssig und runzelig, mit gradem, gelbem
Hinterrande. Das erste Tarsenglied ist so lang wie die bei-
den folgenden, unten kammartig gewimpert. Die Männchen
‚sind kleiner, haben keinen gelben Fleck am Augenrande;
der clypeus ist ganz braun, das letzte Glied des Hinterlei-
bes ist schmäler als das vorletzte, hat keine parallelen Sei-
tenränder sondern verschmälert sich nach hinten; zwischen
den fast graden Zangen ragt das Aftersegment in Gestalt
eines kleinen Dreiecks hervor; der Aussenrand der Zangen
ist mit langen .abstehenden Härchen besetzt. Das Ende
der Schenkel, Schienen und Tarsen ist in beiden Ge-
schlechtern gelblich. — Diese Art passt in keine der von
Serville aufgestellten Gattungen recht, am besten noch zu
Psalidophora.
2. Forficula annulicornis? Bl.
In prov. Santiago.
Meine Exemplare haben nicht 15 sondern 19 Fühler-
glieder, und nur bei dem einen ist das 14. und 15. halb.
"Das letzte Segment des Hinterleibes hat eine Längsfurche.
Bei dem einen Geschlecht sind die Zangen im letzten Drit-
tel stark gekrümmt. Das Uebrige der Beschreibung passt
ganz gut. Die Tarsen sind unten stark gewimpert.
3. Forficula spectabilis Ph.
Omnino aptera, obscure castanea: antennis c. 23 annulatis, pedibus,
thoraceque supra rufis, forcipibus parum armatis, teretibus, inermibus.
— Longit. 11—12 lin.
Ni fallor in andibus prov. Santiago inventa est.
Der Kopf ist kastanienbraun ; zwischen den Augen sieht
man eine feine, nach hinten convexe, vertiefte Linie, von
welcher in der Mitte nach hinten eine vertiefte Längslinie
verläuft. Der vordere Theil des clypeus ist hell, gelb; sonst
sind die Mundtheile hell braunroth. Die Fühler erreichen
die halbe Körperlänge; das zweite Glied ist halb so lang
wie das dritte, das 4te und öte zusammen so lang wie das
219
dritte, die folgenden dagegen nehmen allmählig an Länge zu
und an Dicke ab. Der Prothorax ist fein runzelig :punktirt,
quadratisch mit einer vertieften Längslinie in der Mitte,
und mit einem Eindruck jederseits nahe am Seitenrande; er
ist rothbraun, nach hinten heller. Der Mesothorax ist et-
was breiter, aber nur halb so lang; der Metathorax ist hin-
ten im Bogen ausgerandet. Der Hinterleib wird allmählig
breiter, bis zum drittletzten Gliede, dann verschmälert er
sich wieder ein wenig; er ist stärker punktirt als Kopf und
Brust, bei dem einen Geschlecht am Rande auffallend in
die Länge gerunzelt. Das letzte Segment ist beim Q zwei-
mal so lang wie das vorhergehende, nach hinten etwas
verschmälert, und am gröbsten punktirt. Die Zange ist et-
was länger als das letzte Segment, schwach gebogen, in
der letzten Hälfte cylindrisch, am Grunde innen in einen
stumpfen Winkel verbreitert. Zwischen den beiden Theilen
der Zange tritt das Aftersegment als ein kurzes, dreiecki-
ges Spitzchen hervor. Die Unterseite zeigt auf den vier
ersten Bauchsegmenten die vordere Hälfte deutlich von der
hintern abgesetzt, und mit einer feinen vertieften Längsli-
nie am Grunde; die letzten Glieder sind mässig behaart.
Die Beine sind hell rothbraun, das erste Tarsenglied so
lang wie die beiden folgenden; und alle drei unten dicht
und ziemlich lang gewimpert. — Beim „ ist der Hinter-
leib breiter, und sein letztes Segment so lang wie die drei
vorhergehenden Segmente, mit paralellen Seitenrändern,
nach hinten stark abschüssig, und der Hinterrand ist nicht
grade, sondern convex; esist stärker punktirt und gerun-
zelt als beim Weibchen. Die Zangen sind vollkommen dreh-
rund, ohne Erweiterung am Grunde. Das Aftersegment ist
schwach gekrümmt, und zeigt zwei kleine stumpfe Spitzchen.
4. Forficula® Larva Ph.
F? caeca, aptera, pallide testacea, angusta, segmentis sex primig
abdominis supra medio longitudinaliter sulcatis, segmentis ultimis, for-
cipibusque intus unidentatis rufis, hirsutis; antennis 30 — 40-articula-
tis, tarsis uniarticulatis. — Long. absque forcipe 7 lin.
In prov. Colihagua sub lapidibus unicum specimen invenit ornat.
Landbeck.
Die eingliedrigen Tarsen, der Mangel der Augen, die
weissliche Farbe sprechen dafür, dass dies Thier eine blosse
15”
”
220
Larve ist, allein dagegen sprechen die zahlreichen Fühler-
glieder und die stark entwickelten Zangen. — Der Kopf
ist glatt und glänzend, so breit wie lang, vorn etwas schmä-
ler als hinten, mit abgerundeten Winkeln; er zeigt eine
Querlinie, und im hintern Theil in der Mitte eine vertiefte
Längslinie. Ich sehe keine Spur von Netzaugen oder
Punktaugen. Die Fühler entspringen am vordern Rande
des Kopfes dicht bei einander, sind so lang wie der Kopf
und die drei Brustsegmente zusammengenoömmen; das erste
Glied ist ziemlich dick, kurz, walzenförmig; das zweite
ebenso lang, verkehrt kegelförmig, die folgenden 8—10 sind
ebenso dick, walzenförmig, sehr kurz, die letzten dagegen
beinah kugelförmig, so dass die letzte Hälfte der Fühler
perlschnurförmig erscheint. Der Prothorax ist bedeutend
schmäler als der Kopf, kaum halb so lang; der Mesotho-
rax ein wenig breiter, aber immer noch schmäler als der
Kopf, quadratisch mit abgerundeten Ecken; der Metathorax
ebenso, kaum etwas grösser; alle drei Abschnitte sind flaum-
haarig. Die ersten sieben Hinterlejbsringe sind oben flach,
kahl, glatt, glänzend, mit einer Längsfurche in der Mitte;
sie sind alle gleich lang, und nehmen an Breite zu bis zum
sechsten, welches zweimal so breit wie lang ist; der sie-
bente ist etwas schmäler aber ebenso lang, hinten in ei-
nem Kreisbogen ausgerandet, und mit spitzem Winkel je-
derseits, seine Seiten sind etwas gebogen, so dass der Hin-
terrand kürzer ist als der Vorderrand. Das achte Seg-
ment ist so lang wie das vorhergehende, und so breit wie
dessen hinterer Theil, hinten abgestutzt mit parallelen Sei-
ten, mit einer vertieften, dem Hinterrande parallelen Linie,
braunroth. Das neunte Segment, so breit wie das vorher-
gehende, aber etwas länger, ebenfalls quadratisch und braun-
roth; die Seiten haben unten und oben eine gradlinige,
scharfe Kante. Die Zange ist so lang wie das letzte Glied,
und ihre beiden Hälften sind ungleich; die rechte ist stär-
ker, srader, am Innenrande etwas vor der Mitte mit einem
starken Zahn versehn; die linke schlanker, etwas schmäler,
gebogen, innen in der untern Hälfte fein gezähnelt; beide sind
beinah kastanienbraun und wie der ganze Hinterleib ziem-
lich stark mit langen Härchen gewimpert. Unten sind die
221
drei Brustsegmente breit, flach, und zeigen jedes einen Y-
förm’gen mit der Oeffnung nach vorn gerichteten Eindruck.
Sammtliche Abschnitte des Bauches haben gradlinige Hinter-
ränder. Die Beine sind sehr kurz; coxa und trochanter sind
gleich lang und gleich dick; der Schenkel ist kaum länger als
die beiden genannten Glieder zusammengenommen; die
Schiene so lang wie der Schenkel aber dünner; der Tarsus
etwas kürzer, eingliedrig, aber mit zwei ziemlich schwa-
chen, mässig gekrümmten Klauen; sie sind ziemlich stark
behaart. Die Fresswerkzeuge sind nicht deutlich zu
sehen, ohne den Kopf der Gefahr der Zerstörung auszu-
setzen, doch sehe ich zwei Paar kurzer Palpen.
F. chilensis Bl. apud Gay, und F. testaceicornis ejusd.
mihi nondum innotuerunt.
BLATTA.
1. Bl. ovata Blanch. apud Gay.
In prov. Valdivia satis frequens.
2. Bl. reticularis Blanch. apud Gay.
Pariter in prov. Valdivia occurrit.
3. Bl. strigata Blanch. apud Gay.
Speeimen prope Llico lectum in Musaeo conspicitur,
4. Bl. germanica®? L.
Larvas apteras sub lapidibus habitantes servamus,.
KAkErRLAK Latr. PERIPLANETA.
1. K. castanea Bl. apud Gay.
Frequens in domibus urbis Santiago etc.
In der Abbildung bei Gay sind die Flügeldecken 2?/,
Lin, breit, und 3?/, Lin. lang, d. h. nur so lang wie das
Halsschild, und sie lassen mehr als die Hälfte des Hinter-
leibes unbedeckt, während sie nach dem Spanischen Text
nur den dritten Theil des Hinterleibes unbedeckt lassen,
An meinen Exemplaren sind sie 6 Lin. lang, 2?/, Lin. breit,
das Halsschild ist an den Seiten etwas herabgebogen, und
hat in der Mitte einen grossen rundlichen, flachen Eindruck,
von dem Blanchard nichts sagt; die Flügeldecken sind hin-
ten grade abgestutzt,
222
2. K. platysietho Ph.
Rufo- ferrugineum; prothorace plano transverse - elliptico, medio
depresso ; elytris Z' fere totum abdomen tegentibus.. — Long. 11
lin., lat. fere 4 lin.
Unicum specimen inter copiam anterioris inveni; ni fallor sub la-
pidibus in radice Andium captum.
Der Kopf ist dunkelkastanienbraun, wie bei der vori-
gen Art, die orbita ebenfalls weiss, und der clypeus hell,
braungelb. Das Halschild ist bedeutend breiter als der Hin-
terleib, breiter als bei der vorigen, nicht so dreieckig, son-
dern fast querelliptisch, an den Seiten nicht herabgebogen;
der flache Eindruck ist ähnlich; ein kürzerer, furchenähn-
lich, der Mitte des Hinterrandes parallel und dicht vor dem-
selben ist sehr auffallend, und bei der vorigen kaum ange-
deutet. Die Flügeldecken sind bedeutend länger, nämlich
7*/, Lin., bei gleicher Breite und am Ende schräg von
vorn und innen nach hinten und aussen abgestutzt; der
Hinterleib ist etwas schmäler, die Beine länger (die Hin-
terschienen messen 4°,, bei K. castanea nur 4 Linien),
endlich ist die Farbe heller, wenn auch dunkler als bei der
folgenden Art. Die angegebenen Unterschiede scheinen mir
zu bedeutend, um sie bloss auf Rechnung einer individuel-
len Abweichung schieben zu können.
3. Kakerlak pallipes Ph.
Capite fusco, prothorace rufo, paullo ante medium transverse
impresso; abdomine supra nigro, subtus medio rubro, lateribus casta-
neo; rudimentis elytrorum pedibusque pallide testaceis. — Longit.
9 Jin, latit 41/3 lin.
In horto ipsius urbis Santiago @ capta est.
Das Gesicht ist braunroth, der Scheitel mehr kastanien-
braun, die Fühler braun, die Palpen blassgelb. Das Halsschild
ist hinten gradlinig abgeschnitten, nicht gebogen wie bei K.
castanea, die hintern Winkel springen daher weit stärker her-
vor, wenn sie auch abgerundet sind. Kurz vor der Mitte
ist ein querer Eindruck, von dessen Seiten sich ein paar er-
habene Linien schräg nach hinten und innen ziehn, die
kurz vor dem Hinterrande durch eine erhabene Querlinie
verbunden sind. Der Hinterleib erscheint durch die vor-
springenden Winkel der Segmente gesägt; er ist dunkel
kastanienbraun, die vorspringenden Winkel jedoch blassgelb.
Die Rudimente der Flügeldecken stehen weit von einander
223
entfernt, sind eiförmig und reichen bis zum Hinterrande des
Metathorax; die Ecken dieses Segmentes der Brust sind
fast rechtwinklig, blattartig, blassgelb. Die Beine sind
dicker als die beider vorhergehenden Arten, blass - schal-
gelb, die Hintertarsen fast weiss.
4, Kakerlak brevipes Ph.
Nigro - castanea, supra puberula; prothorace convexo, laevis-
simo, aeque longo ac lato, postice truncato; elytris maris rudimentarlis,
ovatis, prothoracem aequantibus; margine laterali abdominis elevato,
serrato ; pedibus pallidioribus, tibiis brevibus. — Long. 5 lin., latit. 2Y/a lin.
Sub lapidibus in prov. Santiago frequens.
Das Halsschild ist vollkommen glatt, ohne Eindruck,
von der einen Seite zur andern stark gewölbt, sehr glänzend.
Der Kopf ist dunkel braunschwarz, der Vorderrand des
elypeus jedoch gelblich. Alle Segmente des Hinterleibes
haben am Hinterrande kleine Härchen, deren Wurzeln, wie
Höcker erscheinen, und die hintren Winkel derselben sind
in ein Spitzchen vorgezogen. Die Flügeldecken sind breit
eiförmig, kaum länger als das Halsschild, und so lang wie
der halbe Hinterleib, schwarzbraun. Die Flügel sind et-
was kürzer, ganz blass, kaum den dritten Theil so breit,
zum Fliegen durchaus ungeschickt. Die Beine sind auffal-
lend kurz; die Hinterschienen kürzer als das Halsschild.
Nach Burmeister kommt in Chile Periplaneta brunnea
Klug vor. S. Entom. I. p. 503. Blanchard führt diese Art
nicht auf und ich habe sie auch nicht gesehn.
PoLyzosteria Burm.
1. P, valdiviana Ph.
Nigro -castanea, lateribus capitis, ore, lateribus.‚prothoraeis , ely-
trorum rudimento, macula minuta utrinqgue in margine postico meso-
thoracis et metathoracis, punctisque in angulis posticis segmentorum
abdominis Juteis; prothorace valde convexo, inaequali; tarsis tibias
aequantibus imo superantibus. — Long. f! 12 lin., latit., 4/a lin.,
long. 2 11 lin., latit. 5 lin.
In prov. Valdivia sub cortice arborum invenitur.
Der Kopf ist ganz glatt, dunkel kastanienbraun; die
Gegend zwischen Auge und Fühler, so wie unterhalb .der
Fühler, die Oberlippe und Basis der, Mandibeln sind, gelb,
Die Fühler sind halb so lang wie der Leib; das erste Glied
ist hell rothbraun, die folgenden dunkler braun. Der Kör-
224
per ist eher gewölbt als flach, gerandet, aber der Rand
nicht verbreitert, und seine Oberfläche zeigt ziemlich weit-
läufige eingestochene Punkte und feine Runzeln. Der Pro-
thorax ist so lang wie breit, vorn abgerundet, hinten fast
grade abgestutzt, sehr uneben, mit etwa 3 gekörnelten fla-
chen Höckern jederseits. Vorderrand und Seitenrand selbst
sind braunroth, und haben innen eine gelbe Einfassung,
die vorn sehr schmal ist, in der Gegend, wo man die vor-
dern Winkel annehmen könnte, eckig nach innen vorspringt,
seitlich und nach hinten breiter wird; die hintere Ecke selbst
ist aber schwarzbraun. Der Mesothorax ist hinten grade
abgestutzt, und trägt jederseits ein eiförmiges, gelbes Flü-
geldecken-Rudiment, welches nur wenig über den Hinter-
rand vorragt; dieser hatjederseits, dicht neben dem Flügel-
rudiment, ein gelbes Fleckchen. Der Metathorax wird hin-
ten von einem flachen, nach vorn convexen Bogen begränzt;
der vordere Winkel und ein Fleck am Hinterrand nach dem
hintern Winkel sind gelb. Die fünf ersten Hinterleibsseg-
mente haben im hintern Winkel ein kleines gelbes Fleck-
chen. Das letzte Segment ist kurz, breit, abgerundet. Die
Aftergriffel sind sehr kurz, kaum hervorragend. Hüften
und Trochanteren sind gelblich; Schenkel, Schienen ‘und
Tarsen hellbraun, die Schenkel unbewehrt, kurz, die Schie-
nen der Vorderbeine weit kürzer als ihre Schenkel; die
der Mittelbeine eben so lang, die der Hinterbeine etwas
länger als ihre Schenkel; sie sind sämmtlich stark mit
schwärzlichen Dornen bewaffnet. Die Tarsen sind so lang
wie ihre Schenkel, daher an den Voörderbeinen fast dop-
pelt so lang wie ihre Schienen, an den Mittelbeinen sind
sie etwas länger, an den Hinterbeinen ebenso lang; das
erste Glied ist an den Vorderbeinen kaum etwas länger als
das zweite, an den mittleren und Hinterbeinen ziemlich so
lang wie die zwei folgenden; das letzte Glied ist so lang
wie die drei vorhergehenden, und hat einen kurzen Haft-
lappen, alle Glieder sind oben beinah kahl, unten kahl mit
einer erhabenen, gelbweissen Längsleiste, die auf den vier
ersten Gliedern nach vorn blasenartig anschwillt, aber von
einer soliden harten Haut gebildet scheint; das letzte Glied
ist unten ziemlich langhaarig. Ich finde keine Aftergriffel;
225
die gegliederten cerei sind sehr kurz. Der Unterleib ist in
der Mitte seiner vordern Hälfte braungelb.
Das Weibchen unterscheidet sich nur durch breitere
Gestalt, und kürzere cerci.
2. P. Geissei Ph.
Nigro - castanea; capite immaculato; prothorace ‚vix inaequali; mar-
gine antico et laterali praeter angulum posticum, maculaque in medio
marginis postici, mesothoracis margine laterali antice, margine postico
in medio, maculis quatuor marginis postici metathoraeis, maculis du-
abus in medio marginis postici segmentorum abdominis, anguloque
postico eorum luteis; pedibus praeter spinas nigricantes omnino: pal-
lide testaceis. — Longit. 7 Lin.
Puerto Montt. Legit ornat. Dr. Frid. Geisse.
Ich besitze nur ein @ das keine Spur von Flügelrudi-
menten zeigt, während Mesothorax und Metathorax ver-
hältnissmässig länger als bei der vorigen Art, und hinten
tief bogenförmig ausgeschnitten sind. Vielleicht ist es nur
eine Larve. Sie ist weniger gewölbt, namentlich der Prothorax
flacher, weniger uneben und höckrig, wenn auch nicht ganz
glatt. Die hintern Ränder der Hinterleibssegmente zeigen
eine Reihe Körnchen, die bei P. valdiviana weit weniger auf-
fallend ist. Sonst ist die Skulptur, der Umriss des Körpers,
die Verhältnisse und Beschaffenheit der Beine ebenso, und
die übrigen Verschiedenheiten betreffen nur die Färbung.
Der Kopf zeigt keine gelbe Färbung an der Fühlerwurzel,
dagegen sind die hintern Ecken der Hinterleibssegmente
ganz gelb, und die hintern Ränder der Brustund Bauchseg-
mente gelb gefleckt. Die Beine sind auch weit blasser.
Mantıs L.
1. Mantis Gayi Bl. apud Gay.
Prope Santiago, haud frequens.
2. Mantis crenaticollis Bl. apud Gay.
Prope Santiago, haud frequens.
Die Färbung variürt, das eine meiner Exemplare ist
grün, wie Blanchard seine Art beschreibt, das andere braun-
grau, mit blassgrünen Tibien. Beide Exemplare haben nur
Rudimente von WVorder-Flügeln und keine Spur von
Hinterflügeln.
3. Mantis grisea Ph.
Fusco-grisea, margine laterali prothoracis denticulato; margine
coxarım anticarum pariter dentieulato; elytris alisque rudimen-
226
tarüis, parallele nervosis, utrisgue membrana junetis. — Longit.
21 lin.
Semel in colli $. Cristöral die:o prope Santiago inveni.
Das ganze Thier hat eine aschgraue, ins Röthliche
ziehende Färbung mit schwärzlichen Punkten gesprenkelt
und zeigt im Leben zwei weissliche, unterbrochene Längs-
linien auf dem Rücken des Hinterleibes, die beim Trocknen
des Thieres verschwunden sind. Der Kopf ist fast ganz
wie bei der vorigen Art; oberhalb der Fühler hat er eine
quere, nach oben convexe, tiefe Furche, und zwei Längs-
furchen die vom Scheitel bis zu dieser Querfurche verlau-
fen. Die drei Punktaugen stehen im Dreieck zwischen die-
ser und den Fühlern, sind länglich, weiss, und fallen wenig
in die Augen. Die Netzaugen sind von derselben Farbe
wie der Körper. Die hellbraunen Fühler messen 13 Linien,
also fast zwei Drittel der Körperlänge, sie sind länger und
dicker als bei M. crenaticollis. Die Vorderbrust ist sehr
ähnlich, nur etwas schmäler, schmäler gerandet, und die
senkrecht abstehenden Dörnchen sind kürzer, und stehen
nicht so dicht bei einander. Zwischen dem Ursprung der
Vorderbeine ist eine Querfurche, und eine erhabene Längs-
linie verläuft in der Mitte der hintern Hälfte. Die Rudi-
mente der Vorderflügel sind beinah lanzettförmig
aber stumpf, fast 4 Linien lang, glänzend, nicht netzförmig,
sondern mit zahlreichen beinahe parallelen unter einem
sehr spitzen Winkel gegabelten Adern; diese Stummel sind
bis zu zwei Dritteln der Länge durch eine hinten tief aus-
geschnittene Membran vereinigt. Die Hinter-Flügel-Stum-
mel sind breiter, aber nicht länger, ebensowenig netzför-
mig, auf ähnliche Weise geadert. Der Aussenrand bis zur
ersten Rippe ist bei beiden weisslich. Die Vorderbeine
sind denen der vorigen Art ebenfalls sehr ähnlich, aber et-
was schlanker; ihre Hüften stark verlängert, beinah drei-
kantig, die vordere und hintere Kante mit Dornen besetzt,
die weit feiner sind als bei M. crenaticollis; die Innenseite
zeigt-dicht gedrängte kleine, schwach erhabene Perlen oder
Wärzchen, die bei jener fehlen. Der Schenkel hat auf je-
der Kante 12 — 15 schwarze Dornen, und ist auf der In-
nenseite mit einem schwarzen Fleck verziert. Das Schien-
227
bein ist halb so lang, und hat auf jeder Kante ungefähr
12 schwarze Dornen. Die Tarsen sind schmutzig grün,
und ragen etwas über die Trochanter hinaus. Die hinteren
Beine sind einfach, weichhaarig graulich- grün. — Von der
vorigen Art, mit welcher sie auf den ersten Blick leicht ver-
wechselt werden könnte, wesentlich durch die an Zahl, Ge-
stalt und. Aderung etc. wesentlich verschiedenen Flügel-
stummel, die verschiedene Färbung, Skulptur der Vorder-
beine etc. bei genauer Betrachtung leicht zu unterscheiden.
Bactzrıa Latr.
1. Bacteria cornuta Ph.
B. spatulata Blanch. apud Gay, non Burm.
E provincia Valdivia quinque feminas attuli.
Herr Blanchard gibt diese Art, welcher er die Prov.
Coquimbo als Vaterland anweist, für die B. spatulata Burm.'
Handb. der Ent. II. p. 566 aus, allein wie mir scheint sehr
mit Unrecht. Die Blanchardsche Art zeichnet sich vor al-
len anderen Chilenischen durch zwei spitze Stirnhöcker aus:
von diesem auffallenden Kennzeichen sagt Burmeister
nichts; dagegen schreibt er dem © seiner spatulata einen
rauhen Thorax und Fühler von Körperlänge zu, während
das Weibchen der Blanchardschen Art einen ganz glatten
„eompletamento liso“ Thorax, und in der Abbildung
(wie in der Wirklichkeit) Fühler von halber Körperlänge
hat. Wenn Blanchard von mehren breiten Blättern am
Ende des Körpers spricht, so ist dies eine von den zahllo-
sen Flüchtigkeiten, welche das Gay’sche Werk darbietet. —
Das Männchen dieser Art ist mir unbekannt, es müsste
denn die folgende Art sein.
2. Bacteria collaris Ph.
cd" olivacea, laevigata, tuberculis duobus minutis in capite ar-
mata; antennis corpus aequantibus, fuscis, albido articulatis; protho-
race e flavo- fulvo, nigro trivittato, pedibus elongatis, gracilibus, an-
gulatocarinatis, haud foliatis. — Longit. corp.3 poll. 8 lin., latit. vix 2 lin.
Valdivia, unicum specimen.
Prothoräx und Mesothorax sind vollkommen glatt,
und der erstere durch seine Färbung sehr ausgezeichnet.
Die Länge der Vorderbeine beträgt 3 Zoll 4 Linien.
3. Bacteria gracilis Ph.
d’ viridis, laevissima; capite prorsus inermi; antennis fuscis, al-
228 ! =
bido- articulatis, corpore brevioribus; pedibus elongatis, gracilibus,
angulato -carinatis,haud foliatis; prothorace coneolore. — Longit. eorp.
3 poll., latit. 1!/3 lin.
Valdivia, unicum specimen.
Schwerlich eine blosse Varietät der vorhergehenden,
der sie sonst sehr ähnlicn sıeht. Abgesehen davon, dass
der Kopf keine Spur von Höckern zeigt, und der Prothorax
von derselben Farbe wie der übrige Körper ist, sind die
Fühler und die Beine kürzer, Beine und Leib weit schlan-
ker. Die Länge der Vorderbeine beträgt 2 Zoll 6 Linien,
während 2 Zoll 8,7 Linie sein müsste, wäre das Verhält-
niss wie bei der vorigen Art.
4. Bacteria crassicornis Ph.
f\ virescens; antennis crassiusculis, brevibus:? pauciarticulatis
capite inermi; prothorace inaequali cum mesothorace et metathorace
laevi, gracili; femoribus tibiisque simplieibus. — Longit. corp. 2 poll.
5 lin., latit. °/s lin.; longit. pedum anticorum 2 poll. 7 lin.
‘Valdivia, specimina duo servo.
Bei einem Exemplar sind die Fühler von dem Grau-
grün des Körpers, einfarbig, bei dem andern ist die Basis
der Glieder schwärzlich. Der Kopf ist länger und nach hinten
stärker verschmälert als bei der vorigen Art, der Protho-
rax zeigt Längsrunzeln, der Körper ist matt nicht glänzend
wie bei B. gracilis. Bei dem Exemplar, welches die unge-
fleckten Fühler hat, und welches ich für die Larve oder
Puppe halte, sind die Beine bedeutend kürzer und plum-
per als bei dem andern, die Fühler dicker und kantig. An
beiden ist leider die Spitze der Fühler abgebrochen, so
dass. ich über die Länge nichts sagen kann.
5. Bacteria annulicornis Ph.
2 capite inermi, corporeque viridibus; antennarum dimidium
corpus aequantium fuscarum articulis apice albis; femoribus tibiisque
ante apicem supra foliatis; operculo yaginali elongati, lineari. — Lon-
git. corp. 3 poll. 8 lin.
Habitat in prov. centralibus chilensibus, v. gr. ad Vichuquen.
Der Kopf istziemlich horizontal, so lang wie der Pro-
thorax, nicht gehörnt, hell grünlich - gelb, an den Seiten
mit schwarzen Punkten marmorirt; die Augen haben einen
schwarzen: Längsstreifen. Die Fühler sind 21 Lin. lang;
also halb so lang wie der Körper, ‚das zweite, dritte und
vierte Glied sind fast ganz schwärzlich, die folgenden am
n 229
Grunde schwärzlich, an der Spitze weisslich. Brust und
Hinterleib sind grün, mit schwärzlichen Punkten marmo-
rirt; der Prothorax scheint in der Mitte eine Längsfurche,
und jederseits 2 Längsfalten zu haben. Die Beine sind
halb aschgrau, mit etwas dunkleren, wenig in die Augen
fallenden Binden. Die Vorderschenkel sind 11 lang d. h.
so lang wie die Mittelbrust, die Mittelschenkel acht Linien
lang oder so lang wie die Hinterbrust, die Hinterschenkel
kaum etwas länger; alle haben oben vor der Spitze zwei
blattartige Erweiterungen, von denen die vorderste sehr
niedrig ist; Mittelschenkel und Hinterschenkel haben aus-
serdem unten am Grunde an der Aussenkante eine blatt-
artige Erweiterung. Die Schienen sind an allen Beinen so
lang wie ihre Schenkel und ziemlich dick; die untere Kante
derselben erscheint verbreitert. Die Tarsen sind genau
halb so lang wie ihre Schienen. Der Scheidendeckel ist
rinnenförmig, unten gekielt, 7'/; Linie lang, am Grunde 1?/,
Linie breit.
Ein in Spiritus aufbewahrtes d’ ist 3 Zoll 7 Lin. lang,
hellbraun; die Fühler messen 20 Linien, haben also das-
selbe Verhältniss zur. Körperlänge wie beim Weibchen.
Die Beine sind etwas schlanker als beim 9, die Vorder-
schenkel nämlich 12 Linien, die Mittelschenkel 8%/, Linie
lang, und haben keine blattartigen Erweiterungen; die Schie-
nen sind an allen Beinen länger als ihre Schenkel, aber die
Tarsen kaum länger als der dritte Theil ihrer Schienen, also
weit kürzer als beim Weibehen. Das ganze Hinterbein der
rechten Seite ist genau wie beim Weibchen!
6. Bacteria granulicollis Bl.
E provineiis centralibus Reipubl. Chilensis.
Es liegen vier @ und ein sämmtlich in Spiritus con-
servirt vor. Die Weibchen messen 36 Linien, die Füh-
ler 16 L., das Männchen ist 28 Lin. lang, und hat eben-
falls 16 Lin. lange Fühler. Die Vorderschenkel sind beim
Q 84), Lin. lang, knapp 'so lang wie. die Mittelbrust, die
Mittelschenkel 5!/;, Lin., fast 1 Linie kürzer als. die
Hinterbrust; ‘die Hinterschenkel messen 7 Linien, etwas
mehr als die Hinterbrust. Die Schienen ‘sind alle um
12), bis 2 Linien länger als ihre Schenkel, die Tarsen
230
kürzer als die Hälfte der Schienen. Der Scheidendeckel
ist 6 Linien lang 1°/, Linie breit, ebenfalls unten gekielt.
Beim Männchen sind die Beine schlanker, die Vorderschen-
kel 9%/, lang, fast 2 Linien länger als die Mittelbrust; die
Mittelschenkel 61/,, die Hinterschenkel 8!/, Linien; die
Schienen sind ebenfalls länger als beim 9, allein die Tarsen
kaum ebenso lang. — Das Vorderbein der linken Seite
ist verkümmert, kaum halb so lang wie das der rechten
Seite.
Es fehlen dem Museum noch 1) B. spatulata Burm.
non Blanch. 2) B. foliacea Bl.
Die Bacteria- Arten sind selten, man findet sie immer
nur einzeln, nie in Gesellschaften. Sie werden von den
Chilenen ohne allen Grund als sehr giftig gefürchtet.
ANISOMORPHA Gray.
l. A. crassa Bl apud Gay.
In partibus prov. Santiago etc.
Ein Weibchen, welches ich zu dieser Art rechne, ist
36 Linien lang, und zeigt noch keine Spur von Flügeln.
Es ist einförmig braun, und hat grobe, tiefe Punkte auf dem
Rücken. Die Schenkel sind nur 51/, Linie lang, wie in der
Figur bei Gay, allein sie sind nicht gekielt wie es in der
Beschreibung heisst.
2. Anisomorpha variegata Ph.
A. olivacea nitida, punctis parvis raris impressa; vittis longitu-
dinalibus tribus, marginem posticum non attingentibus, maculisque la-
teralibus in abdomine et metathorace nigris. — 2 32 lin. longa, 7 lin.
lata, f' 24 lin. long. 6 lin. lat.
In andibus prov. Colihagua oceurrit.
Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern stark punktirt,
in der Mitte eingedrückt, hinten schwarz getüpfelt; zwi-
schen den Fühlern hat er auf der Stirn ein kreisrundes
Grübchen. Die Fühler werden allmählig dünner, sind I —
94/, Lin. lang und olivenbraun. Der Prothorax ist glatt,
sparsam punktirt, und hat denselben winkligen in der Mit-
tellinie nach hinten vorgezogenen Quereindruck wie A. crassa.
Der Mesothorax ist so lang wie der Prothorax, mit kleinen,
zerstreuten Punkten, er ist einfarbig olivengrau, oder zeigt
unregelmässige, wenig in die Augen fallende Fleckchen.
Die Stummel der Flügeldecken sind durch erhabene Run-
231
zeln netzförmig. Metathorax und Hinterleib sind kaum
punktirt, und bunt. Aufdem Rücken verlaufen drei schwarz-
braune Längsbinden, die allemal kurz vor dem Hinterrand
der Segmente aufhören; an jeder Seite befindet sich auf
jedem Segment ein dreieckiger von zusammenfliessenden
braunen Flecken und Pünktchen gebildeter grösserer Fleck,
der mit seiner Spitze nach dem hintern äussern Winkel
des Segments gerichtet ist, und zwischen diesem und der
äusseren Längsbinde ein runder Tropfen. Schenkel und Schie-
nen sind eylindrisch, nicht gekielt, wie Blanchard diese
Theile bei A. crassa — wohl irrthümlich — angibt, punktirt
und schwach runzelig. Die Hinterschenkel messen: beim Q
7 Linien, sind also bedeutend länger als bei A. crassa Bl.
3. Anisomorpha elegans Ph.
A. nigra, omnino grosse punctata, capite purpureo; margine an-
tico et postico prothoracis, margine postico mesothoracis, metatho-
racis, segmentorumque I—7 abdominis medio cinnabarinis. — J! 19
lin. long. sed nondum adultum.
Prope Bannos de Chillan inveni.
Der Kopf ist dunkel purpurn, grob runzelig punktirt.
Die Fühler sind dick, braun, das erste Glied purpur farbig.
Auch die Seitenränder der Mesothorax und Metathorax zei-
gen eine schmale zinnoberrothe Einfassung. Die Beine
sind kastanienbraun, ins Purpurrothe ziehend; die Schenkel
5l/, Linie lang, drehrund, nicht gekielt. Von Flügeln ist
noch keine Spur.
GryıLus L. etc.
1. Gryllus fulvipennis Bl. apud Gay.
In prov. centralibus non frequens.
In der Figur haben die Hinterschienen zuviel Dornen.
— Das Thier hat deren nur 5 bis 7 auf jeder Seite, und
die Hintertarsen sind dagegen unbewehrt! gezeichnet. Im
Text werden den Schienen nur „drei dicke Dornen“ zuge-
schrieben?
Sectio. Microgryllus tibiae posticae (praeter spinas terminales)
inermes; tarsi subinermes.
2. Gryllus pallipes Ph.
Apterus? pallide rufus; prothorace cylindrico, aeque lato ac longo;
femoribus postieis albidis; tibiis latere exteriore fusco irroratis cum
tarsis dense pubescentibus. — Longit. 4'/a Lin.
Santiago, sub lapidibus etc, frequens.
232
Der Kopf ist rothbraun , ohne Flecke und Zeichnun-
gen, mit grauen, dicht anliegenden Härchen bekleidet;
das Gesicht ist stark gewölbt; die Mundtheile hellgelb,
aber die Taster hellgrau; ihr letztes Glied ist so lang wie
das vorletzte, sehr schräg abgestutzt, so dass er beinahe
in der Mitte den stumpfen durch die Abstutzung entstan-
denen Winkel zeigt. Die Fühler sind etwas länger als der
Körper, hellbraun; das erste Glied ist nicht so auffallend
verdiekt wie bei Gr. suleipennis. Die Augen sind schwarz-
braun. Der Prothorax ist so breit wie lang, und ebenso-
breit wie der Kopf; in der Mitte sind zwei hellere, etwas
vertiefte,, scharf begränzte, querovale Stellen. Der Hinter-
leib ist bald von der rothbraunen Farbe der genannten
Theile, bald heller, mehr gelblich, an den Rändern der Seg-
mente bräunlich punktirt, kaum behaart. Die Vorderbeine
sind gelblich, mit feinen anliegenden und längeren, abste-
henden Härchen besetzt, und mit zahlreichen braunen
Pünktchen wie bestäubt, namentlich die Vorderbeine. Die
Hinterschienen sind auf der hintern Seite ebenso gefärbt,
ja fast ganz braun, und tragen am Ende etwa 6 Dornen, von
denen die längsten fast zwei Drittel des ersten Tarsenglie-
des erreichen; ihre Kanten sind unbewehrt. Das erste
Tarsenglied ist fast ?/;, so lang wie die Schiene, ebenfalls
ohne. Dornen, oder doch nur mit sehr kurzen in der Behaa-
rung versteckten. Die Anhängsel des Hinterleibes sind
fast so lang wie der Hinterleib selbst. Die Legeröhre ist
2/;, so lang, schmal linealisch, sehr ‚schwach nach unten
gebogen, fast grade zu nennen.
3. Gryllus griseus Ph.
‚.. Apterus? griseus, pilis appressis, squamaeformibus, cadueis, plus
minusve vestitus; antennis rufis, prothorace obscure fusco, saepe me-
dio albido; palpis ‘crassis, brevioribus; spinis terminalibus tibiarum
posticarum brevibus.
Frequens in domibus, prov. Aconcaguas, Santiago, Valdivia etc.
Grösse und Gestalt sind ganz wie bei der vorigen
Art, mit der ich sie lange zusammengeworfen hatte. Al-
lein sie ist immer ausser den längern abstehenden Här-
chen an den Beinen, Anhängseln des Hinterleibs ete. stark
mit anliegenden, metallischsilbergrauen Härchen oder
Schüppchen bedeckt, dunkler, mehr grau; die Beine sind
233-
weit dunkler, die Hinterschienen oft fast ganz schwarz; die
Palpen sind kürzer, dicker, ihr letztes Glied kürzer abge-
stutzt, so dass die dickste Stelle in ?/, der Länge liegt;
die Dornen der Hinterschienen sind nur halb so lang als
bei der vorigen Art. Unter den 7 vorliegenden Exempla-
ren sind zwei Männchen mit Rudimenten von Flügeldecken,
die halb so lang wie das Halsschild sind. Die Legeröhre ist
wie bei der vorigen Art; bei den Larven ist sie sehr kurz.
SERVILLIA Blanchard apud Gay.
Servillia spinifera Bl.
Blanchard hat nur ein in Coquimbo (?) gefangenes
Männchen gesehn; das Museum besitzt /Y und @ aus Val-
divia.
CrartomELus Blanchard apud Gay.
Cratomelus armatus Bl.
Santiago, Colchagua, Concepcion, Valdivia.
Ungemein häufig in letzter Provinz unter umgefallenen
Baumstämmen. Blanchard hat bei Gay vergessen die Grösse
anzugeben. Die Länge der ® beträgt 12—14 Linien, /
ebenso. In Santiago wendet man die zerstossenen Thiere
gegen die Harnverhaltung der Pferde und Maulthiere an,
und nennt die Thiere Grillos.
Anostostoma crassidens Bl.
bei Concepcion gefunden, fehlt dem Museum.
DOLICHOCHAETA N. gen.
Corpus robustum, caput crassum, convexum. Labrum breve, latım,
basi haud constrietum, semieirculare. Mandibulae crassae, labro duplo
longiores. Maxillae elongatae, mandibulas multo superantes. Palpi
maxillares longissimi, quinque-articulati, articulo ultimo brevi ovato,
crasso. Palpi labiales pariter articulo capituliformi aucti, eireiter
tertiam partem maxillarium aequantes. Antennae longissimae. Pro-
thorax convexus, postice subtruncatus. Alae omnino nullae? Pedes
graciles, tibiae anticae et medianae quadrifariam, posticae bifariam
spinis tenuibus armatae. Tarsorum articulus primus elongatus, se-
eundus tertiusque breves, quartus primum aequans. Terebra femina-
rum elongata, abdomen subaequans, recurva.
Von Gryllacris verschieden durch die vier Dornenrei-
hen der Vorder- und mittleren Schienen, von Listrosce-
lis und Servillia durch unbewehrte Schenkel, von Cratome-
lus, welches Genus auch vier Reihen Dornen an den Vorder-
und Mittelschienen hat, durch schlanke Füsse, schlanke
XXI. 1863. 16
234
Legröhre, die kurze, sehr abweichend gestaltete Oberlippe,
die langen Mandibeln und Maxillen.
Dolichochaeta longicornis Ph.
Glaberrima, flavo-fusca; antennis corpus fere ter aequantibus, pal-
pis pedibusque pallidis. 2 Longit. corp. 7—8 lin., antennarum c. 24
lin., terebrae 6 lin.
Ni fallor e Valdivia attuli.
Der Kopf ist fast ganz wie bei Cratomelus und zeigt,
namentlich wie bei diesem, eine platte, trapezförmige Erhö-
hung zwischen den Fühlern. Von der Oberlippe scheint nur
die obere Hälfte vorhanden zu sein, die untere, kreisrunde,
scheint ganz zu fehlen. Vorderschenkel, Mittelschenkel
und Hinterschenkel sind vollkommen glatt. Die Spitze
der Hinterschenkel ist beinah schwarz, sonst sind die Beine
sehr hell. Die Hintersch’enen haben c. 10 feine Dornen
auf jeder Kante.
Deceticvs Serv.
D. fuscescens Bl.
Das Museum besitzt ein von Herrn F. Paulsen bei
Santiago gefangenes Q, nach Gay ist die Art in der Proy.
Coguimbo zu Hause.
LocustA L. Serv.
Locusta vitticollis Bl.
Häufig auf Grasplätzen der Prov. Valdivia; die Nym-
phe eines @ von Santiago. Nach Gay: in der Provinz Co-
quimbo.
GymnocErA Brulle
Gymnocera modesta Bl.
Santiago. Nach Gay Coquimbo. Ich besitze ein cd,
bei dem der obere Theil des Kopfes und der Prothorax
ganz schwarz und die Flügeldecken braungelb sind.
PHANEROPTERA Serville.
Phaneroptera albidicollis Bl.
Santiago, (Coquimbo nach Gray). Die Färbung varirt.
Bei einem Paar ist der hintere Theil der Augen weinroth.
Ein, rother, aussen weiss eingefasster Streifen entspringt
hinter den Augen und setzt sich über den Prothorax: fort,
so. dass der weissliche Saum des Streifens gerade die Kante
dieses Segmentes bildet. Der. horizontale Theil: der‘ Flü-
235
geldecken ist weisslich, die Oberseite der Schenkel und
des Rückens röthlich.
CosmopayıLum Bl. bei Gay.
Cosmophyllum pallidulum Bl. 1. e. VI. p. 52.
Santiago, Colchagua, selten; nach Gay in Coquimbo.
Cosmophyllum olivaceum Bl. ibid.
In der Provinz Valdivia gar nicht selten.
AcantHonıs Serville.
Acanthodis miserabilis? Bl.
Colchagua, Valdivia, Santo Rosa (nach Gay). Die
Färbung varürt; ein @ aus Valdivia hat einfach gelbliche,
nicht braun geringelte Füsse. Die Flügeldecken der Männ-
chen sind wie beim @ nur halb so lang wie der Hinterleib,
mit wenigen Adern durchzogen und mit dem gewöhnli-
chen Zirpapparat. Keines meiner Exemplare hat Flügel,
und so ist es wohl in hohem Grade wahrscheinlich, dass
diese Art flügellos ist, und nie mehr als Flügeldeckenstum-
mel bekommt. Die Fühler sind dreimal so lang wie der
Körper.
Sıca Charp.
Saga quadrisignata Ph.
O omnino aptera, flavescens; segmentis abdominis supra in parte
postica strigis quatuor longitudinalibus rufis ornatis; terebra dimi-
dium eorpus aequante. Long. corp. absque terebra 2 poll. 8 lin.
Unter den von Herrn Ph. Germain im Museum hin-
terlassenen, nach der Sitte desselben nicht mit Angabe des
Fundortes versehenen, in Spiritus aufbewahrten Thieren
fand ich ein Exemplar. Das Thier ist ganz kahl, hellbräun-
lich gelb. Der Kopf ist sehr stark geneigt, und zeigt zwei
sehr kleine, runde, bräunliche Grübchen zwischen Augen
und Oberlippe. Die Augen sind halbkugelig, sehr vorge-
quollen. Keine Ocellen. Die Fühler sind so lang wie der
Körper und entspringen zwischen den Augen in der Höhe
ihres oberen Randes; die beiden Wülste des Kopfes, auf
denen sie entspringen, berühren sich in der Mitte und rei-
chen bis zum Augenrande. Das erste Fühlerglied ist dick,
cylindrisch, das zweite ebenfalls eylindrisch, dünner als das
erste, aber weit dicker als die folgenden, welche allmählig
16*
236
dünner werden. Die Maxillarpalpen sind verhältnissmässig
kurz, halb so lang wie der Kopf inclusive Oberlippe; die
Labialpalpen sind halb so lang wie die Maxillartaster. Die
Mandibeln sind am versteckten, innern Theil schwarz. Der
Prothorax ist oben zweimal so breit wie lang, hinten abge-
stutzt, und der Rand kaum aufgeworfen; es sind zwei Quer-
furchen vorhanden, die unten nahe am Seitenrande conver-
giren, so dass oben der von ihnen eingeschlossene Theil
zweimal so lang ist, wie der vordere oder hintere Theil;
er ist durch eine hurze Querfurche in der Mitte wiederum
getheilt, von welcher nach vorn eine abgekürzte Längsfur-
che verläuft. Mesothorax und Metathorax sind oben gleich
lang und zusammen kaum ?/, so lang wie der Protho-
rax; jeder hat einen schwachen Kiel in der Mitte und da-
neben jederseits eine ovale, braune, augenförmige Vertie-
fung, welche aussen mit einem erhabenen, fast lamellenar-
tigen Rand eigefasst ist. Prosternum, Mesosternum und
Metasternum haben jedes zwei spitze Dornen. Das erste
Glied des Hinterleibes ist ungeleckt, kürzer und hinten
stärker ausgebogen als die folgenden. Diese haben im hin-
tern Drittheil jederseits zwei rothbraune Längsstreifen, zwi-
schen denen die Farbe etwas heller ist. Die Endgriffel sind
sehr kurz. Die Legeröhre ist säbelförmig nach oben ge-
krümmt, an der Spitze rauh, und alle vier Klappen im letz-
ten Drittheil am Aussenrande fein sägeartig gezähnt. —
Die Hüften enden vorn mit einer Spitze, und die Mittel-
hüfte hat innen einen zweiten Dorn. Vorder- und Mittel-
schenkel haben an jeder Unterkante starke, rechtwinklig ab-
stehende Dornen, etwa 11; ebenso die Schienen dieser Beine,
deren Dornen jedoch schräg stehen und nach unten etwas
länger werden. Die Hinterschenkel sind kaum dicker, aber
zweimal so lang wie die vordern; ihre Dornen sind sehr
klein. Die Hinterschienen sind so lang wie die Schenkel
sammt den Hüften, und tragen ebenfalls kleine, schwache
Dornen. Die Tarsen sind breit und platt; das erste Glied
ist fast quadratisch, aber mit gerundeten Ecken; das zweite
ist ebenso breit, aber nur halb so lang; das dritte eiförmig,
ausgerandet, fast so lang wie die beiden ersten zusam-
mengenommen.
237
Proscorıa Klug.
1. Proscopia striata Bl.
Santiago, selten; von Gay in Coquimbo gefunden.
Mein Exemplar ist 29 lin. lang.
2. Proscopia sexspinosa Ph.
Rostro caput aequante, obtuso, alato-quadrangulo; thorace granulato
et striato; prothorace in margine antico, nec non in margine postico,
mesothorace in margine postico dentibus elevatis spinaeformibus ar-
matis; abdomine striato, posterius carinato; rudimentis alarım. —
Long. 34 lin.
In andibus et subandinis prov. Santiago satis frequens.
Der Körper ist von der Form der vorigen Art, also
ziemlich schlank und ebenso rauh und körnig. Die Augen
sitzen ebenfalls in der Mitte des Kopfes, aber der Schna-
bel desselben ist mit vier flügelartigen Kanten versehen,
so dass er linealisch und abgestumpft oder abgerundet er-
scheint. Die beiden Dornen am Vorderrande der Vorder-
brust stehen aufrecht und divergiren; es sind bald einfache,
dreieckige Spitzen, bald sind sie breiter, stumpf, ein paar-
mal eingeschnitten; die Dornen am Hinterrande derselben
sind ebenso beschaffen und bisweilen an ihrer Aussenseite
noch von einem kleinern Dorn begleitet. Auch die der
Mittelbrust sind oft von gleicher Grösse und Beschaffen-
heit, bisweilen aber auch kleiner, Die Flügelstummel rei-
chen fast bis an den Rand der Hinterbrust, die obern sind
linealisch, abgestutzt, aber mit abgerundeten Ecken und von
der Körperfarbe; die untern gefaltet, tief violett. Die Schen-
kel zeigen stark erhabene Längslinien. — Die Färbung
variirt sehr; ein Exemplar ist ganz und gar von einem hel-
len gelblichen Grün, ein zweites fast ganz aschgrau, ein
drittes hellbraun, ein viertes dunkelbraun. Das aschgraue
Exemplar hat kürzere und dickere Beine, und ist, trotzdem
es bereits die Flügelstummel besitzt, bedeutend kleiner, nur
20 Linien lang, sonst finde ich aber keinen Unterschied.
3. Proscopia gracilis Ph.
Laeviuscula, gracilis supra longitudinaliter striata; rostro caput
aequante, a basi tetraquetro, graeili, lineari; abdomine cylindrico, su-
pra leyiter striato: femoribus posticis, striatulis, supra et infra pro-
funde sulcatis. — Longit. 24 lin.
In collibus prope Santiago frequens.
238
Die Augen sind gross, . stark vorgequollen und liegen
in der halben Länge des Kopfes. Der Schnabel ist von-An-
fang an vierkantig, (die Kanten aber nicht flügelartig vor-
gezogen, wie bei der vorigen Art,) und linealisch, am Ende
abgerundet, der Kopf vor den Augen eingezogen, am Grunde
dicker, namentlich auch unten vortretend. Die Farbe ist
gelblich, oft mit grauem Grunde zwischen den erhabenen
Streifen, oft fast ganz grau, oder braun.
4. Proscopia australis Ph.
Laeviuscula, gracilis, supra longitudinaliter vix striata; rostro caput
aequante, basi tereti, vix apice tetragono; oculis parum prominenti-
bus; femoribus vix striatis, supra et infra sulco exaratis. — Longit. 25 Iin.
In proy. Valdivia .specimen cepi.
Der vorigen Art sehr ähnlich und vielleicht blosse
Varietät, der Schnabel ist jedoch in ?/, seiner Länge dreh-
rund, die Augen wenig vortretend, der Kopf vor denselben
fast vollkommen cylindrisch, am Grunde nicht verdickt, was
ihm ein sehr abweichendes Ansehen gibt; er hat oben in
der Mitte eine seichte Längsfurche, aber keine erhabenen
Längsstreifen; ebenso sind die Streifen auf Brust, Hinter-
leib und Hinterschenkel kaum zu bemerken.
5. Proscopia coniceps Bl.
Blanchard gibt keinen Fundort an; ein ausgewachse-
nes, 25 Lin. langes, ganz grünes Exemplar, ohne alle brau-
nen Streifen fand ich bei Santiago, ein junges ganz braun-
graues in der Prov. Aconcagua.
_ Die Geschlechter Tropinotus Serv. und Conometopus
Bl. kommen nur in den nördlichen Provinzen Chiles vor
und fehlen noch im Museum.
Ackwıum Geoffr.
1. Acridium cancellatum Serv.
Häufig in den Gärten von Santiago; in der Prov. Val-
divia kommt. diese Art nicht vor.
2. Acridium viride Ph.
Pubescens, viride; capite vitta mediana nigra ornato; carina pro-
thoracis sat elevata, divisa, nigra; vitta obligua utrinque in parte pos-
teriore ejus flava, nigromarginata; elytrorum parte interna s. horizon-
tali alba, prope carinam nigra; antennis nigris; alis virescente hya-
linis; tarsis tibiisque porticis roseis; spinis earum albidis, apice nigris,
— Longit. corp. 16 lin, extens. alarum 26 lin.
In prov. Santiago, Colchagua haud rarum.
239
Das ganze Thier ist stark flaumhaarig. Der Kopf hat
auf der Vorderseite vier starke Kiele, von denen sich die
beiden mittleren vereinigen, ehe sie mit der dreieckigen,
zwischen den Fühlern vortretenden Stirn zusammenstos-
sen; ein schwacher Kiel verläuft von der Spitze derselben
nach hinten; zwischen den Augen verläuft eine vertiefte
Querlinie. Cliypeus und Oberlippe sind lebhaft grün; auch
die Palpen sind grün; der obere Theil des Gesichtes fast
ganz gelb. Das Halsschild ist graugelb, sein Kiel deutlich,
durch die gewöhnlichen 3 Querfurchen in vier Theile ab-
getheilt, bei den Weibchen mässig erhaben, bei den Männ-
chen stärker, jedoch bei weitem nicht so stark, wie bei dem
sehr ähnlichen A. cristagalli; auf den drei ersten Abthei-
lungen ist der Kiel kohlenschwarz, auf der letzten von der
Farbe des Grundes. Keine Seitenkiele. Auf den beiden
letzten Abtheilungen verläuft jederseits eine schräge, von
innen nach dem Vorsprunge der Flügel gerichtete, hellgelbe,
beiderseits schwarz eingefasste Binde. Der Vorderrand
springt in der Mitte etwas winklig vor. Die Seiten der
Vorderbrust sind ganz grün, mit einem grossen, braunen
Fleck. Die Flügeldecken ragen auch beim Weibchen weit
über den Hinterleib hinaus; ihr horizontaler Theil ist flaum-
haarig. Die Unterseite des Körpers ist so lebhaft grün wie
die obere. Schenkel und Knie der Vorderbeine sind grün,
Schienen und Tarsen rosenroth, ebenso die Mittelbeine;
an den Hinterbeinen ist aber die äussere okere Kante
schwarz oder schwarzgefleckt; die Dornen der Tibien sind
grünlich weiss mit schwarzen Spitzen. — „Der Dorn des
Vorderbrustbeines ist mässig und spitzlich.
Die grüne Farbe ist bald mehr, bald weniger lebhaft
und fällt bisweilen ins Graue; die gelben Binden des Pro-
thorax verlängern sich bisweilen bis an den Ursprung der
Hinterbeine.
3. Acridium brachypterum Ph.
Viride, prothorace rugoso, valde carinato, transversim bisulcato,
märgine antico medio producfo; vittis duabus obliquis nigris in utro-
que latere prothoraeis; elytris @ abdomine multo brevioribus; tibüis
roseis, spinis earum albis, apice nigris. — Longit. corp. 18 lin.
Prope Llico in prov. Colchagua, unicum specimen.
240
Diese Art sieht der vorigen so ähnlich, dass man sie
für den Puppenzustand halten möchte, sie scheint aber aus-
gewachsen, ist weit grösser und robuster. Die Flügeldek-
ken sind nur 10 Linien lang, nach hinten verschmälert,
ihr Vorder- oder Unterrand stark gekrümmt. Dem- Pro-
thorax fehlt der braune Fleck jederseits, und die gelbe,
schräge Binde jederseits, die jene Art auszeichnet, ist hier
bis auf die schwarze Einfassung verschwunden. Sonst ist
der Prothorax ebenso runzelig, ebenso gekielt, aber schwä-
cher behaart. Auch die Beine sind ebenso beschaffen.
4, Acridium crista Galli Ph.
Desertum Atacama.
5. Acridium vittigerum Bl.
Santiago, Colchagua, (Coquimbo secundum Gay).
6. Acridium maculipenne Bl.
Santiago (Coquimbo secundum Gay), Valdivia.
7. Acridium democraticum Bl.
Valdivia, Santiago, Coquimbo sec. Gay.
PopısmAa Latr.
Podisma viridis Bl.
In prov. Valdiyia satis frequens, (Concepcion, Coquimbo sec. Gay).
Ozvırona Latr.
1. 0Oe. ochraceipennis Bl.
Santiago, Valparaiso, Valdivia etc.*)
2. Oe. atacamensis Ph.
Desertum Atacama.
3. Oe. signatipennis Bl.
Santiago, Coquimbo (Gay).
4. Oe. flavipennis Ph.
Rufo-testacea; capite conico, supra albido vittato; prothorace vix
carinato, vitta albida, utringue nigro marginata ornato; carina an-
gulosa alba utrinque; elytris immaculatis, pallidis, testaceo-flavis; fe-
moribus posticis pallide rufofuseis, apice vix obscurioribus; tibiis con-
eoloribus. Longit. corp. 8 lin.
Prope Corral specimen cepi.
Die Seiten der Brust sind hell bräunlich, ungefleckt,
aber mit braunen, einzelnen Pünktchen getüpfelt. Der Pro-
thorax hat oben eine Querfurche oder vielmehr blos eine
*) Die sehr ähnliche Oe. cinerascens Bl. habe ich entweder
noch nicht finden, oder von der vorigen unterscheiden können.
241
vertiefte Querlinie. Hinterleib, Brust und Bauch sind blass
braun; die Vorderfüsse mehr rothbraun mit einzelnen, brau-
nen Tüpfeln ; die Mittelbeine ebenso; die Hinterschenkel sind
gleichfalls hell, bräunlich, unten blasser; die Hinterschie-
nen blass, schalgelb, nur die vordere Seite gegen die Spitze
hin schwärzlich, ihre Dornen schwarz mit heller Basis; die
Tarsen sind sämmtlich blass, gelblich. Die fast strohgel-
ben, durchaus ungefleckten, ungesprenkelten Flügeldecken
zeichnen diese Art sehr aus.
5. 0Oe. chloris Ph.
Capite et prothorace medio anguste carinato, laete viridibus, supra
fusco vittatis; elytris fuscis, margine exteriore laete viridi (raro lutes-
cente), centro nigromaculato; femoribus posticis supra laete viridibus.
— Longit. 8 lin.
In prov. Valdivia invenitur.
Die Fühler und die Mundtheile sind schalgelb; die
beiden von der Stirn herablaufenden erhabenen Linien braun.
Der Kiel des Prothorax reducirt sich auf eine erhabene Linie,
die erhabenen, im Winkel gebrochenen Seitenlinien oder Kiele
sind wenig entwickelt. Auf den Seiten bemerkt man drei
vertiefte Querlinien, auf dem Rücken nur zwei; sie fallen we-
nig in die Augen. Die Seiten von Mesothorax und Meta-
thorax sind olivengrün; der Hinterleib oben braun, unten
gelbgrün. Die Flügel sind wasserhell. Die vorderen Beine
sind hellbraun; die Hinterschenkel oben lebhaft grün, an
der Aussenseite oben dunkel-, unten hellbraun, unten roth
oder gelb, innen gelblich; aussen haben sie an der Spitze
wie so viele andere Arten, einen braunen Fleck. Schienen
und Tarsen sind blassbraun. Durch die lebhaft grüne Fär-
bung eines grossen Theiles ihres Körpers leicht zu erkennen.
6. 0Oe. humilis Bl.
Valdivia, Coquimbo (Gay).
T. 0Oe. irroreta Ph.
Pallide cinerascens; vertice inter oculos haud prominente; thorace
rugoso, carinato, transverse sulcato; elytris pallide cinereis, maculis
annularibus fuscis pictis; alis hyalinis; antice fuscescentibus; femori-
bus postieis fusco-annulatis; tibiis posticis pallidissime caerulescenti-
bus. J' longit. corp. 6"/s lin., extens. alarum. 131/2 lin.
Die Augen sind stark vorgequollen, wie bei Oe. ochra-
ceipennis, aber der Scheitel tritt nicht so weit vor die Au-
gen vor, und die vier Kiele des Gesichtes sind nicht so
242
deutlich, indem sie sich mit den Runzeln desselben ver-
schmelzen und nicht gradlinig, sondern unregelmässig wel-
lenförmig verlaufen. Die Farbe des Kopfes ist röthlich grau,
und er zeigt einzelne, vertiefte, schwarze Punkte, aus de-
nen Härchen entspringen. Die Brust ist runzelig mit tie-
fer Querfurche und einem Längskiel, der schwächer entwik-
kelt ist, als bei der genannten, in Chile so häufigen Art; im
vordern Theil tritt an jeder Seite eine Runzel auffallend
hervor. Die kleinen schwarzen Ringe der Oberflügel wer-
den durch schwarzgefärbte Längs- und Queradern gebildet;
es sind deren etwa 7 in einer Reihe von der Wurzel bis
zur Spitze und drei oder vier Reihen von vorn nach hin-
ten, einschliesslich der mehr rautenförmigen Ringflecke un-
mittelbar am Hinterrande. Die Hinterschenrkel zeigen 2
schwarze Querbinden, und an der Aussenseite schwarze
Pünktchen.
Der Eremobüuts lutescens Bl. von Coquimbo fehlt dem
Museum noch.
Birmpeivßvs Bl. apud Gay.
B. tibialis Bl. ist mir noch unbekannt, allein ich be-
sitze (zwei oder drei) andere Arten, die ich zu diesem Gc-
nus rechnen möchte, welche aber dann die Definition von
Blanchard (Gay VI.p. 82) etwas modificiren würden. 1. Keine
Art zeigt einen wirklichen Kiel in der Mitte des Protho-
rax; 2. Der Zapfen des Prosternum ist bei zwei Arten quer,
zusammengedrückt, abgestutzt, bei der dritten spitz; 8. Die
Hinterschenkel sind auf dem Kiel nicht gezähnelt. |
1. B. cinerascens Ph.
Latus, brevis, punctatus et rugosus, einereus; linea elevata & ver-
tice per totum dorsum excurrente, femoribus postet subtus nigrican-
tibus. Long. 9 54/2 lin, © 11 lin. et latit. ejus er —
In prov. Santiago eaımans,
Der Kopf ist eben so breit wie lang ei zjölket auf
dem Scheitel eine erhabene Längslinie. Die _Vorderbrust
ist stark trapezförmig, hinten fast doppelt so breit wie vorn,
oben sehr flach, mit einer einzigen Querfurche; sie zeigt
oben in. der Mitte eine erhabene Längslinie und: neben der-
selben jederseits eine andere, geschwungene,.' die im.vor-
dern 'Drittheil parallel verläuft, dann plötzlich, nach innen
243
biegt und darauf wieder parallel verläuft. Mittel- und Hin-
terbrust haben erhabene Längslinien, Grübchen und unre-
gelmässige Runzeln und eine seitliche Kante, die nach hin-
ten convergirt. Der gewöhnlich vom hintern Rande des
Pronotum bedeckte Theil des Mesonotum ist kohlenschwarz
mit zwei brennend scharlachrothen Flecken, einem jeder-
seits neben dem Kiel. Die Hinterbrust ist oben zweimal
so lang wie die Mittelbrust. Der Kiel auf Brust und Hin-
terleib ist bald wenig bemerklich, bald auf dem Hinterleib
stark entwickelt, so dass die letzten Segmente desselben,
von der Seite gesehn, sägezahnartige Absätze zeigen. Der
Zapfen des Prosternum ist stark zusammengedrückt, breit, -
quer, abgestutzt, lamellenartig. Mittelbrust und Hinterbrust
sind sehr breit und ganz eben, ebenso das erste Hinter-
leibssegment. Die Schenkel sind ohne Dornen, und die
Hinterschenkel erreichen bei beiden Geschlechtern die Spitze
des Hinterleibes; die Hinterschienen sind etwas kürzer als
die Schenkel und haben auf jeder Kante etwa 7—9 Dor-
nen; der Haftlappen ist mässig breit. — Die Farbe ist sehr
veränderlich, hellgelbgrün, braungrau, rothbraun, mehr oder
weniger gesprenkelt, am häufigsten graubraun; die Hinter-
schienen sind grau, bräunlich, selbst fast roth. Die Fühler
sind 13—14gliedrig; die ersten Glieder sind sehr kurz und
wachsen allmählig an Länge, die vier vorletzten sind un-
terhalb der Mitte eingeschnürt, gleichsam in zwei getheilt.
2. B. obesus Ph.
Lividus, cinereus s. flavescens, fusco irroratus, capite supra laevis-
simo, vertice obtusissimo; thorace supra dilatato, valde plicato-rugoso,
utringue exquisite angulato; femoribus postieis brevibus, intus laete
rubris. — Long. Z' 10 lin. @ 154/z lin.
In andibus prov. Santiago et Colchagua.
Breiter, .dicker, gleichsam fetter als die vorige Art,
stärker und faltenartig gerunzelt, glatter, ohne erhabene
rauhe Punkte, heller. ‘Der Kopf ist gerundet; sein Schei-
tel; von oben gesehen, weit stumpfer und zeigt keine erha-
bene Längslinie.: Fühler wie bei der vorigen Art. Das
Pronotum hat weit stärker hervortretende, mehr entwickelte
Seitenkanten und erscheint daher breiter und flacher; die
Seitentheile sind nicht senkrecht, sondern nach innen und
244
unten convergirend. Die Kiele der Segmente des Hinter-
leibes erreichen den Hinterrand derselben nicht. Die Hin-
terschenkel erreichen die Spitze des Hinterleibes nicht; sie
sind aussen grau, gefleckt oder marmorirt, oben bisweilen
ungefleckt, heligelb, innen immer lebhaft roth. Die Hinter-
schienen sind noch kürzer, violett, bald hell, bald dunkel],
ja bisweilen beinah schwarz; ihre Dornen sind länger als
bei der vorigen Art. — Unter den vorliegenden Exempla-
ren hat eines den obern Kiel des linken Hinterschenkels et-
was gesägt.
3. B.? bicarinatus Ph.
Fuscus aut olivaceus, omnino granulatus; capite ante oculos valde
producto; thorace compresso,; prothorace bicarinato, inter carinas
postice convergentes plano; mesothorace, metathorace, abdomine su-
pra compresso-carinatis. — Long. f! 10!/s lin., @ 16 lin.
In prov. Valdivia, non valde rarus.
Der Scheitel ist flach und verlängert sieh nach vorn
über die Augen hinaus in eine abgerundete Spitze, die so
lang ist als ihre Basis zwischen den Augen. Ein sehr schar-
fer Kiel begrenzt den Scheitel von der Spitze bis zu den
Augen. Die Fühler, von gewöhnlicher Länge und faden-
förmig, haben nur acht Glieder, und sind ziemlich
stark zusammengedrückt; die beiden ersten Glieder sind
kurz, das dritte so lang wie die beiden vorhergehenden und
etwas länger als die folgenden vier, die gleich lang sind;
das Endglied ist fast doppelt so lang. Die beiden Kiele
des Pronotum kann man als eine Fortsetzung der Kiele
des Scheitels betrachten; sie vereinigen sich kurz vor dem
Hinterrande;; Mittelbrust, Hinterbrust sind unten breit, flach,
eben so wie der Hinterleib dachförmig mit.scharfer Firste.
Der Zapfen des Prosternum ist ziemlich lang und spitz.
Die Beine sind wie bei den vorigen Arten, nur die Hinter-
schenkel sind weniger dick, und ihr Unterrand fast gerade,
nieht so bauchig gekrümmt; sie erreichen beim f und'Q
die Spitze des Hinterleibes und sind unten roth mit schwar-
zem Längsstreifen in der Mitte. Die Schienen sind so lang
wie die Schenkel, blassgrünlich, mit dunkeln Dornen.
Die Verschiedenheit in der Zahl der Fühlerglieder
rechtfertigt vielleicht die Aufstellung eines eigenen Ge-
245
schlechtes, wofür ich den Namen Tropidosiethus von Toorıg
Kiel und 0o77J0og Brust vorschlage.
Terrıx Latr.
T. miserabilis Bl.
Herr Gay fand diese Art in der Prov. Coquimbo, das
Museum besitzt sie aus der Prov. Colchagua.
Schlussbemerkung.
Herr Blanchard beschreibt bei Gay 46 Arten Orthop-
teren, zu denen noch 2 von ihm vergessene oder ver-
kannte Arten zu rechnen sind (Periplaneta brunnea Klug
und Bacteria spatulata Burm. non Bl.), es waren also da-
mals 48 Arten Orthopteren aus Chile bekannt; ich habe im
vorstehenden 32 neue Arten, also 66 Proc. hinzugefügt, so
dass die Gesammtzahl der Chilenischen Arten sich auf 80
belaufen würde, von denen mir aber noch 16 d. h. der fünfte
Theil unbekannt geblieben sind, meist Arten aus den nörd-
lichen Provinzen Coquimbo und Copiapo.
Die Schlupfwespenfamilie PIMPLARIAE
der deutschen Fauna,
mit besonderer Rücksicht auf die Umgegend von Halle
von
E. L. Taschenberg.
Soweit es überhaupt möglich ist, unter den Ichneu-
monen im Sinne Gravenhorst's (Ichneumonologia eu-
ropaea Vratisl. 1829) scharf abgegrenzte Familien aufzu-
stellen, hat auch die genannte einen bestimmten ‚Typus,
welcher in der Gattung Pimpla repräsentirt wird, Wie
überall, sind es aber eigentlich nur die Weibchen, welche
festere Anhaltepunkte gewähren; sie spielen in der folgen-
den Eintheilung eben so die Hauptrolle, wie in der Bear-
beitung der Gattung Ichneumon von Wesmael. Zunächst
246
erkennt man die Familienglieder an dem nicht gestiel-.
ten, also entschieden deprimirten, nach vorn wenig ver-
schmälerten ersten Gliede, eines im Ganzen deprimirten
(von oben nach unten zusammengedrückten) Hinterleibes
und an dem deutlich hervorragenden, bisweilen sehr lan-
gen Legebohrer. Bei einigen verdickt sich die Spitze des
Hinterleibes etwas und dann wird seine Ausdehnung von
oben nach unten grösser als von den Seiten her, er er-
scheint also mehr seitlich zusammengedrückt (comprimirt).
In einzelnen Fällen, wo ein kurzer Hinterleibsstiel vorhan-
den, der Höhen- und Breiten- Durchmesser sich ziemlich
gleichen, ist der Kopf besonders kugelig (Odontomerus) und
die Hinterschenkel haben einen Zahn. Die Spiegelzelle
der Flügel ist entweder dreieckig oder fehlend, in nur ei-
nem Falle (Echthrus) ist sie fünfeckig, mit ziemlich paralle-
len Querseiten. Der Kopf ist länger als breit, bei einer
Abtheilung, den Xoriden, mehr kubisch oder kugelig, das
Kopfschild deutlich durch eine Querfurche abgesondert, aus-
ser bei Acoenites und Schizopyga, die Augen meist schwach
ausgerandet an der Fühlerwurzel. Fühler fadenförmig, ihre
Glieder vollkommen cylindrisch und dann schwer von ein-
ander zu unterscheiden, oder an den Spitzen kaum knotig
geschwollen, dabei aber immer viel länger als: breit (wie
bei den Cryptiden). Thorax buckelig, länger als hoch, bei
den Xoriden mehr walzig. Hinterrücken nur Selten voll-
ständig gefeldert, seine Luftlöcher häufiger klein und kreis-
rund, als elliptisch. Klauen der Beine einfach, gekämmt
bei Meniscus und Phyiodietus.
Als Literatur wurden benutzt:
1. Das oben eitirte Gravenhorst’sche Werk, welches die
Grundlage bildet.
2. Aug. Emil Holmgren, Försök till Uppställning och bes-
krifning af sveriges Ichneumonider, III. Serien. Fam. Pimpla-
riae, in Kongliga Svenska Vetenskaps - Akademiens Handlin-
gar ny följd ILL. 2. 1860.
3. Ratzeburg, die Ichneumonen der Forstinsekten I. Berl.
1842. II. 1848.
Von grosser: Wichtigkeit war es, dass mir durch die
zuvorkommendste Bereitwilligkeit: der Herren Professoren
247
Grube die Exemplare der Gravenhorst’schen Sammlung und
Ratzeburg die von ihm erbetenen, neu benannten Arten zur
Verfügung gestellt wurden, wofür ich.den genannten Her-
ren hiermit meinen aufrichtigsten Dank ausspreche. Ich
habe somit die meisten Typen Gravenhorst's und die Typen
Ratzeburgs aus der Gattung Pimpla untersucht.
Ehe die Uebersicht der Gattungen folgt, noch einige
Bemerkungen über einzelne Theile und Ausdrücke, welche
hauptsächlich bei den Unterscheidungen in Betracht kom-
men. Am Hinterrücken wird der vordere, obere Theil von
dem abschüssigen unterschieden, beide gehen entweder all-
mälig in einander über oder sind durch eine Querleiste von
einander scharf geschieden, der vordere, obere Theil heisst
gefeldert, wenn er mehre Leisten hat; diese sind voll-
ständiger oder unvollständiger; die Luftlöcher liegen etwa
in der Mitte der vordern Hälfte, mehr auf deren Rücken
als der Seite. Die mittlere und immer kleinste Cubital-
zelle der Vorderflügel heisst bekanntlich Spiegelzelle
(areola), an den Unterflügeln die dem Innenrande und zugleich
der Wurzel am. nächsten gelegene Querader, von welcher
aus ein feiner Längsnerv nach dem Aussenrande. hinläuft
ist immer innerer Quernerv (nervus transversus analis))
genannt worden, und wenn er gebrochen heisst, ist die
Stelle gemeint, wo er jenen Längsnerv aussendet, auch für
den Fall, wo er selbst ganz gerade verläuft. Unter Seg-
ment ist stets ein Glied des Hinterleibes gemeint. An
der Hinterleibsspitze sind in Bezug auf das Hervorkommen
des Bohrers 2 wesentlich verschiedene Fälle zu unterschei-
den, entweder reicht die letzte Bauchschuppe bis zur Spitze
oder fast so weit, so dass der Bohrer aus der Spitze selbst zu
kommen scheint, oder sie liegt in der Nähe der Bauchmitte
und der Bohrer kommt aus einer längern, oder kürzeren
Bauchspalte.e. An den Beinen heissen die kleinen Glieder
zwischen Hüfte und Schenkel bekanntlich Schenkelringe
und die Klauen einfach, wenn sie höchstens Borsten an ih-
rer Wurzel tragen und nicht, wie ein Kamm gezähnt sind;
bei manchen Arten sind sie an der Wurzel stark lappenar-
tig erweitert. Es gehört eine gute Lupe dazu, ohne die
man bei Betrachtung solcher Thiere überhaupt nichts aus-
248
richten kann, und einige Uebung, um über diese feineren
Beobachtungen bald ins Klare zu kommen. Bei der Boh-
rerläinge wurde immer nur das Stück gemessen, welches
über die Hinterleibsspitze hinausragt, also nie die wahre
Länge wiedergiebt, da die Basis immer tiefer im Hinter-
leibe sitzt, manchmal in seiner Mitte.
nn}
O
Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen.
(Gravenharst’s Pimpla Gen. 6, Acoenites Gen. 12, Xorides Gen. 13,
Phytodietus, Macrus, Coleocentrus.)
Kopf viel breiter als lang, Hinterleibswurzel ganz entschie-
den deprimirt 2
— mehr oder weniger kubisch oder kugelig, Hinterleib
in einzelnen Fällen fast gestielt (Xorides) 16.
Hinterleib deutlich deprimirt, höchstens seine Spitze Q aus-
genommen 3.
— etwas comprimirt, aber nie so, dass der Rücken
gekielt erschiene und immer mit deprimirter Basis. Bohrer
aus der Spitze kommend, indem die Bauchschuppe sehr
gross ist 15.
Mittelrücken querrunzelig; Hinterleib und der aus einer
Bauchspalte kommende Bohrer sehr lang; Spiegelzelle drei-
eckig: Gen. 1. Rhyssa.
— nicht — 4.
Segmente vom 2. an uneben auf der Oberfläche durch war-
zige Erhebungen und Eindrücke, oder durch letztere allein,
wenn diese in einem Falle weniger deutlich sind, dann der
ganze Körper lehmgelb 5
—_ — — glatt und eben 11.
Die mittleren Segmente auch beim „’ länger als breit, sel-
ten quadratisch, Bohrer aus einer Bauchspalte kommend.
Spiegelzelle dreieckig: Gen. 2. Ephialtes.
— — breiter als lang, selten quadratisch 6.
Bohrer aus einer Bauchspalte kommend 7.
— — der Hinterleibsspitze kommend, indem die letzte
Bauchschuppe bis dahin reicht, keine Spiegelzelle (mit 1
Ausnahme) 10.
Spiegelzelle dreieckig 8.
—_ unvollkommen, oder ganz fehlend 9.
Körper ganz lehmgelb, Hinterleib glänzend, ohne Punkti-
rung, mit sehr schwachen Quereindrücken vor dem Hinter-
rande der Segmente. Hinterschenkel kräftig:
Gen. 3. T’heronia.
— nicht — — stärker oder schwächer
punktirt: Gen. 4. Pimpla.
10.
11.
12.
13.
15.
16.
17.
18.
19.
24)
Schenkel nicht verdickt. Kopfschild getrennt:
Gen. 5. Polysphincta.
_— verdickt. — nicht getrennt:
Gen. 6. Schizopyga.
Hinterleib wie bei Pimpla, Klauen nicht gekämmt; Bohrer
unter halber Hinterleibslänge: Gen. 7. Clistopyga.
— Segment 2—4 mitje 2 schrägen Linieneindrük-
ken; Klauen gekämmt, Bohrer wenigstens von Hinterleibs-
länge: Gen. 8. Glypta.
Bohrer aus der Leibesspitze kommend. Spiegelzelle drei-
eckig, selten unvollkommen 12.
— -—- einer Bauchspalte kommend 13.
Klauen nicht gekämmt, nur an der Basis borstig:
Gen. 9. Lissonota.
— gekämmt: Gen. 10. Meniscus.
Klauen gekämmt, Spiegelzelle deieckig, Fühlergeisel nicht
ausgefressen: Gen. 11. Phytodielus.
— nicht gekämmt 14.
. Fühlergeisel Ö nicht ausgefressen. Spiegelzelle dreieckig:
Gen. 12. Cryplopimpla.
— 0 Glied 3und 4 nach aussen wie ausgefressen.
Spiegelzelle fehlend: Gen. 13. Lampronota.
Spiegelzelle dreieckig und gestielt, Beine schlank, Schild des
ziemlich aufgetriebenen Kopfes geschieden. Fühler über hal-
ber Körperlänge: Gen. 14. ColeocentrusQ. Macrus cd.
— fehlend, Hinterhüften nebst Schenkeln verdickt.
Kopfschild unvollkommen geschieden. Fühler kaum länger
als Kopf und Thorax zusammengenommen:
Gen. 15. Acoenites.
Alle Schenkel unbewehrt, öfter verdickt 17.
Hinterschenkel sehr dick, mit einem nach unten stehenden,
kräftigen Zahne, Kopf fast kugelig. Spiegelzelle fehlend:
Gen. 20. Odontomerus.
Stirn nicht gehörnt 18.
— mit breitem Zapfen unter dem vordern Nebenauge.
Spiegelzelle fehlend: ‚Gen. 19. Milroboris.
Spiegelzelle fehlend 19.
— fünfeckig. Bohrer aus einer Spalte kommend.
Vorderschienen, besonders @ dick, an der Wurzel schnell
verengt: Gen. 18. Echthrus.
Kopf gegen den Mund hin nicht verengt, Hinterrücken
deutlich gefeldert, Schienen, besonders die vordersten Q ver-
dickt, an der Wurzel schnell verengt : Gen. 16. Xylonomus.
Fe u verengt, Hinterrücken un-
vollkommen oder gar nicht gefeldert.. Beine schlanker:
Gen. 17. Xorides,
XXI. 1863: 17
250
Gen. 1. EBhyssa Gr. II. 260.
Kopf breiter als lang, das Schild von ihm durch eine
Querfurche getrennt, kurz. Fühler wie bei Cryptus, die
Glieder mit schwach verdickten Enden. Mittelrücken drei-
lappig, querrunzelig. Hinterrücken mit seichter Längs-
furche, schwach querrunzelig, seine Luftlöcher oval, vor
der Mitte. Hinterleib cylindrisch, gestreckt, sein Ende 9
etwas compromirt, das erste Segment mit seichter Längs-
furche, die mittleren länger als breit, Bohrer lang, oft sehr
lang, aus einer Bauchspalte entspringend, Spie-
gelzelle der meist gelblichen Flügel dreieckig. Beine ge-
wöhnlich, Klauen einfach. Beim „ pflegt das Gesicht weiss
oder gelb gefärbt zu sein, während beim @ nur der innere
Augenrand diese Farbe hat.
Die stattlichen Thiere fliegen in Nadelwäldern, weil
sie bei den daselbst hausenden Holzwespen schmarotzen.
Arten:
1. Alle Hinterleibsglieder am Hinterrande ganz. Kopfschild
in der Mitte vorn etwas vorgezogen (Rhyssa Holmgr.) 2.
Einzelne — 3-7) — ausgeschweift, was
beim Q öfter dadurch bewirkt wird, dass der Seitenrand
schuppenartig über das nächste Segment übergreift. Kopf-
schild vorn gestutzt (Thalessa Holmgr.) 4.
3. Körper mit weissen Zeichnungen: die mittleren Segmente
mit je 2 weissen Seitenflecken. Beine gelbroth 3.
— schwarz, höchstens ein gelbes Fleckchen an der
Flügelwurzel. Gesicht und Beine gelbroth, die hintersten
schwarz, ihre Schenkel an einer Seite roth, ihre Schenkel-
ringe bleich: Sp. 1.R. approximator.
3. Fühler weiss geringelt. Beine bleich rothgelb, die vordern
Hüften ganz (X), oder zum Theil (9) weiss, die hintersten
ganz (X), nur ein Fleck daran und die Tarsen (9) braun.
Flügel glashell: Sp. 2. R. amoena.
— nicht weiss geringelt. Schienen und Tarsen der Hin-
terbeine braun. Flügel gelblich: Sp.3. R. persuasoria.
4. Hinterschienen gekrümmt, nebst ihren Tarsen schwärzlich,
sonst die Beine gelbroth. Thorax ausser den hellen Flügel-
schuppen und Hinterleib schwarz, zeichnungslos:
Sp. 4. R. curvipes.
— gerade 5.
5. Körper schwarz mit weissen Zeichnungen. Schienen und
Tarsen der Hinterbeine braun 6.
— — — gelben Zeichnungen. Mittelrücken
331
und Segment 2 mit 2 gelben Längslinien oder Flecken.
Beine rothgelb, die hintersten stellenweise braun:
Sp. 7. R. superba.
Körper schwarz, roth und gelb gezeichnet. Beine rothgelb
(5), oder roth, stellenweiseheller(9). Sp.8.R. clavata.
Die mittleren Segmente mit einem grossen, weissen Seiten-
flecke. Beine gelbroth. Bohrer doppelt so lang, als der
Körper: Sp. 5. R. leucographa.
Die letzten(3>—7) — mit weissem Hautrande Beine
roth. Bohrer von Körperlänge, oder etwas länger:
Sp.6.R. oblilerata.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
R. approsimator &' F. Gr. Segment 1 und 2 nadelrissig,
schwach längsfurchig. Flügelwurzel und Schüppchen weiss-
lich. Spiegelzelle kaum gestielt. Lg. 9,5 —12 millim.
R. amoena Mus. Kl. Gr. Hinterleib (Y) schwarzbraun mit
weissen Hinterrändern, die vom dritten an in der Mitte un-
terbrochen sind, beim Q schwarz, Segment 1 mit ganzem,
‘2 mit unterbrochenem, weissen Hinterrande , 3 und die fol-
genden mit je 2 weissen Seitenflecken Bohrer länger als
der Körper. — Leg. f' 16,5, @ 18 millim.
R. persuasoria aut. Gr. In den weissen Zeichnungen sehr
veränderlich, besonders kommen Männchen mit ganz schwar-
zem : Schildchen oder mit schwarzen Hüften vor. — Le.
13—30 millim. — Schmarotzt in Sirex jwencus. — H.
10/,, 19/
12.349
R. curvipes Q Gr., Ratzb. Ichn. d. Forstins. DI. 104 be-
schreibt den 5 dazu. Form, Färbung an Kopf und Beinen
von der vorigen Art, aber Hinterleib einfarbig, schwarz, stark
glänzend und glatt, Segment 4 und 5 deutlich ausgerandet,
l gerinnt und wie die Bassis von % nadelrissig, Hinterrük-
ken tief und eng gerinnt. Spiegelzelle sehr klein, ihr Stiel-
chen länger als das Dreieck; die Flügel glashell. Lg. 13—15
millim. — Aus Xyphidria camelus erzogen.
R. leucogaster @ Gr. Gestalt und Grössenverhältnisse der
Körpertheile, wie bei 8. Spiegelzelle kaum gestielt. Lg. 19,25
— 21,5 millim.
R. obliterata @Q Gr. Gestalt nnd Grössenverhältnisse der Kör-
pertheile, wie bei 3, aber die Spiegelzelle kleiner. Lg. 17—21,5
millim. — H. Rabeninsel.
R. superba Schrk. Gr. Lg. 17— reichlich 30 millim. —
Wurde aus Sirex (Tremex) fuseicornis erzogen.
R. clavata F. Gr. Segment 3—7 am Bauche mit einer
Längsriefe, auf dem Rücken am Hinterrande tief ausgeschnit-
ten. Lg. 17—32,25 millim. wurde gleichfalls als Sir. fus-.
cicornis erzogen. — H. (teste Fabr.)
102
252
Holmgren hat die Arten um 2 vermehrt: R. alpestris @ Kopf-
schild zahnartig in der Mitie seiner Spitze vorgezogen. Die
Luftlöcher des Hinterrückens beinalıe kreisförmig, Hinterleib
sehr fein nadelrissig, ziemlich matt. Lg. 4—6'; aus Xy-
phidria dromedarius erzogen, und Th. emarginata X Mus.
Gyll. bei clavata. Lg. 26—30 millim.
Gen. 2. Ephialies Gr. III. 224.
Kopf breiter als lang, sein Schild durch eine Querlinie
getrennt, an der Spitze mehr oder weniger niedergedrückt
und ausgerandet. Fühler fadenförmig, die Enden der Glie-
der in keiner Weise knotig verdickt, Mittelrücken glatt,
schlank, nach vorn verengt, nicht querrunzelig, unvoll-
kommen dreilappig. Hinterrücken entsprechend nach hin-
ten verengt oder gedrungen, fast immer mit 2 Längsfur-
chen und einer flachen Rinne dazwischen, seine Luftlöcher
klein, rund. Hinterleib gestreckt, eylindrisch, die vor-
dern Segmente mehr oder weniger länger als breit, selten qua-
dratisch, (das zweite immer länger als breit), auf der Ober-
fläche dicht und grob punktirt und uneben durch je eine
warzige Erhebung an der Seite und wulstige, aber glän-
zende Hinterränder, die in der Regel längsriefig sind. Boh-
rer aus einerBauchspaltekommend, mindestens
solang, meist aber länger als der Körper. Spie-
gelzelle dreieckig. Klauen nicht gekämmt.
Alle Arten mit parallelen Hinterleibsrändern, bei de-
nen der Bohrer so lang, wie der ganze Körper, oder noch
länger über denselben hinausgeht, sind unter dieser Gat-
tung aufzusuchen. Für die Männchen lässt sich kaum ein
sicheres Kriterium anführen, ob sie dieser oder der Gat-
tung Pimpla angehören, weil sie bei letzterer meist schlan-
ker als die Weibchen sind.
Diese Schlupfwespen leben in den holzbewohnen-
den Larven verschiedener Insekten, und die Arten sind je
nach den Wirthen, die sie bewohnten, sehr veränderlich in
Grösse der Exemplare.
Arten:
1. Körper schwarz, höchstens ein Fleck oder eine Linie vor den
Flügeln gelb. Beine schlank, besonders die hintersten. Klauen
Q an der Wurzel lappig erweitert 2.
253
Körper bunt, (roth, schwarz, gelb, weiss). Hinterschenkel et-
was geschwollen, ihre Hüften eiförmig. Kopf vor den Au-
gen stark verengt 9.
. Hinterschienen gebogen, aussen bräunlich, ihre Tarsen braun,
im Uebrisen die Beine gelbrotb. Hinterleib mit schwachen
Tuberken. Segment 3 und 4 kaum länger als breit, die fol-
genden quadratisch. Bohrer bleich, von Körperlänge, Taster
rothgelb, Flügelwurzel und Schüppchen und ein Fleckehen
davor strohgelb: Sp. 1. E. messor.
— gerade 3.
Segment 2—5 (9) —7 (cf) länger als breit 4.
— 3-—5 (9) quadratisch 8.
Segment 2—4 an jeder Seite mit je einem schiefen, linien-
förmigen Eindrucke, 1 länger als breit, seine Kiele bis über
die Mitte verlängert. Beine roth, die schwärzlichen Schienen
und Tarsen der hintersten gleich lang. Mittelhüften 5 mit
kräftigem Zahne nach aussen. Bohrer von Körperlänge:
Sp. 2. E. mesocentrus.
— ohne schräge Linien 5.
Segment 1 fast quadratisch, eine gelbe Linie vor den Flü-
geln. Kopfschild breiter, am Vorderrande nur ausgeschnitten,
nicht eingedrückt, rothgelb; Hinterrücken ohne Spur von
Längsfurche, beim 0 die Fühlerwurzel unten gelb, Beine roth,
Schienen und Tarsen der hintersten mehr oder weniger ge-
brännt: Sp. 6. E. carbonarius.
— merklich länger als breit, keine gelbe Linie 6.
Hinterleib höher als breit, mit sehr schwachen Tuberkeln.
Hinterbeine dunkler als die vordern, ihre Hüften schwarz:
Sp.3. E. strobilorum.
— . nicht — 0 grossen Unebenheiten.
Alle Beine roth, wie ihre Hüften, nur die Schienen und Tar-
sen der hintersten dunkler 7.
. Rücken der mittleren Segmente mit, abgerundet rhombischer
Verflachung und ‚lederartiger Oberfläche. Hintertarsen län-
ger als ihre Schienen. Mal der gelblichen Flügel dunkelbraun.
Bohrerscheide kurz wimperhaarig: Sp-4. E.imperalor.
—_ — — — ohne solche Rhomben, die Sei-
ten mit schwächeren Tuberkeln, aber mit starken, groben Punk-
ten dicht besetzt. Hintertarsen so lang wie ihre Schienen.
Mal der gelblichen Flügel rothgelb oder hellbraun. ' Bohrer-
scheide lang wimperhaarig: Sp.5.E.rex.
. Segment I nicht länger als breit, ohne Rinne am Rücken-
theile, Hinterrücken gleichfalls ohne solche. Der innere Quer-
nerv in der Mitte oder kaum darüber gebrochen, ein gelbes
Fleckchen oder eine gelbe Linie vor den Flügeln:
Sp.7. E. extensor.
10.
1.
2.
3
4.
254
Segment. I länger als breit, mit flacher, aber deutlicher Rinne
am Rückentheile, Hinterrücken gleichfalls mit Andeutung
einer solchen. Die Tuberkeln stark vortretend, besonders an
Segment 3—5. Der innere Quernerv der Hinterflügel deut-
lich über der Mitte gebrochen: Sp.8. E. tuberculatus.
. Thorax schwarz, gelblich weiss sind: eine Linie vor, ein Punkt
unter den Flügeln, eine Linie hinter dem Schildchen und des-
sen Spitze selbst, Taster, Wurzel der Kinnbacken, innerer
Augenrand und die hintersten Ränder der Segmente, - Beine
roth, die vordersten unten gelb, die hintersten Schienen und
Tarsen schwarz. Flügelmal pechschwarz:
Sp.9. E. albicinctus.
— mit Ausschluss des Halses roth; eine Linie vor den
Flügeln, ein Fleck unter jedem, Spitze des Schildchens, eine
Linie dahinter und der Hinterrand des Metathorax und der
Segmente gelblich weiss. Beim das ganze Gesicht, Q we-
nigstens die innern Augenränder und die des Scheitels weiss.
Körper flaumhaarig 10.
Die äussern Augenränder schwarz, Hintertarsen nicht deut-
lich dunkel geringelt: Sp. 10. E. mediator.
Alle Augenränder weiss, Seiten des Halses gleichfalls; an
den ganz bleichgelben Beinen die Tarsen der hintersten mit
scharf dunklen Enden der Glieder:
Sp. 11. E. varius,.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten:
E. messor Q Gr. Lg. 13—15 millim. Wurde aus der Wachs-
schabe Tin. mellonella erzogen.
E. mesocentrus /' Gr. Der Catalog des brit. Museums von
Desvignes erwähnt auch das ©. Lg. 15 millim. Bohr. desgl.
E. strobilorum (Pimpla) Rtzb. D, 94. Glänzend schwarz der
sehr schlanke Hinterleib etwas comprimirt. Hinterrücken
mit deutlicher Längsrinne, Rücken von Segment 1 mit einer
Andeutung davon, Scheitel sehr breit. Bleichgelb sind die
Taster, Flügelschüppehen und Wurzel und der Bohrer.. Mal der
irisirenden Flügel etwas dunkler. Beine gelbroth, die hinter-
sten braunroth, alle Hüften schwarz, die Schenkelringe auch
dunkel, vor und hinter ihnen die Gelenke aber weisslich.
Einterlieine sehr lang. Lg. 8,75, Hinterleib 5,75, Bohr. 11,5
millim. Das co’, welches ich nicht kenne, wird von Ratzeburg
mit P. linearis verglichen, doch sind hier die Hinterschenkel
und Schienenenden sehr dunkel und der Hinterleib noch ge-
streckter. ‘Wurde aus Fichtenzapfen erzogen, in denen: Ano-
bium abietis, Tort. strobilana und Tin. abietella gewirthschaf-
tet hatten.
E. imperator Kriechbaumer St. E. Z. 1854, p. 159 = mani-
festator Gr. theilweise. Abbildung des Q@ bei Ratzeburg 1. c.
255
T£. VI, £. 6. Die grösste Art, 19—38 millim. das grösste
Exemplar meiner Sammlung misst reichlich 39, Hinterl. 20,5,
Bohr. 37,5 millim. — H. '/;,. Dessauer Haide im Mai.
5. E. rex Kriechb. 1. c. — manifestator aut. theilweis, 21,5—26
millim. Mein erösstes Exemplar misst 24, Hinterl. 15,5,
Bohr. fast 30 millim. Ein # erzog ich aus Sesia sphegiformis
5). Diese oder die vorige Art (E. imperator) wurde er-
zogen aus Trypoaylon figulus. — H. °/;—*]s-
6. E. carbonarius Christ Gr. — gracilis d' Gr. Das rothgelbe,
ziemlich breite Kopfschild, die silberhaarige Stirn, eine gelbe
Linie vor den Flügeln und der deutlich über der Mitte ge-
brochene Quernerv der Hinterflügel, so wie der kiellose Hin-
terrücken kennzeichnen diese Art. Beim 4 ist ausserdem die
Fühlerwurzel unten gelb. Lg. 15,5, Hinterl. 11, Bohr. 28
millim. Wurde erzogen aus Saperda oculata und populnea.
— H. *,,— 25).
7. E. extensor Pz. Um den Namen war ich verlegen. Den ge-
wählten, über den ich keine weitere Rechenschaft geben kann,
_ und der von andern Autoren, wie L. und F. schon verwen-
det wurde, trägt nach Burmeisters Bestimmung eine Art,
welche ausserordentlich der vorigen gleicht, sich aber durch
Folgendes unterscheidet: 1. Das Kopfschild ist schwarz, vorn
eingedrückt und ausgeschnitten, so dass es viel kleiner er-
scheint, als bei voriger Art. 2. Die Hinterleibssegmente sind
vom 3. an viel kürzer als dort und das ganze Thier nie so
gross. 3. Der innere Quernerv der Hinterflügel ist in der
Mitte oder kaum darüber gebrochen. 4. Beim 0° sind die Füh-
ler unten nicht gelb und das Gesicht kaum silberhaarig. Län-
genverhältnisse eines grossen Exemplars 11,5, Hinterl. 7,3;
Bohr. 12,25 millim., eines kleineren, mehr normalen Exempl.
fast 9,5, Hinterl. 6, Bohr. fast 10,5. — H. 5),—”*/s. *)
8. E. tuberculatus Fourc. Gr. — Pimpla Reissigii Ratzeb. 1. c.
II. 89. Flügelschüppchen meist etwas dunkler als bei den
verwandten Arten, in der Regel auch kein helles Fleckchen
davor. Flügel stark gelb. Lg. 14, Hinterl. 9, Bohr. 17,5
millim. Wurde erzogen aus einem Bockkäfer im Eichenholz
und aus Cryptorh. lapathi nach Ratzeb. — H. 8), —°)o-
9. E. albicinctus @ Gr. Lg. 19 millim.
*) Pimpla caudata Q Ratzeb. 1. c. II, 92, welche aus Oynips ter-
minalis erzogen Wurde, kann ich nur für die eben beschriebene Art
halten. Leg. fast 8,5, Hınterl, fast 5, Bohr. kaum 9 Millim.
Pimpla longiseta Ratzeb. 1. c. I, 117 kann auch nur hierher ge-
hören, wenigstens finde ich in Sculptur, Habitus und Färbung keinen
Unterschied, es sei denn, dass die Brustseiten etwas deutlicher punk-
tirt und die glänzenden Hinterränder der Segmente etwas schmäler er-
scheinen. Lg. 7,5 Hinterl. 4,5, Bohr. 10 Millim. Wurde erzogen aus
Tort. dorsana,
256
10. E. mediator F.. Gr. Hüften, Schenkel und Schienen der Hin-
terbeine etwas dunkler als die vordern, die Schienen an der
Spitze verloschen gebräunt. Hinterleib von Männchen und Weib-
chen hinter der Mitte am breitesten. 7,5—13 millim. Län-
genverhältniss eines grossen Q, welches ich vor mir habe:
13,5, Hinterl. 9, Bohr. 18 millim. Wurde SrAoBEn aus Ay-
phidria camelus. — H. 2, —!)y-
. E. varius Gr. — Pimpla decorata Ratzeb. l. c. Schlanker
als vorige Art; Hinterleib in der Mitte am breitesten Lg. 10,
Hinterl. 6, Bohr. fast 11,5 millim. — H. ??,. Von E. di-
vinator Ross, den ich nicht kenne, giebt Gravenhorst an,
dass der Hinterleib, die Beine und der Bohrer kürzer seien,
als bei Nr. 10, letzterer nur von Hinterleibslänge.
1
| y
Gen. 3. Theronia Holm. ].c. p. 16. Pimpla Gr.
Gestalt der folgenden Gattung. Kopf breiter als lang,
sein Schild deutlich durch eine gebogene Naht abgesondert,
an der Spitze in seiner ganzen Breite eingedrückt, so dass
es sich in seiner Mitte in eine stumpfe Leiste
zu erheben scheint. Fühler fadenförmig, kurz und
dick, ihre Glieder vollkommen cylindrisch, die der vordern
Hälfte breiter als lang; Augen den Fühlern gegenüber et-
was ausgerandet. Thorax kräftig, wenig länger als hoch.
Hinterrücken vorn mit 3 deutlichen Feldern, deren mitt-
leres quadratisch ist; in den Seitenfeldern die Luftlö-
cher gross und langgezogen. Hinterleib in der Mitte
am breitesten, beim o fast mit parallelen Seitenrändern.
Segmente breiter als lang, mehr oder weniger uneben,
aber nicht punktirt. Bohrer @ aus einer Bauchspalte
kommend, etwa von !/; Hinterleibslänge. Spiegelzelle fast
fünfeckig.. Hinterbeine kräftig, besonders ihre
Schenkel; Klauen aller einfach, ein gestieltes Polster; da-
zwischen. Nur eine Art:
T. flavicans F. Gr. III, 141. Glänzend gelbroth, verschieden
schwarzfleckig, besonders längs der Nähte, Bohrerscheide
schwarz. Lg. 9—11 millim. (auch 4 und 15) ist aus den
verschiedensten Schmetterlingspuppen erzogen worden. Pap.
cralaegi, Van. polychloros, Lim. camilla, Bomb. pini, dispar,
chrysorrhoea, Tor. viridana, Sciaph. penziana. — H. °,— 3]; ;
überwintert unter Laub.
Gen. 4. Pimpla F. Gr. II, 137.
In der Körperbildung kaum von Ephialtes verschieden
und nicht ohne Uebergänge dahin, doch fällt die gedrun-
257
genere Form, wenigstens beim Q@ gleich in die Augen,
dadurch hervorgerufen, dass die Hinterleibsglieder breiter
als lang sind und der Bohrer bei den meisten Arten die
Länge des Hinterleibes nicht übertrifft, häufiger sie nicht
erreicht; die wenigen Arten, wo sie dem Körper gleich-
kommt (terebrans) oder denselben noch übertrifft (ruficollis)
sind dann hier zu suchen, wenn der-Hinterleib in der Mitte
deutlich breiter ist. — Kopf kurz und breit, häufig mit ein-
gedrückter Stirn; Kopfschild deutlich geschieden, vorn in
der Mitte niedergedrückt oder seicht ausgehöhlt. Augen
länglich, mehr oder weniger deutlich ausgerandet der Füh-
leıwurzel gegenüber. Fühler fadenförmig, beim ‘ ein we-
nig kräftiger, ihre Glieder vollkommen cylindrisch, biswei-
len die Enden der ersten Geiselglieder etwas angeschwol-
len, Schaft an der Spitze ausgeschnitten. Thorax kräftig,
Schildchen erhaben, nach hinten gerundet. Metathorax viel
kürzer als hoch, mit ovalen oder kreisrunden Luftlöchern,
gar keinen, in wenigen Fällen jedoch einigen Feldern. Hin-
terleib mit fast parallelen Seitenrändern, besonders beim
gestreckt, oder in der Mitte am breitesten, sein erstes
Glied fast quadratisch, meist schwach gekielt, seine Luft-
löcher nahe der Basis. Segment (2?—3-—7 breiter als
lang (P. oculatoria allenfalls ausgenommen, beim X auch
quadratisch oder länger als breit), auf der Oberfläche un-
eben, warzig erhaben, eingedrückt, punktirt und
dadurch wenig glänzend, nur die wulstigen 'Hinterränder
glätter und glänzender. Bohrer aus einer Bauchspalte
entspringend,. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle.
Krallen einfach, beim © öfter an der Wurz«l ‚lappig er-
weitert. -
Arten:
1. Luftlöcher des Hinterrückens oval: oder, eiförmig, innerer Quer-
nerv. der Hinterflügel nicht unter seiner Mitte gebrochen
(meist darüber oder genau in derselben) 2.
ve ur u kreisföormig und darum kleiner
und undeutlicher. Fühlerglieder @ vollkommen cylindrisch 10.
2. Klauen @ nicht lappig erweitert an ihrer Wurzel. Bohrer
unter Hinterleibslänge 3.
— ‚lappig erweitert, Fühlerglieder vollkommen eylin-
drisch 7.
258
Fühler © schlank, die Enden der ersten Geiselglieder wenig-
stens schwach geschwollen 4.
— kräftig und cylindrisch, wie bei den meisten Arten.
Schwarz. Taster, ein Flecken vor den Flügeln, ihre Wurzel,
Schüppchen undMal gelb, Beine rothgelb, die Schienenspitzen
und Tarsen mit Ausschluss der bleichen Wurzel an den hin-
tersten schwarz: Sp. 6. P. pudibundae.
Hinterhüften roth. Die schwarzen Hinterschienen vor der
Wurzel mit weissem Ringe. Beim 5 Oberlippe, Kopfschild
und Fühlerwurzel unten gelb: Sp. 35. P. Turionellae.
— schwarz 5.
Hinterschienen mit weissem Ringe vor der Wurzel, eine
gelbe Linie vor der Flügelwurzel. Hinterrücken querrissig,
vorn mit kurzer Mittelfurche und ohne Felder:
Sp.4.P. examinator.
— ohne — — 6.
Hinterschienen rothgelb, wie die Schenkel, Hintertarsen
schwarz. Die eingedrückte Stirn bis zu den Fühlern quer
nadelrissig, eben so der Vordertheil des Hinterrückens,
Beim „5 Taster und Fühlerschüppchen gelb. Bohrer @ un-
ter halber Hinterleibslänge: Sp. 1. P. insligator.
== schwarz, wie die Tarsen, Schenkel gelbroth.
Die eingedrückte Stirn nur am obern ?2/, quernadelrissig.
Hinterrücken lederarti.. Bohrer über halber Hinterleibs-
länge. Beim f Taster schwarz, Flügelschüppchen bleich
“hornbraun: Sp.2. P. illecebrator.
Die ganzen Hinterbeine schwarz, die vorderen auf der Aus-
senseite ebenfalls mehr oder weniger unten bleich. Seulp-
tur wie bei P. instigator, aber die Hinterhüften viel dichter
punktirt, bem J' Taster schwarz, Flügelschüppchen bleich,
Bohrer unter halber Hinterleibslänge:
Sp.3.P. aterrima.
Bohrer © unter halber Hinterleibslänge, an der Spitze schwach
nach unten gekrümmt, das Gesicht mehr .oder weniger
gelb. 8. i
— länger als der Hinterleib, ganz gerade. Das Ge-
sicht &' schwarz 9.
Erstes Segment des Hinterleibes auf seiner hintern Hälfte
oben gerundet. Gesicht ganz gelb d’': R
Sp.7.P. rufata.
— — — — bis zur Spitze muldenar-
tig ausgehöhlt, das gelbe Gesicht X mit schwarzer Mittel-
strieme: Sp.8. P. varicornis.
Fühler und Hinterschenkel f schwach. Der ganze Körper
gleichmässig grob punktirt. Hinterrücken mit einem 'glän-
zenden Mittelfleck. Hinterleib mehr oder weniger braun
schimmernd: Sp. 9. P. roborator.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
3 7.
18.
259
Fühler und Hinterschenkel ıS etwas kräftiger. Brustseiten in
der hintern Hälfte polirt. Hinterleib schwarz. Das Weib-
chen unbekannt: Sp.10.P. viduata.
Die vorderen Felder des Hinterrückens unvollständig, höch-
stens durch 2 Längsleisten angedeutet 11.
Wenigstens das vordere Mittelfeld vollständig geschlossen 30.
Letztes Hintertarsenglied vier mal so lang, als das vorletzte.
Kopf und grösster Theil des Thorax schwarz, der übrige
Körper roth: .Sp.11.P. melanocephala.
— — kaumdreimal — u 12.
Klauen © nicht lappig erweitert 13.
— lappig erweitert 14.
Bohrer kürzer als der halbe Hinterleib. Innerer Quer-
nerv der Hinterflügel über der Mitte gebrochen. Körper
stark weisshaarig. Thorax, Schildchen, Hinterleib und Hin-
terhüften schwarz, diese bisweilen roth:
Sp.12.P. scanica.
— länger als der Körper. Innerer Quernerv der
Hinterflügel genau in der Mitte gebrochen. Mittelrücken,
mit Schildchen, Hüften und grösster Theil des Hinterleibes
roth: Sp.13.P. ruficollis.
Wenigstens die innern Augenränder bis zum Scheitel gelb,
beim f! das ganze Gesicht. Die innere Querader der Hin-
terflügel etwas über ihrer Mitte gebrochen. Hinterschienen
an der Spitze und vor der Wurzel dunkler 15.
Alle Augenränder schwarz 17.
Hinterleibsglieder quadratisch Q, länger als breit d”. Mittel-
brust mehr oder weniger vollkommen roth. Hinterleib roth-
ränderig, oder mit einzelnen rothbraunen Gliedern:
\ Sp.14 P. oculatoria.
= breiter als lang Q, quadratisch S' 16.
Mittelrücken mehr oder weniger: ;roth. Hlinterrücken ohne
Leisten, ‘aber mit: seichter Mittelfurche:
Sp.15..P. ornala.
1 schwarz, eine Linie vor den Flügeln und Schild-
chenspitze gelb; | Sp. 16..P. angens.
Innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner Mitte; gebro-
‚chen. Hüften, wenigstens die hintersten, roth 18.
— nr - ; in. der Mitte‘; oder meist
deutlich darunter gebrochen 22.
Beine durchweg einfarbig gelbroth. Hinterrücken vorn ein-
zeln: pünktirt, hinten fein quernunzelig mit 2 feinen, langen
Längsleisten, dazwischen gleichfalls gerunzelt. Fühler kuz:
Sp. 17. P.arundinalor.
— _ gelbroth, Hinterschienen an der Spitze und mehr oder
‚weniger‘ deutlich vor der Basis dunkler 19,
19.
20.
21.
22.
24.
25.
26.
260
Hinterrücken durchaus in derselben Weise. einzeln und sehr
grob punktirt, wie der Hinterleib, zwischen den angedeu-
teten Leisten jenes keine glänzendere Rinne. Bohrer fast von
Leibeslänge. Mittelrücken und der grösste 'Theil der Brust-
seiten gleichfalls deutlich punktirt:
Sp. 18.P. cicatricosa.
— und Hinterleib in Sculptur verschieden, Boh-
rer unter Hinterleibslänge 20.
Hinterhüften unten glatt. Mittelläche des rauhen Hinter-
rückens schwach vertieft und viel glätter als die Theile aus-
serhalb der Längsleisten 21.
— durch feine Wärzchen etwas uneben (granu-
lirt). Hinterrücken glänzend, besonders in der Mitte, aber
auch hier etwas lederartig. Hinterschienen mit weissem
Ringe: Sp. 21. S. graminellae.
Segmente des Hinterleibes mit deutlichen Quereindrücken in
der Mitte, die glänzenden Hinterränder ebenfalls mit einer
Riefe, die aber in der Rückenmitte unterbrochen ist. Boh-
rer etwas kürzer. Beim f Gesicht gelb:
Sp. 19. Mussü.
= _ — schwachen Quereindrücken in
der Mitte, die glänzenden Hinderränder ebenfalls mit einer
Riefe, die aber nicht unterbrochen ist. Bohrer etwas län-
ger. Beim höchstens ein Fleckchen im Gesicht gelb:
Sp. 20. Bernuthü.
Bohrer unter Hinterleibslänge 23. ;
—- von oder über Hinterleibslänge 25.
Hinterleib schwarz. Bis auf die glatten Hinterhüften und
die unter der Mitte gebrochenen innern Querader der Hin-
terflügel ganz wie Sp. 21. Hüften d" schwarz. Hinterschie-
nen sehr verwischt gezeichnet.: Sp. 22. @ravenhorstü.
— zum grössten Theile roth 24.
Kopf, Thorax und Hinterleibsspitze mit dem Bohrer schwarz:
Sp. 23. P. melanopyga.
— und Bohrer schwarz, Thorax mit den Beinen und Hin-
terleib roth: Sp. 24. P. nigriceps.
Hinterschienen ohne dunklen Fleck vor ihrer Basis, ihre
Tarsen gleichmässig dunkel 26.
— mit dunklem Flecke vor ihrer ‘Basis und
dunkler Spitze, ihre Tarsen dunkler und heller geringelt 27.
An den rothen Hinterbeinen die Spitzen der Schienen und
Tarsen gleichmässig schwarzbraun. Ein gelbes Fleckchen
unten an der Fühlerwurzel: Sp. 26. P. didyma.
—_ —_ — die ganzen Schienen wenig-
stens an der Aussenseite und die Tarsen gleichmässig
schwarzbraun; Gesicht ganz schwarz:
Sp. 27. P: lerebrans.
27.
28.
29.
u.
31.
1.
261
An den rothen Hinterbeinen die Schienen und Tarsen weiss-
lich, einfarbig, Gesicht schwarz: Sp. 30.brevicornis var.
Innerer Quernerv der Hinterflügel kaum gebrochen, sondern
ganz an seinem Ende einen zarten Längsnerv aussendend.
Körper fast ganz roth, um die Nähte und die Hinterränder
der Segmente mehr oder weniger schwarz, wie der Kopf
mit den Fühlern: Sp. 25. P.pomorum.
— viel näher der Mitte den Längsnerv aussen-
dend (gebrochen, wie es immer hiess) 28.
Flügel irisirend, ihr Mal verhältnissmässig gross, bleichgelb
oder dunkel. Hinterleib wenig uneben, gleichmässig dicht
punktirt (durch Behaarung wie mit einem leichten Schim-
melanfluge versehen). Fühler nicht länger als der halbe Körper,
Hinterhüften schwarz oder rotb. Sp.30. P. brevicornis.
— nicht— , an der Wurzel gelblich, wie ilır Mal. Hin-
terleib uneben, weniger gleichmässig und dicht punktirt. Hin-
terhüften nur roth. 29.
Brustseiten in der hintern Furche vor der Naht ganz glatt,
Hinterrücken am abschüssigen Theile ohne Querrisse, Hin-
terleib mehr roth schimniernd, Bohrer etwas länger:
Sp. 28. P.calobata.
En _ — mit leich-
ten Punkteindrücken, Hinterrücken am abschüssigen Theile
fein nadelrissig, Hinterleib schwarz, Bohrer etwas kürzer:
Sp.29. P. stercoralor.
Von den Feldern des Hinterrückens das mittelste, halb-ellip-
tische durch Ränder deutlich begrenzt, die beiden seitlichen
vordersten von den dahinter liegenden nicht durch eine
deutliche Leiste getrennt, aber dennoch zu unterscheiden, in-
dem das vorderste polirt, das hintere rauh ist. Erstes Seg-
ment gestreckt, am Hinterende auf dem Rücken platt. Ge-
sicht ganz schwarz, Hintertarsen roth, schwarz schimmernd:
Sp.31. P.laevis.
— — = halb-ellip-
tische durch Seitenränder und je 2 seitliche durch Leisten
deutlich abgegrenzt. Mund gelb 31.
Hüften von gleicher Farbe mit den Beinen (roth). Hinter-
leib schwarz, Bohrer seine Hälfte an Länge etwas über-
treffend : Sp. 32. P.mandibularis.
— dunkler als die Beine. Hinterleibssegmente mit hel-
len Hinterrändern, beim Q mit durchaus rother Spitze und
sehr kurzem Bohrer: Sp. 33. P. velula.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
P. instigator F. Gr. p. 216. Abb. Ratzeb. Forstinsekt. III Tf.
IV, 1, Neben der folgenden die grösste Art. Schwarz, Beine
rothgelb, nur die Hüften, Schenkelringe aller und Tarsen der
2.
262
hintersten schwarz. Flügelwurzel pechbraun, Schüppchen we-
nigstens mit lichtem Flecke. Eskommen Männchen vor mit hell-
geflecktem Schildchen. Ich sah eines, von Ratzeburg mir über-
sandtes und mit demıNamen procesioneae belestes. Lg. 6-19
millim. Grössenverhältnisse 17, Hinterl. 9,75, Bohrer 4 (in Wirk-
lichkeit 8) millim. Wurde erzogen aus Puppen von P. bras-
sicae, Orgyia gonostigma, pudibunda, Lip. dispar, monacha,
salicis, chrysorrhoea, auriflua, Gasir. processionea, neuslria,
pini, Harp. erminea, Panol. piniperda, Calpe libatrie. —
H. °°/, — ?jo-
P. illecebrator Gr. p. 223. Noch kräftiger, an den Hinterbeinen
auch die Schienen schwarz. Lg. 18, Hinterl. 11, Bohrer über
8 (in Wirklichkeit fast 12,5) millim.
P. aterrima Gr. 215 gleicht in Gestalt und Grössenverhält-
nissen der Theile der folgenden, in der Sculptur der 1. Art,
nur dass hier die Hinterhüften viel dichter punktirt sind, wie
dort, In Färbung ist diese Art durch die ganz schwarzen
Hinterbeine ausgezeichnet, die vorderen sind auf der Ober-
seite dunkler als unten, oder gleichmässig dunkelroth. Lg. 15,5,
Hinterl. fast 10, Bohr. fast 3,5 millim.
P. examinator F. Gr. 207. Schwarz, Mund rothbraun, äus-
serster Rand der Segmente licht. Meist ein gelber Fleck
oder eine gelbe Linie vor den Flügeln. Beine roth, Hüften
(und Schenkelringe Q) aller, Kniee, Tarsen und Schienen der
hintersten schwarz, letztere mit weissem Ringe. Abschüssiger
Theil des Hinterrückens polirt. Flügelmal schwärzlich, an
den Enden hell, Schüppchen 9 hell. Lg. kaum 4—10 millim.
d 6-13 millim. Grössenverhältnisse: Fast 11,5, Hinterl.
7, Bohrer 3 millim. Wurde erzogen aus den Puppen von:
Lith. quadra, Euprep. fuliginosa, Psyche hirsutella, siellinen-
sis; Lip. monacha, Gastr. processionea, Harp. vinula, Zerene
grossulariata, Tort, buoliana, Hypon. evonymellae. — H.
14 23
3 9
en, L.G. 192. Der vorigen Art sehr ähnlich, aber
die Hinterhüften roth, in einzelnen Exemplaren die Luftlö-
cher des Hinterrückens schon etwas mehr der runden Form
genähert. Schwarz, die äussersten Segmentränder etwas ge-
bleicht. Beine roth oder rothgelb, Tarsen und Schienen der
hintersten schwärzlich, letztere vor der Wurzel mit weissem
Ringe. Flügelmal braun, Schüppchen J' strohgelb, bei die-
sem auch die Taster und Fühlerwurzel unten bleich. Lg.
4— 10,5 millim. Grässenverhältnisse: 10, 5, Hinterl. kaum
6,5, Bohrer 2,75 millim. Wurde erzogen aus Gast. pini und
Tort. buoliana. — H. 2°, — ho.
var. 1 cd‘ DieHinterschienen mit verwischt weissem Ringe,
mehr gleichmässig gefärbt. = P. spuria Gr.
var. S' Q Schildehen weiss gezeichnet.
263
P.pudibundae Ratzeb.1.c. I, 114. Der P. stercorator ausser-
ordentlich ähnlich in Seulptur und Färbung, jedoch durch die
ovalen Luftlöcher, den etwas kürzeren Bohrer, nicht unter der
Mitte gebrochnen innern Quernerv der Hinterflügel und etwas
deutlicher punktirten, nicht querrissigen Hinterrücken und die
einfachen Klauen verschieden. Das Männchen, welches ich
nicht vor mir habe, soll nach Ratzeb. ein schwarzes Gesicht,
nur die Taster und den grössten Theil der Fühler unten gelb
haben. Lg. 11, Hinterl. 6, 5, Bohr. 6 millim. — Wurde aus
Org. pudibunda erzogen.
7. P. rufata Gm. Gr. p. 164==flavonotata Holmgr. Schwarz,
Mund, ein Fleck auf der Schulter, 2 Linien auf dem Mittelrücken,
Spitze des Schildchens und Hinterschildchens und Flügelschüpp-
chen gelb, Beine roth, die vorderen mehr gelblich, Schienen
und Tarsen der hintersten bleich geringelt. Gesicht gelb
(0) Augenränder mehr oder weniger gelb (Weibch.) Der Boh-
rer mit der Spitze schwach nach unten gekrümmt. Erstes
Hinterleibsglied hinten gewölbt. Lg. 6—13 millim. Grössen-
verhältnisse: 11, Hinterl. 7,25, Bohr. 2 millim. Gezogen aus
den Puppen von Lip. monacha, Zerene grossulariata. — H.?};.
var. Mittelrücken ganz schwarz.
P. varicornis F. Gr. 167 = rufata Holmgr. Der vorigen
Art sehr ähnlich in Färbung und genau von denselben Grös-
senverhältnissen, derselben Bohrergestalt, aber der Rücken
des ersten Segmentes bis zum Hinterrande muldenartig ausge-
höhlt. In der Regel keine gelben Linien auf dem Mittelrük-
ken. Gesicht (Männch.) gelb mit schwarzer Mittelstrieme ;
Mund (Weibch.) braun, die innern Augenränder bisweilen gelb.
var. 1. f Zwei verwischte gelbe Rückenlinien.
var, 2. 5 Thorax ganz schwarz, also nicht einmal die
Schildchenspitze gelb. Wurde erzogen aus den Puppen von:
Van., urticae, Pap. brassicae, Limenilis camilla, Sph. ligustri,
Calpe libatrix, Lip. salicis, Botys verticalis, Tort. viridana,
E populella und aus Eiern der Kreuzspinne — H.
20].
P. roborator F. Gr. 173. Schwarz, Taster gelb. Hinterleib
gedrungen, auf seiner Oberfläche sehr uneben, dunkel kasta-
nienbraun oder schwarz. Beine gelblichbraun, bisweilen stel-
lenweise reiner gelb.» Flügelmal braun, Wurzel und Schüpp-
chen gelblich, Körper durchweg grob punktirt, auch der Hin-
terrücken mit Ausschluss eines glänzenden, viereckigen Fleck-
chens an Stelle des vorderen, mittleren Feldes. Lg. 14, 5,
Hinterl. 9, 5, Bohrer reichlich 11, 5 millim. Gravenhorst
führt auf var. 1 (Männch.) mit kastanienbrauner Schildchen-
spitze, var 2 (Weibch.) der ganze Hinterleib schwarz==Jchn.
ewtensor L. Diese 2. var wurde erzogen aus Myel. cribrella.
— H. 3.
264
10. P. viduata 5 Gr. 214. Schwarz. Beine gelbroth, ‘Hüften
11
12.
13.
14.
und Schenkelringe aller schwarz, Fühler mit Ausschluss
der beiden Grundglieder unten braun. Hinterschenkel wie bei
P. examinator. Ich möchte P. alternans Gr. 2 seiner Sculp-
tur und dem ganzen Habitus nach damit verbinden, die Fär-
bung will mir nur nicht recht passen. Gehören beide zusam-
men, so müsste ihnen ein anderer Platz, vielleicht der aller-
erste angewiesen werden.
. P. melanocephala @ Gr. p. 149 — bicolor Boie. St. E. Z.
1855 p. 102. Klauen am Grunde nicht lappig erweitert,
innerer Quernerv der Hinterflügel über seiner Mitte gebrochen.
Hinterleib sehr uneben und sehr grob punktirt. Rothgelb,
Kopf, Thorax mit Ausschluss des Hinterendes, Bohrer und
Klauen schwarz. Lg. 8, 75, Hinterl. 5, 5, Bohrer kaum 2
millim. Bei Boies Exemplare, welches grösser ist (13 millim,
Bohrer 3) und aus Leue. obsoleta erzogen ward, sind schwarz
der ganze 'Thorax und die vorderen Hüften.
P. scanica Vill. Gr. p. 24 = alternans 5 Gr. nebst var.
1. Die bunteste von den Arten mit schwarzem Thorax, be- -
sonders durch die zierliche Zeichnung der hintersten, verlo-,
schener auch der mittleren Beine. Schwarz, Taster stroh-
gelb, Fühler unten gelb (Männch.) gelbroth (Weibch.) die Enden
der Glieder dunkel. Ein bleiches Fleckchen vor den Flügeln.
Die Hinterränder der Seginente mehr oder weniger bleich.
Beine roth, Hüften und Basis der Schenkelringe schwarz,
Hinterschienen dreifarbig, Hintertarsen weissringelig. Flügel-
wurzel und Schüppchen strohgelb, das dunkle Mal wurzel-
wärts ebenfalls mit bleichem Fleckchen. Lg. 6— 9 millim.
Grössenverhältnisse: 9, Hinterl, kaum 6, Bohr. 2, 25 millim.
Wurde erzogen aus Tort viridana, chlorana, Coleoph wWliella
und Hyponom. padella. — H. °/,— '%10-
‚var. Männch. Weibch. Hüften ganz oder theilweise roth oder
gelblich — alternans X Gr. mit var. 1.
P. ruficollis Q Gr. 153. Schwarz. Mittelbruststück mit dem
Schildehen, Hinterschildehen, bisweilen auch 2 Seitenflecke
am Hinterrücken, Ränder der Segmente, oder einzelne ganz
roth. Beine roth, die Tarsen der hintern gebräunt. Flügel-
mal strohgelb, Wurzel und Schüppchen noch heller. Lg. 8,25,
Hinterl. fast 5, Bohr. 8,75 millim.
P. oculatoria F. Gr. 154. Schwarz, Kopf und Thorax theil-
weise roth, gelb liniirt. Hinterleib öfter rothgerändert. Beine
röthlich, mehr gelb (Männch.) die Schienen und Tarsen der hin-
tersten bleicher und braunfleckig. Lg. 9, Hinterl. 6, Bohr.
kaum 2 millim. — H. ?,—?°)ıo überwintert.
var. 1 Männch. u. Weibch. fast der ganze Hinterleib schwarz.
var. 2 Männch. u. Weibch. fast der ganze Hinterleib roth
oder rothgelb.
15
265°
- P, ornata © Gr. 158 gedrungener, als vorige Art und weni-
ger roth, im Habitus der P. rufata nahestehend. Schwarz,
Mittelrücken mit dem Schildchen und ein Fleck an den Bauch-
seiten roth, gelbe Linien vor und unter den Flügeln, um das
Sehildehen und hinter demselben so wie innen an den Augen.
Beine roth, die Schienen und Tarsen der hinteren braun und
weiss geringelt. Flügelmal schwarz, Wurzel und Schüppchen
strohgelb. Lg. 10,75, Hinter). 7,5, Bohr. 3,25 millim.
var. 1 Weibch. Auf dem Rücken unvollkommener, beson-
ders das Schildchen nicht und auch die Brustseiten nicht roth.
16. P. angens Gr. 162. Schwarz, eine Linie vor den Flügeln
(die bisweilen sapr undeutlich) und Spitze des Schildehens
gelb, heim Männch, das ganze Gesicht mit dem Munde, beim
Weibch. wenigstens die innern Augenränder gleichfalls gelb.
Beine roth, die Hüften bisweilen theilweise braun, Schienen
und Tarsen der hintersten schwärzlich, weissgeringelt. Flü-
gelmal braun, Wurzel und Schüppchen Männch. weiss, Weibch.
etwas dunkler oder theilweise bleich. Lg. 10, Hinterl. 6,75,
- Bohr. 2,5 millim. Wurde erzogen aus den Eiern einer Kreuz-
spinne und einer andern Spinnenart. — H. "/..
17. P. arundinator 2 F. Gr. 177. Schwarz, Beine, Segment
18.
19.
1 am Ende, 2—5 ausser dem Hinterrande roth. Flügelmal,
Wurzel und Schüppehen bleichgelb, Taster und Spitze der
Fühler scherbengelb. Hinterrücken ohne Glanz, runzelig mit
2 langen Leisten. Rücken des ersten Segments an seiner hin-
tern Hälfte, aber nur vorn, schwach ausgehöhlt. Lg. 10,5,
Hinterl. 6,75, Bohr. 3,75 millim.
P. cicatricosaQ Batzeb. II, 89. Ausserordentlich grob punk-
tirt, besonders am Hinterrücken und knotigen Hinterleibe
und so, dass die Zwischenräume grösservsind, als die Gru-
ben; einzeln langhaarig und durchaus glänzend schwarz; gelb
sind nur die Taster, Flügelschüppchen und Wurzel, rothgelb
der Bohrer und die Beine ausser den äussersten Spitzen der
Tarsen und Schienen der hintersten und einem Fleckchen vor
der Wurzel dieser, welche alle gebräunt sind. Flügelmal pech-
braun mit weissem Punkte am innern Ende. Lg. fast 18,
Hinterl. 8,25, Bohr. 12 millim. Wurde aus Cryptorh. lapathi
erzogen.
P. Mussii Hrig. Ratzeb. l. e, I, 113. Schwarz, Taster, Füh-
lerwurzel unten, ein Fleckchen vor den Flügeln, deren Wurzel
und Schüppchen bleichgelb, Flügelmal und Beine gelbroth,
die Spitzen und ein Fleckehen vor der Wurzel der Hinter-
schienen gebräunt, ebenso ihre Tarsen mit Ausschluss der fein
bleichen Wurzeln der Glieder. Beim Männch. sind ausserdem
(nach Ratzeburg) die Schenkelringe, der grösste Theil der
vordern Beine, das Gesicht und fast die ganze Unterseite
XXL 1863, 18
U.
2
—
22.
23.
24.
266
der Fühler gelb. Lg. 12, Hinterl. reichlich 7,5, Bohr. 4,5
millim. — Wird als einer der gemeinsten Schmarotzer des
Bomb. pini bezeichnet, dessen Raupe sie ansticht und in de-
ren Cocon dann die Schlupfwespencocons neben der vertrock-
neten Raupe liegen.
P. Bernuthii Htg. Ratzeb. 1. c. stammt aus demselben Wohn-
thiere und lässt sich nur durch die oben angegebenen Merk-
male von voriger Art unterscheiden, ob dieselben, von je ei-
nem Exemplare entlehnt, stichhaltig sind, wage ich nicht zu
behaupten. Lg. reichlich 10, Hinterl. kaum 6,5, Bohr. 4,25
millim.
. P. graminellae Schrk. Gr. 181 var. 1 und P. stercorator
Die unten granulirten Hinterhüften und der über seiner Mitte
gebrochene innere Quernerv der Hinterflügel, sowie die leb-
haft weiss geringelten Hinterschienen mögen, wie auch Holm-
gren annimmt, den festen Charakter dieser viel verwechselten
Art ausmachen. Schwarz, Beine roth, Schienen und Tarsen
der hintersten schwärzlich, weiss geringelt. Beim Männch. Tas-
ter, Mund, Gesicht, mindestens die Fühlerwurzel unten
und die Beine theilweise gelb; Beim Weibch. die Taster, Kopf-
schildspitze und Fühler unten gelbroth. Hinterrücken glän-
zend, besonders zwischen den beiden Leisten. Lg. 7—12
millim. Grössenverhältnisse 11,25, Hinterl. 7, Bohr. 3,5 millim.
Wurde erzogen, wenn anders die Bestimmung der Art rich-
tig ist, aus Tort viridana und der Raupe? von Cosmia diffi-
nis. — H. Weibch.
P. Gravenhorstü m. —= P. graminellae 2 Gr. Ganz wie
die kleinern Stücke der vorigen Art, bis auf die dort ange-
gebenen Unterschiede. Flügelmal dunkelbraun, an den Enden
etwas bleicher, Wurzel und Schüppchen bleich. Beim Männch.
Hüften und Schenkelringe schwarz, sonst die Färbung wie
beim Weibeh. Lg. 6—10 millim., Grössenverhältnisse 8,5,
Hinterl. 5,5, Bohr. kaum 2 millim. — H. "3/,— Jo.
P. melanopyga @ Gr. 149. Schwarz, Segment 1—4 und
Beine roth, 5 meist noch mit hellen Rändern. Fühler nach
der Spitze zu gelblich, Flügelwurzel und Schüppchen. blass-
gelb, Mal pechbraun. Brustseiten polirt, ohne Punktirung,
Hinterrücken glänzend, einzeln punktirt, mit 2 Leisten. Er-
stes Segment kiellos, seine hintere Hälfte gerundet. Lg. kaum
10, Hinterl. kaum 6, Bohr. 1,5 millim (seine wahreLg. 3 millim.)
P. nigriceps Q m. Gelblich roth. Kopf, einige Nähte am
Leibe und Bohrer schwarz. Gesicht breit, weisshaarig, Füh-
ler bräunelnd.e Eine Linie vor den Flügeln gelb, wie de-
ren Wurzel, Schüppchen und Mal. An den hintern Beinen
die Wurzel des Schenkel, Spitzen der Schienen und Tarsen-
glieder, so wie ein Fleckchen vor der Basis der Schienen ver-
25.
‘was bleichern Fühler, Prothorax, einige Nähte am Thorax,
26.
27.
28
267
wischt dunkler. Lg. 11,25, Hinterl. 7,5, Bohr. fast 4 millim.
cn. 4,
P. pomorum. Q@ Ratzeb. 1. c. II, 96. Roth, Kopf und die et-
der Metathorax theilweise, erstes Hinterleibssegment, die Hin-
terränder der folgenden und Bohrer schwarz. Taster, Flü-
gelschüppchen, Wurzel und Mal, so wie Beine bleichgelb, die
vordern und Schienen und Tarsen der hintersten fast weiss,
an diesen die Enden der Tarsenglieder und Schienen, so wie
ein Fleck vor deren Basis dunkler. Brustseiten schwach punk-
tirt, Hinterrücken kurz, gewölbt, wie die Brustseiten punk-
tirt, ohne Leisten. Himterleib ziemlich eben, aber dicht und
grob punktirt. Lg. 5,5, Hinterl. 3,25, Bohr. 3,5 millim.
Die®8e zierliche Art wurde erzogen aus Anthonomus pomorum.
P. didyma Q Gr. 178. Schwarz, Taster, Mund, ein zusam-
menfliessender Fleck unter den Fühlern, einer vor den Flü-
geln, deren Wurzel und Schüppchen gelb. Beine gedrungen,
gelbroth, Schienenspitzen und Tarsen der hintersten schwarz.
Lg. 10,25, Hinserl. reichlich 6 millim. Bohr. desgl. Ratze-
burg, der in seinen Ichneumonen der Forstinsekten, I, 114
das Männchen dazu beschreibt, giebt die Art als Feind des
Kiefernspinners an.
P. terebrans Q Ratzeb. 1. c. I, 114, Il, 89. Glänzend schwarz,
Taster, Flügelschüppchen, Wurzel und Mal, so wie die’ Beine
mit Ausschluss der Hinterschienen und Tarsen, und der Boh-
rer wachsgelb. Hinterrücken einzeln grob punktirt und be-
haart, mit deutlicher, hochgerandeter Mittelrinne. Segment
1 gestreckt, mit flacher Mittelrinne, die übrigen Segmente
dicht und fein punktirt, mit wenig in die Augen fallenden Hin-
terrändern und Quereindrücken, aber seitlichen Beulen. Leg.
9,25, Hinterl. 5,5, Bohr. 9 millim. Wurde erzogen aus den
Larven der Rüsselkäfer Pissodes hercyniae und abietis. *)
P. calobata @ Gr. 176. Schwarz, Taster, Flügelwurzel und
Schüppchen, so wie ein Punkt davor blassgelb, Beine gelb-
lich roth, die Schienen der hinteren vor der Basis und an
der Spitze, so wie hier die Tarsenglieder gebräunt, an den
hintersten die Zeichnung schärfer, als an den mittleren.
Hinterleib in der Regel roth schimmernd, mehr oder we-
*) P. punctulata Ratzeb. 1. c. II, 90, welche dort mit ?. longiseta
verglichen wird, muss ich mit terebrans vereinigen, obschon der Boh-
rer noch etwas länger ist, als da. Beide Stücke könnten eben so gut
unter die Gattung Ephialtes gebracht werden wegen des gestreckten 'Tho-
rax und langen Bohrers, da sich indess der Hinterleib in der Mitte er-
weitert, zog ich’s vor, sie hier unterzubringen. Wurde erzogen aus
Tort. resinana.
18”
268
niger. Lg. 10,75, Hinterl. 7, Bohr. fast 8 millim. — H.
141, —21/g.*
29. P. stercorator Q@ Gr. 186, flavipes X Gr. 197. Ich weiss
das Q durch nichts, als die oben angeführten Merkmale von
der vorigen Art zu unterscheiden. Im Allgemeinen scheinen
hier die Bienen eine mehr rothe Grundfarbe zu haben und
die dunkle Zeichnung an den Mittelbeinen noch verwischter
zu sein. Beim 5 sind bleichgelb die Fühlerwurzel unten
und die vorderen Beine, die Schienen und Tarsen der hin-
tersten weiss, mit den dunklen Zeichnungen. Lg. 11,25 reich-
lich, Hinterl. 7,9 millim., Bohr. desgl. Das 9 ist erzogen
worden aus den Puppen von Lip. salicis, Org. antiqua, Gastr.
neuslria, Tin. cognatella, Myelois cribrella, der Raupe? von
Larent. veralrata, das X aus Lith. quadra, Gasir. neustria,
Tori. viridana, laevigana, Tin. cognatella, Sciaph. penziana,
Rhynchit. beiulei. — H. *1/,— "hy; &Q in copula.
30. P. brevicornis Gr. 211 = laticeps Ratzeb. 1. cc. II. 94 ist ein
Weibchen mit abgebrochenem Bohrer, welches irrthümlich für
ein Männchen gehalten wurde. Glänzend schwarz, Taster
braunroth. Scheitel breit, Hinterrücken fast ganz glatt, je-
doch die Leistchen angedeutet. Beine roth oder theilweise
rothgelb (Männchen), ihre Hüften, (auch Schenkelringe) schwarz,
doch, besonders beim Weibchen, auch roth. Hinterschienen und
Tarsen durchscheinend, matt gefärbt, an den Spitzen der Glie-
der und jene vor der Basis dunkler. Hinterleib sehr dicht und
gleichmässig punktirt und graulich schimmernd durch ganz
feine Behaarung. Flügelwurzel und Schüppchen weisslich,
Randmal ganz bleich, aber auch hornfarben. Fühler halb so
lang wie der ganze Körper und wegen ihrer Kürze kräftig
erscheinend, ihre Wurzel unten nicht heller. Lg. 6,75, Hin-
terl. 3,75, Bohr. 4,25 millim. — H.**)
*) Ich kann P. nucum Ratzeb. 1. c. I, 115, welche aus Buchnüs-
sen erzogen wurde, in denen sich einzeln Tort. splendana gezeigt, nicht
unterscheiden. Lg. 9,5, Hinterl. 6,75, Bohr. 7,5 millim., auch aus Ei-
cheln ist die Art erzogen worden.
’=*) Diese Art ist noch nicht ordentlich aufgeklärt und varürt in
Färbung der Beine und des Flügelmales ganz entschieden. Bei Gra-,
venhorst stecken mehrere Arten unter diesem Namen, den Ratze-
burg gar nicht hat, von ihm muss ich nach Autopsie folgende hier-
her ziehen:
P. linearis Ratzeb. 1. c. I, 117, II, 93 von dem erwähnt wird, dass bei
einem Sück die Hüften fast ganz braunroth seien, während die mei-
sten sie roth haben — eine Uebergangsform von schwarzen zu rothen
Hüften. Wurde aus Pissodes notatus und Tortr. resinana erzogen.
P. vesicaria Ratzeb. 1. e. I, 115, II, 90. Noch blasser gefärbt, indem
hier die Schienen und Tarsen der Hinterbeine fast weiss erscheinen
und die dunklen Spitzen hervortreten. Ich sah nur ein © Lg. 5,5,
Hinterl. 3,25 millim., Bohr. desgl. Wurde erzogen aus den Blattwes-
pen Nematus saliceti und medullaris.
269
31. P. laevis Q Gr. 180. Schwarz, Taster bleich, Beine roth, die
Tarsen und Schienenspitzen der hintersten braun. Hinterleib
glatt, dicht und sehr fein punktirt, wie bei der Gattung Lis-
sonota, Segment 2 mit zwei seitlichen, vorn in eine Spitze
sich neigenden, schrägen Eindrücken. Lg. 10,25, Hinterl. 5,75,
Bohr. 3,5 millim. — A.
32. P. mandibularis Q Gr. 180, X Holmgr. 1. c. p. 27. Schwarz,
Mund, ein Fleck vor den Flügeln, deren Wurzel und die
Beine rothgelb, die Tarsen der hintersten und ihre äusserste
Schienenspitze schwärzlich. Hinterleib ebenfalls sanz glatt,
Quereindrücke äusserst schwach angedeutet. Beim 5 ausser-
dem die Spitze der Wangen, das ganze Gesicht oder die in-
nern Augenränder und 2 Gesichtslinien strohgelb. Hier sind
ferner öfter die Hüften und Wurzel der Schenkelringe schwarz
und die Hintertarsen aussen schwärzlich. Lg. 12, Hinterl. 7,
Bohr. reichlich 4,5 millim.; Letzterer besonders dick. *)
P. concolora Ratzeb. in litt. mussich gleichfalls hierher ziehen als var.
mit rothen Hüften und rothem Schimmer an den Hinterleibsseiten.
_ Lg. 6,5, Hinterl. fast 4 millim., Bohr. genau eben so lang. Das Stück
trägt einen Zettel mit der Bemerkung: Aus Nadelminirern von Pinus
pinastri in der 2. Hälfte des Juni. Nun müssen hier aber noch ei-
nige andere Arten zur Sprache kommen, die jedenfalls sehr nahe ver-
wandt sind, aber wegen der Männchen nicht hierhergezogen werden
können, falls das Männchen von brevieornis richtig bestimmt ist.
P. buolianae Htg. Ratzeb. 1. c. I, 114. Das Männchen, weiches ich nur
kenne, ist ausgezeichnet durch ausgebissene (mit 2 Einbuchtungen ver-
sehene) Vorderschenkel. Thorax glänzend, Hinterrücken mit einer
feinen, flachen Längsrinne, Hinterleib weniger glänzend, dicht punk-
tirt, Segment 2 und 3 entschieden länger als breit, 4 und 5 quadra-
tisch. Schwarz, Taster, Fühlerwurzel unten, ein Fleckchen vor den
Flügeln, deren Schüppchen, Wurzel, Mal und Beine gelb. An diesen
die Hintertarsen und Schienen weiss mit dunklen Spitzen und dunk-
lem Fleck vor der Basis der Schienen. Lg. 7, Hinterl. 4,5 millim.
Vom Weibchen sagt Ratzeburg: Bohrer von Hinterleibslänge, Zeich-
nung der Beine wie beim Männchen, nur ihre Grundfarbe mehr roth,
Flügelmal schwarzbraun mit weisslicher Basis. An den Flügeln sonst
und am Kopfe wie das Männchen gefärbt. Wurde erzogen aus Tort.
buoliana.
P. planata Htg. Batzeb. 1. ce. I, 117 wurde aus demselben Thiere erzo-
gen und das Männchen unterscheidet sich nur durch dunklere, braune
bis schwarze Hinterhüften von der vorigen Art und vielleicht noch
etwas gestrecktere Hinterleibssegmente. Beim Weibchen soll die Hin-
terleibsspitze an den Seiten rothbraun, auf dem Rücken weissrandig
sein, der Thorax einen gelben Strich vor den Flügeln haben und der
Bohrer etwas länger, als der Hinterleib sein. Ich vermuthe darunter
nur ein var. von buoliana.
P. Sagax Htg. Ratzeb. 1. c. I, 117. II, 94. Ich kann das Weibchen schlech-
terdings nicht von P. brevicornis unterscheiden; das Männchen soll
aber ebenfalls ausgefressene Vorderschenkel haben, Lg. 9, Hinter].
5,5, Bohr. 6 millim. Wurde erzogen aus Tort, buoliana, resinana und
cosmophorana.
+) P. abdominalis Gr. gehört nicht zu dieser Gattung wegen der man-
gelnden Bauchspalte s. p. 62 dieses Bandes. Die übrigen, bei Ratzeburg
noeh aufgeführten Arten muss ich übergehen, weil ich sie nicht kenne.
270
33. P. vetula d' Gr. TII, 207. = Phytodietus chrysostomus 2 Gr.
II, 948. Ich trage keinen Augenblick Bedenken, diese bei-
den Thiere zu vereinigen, so merkwürdig stimmen sie in
allen Theilen ihrer Flügel, dem Körperhabitus und des-
sen Sculptur, nur die Färbung weicht unwesentlich ab. Hin-
terrücken vorn mit 2 deutlichen Seiten- und einem kleinen
Mittelfelde. Hinterleib eben, dicht punktirt, ganz besonders
auf dem gestreckten ersten Segmente, Hinterränder aller roth,
beim © die ganze Spitze roth. Untergesicht silberhaarig, be-
sonders beim /, Kinnbacken und Taster, Unterseite der Füh-
ier, Flügelschüppchen und Wurzel gelb, das breite, dreieckige
Mal und die Beine rothgelb, an letzteren die Hüften und
Schenkelringe zur Hälfte schwarz, an den hintersten die Wur-
zel der Schenkel, Spitzen der Schienen und die Tarsen dunk-
ler 9, beim 5 die Hüften schwarzbraun, die Beine mehr rein-
gelb, nur die hintersten an den Schienenspitzen und Tarsen
etwas getrübter, Flügel stark irisirend. Lg. 5,5, Hinterl. 3,
Bohr. 5 millim.
Gen. 5. Polysphincta Gr. III, 112.
Diese Gattung unterscheidet sich hauptsächlich von
der vorigen durch die unvollständige oder ganz mangelnde
Spiegelzelle und das etwas convexe, vor der gerundeten
Spitze nicht eingedrückte, öfter gerandete Kopfschild. Die
beiden Zähne der Kinnbacken meist ungleich. Thorax län-
ger als hoch, an.den Seiten glatt und glänzend, die obern
Felder des Hinterrückens unvollständig oder ganz fehlend,
seine Luftlöcher kreisförmig. Hinterleib wie bei Pimpla, der
Bohrer immer kürzer als der Hinterleib. Das letzte Tar-
senglied der Hinterfüsse meist erweitert, Klauen beim /
einfach, beim @ an der Basis etwas lappig erweitert. Die
Thiere gleichen auf den ersten Bilck den kleinen Pimplen,
und scheinen sich fast ausschliesslich aus Spinnen zu ent-
wickeln.
Arten:
1. Innerer Quernerv der Hinterflügel in der Mitte oder etwas
darüber gebrochen 2.
— _ — n— unter der Mitte gebrochen 3.
— _ —_ — gar nicht gebrochen und
keinen Nerv ausschickend. Schwarz, Schildchen, eine Linie
dahinter roth, die Seitennaht zwischen den beiden letzten
Thoraxtheilen, Mund und Fühlerwurzel unten weiss, Beine
bleich rothgelb, Hinterschienen weiss mit dunklen Spitzen:
Sp. 6. P. percontatoria.
271
Thorax ganz schwarz: Sp. 1. P. varipes.
Metathorax roth, Schildchenspitze, Hinterschildehen, eine Linie
vor den Flügeln, und 2 mehr oder weniger zusammenflies-
sende Punkte unter den Fühlern bleichgelb:
Sp. 2. P. multicolor.
. Hinterhüften deutlich dunkler, als die vordern, (braun), Knie
der Hinterschenkel weiss. Hinterleib sehr uneben:
Sp. 3. P.tuberosa.
— nicht dunkler, als die andern 4.
. Hinterschenkel an den Knien verwischt bleicher, Bohrer län-
ger, Segment 1 fast bis zur Spitze auf dem Rücken gerinnt:
Sp. 4. P. rufipes.
— — — -— _ entschieden dunkler, Bohrer sehr
kurz, die Rinne des ersten Segments nur angedeutet:
Sp. 5. P. carbonator.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten:
P. varipes Gr. Schwarz, nur Fühler und Taster bleichgelb.
Beine rothgelb, Schienen und Tarsen der hintersten weiss,
jene mit einem dunklen Flecke vor der Basis und an der
Spitze, wie die Tarsenglieder, ebenfalls dunkel. Flügelwurzel
und Schüppchen bleichgelb, das Mal dunkel. Hinterleib © in
der Mitte rothbraun. Hinterrücken mit etwas vorgezogenen
Hinterecken. Lg. 6,5, Hinterl. 4, Bohr. 2,5 millim.
» P. multicolor Gr. Schwarz, Mesothorax und ein Seitenfleck
des Metathorax roth, Schildchenspitze, Hinterschildchen, eine
Linie vor den Flügeln, 2 Fleckchen an der Fühlerwurzel,
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen bleichgelb, das Mal
wenig dunkler; Beine weiss, Hüften und Schenkel der hinter-
sten rothgelb, die Schienen dieser an der Spitze und vor der
Basis dunkel, wie die Enden der Tarsenglieder. Lg. 6, Hin-
terl. reichlich 3,5, Bohr. 2,5 millim. Beim %' die Beine noch
bleicher und durchscheinender als beim 9.
P. tuberosa @ Gr. Glänzend schwarz, Kopfschild pechbraun,
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen und ein Fleckchen da-
vor weissgelb, Spitze des Schildchens und ein Strich dahinter
roth. Beine rothgelb, Hüften der hintersten dunkler, ihre
Schienenspitzen und Tarsenglieder an den Spitzen dunkler.
Schildchenspitze bisweilen bleich. Hinterleib auf dem Rücken
sehr uneben, sein erstes Segment fast eben. Lg. 8,5, Hinterl.
reichlich 5,5, Bohr. 2,75 millim.
P. rufipes Q Gr. Glänzend schwarz, Taster, Flügelwurzel
und Schüppchen bleichgelb, Fühler, Kopfschild und Mal roth-
gelb. Beine bleichroth, Hinterschienen und ihre Tarsenglie-
der an den Spitzen dunkler. Hinterleib sehr uneben, sein er-
stes Segment mit fast bis zur Spitze reichender Rinne. Lg.
7,75, Hinterl. 4,75, Bohr. 2 millim,
272 -
5. P. carbonator Gr. Ziemlich glänzend schwarz, Hinterleib sehr
uneben, sein erstes Segment auf dem Rücken eben, von der
Seite gesehen, mit einer Andeutung von einer Mittelfurche.
Taster, Flügelwurzel und Schüppchen, so wie ein Fleckchen
davor bleichgelb, Fühler, Kopfschild und Flügelmal röthlich.
Beine rothgelb, Schienen und Tarsen der hintersten an der
Basis weiss, letztere sonst dunkelbraun, erstere an der Spitze
und: hinter der weissen Basis ebenfalls dunkler, so wie ver-
loschen dunkler an den Hinterknien. Leg. 7,75, Hinterl. 4,75,
Bohr. kaum 0,75 millim. .
6. P. percontatoria Q Gr. Hinterrücken und erstes Hinterleibs-
segment gerinnt, die übrigen vorn und hinten mit Querein-
drücken, so dass in der Mitte eine etwaszugespitzte, elliptische Er-
habenheit gebildet wird. Le. 5,5, Hinterl. 3, Bohr. 0,75 millim.
Gen. 6. Schizopyga Gr. III. 125.
Kopf breiter als lang, sein Schild nieht getrennt,
Kinnbacken sehr breit, die Lippe umschliessend, Au-
gen schwach behaart, Fühler fadenförmig. Hals gross,
Mittelrücken deutlich dreilappig, das Mittelfeld des Hinter-
rückens meist vollständig, die Luftlöcher kreisrund. Seg-
ment 1 mit 2 Kielen und gerandet, 2—5 beiderseits mit
2 mehr oder weniger deutlich eingedrückten Linien. Der
sehr kurze Bohrer kommt aus langer Bauchspalte. Keine
Spiegelzelle. Beine kräftig, Schenkel verdickt, Klauen einfach.
Da ich keine von den wenigen Arten kenne und die-
selben selten zu sein scheinen, so will ich sie lieber weg-
lassen und auf Gr. verweisen,
Gen. 7. Clistopyga Gr. IIL 133.
Abermals der Gattung Pimpla sehr ähnlich, aber keine
Spiegelzelle und keine Bauchspalte, ‚sondern
die letzte Bauchschuppe bis zur Spitze verlängert. Kopf
breiter als lang, Backen beim J tief ausgebuchtet. Kopf-
schild getrennt, vorn niedergedrückt. Fühler fadenförmig,
die Enden der schlanken Glieder kaum merklich geschwol-
len. Thorax gestreckt, Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken
mit 2 mehr oder weniger deutlichen Längsleisten und kreis-
runden Luftlöchern. Hinterleib mit deutlichen Tuberkeln,
Segment 1 kaum länger als breit, 3 und die folgenden qua-
dratisch. Bohrer unter Hinterleibslänge. Hinterschenkel
und Hüften etwas kräftig, Klauen einfach, beim @ am
Grunde lappig erweitert.
273
C. ineitator F. Gr. III. 134. Schwarz, am Thorax und Kopfe
verschieden blassroth gefärbt und weisslich linürt, am Kopfe
die Augenränder und der Mund, beim 5 Gesicht mehr oder
weniger gelb. Hinterleib schwarz, die Hinterränder mehr
oder weniger bleich. Beine gelb oder rothgelb, an der Wur-
zel schwarzfleckig. Hintertarsen braun, an der Wurzel der
Glieder weisslich, Hinterschienen weisslich an der Spitze und
vor der Wurzel dunkel. Lg. 8,5, Hinterl. 5,5, Bohr. 2,5 millim.
— HH.
vr 1 /Q Sea und Hinterleibsspitze ganz roth €. hae-
morrhoidalis Gr.
var. 2 Q kleiner, Gesicht ganz schwarz, Thorax nicht rothfleckig.
Gen. 8. Glypta Gr. II. 4.
Die Gattung charakterisirt sich durch je 2 schiefe
Linieneindrücke, die von der Wurzel beginnend,
auf Segment 2—4 des Hinterleibes deutlich er-
scheinen. Kopf breiter als lang, Gesicht unter den Füh-
lern beulenartig vortretend, bisweilen die Stirn unmittelbar
über den Fühlern mit einem hornartigen Zapfen. Kopf-
schild getrennt, mehr oder weniger gewölbt, vorn gerun-
det oder etwas gestutzt, Fühler fadenförmig, die Geiselglie-
der schwer von einander zu unterscheiden. Der Hinter-
rücken entweder mit 5 vollständigen Feldern, oder diesel-
ben sind an den Seiten nicht vollkommen geschlossen, oder
gar nicht angedeutet, in der Regel aber das hintere voll-
kommen geschlossen und zwar fast halbkreis- oder halb-
mondförmig; seine Luftlöcher klein und kreisrund. Schild-
chen mit gerundeter Spitze. Hinterleib lanzettförmig oder
mit fast parallelen Seitenrändern, Segment 1 mit deutlichen
Kielen, vorn mehr oder weniger verschmälert, meist nicht
viel länger ®ls breit. Bohrer meist von Hinterleibslänge,
auch etwas länger, aus keiner Bauchspalte kommend.
Flügel ohne Spiegelzelle ausser bei @. striata. Beine mit-
telmässig, die Klauen meist einzeln kammzähnig, oder nur
stachelborstig, selten einfach.
Arten:
1. Spiegelzelle vorhanden, gestielt. Mund, Zeichnungen am Tho-
rax, auch das Schildehen, und Hinterränder der meisten Seg-
mente gelb: Sp. 14. @. striata.
— fehlt 2.
2. Stirn mit deutlichem Zapfen unmittelbar über den Fühlern 3.
274
Stirn ohne Horn 4.
. Hinterleib schwarz, höchstens die Hinterränder der vordern
Segmente roth. Hinterschienen an der Wurzel weisslich, an
der Spitze und vor der Wurzel dunkel. Hintertarsen deutlich
hell und dunkel geringelt. Klauen @ gekämmt:
Sp.1.@. ceralites.
— mit rothen, schwarzgefleckten mittleren Segmenten.
Hinterschienen roth, an der Spitze deutlich und breit dunkel,
ihre Tarsen verwischt heller und dunkler geringelt. Klauen
Q gekämmt: Sp. 2. @. fronticornis.
— ganz roth mit Ausnahme der schwarzen Spitze.
Beine gleichmässig roth, kaum die Hinterschienen an der al-
ler äussersten Spitze dunkel. Klauen @ nicht gekämmt:
Sp. 3. @. monoceros.
. Vorderrand des Mittelrückens und das Schildchen wenigstens
an der Spitze gelb, Schläfen vorn an den Backen ausgerandet.
Klauen gekämmt: Sp. 13.@. flavolineata.
Thorax schwarz, Kopfrand hinter den Augen nicht gebuchtet 5.
. Kopfschild langfilzig, so dass es, von der Seite gesehen, bärtig
erscheint; starke Gesichtsbeule.. Hüften schwarz, mindestens
dunkler als die Schenkel; Krallen deutlich gekämmt 6.
— nicht langfilzig, höchstens einzeln und kürzer be-
haart 7.
. Hinterrücken vorn mit 5 vollständigen Feldern. Hintertarsen
gleichmässig dunkel. Segment 1 nach vorn kaum verschmä-
lert, Bohrer fast von Körperlänge: Sp.4. @. vulnerator.
— — nicht deutlich gefeldert. Hintertarsen mit
weissen Wurzeln der Glieder, besonders des ersten. Seg-
ment 1 nach vorn etwas verschmälert. Bohrer höchstens von
Hinterleibslänge: Sp. 5. @. haesitator.
. Bohrer von Länge des Hinterleibes oder wenig länger 8.
— länger als Hinterleib, fast von Körperlänge 10.
Klauen © nicht gekämmt. Felder des Hinterrückens deutlich,
sogar noch am abschüssigen Theile, Beine roth, Knie, Schie-
nenspitze und ein Fleck vor der weisslichen Basis derselben
so wie der Hintertarsen mit Ausschluss der äussersten Basis
schwarz: Sp. 6. G. consimilis.
— gekämmt. Hinterrücken unvollkommen gefeldert 9.
. Hüften schwarz (aber auch roth), Hinterschienen ohne schwar-
zen Fleck vor der bleichen Basis, nur mit schwarzer Spitze,
ihre Tarsen dunkel mit verwischt hellerer Basis der Glieder:
Sp. 8. @.teres.
— roth, wie die Beine, die Knie der hintersten an deren
bleichen Schienen und Tarsen die Spitzen und dort ein Fleck
vor der Basis schwarz: Sp. 7. Gr. pictipes.
10.Klauen @ gekämnmt 11.
11.
12.
275
Klauen © nicht gekämmt. Hinterschienen und Schenkel schwärz-
lich, Kopfschild und Taster bleich. Hinterrücken deutlich ge-
feldert: Sp. 12. @. resinanae.
Hinterrücken deutlich gefeldert, die an der Wurzel bleichen
Hinterschienen vor dieser mit verwischt dunklem Flecke:
Sp. 9. @. mensurator.
— nicht deutlich gefeldert 12.
Hinterschienen vor der hellen Wurzel mit dunklem Fleck.
Körper wie bei den meisten Arten wenig glänzend:
Sp. 10. @. incisa.
— gleichmässig gelbroth, wie alle Theile der Beine,
Körper glänzender, als bei den andern Arten:
Sp. 11. @. bifoveolata.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
G. ceratites Gr. 18 Schwarz, Taster öfter, ein Pünktchen
vor den Flügeln und deren Schüppchen strohgelb; Mund theil-
weise bleich, Fühlergeisel unterwärts gelb oder roth, oben
dunkler. Hinterränder von Segment 1—3 roth. Beine roth,
‚die Hüften gleichfalls, bisweilen theilweise oder ganz schwarz.
Hinterschienen an der Wurzel bleich, an der Spitze und
vor der Wuzel dunkel, Hintertarsen hell und dun-
kel geringelt. Die Art varürt ausser dem noch durch
ganz schwarzen Hinterleib und ganz schwarze Fühler, auch
durch das fehlende helle Fleckchen vor den Flügeln. Beim
Weibchen wenigstens ist. das 1. Segment stark gewölbt und kaum
gekielt, ausserdem hat es gekämmte Klauen. Beim Männch.
Fühler von Leibeslänge. Lg. reichl. 8, 5, Hinterl. 5, Bohr.
4,75 millim. — H. Männch. wurden aus Puppen von Earias
clorana gezogen.
@. fronticornis Männch. Gr. 17. Weibch. Holmgr. 1. c. 38.
Der vorigen Art sehr ähnlich, aber verschieden durch die
rothen, schwarzfleckigen mittleren Segmente, die rothen, nur
an der Spitze dunklen Hinterschienen, auch weniger deutlich
geringelten Hintertarsen. Auch hier kommen bisweilen braune
oder schwarze Hüften vor und Unterschiede in der Ausdeh-
nung der rothen Farbe an den Segmenten. Beim einzigen
Männch. in Gravenhorst Sammlung scheinen mir die Fühler
etwas kürzer und dicker und auf der Unterseite weniger stark
behaart zu sein, als bei der vorigen Art, auch sind hier die
Leisten des Hinterrückens unvollkommen.
@. monoceros Männch. Gr. 16, Weibch. Holmgs. 1. c. 37
durch mehr Roth am Hinterleibe, dessen Spitze nur schwach
ist, und, gleichmässig rothe Beine von den beiden vorigen Ar-
ten unterschieden; auch haben die Flügel hier einen mehr
gelblichen Schein. Beim Männch. ist die äusserste Spitze
der Hinterschienen bisweilen dunkel und die Hüften und Schen-
276
kelringe der vorderen Beine gelblich, beim Weibch. die Klauen
so gut wie nicht gekämmt. Am Kopf und Thorax _diesel-
ben Zeiehnungen wie bei vorigen Arten, auch die Längenver-
hältnisse dieselben.
G. vulnerator Gr. 11. Schwarz, Kopfschild (beim Männch.
wenigstens) ein Punkt vor den Flügeln, deren Schuppe, Wur-
zel und Mal bleichgelb, Beine von den Schenkeln an roth,
die Schienen der hintersten an der Spitze und vor der blei-
chen Wurzel, so wie ihre Tarsen, schwärzlich. Segment 1
am Hinterrande und 2 mehr oder weniger roth. Lg. 8,75,
Hinterl. 5, Bohr. 7,75 millim. — Juli
@. haesitator Gr. 12. In der Zeichnung der vorigen Art sehr
nahe, nur durch die schon angegebene andere Färbung der
Hintertarsen verschieden und im Hinterleibe, bei ihm sind
meist die Hinterränder von Segment (1) 2 und 3’schmal roth,
doch kommt auch dieselbe Färbung, wie dort vor; das erste
vorn deutlicher verschmälert, beim Männch. der Hinterleib
etwas gestreckter als dort. Lg. 7,5, Hinterl. kaum 4,5, Bohr.
3,75 mllim. H. !5/, Weibch.
G. consimilis Holmgr. l.c. 40. Ich finde in dem Weibech., wel-
ehes ich vor mir habe, die grösste Aehnlichkeit im Habitus
und in der Färbung des Hinterleibes mit der vorigen Art, es
fehlt ihm aber oben der Bart und den Klauen die Kamm-
zähne, dafür sind die Eelder des Hinterrückens so vollständig,
dass selbst der steilabschüssige Theil durch die beiden mittle-
ren Längsleisten noch getheilt wird. Ob es der Helmgrer’-
schen Art genau entspricht, wage ich nicht mit Bestimmtheit
zu behaupten, weil es bei dieser Gattung ausserordentlich
sehwierig ist, stichhaltige Unterscheidungsmerkmale aufzufin-
den. Fühler bräunelnd, ein Fleckchen vor den Flügeln, de-
ren Schüppchen, Wurzel und Mal bleich. Segment 1 und 2
des gedrungenen ‚Hinterleibes am Hinterrande roth. Beine
roth, die hintersten gezeichnet, wie bereits angegeben wurde,
auch die Schienenspitze und die Tarsen der mittleren sind
verwischt dunkler als ihr übriger Theil. Lg. 6,75, Hinterl.
3,75, Bohr. 4,5 miilim. Ich verbinde damit ein Männch.,
dessen Hüften und Schenkelringe oft gelb sind, wie Holmgren
auch angiebt, Fühler schwarz, von Körperlänge, Taster meist
auch dunkel, wie beim Weibch., aber die Hinterschienen höch-
stens an der äussersten Spitze und ihre Tarsen dunkel sind.
H. Männch. 2%, — 2]g.
@G. pictipes 9 m. Glänzend schwarz, Kopfschild, Taster
ein Fleck vor den Flügeln, deren Schüppehen und Wurzel
bleich, das Mal bornbraun. Beine schön roth, die hintersten
bunt, scharf hell und dunkel geringelt. Lg. 6, Hinterl. 3,5,
Bohr. 3,5 millim, Wurde im Febr. aus in Blättern lebenden
Microlepidopteren erzogen — H
8.
10.
il,
12.
13.
14.
217
G. teres Gr. 8 Schwarz, weniger glänzend, Kopfschild theil-
weise und Taster bleich, eben so Flügelschüppchen und Wur-
zel, etwas dunkler ihr Mal. Beine rothgelb, Hüften schwarz,
Tarsen der hintersten und ihre Schienenspitze dunkler, die
Basis dieser meist bleich. Beim Männch. die Fühler unter-
wärts roth. Die Färbung ändert vielfaeh, wie Gravenhorst
angiebt. Ich kann nicht umhin, @. scalaris Q Gr. 24 hier-
her zu ziehen, dessen var l mit schwarzbraunen Hüften ei-
nen guten Uebergang bildet. In der sonstigen Färbung, der
Sculptur und den Grössenverhältnissen kann ich keinen Un-
terschied entdecken an den nicht sonderlich erhaltenen Exem-
plaren der Sammlung des genannten Autors. Lg. 7,5, Hinterl.
4,4, Bohr. 1 millim.
G. mensurator Gr. 21. Hinterleibssegment 1—3 am Hinter-
rande roth oder I—4 ganz roth, 3 mit brauner, 4 mit noch
dunklerer Rückenmakel. Hinterschienen mit deutlich lichte-
rer Wurzel und einem dunkleren Flecke davor. Beim d' die
Fühler auf der Untenseite gelblich. Lg. 8,5. Hinterl. kaum
5, Bohr. 8,25 millim.
@. incisa Gr. 23 Kräftiger als vorige Art und beim © Hin-
terrücken nicht deutlich gefeldert, beim ' gefeldert, aber
seine Segmente einfach schwarz und länger als breit, wäh-
rend sie vorher breiter als lang sind. Lg. 10, Hinterl. fast
5,5 Bohr. 8,75 millim. — H.
G. bifoveolata G. 25. Hinterhüften etwas gebräunt, Hinter-
schienen höchstens an der Spitze dunkler, sonst einfarbig
roth. Beim d’ die Fühler unten gelblich (wie das Kopfschild).
.Lg. reichlilch 8,5 Hinterl 4, Bohr. 7,5 millim, — H.
30, ze =
@. resinanae Hartg. Ratzb. Ichn. d. Forstins. I. 121. Dadurch
dass das Kniee meist schwarz an den Hinterbeinen, erscheint
die Wurzel der Hinterschienen auch bleicher. Hinterleib be-
sonders matt, Segment 2 und 3 beim 0” quadratisch. Leg. 8,
Hinterl. 4,5 Bohr. 6,5 millim. ‘Wurde erzogen aus Tortr.
resinana. Hl. ist nicht selten, nur vermerkt ist 2/;.
G. flavolineata Gr. 27. An der robusten Kärpergestalt nicht
zu verkennen. Lg. fast 10, Hinterl. 6, Bohr. 7 millim. H.
nicht selten 9, — 1?],
G. siriata 2 (Lissonata) Gr. 70. Durch die bunte Zeichnung
vor allen andern Arten ausgezeichnet. Lg. 11,5, Hinterl 7,
Bohr. 6,75 millim. — 3
Gr. 9. Lissonota Gr. III. 30.
Der platte, glänzende, oder fein und dicht
punktirte Hinterleib, dessen erstes Segment etwas
länger als breit oder fast quadratisch ist, beim Q den Boh-
278
rer aus der Spitze entsendet, das gesonderte, etwas
convexe und vorn gerundete Kopfschild und die ein-
fachen Fussklauen, die an der Wurzel öfter borstig
sind, charakterisiren dieses artenreiche Geschlecht. Die
Fühler sind fadenförmig, wie bei vorigen, der Mittelrücken
kaum dreilappig, der Hinterrücken punktirt, oder etwas run-
zelich und ohne Felder, nur der abschüssige Theil wird in
den meisten Bällen durch eine deutliche Randleiste von dem
vorderen Theile geschieden ; seine Luftlöcher, meist klein
und rund, treten etwas hervor und sind darum leicht be-
merkbar. Die Flügel mit einer Spiegelzelle. Die
Sculptur weicht wenig von einander ab, daher wir bei der
Eintheilung meist auf die Farben sehen müssen. Die Leiste
des Hinterrückens wurde als normal, im Folgenden nicht
weiter erwähnt, ausser wenn sie nicht bemerkbar ist. Der
Bohrer krümmt sich in der Regel nach oben bogenförmig
bei todten Exemplaren, lässt sich also öfter nicht vollkom-
men genau messen.
Arten:
1. Flügel an der Spitze deutlich dunkelfleckig, Kopf, Vorder-
und Hinterbruststück gelb gezeichnet, Schildchen und die Hin-
terränder von Segment 1—3—-4 gleichfalls gelb. Hinter-
rücken vorn ungefeldert aber mit deutlicher Leiste, die den
kürzern abschüssigen Theil von dem stark 'gewölbten, vorderen
trennt, seine Luftlöcher deutlich, oval, Spiegelzelle lang. ge-
stielt, innerer Quernerv der Hinterflügel schief gestellt, unge-
fähr in der Mitte gebrochen: Sp. 1 L.maculaloria.
— — — nicht dunkler 2.
2. Hinterleib schwarz, ein Theil der Segmente oder alle hinten
regelmässig gelb oder weisslich gerandet. Schildchen und
sonstige Zeichnungen am Kopfe und Thorax gelb 3.
— sehr verschieden, ganz schwarz, oder schwarz mit
rothen Hinterrändern, oder mit ganz rothen Segmenten, in der
Mitte, die auch dunkelfarbig sein künnen, oder ganz roth mit
Ausnahme der Wurzel und Spitze 5.
3. Hinterrücken ohne Spur von irgend welcher Leiste 4.
_ mit einer Querleiste hinten, die deutlich einen
halbmondförmigen, schmalen abschüssigen Raum absondert,
schwarz, mit einem gelben Seitenfleck von Gestalt der Sei-
tenansicht einer Hüfte, Segment 2—7 bleich gelbrandig:
Sp.4 L. culiciformis.
4. Hinterrücken bis zur Anheftung des Hinterleibes eine halb-
kugeliche, grob und tief punktirte Oberfläche bildend, die hin-
279
ten mit einem bleichgelben, nach vorn zugespitzten Flecke ge-
zeichnet ist. Segment 1—5 mit gelben Hinterrändern, 1
ausserdem mit 2 solchen Seitenflecken nahe der Wurzel:
Sp. L.irrisoria.
_ — — — allmälig
schief abgedacht und sehr flach nach hinten, mit mehr oder
weniger deutlichen, flachen Längsrinnen. Segment 1—6 gelb-
randig: Sp-3. L.polyzonias.
. Schildehen mit 2 gelben Seitenflecken, Seitenrändern oder
ganz gelb, am Thorax ausserdem mindestensnoch 2 Schulter-
flecke gelb, meist aber auch noch andere, nach der Unterseite
zu bisweilen auch noch rothe Stellen 6.
— schwarz, wenn ja einmal mit gelber Spitze, dann
der Thorax ganz schwarz 11.
. Hinterleib in der Mitte mehr oder weniger roth, oder fast
ganz roth, wenn nur mit rothen Hinterrändern der Segmente,
die an den Seiten sich etwas verbreitern, dann an der Unter-
seite der Thorax hell gefärbt 7.
— schwarz, beim Q@ die Hinterränder der Segmente
roth, besonders an den letzten seitlich erweitert. Thorax unten
schwarz. Hinterrücken mit sehr seichter Längsfurche, rauh 10.
. Segment 2 und 3 länger als breit 8.
— -— — — breiter als lang, 1 mit eingedrücktem hin-
teren Ende, 2 und 3 mit seichten Quereindrücken und roth
mit schwarzem Schein auf dem Rücken, der ganze Hinterleib
durch Punktirung matt. 2 dreieckige Schulterflecke und
Seitenfleckchen am Schildchen gelb». Mund und Beine roth-
gelb. Hinterrücken mit sehr flacher Längsfurche:.
Sp. 7. L.quadrinotala.
. Hinterleib in der Mitte roth und schwarzfleckig. Spiegelzelle
sitzend. Flügelmal gleichmässig hornbraun:
var, 1.von Sp. 14.
— fast ganz roth. _Spiegelzelle gestielt, Flügelmal
braun mit weisser . Basis 9.
#
. Hüften roth oder noch bleicher, Hinterleib nur an der Spitze
schwarz, Thorax unten bisweilen roth schimmernd (92) oder
noch viel heller (S'): Sp.5. L.parallela.
— . — Segment 1 und Spitze des Hinterleibes, so wie
der Thorax unten schwarz: Sp.6. L. insignita.
. Thorax an den Seiten roth, Segment 1—3 länger als breit
Q, Hinterleib mit ausserordentlich feinen Warzen auf der
etwas unebenen Oberfläche: Sp.8. L.lateralis.
4 u — schwarz, Segment 2 u. 3 breiter als lang
Q, umgekehrt beim /. Hinterleib auf seiner glatten Oberfläche
mit unterscheidbaren groben Punkten 9, chagrinirt 2:
Sp.9. L.deversor,
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
- 280
Hinterleib in der Mitte roth, heller oder dunkler, bisweilen
schwarzfleckig 12.
— schwarz, höchstens die Hinterränder einiger Seg-
mente heller 18.
Luftlöcher des Hinterrückens oval oder lineal 13.
— kreisrund, klein und meist warzenartig vortretend
Segment 1—3 Q länger als breit 16.
Hinterrücken, wie der ganze Thorax grob und so punktirt,
dass sich die Punkte unterscheiden lassen. Segment 2 und
3 des glänzenden Hinterleibes länger als breit 14.
— zusammenfliessend punktirt, darum sehr rauh
und die hintere Querleiste undeutlich. Segment 2 und 3 des
Hinterleibes breiter als lang 15.
Stirn unbewehrt. Hinterschenkel rothgelb, Spitze des Schild-
chens 5’ gelb: Sp. 10. L. peliolaris.
— mit 2 nebeneinander stehenden kegelförmigen Zapfen.
Hinterschenkel schwarz. Sp. 11. L.bicornis.
Die schwarz- oder rothbraunen Hinterschenkel gewöhnlich:
Sp. 12. L.conflagrata.
— rothen Hinterschenkel verdickt, besonders 9:
R Sp. 13. L. decimator.
Hüften und Schenkelringe alle schwarz 17.
— roth, beim J' fast gelb, die Hintersten mehr oder we-
niger dunkel gefleckt, oder ganz schwarz, auch der Thorax
verschieden gelb gezeichnet, die rothen Segmente verschieden
dunkel gefleckt: Sp.14. L. bellator.
Mittlere Segmente des Hinterleibes mehr gelbroth, oft schwarz-
fleckig, Spirgelzelle kaum gestielt: Sp.15. L. cylindrator.
— — schmutzig und dunkler roth,
ungefleckt, Sn egelbelle deutlich gestielt:
S.16. L. verberans.
Hinterleib schwarz mit mehr oder weniger deutlichen rothen
Hinterrändern einiger oder aller Segmente. Thorax ganz
schwarz (kleinere Thiere) 19.
—— — ohne helle Hinterränder 21.
Die Fühler an den Enden der Glieder schwach, aber deutlich
knotig geschwollen. 20.
— .. pfriemförmig, die Glieder nicht abgesetzt, Hinter-
rücken ohne Spur von Querleisten, der abschüssige Theil
vollkommen gerundet in den vorderen übergehend. Hinter-
leib fein nadelrissig, von dem Hinterrande des zweiten Seg-
ments an nach vorne allmälig verschmälert:
Sp.19. L.brachycentra.
Segment 2 und 3 quadratisch, deutlich grob punktirt und
eben: Sp. 17. L. segmentator.
—_— — entschieden länger als breit, viel feiner
punktirt, etwas uneben, so dass jederseits von der vorderen
eo
2
23.
281
Ecke nach der hinteren Mitte zu bei gewisser Beleuchtung
ein Schattenstrich sichtbar wird: Sp. 18. L. fracta.
. Hinterleib von dem Hinterrande des 2. Segments an nach vorn
verschmälert 22.
— Segment 2 und 3 fast quadratisch 23.
. Körper nackt. Hinterrücken mit Querleiste und Längsfurche,
sehr gestreckt: Sp.20. L. angusta.
— lang weisshaarig mit Ausnahme des Hinterleibes. Hin-
terrücken gedrungen, runzelig punktirt, ohne jede Leiste:
Sp. 21. L. pilosella.
Bohrer kaum länger als Segment 1, innere Augenränder
d' nicht gelb: Sp. 22. L. caligata.
— länger als der ganze Körper; innere Augenränder
und Mund gelb: Sp. 23. L.sulphurifera.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
. L. maculatoria F. Gr. 60. Diese schöne, bunte Art kenn-
zeichnet sich leicht durch den dunklen Fleck an der Flügel-
. Spitze. Die Körperzeichnung ist sehr veränderlich, so dass
w
Gr. 3 var und eine 4? anführt. Im Allgemeinen hat das
d' mehr Gelb als das 2, jenes am Hinterleibe Segment 1—4
gerandet und I nahe der Basis mit 2 gelben, bisweilen zu-
sammenfliessenden Seitenflecken. Lg. 8,5, Hinterl. 5, Bohr.
8,5 millim, — H. (teste Gr.) Ich besitze ein@ von Nebra an
der Unstrut, ein von Fünfkirchen, _
L.irrisoria Rossi. Gr. 65. Auf den ersten Blick der vorigen
Art sehr ähnlich, aber selbst dann, wenn die Flügelspitzen
einen trüben Schein haben sollten, doch durch den leistenlo-
sen Hinterrücken und sein immer spitz nach vorn verlau-
fendes gelbes Fleck und die sonst noch angegebenen Merk-
male verschieden. Lg, 8,5. Htl. 4,75, Bohr. reichlich 4,50
millim. Ich habe davon 6 of und 4Q zur Vergleichung,
und zog 1 aus Thalpochares paula. — H. 3), — ?9),.
‚ L. polyzonias S' Gr. 68. Ausser den bereits angegebenen
Merkmalen kommen noch hinzu: Fühler länger, als der Kör-
per, Thorax unten und an den Seiten mehr oder weniger
gelb, sehr fein und kaum merklich punktirt. Am Kopfe sind
nur die Augen, die Stelle der Nebenaugen und die damit zu-
sammenhängende obere Partie bis zur Anheftungsstelle schwarz,
alles Uebrige, wie die Fühler mehr oder weniger ausgedehnt
auf der Unterseite von der Wurzel aus gelb. Gelb ferner ei-
nige Flecke auf dem Mittelrücken (die Mitte des Schildchens
schwarz) und auf dem Hinterrücken hinten einer, bei ver-
schiedenen Exempl, verschieden geformt. Beine (mehr oder
weniger röthlich-) gelb, an den hintersten ein Längsfleck der
Hüften und Schenkelringe, die Spitze der Schienen -und die
Tarsen schwarz, An dem einen Exempl. in Gr’.s Sammlung
XXI. 1868, 19
282
sind alle Segmente gelbrandig, das letzte sehr fein, bei einem
aus Cosmia contusa in Weimar gezogenen Stücke Segm. 1—4
vollkommen, 5 in der Mitte schwach unterbrochen, 6 nur an
den Seiten, 7 kaum bemerkbar. Spiegelzelle sitzend, bei einem
Stück ihr äusserer Nerv nicht vollkommen ausgebildet. Lg.
fast 8, Hintl. reichl. 4,5, Fühler 8,75 millim. Ich bin geneigt,
das bei Ratzeburg Jchneum. d. Forstin. I. 97 als L. pec-
ioralis beschriebene sehr bunte Weibchen hierher zu ziehen,
welches aus Tort. laevigana erzogen wurde, weil mancherlei
der Beschreibung hierher passt, und L. pectoralis /’, weniger
bunt ist, so viel sich an dem schlecht erhaltenen Exempl. in
Gr.s Sammlung erkennen lässt, die Männchen aber umgekehrt
lebhafter gefärbt zu sein pflegen, als die Weibchen.
. L. culiciformis /' Gr. 66. Diese Art ist schlanker und zar-
ter, als die vorige, die Fühler gleichfalls länger als der Kör-
per, die Unterseite blassgelb, am Kopfe nicht ganz so ausge-
dehnt, wie bei Nr. 3, die Beine bleichgelb, Tarsen der hin-
tersten mehr roth, nichts Schwarzes daran. Die kleine
Spiegelzelle lang gestielt. Leg. reichl. 6,5, Hinterl. 3,75 millim.
5. L. parallela Gr. 97. Die schlanken Männchen viel lebhafter
gefärbt, als die Weibchen. Bei diesen die Augenränder aussen
unvollständiger, der Seitenrand der Vorderbrust, ein Fleckchen
vor und eins unter. den Flügeln und die Seitenränder des
Schildchens, immer ein Schulterfleck und 2 damit zusammen-
hängende Rückenstreifen mehr oder weniger vollkommen gelb.
Mund theilweise und Beine roth, an letzteren die Schenkel-
ringe theilweis, die Schienenspitzen und Tarsen der hintersten
schwärzlich. Beim schlankeren f sind die Hüften mehr oder
weniger strohgelb, ferner das Gesicht, die äussern Augenrän-
der, ein grosser Fleck an den Seiten der Mittelbrust, meist
einer an der Seite des Metathorax und ausserdem alle hellern
Zeichnungen des © hier viel entwickelter. Lg. 9,5, Hinterl.
5,5, Bohr. 12 millim. Bei einzelnen Weibchen scheinen mir
an u unvollkommen gekämmt. — H. nicht selten.
24 8
7 8°
—
var. Schildchen schwarz, Hüften mehr braunroth L. perspi-
cillator @ Gr. 86. Das bei dieser Art als var von Gr. an-
geführte @ aus Taurien gehört nach meiner Ansicht nicht
hierher.
. L. insignita d' Gr. 84. In der bereits angegebenen Weise
anders gefärbt als f' der vorigen Art, nie mit einem gelben
Seitenfleck an dem Mittelbruststücke; ausserdem der Hinter-
leib breiter als dort, vor allem Segment 1 nach vorn nicht
so verschmälert. Im Uebrigen im Habitus mit Nr. 5 über-
einstimmend.
. L. quadrinotata 2 Gr. 58. Ein Thier, welches in seinem
Bau lebhaft an @lypta haesitator erinnert und einen weniger
283
glatten Hinterrücken als die übrigen Arten hat. , Zu den be-
reits gegebenen Merkmalen ist noch hinzuzufügen, dass der
Mund mit dem. untern Kopfschildtheile roth ist, die Fühler
nach der Spitze zu gleichfalls röthlich schimmern; ein Fleck-
chen vor den Flügeln, deren Schüppchen und Wurzel bleich-
gelb, Mal hornbraun, die kleine Spiegelzelle sitzend. Am
Hinterleibe ist der eingedrückte Hinterrand von Segment 1,
aber 2 und 3 ganz roth, 2 mit schwarzem Sattel, 3 mit, schwar-
zem, querlinienartigen Scheine Lg. 7, Hinterl. 4, Bohr. 5
millim.
8.!L. lateralis 2 Gr. 73. Mund und Kopfschild rothgelb, ein
Augenfleck auf dem Scheitel gelb, das Schildchen mehr roth
als gelb, eben so 2 Streifen des Mittelrückens. Beine gelb-
roth, die hintern Schenkelringe oben schwärzlich. Le. 5,
Hinterl. 3, Bohr. 4,75 millim.
9. L. deversor Gr. 59. Schwarz, Mund mit Kopfschild , innere
Augenränder bis zum Scheitel, Schulterecken,. 2 Längsstreifen
des Mittelrückens, Fleck oder Linie vor den Flügeln, deren
Schüppchen und Wurzel, so wie eirie kurze Linie unter ihnen
und Schildchenrand bleichgelb; beim M. auch das Gesicht mehr
oder weniger und bisweilen ein langer Fleck an der Thorax-
seite. Beine rothgelb, beim M. bleicher, die Hinterschienen,
vorzugsweise an der Spitze und ihre Tarsen dunkler, beim
2 bisweilen röthliche Flecke über den hinteren Hüften.
Flügelmal hornbraun. Beim M. der Hinterleib in der Regel
ohne helle Ränder der Segmente Lg. 7,5, Hinterl. 4, Bohr.
6,75 millim. — H. 23%, 5 ’hı 2.
10, L. petiolarisQ Gr. 110= apicalis,o' Gr.88. Thorax glänzend
schwarz, Hinterleib ebenfalls glänzend, aber viel feiner punktirt,
als jener; Segment Il am Hinterrande, 2 und 3 ganz, 4 vorn
schmäler oder breiter gelbroth: an den eben so gefärbten
Beinen alle Hüften und Schenkelringe tief schwarz, an den
hintersten Schienen und Tarsen schwärzlich Q, wenigstens
die hintersten Hüften und Schenkelringe tief schwarz, Hinter-
schienen an der Spitze, ihre Tarsen von der Spitze des zwei-
ten Gliedes an schwärzlich M. Beim Q die innern Augenrän-
der bis zum Scheitel sehr fein gelb, wie das Kopfschild, beim
M. auch die äussern unvollkommen und ein kleiner Theil des
Mundes so wie die Schildchenspitze, Flügelschüppchen und
Wurzel X @ gelb, das schmale Mal hornbraun, die grosse
Spiegelzelle lang gestielt. Lg. 8,75, Hinterl. reichlich 9, Bohr.
6,5 millim. — August.
11. L. bicornis Gr. 91 Thorax glänzend schwarz, am glänzenden
Hinterleibe Segment 1—3 (9) oder 2—4 und 1 am Hinter-
rande (cf) gelbroth. Hinterbeine schwarzbraun Q, nur bis zu
dem Schenkel einschliesslich dann die Schienenspitze und die
Tarsen ((‘), die übrigen gelbroth mit Ausschluss der dunkleren
au,
12.
13.
14.
15.
284
Schenkelringe und Hüften, diese beim oben schwarz, un-
ten bleichgelb. Bei diesem das Gesicht bis zu den unterwärts
gelblichen Fühlern bleichgelb und die inneren Augenränder
bis zum Scheitel gelb, beim -@ nur das Kopfschild. Flügel
ganz wie bei voriger Art. Lg. reichl. 8,5, Hinterl. 5, Bohr.
über 12 millim. — 3, —*h-
var. Alle Schenkel sind roth.
L. conflagrata @ Gr. 95. Eine robuste Form. Schwarz,
wenig glänzend an Kopf und Thorax, die Beine von den
Schenkelringen an heller oder dunkler rothbraun, eben so die
Mitte des gedrungenen, etwas glänzenden Hinterleibes schmutzig
roth. Flügel durch die Mitte getrübt, mit lang gestielter
Spiegelzelle und nur an der Wurzel weisslich gefärbt. Bis-
weilen an jeder Seite der Augenränder ein gelber Gesichts-
fleck. Lg. 10,5, Hinterl. fast 6, Bohr. 8,75 millim. — H.
10), —19),.
L. decimator Gr. 96. Diese Art, entschieden keine ächte
Lissonota, erinnert durch die Hinterbeine und die gedrungene
Körpergestalt an die Gattg. Acoenites. Schwarz, wenig glän-
zend, die innern Augenränder und ein Fleck der äussern an
der Schläfe gelb 5, rothschimmernd 9, hier der Hinterleib
ausgedehnter rothbraun, als beim /. Beine von den Schenkeln
an gelblichroth, die hintersten an dem äussersten Knie, der
Aussenseite der Schienen und den Tarsen schwärzlich., Flü-
gel getrübt, ihre Spiegelzelle gestielt, an der Wurzel und das
Mal an der Basis bleich. Lg. kaum 10, Hinterl. 5,5, Bohr.
reichl. 14,5 millim. an der Spitze aufwärts Gekritni — H.
L. bellator Gr. 106. Beim 9, Mund, Mitte des Hinterleibes
und Beine roth, an diesen die Schenkelringe öfter schwarz-
fleckig. Beim 0 sind Mund, Gesicht, Wangen, das 1. Füh-
lerglied unten, Thoraxflecke, Hüften und Schenkelringe der
beiden vorderen Fusspaare gelb. Schüppchen und Wurzel
der Flügel d' © weisslich, Mal wenig dunkler, Spiegelzelle
sitzend oder kaum gestielt Lg. fast 7,5, Hinterl. 4, Bohr.
reichl. 6,5 millim. — H. nicht selten ®%/, — !?)o.
var 1. S' Schildchen ganz gelb, eben so die Unterseite des
Thorax = L. argiola Gr. 83; auch scheint mir L. lineata
Gr. p. 82 hierher zu gehören und L. arvicola Gr. 49.
?var 2 Q Spiegelzelle unvollständig, kleiner von Körper,
Hinterrücken mit seichter Längsfurche, die bei der Stammart
nie so deutlich, und seichtem Längseindrucke auf dem 1. Seg-
mente — LI. linearis Gr. 105.
var 3 @ Scheitel ganz schwarz.
L. eylindrator Vill. Gr. 102. Von der Gestalt der vorigen
Art, aber Bohrer länger und stets die Hüften und Schen-
kelringe schwarz und die Färbung beim @ auch sonst weni-
ger hell. Schwarz, Mund theilweis, Mitte des Hinterleibes
16.
17.
285
und Beine von den Schenkeln an.roth oder bräunelnd‘, beim
cf die innern Augenränder undeutlich gelb. Lg. 8, Hinterl.
4,25, Bohr 10 millim. — H. 13, — 3%..
L. verberans @ Gr. 93. Etwas kräftiger als beide vorige
Arten und düsterer gefärbt, einen guten Uebergang zu den
ganz schwarzen Arten bildend. Segment 1 deutlich gekrümmt
alle deutlich punktirt, 2—4 kastanienbraun; eben so die Beine
von den Schenkeln an, die Vorderbeine etwas heller, als die
übrigen, die hintersten durchaus dunkler, ihre Schenkel fast
schwarz. Flügel gebräunt, ihr dunkles Mal an der Basis
hellgefleckt wie die äusserste Flügelwurzel. Die innern Au-
genränder bis zum Scheitel und die äussern unvollständig
fein weiss, Mund theilweise bräunlich. Lg. 10,5, Hinterl. 6,
Bohr. 12 millim. H. 8); — '?)g.
L. segmentator Gr. 52. Hinterleibssegmente rothrandig, quad-
ratisch und grob punktirt. Schwarz, Mund und Kopfschild
rothgelb, Beine roth, an den hintersten die Schenkelringe,
Schienenspitzen und Tarsen getrübter, beim d' die vorderen
. Hüften bleichgelb, eben so Flügelschüppchen und Wurzel d’ 9,
18.
19.
20,
Mal etwas dunkler. Lg. 6,5, Hinterl. reichl. 3,5. Bohr. 5
millim. — H. 2%, 2.
var. Alle Hüften schwarzbraun Gr. var 2.
L. fracta © n. sp. Schwarz, Mund und Kopfschild rothgelb,
bei 2 Exempl. ein weisses Augenfleckehen am Scheitel. Flü-
gelschüppchen und Wurzel weiss, Mal hornbraun, bei 2 Exempl.
der äussere, die Spiegelzelle schliessende Nerv nur zur obern
Hälfte vorhanden, wie abgebrochen. Beine roth, jan’ den hin-
tersten die Schenkelringe, Sehienen ‘mehr oder. weniger und
Tarsen‘ dunkler. Brustseiten und Hinterrücken deutlich punk-
tirt, dieser mit. deutlichör Längsfurche. _Hinterleib gestreckt,
die Hinterränder zum Theil undeutlich geröthet, 1 mit Andeu-
tung. einer Längsfurche, kaum rauher jals die übrigen, 2 und
3 mit, einer beulenartigen. Anschwellung an jeder Seite; wo-
durch ‚der erwähnte Sehrägschatten entsteht, nadelrissig punk-
tirt. Bei, einem, Stück ist das Schildchen, verloschen bleich.
Lg; reichl. 8, Hinterl. 4,75 Bohr. 9,5: millim. — H. 8, —1%,.
L. brachycentra 2 Gr. 56. An den plumpen Fühlern, ‘die stark
anliegend behaart sind, dem ‚breiten Kopfe, vollkommen ge-
rundeten Hinterrücken und kurzen Bohrer leicht zu erkennen.
Mund, Kopfschild und eine kurze Linie an den innern ‚Au-
genrändern röthlich gelb, wie die ganzen Beine, höchstens
die untere Hälfte der Hinterschienen etwas getrübt. Segment
1—4 mit immer feiner werdenden, rothen Rändern: Flügel-
wurzel und Schüppchen blendend weiss, Mal gelb. Le. 7,5,
Hinterl, 4,5, Bohr. 1,5 millim.
L. angusta @ n. sp. In allen Theilen sehr gestreckt, beson-
ders auch das Schildchen und der Hinterrücken, dieser quer-
2]
22,
23.
286
rissig und punktirt dazwischen mit dentlicher Mittelfurche.
Schwarz, Hinterleib seidenglänzend, Mund und Kopfschild
röthlich gelb, eben so die Beine, an den. hintersten nur die
Tarsen und äussersten Schienenspitzen gebräunt. Flügelschüpp-
chen und Wurzel weisslich, Mal weisslichbraun. Spiegelzelle
sehr kurz gestielt. Segment 1 so lange wie die Hinterhüften,
nach vorn allmälig verschmälert, 2 nach hinten stark verbrei-
tert. Lg. 6,75, Hinterl. fast 4, Bohr. 6,5 millim. — H.
wurde im Februar aus Weidenblättern erzogen.
. L. pilosella, Tryphon pilosellus 5‘, Gr. Il, 125, Arenetra pi-
losella 5‘ 2 Holmgr. 1. e. 46. Kopf und Thorax stark punk-
tirt und behaart, Augen weit auseinander, Spiegelzelle gross,
sitzend, fast viereckig, Segment 1 und 2 vorn punktirt, hinten
der Länge nach fein nadelrissig. Fühler fadenförmig W., auf-
gerollt, die hell durchscheinenden Enden der Glieder schräg
gestutzt. Schwarz, Beine rothbraun von den Schenkeln an,
beim M. auch die Basis dieser noch schwarz. Lg. reichl. 10,5,
Hinterl. kaum 6, Bohr. 3,5 millim. — H. 9°)
L. caligata ' Gr. 38, 9 Holmgr. 1. e. 53. Schwarz, schwach
glänzend, punktirt, Taster braun, Kopfschildspitze (und die
Einschnitte der mittleren Segmente) roth, beim M. in Gr.s
Sammlung ist letzteres nicht der Fall, Flügelschüppchen und
Mal braun, Wurzel schmutzig weiss. Vordere 'Beine roth,
Hüften ‘bisweilen theilweisc, oder ganz und Schenkelringe
schwarz, Hinterbeine schwärzlich, Hüften bisweilen und Schen-
kel roth. Aendert auch mit unvöllkommener Spiegelzelle ab.
Lg. M. 9,5 Hinterl. 5,9 millim.
L. sulphurifera Gr 39. Schwarz, punktirt, schwach glänzend.
Mund’ gelb (M.) oder theilweise roth (W.), das 3. Ser soll
‘nach Holmgren am 'äussersten Hinterende kastanienbraun sein,
' was bei Gr’s’ Exemplaren nicht der Fall ist, Pitgöischapp-
chen "und Wurzel 'bleich , Mal’ kaum Alınklör als jene‘'oder
braun. Beine'roth, Hintertarsen ‘braun, Hüften und Wurzel
der :Schenkelringe in ‘der Regel schwarz aber auch rothj'beim
'M. die (der''vorderen ‘4 Beine grösstentheils strohgelb. ' 'Seg-
ment I’ kaum 'verschmälert nach vorn, länger als breit, rau-
"her als‘2 und 3, die fast ‘quadratisch und fein’nadelrissig cr-
scheinen. Le. 10,25, 'Hinterl. 'reichl.' 5,5, Bohr. 12,5. millim.;
a, bei seiner Länge gerader, als'bei allen übrigen Arten.
H eh wi*)
*) Holmgren' hat’in seiner Gattung Arenetra noch eine ’zweite
Art, den Banchus'tomentosus 9: Gr. IIl, 376, den‘ich nicht kenne. Die
erste Art als: besondere Gattung zu sondern, schien mir ‚nicht. gerecht-
fertigt.
**) Das M., welches Gr. hierzu rechnet, gehört entschieden nicht
hierher, sondern ’ist wegen der Bildung seines Hinterrückens‘ und Hin-
terleibesseine Pimpla. |
297
‚Gen. 10. Meniscus Schiödte, Lissonota Gr.
Die einzeln gekämmten Fussklauen 9 bilden
den einzigen Unterschied zwischen dieser und der vorigen
Gattung. Die Sonderung ist eine künstliche und missliche.
Bei den vielen Borsten um den Grund der Klauen wird es
schwierig, die Kammzähne zu sehen, die nicht bis zur
Spitze der Klauen reichen, und bei sehr starker Vergrösse-
rung sieht man bei einzelnen Lissonota-Art ebenfalls welche,
es
sind daher in dieser Gattung nur Arten aufgenommen,
wo mit einer guten Lupe sich die Kammzähne deutlich er-
kennen lassen.
Arten:
. Hinterleib schwarz, kaum mit verloschen bleicheren Hinter-
rändern der Segmente 2.
— roth mit schwarzer Basis, Bohrer unter Hinter-
leibslänge, Hintertarsen vom zweiten Gliede an und ihre Schie-
nen an der, Basis weiss: Sp.8. M.murinus.
. Thorax bunt: schwarz, roth und gelb, Körper matt, Hinter-
leib sehr gestreckt mit fast parallelen Seitenrändern, beim M.
lineal: Sp. 7. M. elector.
— ganz schwarz oder gelb gefleckt 3.
. Stirn unter den vorderen Nebenaugen tief ausgehöhlt 4.
28 u un — nicht oder sehr flach
ausgehöhlt 5.
. Thorax ganz schwarz, Hinterrücken wie Hinterleib ausser-
ordentlich rauh, darum an jenem die hintere Querleiste un-
deutlich; seine Luftlöcher länglich: Sp.1. M. selosus.
u mit gelbem Vorderrand des Mittelrückens, Hinter-
rücken ‚und Hinterleib fein punktirt, an jenem die hintere
‚Querleiste und eine Mittelfurche deutlich, seine Luftlöcher
rund; Bohrer viel kürzer: Sp. 2. M.catenator.
‚ Hinterleib 2 vom Hinterrande des zweiten Segments an nach
der Basis zu stark verschmälert, stark glänzend, Segment 1
mit langer Längsfurche, Stirn, flach gehöhlt. _ Hinterrücken
einzeln punktirt, mit Mittelfurche; eine gelbe Linie vor den
Flügeln : Sp. 3. M. agnalus.
— — — des ersten Segmentes an allmä-
lig verschmälert 6.
. Segment 2 deutlich breiter ‚als lang, ziemlich grob und mehr
oder ‘weniger zusammenfliessend punktirt, wie das 1. und 3
vor dem Hinterrande flach quer eingedrückt. Hinterrücken
mit gleicher Punktirung und schwacher Längsfurche:
Sp. 4. M.pinplator.
5
&
288.
Segment 2 deutlich länger als breit, fein nadelrissig und da-
her seidenglänzend, mit anderer Sculptur als der Hinterrücken 7.
. Kopf und Thorax sehr stark weisshaarig, besonders 5‘, der
Bohrer kaum von Hinterleibslänge, die Klauen lang und
gleichmässig gekämmt: Sp. 5. M.tomentosus.
— — nicht weisshaariger; als andere Arten, der
Bohrer länger als der Körper, die Klauen nicht bis zur
Spitze deutlich gekämmt: Sp. 6. M. impressor.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten:
.M. setosus Fourer. Gr. 35. Schwarz, stark punktirt, Beine
von den Schenkelringen an rothgelb, nur die Tarsen der hin-
tersten schwarzbraun. Das letzte Bauchsegment Q dreieckig
ausgeschnitten. Die grösste Art. Lg. 19, Hinterl. reichlich
10,5, Bohr. 20 millim. Wurde erzogen aus Weidenbohrer-
puppen, deren Raupen das @ ansticht. — H. 1?%..
2. M. catenator @ Pz. Gr. 45, & Holmgr. l. c. 6l. Stirn am
oberen, innern Augenrande wie ein kurzer Lappen vorgezogen,
in der Mitte tief ausgehöhlt, Bohrerscheide auffallend breit.
Schwarz; zart weiss flaumhaarig. Mund, Kopfschild, innerer
Augenrand, beim f' das ganze Gesicht, die Wangen und der
Fühlerschaft unten; ferner eine Linie vor und unter den Flü-
geln,;, deren Schüppchen und Wurzel gelb, beim 5 noch
Flecke an der Brust. Beine roth oder rothgelb, die vorderen
an.der Wurzel gelb, die hintersten an den Schenkelringen,
Schienen und Tarsen mehr oder weniger schwärzlich. Lg. 11,
Hinterl. fast 6,5, Bohr. 6,5 millim., letzterer gerade. —
H. °'),
var. © ee mehr oder weniger roth.
.M. agnaltus Q Gr. 44. Thorax deutlich punktirt und so, dass
die Zwischenräume grösser als die Punkte sind, ‘mit feinem
Anfluge ganz kurzer weisser Härchen, Hintereücken mil Längs-
furche. Die Form des Hinterleibes charakteristisch , ganz so,
“wie bei der viel kleineren Lisson. angusia, stark glänzend, be-
sonders Segm. I und 2, auf dem man nur sehr einzelne feine
Punkteindrücke bemerkt. Taster tind Kopfschild gelbroth,
eine kurze Linie des innern Atgenrandes, eine vor den Flü-
geln, deren Schüppchen und Wurzel gelb. Beine gelbroth,
die Hüften an der Wurzel bisweilen etwas dunkler, Hinter-
tarsen schwärzlich. Beim Stück in Gr’s Sammlung trägt
Segment 2 und 3 je 2 möndförmige gelbe Seitenflecke. Ein
&, was in der Sceulptur und Färbung vollkommen "dazu
stimmt, muss ich wegen des stark nach vorn verengteh,
schmächtigen ersten Segments hierher ziehen. Lg. 12, Hin-
terl. reichl. 6,5, Bohr. 8 millim. schnurgerade. — H.Q Zeit
unbestimmt, d' ?)g.
4. M. pimplator. © ‚Zeit. Holmgr. 62 = IL. impressor Gr. var
[7 8
289
1 und 2. An der gedrungenen Körperform, der durchaus
groben Punktirung und den seichten Quereindrücken vor dem
Ende der 3 ersten Segmente leicht kenntlich. Schwarz,
Taster, Kopfschild und Beine roth, die Tarsen der hintersten
mehr oder weniger schwärzlich. Die Art kommt in einer
zierlicheren Form vor, wahrscheinlich aus einem kleineren
Wohnthiere, wo alle angegebenen Merkmale vorhanden, aber
ein weinig schwächer ausgeprägt sind, Gr. var 2, das eine
Stück variüirt mit relativ längerem Biekimer Zwei 0’ meiner
Sammlung kann ich der Struktur nach hierher ziehen, sie
unterscheiden sich in der Färbung vom 5‘ durch unterwärts
gelbliche Fühler, einen dreieckigen gelben Schulterfleck, eine
kleine gelbe Linie vor und eine zweite unter den Flügeln
und das eine hat 2 gelbe Seitenstriche auf dem Schildehen,
Lg. 10,75, Hinterl. 6, Bohr. 8,75 millim. — H. ?*/, 19).
var 1 Q Hüften schwarzbraun oder schwarz. 3 —/h
bilineata Gr. p. 41.
var 2 S' Schildchen mit 2 gelben Seitenlinien.
.M. tomentosus 2 Gr. 46, d' grisea Gr.43. Schwarz, Taster
und Kopfschild, eine Linie, ein Fleck vor den Flügeln, deren
Schüppchen und Wurzel gelb. Beine roth @, rothgelb, Hüf-
ten und hinterste Schenkelringe schwarz %. Lg. 10,75,
Hinterl. 5,75, Bohr. 5 millim.
.M. impressor Gr. 50 Stirn etwas eingedrückt mit einer Längs-
linie, Hinterrücken gerunzelt, mit deutlicher Längsfurche, eben
so Segment 1 mit langer und 2 mit mehr oder weniger än-
gedeuteter Längsfurche. Schwarz, Mund und Kopfschild
roth, ein Schulterfleckchen, ein Fleckehen vor den Flügeln,
deren Schüppchen und Wurzel schmutzig weiss, Beine roth,
sehr schlank, Hintertarsen getrübt. Lg. 11,5, Hinterl‘"reiehl;
7, Bohr. 15,5 millim. — H. !6/,, 2%,.
var 1 Q@ mit bleichem en auf dem Schildchen.
vor 2 © mit schwarzen Hüften und an den Hinterbeinen
schwarzen Schenkelringen Liss. suborbitalis Gr. 42,
. M. elector Gr. 73 Körper durchaus dicht und ziemlich grob
punktirt, Hinterrücken mit feiner Längsfürche, Kopf und
Thorax bleichgelb, roth und schwarz, Beine roth, Beim 4%,
dessen Hinterleib ausserordentlich schmal und Hnienforkniß,
geht das Roth mehr in ein bleiches Gelb über, auch an den
Beinen. Lg. 11,5, Hinterl. 6,5, Bohr. 7,5 millim;
. M. murinus 9, Gr. 99, X Holmgr. 62. Stark behaart, schwarz,
BHinterleib roth mit schwarzer Basis, Flügelschüppchen weiss
f, braun ©. Beine roth oder hungatin, besonders die
hinteren, Hüften und Schenkelringe und meist die Schie-
nen und arsch der hintersten schwarz, je an der äussersten
Basis, diese an der Spitze weiss, Ben d' diese, Zeichnung
290
auch an den Mittelbeinen- angedeutet. Lg. 9,5, Hinterl. 5,
Bohr. kaum 4 millim. *)
Gen. 11. Phytodietus Gr. II, 929.
Diese Gattung Gravenhorst’s enthält verschiedene
Elemente. Die beiden Arten ohne Spiegelzelle und mit aus-
gefressenen Fühlergliedern der M., welche jener Autor nicht
kannte, sind von Haliday als Zampronota ausgeschieden.
Holmgren belässt den übrigen den alten Namen und giebt
deutlich gekämmte Klauen als eines der Gattungsmerkmale
an, welche die beiden einzigen von ihm beschriebenen
Gravenhorst’schen Arten auch haben. Nun bleiben aber
noch 6 andere übrig mit einfachen Klauen. Da sie die
Mehrzahl ausmachen, müsste diesen von Rechts wegen
der alte Name verbleiben und für die mit gekämmten Klauen
ein neuer gewählt werden. Weil aber Holmgren noch
4 neue Species beschreibt unter dem Gattungsnamen Phy-
iodietus, so will ich, um keine Verwirrung zu veranlassen,
die Gattung Phytodietus in seinem Sinne festhalten und die
Gravenhorst’schen Arten derselben, welche keine ge-
kämmten Klauen haben als neues Genus absondern. Die
*) In diesen beiden Gattungen sind noch nicht alle Zissonota-
Arten erschöpft, welche Gr. aufgezählt, ausserdem_hat Holmgren 18
Arten neu:benannt und unter allen konnte ich 2 meiner Sammlung nicht
herausfinden, alles Beweise, dass die Mannisfaltigkeit bedeutend und
die Unterschiede schwierig aufzufinden sind. Nun noch einige Bemer-
kungen über die bisher unberücksichtisten Gravenhorst’schen Arten:
L.:defectiva 2 p. 38 ist am Leibesende beschädigt, scheint mir. aber
eine lange Bauchspalte zu haben, Geiselglied 2:der Fühler ist noch-ein-
mal so lang, ‚wie 3, was sonst keine andere Art aufzuweisen hat. —
dorsalis 2 78 eine höchst interessante Form, die entschieden nicht hier-
her'gehört. Der Hinterleib gleicht in Bezug auf die knotige Oberfläche
der Gattung Pimpla, sein erstes Segment hat ganz vorn je 2 scharfe
Seitendornen, keine Bauchspalte und die Klauen sind deutlich gekämmt.
— ruficornis 2 98 mit sehr untersetztem Hinterleibe, dessen letzte
Bauchschuppe .die des Rückens noch überragt, passt darum nicht’ hier-
her, weil der Hinterrücken durch sehr hohe Leisten vollkommen ge-
feldert ist, man kann ihrer 9 unterscheiden, denn der regelmässig 5 eckig
eingefasste, sehr steile abschüssige Theil ist durch eine senkrechte Leiste
noch in 2 Theile getheilt. Flügelmal unverhältnissmässig gross und dick.
— occupator 2 100 hat einen säbelartig, etwas nach oben gebogenen
Bohrer, der aus einer langen Spalte mitten aus dem Bauche kommt, der
sehr rauhe Hinterrücken hat gar keinen abschüssigen Theil, der vorn
3lappige Mittelrücken ist zwischen Schildchen- und Flügelwurzeln aus-
serordentlich tief ausgehöhlt. Klauen einfach, sehr ‚schlank. — acceu-
sator @ 101.. Der Bohrer kommt gleichfalls aus einer Bauchspalte, der
Hinterrücken hat 4 schwache Längsleisten, die Klauen ‚sind einfach. —
pallipes 5‘ 55 scheint eine Pimpla zu sein; der Hinterrücken ist ziem-
lich vollständig gefeldert; das Flügelmal verhältnissmässig gross.
- 291
Merkmale unserer Gattung wären somit: Kopf breiter als
lang, sein Schild abgesondert, convex, vorn gerundet oder
etwas ausgeschnitten, Fühler fast von Körperlänge und fa-
denförmig. Thorax kräftig, matt, Mittelrücken stark ge-
rundet, nicht dreilappig. Hinterrücken ohne Andeutung von
Feldern, mit kreisförmigen Luftlöchern. Hinterleib am Hin-
terende am dicksten (von Form der Tryphonen) Segment 1
gestreckt, nach vorn allmälig verschmälert, so dass es zwei-
felhaft sein dürfte, ob er nicht auch gestielt genannt wer-
den könnte, aber entschieden deprimirt und ohne die Bie-
gung wirklich gestielter Hinterleiber, glatt. Bohrer aus ei-
ner Bauchspalte kommend, höchstens von der Länge des
Hinterleibes. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle,
der innere Quernerv der hintersten weit unter ihrer Mitte
gebrochen. Klauen @ lang und dicht gekämmt,
Hinterschienen mit einer Reihe Dornenhärchen.
Arten:
l. Thorax ganz schwarz, höchstens 2 gelbe Fleckchen zwischen
den Schultern, Hüften und Schenkelringe desg]. 3.
— schwarz und gelb gezeichnet, das Schildchen immer
mehr oder weniger gelb 2.
2. Thorax ausser am Schildchen mehrfach gelb gezeichnet, Hin-
terleib mit mehr oder weniger deutlichen, strohgelben Hinter-
rändern, vordere Hüften gelb: Sp. 1. P. segmentator.
— und Hinterleib schwarz, dieser an der Spitze biswei-
len bleich: Sp. 2. P. coryphaeus.
3. Schienenwurzel und ein Ring der Hintertarsen weiss, grösste
Art: Sp. 3. P. planlarius.
— —_—— —.— _ nicht. ‚weiss,
mit dem übrigen Theile gleichfarbig: _Sp. 4. P. astutus.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten:
1. P. segmentator. Gr. II. 944, und ‚P. coryphaeus var. 3. Die
bunteste Art. ‘Beim W sind gelb (mehr bleich. oder rothgelb)
der Mund, ein ‘Gesichtsfleck, die innern Augenränder und: be-
sonders auf dem Scheitel, ‚ die’ Fühler unten, am: Thorax ein
breiter Fleck vor und auch unter den. Flügeln, einer vor den
Mittelhüften, einer mitten auf dem Mittelrücken,, das Schild-
chen mit Ausschluss seiner Mitte, das Hinterschildchen, die
beiden (@uernähte am Ende eines jeden, der Hinterrand des
Hinterrückens mehr oder weniger ausgedehnt; an den Flügeln
die Wurzel und ‚das Schüppchen, das Mal:mehr rothgelb;; die
292
ganzen Beine mit Ausschluss der etwas gebräunten Spitzen
der Schienen und Tarsen an den 'hintersten. Hinterleib glän-
zend schwarz, mit strohgelben Hinterrändern der Segmente,
in var. 3 weniger vollkommen. Leg. 8,5, Hinterl. 4,5, Bohr.
4,5 millim. Beim 5, das ich nicht aus eigener Anschauung
kenne, ist das ganze Gesicht und die Wangen gelb, aber nur
die Wurzel der Fühler unten, und das Gelb am Rumpfe noch
mehr ausgebreitet, besonders auch auf die Brust. — Die Art
varlirt beim 5 mit schwarzgefleckten, seltener ganz schwar-
zen Hinterhüften. — H. ©. Im Febr. aus Blättern erzogen,
die zur Mikrolepidopterenzucht eingetragen waren.
2. P. coryphaeus @ Gr. II. 945. Der vorigen Art bis auf die
Färbung ähnlich: Mund zum Theil braun oder bleichgelb.
Zwei Scheitelflecke an den Augen, Spitze des Schildehens und
2 Pünktchen an seiner Basis, wohl auch Hinterschildchen und
die beiden Thoraxnähte daselbst, an den Flügeln die Schüpp-
chen, Wurzel und das Mal gelb. Der übrige Rumpf schwarz,
am Hinterleibe glänzend. Beine gelbroth, die vordern Hüften
meist ganz, an den Hinterbeinen Schienen und Tarsen schwarz,
hier bisweilen auch die Hüften und Schenkelringe oder letz-
tere allein schwarz, oder auch die Schienen an der Basis roth.
Lg. 6,5, Hinterl. 3,5, Bohr. reiehlich 2,5 millim. — H. !*),
am salzigen See.
3. P. plantarius 2 Gr. II. 941. Die grösste Art. Thorax grob
und dicht punktirt, Hinterrücken lederartig, Hinterleib wenig
glänzend, unregelmässis fein querrissig. Letzte Bauchschuppe
weit nach der Spitze reichend,:so dass kaum eine Spalte be-
..merkbar,:aus welcher der Bohrer kommt. Schwarz, 2 ver-
;.. loschene weisse Fleckehen zwischen den Schultern. Flügel-
xadius. und Mal schwarz, Wurzel und Schüppchen braun.
Beine roth, Hüften und Schenkelringe schwarz, Hintertarsen
und Schienen... gleichfalls schwarz, von jenen Glied 2—4, an
. diesen die Basis weiss; an den vordern Beinen ist eine weisse
Schienenbasis.mehr oder weniger angedeutet. Leg. reichlich 11,
Hinterl. 6, Bohr. 4,75 millim.
4. P. astutus Q,Gr. Ol: 939... Das Exempl. in Gravenhorst’s
Sammlung ist so zerstört, dass ihm eben nur sein Platz hier an-
gewiesen werden konnte. Die Färben und Grössenangaben
muss ich aus des Autors Beschreibung entlehnen. Schwarz,
' Flügelmal, Wurzel ‘und Schüppchen gelb.‘ Beine rothgelb,
Hüften und Schenkelringe, Schienenspitzen der hintersten nebst
ihren Tarsen schwarz. Hinterleib so lang wie Kopf und Tho-
'rax, Bohrer länger als der halbe Hinterleib, Lg. 5,5 millim.
Gen. 12. Cryptopimpla n. gen. —. Phytodietus Gr. theilweise.
Körperform wie vorige Gattung, von ihr. verschieden
durch "einfache Klauen. Kopfschild "getrennt," gewölbt,
293
vorn : gerundet. Hinterrücken glatt oder gekielt, seine
Luftlöcher rund. Hinterleib nach vorn stielartig verengt,
nur bei C. microtamius wirklich gestielt, etwas gekrümmt
und nach dem Ende hin verdickt, respective etwas compri-
mirt, Bohrer höchstens von seiner Länge. Flügel mit
dreieckiger Spiegelzelle und die hintern mit weit unter. der
Mitte gebrochener innerer Querader: Die Männchen noch
unbekannt.
Arten:
1. Hinterrücken ohne jede Leiste, vollkommen glatt. Segment
1 des Hinterleibes bisweilen gestielt 2.
= wenigstens mit einer Querleiste, die den vordern
vom abschüssigen Theile trennt 3.
2. Hinterleib in der Mitte und alle Schenkel und Schienen roth.
Fühlerglieder kurz und dick: Sp. 1.C. microtamia.
— mit Ausschluss der Spitze, nur Schenkel und Schie-
-nen der vordern Beine roth. Fühlerglieder viel länger als
ihr Querschnitt: Sp. 2. C. errabunda.
3. Hinterrücken mit 2 Querleisten hinten, 4 Längsleisten vorn,
Hinterleib mit Ausschluss seiner Spitze roth:
Sp. 3. C. blandao.
— nur mit einer Querleiste zwischen den vordern
und abschüssigen 'Theile, Hinterleib schwarz:
Sp. 4. C. calceolata.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
1. C. microtamia @ Gr. I. 933. Schwarz, roth sind die Beine
von den Schenkelringen oder Schenkeln an und Segment 2—4
des Hinterleibes. Kopf und Thorax grob, meist zusammen-
fiiessend punktirt, am rauhesten der kräftige Hinterrücken
mit gerundeter Oberfläche. Fühlerglieder walzig, so lang wie
breit. Segment l mehr oder weniger gestielt, mit einer nicht
bis zur Spitze reichenden feinen, seichten Längsfurche. Die
Spiegelzelle etwas gestielt, bei einem Exempl. in Graven-
horst’s Sammlung langgestielt, und das Dreieck fast ver-
schwindend klein. Hinterleib so lang wie Kopf und Thorax,
Bohrer gleichfalls. Lg. 9 millim. Die Exemplare waren zu
zerstört, um die Maasse in Zahlen angeben zu können.
2. C, errabunda 2 Gr. l. c. Schwarz, am Hinterleibe Segment
1—4 roth. Vordere Beine roth, Schenkelringe und Schen-
kelwurzel, an den vordersten auch noch die Hüften schwarz;
Hinterbeine schwarz ausser den rothen Hüften, Schienendor-
nen und einem matten Ringe vor der Schienenwurzel. Kopf
und Thorax grob und fein punktirt, an den Brustseiten und
Hinterrücken einzelner, so dass die Zwischenräume bedeutend
294
grösser als die Punkte sind, Mitte des Hinterrückens ausser-
dem fein nadelrissig. Fähler von Körperlänge, ihre Glieder
merklich länger als breit. Lg. 7,5 millim. Bohr. !/, der Hin-
terleibslänge.
3. C. blanda 2 Gr. II. 932. Schwarz, braunroth sind der Hin-
terleib ausschliesslich seiner Spitze und die Beine, Hinterschie-
nen und Tarsen braun, Fühler auf der Untenseite wenigstens
gelbroth. Thorax grob und dicht, doch so punktirt, dass die
Zwischenräume die Punkte an Grösse übertreffen, die Mittel-
linie des Hinterrückens lederartig, Lg. 9,5, Hinterl. 4,75,
Bohr. 1,5 millim. — H. °/, Elsteraue.
4. C. calceolata 2 Gr. Il. 937. Schwarz, roth sind das Kopf-
schild und die Beine mit Ausschluss der dunkleren Schienen-
spitzen und Tarsen der hintersten. Thorax grob und sehr
dicht punktirt und zwar auf dem Hinterrücken so, dass die
Zwischenräume eben nur kleine Wälle um die Löcher bilden.
Lg. 8,5, Hinterl. reichlich 4,5, Bohr. reichlich 1,5 millim. *)
Gen. 13. Lampronota Halid. Ann. of nat. hist. I, p. 121 =
Phytodietus Gr.
Kopf breiter als lang, sein Schild deutlich getrennt,
vorn in seiner ganzen Breite heruntergedrückt, deshalb als
schmale Querleiste erscheinend. Fühler fadenförmig, beim
M. Geiselglied 3 und 4 nach aussen wie ausgefressen, 1
(M. W.) ziemlich lang. Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken
mit 4 Längskielen und kleinen, aber ovalen Luftlöchern.
Hinterleib ausserordentlich fein und dicht punktirt, daher
seidenglänzend. Das gestreckte erste Segment viel gröber
und darum matt. Bohrer aus einer Bauchspalte kommend,
mindestens von Hinterleibslänge, vor dem Ende etwas bo-
gig geschwungen. Flügel ohne Spiegelzelle, die innere
Querader der hintern in der Mitte oder etwas darüber ge-
brochen. Klauen einfach.
Arten:
Hüften und Schenkelringe schwarz: Sp.1. L. nigra.
BEER — roth: Sp.2.L. caligata.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
1. L. nigra 2 Gr. I. 935 — Cylloceria nigra Schiöd. YQ Gen.
et Spec. Ichn. 23,1. —= Chalinocera longicornis 5 Ratzeb
— L. fracticornis Hal. 1. c. Schwarz, Mund bräunelnd, öfter
*) P. corvinus Q Gr. aus Volhynien mit fast kubischem Kopfe,
nach vorn stark verschmälertem Kopfschilde, sehr grosser dreieckiger
Spiegelzelle und vollkommen gefeldertem Hinterrücken gehört nichthierher,
295
auch die äussersten Ränder der Segmente. Beine von den
Schenkeln an roth, nur die Schienen und Tarsen der hinter-
sten braun. Das Geäder der Flügel, Mal und Schüppchen
‚braun, die Wurzel dagegen bleich. Lg. 9,5, Hinterl. 5,5,
Bohr. reichlich 7 millim.
2. L. caligata 2 Gr. I. 936 — (ylloceria calig. Schiöd. (Q
— L. crenicornis Hal. l. c.. In Färbung und Punktirung wie
vorige Art, oben Beine roth, nur die Schienen und Tarsen der
hintersten schwarz; etwas kleiner und Bohrer kürzer. Le. 8,
Hinterl. 4,5, Bohr. kaum 4,5 millim. — H. 2/,—!'/,. Döl.
Haide und Mittelholz.
Gen. 14. @oleocentrus 9 Gr. II. 439, Marcus $ Gr. 708.
Kopf breiter als lang W., mehr kubisch M., sein Schild
durch einen beinahe geradlinigen Eindruck geschieden, in
der Mitte seines Vorderrandes mit vortretender Ecke. Füh-
lerglieder vollkommen cylindrisch. Mittelrücken, von der
Seite gesehen, fast quadratisch, oben deutlich dreilappig,
beim M. die Zwischenräume zwischen den Lappen so breit,
dass hinter dem mittelsten eine flache Grube entsteht. Hin-
terrücken nicht gefeldert, rauh, mit 2—4 Längsleisten und
ovalen, deutlichen Luftlöchern. Hinterleib gestreckt, der
ganzen Länge nach, wenigstens vom 3. Segment an etwas
comprimirt, beim Männchen fast stärker, als beim Weibchen
und ausserordentlich lang und schmal. Segment 1 nach
vorn kaum verschmälert, besonders beim Männchen und
länger als breit, beim Weibchen die letzte Bauchschuppe
gewaltig gross, eilanzettförmig und bis zur Spitze reichend,
letztes Rückensegment schnabelartig ausgestreckt, die Spitze
etwas höher liegend als die Wurzel. Bohrerscheide nach
der Spitze etwas verdickt, sehr kurz behaart. Flügel mit
gestielter, dreieckiger Spiegelzelle. Beine schlank,
Klauen einfach.
Die Männchen erinnern durch ihre Körperform lebhaft
an Ophion, nur dass das erste Segment entschieden depri-
mirt ist und die Spitze des Hinterleibes nicht dicker wird,
sondern an Umfang abnimmt.
Arten:
1. Hintertarsen wenigstens an der Spitze heller als ihre Schienen 2.
— nebst ihren Schienen braun oder schwarz, letz-
tere an der Basis heller, Hinterleib auch beim Männchen ganz
schwarz: Sp. 1.0. caligatus.
296
.2. Hüften nicht gleichfarbig mit den Schenkeln, sondern dunk-
ler, Hintertarsen wenigstens vom 2. Gliede an gelb:
Sp. 2.C. excilator.
— gleichfarbig mit den Schenkeln, Hintertarsen vom 2.
Gliede an weiss: Sp. 3.C. croceicornis.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
1. C. caligatus Gr. 440, f' Holmgr. l. c. 7. Schwarz, Taster
Flügelschüppchen und Wurzel gelb, ihr Mal pech- oder
schwarzbraun. Beine Q roth, Hintertarsen und ihre Schienen
mit Ausschluss der Basis schwarz oder braun. Beim die
dunkle Färbung der hintersten bleicher, ihre Hüften schwärz-
lich, die vordern 4 gelb und rothgelb wechselnd mit schwar-
zer Wurzel der Hüften, bei ihm ausserdem Gesicht und Füh-
lerschaft unten strohgelb. Lg. 16—24 millim., Grössenverhält-
nisse 24, Hinterl. 15, Bohr. 20 millim. Wurde erzogen aus
der Puppe eines Callidium. — Dessau ?*),.
2. C. ezcitator Poda Gr. 439, Ü' Marcus longiventris Gr. 709.
Schwarz, Taster, Flügel selbst, ihr Mal, die Wurzel und Schüpp-
chen wachsgelb. Beine roth, Hüften ganz oder zum Theil
braun bis schwarz, Hintertarsen gelb (mit brauner Wurzel /'),
ihre Schienen mehr oder weniger gebräunt. Hinterleib @ mit
hellen häutigen Gelenken, beim 5% in der Mitte heller oder
dunkler roth, hier ausserdem das Gesicht mit Ausschluss ei-
ner Längslinie und der Fühlerschaft unten, gelb, auch die
Geisel schimmert gelb. Lg. @ 24,5, Hinterl. fast 16, Bohr.
21,5, & 22, Hinterl. 15 millim.
3. C. croceicornis (Macrus) Gr. 710, Q@ noch unbekannt. Schwarz,
Taster, innere Augenränder breit und Fühler mit Ausschluss
ihrer Wurzel oberseits, gelb. Flügel und Hinterleib wie vorher.
Beine wie vorher nur die Hüften gleichfarbig mit den Schen-
keln und die Spitze der Hintertarsen weiss. Lg. 16,5, Hin-
terl. reichlich 10,5 millim. Nach Holmgren ist Maecrus
soleatus Gr. 711 nur eine var. davon mit ganz gelbem Ge-
sicht und nur an den äussersten Enden schwarzem Hinter-
leibe. Ich fand hier an dem Gravenhorst’schen Exempl.
die Fühler entschieden dunkler, die Beine wie bei 2 gefärbt,
nur dass die hintersten Schenkelringe an der Trübung der
Hüften Theil haben, ja noch etwas dunkler sind. An den
Hintertarsen ist Glied 5=4, 5-+-4==3, während bei cro-
ceiventris 5 grösser als 4, 5-4 grösser als 3 ist. Ob diese
Unterschiede stichhaltig, lässt sich an je einem Exemplare,
woran sie beobachtet wurden, nicht entscheiden. Lg. 16, Hin-
terl. kaum 11 millim. *)
*) M. filiventris Gr. 709 gehört nicht hierher, Kopf schmal, Schei-
tel noch schmäler, sein Schild nicht gesondert, vorn vorgezogen in der
Mitte. "Thorax buckelig nach hinten verdünnt, Mittelrücken nicht ge-
6
297
_
Gen. 15. Acoenites Gr. III. 803.
Kopf breiter als lang, Scheitel nicht schmäler, sein
schmales Schild ziemlich deutlich getrennt, über ihm in
der Mitte eine Grube, Kinnbacken an der Wurzel längsrie-
fig. Fühler fadenförmig, vorgestreckt, kaum länger als Kopf
und Thorax zusammen, ihre Glieder vollkommen eylindrisch,
in der ersten grössern Hälfte vom 3. an so lang wie breit,
nach der Spitze hin breiter als lang. Thorax buckelig, Mit-
telrücken dreilappig, Hinterrücken rauh, darum die Felder
nicht deutlich zu unterscheiden, seine Luftlöcher gross, el-
liptisch, beim f' beinahe linienförmig. Hinterleib glänzend,
gedrungen, nach dem Ende zu mehr odei weniger com-
primirt und kolbig, Segment 1 nach der Basis allmälig ver-
schinälert, immer länger als breit, letztes Bauchsegment
2 gross, lanzettförmig bis zur Spitze reichend, so dass
der Bohrer nicht aus einer Spalte kommt; dieser mit Aus-
schluss einer Art unter Hinterleibslänge. Hinterhüften
mit ihren Schenkeln dick und kräftig, Klauen
gross, einfach. Die getrübten Flügel ohne Spiegelzelle,
die innere Querader der hintersten über ihrer Mitte: ge-
brochen.
Arten:
1. Letzte Bauchschuppe 2 schwarz 2.
— = 2 wenigstens roth. Hinterleib roth, nur
an der Wurzel und mehr oder weniger an der Spitze schwarz:
Sp. 1.4. salluns.
2. Thorax mässig punktirt. Hinterleib roth und schwarz, die
letzten Segmente auf dem Rücken mit hellen Hauträndern.
Bohrer fast von Körperlänge: Sp. 2. A. dubilalor.
— sehr grob punktirt und stellenweisse gefurcht. Hin-
terleib ganz schwarz; Bohrer unter seiner Länge:
Sp. 3. A. araloı.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
l. A. saltans Gr. III. 806. Thorax, Hüften und Schenkelringe
sind schwarz. Die Brustseiten vorn wenigstens nicht zusam-
menfliessend punktirt. Fühler mit theilweissem Ausschluss
lappt, sondern mit vollkommen gerundeter Oberfläche. Hinterrücken
vollständig gefeldert, seine Luftlöcher klein und kreisrund, Hinterleib
fast fadenförmig, nur nach hinten unmerklich verdickt. Flügel mit ganz
kleiner dreieckiger und gestielter Spiegelzelle, die innere Querader der
hintersten gar nicht gebrochen. Ein ausserordentlich zierliches Thier-
chen, welches durch seine Gestalt an Trachynotus foliator erinnert.
XXI 1863, | zu
298
ihrer Wurzel ganz, oder auf der Unterseite gelbroth. Vor-
dere Beine von den Schenkeln an gelbroth, die hintersten
ganz schwarz mit etwas rothschimmernden Schienen oder nur
mit gelbrothen Schenkeln. Hinterleib roth, seine Wurzel und
Spitze auf dem Rücken in der Regel schwarz, ein f in Gra-
venhorst’s Sammlung ist in der Bauchmitte roth und auf
dem Rücken am Ende des 1. und am 2. Segmente unvoll-
kommen roth. Der Umstand, dass ich in der Skulptur zwi-
schen dieser Art und dem A. fulvicornis Gr. gar keinen Un-
terschied entdecken kann, und dass bei ersterer Art 2 Exempl.
stecken als var., deren Hinterbeine genau so gefärbt sind, wie
bei A. fulvicornis, bestimmt mich, beide Arten zu vereinigen.
Lg. 7,75, Hinterl. 4,5, Bohr. 1,75 millim. ganz gleich bei
beiden Arten. — H. °)..
2. A. dubitator Pz. Gr. 810. Schwarz, Brustseiten sehr dicht
und zusammenfliessend punktirt. Hinterleib auf dem Rücken
des zweiten und dritten Segments vollkommen roth, an den
Rändern der anstossenden bisweilen gleichfalls. Beine von
den Schenkel an rothgelb, nur die’Tarsen der hintersten, bis-
weilen auch ihre Schienen schwarz. Bei einem ’ var.Gr. ist
der Hinterleib ganz schwarz, abgesehen von den häutigen Rän-
dern der hinteren Segmente. Lg. 12,5, Hinterl. 7,5, Bohr.
10,5 millim.
3. A. arator Ross. Gr. 813. Ganz schwarz, nur an den Hin-
terbeinen die Schenkel und die Vorderbeine von den Schen-
keln an rothgelb; Fühler an der Unterseite rothgelb, mehr oder
weniger vollkommen. Kopf und Thorax ausserordentlich un-
eben durch die grobe Skulptur. Lg. 12,25, Hinterl. 6,25,
Bohr. kaum 4 millim. *)
Gen. 16. Xylonomus Gr. III, 820.
Kopf kugelig, gegen den Mund nicht verengt, sein
Schild getrennt, an der Spitze meist stark niedergedrückt,
Fühler fadenförmig, meist weissgeringelt, ihre Glieder schlank,
cylindrisch, an den Enden unmerklich geschwollen, aber doch
zu unterscheiden, (wie bei Cryptus). Thorax cylindrisch,
Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken deutlich ge-
feldert, mitlinienförmigen oder elliptischen Luft-
löchern. Hinterleib gestreckt, Segment 1 länger als breit,
nach vorn verengt, gekielt, Segment 8 2 vorgestreckt, Boh-
rer aus einer Bauchspalte kommend, etwa von Leibeslänge.
*) A. rufipes Gr. aus VOlhynien ist ganz schwarz, beim J'
die Beine wie bei vorigen Arten gefärbt, beim 2 alle roth mit Aus-
schluss der Vorderhüften. Flügel mit dreieckiger Spiegelzelle, Bohrer
länger als der Hinterleib.
299
Flügel ohne Spiegelzelle, die gar nicht in der Anlage vor-
handen. Beine mässig, dieSchienen, am meisten die
vordern beim 2 wenigstens erweitert und an der
Basis wieder verengt, Klauen einfach und klein. Die
Arten sind selten und scheinen in der Färbung, besonders
der Beine sehr veränderlich.
Arten:
Hinterleib nicht einfarbig schwarz 2.
_- einfarbig schwarz, Fühler nicht weissgeringelt 3.
Hinterleib ganz roth, allenfalls an der Spitze gebräunt. In-
nerer Quernerv der Hinterflügel in der Mitte fast rechtwinke-
lig gebrochen. Alle Schienen der blassrothen Beine an der
Wurzel weiss, beim d' auch die mittelsten Hintertarsenglieder.
Segment 1 überragt die Hinterhüften und hat 2 bis zur Spitze
reichende Kiele: Sp. 1.X. filicornis.
— schwarz, bisweilen an den Seiten roth, immer aber
mit weissen Hinterrändern einiger Segmente, Thorax mit
weissen Zeichnungen, oft auch an den Seiten bleichroth, die
bunteste, glanzloseste Art. d' ohne weissen Fühlerring und
ohne weisse Hinterränder der Segmente:
Sp. 6. X. praecalorius.
— _ schwarz (an der Spitze oder ausserdem noch an
der Wurzel) und roth, Thorax einfarbig schwarz 3.
Segment 1 gestreckt, gleichmässig von hinten nach vorn ver-
schmälert. Innerer Quernerv der Hinterflügel stumpfwinkelig
gebrochen. Alle Schienen der braunen Beine an der Wur-
zel weiss; die Schienen der vordern an der Innenseite heller
als aussen (auch die Hintertarsen weissringelis):
Sp. 2. X. gracilicornis.
— 1 weniger gestreckt, in der Mitte bei den Luftlöchern
etwas eingeschnürt, so dass die Oberfläche bisweilen den An-
schein hat, als bestände es aus 2 zusammengewachsenen Glie-
dern. Schienenwurzel nicht weiss 4.
Fühler () ganz oder (2) nach der Spitze hin stark behaart,
hier (W.) etwas erweitert, und an der Innenseite mit 6—-8
deutlichen, senkrecht daraufstehenden Stachelbörstchen, Boh-
rer etwas länger als der Hinterleib. Hinterrücken meist nicht
bewehrt: Sp.4. X. pilicornis.
— von gewöhnlicher Bildung, Segment 1 noch etwas stär-
ker geschnürt. Bohrer etwas kürzer als der Hinterleib. Hin-
terrücken in 2 deutliche Seitenzähne auslaufend:
Sp. 3. X. irrigalor.
Segment 1 gekielt 6.
— 1 nicht gekielt. Mund theilweise bleich, Augenrän-
der innen oder auf dem Scheitel weiss, WVordere Beine roth
20*
1.
300
oder bleich rothgelb,' Hüften braun (d’) die hintersten zum
Theil öfter schwärzlich. Beim 2 Bohrer etwas länger, als
der Hinterleib und die Hinterschienen etwas gekrümmt:
> Sp.5.X. ater.
Segment 1 an den Luftlöchern deutlich eingeschnürt, gestreckt;
Fühler behaart: Sp-.4. X. pilicornis J.
u — kaum eingeschnürt, vorn weni-
ger verschmälert, der ganze Hinterleib gedrungener, als bei
allen andern Arten: Sp. 6. X. praecatorius d'.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
X. filicornis Gr. III. 830. Abbild. Ratzeb. Forstinsekt. III.
Tf. VI. £. 12. Runzelig punktirt, hinter den Augen quer
nadelrissig; schwarz, Kopfschild roth, Stirnränder der Augen
bleich. Fühler mit weissem Ringe. Hinterleib roth, Beine
heller und dunkler roth, Hüften, Schenkelringe und meist die
Wurzeln der Schenkel schwärzlich, alle Schienen mit weisser
Basis. Lg. 13,5, Hinterl. fast 7, Bohr. fast 7,5 millim. Wurde
erzogen aus Bockkäferlarven: Asiynomus aedilis, Leiopus fen-
nicus, Rhagium inquisitor. — Mai (Dessauer Haide) Juni u. Juli.
2. X. gracilicornis Gr. 832. Der vorigen Art in Grösse, Skulp-
tur sehr nahe stehend, aber der Hinterleib an der Spitze
schwarz, die Beine etwas anders gefärbt und der innere Quer-
nerv der Hinterflügel anders gebrochen, wie oben angege-
ben wurde.
X. irrigator F. Gr. 887. Schwarz, Hinterleib an der Wur-
zel heller oder dunkler roth. Beine heller und dunkler roth,
Hüften und Schenkelringe schwärzlich. Hinterrücken 2-dor-
nig. Segment I in der Mitte eingeschnürt. Flügelmal pech-
braun, zur kleinen Hälfte weiss. Lg. 10,5, Hinterl. 5,5, Bohr.
4,5 millim. Wurde im Juli aus Puppen der Lip. monacha,
und denen von Rhag. indagator erzogen. — H. (teste Gravenh.)
Juni. October.
X. pilicornis Gr. 833. Auf den Unterschied dieser und vo-
riger Art ist schon oben hingewiesen, das &' scheint auch mit
schwarzem Hinterleibe vorzukommen, wenigstens kann ich 2
Exempl. meiner Sammlung auf nichts anderes deuten, ja auch
mit rothen Hüften, die hintersten Kniee sind immer dunkel.
Lg. 14,5, Hinterl. 8,25, Bohr. 11 millim. — H. 8/,—'2)-
X. ater Gr. 827. Gestalt und Grössenverhältnisse wie bei
voriger Art; die sonstigen Merkmale s. oben. Aendert sehr
ab in Färbung der Beine. Wurde aus Bockkäferlarven erzo-
gen und gefangen 12/,.
X. praecatorius F. Gr. 841. = parvulus f' Gr. 825. Diese
Art ist leicht am bunten Thorax zu erkennen, der nebst dem
Kopfe mehr oder weniger roth und weiss gezeichnet ist, das
301
Q ausserdem noch an den weissen Rändern einiger Segmente.
Beim J' ist der Hinterleib einfarbig schwarz und in seinen
gedrungenen Gliedern fast überall gleichbreit, übrigens sind
bei ihm die Fühler auch behaart. Lg. 10,25, Hinterl. 5,5,
Bohr. 3,75 millim. Wurde erzogen aus Callidium sangui-
neum. — H
Gen. 17. Xorides Gr. III. 846.
Der vorigen Gattung sehr ähnlich, nur ist der Kopf
weniger kugelig, das Gesicht nach vorn stark verengt.
Die Felder des Hinterrückens unvollständig, seine
Luftlöcherklein, fastkreisrund. Der Hinterleib glän-
zend, Segment 1 immer länger (noch einmal so lang), als
breit, seine Leisten nicht deutlich ausgebildet. Flügel ohne
Spiegelzelle, der innere Quernerv der Hinterflügel über
seiner Mitte gebrochen. Beine schlank, besonders die hin-
tersten; Klauen einfach. |
1.
2.
r
Arten:
Fühler mit weissem Ringe, Kopf und Thorax weissgezeich-
net, Hinterleib mit hellen Gelenken, Tarsen weisslich:
Sp.1.X. albitarsus.
— an der Oberseite einfarbig. Hinterschienen und Tar-
sen schwärzlich 2.
Prothorax am Rande und beim cd’ das ganze Gesicht weiss:
Sp. 2.X. collaris.
Der ganz Thorax und beim M. das Gesicht schwarz mit Aus-
schluss der weisslichen innern Augenränder:
Sp. 3. X. nitens.
Bemerkungen zu den einzelnen Arten.
X. albitarsus 2 Gr. 849. Holmgr. 1. ec. p. 66. Schwarz,
schuppenartig punktirt. Beim @ sind weiss oder weisslich:
Die Taster, Fühlerwurzel unten, ein Ring ihrer Geisel, die
Augenränder sehr fein, die Vorderbeine unten, die mittleren
am Knie und der Innenseite der Schienen, die hintersten an
der äussersten Schienenwurzel, und dem grössten Theile der
Tarsen, Flügelwurzel und Schüppchen und die Hinterränder
von Segment 4—6 sehr fein; übrigens sind die Beine roth,
die Hinterschienen schwärzlich. Bohrer von halber Hinter-
leibslänge. Lg. 13 millim. Beim M. sind weiss oder weiss-
lich: Die Taster, das Gesicht, das erste Fühlerglied unten,
ein Ring an der Geisel, die Augenränder auf dem Scheitel,
der Rand des Prothorax, ein Fleck unter den Flügeln und
deren Schüppchen. Die Einschnitte von Segment I—3 sind
302
breit, die übrigen schmal bleich. Die Beine wie beim 9 ge-
färbt, nur die vordern oben mehr gelblich.
2. X. collaris Gr. 848. Schwarz, Taster roth oder noch blei-
cher, Gesicht und Fühlerwurzel unten (M.), nur die innern Au-
senränder (W.), Rand des Prothorax und Flügelschüppchen
schmutzig weiss. Die Gelenke zwischen den Segmenten meist
bleich, beim W. die Fühlerwurzel unten roth, Flügelmal gelb-
lich; Beine roth, Schienen und Tarsen der hintersten schwärz-
lich. Beim M. sind sie alle bisweilen bleichgelb, oder die
‚Hinterschenkel angeräuchert. Beim W. der Bohrer ein wenig
länger als der Hinterleib. Lg. 13—18 millim. Wurde aus
Callidium luridum erzogen.
3. X. nitens Gr. 847. Schwarz, beim W. die Gelenkeinschnitte
des Hinterleibes bleich, beim M. dieser sehr glänzend, Mitte
des Mittelrückens ausgehöhlt, an den Seiten der Grube schräg
nadelrissig, in der Mitte tief und grob punktirt. Beine roth,
‚Sehenkelringe, Knie, Schienen und Tarsen der hintersten
schwärzlich. Lg. 17,75, Hinter]. 10,5, Bohr: 12 millim,
° Gen. 18 Behthrus Gr. III s61.
Kopf fast kubisch, rechteckig, sein getrenntes Schild
kurz, an der Spitze lamellenartig vorgezogen, Fühler faden-
förmig., weissgeringelt, die Enden ihrer schlanken Glieder
etwas; verdickt, wie bei Orypius. Thorax ‚gestreckt wie bei
Ephialtes, Mittelrücken dreilappig, Hinterrücken rauh, seine
Felder angedeutet, wenn auch nicht vollständig begrenzt,
die Luftlöcher klein, mehr der Kreisform nahe. Hinterleib
gestreckt, Segment 1 länger als breit, aber schwach gehöhlt.
Bohrer lang, aus einer Bauchspalte kommend. Flügel mit
fünfeckiger Spiegelzelle.e Beine mittelmässig, die Schie-
nen der vordersten besonders beim W. dick und an der
Wurzel schnell verengt. Klauen einfach.
Arten:
Flügel ohne dunkle Querbinde, durchaus etwas getrübt. Segment
2-4 roth: Sp. 1. E. reluctator.
— mit dunkler Querbinde, durch das Mal und am Saume ge-
trübter. Segment 1—4 roth: Sp.2. E.lancifer.
1. E. reluctator Gr. III. 863. Schwarz, Segment 2— 4 und
an den Beinen die Schenkel und vordersten Schienen roth,
bisweilen nur die vordersten. Fühler mit weissem Ringe
(in der Mitte W., über derselben M.). Thorax lederartig, Hin-
terrücken sehr rauh.. Lg. 18, Hinterl. 9,75, Bohr. 15 millim.
Das M, 17,5, Hinterl. 10,5. millim,
303
2. .E. lancifer @ Gr. II. 867. Schwarz, Segment 1—4 roth,
l an der Wurzel bisweilen, eben so 4 bisweilen schwarz.
Beine von den Schenkeln an roth nur die Hintertarsen
schwärzlich.. Das erste Segment etwas gebogen und stielar-
tig verengt. Lg. 12, Hinterl. 7, Bohr. 10,5 millim.*)
Gen. 19. Mitroboris Holmgr. ]. c. 72.
Kopf mässig geschwollen, unter der Fühlerba-
sis die Stirn gehöckert, über derselben ein
nach oben gerinnter und ausgerandeter Fort-
satz. Kopfschild geschieden, mehr eben. Fühler faden-
förmig, wenig länger als Kopf und Thorax, dieser gestreckt.
Mittelrücken dreilappig. Hinterrücken deutlich gefeldert,
hinten in je einen gekrümmten Seitendorn auslaufend, seine
Luftlöcher oval und schief liegend. Hinterleib etwas ge-
stielt, Segment 8 (W.) vorgestreckt, kegelförmig, Bohrer von
Hinterleibslänge. Flügel ohne Mal. Alle Schenkel, beson-
ders die hintersten gedrungen, etwa nur halb so lang wie
ihre Schienen, auch die Hinterhüften verdickt.
M. cornuta (Odontomerus) Rtzb. 1. c. II 108. Etwas glänzend,
punktirt, schwarz. Taster braun oder noch bleicher, Fühler-
geisel an der Wurzel roth. Flügel gelblich, Mal braun, Wur-
zel bleichgelb, Schüppchen pechbraun. Beine roth, Hinter-
tarsen und ihre Schienenspitze schwärzlich, jene (M.) oft bleich.
Lg. 6,5—11 millim. Man beobachtete, wie die Weibchen in
Bohrlöchern des Saperda carcharias aus und einschlüpften.
*) E. armatus 2 Gr. 867 gehört nicht hierher. Man würde das
Thier für ein /chneumon halten können seinem ganzen Habitus nach,
wenn der Bohrer nicht lang vorragte. Kopf dick, hinten scharf ausge-
schnitten, in der Vorderansicht fast quadratisch, Backen etwas vor-
quellend. Kopfschild nicht gesondert, in ein Spitzchen auslaufend,
die kräftigen Kinnbacken zum Theil gelb. Fühler fadenförmig, kurz,
ihre Glieder gestaltet wie bei Echthrus, aber viel kürzer, die drei ersten
gelblich, der Schaft dick, schwarz. Thorax nicht gestreckt, Mittel-
rücken vorn gerundet, nicht dreilappig, Brustseiten ziemlich glänzend,
nadelrissig. Hinterrücken mit 5 deutlichen, hoch umrandeten Fel-
dern, hinten in 2 kräftige Zähne auslaufend, die kleinen run-
den Luftlöcher schwer in seinen Unebenheiten zu entdecken. Segment
l und 2 der Länge nach unregelmässig nadelrissig, 3 fein lederartig,
von 4 an fast ganz glatt, 1 gestielt, der Stiel aber breiter als hoch,
hinten gerundet, seine Luftlöcher in der Mitte, 1 und 2 und der Vor-
derrand von 3 roth, wie die ganzen Beine mit Ausschluss eines dunk-
len Ringes am Ende der Hinterschienen; ‘ihre Vorderschienen nicht
verdickt, Bohrer aus einer langen Bauchspalte kommend, etwa von der
Länge des Hinterleibes und von der Farbe der Beine. Flügel ohne
Spiegelzelle, oder der äussere schliessende Nerv fehlt, also in der An-
lage vorhanden, die Wurzel bleich, das Randmal hornbraun. Klauen
einfach, Lg. 8 millim.
304
Gen. 20. Odontomerus Gr. II. 852.
Kopf sehr breit, nach vorn convex, hinten concav, Sein
Schild getrennt, Fühler mit kurzen, nach den Spitzen et-
was geschwollenen :Gliedern, die sich leicht unterscheiden
lassen, beim W.schwach perlschnurförmig erscheinen. Tho-
rax cylindrisch, etwas deprimirt; Mittelrücken dreilappis,
Hinterrücken rauh (M.) glätter (W.) und deutlich gefeldert,
hinten in je einen Seitenzahn auslaufend seine grossen,
schief liegenden Luftlöcher elliptisch. Hinterleib gestielt,
Jedoch so, dass das gestreckte erste Segment, ohne gebo-
gen zu sein, sich nach vorn allmälig verschmälert. Bohrer
aus einer Bauchspalte kommend, mindestens von Leibes-
länge. Spiegelzelle selbst in der Anlage fehlend. Schen-
kel kurz und dick, die hintersten, deren Hüften gleich-
falls kräftig sind, in der Mitte mit einem kräftigen,
nach unten gerichteten Zahne. Klauen klein und
einfach.
O. dentipes Gm. Gr. Schwarz glänzend, punktirt. Taster bleich,
Beine roth, Hüften ganz oder theilweise schwarz, seltener
ganz roth. Segment I beim M. längsriefig, vor der Mitte
durch die Luftlöcher etwas geschwollen, ’/, der ganzen Hin-
terleibslänge bildend. Lg. 9, Hinterl. 4,75, Bohr. 9 millim.
Ein anderes W. meiner Sammlung ist fast 12 und sein Boh-
rer 19 millim. — H. 29%, —!!).
Anm. In Betreff des Gen. Pimpla verweise ich noch auf p. 50 ff.
dieses Bandes.
Alphabetisches Verzeichniss.
Die mit * versehenen Arten sind bis jetzt in der Fauna von Halle
aufgefunden worden; die cursiv gedruckten sind Synonyme.
pas. pag. pag.
Acoeniles 297 | Cryptopimpla 292| *extensor 253
arator — blonda 293| *imperator —_
dubitator — | calceolata — | *mediator 254
*saltans _ | errabunda — | mesocentrus 253
Clistopyga 372 microtamia — | ‚messor —
haemorrhoidals 2713| Echthrus 302) *rex —
*inclinator — | lancifer — | strobilorum Fr
Coleocentrus 295 | reluetator — isberenlainn 254
*caligatus — | Ephialtes 252| _V G=
desire 296| albicinctus 954 | @lypta 273
excitator — | *carbonarius 253! *bifoveolata 275
*ceratites
*consimilis
*flavolineata
fronticornis
*haesitator
*jncisa
mensurator
mOonoceros
*pictipes
*resinanae
scalaris
striata
teres
vulnerator
Lampronota
*caligata _
rigra
Lissonota
*angusta
apicalis
argiola
arvicola
*bellator
bicornis
bilineata
brachycentra
caligata
*conflagrata
eulieifornis
*cylindrator
*decimator
*deversos
*fracta
grisea
*insignita
*irrisoria
lateralis
linearis
lineata
*maculatoria,
*parallela
‚perspicillator
petiolaris
*pilosella
polyzonias
quadrinotata
*segmentator
*sulfurifera
305
pag.
*verberans 280
Macruss.Coleocentrus.
7 | Meniscus 287
| *agnatus =
*catenator —
elector en
*impressor 288
murinus 2837
*pimplator —
"setosus —
tomentosus 288
Mitroboris 303
cornuta —
Odoniomerus 304
*dentipes —
Pimpla 256
alternans 264
*angens 259
arundinator —
aterrima 258
Bernuthii 260
*brevicornis 261
buolianae 269
*calobata 961
cicatricosa 260
concolora 269
didyma 360
*examinator 258
flavipes 268
*sraminellae 260
*Gravenhorsti 260
illecebrator 258
*instigator 258
*]aevis 361
laticeps 268
mandibularis 261
melanocephala 259
melanopyga 260
Mussii 260
*nisriceps —
*oculatoria 259
ornata —
planata 269
pomorum 261
pudibundae 258
*roborator 258
*rufata 258
rufieollis
sagax
Fscanica
spuria
*stercorator
terebrans
*turionellae
varicornis
vesicaria
vetula
viduata
Phytodieius
astutus
chrysostomus
*coryphaeus
plantarius
*segmentator
Polysphincta
carbonator
multicolor
percontatoria
rufipes
tuberosa
varipes
Rhyssa
amoena
approximator
*c]avata
curvipes
leucographus
*obliterator
*persuasoria
superba
Schizopyga
Theronia
*flavicans
Xorides
albitarsus
collaris
nitens
Xylonomus
ater
*filicornis
gracilicornis
*irrigator
*pilicornis
*praecatorius
f Summa
306
Drei und zwanzig neue und einige bekannte
Spinnen
\ der Hallischen Sammlung
von
C. G. Giebel.
1. Gasteracantha fornicata Koch, Arachnid. IV. 18.
tb. 113 f. 261 = G. transversa Koch, 1. ce. 14 tb. 113 £.
259; Plectana fornieata Walkenaer, Apteres I. 162). —
Diese auf Java gemeine Art variirt nach den zahlreichen
von Junghuhn unserer Sammlung eingeschickten Exempla-
ren in mehrfacher Hinsicht. Die Färbung und Zeichnung
zunächst betreffend erscheint der Vorderleib gewöhnlich
glänzend tief schwarz, wie auch die Kieferfühler, nicht sel-
ten jedoch schwach röthlich schwarz und stets mit feinen
steifen greisen Haaren zerstreut bekleidet. Das Sternum
ist auf der vorderen breiten Hälfte hell oder dunkel leder-
gelb wie das Rückenschild, nach hinten jedoch tiefschwarz
oder mit einem schwachen Stich in Roth; nur bei Zwei
auch sonst noch abweichenden Exemplaren erscheint das
Sternum gleichmässig schwarz. Die Beine sind heller oder
dunkler chokoladenbraun, an den Schenkeln bisweilen mit
verwaschenen lichten Stellen. Das Rückenschild glänzt le-
dergelb und sticht die Narben nussbraun hervor. Bei ei-
nigen Exemplaren aber liegen die Narbenreihen in dunklen
Querbinden und diese zeigen sich sehr markiert bei jenen
schwarzbrüstigen. Die Dornen sind sämmtlich schwärzlich
roth- oder tief braunroth, gegen die Spitze hin dunkler. Die
gewölbte Bauchmitte hat die dunkle Farbe der Beine, um
die Spinnwarzen vier gelbe Flecken, andere solche Flecken
im weiten Umkreise, während der Genitalienkegel tief schwarz
glänzt, die seitlichen Erweiterungen und die auf ihnen ge-
legenen Narben aber sich ganz wie die Rückenseite verhal-
ten. Bei zwei Exemplaren treten die hellen Bauchllecken
nur ganz schwach auf und dem einen schwarzbrüstigen mit
dunkelleberbraunem Bauche fehlen dieselben gänzlich. Die
“ Narben verhalten sich im Wesentlichen wie Koch angegeben.
In der vorderen Reihe haben die äussersten jederseits an
307
der Basis der Seitendornen stets einen halbovalen Umriss,
die beiden nächsten einen abgerundet rautenförmigen oder
eiförmigen. Von den vier kleinern mittlen sind die beiden
mittelsten stets die kleinsten. In der hintern Reihe sind
die beiden äussern jederseits querelliptisch bis fast spalten-
förmig, die fünf kleinen zwischen ihnen mehr rundlich und
die mittelste sehr klein, oft, aber nicht immer etwas aus der
Reihe nach vorn gerückt. Die vier kleinen Narben auf der
Mitte der Fläche und zumal die des zweiten Paares ändern
ihre Form erheblich. Die Narben der Unterseite zeigen sich
in Grösse und Form auffallend veränderlich, zumal die bei-
den äussersten an der Basis der Seitendornen, welche gleich
gross, oder der hintere um die Hälfte und noch viel klei-
ner, oval, eckig, elliptisch und spaltenförmig sind. Ebenso
veränderlich erscheinen die hintern oder grossen Seiten-
dornen: horizontal und gerade, oft mit der Spitze oder von
der Basis an schwach nach hinten gekrümmt, oder auf-
wärts gebogen, selbst mit der Spitze abwärts gekrümmt.
Auch abnorme Knickungen ohne eigentlichen Bruch kom-
men vor. Länge und Stärke variiren gleichfalls. Die bei-
den schwarzbrüstigen Exemplare mit dunklen Rückenbinden
haben die kürzesten und stumpfspitzige hintere Seitendornen.
Bei der eben dargelegten Veränderlichkeit der äussern
Merkmale lässt sich Kochs G. transversa unbekannter Hei-
mat nicht aufrecht erhalten und Walkenaer hat dieselben
mit Recht bereits eingezogen. Zu dessen beiden Varietä-
ten, die gelblichen und die rothbraunen (Epeira Diardi Lu-
cas) möchten wir noch eine dritte, die gebänderte oder
schwarzbrüstige mit sehr kurzen Seitendornen hinzufügen,
2. Gasteracantha clavigera n. sp. — Quoy und Gay-
mard fanden auf Celebes eine Spinne, deren lange Seiten-
dornen kugelig verdickt enden, und Walkenaer begründete
auf diese Plectana clavatric seine vierte Rasse in der
Gattung Plectana, welche er clavigeres nennt. Eine zweite
Species dieses sehr ausgezeichnet charakterisirten Typus
ist meines Wissens nicht bekannt. Eine solche erhielt nun
unsere Universitätssammlung von Herrn Schiffscapitain Wa-
gener in einigen in Siam gesammelten Exemplaren. Die
Käfer jedoch, welche dieser Sammlung beigefügt waren,
308
stimmen mit solchen von den Philippinen überein und es
ist daher zweifelhaft, ob diese und die folgenden aus Siam
angeführten Spinnen wirklich dort gesammelt worden sind.
Ich nenne die neue Art @. clavigera, um gleich im Namen
ihre nahe Verwandtschaft mit Pl. clavairix, anzuzeigen.
Dabei treten jedoch die specifischen Unterschiede grell her-
vor. Walkenaer gibt seiner Art einen dreiseitigen Hinter-
leib, sehr dieke Dornen an dessen abgerundeten Hinter-
ecken von nicht Hinterleibslänge und mit plötzlich verdick-
tem Ende und eine schwarze Berandung des Rückenschil-
des, unsere @. clavigera dagegen hat einen entschieden
sechsseitigen Hinterleib, ohne schwarze Berandung des
Rückenschildes und die feinen hintern Seitendornen sind
um ein Drittheil bis doppelt länger als der Hinterleib und
verdicken sich am Ende allmählig. Zur weiteren Verglei-
chung führe ich noch andere Eigenthümlichkeiten an.
Der Vorderleib unserer Siamesin ist kurz und quer
oblong, glänzend pechschwarz, am Hinterrande steil abfallend,
auf der Oberseite gewöltb, mit seichter Mittelrinne hinter
dem Augenhöcker, welche sehr fein gekörnelt ist, während
die übrige Fläche äusserst fein gerunzelt und spärlich nur
am Rande dichter mit sehr feinen kurzen greisen Härchen
bekleidet erscheint. Von den vier mittlen Augen am ziem-
lich starken Augenhöcker sind die hintern hell bernstein-
gelb, etwas grösser und weiter auseinander gerückt als das
vordere dunklere Paar. Die Seitenaugen stehen auf star-
ken Kegelhöckern. Die Kieferfühler sind kurz, sehr stark,
glänzend schwarz und glatt, ohne Behaarung. Die Palpen
überragen dieselben, sind dunkel bis schwarzbraun und am
letzten walzigen zugespitzten Gliede dichter und stärker
behaart als an den übrigen Gliedern. Das ziemlich breite,
hinten sich ausspitzende Sternum hat eine dick gekörnte
Oberfläche und sticht neben jeder Hälfte aus seiner tief-
schwarzen Grundfarbe einen runden gelben Flecken hervor,
welche Flecken blass sind, wenn die Grundfarbe einen dun-
kel hornbraunen Ton annimmt. Die Beine sind verhält-
nissmässig dünn und schlank, heller oder dunkler braun,
die Schenkel an den körneligen Kanten, die Schienen und
Tarsen ringsum sehr kurz und fein behaart.
309
Am sechsseitigen Rückenschilde des Hinterleibes über-
wiegt die Breite ein wenig die Länge. Der gerade, zierlich
granulirte, stumpfe Vorderrand geht durch abgerundete
Ecken in die längern eben so gerundeten vordern Seiten-
ränder über. Auf diesen steht etwas hinter der Mitte ihrer
Länge auf ziemlich dicker Basis der sehr kurze schlankke-
gelspitzige schwarze vordere Seitenstachel mit sehr fein-
runzeliger Oberfläche und schief aufwärts gerichtet. Der
hintere Seitenschenkel, erheblich länger als das Rücken-
schild, erhebt sich nach oben und hinten aus der verdick-
ten Basis, verdünnt sich ganz allmählig bis zur Mitte seiner
Länge und über dieselbe hinaus und verdickt sich gegen
das Ende hin in eine schlanke, mehr oder minder stark ge-
krümmte Keule, deren Ende eine nackte Kegelspitze auf-
gesetzt ist. Der Stachel ist seiner ganzen Länge nach
drehrund oder etwas gedrückt, deutlich runzelig, schwarz
mit mehr oder weniger Schönem Stahlschimmer und mit
sehr spärlichen, feinen weisslichen Härchen. Wo die Ver-
diekung der obern Keule beginnt steht ein breiter Ring
dichter weisser Borstenhaare, welcher scharf abschneidet
von der dichten schwarzen Behaarung der Keule selbst.
Die Walkenaersche Art hat diesen sehr charakteristischen
weissen Haarring am Anfange der Keule nicht. Die End-
stacheln am Hinterrande haben ganz die Form und Farbe
der vorderen Seitenstacheln und übertreffen diese nur um
ein Drittheil in der Länge. Das Rückenschild ist ledergelb
und nur mit den braunen Narben geziert. Vier ovale Nar-
ben liegen in gerader Reihe hinter dem Vorderrande, die
etwas grössern am vorderen Seitenrande. Die hintere Nar-
benreihe liegt zwischen den grossen gekeulten Seitensta-
cheln und besteht dieser zunächst jederseits aus zwei
grossen und in der Mitte aus zwei bis vier sehr kleinen,
in Allem gewöhnlich aus sieben oder acht Narben. End-
lich die vier Narben auf der Fläche sind kreisrund oder
rundlich und in ein Trapez geordnet. Die hochgewölbte
Bauchseite zeigt die gewöhnlichen tiefen, fein und zierlich
gekörnten Falten, kleine runde Narben, aber keinen Kegel-
höcker für die Geschlechtsöffnung. Die hociu:nrandete Af-
teröffnung ist schwarz, während die übrige Bauchfläche
310
ledergelb ist; in jener schwarzen Färbung treten bisweilen
gelbe Flecke hervor. Körperlänge 9 mill., Länge des Hin-
terleibes 6!/, mill., breite desselben 8 mill., Länge der grossen
gekeulten Seitenstacheln 17, bei einem Exemplar sogar 19
mill. — Die Berliner Sammlung besitzt Exemplare dieser
Art von Manilla.
3. Gasteracantha Hasselli Koch, Arachniden IV. 29. tb.
117. Fig. 267. — Diese von Koch auf ein weibliches Exem-
plar von Java begründete Art vereinigt Walkenaer mit der
brasilianischen @. velitaris unter der Vermuthung, dass von
ersterer das Vaterland verwechselt sei. Kochs Beschrei-
bungen geben jedoch hinlängliche Unterschiede zur Tren-
nung beider Arten an, so dass ich die Identificirung für
nicht gerechtfertigt halte. Ein von Herrn Wagener in Siam
gefundenes Exemplar kann ich nur auf @. Hasselli deuten,
obwohl dasselbe einige beachtenswerthe Eigenthümlichkei-
ten biete. Von den Narben der Hinterreihe sind nämlich
die zwei äussern einander nicht mehr genähert als die üb-
rigen und die vier mittlen sehr-klein, ferner die vier auf
der Mitte des Rückenschildes gleich gross und gleich rund,
während sie Koch verschieden bezeichnet. Der Hintertheil
soll nicht höckrig sein, vielmehr glatt und glänzend, zeigt
sich aber bei unserm Exemplar ebenso fein granulirt wie
die übrige Berandung. Die Granulirung der Bauchfläche
erwähnt Koch nicht, auch sie ist sehr deutlich. Endlich
fehlt dem unserigen die dunkle Färbung an den Gelenken
der Beine. Mir scheinen alle diese Abweichungen zu ge-
ringfügig, um ihnen specifiische Bedeutung zuzuschreiben.
— Ein sehr dunkelbraunes Exemplar, welches unsere Samm-
lung durch Herrn Junghuhn von Java erhielt, hat den kaum
granulirten Hinterrand und die dunkelfarbigen Gelenke, aber
tiefschwarze, an der Spitze nicht helle Stacheln. Der ke-
gelförmige Geschlechtshöcker fehlt beiden Exemplaren.
4. Gasteracantha annnulipes Koch, Arachniden XI.
52. tb. 373 Fig. 876. — Diese von Koch nur nach einem
Exemplare vo. Manila beschriebene Art brachte uns Herr
Wagener in acht Exemplaren aus Siam, wo sie also sehr
gemein zu sein scheint. Die Abweichungen von Kochs
Angaben sind nur geringfügige, individuelle. Von den Nar-
sil
ben der vorderen Reihe des Rückenschildes haben die bei-
den mittlen etwas zurückgerückten eine schmal elliptische,
die übrigen eine ovale oder rundliche Form, von denen der
hintern Reihe steht die kleine blos punktförmige mittle nur
sehr wenig, nicht weit, wie Koch angibt, nach vorn gerückt.
Von den vieren der Mitte sind die hintern beiden stets et-
was grösser als das vordere Paar. Die feinen Körnchen
des Rückenschildes, welche die sehr feinen weissen oder
gelblichen Härchen tragen, sind dunkelbraun, auf den Sta-
eheln dichter gedrängt, etwas stärker, auch ihre Härchen
steifer. Die ganze Bauchseite ist ebenso und sehr dicht
granulirt.
5. Gasteracantha trigona n. sp. — Diese nur in ei-
nem Junghuhnschen Exemplare von Java vorliegende schöne
Art gehört in Walkenaers Gruppe der Aequilaterales lon-
gissimae und zwar zu denen mit aculeis rectis, unter wel-
chen die Pl. armata als nächste Verwandte erscheint. Der
auffälligste Unterschied von dieser westindischen Art liegt
in der ganz seitlichen Richtung der grossen Stacheln und
den divergirenden Hinterrandsstacheln. Der quer oblonge,
schwarze und weisswollig behaarte Vorderleib zeigt vor
dem grossen, aber niedrigen mittlen Augenhöcker und hin-
ter demselben eine tiefe Rinne, an den Ecken die kegel-
förmigen Höcker der Seitenaugen. Das Brustschild ist
schwarz und starkrunzelig, neben jeder Hüfte und an der
hinteren Spitze mit einer gelben flachen Warze. Die kur-
zen starken Kieferfühler glänzen pechschwarz und die hell-
braunen walzigen Taster sind dicht borstig behaart. Die
Beine sind schmutzig gelbbraun und spärlich nur an den
Tastern dicht behaart. Der Hinterleib 2"/, Linien lang und
etwas breiter ist vorn gerade abgestutzt und zeigt auf dem
weiss und gelbfleckigen Rückenschilde vier schwarze Nar-
ben am vorderen und ebenso viel an jedem Seitenrande; von
letztern stehen die beiden hintern an der Basis der Seiten-
stacheln sehr nah beisammen, dann in gerader Reihe zwi-
schen den beiden grossen Stacheln sechs ebenfalls tief-
schwarze Narben und in deren Mitte zwei punktförmige
mit blossen Augen kaum erkennbare. Die vier Narben auf
der Rückenmitte bieten nichts Eigenthümliches. Die abfal-
312
lenden weissen Ränder des Hinterleibes sind überall mit
“feinen glänzend schwarzen Körnchen punktirt, auf welchen
man unter sehr starker Loupe je ein feines weisses Borst-
chen findet. Der vordere Seitenstachel bildet eine sehr
kleine schwarzbraune Kegelspitze, welche sich gar nicht be-
sonders hervorhebt, der grosse Seitenstachel dagegen ist
ein zwei Linien langer stark kegelförmiger Stachel, recht-
winklig von der Längsachse des Thieres abweichend und
stark aufwärts, so dass die äussersten Spitzen beider Sta-
cheln sieben Linien Entfernung messen. Sie sind am
Grunde rothbraun, übrigens schwarz und ziemlich dicht
beborstet. Die etwas divergirenden Hinterrandsstacheln
sind feine schlanke schwarze Kegelspitzen mit sehr dicken
Basen. Die hochgewölbte Bauchfläche ist in der vorderen
Hälfte dunkellederfarben, in der hintern weiss, mit feinen
schwarzen Faltenfurchen und überall mit feinen schwarzen
Körnchen bestreut. Die Narben sind klein, schwarz und
rund, die Afteröffnung steht als hoher schwarzer Cylinder
hervor.
6. Gasteracantha Columbiae n. sp. — Das einzige
Exemplar, welches zur Begründung der Art vorliegt, ist aus
Columbien und ähnelt der ostindischen. @. fornicata so auf-
fällig, dass erst die aufmerksame Vergleichung die Eigen-
thümlichkeiten erkennen lässt. Der breite kurze Vorder-
leib ist glänzend schwarz, weiss wollig behaart und nach
hinten fast buckelig erhöht, die Augenhöcker sehr niedrig, °
das Sternum schwarz, fein runzelig und mit stark conca-
ver Mitte. Kieferfühler, Taster und Beine tiefschwarz, ohne
erhebliche Eigenthümlichkeiten. Das Rückenschild ist quer
elliptisch, der Vorderrand in regelmässigem Bogen verlau-
fend und von zehn Narben in regelmässiger Stellung be-
gleitet, die Narben elliptisch, gleich gross nur die beiden
letzten jederseits etwas vergrössert. Der vordere Seiten-
stachel ist ein blosses Kegelspitzchen, der hintere ein grös-
serer (a) gerader, braunschwarzer, sehr dicht beborste-
ter Kegel. Den buchtig verlaufenden Hinterrand begleiten
neun Narben, von welchen wiederum die beiden ersten
grösser, die fünf mittlen gleich gross und rund sind. Die
vier Narben auf der Mitte sind gleich kreisrund; die Hin-
313
terrandsstacheln klein, dicht beborstet wie die Seitensta-
cheln. Das ganze Rückenschild ist dunkel ledergelb. Die
völlig eingesunkene Bauchseite ist wie gewöhnlich tief ge-
faltet, schwarz, fein granuliert und beborstet und die Af-
teröffnung sehr gross, nicht hervorragend, während der Ge-
schlechtskegel hoch hervorsteht. Länge des Rückenschil-
des 21/,'', Breite ohne Seitenstacheln 5‘.
7. Dolomedes intermedius n. sp. — Zwei weibliche
Exemplare aus Columbien begründen diese Art. Durch das
Grössenverhältniss der Augen schliesst sie sich an Walke-
naers Gruppe der Cursores, aber die vorderen Augen stehen
bei ihr nicht in Bogenlinie, sondern in gerader Reihe neben
einander wie in der Gruppe der Sylvani, deren keine Art
Jedoch dieses Grössenverhältniss besitzt. Die beiden mitt-
len oder Scheitelaugen sind nämlich die grössten, die Stirn-
augen und hintern Augen etwas kleiner und einander fast
gleich, die vordern Seitenaugen die kleinsten; alle glänzend
hellgelb mit braunem Sehpunkt. Im Körpertracht und Aus-
sehen ähnelt diese Art zunächst dem Kochschen D. aeru-
ginosus mit ganz andern Augen. Die Kieferfühler sind
schwarzbraun und dicht rostroth behaart, die braunen Tas-
ter dicht rostgelb behaart. Der Vorderleib erscheint ver-
hältnissmässig schmal, ist braun mit rostgelbem Haarstreif
vom Stirnrande bis zum Hinterrande und mit eben solcher
breiter Berandung; das Sternum klein, rund und matt braun.
Die Beine sind gelbbraun, fein und sehr dicht behaart, an
den Schienen und Tarsen mit braunen Stacheln bewehrt;
die Sohle des letzten Gliedes mit sehr schmaler dunkler
Bürste. Der dicke ovale Hinterleib hat eine durchaus
gleichmässige hell rostgelbe Färbung. Körperlänge 8
Linien.
8. Lycosa Pertyi Koch, Arachniden ‚XIV. 156. Fig.
1382. — Ein Exemplar aus Columbien.
9. Lycosa inornata n. sp. — Diese ebenfalls columbi-
sche Art steht der vorigen und noch mehr Kochs brasili-
scher L. vulpina nah, und unterscheidet sich von letzte-
rer nur durch den gänzlichen Mangel schwarzer Zeichnung
an den Schenkeln und Tastern, durch den hellrostgelben
fast schwarzbraunen Bauch und durch die dichte rostgelbe
XXI. 1863 21
314
Behaarung der schwarzen Kieferfühler, in allem Uebrigen
stimmt sie mit Koch’sL. vulpina überein. Das einzige Exem-
plar ist gleichfalls ein weibliches von 7 Linien Länge.
10. Lycosa modesta n, sp. — Die L. Pelliona in der Des-
cript. del’Egypte Arachnides tb. 4. f,5 zeigt eine so grosse
Aehnlichkeit mit der vorliegenden ägyptischen Art, dass ich
deren Aufstellung kaum gewagt haben würde, wenn nicht
in der Beschreibung ein Fleck auf dem Hinterleibe und die
schwarze Ringelung der Beine besonders hervorgehoben
wäre, beide Zeichnungen aber dieser neuen gänzlich fehlen.
Die Oberseite des Hinterleibes ist rostbraun, die Seiten
heller die Bauchseite wie der Rücken. Die Beine haben
die rostbraune Färbung des Rückens, ebenso die Taster,
während die Kieferfühler schwarz und rostgelb behaart sind-
Die Stirnaugen sind merklich grösser als die neben ihnen
stehenden Seitenaugen, die Scheitelaugen sehr gross und
die hintersten Augen wieder etwas kleiner. An der Brust-
seite des Hinterleibes machen sich schmale Binden hellgel-
ber Haare bemerklich, Ein Weib von 6!/, Linien Länge.
11. Zycosa siamensis n. sp. — Diese zierliche Siamesin
steht der Walkenaer’schen L. indagatrix von Coromandel
sehr nah, soweit die kurze Charakteristik derselben eine
Vergleichung gestattet. Sie misst jedoch nur die halbe
Länge derselben, nämlich 3*/, Linien und ist auf dem Vor-
derrücken schwärzlich braun, am Hinterleibe schwarz mit
schwachem Haarfilz, der an der Unterseite dichter dieselbe
grauweiss erscheinen lässt. Auch der Kopf ist mit grau-
weissen Haarflecken gezeichnet. Die vier vorderen Augen
sind sehr klein, gleich gross, dicht neben einander in ge-
rader Linie folgend, das Augenpaar der zweiten Reihe er-
scheint dagegen gewaltig gross und das hinterste Paar nur
etwas kleiner, weiter aus einander gerückt. Die Kiefer-
fühler sind braun und dicht graulich behaart. Ebenso be-
haart das kreisrunde Sternum. Die Taster und Beine da-
gegen sind matt hellgelb und an allen Gliedern mit Aus-
nahme der Hüften breit schwarzbraun grüngelb, sehr fein
behaart und mit einzelnen schwarzen Stachelborsten be-
wehrt, welch letztere an den dichter behaarten Tastern wie
gewöhnlich fehlen. Kiefer und Lippe sind ganz hellbraun.
315
12. Uptiotes longipes n. sp. — Eine ägyptische Art
mehr vom Habitus der Scytoden, aber in ihren Augen doch
der von Walkenaer für zwei südeuropäische Arten aufge-
stellten Gattung näher verwandt. Die Stirn- und Scheitel-
augen ziemlich rubinroth, stehen auf einem rundlich vier-
seitigen, flach gewölbten Augenhöcker, die ebenso grossen
Seitenaugen auf je einem Kegelhöcker etwas weiter davon
entfernt. Der Kopftheil des Vorderleibes erscheint scharf
umgrenzt, der Vorderleib sehr breit herzförmig und flach,
hellbraun und überall mit einem dichten kurzen weissgel-
ben Haarfilz bedeckt. Die kurzen Kieferfühler sind gelb-
braun und nackt, ihr Haken dunkelbraun; die langen gelben
Taster fein behaart und an den beiden letzten Gliedern mit
braunen Dornen bewehrt; Kiefer und Unterlippe hellbraun
und abgerundet. Von den langen Beinen hat das erste und
vierte Paar gleiche grösste Länge, das dritte ist das kür-
zeste; alle hellbraun an allen Gliedern mit breiten schwarz-
braunen Ringen und mit feinen schwarzbraunen Stachel-
borsten bewehrt. Der lange hellbraune Hinterleib zeichnet
sich mit fünf gelblichweissen Querbinden und einigen
schwarzbraunen Punkten. Länge des Vorderleibes 3, des
Hinterleibes 8 Linien.
13. Ctenus concolor Koch, Arachniden XV. 59 f. 1458
(= Dolomedes concolor Perty, Ct. unicolor Walk) in einem
Exemplar aus Columbien von Herrn Wagener gesammelt.
Dasselbe unterscheidet sich durch den allerdings stark zu-
sammengeschrumpften, aber doch kleinen Hinterleib, durch
eine feine hellgelbe Mittellinie auf dem Cephalothorax und
durch viel geringere Grösse (4) von den Angaben der er-
wähnten Autoren. ‘Es ist ein männliches.
14. Eripus flavus n. sp. — Die Gattung Eripus ist
meines Wissens nur in der einzigen Art E. heterogaster von
Rio Janeiro bekannt, aber nach einem Exemplar, welches
Herr Wagener aus Siam, und einem zweiten, das Herr Reil
aus Aegypten mitbrachte; tritt sie auch in der Alten Welt
auf mit eigenthümlichen Arten. Die Art aus Siam misst
nur 11/, Linien Länge und trägt sich ganz hellgelb, an den
Beinen weissgelb, am Hinterleibe etwas dunkler gelb, nur
an den Fusspitzen schwarz. Die dreikantigen scharfspitzi-
21”
316
gen Augenhöcker sind weit mehr seitwärts als nach oben
gerichtet. Von den gleich grossen punktförmigen stark
goldglänzenden Augen stehen die Stirnaugen näher bei-
sammen als die der andern Paare, die Scheitelaugen am
Grunde und auf der obern Kante der Augenhöcker, die vor-
deren Seitenaugen vorn an der Mitte derselben und die
hintern Seitenaugen an deren hinterer Kante gleichfalls in
der Mitte also .% Die Kieferfühler sind kurz und eiförmig,
ungemein fein behaart, die Taster kurz und gleichfalls äus-
serst, fein behaart, ihr zugespitztes Endglied dichter be-
haart, die Kiefer ziemlich stark, die Unterlippe schmal oval.
Der Dorn auf dem Vorderleibe der brasilianischen Art fehlt
hier gänzlich, der Vorderleib ist flach gewölbt, an den Sei-
ten steil abfallend, ebenso breit wie lang und fein granu-
lirt, bis auf zwei, von den Vorderecken nach hinten con-
vergirende glatte Streifen. Das kleine Brustschild glänzt
weiss ohne alle Körnelung. Die langen starken Beine er-
scheinen sehr kurz und fein behaart, an den beiden Vor-
derpaaren die Schienen und Tarsen dichter behaart und
mit wenigen kurzen Stachelborsten an der Unterseite. Der
Hinterleib endlich hat einen ungleichseitig fünfeckigen Um-
fang, nur die hinter der Mitte gelegenen Seitenecken sprin-
gen winklig hervor, eigentliche Höcker und Dornen fehlen
gänzlich, die Oberseite ist faltig gerunzelt und am Hinter-
rande mit einzelnen steifen Härchen besetzt, die Bauch-
seite ist querfurchig.
15. Eripus ruber n. sp. — So sehr diese schöne grosse
Art Aegyptens in der. allgemeinen Körpertracht auch mit
gewissen Thomisusarten übereinstimmt z. B. mit Th. diadema,
halte ich sie doch nach der Stellung. ihrer gleich grossen
Augen und nach der Form der Mundtheile für einen Eripus.
Die Augen stehen genau in derselben Anordnung, wie bei
voriger Art und sind krystallglänzend, die stumpf kegelför-
migen Augenhöcker dagegen verhalten sich wie bei E. he-
terogaster. Ein weisser über die Spitze der Augenhöcker
ziehender Streif verbindet das vordere mit dem hintern Sei-
tenauge. Die Kieferfühler wie bei voriger Art, nur nackt
und schön roth, ebenso die Kiefer und Unterlippe und die
317
weissliehen Taster. Die Rückenfläche des Vorderleibes ist
weisslich, die Seiten dunkler als das übrige roth, fast bräun-
lich. Die langen schön rothen Beine mit weisslichen Tar-
sen und diese an der Unterseite mit einer Reihe lichter
Stachelborsten, einige solcher auch an den Vorderschienen;
Behaarung erkennt man nur unter sehr starker Loupe. Der
dreiseitige Hinterleib mit hintern Kegelecken ist runzlig
längs- an dem Hinterrande quergefaltet, wie auch auf der
Bauchseite. Körperlänge 2 Linien.
16. Ocypete pallens Koch, Arachniden IV. 82. tb. 131.
Fig. 304. — Koch kannte von dieser Art nur das Männ-
chen aus Westindien, unser Exemplar von Rio de Janeiro
ist das Weibchen dazu. Dasselbe’ unterscheidet sich von
Kochs Angaben nur durch die schwarzbraunen Kieferfüh-
ler, die dünnen und nicht dünkeln Tasterenden, und die
nicht hellern Knieen und Schienen. Der helle Haarsaum
des Vorderleibes, die dunkeln Fleckchen, in welchen die
Schenkelborsten stehen, und die hellockergelbe Bauchfarbe
sind besonders charakteristischa Von den hellrubinrothen
Augen sind die seitlichen viel grösser als die mittlen.
17. Ocypete striata n. sp. — Ein schönes von Bur-
meister in der Banda orientale gesammeltes Thier, durch
schwarze Parallelstreifen und Ringflecke an den Beinen auf-
fällig gezeichnet. In der Grösse steht es der vorigen Art
nach und besonders ist der männliche Hinterleib relativ
viel kleiner, kleiner als der Vorderleib. Dieser ist rund,
auf der Oberseite sehr flach gewölbt, ohne markirte Rin-
nen, matt schwarz, aber ringsum breit und mit weisslich-
grauem dichten Haarfilz gesäumt. Die Augen hell nuss-
braun mit schön orangerothen Ringe deutlich aus dem
Haarfilz hervortretend, die Stirnaugen sehr wenig grösser
als die vorderen Seitenaugen, die Scheitelaugen weiter aus-
einander gerückt und die hintern Seitenaugen noch mehr
von diesen entfernt. Die sehr kräftigen schwarzen Kiefer-
fühler sind rostgelb beborstet, die kurzen starken Taster
sind sehr dicht und hellgrau behaart, das erweiterte männ-
liche Endglied auf der gewölbten Oberseite schwarz. Die
Kiefer und Unterlippe wieder schwarz mit rostgelben Bor-
sten, das kurze breite Sternum ganz dicht hellgrau befilzt,
318
wie die Beine und der Hinterleib. Das zweite Fusspaar
übertrifft das erste etwas an Länge, das vierte ist das kür-
zeste und das dritte nur sehr wenig länger. Die Tarsen
haben breite schwarze sehr dicht befilzte Sohlen, Die
Schenkel zeigen auf der Oberseite zwei in der Mitte un-
terbrochene schwarze Längslinien und vor dem Knierande
einen breiten schwarzen Ring; die Vorderschenkel auch
einen grossen Fleck über dem Hüftgelenk. Die Längslinien
setzen über das Knieglied und die Schienen fort, deren
Knieende ebenfalls einen schwarzen, auf der Oberseite je-
doch unterbrochenen Ring hat. Auf den Tarsen läuft nur
eine schwarze Mittellinie entlang. Aus dem dichten Filze
‚ragen längere struppige- Haare hervor, auf den Schenkeln
mehrere schwarze Stacheln, auf dem Knieglied deren ein
Paar, auf den Schienen umd ersten Tarsenglied je zwei
Paare solcher schwarzer Stacheln. Der Hinterleib bietet
ausser seiner geringen Grösse nichts beachtenswerthes, auch
keine besondere Zeichnung. Körperlänge 10 Linien, wovon
4!/, auf den Hinterleib kommen, das zweite Fusspaar 24,
das letzte 18 Linien lang.
18. Ocypete flava n. sp. — .Das einzige männliche
Exemplar aus Columbien zeigt sich Olios columbianus Walk
nah verwandt, hat aber nicht dessen vergrösserte. Seiten-
augen und deprimirten Rücken; noch näher verwandt Kochs
O ferruginea, von welcher es durch überall gleichmässige
hellgelbe Färbung und die Abwesenheit der Stacheln an
allen Schenkeln unterschieden ist. Der herzförmige, vorn
gerade abgestutzte Vorderleib erscheint gleichmässig, hoch
gewölbt, mit zwei sehr seichten von der Mitte zum Seiten-
rande gehenden Rinnen und mit sehr seichter Ausbuchtung
in der Mitte des Hinterrandes. Die dunkelbraunen Augen
haben fast völlig. gleiche Grösse und stehen in zwei gera-
den parallelen Reihen. Das Klauenglied, der. kegelförmigen
Kieferfühler. ist dunkelbraun, sie selbst. wie auch die. hell-
gelben Taster lang. und borstig; behaart, das verdickte männ-
liche Endglied. viel dichter und kürzer behaart. Eigentliche
Stacheln finde ich an den Schenkeln nicht, dagegen an den
Schienen einzelne lange dünne dunkelgelbe, Das zweite
Tarsenglied mit dichter. beborsteter Sohle. ...Der. einge-
319
schrumpfte Hinterleib zeigt keine Eigenthümlichkeiten. Kör-
perlänge 3!/, Linien.
19. Ocypete erythrophthalmus n. sp. — Eine von Hrn.
Junghuhn eingesandte Javanerin der Walkenaerschen Gruppe
der Robustae venatoriae, welche noch nicht von den ostindi-
schen Inseln bekannt sind. Man kann sie als ostindischen
Vertreter der brasilischen O. ferruginea betrachten. Die
schön dunkel rubinrothen Augen stehen in zwei geraden
Parallelreihen und zwar sind in der vordern Reihe die bei-
den seitlichen um das doppelte grösser, als die beiden mitt-
lern auf einem schwachen Höcker stehenden, in der hintern
Reihe die seitlichen auf einem noch schwächern Höcker
stehenden nur sehr wenig grösser als die mittlern. Die
Kieferfühler sind lang cylindrisch, dick, schön braun mit
kurzer dichter goldiger Behaarung. Die Kiefertaster gelb-
braun, spärlich behaart, das letzte längste nicht verdickte
Glied dichter behaart. Das Rückenschild des Cephalothorax
breit herzförmig, matt nussbraun, an der Kopfplatte nnd
den deprimirten Seitenrändern etwas heller. Die ziemlich
gleich langen Beine gelbbraun, gegen die Tarsen hin reiner
braun, an den Schienen und Tarsen undeutlich dunkel ge-
ringelt, gelb behaart, an allen Gliedern mit Stachelborsten
auf braunen Fleckchen, unter den Tarsen mit gelber Haar-
bürste. Der ovale Hinterleib hellbraun, mit dichter kurzer
gelber, grösstentheils jedoch abgeriebener Behaarung, mit
vier schwarzen Punkten auf der Oberseite und mit hellerer
Bauchseite. Körperlänge 4 Linien.
20. Ocypete microphthalmus n. sp. — Vier ebenfalls
von Hrn. Junghuhn auf Java gesammelte Exemplare, aber
zur ersten Rasse der Walkenaerschen Robustae gehörig, von
voriger Art durch schlanken Habitus und die kleinern Au-
gen unterschieden, Letztere sind gleichfalls rubinroth, die
seitlichen beider Reihen auf schwachen Höckern stehend,.
die vier der vorderen Reihe von gleicher Grösse, die mitt-
len der hinteren Reihe etwas kleiner. Die Kieferfühler sind
kürzer und dicker als bei vorigen Arten, viel zerstreuter
und länger behaart, Die. Taster ‘wie. bei voriger Art. Der
breit herzförmige Cephalothorax gleichmässig gewölbt und
gefärbt, und sehr fein zerstreut behaart. Die Beine wie bei
320
voriger Art, jedoch ohne Flecken und Ringe einförmig hell-
braun. Der Hinterleib gestreckt oval, ohne Zeichnung, mit
sehr feiner Behaarung. Von den Exemplaren sind drei
weibliche, deren eins ganz hellbraun, die beiden andern
dunkelbraun sind, das vierte männliche tief dunkelbraun.
Körperlänge der vorigen Art.
21. Ocypete bruneiceps n. sp. — Die Augen liegen auf
einem mehr minder dunkelbraunen Querbande in zwei ge-
raden Parallelreihen, die Stirn- und Seitenaugen auf leich-
ten Erhöhungen und sind letztere nur wenig grösser als
erstere, alle funkeln schön rubinroth. Der ganze Lippen-
rand über den Kieferfühlern ist dicht weisslichgelb behaart
und sticht als helle Binde von dem dunkeln Augenfelde
scharf ab. Die Kieferfühler sind sehr kräftig, dick, hell-
bräunlichgelb, fein behaart, und mit langen zum Theil
schwarzen Zottenhaaren besetzt, am Ende mit straffer Haar-
bürste, welche das dunkelbraune Klauenglied zum Theil
verdeckt. Die Kiefer sind ebenfalls stark, ockergelb, am
Ende abgerundet, ihre langen fadenförmigen Taster hell-
ockergelb fein und dicht behaart, mit schwarzen Stachel-
borsten, das zweite Glied das kürzeste, das dritte etwas
länger und das vierte walzige das längste. Die kleine Un-
terlippe erscheint schwarz abgestutzt. Das breit herzför-
mige Rückenschild des Cephalothorax in der Mitte schwach
gewölbt und dunkelockerbraun am Rande hell behaart, das
kleine dreiseitige Brustschild eben und feingelb behaart.
Die langen Beine ockergelb und ebenso behaart mit sehr
feinen kurzen und langen abstehenden Haaren und an al-
len Gliedern mit einzelnen schwarzen Stachelborsten, an
der Unterseite aller Tarsusglieder mit kurzer dichter Bürste.
der dicke ovale Hinterleib oberseits dunkelockergelb, sehr
kurz und dicht behaart, an der Unterseite mit dichter gel-
‚ber Behaarung. Ein kleines Exemplar ist überall heller
gefärbt als die übrigen, sämmtliche sechs sind weibliche
und von Hrn. Wagener in Siam gesammelt. Körperlänge
7 Linien.
22. Attus (Maevia) metallicus n. sp. — Diese’ durch
ihre Gestalt ebenso wie durch ihre Färbung ausgezeichnete
Art aus Siam gehört in die Walkenaersche Gruppe der Vol-
321
titariae, von welcher noch kein ähnlicher Repräsentant be-
kannt ist, und in Koch’s Gattung Maevia, deren M. capistri-
ata und flavocincta zunächst zur Vergleichung zu ziehen sind.
Der Vorderleib ist breit oblong, mit abgerundeten Flecken
und ziemlich gewölbt. Die grossen glotzenden Stirnaugen,
von einem Kranze gelblichweisser Haare eingefasst, neh-
men die ganze steile Vorderseite ein; die kaum halb so
grossen Seitenaugen ebenso hell messinggelb und dicht
umwimpert stehen an den seitlichen Ecken; weit dahinter
und mit diesem ein Quadrat eckend liegen die gleich gros-
sen hinteren gar nicht umhaarten Augen seitwärts sehend;
die winzigen kleinen Mittelaugen stehen In der buchtigen
Kopfseite genau in der Mitte zwischen den vordern Seiten-
augen und den hintern. Die von den Augen begrenzte,
deutlich erhöhte Kopffläche ist glänzend schwarz, am Rande
und längs der sehr schwach eingesenkten Mitte mit kurzen
weissgelblichen Härchen und überall mit vereinzelten lan-
gen schwarzen Haarborsten besetzt. Die Oberseite des
Vorderleibes ist schwarz, aber so dicht mit ganz kurzen
bronceglänzenden Härchen bekleidet, dass die schwarze Un-
terfarbe nur stellenweise sichtbar wird. Längs der Mittel-
linie als Fortsetzung des Kopfstreifens bilden die Haare eine
weisslichgelbe Längsbinde. Die Kieferfühler sind nicht eben
lang, zusammengedrückt, tief glänzend schwarz und beider-
seits mit langen gelblichen Zottenhaaren besetzt, ihre Klauen
schwarzbraun und sehr kurz. Die Kiefer sind verdickt,
bräunlich gelb, abgerundet; die kleine Unterlippe halboval;
die Taster kurz und kräftig, bronceglänzend, an den Enden
der Glieder mit lichten Haarschüppchen, auf dem letzten
nur mässig verdicktem Gliede ausserdem mit langen hellen
Borstenhärchen, zumal gegen die Spitze hin sehr dicht be-
setzt. Das tief braune Sternum ist ebenfalls lichtgelb be-
haart. Die Beine glänzend hellbraun bekleiden lange sper-
rig zottige Haare dichter an den Tarsen, deren Enden wie-
der mit den weisslichen Haarschüppchen bekrönt sind.
Zwischen diesen feinen Zottelhaaren bemerkt man kürzere
schwarze Stachelborsten. Das sehr kurze breite Endglied
hat eine schwarze Sohlenbürste. Der sehr kleine und tief
bronceglänzende Hinterleib endlich ist mit kleinen Haar-
322
schüppehen und langen gelben Zottenhärchen bekleidet,
die Schüppchen bilden auf der Oberseite drei ungleiche
ziemlich halbmondige weisse Flecke, drei kleine Fleckchen
an jeder Seite und zwei Längsstreifen an der Bauchseite.
Die zottig behaarten Spinnwarzen ragen lang hervor, Kör-
perlänge 4 Linien.
23. Attus (Maevia) debilis n. sp. — Eine kleine unter
allen an Kochs pennsylvanische Maevia chrysea zunächst
sich anschliessende, auffällig durch die Bewehrung der Vor-
derschienen unterschiedene Siamesin. Ihr oblonger Vor-
derleib ist ziemlich flach, auf der umgrenzten Kopfflläche
durch ungemein feine Haarschüppchen von gelblich durch
grün in violett schillernd, übrigens tief braunschwarz. Die
grossen metallgelben Stirnaugen nehmen die ganze Stirn-
fläche ein, lassen jedoch noch einzelnen langen Härchen
zwischen und um sich Raum. Die sehr nah daran stehen-
den, etwa halb so grossen Seitenaugen bilden die Vorder-
ecken. Die ebenso grossen Hinteraugen glänzen schön
weiss, dagegen sind die mittlen Seitenaugen äusserst feine
schwarze Punkthöcker. Die Kiefer sind sehr kurz und dick,
schwarz mit schwachem Stahlschimmer; die Taster gleich-
falls kurz und dick, glänzend dunkelkupferbraun und sehr
fein behaart, das Endglied verdickt kegelförmig; die Beine
lang und kräftig, die beiden ersten Paare dunkel kastanien-
braun mit gelben Tarsen, die beiden spärlichern hintern
Paare licht gelbbraun mit dunklen Schienen, alle spärlich
und fein behaart und mit sehr vereinzelten Stachelborsten;
die, verdickten Vorderschenkel zeigen unter starker Loupe
sehr feine weisse Haarschüppchen, und die Vorderschienen
am Innenrande eine Reihe kurzer starker Stacheln in dich-
ter Behaarung, welche den übrigen schwächern Spinnen
fehlen. Das sehr kurze Endglied aller Tarsen mit schwar-
zer :Sohle. Der walzige Hinterleib ist auf der Oberseite
schön dunkel metallisch grün, längs der Seiten gelblich
weiss und ebenso die Spinnwarzen, die Bauchseite schwarz,
nur am Anfange hellbraun. Körperlänge 2 Linien.
24. Attus (Maevia) nudus n. sp. — Diese dritte Art
aus Siam hat den Habitus der pensylvanischen Maevia sul-
phurea, ist jedoch braun und ohne weisse Zeichnung an den
323
Augen. Die gewaltig grossen und dicken Stirnaugen ste-
hen so dicht neben einander, dass kaum die feinen hellen
Haarringe, welche sie umkränzen, zwischen ihnen noch
Platz haben, dagegen sind sie vom _Lippenrande durch eine
breite lichtgelbe Haarbinde getrennt. Die halb so grossen
vordern Seitenaugen stehen dicht daneben, die hintern Sei-
tenaugen sind etwas kleiner, die mittlen sehr klein und
schwarz. Ueber allen Augen bildet die flache kastanien-
braune Kopfplatte wulstige schwarze Erhöhungen. Die
Kieferfühler sind kurz, dick, hellbraun und sehr fein und
spärlich behaart; die gelblichen Taster ebenfalls spärlich
behaart, nur am letzten kegelförmigen Gliede, dicht und
langhaarig; ihr drittletztes Glied ist das kürzeste, Der Vor-
derleib ist schmal und dick, nach hinten steil abfallend,
hellbraun, nur unter den Augen fein kurz und hell behaart,
übrigens völlig nackt, auch das ganze Sternum nackt. Die
Beine sind hellbraun sehr spärlich und fein, nur an den
Tarsen länger und stärker behaart; die beiden vordern
Schenkelpaare auf der obern Kante mit vier, die beiden
hintern mit nur zwei feinen Stachelborsten, die vordern
Spinnen an der untern Kante mit vier, die hintern eben-
falls mit nur zwei solcher Borsten, die vordern Tarsen mit
drei sehr langen Stachelborsten, die hintern ohne solche,
das Endglied aller Füsse sehr klein und schwarz. Der Hin-
terleib lang eiförmig, gelb, dunkelwolkig, die Spinnwarzen
kurz und gelb. Körperlänge 3%/, Linien.
25. Attus melanopus n. sp. — Die langen dünnen
Beine verleihen dieser ebenfalls in Siam heimischen Art
einen so eigenthümlichen Habitus, dass man sie nach Kochs
Grundsätzen zur Aufstellung der Genera als Typus einer
eigenen Gattung betrachten müsste. Doch schliesse ich sie
lieber dessen, an indischen Arten sehr, reichen Gattung
Plezippus an, mit welchem sie in den übrigen Charakteren
am meisten übereinstimmt. .: Walkenaers nur, durch A,
phrynorides vertretene Gruppe der Longimanae unterscheidet
sieh durch besondern Bau des ersten Fusspaares. Die gros-
sen Stirmnaugen berühren sich ‘fast und die etwa ein Dritt-
theil so grossen vordern: Seitenaugen sind nur um ihren
halben Durchmesser davon getrennt, die. hintern Augen
324
milchweiss mit silberhellem Sehpunkt sind etwas grösser
und die mittlen Seitenaugen bloss schwarze Punkthöcker.
Die Kopfflläche ist dunkelbraun, über den Augen wulstig
schwarz, zwischen denselben mit feinen goldigen Haarschüpp-
chen bedeckt, übrigens nackt und glänzend. Die kurzen
dicken Kieferfühler berühren sich und sind tief schwarz,
mit langen weissen Härchen besetzt. Die langen dünnen
Taster sind bräunlich gelb, ihre beiden vorletzten Glieder
gleich kurz, das letzte verdickt und dicht behaart. Der Vor-
derleib ist schmal, mässig gewölbt, ledergelb und ohne alle
Behaarung. Die langen dünnen Beine haben dunkelbraune
Schenkel und schwarze Schienen und Tarsen; die Schen-
kel auf der obern Kante einige Dornen, unterseits sehr
lange feine abstehende Haare, die Schienen dieselben Dor-
nen auf der obern Kante und zahlreichere noch auf der
unteren Kante zugleich mit dichteren mehr zottigen Haaren
ausser den feinen langen, die Tarsen oben und unten dichte
fast bürstenartige Behaarung und nur ganz vereinzelte Dor-
nen, mehr die vordern weniger die hintern Tarsen. Der
Hinterleib endlich ist gestreckt kegelförmig und schwarz,
und längs jeder Seite mit einem Streif lichter Haare. Kör-
perlänge 4 Linien.
26. Attus (Marpissa) dissimilis Koch, Arachniden XII
7U. tb. 454 Fig. 1135. 36. — Aus der dichten Behaarung
der Kopfplatte starren zahlreiche feine schwarze Borsten
hervor, ebenso auf dem Hinterleibe straffere und stärkere
an den Beinen. Im Uebrigen vollkommen mit Kochs An-
gaben übereinstimmend. Körperlänge 3!/, Linien von Rio
de Janeiro.
®
97. Attus (Eris) Brendel n. sp. — Die dürftige Be-
schreibung, welche Walkener von seinem Attus cunctator
der Vereinten Staaten liefert, lässt auf eine grosse Aehn-
lichkeit mit unserer Art schliessen, die ich Hrn. Brendel in
Peoria, Hinois verdanke, Nur die braune Bauchmitte und
die Behaarung der Taster unterscheiden den Cunctator.
Recht nah heran tritt auch Kochs pensylvanische Eris auri-
gera, deren goldfarbiger Hinterleib jedoch weiss eingefasst
ist und unter deren hinterm Scheitelauge ein weisser Mond-
325
fleck liegt. Bei unserer Art sind die Stirnaugen fast um
ihren halben Durchmesser von einander entfernt und von
ihnen die halb so grossen Seitenaugen um ihren eigenen
Durchmesser; die hintern Scheitelaugen haben nicht ganz
deren Grösse und die mittlen sind punktförmig und genau
mittelständig. Die Kopfplatte ist schön braun, aber mit
feinen graulichweissen Haarschüppchen bedeckt. Das Ge-
sicht ist dick, fast zottig behaart und kurze dichte gelblich
weisse Härchen bekleiden die ganze Oberseite des Vorder-
leibes, dessen Seitenränder tief schwarz sind. Die mit
langen weissen Zottenhaaren dicht bekleideten hellbraunen
Taster bedecken die schwarzen Kieferfühler so, dass ich
deren Form nicht erkennen kann. Die Beine sind braun
mit undeutlichen hellen Ringeln, an den Schenkeln ziem-
lich dicht, übrigens sehr spärlich und sperrig behaart, an
der untern Kante der vordern Schienen und Tarsen mit ei-
nigen schwarzen Stachelborsten. Der dicke Hinterleib ist
matt gelb, sehr fein behaart, oben längs der Mitte fast
weiss und am Grunde mit einem braunen Fleck, längs. der
Seiten mit einem schmalen braunen Streif, an dessen Unter-
seite einförmig hellgelb, die Spinnwarzen braun. Körper-
länge 4 Linien. ?
28. Attus auriventer n. sp. — Ebenfalls von Peoria
in Illinois und der vorigen sich enger als irgend einer an-
dern anschliessend. Die vordern Augen verhalten sich
ebenso, jedoch nach oben von einem schön rostfarbenen
behaarten Felde, unterseits von einem lang weiss behaar-
ten Felde begrenzt. Die mittlen Seitenaugen stehen den
vordern etwas näher als die hintern und zwischen ihnen
liegt auf der nicht scharf umgrenzten Kopfplatte ein brei-
ter weisser Querstreif. Die ganze Oberseite des: Vorder-
leibes ist schön hellbraun und spärlich behaart. Die kur-
zen sehr dicken Kieferfühler sind ebenso schön braun und
nur an der Basis schwach behaart, die dünnen Taster sehr
lang, fein und nicht gerade dicht behaart, ebenso die Beine,
welche nur auf der obern Kante der Vorderschenkel und an
den hintern Tarsen wenige dunkle Stachelborsten besitzen,
das Endglied wie gewöhnlich tief schwarz. Der kegelför-
mige, vorn sehr hohe Hinterleib ist licht gelb, auf der Ober-
326
seite dunkler mit einer Längsbinde schön goldgelber Haar-
schüppchen und jederseits neben dieser mit einer Reihe
von vier unregelmässigen weissen Fleckchen; auch die Sei-
ten haben die goldige Behaarung, welche am Bauche weiss
wird. Die Spinnenwarzen sind braun. Körperlänge nur
zwei Linien.
29. Attus (Rhanis) saevus n. sp. — Eine ausgezeich-
nete Art auf Java, die wir von Herrn Junghuhn erhielten.
Ich ordne sie Kochs Rhanis unter, deren drei Arten von
Binlang jedoch so ungenügend beschrieben sind, dass ich
über die generische Identität noch einigen Zweifel hege,
die specifischen Differenzen treten bestimmt hervor. Der
ebenso breite wie lange Vorderleib ist oberseits flach, nach
hinten sanft an den Seiten senkrecht abfallend, tief dunkel-
rothbraun’und nur an den Seiten mit sehr feinen weisslich
gelben Haarschüppchen bekleidet, unter den Augen mit
längern. Die hellbraunen Stirnaugen stehen sehr nah bei-
sammen, die halb so grossen vordern Seitenaugen nur et-
wa um ihren halben Durchmesser davon entfernt, die mit
diesen gleich grossen hintern Augen sind hell messinggelb
und sehen ganz seitwärts; die sehr kleinen schwarzen mitt-
len Seitenaugen nehmen genau die Mitte zwischen den vor-
dern und hintern ein. Die Kieferfühler sind ei- und käse-
förmig, am Grunde sehr breit, gegen die Klauen hin stark
verdünnt, seitlich zusammengedrückt, mit stumpfer oberer
Kante, glänzend kastanienbraun und gerade abstehend; ihre
eingeschlagene Klaue hat die Länge des dicken Gliedes, ist
dabei dünn, am Innenrande in der Mitte mit einem zahn-
artigen Vorsprunge versehen, am Grunde schwärzlich roth-
braun, gegen die Spitze hin rein rothbraun. Die fadenför-
migen Taster sind braun, sehr spärlich behaart, dichter am
letzten kürzesten Gliede, welches fast so breit wie lang ist.
Die braunen Beine sind kurz behaart, an der Unterseite
aller Tarsen mit Stachelborsten bewehrt. Der ovale Hin-
terleib ist oberseits dunkelbraun und hellbraun berandet,
mit zwei Reihen von je vier Grübchen, auch die Bauchseite
in der Mitte dunkel, am Rande hell behäart. Die kurzen
Spinnwarzen überragen das Hinterleibsende nicht. Körper-
länge 2!/, Linien.
327
80. Zeiobunum albomaculatum n. sp: — Vier Exem-
plare aus Siam zeigen alle wesentlichen Eigenthümlichkei-
ten der Koch’schen Gattung bis auf die fehlenden und des-
halb nicht vergleichbaren Tarsenglieder. Als besondere
Art charakterisiren sie sich durch eigenthümliche weisse
Flecken und durch einen kegelförmigen Stachel auf dem
Rücken des Hinterleibes vor der Mitte. Der Körper des
Thieres ist bei zwei Linien Länge sehr dick oval und deut-
lich in Vorder- und Hinterleib geschieden. Die Oberseite
des erstern steigt gegen die Mitte und nach hinten auf und
trägt den Augenhöcker hinter der Mitte. Derselbe ist seit-
lich abgeflacht und durch eine tiefe Rinne in eine rechte
und linke Hälfte geschieden, deren convexe Ränder Kochs
geglättete Naht über jedem Auge bilden. Die beiden er-
sten Glieder der Taster haben nur die Länge der ersten
Hälfte, das dritte Glied ist das kürzeste und dickste und
zugleich etwas gekrümmt, das vierte nur wenig länger, das
fünfte das längste und gegen das Ende hin schwach ver-
dickt, das sechste endlich bildet eine ungemein feine und
kurze, ohne Loupe gar nicht wahrnehmbare Kralle. Die
Fresszangen sind sehr schlank. Das Sternum verbreitert
sich nach hinten beträchtlich und ist stark convex. Die
fast ganz gleichen Hüften haben fein und regelmässig ge-
körnte oder vielmehr gekerbte Ränder. Die Beine sind von
ganz enormer Länge, das zweite und vierte am längsten,
das dritte am kürzesten. Ohne den Tarsus misst das
zweite 34 Linien, also die siebzehnfache Körperlänge, das
dritte 24 Linien. Ihre Glieder sind fadenförmig, jedoch
das Knieglied merklich verdickt, und das Schienbein eben-
falls am Ende schwach verdickt. Der Hinterleib ist ober-
seits breit, mässig convex, und sein zierlicher Stachel bald
ganz gerade bald mit der Spitze nach vorn gekrümmt. Die
vordern zwei Drittheile bedeckt ein ungegliedertes Schild,
welchem dann noch die Ringe als hinteres Drittheil folgen.
An der stark gewölbten Bauchseite zähle ich fünf Ringe,
alle mit reifartig erhabenem platten Vorderrande. Die
Farbe ist ein tiefes Sammtschwarz nur bei einem Exem-
plar das Hinterleibsschild gelbhraun, die Beine hellbraun
mit schwärzen Knien, Auf der Oberseite des Vorderlei-
328
bes liegen zwei grosse ovale weisse Flecken, ebenso grell
weiss ist die erste und vierte Hüfte und die Seiten der
Hinterleibsringe.
Mittheilungen
Ueber Metallreduction.
Um sich theils von der reducirenden Kraft der Kohle, theils
von der Gegenwart eines schweren Metalloxydes in fraglichen
Flüssigkeiten und somit von der Anwendbarkeit der Kohle zu
Zwecken der analytischen Chemie zu überzeugen, dazu bedarf es
nur eines Stückchens aschenfreier, glühender Kiefer- oder Erlen-
kohle, auf welcher sich aus einer mit der 12- bis 16fachen Menge
destillirten Wassers verdünnten Auflösung z. B. eines neutralen
' salpetersauren Kupferoxyd- oder salpetersauren Silberoxyd-, eines
dergleichen Chlorgold- und Chlorplatinsalzes im Momente des
Contactes das Metall dieser Salze auf der Kohle regulinisch in
Form entweder eines dünnen, überaus zarten Ueberzuges, oder
kleiner Körner mit der dem einen oder anderen Metalle eigen-
thümlichen Farbe, sowie wohl auch, und zwar beim recht ver-
dünnten Zustande einer Kupfer- oder Goldsalzauflösung in ganz
feinen, irisirenden Anflügen zum Theil mit der schönsten Far-
benpracht niederschlägt und auf diese Weise das s. g. bunt An-
gelaufene auf Holzkohle bildet, wie solches auf zahlreichen Mine-
ralien der Erze und selbst auch auf mancher Steinkohle vorkommt.
Die ferner auf das Verhalten der glühenden Kohle zu
schwefelsauren Metallsalzen ausgedehnten Experimente ergeben;
dass sich z. B. aus einer im angegebenen Grade verdünnten
Kupfervitriolösung ein feiner Ueberzug von Schwefelkupfer
(=CuS$) mit blauer Farbe (ähnlich dem Kupferglanze) und aus
der Doppelverbindung von Kupfer - Eisenvitriol gewissermaassen
eine Membran von Schwefel-Kupfer-Eisen mit messinggelber
Farbe (wie der Kupferkies — CuS + Fe S11/,) praecipitirt.
Vergleicht man diese Erscheinungen mit dem Vorkommen
des Kupferkieses, Eisenkieses, Kupferglanzes und Buntkupferkie-
ses in bituminösem Mergelschiefer, oder auch die von Murchi-
son (s. the Geology of Russia p. 169) bei der Dolgelle in Nord-
wales beobachtete Imprägnation des gediegenen Kupfers im Torf-
moore so enthält in der That die Induction, dass diese Erze
die Producte der durch das kohlige Bitumen ihrer Matrix be-
wirkten Reduction aus Metallsalzen sind, durchaus nichts Er-
zwungenes oder Unnatürliches; wir sind vielmehr vollkommen
329
berechtigt, anzunehmen dass das Bitumen des Mineralreiches in
Ermangelung jener hohen Temperatur der beim Experimente in
Anwendung gebrachten Kohle durch ununterbrochene Dauer
während Myriaden von Jahren in einstmaligen Metallsalzlösun-
gen das hervorzubringen vermochte, was sich durch die glühende
Kohle augenblicklich bewerkstelligen lässt.
Diess Alles erinnert. unwillkürlich nicht bloss an die in
kalkspathführenden Grauwackengesteinen des Hurondistrietes am
Oberen See vorkommende Verwachsung des silber- und goldhal-
tigen Kupferkieses mit gediegenem, von regulinischem Silber und
Golde begleitetem Kupfer, wovon ich selbst sehr instructive Exem-
plare besitze, sondern auch an die verkiesten Fossilien (Nautili-
ten u. s. w.), welche in bituminösen oder kohlenstoffhaltigen
Gesteinen angetroffen werden. Die Bildung des gediegenen Ku-
pfers dürfte nämlich in diesem Falle ohne Zweifel durch die
Einwirkung des Gehaltes eingedrungener Tagewasser an kohlen-
saurem (dabei inGyps verwandeltem) Kalke und organischer Ma-
terie auf den durch Verwitterung des Kupferkieses entstandenen
Kupfervitriol, die Kiesbildung der Fossilien aber lediglich. durch
Zersetzung von Eisenvitriol mittelst organischer Materie der Weich-
thiere bewirkt worden sein. G. Suckow.
Caridina siamensis n. sp.
Mit einer Anzahl Spinnen und Käfer aus Siam erhielten
wir von Herrn Schiffscapitain Wagener auch einen kleinen Gar-
nelenkrebs, welchen ich nur auf die Milne Edwardssche Gattung
Caridina beziehen kann. Der Carpus des ersten Scheerenpaares
ist allerdings nicht so sehr kurz wie Milne Edwards es angiebt,
vielmehr langgestreckt dreieckig, stimmt aber im Uebrigen "wie
auch die andern Formverhältnisse überein. Von den beiden
Arten hat C. typus unbekannter Heimat einen kurzen Stirnsta-
chel mit drei kleinen untern Zähnen und C. longirostris von
Oran einen sehr langen Stirnstachel mit. zahlreichen Zähnen.
Unsere Art schliesst sich der ersten eng an. Ihr lamellendün-
ner Stirnstachel hat in der basalen Hälfte jederseits eine scharfe
Kante, die sich jenseits der Mitte gänzlich verflacht, und ist fast
so lang wie der Fühlerstiel, während er bei C. typus noch nicht
das Ende des zweiten Fühlerstielgliedes erreicht. An seiner un-
tern scharfen Kante bilden vier äusserst feine Kerben ebenso
viele schwache Zähnchen, während Milne Edwards von seiner
Art nur drei Zähne angiebt. Die Fühlergeisseln fehlen leider.
Die drei Stielglieder der innern Fühler sind längs der Seiten
dicht beborstet, die sehr breiten und langen, unterseits concaven
Blätter der äussern Fühler längs des Innenrandes gleich dicht
beborstet. Der Cephalothorax ist stark comprimirt und seine Sei-
tenränder nicht so stark bogig wie Milne Edwards sie von seiner
XXI. 1868, 22
330
€. typüs darstellt, dagegen die Seitenplatte des zweiten Ringes
viel: beträchtlicher nach. vorn und nach hinten erweitert.‘ Auf
dem schmalen Endgliede des Hinterleibes zwei Längsreihen von
je vier elliptischen Wärzchen. Die Thoraxfüsse lang und faden-
dünn, die Flossenblätter der Ruderfüsse verhältnissmässig lang
und breit.
Milne Edwards beschreibt ganz kurz nur die beiden er-
wähnten Arten in seiner Hist. nat. des Crustaces II. 363 tb.
25b. Fig. 4. 5. Stimpson fügt noch sieben hinzu in den Pro-
ceed. of the Acad. of nat. Sc. of Philadelphia 1860. p. 28. Von
diesen haben C. grandirostris und C. leücostieta einen viel län-
gern. C. acuminata, C, brevirostris und C. exilirostris einen viel
kürzern Stirnstachel als die unsrige, dagegen C. 'multidentata und
C. serrata einen fast oder ganz gleich langen, der jedoch bei er-
sterer oben mit 20 bis 30, unten mit 14 Zähnen gezackt ist, und
bei letzterer oben 14 Zähne besitzt, während der unsrige oben
ganzrandig und völlig ungezähnt ist. Auch die übrigen Form-
verhältnisse gewähren noch beachtenswerthe Unterschiede. Ebenso
auch de Saussures mexikanische Art. Giebel.
Literatur
Allgemeines. Öfversigt afKöngl. Vetenskapes-Aka-
demiens Förhandlingar. 18de Ärgängen 1861. M. 8. tafl. och
ett bihang meteorol. iakttagelser Stockholm 1862. — Naturwis-
senschaftlicher Inhalt: 1. S. 3—17. Neue Methode zur Bestim-
mung des Leitungsvermögens der Körper für die Wärme, von A.J. Äng-
ström. Dazu Taf. 1.— 2. S. 19-34. HEymenomycetes novi v. minus
eogniti, in Suecia 1852—1860 observati. Auct. E. Fries. — 3. 8.
35—37. Neue Methode, Kohlensäure zu bestimmen; von Al. Müller.
— 4. S. 41-51. Gab es auch im südlichen Schweden schon Menschen
zu der Zeit, in welcher Elephanten, Nashörner und andre lange zu-
vor ausgestorbene Thierracen im südlichen Europa lebten? Von
S. Nilsson. — 5. S. 53—62. Ueber die Bahn des Fayeschen Kome-
ten; von A. Möller. — 6. S. 67—90. Verzeichniss der in der Ost-
finnmark beobachteten Vögel, nebst’einzelnen Bemerkungen, betrifft
einige derselben; von Chr. Sommerfelt. — 7. S. 91—92. Ueber
den Ammocoetes branchialis; Bemerkungen von Freih. G. C. Ceder-
ström. — 8. S. 93—110. Beitrag zur Ermittelung der Synonymik
der skandinavischen Flechtenarten; von Th. M. Fries. — 9. S. 111.
Circa novitias Lichenaeae norvegicae observatio. Serips. Will. Ny-
lander. — 10. S. 115—118.. Ueber. merkwürdige Crustaceen aus der
Ordnung, Cladocera, gefunden im Dalekarlien; von H. A. Euren.
331
Dazu Taf. TII. — 11. S. 119—154. Untersuchung der bei der Volum-
veränderung der festen Körper entstehenden Wärmephänomene etc.
von Er. Edlund. Dazu Taf II. — 12. S. 159—162. Gediegenes Wis-
muth vom Bispberg; von L. Svanberg. — 13. S. 163—178. Ueber
einige ammoniakalische Chromverbindungen ; von P. T. Cleve —
14. S. 179-187. Derivate von Toluol; von C. W. Blomstrand. —
15. S. 189—190. Vom Prof. A. E. Nordenskiöld im J. 1858 auf
Spitzbergen gesammelte Moose; von S. O. Lindberg. — 16. S.
191—193. Neue Art der Gattung Astrocarpus; von C. F. Nyman.
Dazu Taf. IV. — 17. S. 195—212. Nova methodus familias quasdam
Hemipterorum disponendi; auet. C. Stäl. — 18. S. 227—231. Beitrag
zur Kenntniss der Doppelverbindungen der Platinachlorüre; von J.
Lange. — 19. S. 235—242. Antimon-Cinober; von L. Svanberg.
— 20. S. 243—247. Der Wasserstand im Mälar und in der Salzsee
während der Jahre 1857—1860. (Tabellen). — 21. S. 249-253. Pilz-
Arten in europäischen Gewächshäusern; von E. Fries. — 22.8.
255— 272. Anzeichnungen, betreffend eine in Paris befindliche Linnea-
nische Pflanzensammlung; von Th. M. Fries. — 23. S. 273—283.
Neue Anzeichnungen über die nordische Moosvegetation; vom Candid.
S. OÖ. Lindberg. — 24. S. 285-314. Ueber einige im Wetter- und
Wenersee gefundene Crustaceen; von S. Loven. (S. die Uebersetzung
in dieser Zeitschrift, Jan. 1862, S. 34 ff) — 25. S. 357—360. Be-
schreibung eines Apparates zum Heraufholen von Wasserproben aus
ungleichen Tiefen im Meer und in Seen; von C. M. Lindquist.
Dazu Taf. V. — 26. S. 365370. Ueber die Frauenhofer’schen Linien
im Söonnenspectrum; von A. J. Angström. Dazu Taf. VI. — 27. S.
371—375. Ueber eine neue Art der Gattung Hypnum; von S. O. Lind-
berg. — 28. S. 381-384. Ueber die Lachsarten des Wener; von
S. Hardin. — 29. S. 385—394. Ueber einige Walfischarten; von
C. Sundevall. Dazu Taf. VII. VIII. — 30. S. 395—420. Versuch
einer Aufstellung und Beschreibung der schwedischen Figiten; von
C. G. Thomson. — 31. S. 433—450. Pflanzengeographische Anzeich-
nungen vom östlichen Smäland; von N. J. Scheutz. — 32. 8.
451—453. Schwedens Proctotrupen (Fortsetzung); von C. G. Thom-
son. — Meteorologische Beobachtungen auf dem Stockholmer Ob-
servatorium. J. 1861.
Kongl. Svenska Vetensk.’s-Akad’s-Handlingar. Ny
följd. Bd. III, Hft. 2. 4. 1860. — 1. Beitrag zur Hemipteren-Fauna
der Gegend von Rio Janeiro. II; von C. Stal. S. 1-75. — 2. Skan-
dinaviens Federmotten (Alucita L.), beschrieben von H. D. J. Wal-
lengren. $S. 1-25. — 3. Beitrag zur Kenntniss der Crustaceen,
welche in Arten der Gattung Ascidia L. leben; von T. Thorell. S.
1-48. Dazu Taf. I-XIV. — 4. Ueber die Extremitäten der Insekten,
wie auch ihre Kopf- und Mundtheile; v. C. J. Sundevall. S. 1-2.
Dazu Taf. I-IV. — 5. Versuch einer Aufstellung und Beschreibung
der schwedischen Ichneumoniden. 3. Series, Fam. Pimplariae; von
Aug. Em. Holmgren. 8, 1-76, — 6. Beitrag zur Kenntniss der
22*
332
Verbindungen der Salpetersäuerlichkeit mit einatomigen Basen; von
Joh. Lang. S. 1-39. Creplin.
Physik. Berger, über Grundeis-Bildung. — Zu den
drei Theorien, welche von Mac Keever, Horner und Arago und von
Gay-Lussac aufgestellt sind, fügt B. noch eine vierte hinzu, welche
uns die Frage jedoch auch nicht erschöpfend zu behandeln scheint.
Der Gay-Lussac’schen Erklärungsweise sich enger anschliessend hält
er dafür, dass Eistheilchen von der Oberfläche in die-Tiefe hinabge-
rissen werden, an den. Steinen des Bodens der Flüsse anstreifen, wo
sie ganz oder theilweise hängen bleiben, und so die Grundeisbildung
einleiten. Zur Grundeisbildung ist daher die Bildung des Eises an
der Oberfläche vorher nöthig. B. sieht nun die Schaumblasenbildung
in Wasser von sehr niederer Temperatur als die erste Ursache der
Eisbildung in bewegtem Wasser an. Für Grundeisbildung ohne vor-
hergegangene Obereisbildung bedurfte es einer andern Erklärung; B.
findet sie in folgendem: wenn man einen Stein in schnell fliessendes
Wasser taucht, so entsteht hinter demselben ein seitlich von zwei
Curven, oben und unten von Wasser ebenfalls geschlossener wasser-
leerer Raum; da legt sich unmittelbar an die Hinterseite des Steines
eine dünne Wasserschicht an. Dieser leere Raum muss sich augen-
blicklich mit Dampf füllen, welcher seine latente Wärme aus dem um-
gebenden Wasser aufnimmt; hat dieses Wasser 0°, so muss es gefrie-
ren und es muss sich eine dünne Eisschicht an der Rückseite des
Steines bilden, vielleicht auch an den Wänden der Wassercurven. Da
der Dampf durch das Wasser fortgerissen wird, so wird die Eisbil-
dung so lange fortdauern, als die Temperatur des Wassers 0° ist.
Diese so entstandenen Eisblättchen geben, von der Strömung fortge-
rissen, ebenfalls die Veranlassung zur Grundeisbildung. — (Pogg.
CAVI, 615.) W. W.
Fizeau, H., über das Licht des in der Luft verbren-
nenden Natriums. — Ist Natrium in einer Flamme vorhanden,
so tritt im Spectrum die bekante helle Linie D auf; verbrennt aber
Natrium in Luft, was mit grosser Heftigkeit und unter ausserordent-
licher Licht- und Wärmeentwicklung geschieht, so ist das ganze Spec-
trum hell mit Ausnahme des Striches D, welcher tief schwarz ist.
F. hält nicht dafür, dass diese Erscheinung zu den von Bunsen und
Kirchhoff beobachteten Absorptionserscheinungen gehöre, doch findet
diese Ansicht wohl eine Widerlegung in den von Al.Mitscherlich gemach-
ten Entdeckungen. [C. R. LIV, 493.] — (Pogg. CXAVI, 492.) W.W.
Haerlin, J., Ueber das Verhalten einiger Farbstoffe
in Sonnenspectrum. NH. bringt Farbstoffe in verschiedenen fort-
schreitenden Veränderungsgraden in sogenannten Hämatinometer;
das sind Gefässe, deren parallele ebene Glaswände lem. von einander
entfernt sind. Die so eingeschlossene Farbstofflösung bringt er in ein
durch ein Schwefelkohlenstoffprisma dargestelltes Sonnenspectrum und
beobachtet mit dem Fernrohre. Es wird für jede Gegend des Spec-
trums der Verdünnungsgrad notirt, bei welchem die betreffende Spec-
333
tralfarbe zuerst die Lösung durchdringt, und mit der Verdünnung
allmählig so weit fortgefahren, bis das ganze Spectrum durchgelassen
ist. Wird alsdann das Spectrum seiner Länge nach als Abcissenaxe
genommen, auf welcher die Frauenhoferschen Linien Abscissen von
bekannter Länge darstellen, und hierauf die Verdünnungsgrade, bei
denen die Spectralfarben zuerst erscheinen, als Ordinaten aufgetra-
gen so erhält man für jeden Farbstoff eine Absorptionscurve, welche
gewöhnlich in cinen bestimmten sehr langen Absorptionsstreifen sich
fortsetzt. Es ergibt sich aus den angestellten Untersuchungen 1) dass
Farbstoffe, welche in ihrer Mischfarbe in gewissen Concentrationen
im weissen Lichte nicht wohl zu unterscheiden sind, gänzlich ver-
schiedene Einwirkungen auf einzelne Theile des Spectrums zeigen
können. 2) Dass sich nirgends so häufig kräftige Unterschiede in der
Absorptionsintensität für benachbarte Spectraltheile zeigen als im
Gelb und Gelbgrün; 3) dass besonders gute Erkennung die Spectral-
untersuchung für folgende Farbstoffe gibt: rothe, violete und blaue
Anilinfarbstoffe, Blauholz, Fernambuk, Persis, Lakmus, Cochenille,
Murexid, Limarothholz, Alizarin, Sandelholz, Indigo, Berlinerblau,
Drachenblut, Safran, Orlean, Picrinsäure, Curcuma, — Poggaff. CXVII.
70. WW.
Kravogl in Innsbruck hat eine Quecksilberluftpumpe er-
funden, welche durch die Einfachheit des Baues und ihre Leistungs-
fähigkeit sich vor den bessten vorhandenen auszuzeichnen scheint;
der zu Grunde liegende Gedanke ist der den schädlichen Raum durch
Quecksilber auszufüllen, welches den in einem gläsernen Stiefel beweg-
lichen Stahleylinder umgibt und so zu einem flüssigen Kolben macht.
Wir nehmen Veranlassung auch in .dieser Zeitschrift auf diese neue
Erfindung aufmerksam zu machen, verweisen jedoch die Beschreibung
der innern Einrichtung und des Ganges der Luftpumpe vermeidend
auf die Sitzungsberichte der Wiener Acad. Bd. XLIV und Pgg CXVIL,
606. WW.
Lamy, A., von dem Dasein eines neuen Metalls, des
Thalliums. Schon W. Crookes hat einen scharf abgeschnittenen
grünen Strich im Spectrum beobachtet, welcher keinem der bekannten
Metalle oder deren Verbindungen zukommt. Er vermuthete ein neues
Metall in der Gruppe des Schwefels, konnte es aber nicht für sich
darstellen; er nannte es Thallium. Dasselbe Metall, kenntlich an der
grünen Linie, hat L. in dem Schlamm von Bleikammern, in denen
Schwefelsäure aus Schwefelkies bereitet war, erhalten. Durch seine
physikalischen Eigenschaften steht es dem Blei, durch seine chemi-
schen den Alkalien nahe; spec, Gewicht 11,9; Schmelzpunkt 250 0C.;
Chlor-, Brom-, Jod-, Schwefel- und Phosphorverbindungen lassen sich .
darstellen; leicht angegriffen durch Schwefelsäure und Salpetersäure,
schwer durch Chlorwasserstoffsäure.— Vorkommt es in Schwefel-
kiesen; Chlorverbindungen des Thalliums hat L. aus dem in den Ab-
lagerungen der Bleikammern vorkommenden Metalle dargestellt und
aus diesen Verbindungen das Metall selbst durch den galvanischen
334
Strom durch Fällung mittels Zink, dureh Reduetion mit Kohle im hö-
herer Temperatur. L. hat einen Barren von 14 Grm. dargestellt.
(Comptes R. LIX, 1255; Pgyg. CAVI 495.) WW.
Leroux, F. P., Anomale Dispersion des Joddampfes.
Der Joddampf welcher als Prisma angewandt nur den rothen und
blau-violetten Theil des Sonnenspectrums Durchgang gestattet, zeigt
nach L.’s Untersuchungen die merkwürdige Eigenschaft die rothen
Strahlen stärker als die blauen zu breehen; dabei ändert sich das
Zerstreuungsvermögen im umgekehrten Verhältnisse mit der Tempara-
tur. Durch Verbindung des Jodprismas mit einem Glasprisma, welches
eine gleichsinnige und nahezu gleich grosse Ablenkung gab, erhielt
L.ein nahezu achromatisches Bild. — (Poggendorff CAV11,659.) W.W.
Lommel,E., Versuch einer Theorie der Fluorescenz.
L. sucht die Fluorescenz auf eine Art Phosphorescenzerscheinung zu-
rückzuführen, indem er annimmt, dass gewisse Körper, durch Bestrah-
lung erregt, Lichtstrahlen von so grosser Wellenlänge aussenden, dass
sie unser Auge nicht zu durchdringen vermögen. Diese an und für
sich dunklen Strahlen sollen sich während der Bestrahlung mit den
einfallenden Strahlen combiniren und so Combinationsfarben erzeugen,
welehe unsrer unmittelbaren Wahrnehmung fähig seien. Die Richtig-
keit dieser Behauptung vorausgesetzt, würden alsdann allerdings nur
Strahlen von sehr hoher Brechbarkeit Fluoreseenz, d.i. Combinations-
farben hervorzubringen vermögen. Wie aber hiernach die intermit-
tirende Fluorescenz zu erklären sei, und warum ein in gewisser Farbe
fluoreseirender Körper nieht auch Fluoreseenzlicht von jeder gerin-
geren Brechbarkeit aussendet, darüber bleibt uns Herr Lommel den
Nachweis schuldig. (Pag. CAVL, 642.) W. W.
Merz, S., über das Farbenspeetrum. Die von Kuhn
als Doppellinie gesehene Linie D im Spectrum ward von Kirchhoff
in eine dreifache aufgelöst, indem eine Dritte zwischen den beiden
stärkeren sich zeigte. Durch Herstellung eines Prismas von 60° bre-
chendem Winkel, das eine Lichtbüschel von 43 Linien durehzulassen
im Stand war, und unter Anwendung eines Fernrohres mit entspre-
chend grosser Oeffnung und 50maliger Vergrösserung wurde die dritte
Linie D mit äusserster Sehärfe beobachtet. Bei 2700 brechendem
Winkel gewöhnlicher Frauenhofferscher Prismen von etwa 45° bre-
chendem Winkel zeigte sich eine zweite Zwischenlinie D; bei 11 Pris-
men, oder einem Winkel von 480% zeigen sich 5 Linien zwischen den
beiden Hauptlinien D. Sonach besteht D aus 2 ganz breiten, 2 we-
niger breiten und 3 feinen Linien. (Pgg. CAVH, 654.) W. W.
Mitscherlich, Al., Beiträge zur Speetralanalyse.
Glasröhren enthalten die zu untersuchende Lösung. Das offene nach
unten gekehrte Ende derselben gestattet, dass die Lösung auf dem
Wege der Kaplilarität durch eingebrachte Platindrähte in eine Flamme
geleitet wird, welche ein stundenlang gleichförmiges Spectrum geben.
Um die Metallspectren am vollkommensten zu erhalten benutzte M.
eine Mischung von 20 Theilen einer 15 Procent enthaltenden Lösung
333
von 'essissaurem Ammoniak) und 1 Theil der concentrirten Salzlösung:
Wurde zu dem auf diese Weise erhaltenen Bariumspectrum mittels
der Platindrähte Salzsäure 'geleitet, so verschwand das Bariumspec-
trum, und es zeigten sich 2 grüne Linien. Wurde Chlorstrontium,
Chlorbarium und Chlorealeium angewandt, in Mischungen, welche auf
1 ‘Theil der eoncentrirten Chlormetallösung 20 Theile Salmiak und 20
Theile einer 20 Procent Chlorwasserstoffsäure haltenden Salzsäure
enthielten, so zeigten sich Spectren, welche von den gewöhnlichen
ganz verschieden sind. Bei Erzeugung dieser Spectren der Chlor-
metalle findet keine chemische Wirkung statt, weil dieselben, wenn
ihr Licht durch eine Salmiak enthaltende Flamme geht, nicht verän-
dert werden. Die untersuchten Jod- und Spectralmetalle der alkali-
schen Erde geben etweder kein Spectrum, wenn die Salze nicht flüch-
tig waren, oder das der Metalle, wenn die Salze durch Kohlenstoff
oder Wasserstoff zersetzt wurden. — Verschieden sind ferner die
Spectra von Kupfer, Chlorkupfer, Jodkupfer. Kupferehlorid und Ku-
pferchlorür scheinen verschiedene Speetren zu haben; der erstere tritt
auf bei niedriger Temperatur und überschüssigem Chlor. Durch Hin-
einbringen mehrer Salze in dieselbe Flamme verschwinden Linien —
Chlornatrium und Chlorkalium in verschlossene Röhren gebracht ge-
ben weder in ihren Dämpfen noch im durchgefallenen Lichte die Na-
trium- und Kaliumlinien. Ebenso gab Natron, in eine Röhre einge-
schlossen und bis zur Rothgluht erhitzt, die Natriumlinie nicht, wohl
aber Natrium auf dieselbe Weise behandelt: ‚die Dämpfe zeigten die
helle, das durch dieselben gegangene Licht die dunkle Linie. Die
Linie gehört also nur dem metallischen Natrium an. — Auf die Zu-
sammensetzung der Sonnenatmosphäre einen Rückschluss gemacht,
ergibt sich, dass da Natrium als Metall in der Sonnenatmosphäre
vorkommt, kein freier, electronegativer Körper wie Sauerstoff, Schwe-
fel u. s. w. darin enthalten sein kann, wenigstens nicht so viel um
alles Natrium zu binden. Es müssen darum auch 'alle Metalle, die
bei jener Temperatur aus ihren Verbindungen ausgeschieden werden,
unverbunden da sein, — Die Abwesenheit von Metalllinien im Son-
nenspectrum lässt nur auf die Abwesenheit ‘des freien Metalls in
der Sonnenatmosphäre schliessen. (Pgg. CAVL499.) W.W.
Mohr F., — Kurze Bemerkung zu Herrn Dr. Fleck’s „Bezie-
hungen zwischen Atomgewicht und specifischem Gewicht“ in Pgg.
XVII, 132 ist die Ueberschrift eines Aufsatzes, in welchem der Ver-
fasser die Unhaltbarkeit einer Theorie nachweist, welche, breit ge-
nug ausgeführt, in ihrer Begründung nicht unerhebliche Rechenfeh-
ler birgt. (Pgg. CXVIL, 648. W.W.
Rood, O. N., über das Studium des electrischen
Funkens mittels Photographie. Alle bisher von electrischen
Funken erhaltenen photographischen Bilder waren Seitenansichten,
R. fand, dass ein Funke auf einer empfindlichen Schicht, welche er
senkrecht trifft, ein scharf begrenztes Bild gibt, welches 40malige li-
neare Vergrösserung verträgt, und ist der Ansicht, dass diese Wir-
336
kung keine electographische, soudern photographische ist. Die Glas-
platte mit Collodium überzogen, ist dazu in einem Bade von 40 Gran
salpetersaurem Silberoxyd auf eine Unze Wasser empfindlich gemacht:
als entwickelnde Lösung wird schwefelsaures Eisen benutzt. Ist der
positive Funke durch einen kurzen dicken Metallstab aus dem Con-
ductor gezogen, so besteht er aus einem Stern und einem oder meh-
ren Ringen. Die Beziehung derselben zu einander wird bedingt durch
die Spannung der Electricität. Die beiden Ringe, deren äusserer
scharf begrenzt, deren innerer hingegen punktirt ist, und welche beide
zu innerst einen breiten Ring einschliessen, welcher durch zarte Ab-
stufungen ip einen Stern übergehen kann, deuten an, dass der par-
tielle Funke unter diesen Umständen aus drei einzelnen Entladungen
von verschiedener Spannung besteht. Geschieht die Entladung durch
den electrischen Büschel, so verschwindet der mittlere punktirte Kreis
und der innerste wird am stärksten markirt; bei weiterer Abnahme
der Intensität verschwindet auch der äusserste Kreis. Der Ueber-
gang des Funkens in den Büschel ist ein allmählicher. Die Bilder
des Funkens lassen erkennen, dass die Ringe, wo sie die Strahlen
schneiden, sich unter denselben fortsetzen, wie wenn eine Ueberlage-
rung stattgefunden hätte; und daraus, dass bei merklich grossem
Funkenwege der Ring nicht symmetrisch zum Sterne liegt, erhellt,
dass die ihn erzeugende Entladung einen andern Weg genommen
hat. Und selbst der Stern scheint durch Ueberlagerung zweier ver-
schieden grosser und lichtstarker entstanden zu sein. — DasBild des
negativen Funkens ist frei von Strahlen, kreisrund und oft aus einer
Anzahl kleiner, unsymmetrisch liegender Kreise gebildet. Bei kurzen
Schlagweiten ist es viel grösser als das des positiven, jedoch nie so
scharf begrenzt. Ist die empfindliche Schicht in unmittelbarer Berüh-
rung mit dem Conductor, und wird aus ihrer abgekehrten Oberfläche
ein Funken gezogen: so zeigt die empfindliche Schicht das Bild des
entgegengesetzten Hinten. Zwischen den photographisch dargestell-
ten Funkenbildern und den nach Ries’s Angaben dargestellten Lich-
tenbergschen Figuren zeigt sich grosse Uebereinstimmung. (Silliman
Journ. N. 5. vol. XXAXI1l, 219; Pgg. CXVII, 595.) W. W.
Rose, H,, über die Zusammensetzung eines fossilen
Eies.. Ein von den Chincha Inseln bei Peru aus Guano 40 Fuss un-
ter der Oberfläche herstammendes Vogelei wog 252 Grm., Längen-
durchmesser 80mm., Quadratdurchmesser 58mm., Masse krystallinisch,
Farbe weiss und schwach bräunlich, Seidenglanz. An einer Stelle
schwarzbraune Masse von erdigem Bruche. Die Zusammensetzung
der salzartigen Masse ist bei fast gänzlichem Mangel organischer Be-
standtheile:
schwefelsaures Kali 170,59
schwefelsaures Ammoniumoxyd 26,55
Chlorammonium 1,25
Chlornatrium 0,65
99,04.
337
Der ganze Inhalt- des Eies ist also entleert, und die an seine Stelle
getretene salzartige Masse kann nicht aus den Bestandtheilen des
Eies sich erzeugt haben. Einige deutliche Ueberbleibsel der Schale
ergaben: Kohlensäure 0,91; Kieselsäure 0,45; organische Substanz
2,07; Kali 2,33; Chlor 0,84; Kalkerde 0,34; phosphorsaure Kalkerde
(Ca03BO5) 77,82, und Wasser. (Pgg. CAVI, 627.) W. W.
Sauber, W., über die Brechungs- und Zerstreu-
ungsverhältnisse einiger organischen und unorgani-
schen Substanzen. Um die offene Frage nach dem gesetzlichen
Zusammenhange zwischen der Brechung einer Substanz und der
Diehte ihrer molecularen Constitution oder ihrer Aequivalenten lösen
zu helfen bringt S. eine grosse Reihe von Messungen der Brechungs-
exponenten für B, C, D, E, b, F, G herbei. Die Zahlen selbst sind
in der Originalabhandlung einzusehen. (Pgg. CXVIL, 577.) W. W.
Schneider, J., über die Erzeugung von Tönen durch
Wärme. Die Entstehung der Trevelyan’schen Töne ist bekanntlich
dadurch bedingt, das die Berührung zwischen dem heissen und dem
kalten Körper abwechselnd in zwei verschiedenen Punkten geschieht;
bei den von S. beobachteten Tönen berühren sich die beiden, Körper
nur an ein und derselben Stelle. Einen kupfernen Ring, über einen
Bleiblock gehängt und aus dem Gleichgewicht nach der Erhitzung ge-
bracht, giebt, wenn die Berührung an zwei Stellen stattfindet,,”jene
Trevelyanschen Töne; findet dagegen bei fortschreitender Erhitzung
die Berührung an nur einer Stelle statt, und es entsteht ein neuer
schrillender Ton, während gleichzeitig die Schwingungen sehr klein
werden; dabei scheint der Ring sich ohne die Berührungsstelle zu
verändern langsam um seine verticale Axe zu drehen. Beide Töne
schliessen sich gegenseitig aus. Bei diesem neuen Tone verträgt der
tönende Ring keine Belastung und der unterliegende Bleiblock keine
Oelschicht, welches beides die Trevelyansehen Töne nicht hemmt,
Aeusserer Anstoss ist auch zur Hervorbringung dieses Tones nöthig.
Im Allgemeinen entspricht erhöhter Wärme ein tieferer Ton, so dass
bei eintretender Abkühlung die Höhe des Tones steigt. S. findet als
gemeinschaftlichen Grund der beiden Töne die Ausdehnung der Kör-
per durch die Wärme, doch so, dass die neuen Töne bei rasch auf
einander folgenden Ausdehnungen und Zusammenziehungen der Kör-
per hauptsächlich in horizontaler Richtung erfolgen, während bei den
Trevelyan’schen Tönen die verticale Ausdehnung und Zusammenzie-
hung das Wirksame ist. Zubülfenahme einer abstossenden Kraft fin-
det S. ungehörig. Hierzu ist zu bemerken, dass sich schon in
Eisenlohr, Phys. 7te Aufl. S. 204 zu dem Trevalyaninstrumente die
Bemerkung findet: wenn man die Mitte desselben durch eine feine
Spitze an das Blei andrückt, so entsteht oft ein Ton, welcher um
eine ganze Octave höher ist als der gewöhnliche. (Pgg. CAVII, 622.)
W. W.
Vogel, H., über ein einfaches Verfahren mikros-
copische Ansichten zu photographiren. V. bringt die ver»
338
grössernden Gegenstände an ein horizontal gelegtes Microscop an,
vereinigt letzteres mit einer photographischen Kammer, welches eine
einfache‘ achromatische, sogenannte Landschaftslinse hat, von gegen
4 Zoll Brennweite, so dass die optischen Axen beider Instrumente zu-
sammenfallen und das Objective der Kammer das Ocular: des Micros-
cops fast berührte, und indem er mit Hilfe des am Microscop ange-
brachten Hohlspiegels Sonnenstrahlen auf das Object fallen lässt er-
hält er auf der gegen 8 Zoll weit ausgezogenen matten Scheibe der
Kammer ein deutliches Bild des Objects. Dies Bild lässt sich so
photographisch aufnehmen und erlaubt 500fache Vergrösserung. Zwei
Vorsichtsmassregeln hat man noch bei solchen Aufnahmen zu beach-
ten: die Linse der Kammer muss frei von Focaldifferenz (Unterschied
des optischen und chemischen Brennpunkts) sein, und die Aufnahme
in einem Raume erfolgen, der nicht der geringsten Erschütterung aus-
gesetzt ist. (Pgg CAVII, 629.) W. W.
Themie. a. Theoretische. L. Barth und H. Hlasiwetz,
über eine neue Säure aus dem Milchzucker. — Wenn man
Brom, Milchzucker und Wasser in Flaschen einschliesst und in ko-
chendem Wasser erwärmt, so erhält man unter Bildung von Kohlen-
säure eine schwach gelbliche Flüssigkeit. Diese wurde mit Silber-
oxyd versetzt, vom Niederschlage abfiltrirt, und nachdem im Fil-
trate‘das Silber mit Schwefelwasserstoff entfernt war, nach abermali-
gem Filtriren eingedampft; durch Zusatz von Weingeist entfernt man
dann theilweise den im Milchzucker enthaltenen Kalk, durch Abde-
stilliren den Weingeist; darauf wurde kohlensaures Cadmiumoxyd hin-
zugefügt bis kein Aufbrausen mehr Statt fand, und man erhielt dann
beim Eindampfen Krystalle einer Cadmiumverbindung, woraus die
Säure mit Schwefelwasserstoff abgeschieden wird. Die vom Schwe-
feleadmium abfiltrirte Flüssigkeit wird möglichst eingedampft und
man erhält nach dem Verdunsten des noch restirenden Wassers über
Schwefelsäure die neue Säure als eine weiche hygroskopische Kry-
stallmasse, die in Wasser und Alkohol löslich ist und alkalische Kup-
feroxydlösung beim Erwärmen redueirt. Die Analyse der Säure er-
gab die Formel &5H)09s. Von den Salzen wurden folgende darge-
stellt: Das Ammoniaksalz wurde durch Versetzen der freien Säure
mit überschüssigem Ammoniak erhalten und ergab nach dem Umkry-
stallisiren die Formel: &;(H3NH,) 85 + H29. Das Kalisalz kannte
wegen zu grosser Löslichkeit nicht krystallisirt erhalten werden, hin-
gegen war das Natronsalz leicht in büschelförmigen Prismen dar-
stellbar, indem die freie Säure mit kohlensaurem Natron übersättigt
wurde, und führte zur Formel &;(HsNa)@g + H2®: in entsprechen-
der Weise erhält man das Kalisalz: &;s(HsCa) 95. Aus der Mutter-
lauge desselben wurde noch ein anderes Kalksaiz erhalten von der
Formel: 2[€s(H;Ca)®s] + 7H29; auch das Baryt und Strontiansalz
sind auf jene Weise leicht darstellbar. Das Cadmiumsalz wird wie
schon beschrieben erhalten und zeigt ‘die Formel & (Hs Cd): +
21/2H2®, aus der Mutterlauge desselben erhält man noch ein andres:;
339
Es (Hs€d)Q; + 3H39, diese Salze lassen sich nicht ohne Eintritt ei-
ner Färbung entwässern. Das Kupfersalz' wird durch Versetzen
mit kohlensaurem Kupferoxyd das Bleisalz durch Versetzen mit
Bleizucker unter Hinzufügen von Ammoniak erhalten; letzteres hat
die Formel: Es(HsPb)@s + 2Ph3@ + 1/2H29. Ueber die Basieität der
neuen Säure wurde Nichts festgestellt; mit Untersalpetersäure oxy-
dirt giebt sie Schleimsäure und mit schmelzendem Kali Essigsäure
und Oxalsäure. Die Säure hat dieselbe empirische Form wie die Di-
glycoläthylensäure und könnte daher den Namen erhalten, Isodigly-
eoläthylensäure. Das Brom wirkt bei der Bildung der Säure wahr-
scheinlich nur addirend und die Reaktion wäre dann:
Cs Ho 95 + Brz = 6; Ho 85 Br?
£ H1o 8; Bra + An$ = £s H10o9s - AgaBra.
Die neue Säure lässt sich auch aus arabischen Gummi nach derselben
Methode darstellen. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAI, 96.) B. 8.
E. Baudrimont, Darstellung des Phosphorsulfochlo-
rids. — Man erhält Phosphorsulfochlorid, indem man in einem Kol-
ben auf trocknem Phosphor zuerst Chlor wirken lässt und hierauf
dreifach Schwefelantimon Die resultirende Flüssigkeit wird destillirt
und das bei 125°—1350 Uebergehende aufgefangen und mit Schwefel-
natriumlösung vom Chlorantimon, Phosphoroxychlorid und Chlorarsen,
wenn unreines Schwefelantimon angewandt war, gereinigt. Das reine
Phosphorsulfochlorid siedet bei 124°, hat das specifische Gewicht
1,631 und greift die Augen und Respirationsorgane heftig an. Die
Reaktion von BCl; aufSbS; ist: 3PC, +2Sp Ss —=3PC1l,S3 + 2SbC];.
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXII, 127). B. 8.
S. Cannizzaro und A. Rossi, über die Radikale der
aromatischen Alkohole, des Benzoö- Cumin- und Anisa-
alkohols. — Wenn man überschüssiges Natrium auf den Chlorwas-
serstoffsauren Aether des Benzoöalkohols mitwirken lässt, so wird die
Flüssigkeit breiig und gelblieh, nach der Entfernung der organischen
Substanzen mit Aether bleibt das Natrium mit einer blauen Verbin-
dung überzogen zurück, die sich durch Einwirkung von Feuchtigkeit
entfärbt, nnd man erhält Natrium, Chlornatrium und Natronhydrat.
Verdampft man die ätherische Lösung: so erhält man das Radikal des
Benzoäalkahols im unreinen Zustande in Blättchen krystallisirt. Durch
Umkrystallisiren wird es gereinigt und man erhält dann das reine
Benzyl (C;H,),, das bei 52,0 5 schmilzt und ohne Zersetzung bei
2840 siedet; es ist unlöslich in Wasser, löslich in Alkohol, Aether
und Schwefelkoblenstoff. Das Cuminyl erhält man bei Einwirkung
von Natrium auf den Chlorwasserstoffsäure - Aether des Cuminalko-
hols; es krystallisirt in weissem perlmutterglänzenden Blättern, die
unlöslich in Wasser, aber löslich in Alkohol, Aether und Schweifel-
kohlenstoff sind, es hat die Zusammensetzung (&ıoHıs)a. Ebenso ver-
hält sich auch der Chlorwasserstoffsäure-Aether des Anisalalkohols
gegen Natrium. Die Krystalle der beiden ersten Radikale gehören
340
dem 'monoklinometrisechen Systeme an und sind’ sich ziemlich ähnlich
inihren Formen. (Ann. d. Chem. und Pharw. CXAT, 250) B.S.
S. Cloöz, Wirkung des Broms und Chlors auf Holz-
geist. Die Wirkung des Broms auf reinen Methylalkohol bezeich-
net Verf. durch die Gleichung 2(6H40)+8Br.=&,HBr;9+H,
-+-5HBr, den entstehenden Körper nennt er Parabromalid, da er
dieselbe procentische Zusammensetzung wie das Bromal hat. Die Bil-
dung eines Parachlorids geht analog vor sich. — (Journ. f. pract.
Chem. Bd. 85. p. 356.) A 0. K.
J. Davidson, über die Einwirkung des Bromäthy-
lens auf Pyridin. — Pyridin und Bromäthylen gemischt, färben sich
nach und nach braun und erhitzt man auf'‘100%, so erhält man eine
Krystallmasse, aus der sich durch Behandeln mit Alkohol ein in sei-
denglänzenden Tafeln krystallisirende Bromverbindung erhalten lässt.
Sie ist leicht löslich in Wasser und in siedendem Alkahol und ergab
die Formel €&;H, NBr, die aber zu verdoppeln ist: €)2HısNaBrz:
GH,Brr + 26; H;, N=£)HuN» Bra da das Pyridin: C,H; N ist, so
kann man die Verbindung rational formuliren:
(&"Hs)N
&H & 7 Br . D ch B h dl di V bi d it
(« aHu) (SHN ) a. Durch Behandlung dieser Verbindung mi
Chlorsilber erhielt man die entsprechende Chlorverbindung, deren Lö-
sung mit Platinchlorid einen blassgelben Niederschlag giebt von der
Zusammensetzung: Cj2 Hıs Na Pla As,— (ia N [oorıcı
(&sH;)N
Lässt man auf die Bromverbindung Silberoxyd wirken, so erhält man
die entsprechende Basis. Aethylen der Pyridyldiammoniumhydrat:
„ Lee." 26; H,) Na Ra] (9,— 612 Hıs Nz O2.,
ein sehr wenig beständiges Hydrat. — (Ann. d. Chemie u. Pharm. OBAT,
254), B. 8.
C. Eylerts, chemische Untersuchung der Runkel-
rübe in verschiedenen Wachsthumsperioden, mit beson-
derer Rücksicht auf ihre Verwerthung zur Zuckerfabri-
kation. Pelouze und mit ihm die meisten Autoren nehmen an, dass
in der Runkelrübe sämmtlicher Zucker als Rohrzucker enthalten sei.
Allein schon Braconnot führt einen nicht krystallisirbaren Zucker an.
Nach des Verfassers Untersuchungen kommt in allen Wachsthumspe-
rioden der Rübe in progressivem Grade Traubenzucker neben Rohr-
zucker vor, und zwar in den vom Verf. untersuchten Exemplaren in
der zuckerarmen Rübe verhältnissmässig mehr Traubenzucker, als in
der zuckerreichen der Gehalt an Wasser und fester Substanz scheint
zu variiren, ebenso wie der Gehalt der festen Substanz an Eiweiss,
Zucker und Holzfaser. Den Aschengehalt fand Verf. nicht so stark
variirend wie Hochstetter. Der Gehalt an Rohrzucker, ist wie beim
Traubenzucker bei der vollständigen Reife am grössten. — (Arch. d.
Pharm.: II, Reihe Bd. CIX p. 105.) 0. &.
341
O.L.Erdmann, über die Erkennung von Bluttflecken
in forensischen Fällen. — Das gewöhnliche chemische Verfah- “
ren zur Erkennung von Blut gründet sich bekanntlich auf die Aus-
ziehung der verdächtigen Flecken mit Wasser und die Aufsuchung
von Eiweiss in der Lösung, durch Erhitzen, Kaliumeiseneyanür, Gerb-
säure, Millon’s Quecksilberregens u. s. w. Von noch beschränkterer
Anwendung sind die Methoden, welche auf Nachweisung einzelner im
Blute vorkommender Elemente, wie Stickstoff oder Eisen gegründet
sind. Aber selbst ersteres Verfahren kann bei nicht sehr genauer
mikroskopischer Untersuchung zu gleicher Zeit zu Täuschungen füh-
Eine Alge Porphyridium cruentum Nägeli giebt dem Erdboden, auf
dem sie vorkommt, das Aussehen als wenn er mit Blut getränkt
wäre, sie giebt mit dem Erdboden zusammengetrocknet an Wasser
oder verdünnte Kochsalzlösung rothe Färbung ab; Ihre Zellen zeigen
unter dem Mikroskop eine bedeutende Aehnlichkeit mit den Blutkör-
perchen, und der wässerige Auszug der Alge giebt alle Reactionen
einer verdünnten Eiweisslösung. Von allen bekannten Methoden ist
nur die Brückesche Umwandlung des Hämatin durch Kochsalz und
Essigsäure in Häminkrystalle, im Stande bei Anwesenheit dieser Alge
Abwesenheit des Blutes zu bestätigen. Da, wie H. Rose gezeigt, Ei-
senoxyd und Thonerde mit dem Blutroth eine Verbindung bilden kön-
nen aus der Wasser nichts des letzteren löst, so wäre es möglich,
dass eine mit Blut getränkte Erde kein Resultat nach Anwendung der
Methode von Brücke gäbe, das auf die Anwesenheit von Blut schlies-
sen liesse. Zieht man aber derartige Erde mit Kalilauge aus, und
versetzt die kalische Lösung mit Chlorwasser, so entstehen nach
H. Rose bei Anwesenheit von Blut weisse Flecken. Erdm. hat nun
gefunden, dass diese Flecken der Brückeschen Methode unterworfen
Häminkrystalle, oder wenigstens diesen ähnliche Gebilde liefern, so
dass auch hier ein sicheres Kriterium für die Anwesenheit von Blu
gewonnen wird. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 1.) 0. E.
A.Freund, Beiträge zuı Kenntnissder phenylsch wef-
ligen und der Phenylschwefelsäure. — Die phenylschweflige
Säure wurde erhalten durch Auflösen von reinem Phenylwasserstoff,
erhalten durch Destillation von Benzoösäure mit Kalk, in concentrir-
ter reiner Schwefelsäure. Diese Lösung verdünnt und mit kohlen-
saurem Baryt gesättigt, abfiltrirt eingedampft und gelöst, liess beim
Concentriren phenylschwefligsauren Baryt auskrystallisiren, aus wel-
chem durch doppelte Zersetzung das Kupfer und Silbersalz darge-
stellt und analysirt wurde. Aus dem Kupfersalz kann durch Schwer
felwasserstoff die phenylschweflige Säure abgeschieden werden, welche
in zerfliesslichen feinen Nadeln unter der Glocke der Luftpumpe über
Schwefelsäure krystallisirt. Bei der trockenen Destillation der Säure
geht zuerst Wasser über, dann Phenylwasserstoff und Sulfobenzid.
Verf. überzeugte sich durch vergleichende Versuche dieses Sulfoben-
zids und eines nach der Methode von Mitscherlich dargestellten,
dass der Schmelzpunkt höher liegt als bisher angenommen, nämlich
342 1
bei 1280 C. Ausserdem treten bei der Destillation noch Schwefel-
säure, schwefliche Säure, und etwas phenylschwefelige Säure auf und
Kohle scheidet sich ab. Die Phenylschwefelsäure und ihre Salze
stellte der Verf. aus Phenylalkohol und Schwefelsäure dar; er analy-
sirte das Kupfer-, Kobalt-, Nickel-, Kali- Silber- und Magnesia - Salz.
Das Kupfersalz wurde in drei verschiedenen Krystallformen erhalten,
die im Wassergehalte variirten. Die Säure selbst, aus dem Kupfer-
salze dargestellt, krystallisirt unter der Glocke der Luftpumpe, scheint
sich dabei aber schon etwas zu zersetzen. Bei der trockenen Destil-
lation zerlegt sich die Säure hauptsächlich in Phenylalkohol und
Schwefelsäure nebenbei treten schweflige Säure und Kohle auf. —
(Journ. f. pract. Chem. Bd. 85, p. 486.) 0. &.
H. Hlasiwetz, über einige Xanthinsäureverbindun-
gen. — Hlasiwetz stellte verschiedene Salze der Xanthinsäure dar,
indem er xanthinsaure Alkalien mit den Chloriden der betreffenden
Metalle in Schwefelkohlenstoff zusammenbrachte und denselben ver-
dunsten lies; am besten nimmt man Natriumalkoholat, mischt dies mit
überschüssigem Schwefelkohlenstoff und setzt dann die Chloride hin-
zu ; das entstandene Chlornatrium wird abfiltrirt und aus dem Filtrate
durch Verdunsten das betreffende Salz erhalten. Es ‘wurden in die-
ser Weise folgende Verbindungen dargestellt: xanthinsaures Arsen:
As ( cö 2 Na lt 8iEß
At 3 Nac.n, - 3 Fasscan96
xanthinsaures Antimon, xanthinsaures Wismuth, beide entsprechend
dem vorigen zusammengesetzt, xanthinsaures Zinn cö 8, xanthin-
Sn 5 H;
saures Quecksilber cd ) S.. xanthinsaures Eisen, in sehr schö-
Hg C,H,
‘1
nen und grossen, Krystallen ns €,H,@® xanthinsaures Chrom
309 S$6 xanthinsaures Kobalt €9 Is, xanthinsaures Nik-
Cra. 3 (£a H3;)\ = Co. Ca H,)
kel c8 Is.. Lässt man Jodstickstoff auf Xanthinsäure einwir-
N1. (&H5))
ken, so erhält man nicht 3C0 S6, sondern unter Ammoniak-
N.3 (€, H;)
entwicklung das bisulfokohlensaure Aethylpersulfuret: &5 Hj002%8:.
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CRAXL, 87). BNS:
H. Kolbe, über die chemische Constitution des
Asparagins und der Asparaginsäure. — Man betrachtet ge-
wöhnlich das Asparagin als Diamid der Apfelsäure und die Asparagin-
säure als Aminsäure, da beide durch salpetrige Säure in Apfelsäure
übergeführt werden. Diese Ansicht hat Manches gegen sich. So ist
das Malamid, das Diamid der Apfelsäure, aus Ammoniak und Apfel-
säureäther erhalten, nur isomer mit dem Asparagin: ausserdem wei
343
chen sie auch von mit ihnen verglichenen Verbindungen, dem Oxamid
und der Oxaminsäure wesentlich ab; letztere wird durch Kocher mit
Kalilauge wie alle Aminsäuren in Ammoniak und die betreffende
Säure zerlegt, bei der Asparaginsäure ‘ist dies aber nicht der Fall,
sondern sie hält immer Stickstoff zurück, wie auch das Asparagin,
so dass das eine Stickstoffatom in einer innigern Verbindung als das
andere sein muss. . Nach allen Reaktionen nun gehört die Asparagin-
säure zn den Amidosäuren und leitet sich von der Bernsteinsäure ab,
indem sie ein Atom Amid an der Stelle eines Wasserstoffatoms des
Radikals der Bernsteinsäure enthält; sie wäre also Amidobernstein-
saure und das Asparagin die Aminsäure der oh
Amidosuccinaminsäuren :
2HO (C,H,) ern O2 Os Bernsteinsäure.
HO(C,H3,) ee H; NO Suceinaminsäure.
2HO ah &0. O,Asparaginsäure
HO Cu xLo fon 0:] Ha NO Asparagin
Die Asparaginsäure zerfällt nicht ähnlich dem correspondirenden Ala-
nin beim Erhitzen in Kohlensäure und Aethylamin; sie zerlegt sich
erst bei hoher Temperatur unter Bildung von Cyanammonium und
Blausäure; sie ist eine schwache zweibasische Säure, das Asparagin
eine einbasische. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAI, 232) DB. S.
Th. Korovaef, der Kischtim-Parisit, ein neues Mi-
neral. Das Mineral wurde in den Goldwäschen am. Elusse Bor-
sowska der Kischtimskischen Werke am Ural gefunden, und besteht
nach der qualitativen Analyse aus Wasser, Fluor, Kohlensäure, Cer-
oxyd Lanthanoxyd und Didymmoxyd. Der Verf. berechnet nach der
qualitativen Analyse drei Formeln
6La0,C03-+(Ce3s03-+ Cez Fl; +2HO) oder
6La0,C0,-H2 (Ce, O4-+HO) oder
3La0,C0,-+ Ce; (Fe, O0); +HO. Den Hauptunterschied von
dem Parifit ersieht man am besten aus der Vergleichung mit der von
Bunsen für letzteren aufgestellten Formel
LaO,
CaFl+3 Ce0) CO,-+HHO.—
DiO
(Journ. f. pract. Chem. Bd. 85. p. 442). 0. &.
A. Kromayer, Ueber das Syringin.— In der Rinde, nicht
in den Blättern von Syringa vulgaris fand Verf das Syringin, einen
krystallinischen Bitterstoff. Unter dem Einfluss verdünnter Salzsäure
zerlegt es sich in einen neuen Körper von neutralen Eigenschaften
Syringamin und in gährungsfähigen Zucker. Neben Syringin kommt
in allen Theilen der Syringa vulgaris ein bitter schmeckender Kör-
per vor, welchen der Verf, Syringopikrin genannt hat und der viel-
344
leicht nur ein Oxydationsproduct ist, während der Mannit mit dessen
Auftreten das Syringin in der Pflanze verschwindet durch einen Re-
duetionsprocess aus dem in den Syringin enthaltenen Kohlenhydrat
entstanden sein kann. — Arch.d. Pharm. zu R. Bd. CIXp. 18. 0.K.
A. Kromayer, über das Enzianbitter. — Bei den bishe-
rigen Untersuchungen des Bitterstoffes der Enzianwurzel ist entweder
ein nicht bitterer krystallisirbarer Körper, die Enziansäure, erhalten
worden, oder nur ein nicht krystallisirbarer bitterer Körper. Verf.
schreibt das theilweise Misslingen der bisherigen Arbeiten darüber
dem Umstande zu, dass nur aus der frischen Wurzel das Enzianbitter
sich mit Leichtigkeit darstellen lässt; in der getrockneten dagegen
zum Theil oder ganz verändert zu sein scheint. Seine Eigenschaft
von gekörnter Knochenkohle fast vollständig feiner Lösung entzogen
zu werden, lässt sich am besten zu seiner Reindarstellung verwenden.
Der mit Wasser gewaschenen Knochenkohle wird es durch kochen-
den Weingeist entzogen. Der Bitterstoff, vom Verf. Gentiopikrin ge-
nannt krystallisirt in farblosen Nadeln, schmeckt stark und rein bit-
ter, lösst sich sehr leicht in Wasser und reagirt neutral. Die Ana-
lyse ergab die Formel €,,H30 912 zu der wahrscheinlich noch zwei
Atome Krystallwasser gehören, welches aber beim Liegen des Kör-
pers an der Luft zum Theil verloren geht. Durch verdünnte Säuren
wird das Gentinpikrin in gährungfähigen Zucker und einen neuen
Körper Gentiogenin zerlegt; Verf. drückt diese Schaltung durch die
Formel
£»oHa0&ız —= Ci Hıs&5 + HH $ + 6 Hı2 95 aus.
Gentiopikrin Gentiogenin Gurke.
Arch. d. Pharm. I Reihe Bd. CX p. 27. 0. &.
J. Löwenthal und E. Lenssen, chemische Untersu-
chungen. — Dem Ziele nachstrebend, vielleicht die Affinitätsgrössen
der Körper in Zahlen ausdrücken zu können, stellten Verff. eine Reihe
von Versuchen an, aus denen sich gewisse Gesetzmässigkeiten der
Affinitätserscheinungen folgern. Sie bedienten sich dazu der Methode
Säuren und Salze auf Zucker einwirken zu lassen und die Quantität
des veränderten Zuckers für die jedesmaligen Umstände zu ermitteln.
Vorher überzeugten sie sich natürlich so wohl, dass Parallelversuche
dieselben Resultate ergaben; als auch davon, wie weit die Quantitä-
ten Zeit und Temperatur von Einwirkung und in Rechnung zu zie-
hen sei. Indem wir hinsichtlich der grossen Reihe von Versuchen
auf die Originalarbeit verweisen müssen, geben wir nur die Schlüsse
zu denen dieselben zu berechtigen scheinen. 1. Die Säuren haben Ver-
wandschaft zum Wasser. 2. Die Löslichkeit der Neutralsalze einba-
sischer Säuren ist eine Verwandischaftsäusserung, welche sogar andere
Verwandtschaftsäusserungen beeinträchtigen kann. 3. Das Wasser zer-
setzt viele Salze einbasischer Säuren, gerade als ob es eine Base wäre.
4. Die Salze mehrbasischer Säuren haben eine Verwandschaft zu je-
dem Aequivalent einer hinzutretenden mehrbasischen Säure, und üben
hiebei eine eigene Massenwirkung aus. 5. Die mehrsäurigen Basen
345
verlieren ihren basischen Charakter um so mehr, je mehr Sauerstoff-
aequivalente sie enthalten. — (Journ. f. pract. Chem. bad. 85 p. 321 u.
401.) 0. K.
E. Lenssen, eine Diffusionserscheinung. — In 2. der
Schlüsse voriger Arbeit ist enthalten, dass die Salze einbasischer
Säuren eine Verwandschaft zum Wasser ausüben, welche z. B. die
Verwandtschaft einer mitanwesenden Säure zum Wasser beeinträch-
tigen, dieselbe also concentrirter machen kann. Ist diese Ansicht
richtig, so wird z. B. Salzsäure in Wasser schneller diffundiren bei
Anwesenheit von Kochsalz, als ohne dasselbe. Kochsalzlösung da-
.gegen langsamer bei Anwesenheit von Salzsäure als in reinem Was-
ser. Der Versuch bestätigte die Annahme und somit mittelbar die
Resultate der vorhergehenden Arbeit. — (Journ. f. pract. Chem. Bd.
85. p. 416). 0. K.
J.v. Liebig, DarstellungvonJodlithium, Jodcalcium,
Jodkalium, Jodnatrium. — Uebergiesst man zerriebenen rothen
Phosphor mit warmem Wasser, setzt Jod hinzu und reibt das ganze
durcheinander, so erhält man eine dunkelbraune Flüssigkeit, die beim
Erwärmen schnell ihre Farbe verliert; dann wird sie mit Baryt bis zu
schwach alkalischer Reaktion gesättigt, hierauf filtrirt man vom phos-
phorsauren Baryt al und erhält aus dem Filtrat durch Eindampfen
Jodbaryum. Sättigt man statt mit Baryt mit Kalkmilch, so erhält
man Jodcaleium. Durch Fällung der Lösung von Jodbaryum oder
Jodcalecium mit kohlensaurem Lithion erhält man Jodlithium; man er-
hält dasselbe auch, indem man eine Mischung von Phosphorsäure und
Jodwasserstoffsäure direkt mit kohlensaurem Lithion sättigt. In ent-
sprechender Weise erhält man durch Fällen mit kohlensaurem Kali
oder Natron Jodkalium und Jodnatrium. (Ann. d. Chem. und Pharm.
CAAI, 222.) 3.8.
A. v. Lourenco, über die Polyäthylenalkohole. —
Verf. hat früher gezeigt, dass beim Erhitzen von Glykol mit Brom-
äthylen auf 110 bis 1200, Diäthylenalkahol, Bromwasserstoff- Glykol
und Wasser entsteht. Dnrch höheres Erhitzen und Verminderung
des Luftdruckes gelang es Verf. noch die Tri- Tetra- Pent- und Hex-
äthylenalkohole darzustellen. Die bekannten Reactionen nach denen
Polyäthylenalkohole entstehen sind demnach, 1. Wirkung von Brom-
äthylen auf Glykol, 2. Wirkung des Aethylenoxydes auf Glykol 3. Wir-
kung von Säuren auf Glykol im Ueberschuss und Verseifung des Po-
lyäthylenacetats. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 89.) 0. K.
H. Ludwig, Mittheilungen aus dem Laboratorium
des chemisch-pharmaceutischen Institutes. — 1.Prüfung
der rohen Potasche auf Jodgehalt von W. Lange. rohe illy-
rische Potasche wurde ungefähr mit dem doppelten Gewichte Wasser
ausgelaugt, die Lauge eingeengt und von den Krystallen getrennt,
dann mit Alkohol behandelt, welcher nach dem Verdunsten einen ge-
ringen Salzrückstand hinterliess, welcher mit Stärke, salpetrigsaurem
Kali und verdünnter Salpetersäure eine intensiv blaue Färbung her-
XXL 1863, 23
346
vorrief. Die Krystalle des kohlensauren Kalis waren jodfrei. 2. Ana-
lyse des Kieselguhrs von Hermannsburg im Hannö-
verschen v. H. Ziegler. 10,40 p. C. Wasser; 84,15 Kieselsäure,
1,40 Thonerde, 0,70 Eisenoxyd Manganoxydul Spuren 1,75 kohlens.
Kalk, 1,10 kohlensaure Talkerde, 0,25 Kali. Die Kieselsäure ist bis
auf eine nicht bedeutende Verunreinigung durch Sand in Kalilauge
auflöslich. 3. Kupfer- und Bleigehalt des Dolomits vom
Hausberge bei Jena konnte in eingesprengten Pünktchen mit schwar-
zem Kerne nachgewiesen werden. 4. Chlorgehalt verschiedener
Mineralien. W. Lange. Untersucht wurden 1. Porphyr vom Thü-
ringer Walde 2. Glasiger Feldspath vom Trachyt des Siebengebirges-
3. Feldspath aus Granit. 4. Kaliglimmer aus dem Erzgebirge. 5. Mag-
nesiaglimmer aus dem Zillerthale. 6. Basaltische Hornblende. Sie ent-
hielten alle ausser Nr. 5 wenigstens qualitativ nachweisbare Mengen von
Chlor.—5.Unguentumhydrargyricinereumchemiceparatum.
Nachdem Verf. die grosse Masse Vorschriften zur Bereitung der Quecksil-
bersalbe durchgegangen schlägter vor, aus einer verdünnten Lösung von
salpetersaurem Quecksilberoxydul mittelst Einleiten von schwefliger
Säure das Quecksilber zu reduciren. Nach dem Absetzen lassen,
Decantiren und mehrmaligen Abspülen mit Wasser ist das Queck-
silber noch so fein zertheilt, dass es in kleinen @ortionen zu dem in
einer Reibschale befindlichen Fette gemengt, sich mit grosser Leich-
tigkeit extinguiren lässt. 6. Goldhaltige Schwefelkiese, von
fünf Sorten dem Verf. aus Californien zugekommenen krystallisirten
enthielten drei Gold und Spuren von Chlorsilber, zwei nichts davon.
Ein Theil des Goldes lässt sich schon durch Schlämmen gewinnen.
Einzelne silberweisse den schon verwitternden Schwefelkies beglei-
tende Körner waren ein Amalgam von Gold, Silber und Quecksilber.
Ausserdem enthielten die Kiese Spuren von Arsen. Die ausgebilde-
ten Krystalle entsprachen der Formel FeS,. Die Untersuchung eines
sibirischen Schwefelkieses ergab neben einem Goldgehalt kein Arsen
aber Spuren von Kupfer und Blei. In allen untersten Sorten goldfüh-
render Kiese findet sich aber das Gold sehr ungleichmässig vertheilt.
Die Analyse eines californischen Platinerzes ergab fast die-
selbe Zusammensetzung wie das von Deville und Debray analysirte
Oregonmineral, unterschied sich aber durch einen Gehalt an Queck-
silber. 7. Qualitative Nachweisung des Jodsin der Vero-
nica Beccabunga gelang in der Asche von einem Pfunde,des blü-
henden am fliessenden Wasser gesammelten Krautes. — (Arch. d.
Pharm. II. Reihe Ba. CX p. 1 u. 97.) 0. &.
Ed. Menetries, über die bei der Einwirkung von
Bromäthylen auf Strychnin entstehenden Verbindungen.
— Strychnin und Bromäthylen in einer Glasröhre eingeschmolzen und
eine Viertelstunde lang im Wasserbade auf 1009 erhitzt, vereinigen
sich zu gleichen Molekülen, wie Bromäthylen und Trimethylamin nach
Hofmann. Die Verbindung krystallisirt aus Wasser in seidenglänzen-
den Blättchen. Analog der von Hofmann dargestellten Verbindung
347
1 £ı Ha 93)
Cs H,Br
giebt Verf. ihr die Forme der mit der die Analyse über-
einstimmt, Verf. nennt die Verbindung Strychnin- Bromäthylbromür.
Mit salpetersaurem Silberoxyd behandelt bildet die Hälfte des Broms
Bromsilber und man erhält im Filtrat ein neues Salz: salpetersaures
Strychninbromäthyl. Analog lässt sich das schwefelsaure Strychnin-
bromäthyl darstellen. Fällt man in letzterem Salze die Schwefelsäure
mit Barytwasser, den überschüssigen Baryt kochend mit Kohlensäure,
so resultirt eine alkalisch reagirende Flüssigkeit, welche eine Ammo-
niumbase ist, das Strychninbromäthylammoniumoxydhydrat, denn mit
Salzsäure versetzt liefert sie ein krystallinisches Salz, welches mit
Platinchlorid ein Doppelsalz bildet, dessen Formel
ana GIHPtEIs) Die rationelle Kormel) der Bäsis wäre Aemmach
La H,Br B
&2 Hz N2 93
£,H,Br)0 die Basis selbst konnte der Verf, nicht in krystalli-
H
sirtem Zustande erhalten. Dem primitiven Strychninbromäthylbromür
können beide Atome Brom durch Digeriren. mit frischgefälltem Sil-
beroxyd entzogen werden. Die Flüssigkeit färbt sich dabei plötzlich
weinroth, und reagirt dann stark alkalisch unter Umsetzung, wie Verf
annimmt, des Radikals Aethylin Vinyl. Der neu entstandenen Basis:
Strychninvinylammoniumoxydhydrat entspricht die Formel
£aı Haı Na 9%
eu @. Die Basis ist krystallisirbar. Verf. beschreibt einige
Reactionen derselben und die Darstellung einiger Salze. Durch Ein-
wirkung der Salpetersäure auf die beiden zusammengesetzten Basen
gelang es Verf. Verbindungen zu erhalten, welche denen analog sind,
welche durch Einwirkung von Salpetersäure auf Strychnin erhalten
werden. Auch stellte Verf. ein Trichlorstrychninvinyl dar, analog
dem von Pelletino erhaltenen Chlorsubstitutionsproducte des Strych-
nins, — (Journ. f. pract, Chem. Bd. 85 ». 230.) 0. K.
R. Müller, Beitrag zur Kenntniss der Untersalpe-
tersäure. — Die Reactionen der Untersalpetersäure mit Schwefel-
säure ebenso wie Gay-Lussac’s NOCI veranlassten schon früher die
Annahme eines Radikals NO, um diese Ansicht zu stützen wurden
von Müller Versuche angestellt. Die aus salpetersaurem Blei dar-
gestellte Untersalpetersäure wurde in einer Uförmigen Röhre, die in
einer Kältemischung stand, mit Salzsäuregas behandelt, bis kein Gas
mehr absorbirt wurde. Die erhaltene rothe Flüssigkeit siedet schon bei
— 100, indem hier Chlor entweicht, bei — 50 verschwand der Chlorgeruch,
nun wurde das bis-+b0 übergehende, dann das bis -- 120 und die über
609 restirende Flüssigkeit gesammelt, welche letztere sich als Salpe-
tersäure erwies.‘ Die zwischen — T0und + 5° und -+ 50und 120 überge-
gangenen Flüssigkeiten zeigten bei der Analyse nicht den Chlorgehalt,
23°
348
den eine Chlorverbindung von N®, oder N$ hätte haben müssen; nach
abermaligem Destilliren der Flüssigkeiten zeigte die bei — 50 über-
gehende ungefähr die Zusammensetzung NO CI und die bei +5°N0z0l.
Das specifische Gewicht der letztern Substanz ergab sich als 1,32, die
Dampfdichte = 2,52. Im optischen Verhalten zeigen die beiden Flüs-
sigkeiten durchaus keinen Unterschied. Mit Wasser zersetzt sich die
Verbindung sogleich: i
N
N9,01+H,0— 0+H Cl.
die Reaction der Untersalpetersäure mit Salzsäure ist daher folgende:
4N + 3HCI—2NEC1-+ No,Cı +" 5% 94H;2.
Lässt man Untersalpetersäure auf Phosphorsuperchlorid in einer U-
förmigen Röhre einwirken, so entwickelt sich Chlor und in der Vor-
lage sammelt sich eine rothe Flüssigkeit; nach der Entfernung des
Chlors lag der Siedepunkt derselben ungefähr bei— 5° und sie zeigte
bei der Analyse die Formel N@Cl. Die in der Röhre zurückgeblie-
bene Flüssigkeit wurde destillirt; bei 200—300 ging Untersalpeter-
säure, über 1100 Phosphoroxychlorid über; die Reaktion war also:
N, +PC,—=N$Cl-+Cl-+-PC1 0.
Dass hier uur eine Chlorverbindung gebildet wurde, rührt vielleicht
daher, dass hier dampfförmige Untersalpetersäure und bei dem ersten
Versuche flüssige angewandt wurde, da in der dampfförmigen die
Moleküle anders geordnet; es wurde nämlich durch Versuche gefun-
den, dass die Formel der flüssigen Untersalpetersäure die doppelte
von der gasförmigen sein müsste und man könnte bequem für sie die
Formel aufstellen N @&. Auf feinzertheilte Metalle kann man die
Untersalpetersäure leicht einwirken lassen, indem man beide bei —
10° mengt: es entsteht unter Entbindung von Stickoxyd salpetersau-
Mit Metalloxyden liefert die But a ir a salpetersaure Salze
und salpetrige Säure, so verläuft z. B. die Reaktion mit Bleioxyd nach
der Gleichung: 2NoY® +-Pb,9=2 N n 8-+-N, 8;
Die schon früher von Weltzien ee Reaktion der Untersal-
petersäure auf Schwefelsäure wurde wiederholt und für die erhaltene
Verbindung die Formel gefunden: SO,HO-+-SO;NO, oder typisch
unter Verdoppelung des Moleküls:
Eh
nn NO: also war die Reaktion:
n
Ha
H.H Nat Hl „No.No%
in NE HI 80 | a
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXÄI, 1. B. 8.
349
Th. Peckoldt, über den Bitterstoff der Samen von
Feuillea cordifolia Voll. — Die Schlingpflanze, deren Samen
in der Pharmacie Anwendung finden gehört zur Familie der Nhandiro-
been. Bei Untersuchung der Samen derselben fand Verf. hauptsäch-
lich ein fettes Oel, einen Bitterstoff, (den er vorläufig Feuillin nennt,
und dessen Reactionen er beschreibt, kleine, aus farblosen unregel-
mässigen Täfelchen bestehende Krystalle) krystallinische Fettsäuren,
Harze, Gummiartige Substanz, eisengrünenden Gerbstoff und Glückose.
Auch von den anderen Substanzen werden einige Reactionen erwähnt.
— (Arch. d. Pharm. II Reihe Bd. CIX p. 219). 0. K.
M. Pettenkofer, Darstellung von Jodkalium mit-
telst schwefelsauren Kalis. — Gewöhnlicher Phosphor wird
mit heissem Wasser übergossen, darauf Jod eingetragen und das
ganze zusammengerieben; die klare Flüssigkeit wird mit Kalkmilch
bis zur alkalischen Reaktion versetzt. Das Filtrat vom phosphor-
sauren und phosphorigsauren Kalk, Jodcaleium enthaltend, wird mit
schwefelsaurem Kali versetzt; man filtrirt dann vom schwefelsauren
Kalke ab und reinigt das Jodkalium vom überschüssigen Kalke durch
Zusatz von schwefelsaurem Kali. Man erhält dann beim Abdampfen
des Filtrats reines Jodkalium. (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXATI, 215).
B.S.
A. Petzold, zur Naturgeschichte der Torfmoore.
Verf. theilt eine Reihe Aschenanalysen von Torf mit, theils aus dem
Moore von Aromdus, dem schon die frühere Arbeit (siehe dies Journ.)
gewidmet war, theils aus einem Grünlandsmoor aus der nächsten
Nähe von Dorpat, mit, um womöglich aus den Analysen nachzuweisen,
welcher Art die Pflanzen waren, welche zur Bildung des Torfmoores
dienten, und ob die Pflanzen zu allen Zeiten der Bildung des Lagers
dieselben waren. Zu endgültigen Resultaten ist der Verf. daraus noch
nicht gekommen. — (Arch. u. Pharm. Il. Reihe Bd. CIXp.227) O.K.
A. Riche, über Phensäure und Benzin. Verf. stellte
Phenylchlorür, welches er einfach Chlorbenzin nennt, durch Destilla-
tion von Phosphorchlorid mit Phensäure dar. Das einfache Chlorben-
zin wird von concentrirter Salpetersäure in einen krystallisirbaren
Körper verwandelt, der Benzin ist, in welchem zwei Aequivalente Was-
serstoff, das eine durch Chlor das andere durch NO% ersetzt sind,
Durch Ammonium - Sulfhydrat entsteht hieraus eine feste Basis vom
Geruche des Anilins, die sich durch ihre Reactionen als Chloranilin
erkennen lässt. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 374). O.K.
H. Ritthausen, über die Bestandtheile des Weizen-
klebers. In dem Weizenkleber wurden drei proteinartige Substanzen
unterschieden. Pflanzenfibrin, Pflanzenleim (Glutin) und eine dem
Casein sehr ähnliche Substanz, welche auch von Dumas und Cahours
sowie von v. Bibra Casein genannt ist, und wahrscheinlich identisch mit
dem von de Saussure und Berzelius untersuchten Muein ist. Die Ar-
beit des Verf. beschäftigt sich hauptsächlich mit der Reindarstellung
des Casein und des Glutin. Die Bestimmung des Schwefelgehaltes
350
geschah nach der Rühling-Liebigschen Methode, schmelzen mit Aetz-
kali und Salpeter, und ergab für das Casein einen viel höhern
Schwefelgehalt als der von v. Bibre und Mulder gefundene, so dass
sich danach das Casein und der Pflanzenleim im Schwefelgehalt nicht
von einander unterscheiden, das vom Verf. möglichst rein dargestellte
Pflanzencasein zeigt aber abgesehen vom Procentgehalte, doch so
wesentliche Abweichungen von dem gewöhnlichen Casein, dass er
dafür den Namen Para-Casein vorschlägt, wenn man den ältern Mu-
cin nicht bestehen lassen will. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p.
193.) 0. &.
R.Günsberg, über die in Wasser löslichen Bestand-
theile des Weizenklebers.— Es findet sich nach Verf. bis jetzt
nicht angegeben, dass der Kleber auch in Wasser lösliche Bestand-
theile enthalte. (Ritthausen sagt in der nebenbei referirten Abhand-
lung dass sich der Pflanzenleim etwas in kochendem Wasser löse,
was er bis jetzt auch noch nicht angegeben finde.) Es gelang ihm
aber durch Kochen von 25 Pfund Kleber während einiger Stunden
mit Wasser in demselben zwei Körper aufgelöst zu erhalten, einen
beim Erkalten sich abscheidenden leimartigen, und einen auch in kal-
ten Wasser löslichen Körper. Bei der Behandlung des Klebers mit
Weingeist werden diese beiden Körper ebenfalls erhalten, der in ko-
chendem Wasser lösliche Körper ist nichts anders als der Leim des
Klebers; den in kaltem Wasser löslichen Körper wird Verf. erst der
Untersuchung unterwerfen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 213.)
0. K.
Fr. Rochleder, über Saponin und Cainein und deren
Spaltungsproducte. — Nachdem Bolley in einer Zusammenstel-
lung der Untersuchungen über das Saponin die Differenz der erhal-
tenen Resultate wohl constatirt, aber ihren Grund nicht aufzufinden
vermocht, unternahm der Verf, eine erneute Untersuchung, aus der
hervorgeht, dass das nach der bisherigen Darstellungsweise erhaltene
Saponin nicht rein ist, sondern von weniger Kohlenstoff haltenden
Körpern begleitet war, von denen es, durch seine Eigenschaften mit
Baryt eine unlösliche Verbindung zu bilden, ebenso mit Kali in wein-
geistiger Lösung, befreit werden kann. Andererseits findet R. dass die
Spaltung in Sapogenin und Zucker nur schwer vollständig zu erreichen
ist, und dass daher die bisherigen Untersuchungen ein Sapogenin, das
mehr oder weniger Zucker enthielt, betrafen. Da der abgeschiedene
Zucker nicht Traubenzucker ist, so rechnet Verf. das Saponin auch
nicht zu den Glykosiden, sondern Glycose-geniden. Die Zusammen-
setzung und vollständige Zersetzung des Saponin veranaektaulighg
Verf. demnach durch die Formel
&ss Hıos 9 +4 H2 9 —= 23H 04 +6 (€ Hı296)
Ein analoges Verhalten zeigt auch das Caincin, welches bei seiner
Spaltung durch Säuren ebenfalls das letzte Aequivalent des Kohlehy-
drates sehr fest gebunden behält. Eine Untersuchung liess dann auch
351
das Sapogenin und Caincetin als homologe Körper einerReihe C,H2n— 4
84 erscheinen. — (Journ. f. praet. Chem. Bd. 85 p. 275). O.K.
Salm-Horstmar, über die Nothwendigkeit des Li-
thions und des Fluorkaliums zur Fruchtbildung der
Gerste. Aus den Versuchen des Verf. geht hervor, dass in künst-
lichen Bodenmischungen bei Abwesenheit von Lithion und Fluorkalium
die Gerstenkörner zwar wachsen, aber keine Frucht tragen zu können
scheinen; dass-aber auch bei Anwesenheit derselben Baryt, Blei oder
Kupfer zur Fruchtbildung nothwendig ist — (Journ. f. pract. Chem,
Bd. 85 p. 140). 0. &.
G. A. Schmidt, über die Reductionsproducte des
Nitroazoxybenzids. — Bei der Reduction des Nitroazoxybenzids
durch Schwefelammonium hat Zinin eine noch nicht näher untersuchte
Base gefunden. Verf. fand, dass bei diesem Process zwei Basen ent-
stehen, die sich durch ihre Löslichkeit in Wasser unterscheiden. Da
er vorerst nur die in Wasser löslichern der Untersuchung unterwor-
fen, so behält er sich die Erklärung des Processes, welcher bei Ein-
wirkung des kochenden, alkoholischen Schwefelammonium auf Nitroaz-
oxybenzid stattfindet, noch vor. Er beschreibt die Darstellung und
Eigenschaften der neuen Base und giebt ihre procentischen Zusam-
mensetzung an. Das schwefelsaure, oxalsaure, salzsaure Salz und die
Chlorplatinverbindung der Base wurden ebenfalls dargestellt und der
Analyse unterworfen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85,9. 35). 0.K.
W. Seekamp, über die Zersetzung der Oxalsäure
durch Sonnenlicht. — Schon Döbereiner bemerkte, dass oxal-
saures Eisenoxyd im Sonnenlichte in oxalsaures Eisenoxydul und Koh-
lensäure zerfiele: Fe&033 C30;—2(Fe 0,0, 0;) + 2CO,. und Platin-
ehlorid, Goldchlorid und Iridiumsalmiak durch Oxalsäure im Lichte
reduceirt würden. Später wurde noch von Niepce und Corvisart be-
merkt, dass salpetersaures Uranoxyd die Zersetzung der Oxalsäure
bedeutend begünstige. In letzterer Richtung wurden von Seekamp
die Versuche wiederholt. Wird eine Lösung von Oxalsäure mit sal-
petersaurem Uranoxyd im Dunkeln aufbewahrt, so ist keine Zersetzung
bemerkbar, beim auffallenden Sonnenlichte aber entwickeln sich so-
gleich Gasblasen mit grosser Heftigkeit; die Flüssigkeit scheidet nach
und nach ein grünes krystallinisches Pulver ab, wird farblos, reagirt
sauer und enthält keine Oxalsäure mehr, Das entweichende Gas wurde
aufgefangen und als ein Gemenge von Kohlensäure mit Kohlenoxyd
erkannt; der krystallinische Niederschlag war oxalsaures Uranoxydul
und die sauer reagirende Flüssigkeit enthielt Salpetersäure und eine
organische Säure. Bei einem zweiten Versuche, wo der Oxalsäure-
lösung oxalsaures Uranoxyd zugesetzt wurde, verliefen die Reaktionen
in derselben Weise und die organische Säure gab sich hier leicht als
Ameisensäure zu erkennen, so dass die Zersetzung dargestellt wer-
den kann: E% 9%a—=609+69-+H,0 und ein Theil Wasser hatte
sich dann mit Koblenoxyd im status nascens verbunden und Amei-
352
BIER AD
sensäure gegeben: €9-+- | —m 10
H c0
Uranoxyduls lässt sich durch die Gleichung darstellen:
Die Bildung des oxalsauren
9 fe
a \o+240— 30 0,4200, 0.
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAIJ, 113.) B. S.
R. Wildenstein, chemische Untersuchung der heis-
sesten Mineralquelle zu Burtscheid. — Aus der Verglei-
chung mit den früheren Analysen von Monheim und Lersch scheint
die Quelle sich in ihrer Zusammensetzung nicht zu ändern. Das
Wasser scheint verhältnissmässig viel Cäsium und Rubidium zu ent-
halten. Hinsichtlich der übrigen Resultate der Analyse verweisen
wir auf die Abhandlungen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 85 p. 100.)
0. K.
A. Wurtz, über die Oxäthylenbasen. — Wenn man Am-
moniak auf Aethylenoxyd wirken lässt, das Produkt eindampft und
mit Salzsäure neutralisirt, so erhält man ein Gemenge salzsaurer
Salze, die mit wasserfreiem Alkohol von einander getrennt werden
können; nur das salzsaure Trioxäthylenamin [(€2H4®); NH;] HCl ist in
Alkohol unlöslich und bleibt zurück. Aus der alkoholischen Lösung
wurde mit Platinchlorid ein Doppelsalz gefällt: [(&3 H,$). NH;] HCl
PtCl, und durch Zusatz von Aether bewirkt man eine vollständigere
Ausscheidung- Wenn man den Aether nach und nach hinzu setzt, so
vermindert sich der Niederschlag und man erhält goldgelbe Blättchen
der Monoxyäthylenbase [(C. Hs) NH;]HCIPtCl.. Man erhält auch
das salzsaure Salz dieser Base, wenn man die alkoholische Lösung
eindampft und die syrupdicke Masse stehen lässt; es scheiden sich
dann hierin Krystallblättchen von derselben aus. Wenn man wässe-
riges Ammoniak auf einfach salzsauren Glycoläther wirken lässt, so
entsteht salzsaures Monoxäthylenamin und salzsaures Dioxäthylenamin:
&.H, Cl + NH: =[(&H,$)NH3;] HCl.
2 63H; Cl&-+2 NH; = [(€&2 H, 9) NH;] HC1 + NH,Cl.
Wird Trioxäthylenamin mit einfach salzsaurem Glycoläther in zu-
geschmolzenen Röhren erhitzt, so entsteht eine syrupartige Flüssig-
keit und Krystalle, welche salzsaures Trioxäthylenamin sind; die
Flüssigkeit ist salzsaures Tetroxäthylenamin (C.H,0), NH3, HCl. Das
durch Zusammentreten des Trioxäthylenamins und des salpetersauren
Glycoläthers entstanden ist. Es lassen sich die salzsauren Salze jener
Basen passend schreiben:
a nal Ge, Oicleir
oder, indem man die Typen Wasser ni ana zu Grunde legt:
(&HN” “ (9.0, '0 eig:
H;)N HB; \N
BIN BN
Aethylenoxyd vereinigt sich direkt mit wasrerfreiem Trioxäthylen-
353
amin und zwar können 1, 2, 3 oder 4 Moleküle Aethylenoxyd hin-
zutreten; die Platindoppelsalze dieser Verbindungen krystallisiren
nicht mehr, es wurden so Salze erhalten , die fast genau der Zusam-
mensetzung entsprachen:
[(&a Has DO); N B>] HCIPt Cl, und
I(&H,9); NH;] HCIPtC],.
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXAT, 236.) B. 8.
N. Zinin,über dasHydrobenzoin,ein Product derEin-
wirkung des Wasserstoffs auf das Bittermandelöl. —
Blausäure — freies Bittermandelöl wird in Alkohol gelöst, mit Salz-
säure gesättigter Alkohol und dann Zink hinzugesetzt. Bei den vom
Verf. angegebenen Verhältnissen ist hiebei keine Wasserstoffentwick-
lung zu bemerken. Durch Wasser wird nach Beendigung der Reak-
tion ein fester krystallinischer Körper abgeschieden, der aus Alko-
hol umkrystallisirt werden kann. Er schmilzt bei + 130° C und sie-
det über 300° C mit beginnender Zersetzung. Die Entstehungsweise
des Körper erklärt die Gleichung 26€, H@+2H—=€,H,9 in-
dem sich zwei Moleküle Bittermandelöl mit zwei Molekülen Wasser-
stoff vereinigen. Das Hydrobenzoin erleidet weder durch wässerige
noch durch alkoholische Kalilösung eine Verminderung. — (Journ. f.
pract. Chem. Bd. 85. p. 419). 0. &.
b. Praktische. Calvert und Johnson, die Wirkung der
Schwefelsäure auf Blei — ist nach diesen Forschern viel stär-
ker, wenn das Blei chemisch rein ist, als wenn es, wie das gewöhn-
lich im Handel käufliche 1 pC. (zu je “3 pC. aus Zinn, Eisen, Kupfer
bestehend) Verunreinigungen enthält. Es scheint demnach viel vor-
theilhafter für die Bereitung der Bleikammern in Schwefelsäurefabri-
ken zu sein, wenn eine an fremden Metalle noch reichere Bleilegirung
verwandt wird, als reines oder käufliches Blei. Die Untersuchungen
ergaben, dass eine Schwefelsäure von 1,746 spec. Gew. das metalli-
sche Blei in das Sulfat umwandelte in dem Verhältniss
. bei gewöhnlichem Blei & 49,67
„ Jungfern - Blei a 50,84
„ reinem Blei a 55,00 1
(Repert. d. chim. appl. 1863. 91). Smt.
Mayer, Bestimmung der Alkaloide lässt sich sehr
genau ausführen mittels einer Maassflüssigkeit aus
Queksilber — Kaliumjodid, welche im Litre 13,54 grm. Sublimat
und 49 grm. Jodkalium enthält, 1 CC fällt 0,0267 grm Aconitin
0,0145 ,„ Atropin
0,0213 ,„ Narcotin
0,0167 ,„ Strychnin
0,0233. „. Brücin
0,0269 ,, Varatrin
0,0200 ,„ Morphin
0,0108 ,„ Chinin
0,0102 ,„ Cinchonin
354
als Queeksilber- Alkaloid-jodid. Aus diesem Niederschlage kann
man das Alkaloid dadurch abscheiden, dass man denselben nach dem
Auswaschen und Auspressen zwischen Papier in den möglichst ge-
ringsten Mengen schwachen sielenden Alkohols löst, und zur Lösung
einen oder mehrere Tropfen frisch bereiteten Schwefelammonium und
einen oder 2 Tropfen Eisenvitriol setzt. Der dadurch erzeugte Nie-
derschlag wird abfiltrirt mit warmem Alkohol gewaschen, und das
klare Filtrat mit Schwefelsäure schwach angesäuert im Wasserbade
zur Trockne verdampft, worauf man aus dem erhaltenen Salz nach
bekannten Methoden das reine Alkaloid abscheiden kann. (Americ.
Journ. of Pharm. XXAXV, 20). Smt,
Meynier, über schwefelsaures Eisenoxydul-Ammo-
niak. M. empfiehlt das Doppelsalz als brauchbareres Reductions-
mittel als den bisher in der Photographie gebräuchlichen Eisenyitriol,
und gibt für die Darstellung folgende Vorschrift: Man löse 2 Th. käuf-
lichen Vitriol und 1 Th. schwefelsaures Ammoniak in 4 Theilen heis-
sem Wasser, Nach dem Erkalten der Flüssigkeit sind innerhalb 24
Stunden 3 Theile des reinen Doppelsalzes auskrystallisirt, welches man
nach Entfernung der Mutterlauge mit wenig Wasser abspült und zwischen
Filtrirpapier trocknet. — (Repert d. chim. applig. 1863. 87.) Swt. _
Millon undCommaille,— Die gänzliche Reinigung des Silbers
gelingt nach Verfassern durch Fällung des Silbers aus der Lösung
durch Kupferchlorür-Ammoniak. Der erhaltene Silberniederschlag ist
amorph und so fein vertheilt wie das Muschelsilber und ausserdem
vollkommen frei von Kupfer. Vielleicht lässt sich in Folge dieser.
Entdeckung das Kupferchlorür- Ammoniak in der Photographie als
Reduetionsmittel anwenden. St.
O’ Neil, Anwendung des Kampfers — als Mittel um die
geringsten Mengen Fett auf einer wässerigen Flüssigkeit anzuzeigen,
gründet sich auf die Beobachtung, dass das Kreisen des Kampfers
auf Wasser sofort verhindert wird, sobald eine fetthaltige Substanz
z. B. ein Haar in das Gefäss getaucht wird. — (Repert. d. chem. appl.
1863, 89.) Smt.
Parmelee, Vulkanisirung des Cautchouc — gelingt
am ‘schnellsten und vollkommensten nach den Erfahrungen der
Fabrik Beverley in Massachusetts, wenn man eine Mischung von
Schwefelkohlenstoff und Chlorschwefel anwendet. — (Polytechn. Cen-
tralbl. 1863, 143). Smi.
Fr. Weil, das Petroleum von Pennsylvanien, — Der
Verf. unterwarf 100 Kilogrammes der Destillation. Er erhielt dabei:
1. Rohes Oel von gelber Farbe bestehend aus flüssigen
Kohlenwässerstofen.l. un. 2 wessen... 90,JArKlor
2 Asphalt, BEIN. nn a ea... od
3. GastumawVerlust@autih. 0 en ee RS
100,00 Klgs.
die 90,14 Klgr. des rohen Oels (1) vom spec. Gew. 0,8242
mit rauchender Schwefelsäure ergab:
355
Gereinigtes helles und farbloses Oel 73,00 Klegr.
Thheer: und Verlust,% ss.4#) siierel sodHT,14 „
90,14.
Während so bei aller Sorgfalt und Umsitht bei der Behandlung mit
Schwefelsäure, der lten Operation des Reinigungsverfahrens nahezu
10%/, von dem rohen Oel verloren gingen, kann man rechnen, dass
unter der Hand eines Arbeiters dieser Verlust sich bis zu 230%,
steigert. Diese 73 Klgrm. wurden nunmehr der fractionirten Destil-
lation unterworfen und ergaben:
Benzinhaltige Naphta ' 5,0 Klgrm.
Oele für die Beleuchtung fast farblos 59,0 1.65,
Schwere Oele gefärbt aber paraffinhaltig 12,0 ,,
Kohliger Rückstand und Verlust 1,3
Es ergeben also 100 Kilogramm des rohen Urspruugs- onen fol-
gende im Handel verwerthbare Producte:
1) Leichtes farbloses Brennöl prima qual, 55,00 Klgrm.
2) Benzinhaltige Naphta 4,00 102,5
3) Paraffinhaltiges Oel 12:00,0, 035
4) Asphalt 5,64 „
Das Product 1) wird verwandt zum Beleuchtungsartikel;
2) die Naphta kann für viele technische Zwecke das Ben-
zin ersetzen, auch kann man das Benzin derselben durch Destillation
abscheiden.
3) Das paraffinhaltige Oel kann an die Paraffinfabriken
verkauft werden, die den Rückstand, der vom Paraffın bleibt, als
Maschinenschmiere verwerthen können, auch kann dieser Rückstand
immer noch auf Lampen gebrannt werden. — Indess könnte man auch
diese fraetionirte Destillation unterlassen und bereits die 73 Kilogrm.
mit SO3 gereinigtes Oel als geringere Sorte Brennöl verkaufen. Der
Verf. fügt dann seiner Mittheilung noch die Notiz von Fresca bei,
dass die Oele sehr leicht entzündbar sind und desshalb deren Ge-
brauch noch mit Bedenken Eingang findet; die Flamme der Schiefer-
öle wie des Petroleums ist blendend weiss und hat das eigenthüm-
liche, dass man bei ihr grün und blau mit Sicherheit unterscheiden
kann, eben so roth und gelb. — (Zepert. d. chem. appl. V. 94.)
B. Dr.
Fr. Weil, die Erdpeche von Cuba. — Der Verf. theilt
seine Untersuchung mit 1) der rohen Erdpeche 2) des bei der Destil-
lation erhaltenen Coakes 3) des dabei gewonnenen leichten Oeles,
Die Untersuchung ergiebt, dass die Erdpeche von Cuba in zwei Sor-
ten geschieden werden müssen. Die erste ergiebt Cookes: 520/,
Asche mehr als die Hälfte
die 2te: Cookes 41,660),
Asche 2,00%
An Oelen ergaben sie im Mittel in 100 Klgrm.
1. Klares Paraffinhaltiges Oel 17,230 Klegr.
2, Farbloses Brennöl prima qual. 4,200 ,„
356
3. Benzinhaltige Naphta 0,800 Klgr.
4. Rohes Paraffin (ohne den paraffinhalt Oel 5,350 „,
5. Ammoniakwasser 3,050 „
6. Leuchtgas 9,000
7. An Aschenbestandtheilen 27,870
E2}
Mit Benzin und Schwefelkohlenstoff sind aus 100 Klgrm. Erdpech
72,130 Klgrm. ausziehbar. Die Verwendung der bei der Verarbeitung
gewonnenen Bestandtheile würde folgende sein:
1) Das Paraffinhaltige Oel zur Paraffinfabrikation, der Rückstand
zu Maschienenschmiere.
2) Das 2te Oel zur Beleuchtung in Lampen mit gutem Luftzug.
3) Die Naphta als Surrogat für Benzin.
4) Das Ammoniakwasser zur Salmiakfabrikation.
5) Die Leuchtgase sind zur Beleuchtung der Fabrik zu benutzen.
6) Die Coakes dürften nur dann als Brennmaterial Verwendung fin-
den, wenn der Aschengehalt nicht zu hoch ist.
7) Der Aschenrückstand als Dünger.
Uebrigens kann das rohe Erdpech von Cuba als solches zu allen
Arbeiten benutzt werden, zu denen man sich des Asphaltes bedient.
(Zbenda pag. 93.) B. Dr.
&eologie, H. Schloenbach, Schichtenfolge des un-
tern und mittlern Lias in NDeutschland. — Der untere Lias
zeigt auffallende Uebereinstimmungen mit dem schwäbischen. Ueber
den Schichten mit Avicula contorta folgen nämlich: 1. gelbliche
Thone (untere versteinerungsleere Thone ce. von Strombecks) nach
oben mit zwischen gelagerten harten sandigen Kalken mit Amm. John-
stoni (psilonotus plicatus @) bei Salzgitter, im Stübchenthal bei Harz-
burg, Gebhardshagen u. a. OÖ. Auch die Schichten mit Amm. Hage-
now gehören hierher und scheint derselbe wirklich von A. planorbis
Sw verschieden zu sein. 2. Durch ein Lager sandigen Thons ge-
trennt folgt eine Sandsteinschicht bei Helmstedt oder eine zweiter
sehr sandiger Kalk bei Salzgitter, an andern Orten durch Thone ver-
treten in der Markoldendorfer Mulde, mit viel Petrefakten, zumal
Amm. angulatus und Cardinien. 3. Nochmals Thone mit dünnen Sand-
schichten am besten mit den auflagernden oolithischen Kalken zu ver-
einigen, welche grau oder gelbbraun, stark eisenhaltig, selbst oolithi-
scher Eisenstein sind (Sommerschenburg, Harzburg); überall petrefak-
tenreich, Arieten und Amm. Bucualandi, Gryphaea arckta, Avicula sine-
muriensis, grosse Cardinien. Sie entsprechen den schwäbischen Arieten-
kalken. Die obern Arietenschichten führen in Schwaben als Leit-
muscheln Amm. geometricus und A. Sauzeanus und auch diese Bil-
dung tritt in NDeutschland auf. 4. Bei Falkenhagen nämlich liegen
über den Arietenkalken die Arietenthone mit Amm. nodosarius und
A. Kridion, A. geometricus, letzter findet sich auch bei Salzgitter,
Langelsheim, Wellerseen, Hallersen, Diebrock. Sehr häufig ist der-
selbe ferner in dunkelbraunen oolithischen Kalken bei Scheppau un-
weit Königslutter. Amm. Sauzeanus fehlt überall, kömmt aber mit
357
Spirifer Walcotti am Kanonenberge bei Halberstadt und bei Bans-
leben unweit Schöppenstedt vor. 5. Darüber folgen Strombecks ver-
steinerungsleeren Thone, die bisweilen sehr mächtig sind und na-
mentlich bei Harzburg, Goslar, Langelsheim, Salzgitter, Falkenhagen,
Lutter am Barenberge, Lühnde bei Hildesheim, Markoldendorf Amm.
obtusus, A. planicosta, A. raricostus, A. lacunatus, A. ziphius, Car-
dium oxynoti, Rhynchonella oxynoti, Pentacrinus scalaris führen.
Diese Thone sind dem schwäbischen Lias ß äquivalent. Im mittlen
Lias wurden ausser den bekannten Localitäten ebenfalls neue Auf-
schlüsse gewonnen namentlich im Stollen Friederike bei Harzburg,
bei Liebenburg und Calefeld. 6. Oolithische Kalke oder Eisensteine
mit vielen Petrefakten: Belemnites elongatus, Amm. Jamesoni, A. bre-
vispina, armatus, Henleyi, Loscombi, Taylori, Trochus laevis, Pleuro-
tomaria solarium, Pholadomya decorata und ambigua, Lima acuticosta
ete. Die Thone mit verkiesten Petrefakten bei Diebrock werden glei-
chen Alters sein. 7. Nur bei Calefeld, Oldershausen, Markoldendorf
folgt eine meist grünlich braune Schicht mit Amm. fimbriatus, Valdani,
Loscombi, welche Oppels Zone des Amm. ibex zu vertreten scheint.
8. Daran schliesst sich ein System von Thonmergeln und grauen oo-
lithischen Kalken, beide paläontologisch nicht trennbar, Römers Be-
lemnitenschicht, mit Amm.capricornus, margaritatus, Loscombi, Davoei,
Bel. paxillosus und clavatus, Inoceramus veniricosus. Sie umfassen
Oppels Zone des Amm. margaritatus und Davoei. 9. Scharf abge-
grenzt treten über der letzten Kalkbank plötzlich dunkelblaue plasti-
sche Thone auf mit viel verkiesten Petrefakten: Amm. spinatus und
margaritatus u. a. schwäbische Arten. Darüber folgen die Posido-
nienschiefer. — (Neues Jahrb. f Mineral. $S. 162 — 168).
C. Röthe, krystallinische Gesteine im Riess. — Das
Riess bei Nördlingen ist eine Versenkung im Jura ausgefüllt mit
tertiärem Kalk und Lehm. Stellenweise stehen Urgesteine und Ba-
salt an. So ein rosenrother Granit bei Lierheim neben weissem
Jura, auch ein grünes Gestein wie geschichtet, jener noch bei Herk-
heim von Süsswasserkalk bedeckt, ferner nach Hürnheim hin, am
Kirchberge bei Schmähingen und bei der Ruine Niederhaus ebenda mit
weissem Jura und Süsswasserkalk zugleich mit dem grünen Gestein.
Beide Gesteine enthalten Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd, Eisenoxy-
dul, Bittererde, Kali, Natron, Spuren von Mangan und Phosphorsäure.
Die Analyse ergab im grünen Gestein A und im rosenrothen Granit B
A. B. C
Kali 3,915 4,576 1,865
Natron 5,660 3,216 2,311
Bittererde 5,333 0,648 3,783
Thonerde 17,567 15,489 15,677
Eisenoxyd 4,086 1,994 2,692
Wasser 1,126 —_ 2,879
Kieselsäure 62,313 74,077 70,793
Ueber diesen beiden krystallinischen Gesteinen tritt noch ein brauner
358
Granit auf, oft schiefrig und in Gueiss übergehend und meist sehr
werwittert, dessen Analyse unter C hinzugefügt ist. Nach der Ana-
lyse könnte man annehmen, dass der rosenrothe Granit durch Ver-
witterung aus dem grünen Gestein hervorgegangen ist, störend ist
dabei nur, dass der Kaligehalt desselben grösser ist als der Natron-
gehalt, allein es sind ja gemengte Gesteine. Beide finden sichin ver-
schiedenen Graden der Verwitterung vor und eher könnte man noch
annehmen, dass das braune Gestein aus dem grünen entstanden. Wei-
ter treten auch alle drei Gesteine sehr verwickelt neben einander auf)
so dass sich eine Ansicht über ihr Entstehen nicht begründen lässt.
— (Neues Jahrb. f. Mineral. 169—176).
A. v.Strombeck, die Kreide am Zeltberg bei Lüne-
burg. — Ueber dieses längst bekannte Kreidevorkommen geben neue
Aufschlüsse weiteres Licht und lassen mehrere Glieder der Forma-
tion erkennen in den fünf Steinbrüchen. Die ältesten bei Lüneburg
auftretenden Gebilde sind Trias und demnächst Kreide, der ganze
Jura, Neocom und Gault fehlen. Weiterhin am Altenbrücker Thore
steht nochmals weisses Kreidegestein an, das an verschiedenen Orten
erbohrt ist. In N. und O. bedecken sie miocäne Tertiärschichten.
Die Kreide ist am Zeltberge auf kaum 600 Schritt aufgeschlossen.
Auf der Höhe im Bruche der Sodafabrik streichen die Schichten h 9
mit 45° NOfallen, am WAbhange im Rathsbruche h. W 11 mit OEin-
fallen. Die Lagerung mit der Lettenkohlengruppe ist eine gleich-
förmige. Die ältesten Kreideschichten stehen im Sodafabrikbruche,
die jüngsten im östlichen Bruche der Cementfabrik, dazwischen lie-
gen dem Alter nach der Rathsbruch, Behrs Bruch und der westliche
Bruch der Cementfabrik. Alle Gesteine sind gelblich oder grauweiss,
angewittert schneeweiss, erdig im Bruch, in Bänke von 11/, Fuss und
stärker gesondert, stark geklüftet, in tiefen Schichten mit Schwefel-
kiesknollen, in mittlen mit Feuersteinknollen. Nur eine Zwischenlage
ist fleischrother Kalkmergel. Trotz dieser mineralogischen Einförmig-
keit lassen sich paläontologisch vier Abtheilungen unterscheiden:
1. Weisse Kreide im Sodafabrikbruche (oberes Cenoman); 2. die-
selbe im westlichen Theile des Rathsbruches mit dem rothen Kalk-
mergel (Turon); 3. Weisse Kreide am östlichen Theile des Raths-
bruches und im Behr’schen Bruche (Senon); 4. Weisse Kreide in bei-
den Brüchen der Cementfabrik (Senon). Verf. beschreibt nun im
Einzeln die Versteinerungen aus diesen vier Gliedern, wegen deren wir
auf das Original verweisen und gibt dann eine vergleichende Ueber-
sichtstabelle der 50 Arten. Aus dieser ergibt sich die grosse Ueber-
einstimmung mit dem übrigen NW Deutschland und es fehlen hier
nur die Aequivalente für den.Pläner mit Scaphites Geinitzi und für
den mit Inoceramus Cuvieri. Das jüngste Glied des Cenoman bezeich-
nen die Schichten mit Amm. Rhotomagensis; darüber folgen die Schich-
ten mit Inoceramus mytiloides; daran innig angeschlossen, die mit
1. Brongniarti. Auf ihnen lagern die beiden senonen Glieder mit
Belemnitella mucronata und quadrata. — (@eol. Zeitsehr. XV. 97—187.)
359
A. Oppel, jurassische Posidonomyengesteine in
den Alpen. — Verf. beschreibt zunächst das Auftreten der Klaus-
schichten an der Klausalp bei Hallstadt, welche zuerst Fr. v. Hauer
untersucht hat. Dunkelrothe bis schwärzliche Kalke mit vielen aber
schlecht erhaltenen Petrefakten: Amm. Kudernatschi, suboblequus, Eu-
desanus, subradiatus, rectelobatus ete. Früher identifieirte ©. diese
Schichten mit dem ausseralpinen Unteroolith und sieht diese Deutung
jetzt durch zahlreiche Petrefakten bestätigt. In den Schichten tritt
ein weisser Kalkgang auf mit kleinen Brachiopoden anderer Arten
als in den übrigen Kalken; die Posidonomyenschichten an der Mitter-
wand bei Hallstadt (Klausschichten, oberer alpiner Dogger) liegen eine
Stunde von vorigen entfernt, gebildet von lichtrothen und weissen
Crinoideenkalk, reich an Petrefakten, deren 26 Arten aufgezählt wer-
den, grösstentheils mit denen der Klausschichten übereinstimmend
und der Zone des Ammon. Parkinsoni angehörend. Die Posidonom-
yenschichten von Brentonico in STyrol: harter grauer krystallinischer
Kalk, in einzelnen Lagen in Crinoideenkalk übergehend, sehr mächtig,
sehr hart, überlagert von Ammoniten- und Diphyakalken. Der graue
Kalk verwandelt sich an einer Stelle in ein weisses dichtschaliges
Gestein, das ganz aus Posidonomyen besteht und überhaupt 16 Ar-
ten erkennen liess. Auch am Waisenhause bei Füssen tritt ein
harter weisser Kalk als Posidonomyen Gestein auf, in der Schweiz
nach Linth-Escher am Oberblegi See am Absturz der Glärnisch als
dünne Eisenoolithbank, welche vom NRande des Finsteraarhorn bis
nach Glarus verfolgt wurde, jedoch ohne Posidonomya alpina, welche
dagegen bei Iselten (Südlich des Brienzer Sees) gefunden wurde.
Endlich erscheinen sie auch in dem alpinen Gebiet des südfranzösi-,
schen Jura. Verf. beschreibt nun die einzelnen Arten: Terebratula
garda, laticoxa, gefion, fylgia, curviconcha, berchta, Rhynchonella atla,
coarctata, zisa, subechinata, Etalloni, defluxa, orthoptycha, nicula,
adunca, brentonica, sämmtlich neu und abgebildet. — (Geol. Zeitschr.
IV. 188—217. Tf. 5—7.)
K. M. Paul, Kreidebildungen des Königgrätzer und
Chrudiner Kreises in Böhmen. — Diese den Schichten über
dem Gault angehörigen Bildungen bestehen aus folgenden Gliedern.
1. Pläner, dünnschiefrige, vorwiegend thonige, stellenweis kalkhal-
tige, niemals sandige Mergel, mit Inoceramus Cuvieri und planus,
Micraster cor änguinum, Pecten membranaceus, Nucula pectinata,
Terbratulina chrysalis und Tellina tenuissima, — 2. Quader. Die
GQuadermergel zunächst sondern sieh in zwei Etagen, von welchen
die untern thonig, dünnschieferig, dem Pläner sehr ähnlich und petre-
faktenarm, die obern dickschichtiger, stets sehr sandig und petrefak-
tenreich ist. Locale Modifieationen dieser obern Quadermergel sind
die sogenannten Krebsscheerensändsteine mit Callianassa Fanjasi, die
fast rein kalkigen und petrefaktenreichen Schichten von Poliszka und
Leitomischel, und Beyrichs Plänersandsaeinen, mit Inoceramusmytiloi-
des und Cuvieri, Lima multicostata, Leguminaria truncatula, Ostreea
360
vesicularis, Janira quinquecostata, Pecten laevis, Arca glabra, Hippu-
rites ellipticus, Hamites rotundus und plicatilis, Hemiaster bufo und
Micraster cor anguinum, Der Quadersandstein gliedert sich eben-
falls in zwei Etagen, die obere sehr glaukonitisch, ein wahrer Grün-
sandstein, die untere als eigentlicher Quadersandstein weiss, gänzlich
ohne kohlensauren Kalk mit einer 5—10‘ mächtigen Einlagerung von
Schieferthon und einem Kohlenflötz, auf welchem an vielen Orten
Versuchsbaue getrieben werden. Das Quaderconglomerat besteht aus-
schliesslich aus Quarzgeschieben, ist ganz petrefaktenleer und bildet
überall in Böhmen das unterste Kreideglied. Von dem sogenannten
obern Quader zwischen @Qnadermergel und Pläner auf diesem Gebiete
keine Spur. — (Jahrb. kk. geol. Reichsanst. AI. 3).
Fr. v. Hauer und G. Stache, zur Geognosie Dalma-
tiens. — Der lange von NW nach SO streifende und sich mehr
und mehr verschmälernde Küstensaum mit den demselben vorlie-
genden zahllosen grossen und kleinen Inseln und Felsriffen bildet
ein sehr unnatürlich begränztes Gebiet, und ein richtiges Verständ-
niss seines Baues, namentlich in der SOHälfte des Landes wird kaum
zu erzielen sein, so lange nicht die Hinterländer in NO genauer un-
tersucht sind. Nackte steile Kalkgebirge, der Kreide- und Eocänzeit
angehörig, im Allgemeinen der Längserstreckung des ganzen Landes
parallelstreichend, oft mit steilen Abstürzen gegen die dasselbe durch-
furchenden zahlreichen Längs- und Querthäler sowie gegen die Mee-
resküste bedingen die herrschende Physiognomie des ganzen Landes.
Eine Abwechslung wird in dieselbe nur gebracht durch die Züge von
eocänen Karpathensandstein, welche sich zwischen die Wellen der äl-
tern Kalksteine einlagern und durch einzelne mit jungtertiären Süss-
wasserschichten erfüllte ehemalige Seebecken, Oasen in der Stein-
wüste, die ausgedehntesten dieser Süsswasserbecken sind die von
Siverich an der Cicola und von Sign an der Cettina mit einer rei-
chen Moluskenfauna und Lignitablagerungen. Die Eocänformation zu
oberst Sandsteine und Conglomerate, tiefer die eigentlichen Nummuli-
tenkalke, dann Boreliskalk, zunächst die aus Süsswasser abgelagerten
Cosinaschichten sind in dem NWTheil des Landes bis ungefähr zum
Querthal der Cicola weit mehr verbreitet als weiter gegen SO zu.
Sie bilden daselbst im Innern des Landes eine breite zusammenhän-
gende Masse, welche aus der Umgegend des Mare di Novigrad nach
SO fortsetzt bis an die Kerka, sich aber von hier weiter nach SO
in einzelne gegen das Kreidegebirge zu allmählig auskeilende Züge
auflöst. Gegen die Küste zu und auf den Inseln herrscht auch in
den nördlichen Landestheilen die Kreideformation, jedoch von zahl-
reichen Eocänzügen unterbrochen. In der S Landeshälfte streicht ein
Hauptzug von Eocängesteinen aus der Umgegend von Spalato entlang
der Meeresküste fast bis in die Nähe der Narentamündungen, ist hier
auf eine kurze Strecke unterbrochen, setzt an Canale di Stagno pi-
cola wieder auf und streicht nur noch einmal auf eine kurze Strecke
bei Ragusa unterbrochen fort über Stano, Ragusa vecchia, Bocche di
361
Cattaro bis Budua. Ein ‚zweiter Zug zweigt sich in der Gegend von
Xernovizza vom ersten ab und streicht über Duare, Xuppa, Vergoraz
bis zur Narenta. Noch weitere Züge finden sich auf der Insel Lesina
sowie auf Sabioncello. Die Kreideformation besteht aus zwei Glie-
dern, einem untern Caprotinenkalk und einem obern Radioliten- und
Hippuritenkalk. Sandsteine fehlen. Ganz untergeordnet treten Jura-
gesteine auf, auch obere und untere Trias und einzelne Durchbrüche
von Eruptivgesteinen. — (Zbda. 14.)
Coquand stellt eine neue Etagein der untern Krei-
deformation zwischen dem eigentlichen Neocomien und dem obern
Neocomien oder Urgonien nämlich das Barremien auf. Ihre Leitmu-
scheln sind Belemnites minaret, Ammonites ligatus, Scaphites Ivani.
Sehr deutlich aufgeschlossen ist sie um Marseille. Man erhält in der
Provence folgende Gliederung:
Niederalpen Rhonemündungen
A. Aptien mit Ancyl. Matheroni desgleichen
B. fehlt Urgonien mit Chama ammonia
€. Barremien mit Scaph. Ivani desgl.
D. Neocomien mit Ostraea Couloni desgl.
E. Unterer Kalk Valenginien mit Strombus Sautieri
die letzte Etage betrachtet C. als Aequivalent der Wealdenformation.
— (Bullet. soc. geöl. XIX. 531—541).
A. Gesner, Steinölquellen in NAmerika. — Das Vor-
kommen des Steinöls ist über einen Raum von 65. bis zum 128. Grade
westlicher Länge verbreitet und umfasst Theile von Unter- und Ober-
Canada, Ohio, Pennsylvanien, Kentucky, Virginien, Tenessee, Arkan-
sas, Texas, Neu-Mexiko und Californien. Ohne Zweifel verdankt das-
selbe seinen Ursprung allermeist der Zersetzung von Vegetabilien,
welche im Laufe der Zeit in die mächtigsten Steinkohlager und An-
thraeite ihrer Länder umgewandelt worden sind. Die zur Gewin-
nung des Steinöls angesetzten Bohrlöcher haben in der Regel eisen-
schüssigen Thon, Sandstein und Conglomerat, Schieferthon und bitu-
minösen Schiefer durchsunken, bis sie die ölführende Schicht eines
feuerfesten Thoves erreichen, die Stigmaria und andere Pflanzen führt.
Sobald die Oelschicht angebohrt ist, entweicht heftig Kohlenwasser-
stoff oft mit solcher Stärke, dass das Bohrgestänge weit fortgeschleu-
dert wird. Dann folgt ein Gemenge dieses Gases mit Oel, darauf
das Oel selbst, welches oft 100° hoch über das Bohrloch getrieben
wird. Die leichte Entzündlichkeit der Gase hat schon viele Unfälle
veranlasst. Man sah aus einem Brunnen von 330° Tiefe das Oel 100‘
hoch emporspringen,, es entzündete sich und brannte zwei Monate
lang, bis es gelang das Ausflussrobr zu verstopfen Man senkt in
das meist nur 4” starke Bohrloch eine eiserne Röhre, in welche ein
Holzflock getrieben wird, sobald sich das Oel hebt, um dessen Aus-
fliessen zu verhindern, während man sich zu seiner Ansammelung vor-
bereitet. Nach dem spätern Zurücktreten der Flüssigkeit in dem Bohrs
brunnen zieht man das Oel mittelst einer Pumpe herauf. Einige
XXI. 1863, 24
362
Brunnen gaben anfangs 4000 Gallons (& 4 Quart) Oel in 24 Stunden
und lässt sich der tägliche Gewinn in den Vereinten Staaten auf 50000
Gallonen veranschlagen. Das Oel ist gewöhnlich dunkelbraun, in ei-
nigen Brunnen vollkommen heil und durchsichtig. Eine einfache De-
stillation macht sie sämmtlich vollkommen rein und brauchbar für
Lampen. Specifisches Gewicht zwischen 0,795 und 0,881, — (Quart.
Journ. geol. Soc. London XVII. 3).
J. Auerbach, der Kalkstein von Malöwka. — Die leb-
haft debatirte Frage über die Lagerung der russischen Kohle unter
oder über dem Bergkalke berührt auch den Kalkstein von Malöwka,
welcher das unmittelbar Liegende der Kohle bildet. Derselbe ist
licht grau, verwittert gelb, beim Anhauchen stark nach Thon riechend,
in frischem Zustande dicht, schwer zersprengbar, rauh anzufühlen,
mit kleinen Kalkspathdrusen erfüllt. Die Conchylien sind nur in Ab-
drücken erhalten, nur die Brachiopoden und Crinoideen vollständig.
Von Korallen fand sich blos Lithostrotion leoninum, dagegen von
Brachiopoden sehr viele: Chonctes comoides, sarcinulata, Productus
aculeatus, cora, Panderi n. sp., Spirifer glaber, lineatus, Rhynchonella
pleurodon, Terebratula tulensis, Puschana, Streptorhynchus cre-
nistria, von Cephalopoden: Orthoceras laterale, Nautilus eyclostomus,
N. tetragonus, N. pinguis, Bellerophon costatus und Keynanus, ferner
Euomphalen und Bairdia. Von diesen Arten gehören mehr als die
Hälfte ausschliesslich dem Bergkalk an, nur der vierte Theil diesem
und dem devonischen gemeinschaftlich, eine ist dem letztern allein
eigenthümlich. Auch aus dem Kalke unter der Tulaer Kohle sind Ar-
ten bekannt geworden: Chonetes sarcinulata, Terebratula Puschana,
Spirifer glaber, Productus fallax, Anodontopsis deltoidea etc,, welche
gleichfalls vielmehr für Bergkalk als für Devonkalk sprechen. —
(Bullet. natur. Moscou 1862. II. tb. 8).
Feistmantel, der untersilurische Kalkstein inBöh-
men. — Das Untersilurium Böhmens wird paläontologisch in zwei
Glieder geschieden, welche auch petrographisch sich trennen lassen,
indem das untere Glied aus thonigen und quarzigen, das obere vor-
herrschend aus kalkigen Gesteinen besteht. Doch tritt auch in dem
untern Kalk auf und zwar in wahren Schichten und Bänken so bei
Hracholusk unweit Pürglitz, bei Hradek zwischen Koturov und Plze-
nec, beiCernic unweit Pilsen. Es sind meist feinkörnige fast ausschliess-
lich dunkelgraue Kalksteine in 1—10“ starken Schichten, selten grobkör-
nig unddann gewöhnlich mit krystallinischer Struktur. Ueberall sind diese
Bänke zwischen Schichten der versteinerungsleeren Thonschiefer B ein-
geschlossen und wechsellagern mit denselben der Art, dass sie oft durch
ganz schwache kaum merkbare Lagen Thonschiefers von einander ge-
trennt sind. Durch Steinbrüche sind sie aufgeschlossen. Bei Hracholusk
streichen die Kalksteinschichten h 4—5 unter 45° N Einfallen und bei
8 Klafter Gesammtmächtigkeit, die einzelnen Schichten oft gebogen
und gewunden. Westlich davon bei Hradek zeigen die Schichten zum
Theil dasselbe Streichen, an einzelnen Stellen aber h 1—2 und fal-
363
len N oder NW unter 45— 50°, im Liegenden und Hangenden von
Thonschiefer begleitet und mit einigen Thonschieferlagern wechselnd,
bisweilen treten Partien weissen krystallinischen Kalksteines auf. Oft
sind die Bänke gewunden, sphäroidisch, concentrisch schalig. Weiter
nach W bei Cernic streichen die Schichten ebenfalls h 4A—5, wech-
selnd mit sehr verschieden starken z. Th. schwarzen Thonschieferla-
gern, oft gewunden. Endlich bei Kotterow ist das Streichen h 3 mit 30°
SO Einfallen. Chemisch erscheint der Kalkstein überall mit Thonerdesi-
likat verunreinigt. Die Analysen ergaben: A vonHracholusk, B von Hra-
dek, C. von Cernic A B 6
Thonerdesilikat 54,8—49,9 30 22
Eisenoxyd 3,7— 25 10 2
Kohlens. Kalk 41,5—47,6 60 76
doch schwankt der Gehalt an kohlensaurem Kalk in einzelnen Schich-
ten sehr erheblich, wie andererseits krystallinische Partien ganz rei-
ner Kalk sind. Bei Cernic und Hracholuck setzen einzelne Kalkspath-
gänge darin auf, z. Th. mit Krystalldrusen, auf den Kalkspathrhom-
. bordern noch mit Schwerspathkrystallen. Die häufigen Klüfte zeigen
oft einen Ueberzug von gelbem Eisenoxydhydrat. Vereinigt man die
Orte des Auftretens durch eine Linie: so fällt dieselbe parallel der
Hanptstreichungsrichtung der Thonschiefer, sie bezeichnen also ein
in demselben geognostischen Horizonte gelegenes Vorkommen mit
gleichem nach NNW gerichteten Einfallen. Ihre Bildung fällt also
mit der der Thonschiefer der Etage B zusammen. Sie führen keine
Spur von Versteinerungen und rechtfertigen auch dadurch ihren Platz
in der Reihe des azoischen Complexes. Verf. schlägt vor sie als ei-
genes Glied Cernicer Schichten zu nennen [eine besondere Benennung
möchte in diesem Falle ganz überflüssig sein]. Ihre Oberfläche zeigt
nirgends auffällige Merkmale, ist meist mit Erde, Rasen und anderem
Gestein bedeckt. — (Sitzgs.- Bericht der böhm. Gesellsch. in Prag 1862.
2. 27-33).
Versunkener Wald. — Bei den Ausgrabungen, welche in
Hull zur Erweiterung des Victoriadocks vor sich gehen ist eine in-
teressante Entdeckung gemacht worden. In einer Tiefe von 32 Fuss
unter der Oberfläche und unterhalb einer mehrere Fuss mächtigen
Sandschicht fand man die Ueberbleibsel eines fast im Zustande der
Auflösung befindlichen versunkenen Waldes. An einer Stelle
wurden die Wurzeln und sein Theil des Stammes einer 20 Fuss im
Umfang messenden Eiche ausgegraben; einige andere ebenfalls sehr
starke Stämme tragen unverkennbare Spuren eines Brandes. An meh-
reren Stellen ist das Holz mit Lehm untermischt und meist so schwarz
wie Ebenholz, von den Spaten der Arbeiter berührt und der Luft
ausgesetzt zerfällt es bald in Staub. Der Wald muss von bedeuten-
der Ausdehnung gewesen sein, denn bis jetzt hat man seine Grenzen
noch nicht entdeckt. Was das geologische Verhältniss der bedecken-
den Erdrinde betrifft, ‘so findet sich unter der Oberfläche eine 15
Fuss tiefe Lehmschicht, dann folgt ein allmählig immer feuchter
24* 7
-
364
werdendes Lager von Sand, untermischt mit Strahlmuscheln und
Resten von andern Süsswasserschalthieren, und darunter befindet sich
die noch feuchtere. Sandschicht, welche die Ueberbleibsel des ver-
sunkenen Waldes birgt. — (Zeitungsnachricht.) @l.
Oryctognosie. Alb. Schrauf, zur Charakteristik
des Anhydrit. — Nach Fuchs sollen Stassfurter Anhydritkrystalle
mit: Schwerspath isomorph- sein. Dieselben sind in salzhaltigem
Gyps eingewachsen und bilden eine Combination des Prisma (011)
mit: dem'Doma (210)... Die Flächen (011) sind 'rauh und matt, die
von (210) sehr gestreift, oftmals treppenförmig gekrümmt. Fuchs
nennt die Fläche (011) d und (210) M und giebt für dd—=84!/0, für
MM=- 110°, wogegen Verf. für beide 85° und 60° durch Messung er-
hielt und zwar an nicht treppenförmigen Krystallen. Die Flächen d
und M gebören sicher der Ordnung der Prismen an, da die Spaltungs-
richtungen ‚sich als normale Abstumpfung der Kanten erweisen. Die
Spaltungsrichtungen sind in der Leichtigkeit sie nach den verschie-
denen Pinakoidflächen zu erhalten, kaum zu unterscheiden, doch fand
Verf. Millers Beobachtungen gegen Fuchs bestättigt, dass die schwe-
rer zu erhaltende Theilbarkeit parallel der Fläche 010 liegt. Die
Flächen d und M waren bisher am Anhydrit nicht bekannt, auch der
säulenförmige, Habitus ist neu; die Stassfurter Krystalle sind denen
von Aussee identisch. Fuchs erhielt bei der Analyse schwefelsauren
Kalk mit nur 0,5 Procent Wasser, Schr. fand die Dichte eines grossen
Krystalls — 2,983, eines von Aussee —2,956, die Härte beider fast 3,
die optischen Verhältnisse bei beiden gleich. — (Poggendorffs Annalen
CXVI. 650—653.)
G. Rose, über den Asterismus der Krystalle insbe-
sondere des Glimmiers und Meteoreisens. — Vogel fand an
einer wasserhellen' papierdieken Glimmerplatte aus Canada einen über-
‚aus schönen‘ Asterismus.. Durch die Flamme eines Lichtes betrachtet
gewahrt sie einen sechsstrahligen Stern, dessen Mitte die Lichtflamme
ist und. zwischen dessen Strahlen noch sechs kleinere liegen. Ein
‚ähnlicher Stern: zeigt sich durch Reflection. Diese Erscheinung ist
selten, R. fand. sie bei den Glimmern der Berliner Sammlung nicht.
Jene Platte zeigt unter der Loupe gegen das Licht gehalten viele
äusserst feine prismatische Krystalle im Innern, noch deutlicher unter
dem Microscop. Dieselben sind meist lang prismatisch und durch
Vorherrschen zweier.paralleler Seitenflächen, mit denen sie den Spal-
tungsflächen des Glimmers parallel liegen, breit, an den Enden mit
gerader Endfläche versehen, überhaupt dem Cyanit sehr ähnlich. Noch
andere dabei liegende Krystalle bilden ungefähr rechtwinklige Tafeln,
an zwei gegenüberliegenden Ecken abgestumpft, auch Combinationen
rhombischer Tafeln, Die Krystalle liegen in der Platte in verschie-
denen Höhen, die prismatischen grösstentheils parallel den Seiten ei-
nes gleichseitigen Dreiecks, so dass sie sich unter 60 und 1209 schnei-
den, andere gegen diese unter 150°, noch andere wieder anders. Der
Asterismus ist hier also eine blosse Gittererscheinung und die Strah-
365
len des Sternes stehen rechtwinklig auf den Achsen.der prismatischen
Krystalle, die sich unter 120° schneiden. Diese Erscheinung muss
sich nun auch bei dem Meteoreisen finden, das mit vielen ‚kleinen
Krystallen gemengt ist, die nach drei den Kanten des Hexaeders pa-
rallelen Richtungen liegen. Es müsste hier aber ein vierstrahliger
Stern erscheinen und die Strahlen sich rechtwinkelig kreuzen. R.
brachte sie am Meteoreisen von Seeläsgen zur Klarheit. Wahrschein-
lich rührt der Asterismus bei allen Krystallen von eben dieser Ur-;
sache her, von eingemengten kleinen Krystallen. Schon Babinet lei-
tetihn beim Saphir, Granat, ‚Beryll, Turmalin, ‚Zirkon, Vesuvian, Cya-
nit und Glimmer von kleinen Fasern her., Die kleinen Krystalle in-
fluiren natürlich stark auf das‘ Resultat der chemischen Analyse. —
(Ebda. 632— 637.)
Meteorsteinfall bei Menow in Meklenburg-Strelitz,
— Am 7.,October 1862 Mittags zwischen 12 und 1 Uhr ereignete sich
am Ausfluss der Havel aus dem Zierensee ein Meteorsteinfall. Bei
heiterm Himmel fiel plötzlich ein grosser feuriger Klumpen mit sol-
cher Gewalt nieder, dass der Sand ringsum hochaufspritzte und .die
Masse 11/3‘ tief in den Boden einschlug. Der Stein war sehr heiss,
21 Pfund schwer, von 4,1'spec, Gewicht und 134 Cubikzoll Volumen,
unregelmässig pyramidenförmig. Die Oberfläche ist ‚mit einer glat-,
ten glasigen schwarzen Kruste umgeben, das Innere dunkelaschgrau,
das Gemenge feinkörnig mit zahllosen silberglänzenden Metalltheil-;
theilchen (Gediegeneisen oder Nickeleisen) von kaum sichtbarer Grösse,
bis zu der eines Schrotkornes und dem Magnet folgend. Die grauen,
Bruchflächen färben sich, wenn sie. benetzt werden braunroth.. Der,
Fall geschah unter Zischen und Sausen in der Luft, ununterbrochen von;
heftigen Detonationen, einer fernen Kanonade vergleichbar. — (Zbda. 637.),
Alb. Schrauf, der Meteorit von Alessandria. — ‚Bei,
San Giuliano veechio unweit Alessandria fielen am 3. Febr. 1860 15,
Minuten vor Mittag mehrere Steine; ‚unter. starker Detonation. Eine
Minute nach der. Explosion hörte man in. der Luft ein Geräusch, ähn-
lich dem Knistern beim Verbrennen feuchten, Holzes, nach 2 Minuten,
schlugen zwei Steine 30 Centimeter tief in, den Boden.. Der Himmel,
war bewölkt und es fielen, einige Flocken Schnee. Ausser den, zweien
fanden sich noch 5 Stücke, : wovon , eines durch das Fenster in ein,
Zimmer geschlagen war.; Die Stüeke wogen 300—1000 Gramm. Ein
näher untersuchtes war unregelmässig, glatt, dunkel fast schwarz wie,
mit Eiweiss überzogen mit einer Bruchstelle. ,.Spec. Gew. 3,815. Ge-
pulvert ergaben sich 14,312 pC. gediegen Eisen mit Spuren von Schwe-
felnickel, das Uebrige besteht aus sehr, kleinen: unregelmässig zusam-
mengebackenen Körnchen, schwarzen glänzenden, sehr. weissen durch-
sichtigen, aschenfarbenen und lichtgelblich grünen. : Die Analyse
ergab: Kieselerde 31,403, Gediegen - Eisen 19,370, Eisenoxyd 12,831,
Magnesia 11,176, Thonerde 8,65, Schwefel 3,831, Kalkerde 3,144, Nickel
1,077, Chrom 0,845, Spuren von Mangan und Cobalt. — (Ebda,
CAVIII. 365.)
366
H.Rose, Zusammensetzung der niobhaltigen Minera-
lien. — Während die tantalhaltigen Mineralien nur in Skandinavien und
bei Limoges in Frankreich vorkommen, finden sich die niobhaltigen zu-
gleich noch in Sibirien, den vereinten Staaten, in Grönland, bei Boden-
mais und Tirschenreuth. Das Tantal tritt nur in den Tantaliten und Yitro-
tantaliten auf, das Niob in vielen Verbindungen: Columbit, Samarskit,
Fergusonit, Tyrit, Pyrochlor, Euxinit, Aeschynit, Wöhlerit, und zwar als
Unterniobsäure. — 1. Columbit schon wiederholt untersucht ist
wesentlich eine Verbindung von Unterniobsäure mitEisenoxydul. Bei
Bodenmais kömmt er von verschiedenem spec. Gewicht vor, je dunkler
sein Pulver, je höher sein Gehalt an Unterniobsäure, bald matt, ohne
deutliche Krystallform, mit erdiger Oberfläche, bald mit Glasglanz
und deutlich krystallisirt. Die meisten Exemplare sind schon in der
Zersetzung begriffen. Es wurden analysirt A Stücke von schwarzem
Pulver mit sehr hohem spec. Gewicht 6,39, B ganz ähnliche, C Stücke,
deren schwarzes Pulver einen Stich ins braunrothe hatte mit 6,021
spec. Gew., D Stücke von dunkelroth - braunem Pulver dessen spec
Gew. 5,976, F Stückchen von gleichem Pulver, das nur 5,699 wog, E zer-
setzte Stücke nach Entfernung des röthlichen Ueberzugs von braun-
schwarzem Pulver und 5,971 Gewicht und G Stücke von 5,698 spec.
Gew, endlich H ein Krystall von kirschrothem Pulver mit 5,860 spec.
Gewicht. A B 16; D E F G H
Unterniobsäure 81,07 81,34 80,64 79,73 79,68 75,02 78,51 80,30
Zinnsäure 0,45 0,19 0,10° 0,10 0,12 0,47 0,03 0,16
Eisenoxydul 14,30 13,89 15,33 14,77 15,10 0,39 15,77 15,56
Manganoxydul 3,85 3,77 4,65 4,77 4,65 17,22 2,31 2,84
Unreines Kupferoxyd 0,13 010 — 151 012 — — 085
Kalkerde Spur Spur 021 — — 0,22 0,30 0,30
Wolframsäure —_ —_ _-.— — 0,39 147 0,48
Magnesia _ —_— _ _ —_ — Kun
99,80 99,29100,93100,88 99,67 96,91 99,96 100,09
Der nordamerikanische Columbit ist weniger zersetzt, hat daher ein
geringeres spec. Gew. und ein mehr braunrothes Pulver, doch kom-
men auch schwerere Stücke mit fast schwarzem Pulver vor. Analy-
sirt wurden I. Stücke von Midletown in Connecticut mit 5,472 spec,
Gew. und braunrothem Pulver, II. Stücke vielleicht ebendaher mit
5,708 spec. Gew. und rothbraunem Pulver, III. desgleichen mit 5,583
Gew. VI. mehr zersetzte: I II III IV
Unterniobsäure 78,83 79,62 76,79 79,80
Zinnsäure 0,29 0,47 0,60 0,56
Kupferoxyd 0,07 006 — —
Nickeloxyd (?) 0,22 _— _ —
Eisenoxydul 16,65 16,37 18,23 15,00.
Manganoxydul 4,70 444 3,14 4,50
Kalkerde 0,45 Spur 0,48 —
101,21 100,96 99,24 99,86
(Fortsetzung folgt.) — (Zbda. CAVIII. 329—356.)
367
Rammelsberg analysirt den Skolopsit von Oberber-
gen im Kaiserstuhl und findet
Kieselsäure 34,79 Natron 11,95
Thonerde 21,00 Eisenoxyd 2,70
Kalkerde 15,10 Schwefelsäure 4,39
Magnesia 2,67 Chlor 1,36
Kalı 2,80 Wasser 3,29
100,05
wonach dessen Analogie mit den Gliedern der Sodalithgruppe erwie-
sen und der Sodalith gleichsam ein kalkhaltiger Nosean genannt wer-
den könnte, aber er enthält 3 pC Wasser, das wohl nicht zur ur-
sprünglichen Mischung gehört. Ob er vielleicht mit Gmelins Ittnerit
identisch ist? — (Berliner Monatsberichte 1861.)
T. v. Ssaftschenkow, der Paligorskit. — Dies Mineral
gehört zur Gruppe der Asbeste und kömmt am Flüsschen Popowka in
Perm vor, ist fasrig, weich, aber dabei so zäh, dass es sich im Mör-
ser nicht zu Pulver reiben lässt, spec. Gew. 2,217; weiss, vor dem
Löthrohr unschmelzbar, in Säure unlöslich. Die Analyse ergab:
Sauerstoff
Kieselsäure 0,6935 52,18 27,52 8
Thonerde 0,2443 18,32 8,60 2,5
Magnesia 0,1088 819 3,25 3411
Kalkerde 0,0079 0,59 0,161
Wasser 0,1800 12,04 10,80 $
Hygrosk. Wasser 0,1125 8,46
1,3277 99,84
woraus sich die Formel Me SiOz+AlO;. 3Si0O3+3HO ableiten
lässt. Das Mineral darf als ein Umwandlungsprodukt betrachtet
werden. Leider fehlen noch nähere Angaben über die Art des Vor-
kommens. — (Verhandl. Petersburger mineral. Gesellsch. 1862. 102—104.)
Holmberg, über den Metäxoit und Pikrofluit. — Bei
Lupikho unweit Pitkäranta in Finnland kommen in Begleit von Ku-
pferkies, Blende, Magneteisenerz, Arsenikkies, Serpentin, Flusspath,
Granat und Vesuvian zwei Mineralien vor, Der Metaxoit bildet bald
kugelförmige Massen von strahliger Zusammensetzung bald dichte
scheinbar amorphe Partien. Härte über 2, spec. Gew. 2,58—2,61, Bruch
eben bis erdig, schwach an der Zunge klebend, Farbe licht grünlichblau
in Weiss, Glanz seidenartig, für sich erhitzt rostgelb und Wasser abge-
bend. Die Analyseergab Kieselsäure 37,90
Thonerde 9,78
Kalkerde 18,78
Magnesia 12,23
Eisenoxyd 6,73 »
Manganoxyd 2,05
Wasser 12,76
100,24
368
woraus sich‘.die Formel 3(3RO0.Si0;)-+ 2 R» 03.3 SiO3) +2 Rz, 0;.3 SiO;
9HO berechnet. Das Mineral ist als kalkhaltiger Chlorit zu betrach-
ten. Der Pikrofluit kömmt mit. Flussspath und Magneteisen vergesell-
schaftet vor, ist ein wasserhaltiges Magnesiasilikat, amorph mit ebe-
nem Bruch, Härte 2,5, spec. Gew. 2,74, weiss in gelb und blau, mit
schwachem Fettglanz, vor dem Löthrohr ‚leicht unter Aufblähen
schmelzend, in Säure vollständig auflöslich. Die Analyse erwies:
Kieselsäure 29,00
Kalkerde 22,72,
Magnesia 28,79
Eisenoxydul 1,54
Manganoxydul 0,78
Wasser 8,97
Fluor 11,16
102,96
woraus sich die Formel 2RO.SiQ3+CaF-+11/,HO ergibt. — (Zbda.
144—149.)
A, Damour, über den Tscheffkinit von der Küste von
Coromandel. — Beudant führte dies Mineral mit einer Analyse von
Laugier auf. - Nach des Verf. Untersuchung ist es amorph, ritzt Glas,
spec. Gew. 4,26, Farbe schwärzlichbraun, schwach durchscheinend;
Strich braun; vor dem Löthrohr unter Aufblähen zu schwach mag-
netischer Schlacke schmelzend, im Kolben wenig Wasser gebend, in
erwärmter Säure gelatinisirend. Steht in seinem. Aeussern dem Al-
lanit und Orthit zunächst und muss dem Tscheffkinit- untergeordnet
werden. Die Analyse ergab
Kieselsäure 0,1903 Magnesia 0,0027
Titansäure 0,2086 Manganoxydul 0,0038
Ceroxyd 0,3838 Thonerde 0,0772
Eisenoxydul 0,0796 Wasseru.Flüchtiges0,0130
Kalkerde 0,0440 1,0030
(Bullet. soe. geol. XIX. 550— 552.)
Böttger, vanadinhaltigesBohnerz von Sala daR —
B. fand in aller von ihm untersuchten Bohnerzen 'einen Vanadinge-
halt, wenn er das feingepulverte Mineral mit einem Gemisch. von Aetz-
natron und Salpeter kurze Zeit der Rothglühhitze aussetzte. Laugt
man die geglühte Masse mit siedendem Wasser aus, versetzt dann
das Filtrat vorsichtig, so dass dasselbe eine schwache alkalische Re-
aktion beibehält, mit reiner untersalpetersäurefreier Salpetersäure,
so scheidet sich der grösste Theil ‘der Thonerde und. der, Kieselsäure
ab, fügt man nun zu der abermals filtrirten, meist hellgelben Flüssig.
keit eine Auflösung von salpetersaurem Baryt, so sondert sich unlös-
licher vanadinsaurer Baryt ab, aus’ welchem dann durch Digestion
mit verdünnter Schwefelsäure u. s. w. auf bekannte Weise die Vana-
dinsäure oder vanadinsaure Salze mit Leichtigkeit zu gewinnen sind.
Auf diesem Wege fand B. das Bohnerz aus der Grube Bartelszeche
unweit Salzgitter ziemlich vanadinreich. Das aus Bohnerz gewonnene
369
Eisen pflegt sehr gut zu'sein, ob’ wegen des Mangels an Schwefel-
und Phosphorverbindungen oder wegen des Vanadingehaltes ist noch
nieht ermittelt. — (Frankfurter physikalischer Jahresbericht 1862. 70.)
A. Kenngott, über Staurolith, Disthen, Argentit,
Rutil, Scheelit. — In einem Schaustück von Damourit- oder
Margaroditschiefer mit Disthen und Staurolith vom Monte Campione
bei Faido fand K. einen merkwürdigen Staurolithkrystall an beiden
Enden. ausgebildet. Er zeigt die Combination „PS. P.P&.0P
mit vorherrschenden Längsflächen, in der Richtung der Hauptachse
33,5 mm, in der Richtung der Längsachse 9,5 mm und in der Rich-
tung der Querachse 5,0 mm messend, braun und roth durchscheinend.
Die in der Combination zuerst genannte Basisfläche ist nicht als
solche vorhanden, statt derselben erscheinen an beiden Enden End-
‘flächen, welche den Krystall durch sie als anorthischen Krystall dar-
stellen. Die Prismen- und die Längsflächen sind glänzend und ziem-
lich eben, die Flächen des Querdoma weniger glänzend aber eben,
an dem einen Ende grösser als an dem andern, die schiefen End-
flächen matt und eben. Verf. giebt noch die Winkel an und vermag
diese merkwürdige Bildung nicht zu erklüren. Die zugleich vorkom-
menden Disthenkrystalle sind anorthische und fand K. an einem der-
selben vollkommene Spaltungsflächen nach der anorthischen Endfläche,
parallel welcher Quersprünge durchsetzen, auch diese Endfläche selbst,
welche in ihren Neigungswinkeln gegen die breiten Prismenflächen
des Disthen jener Staurolithfläche in ihren Neigungswinkeln gegen die
stumpfen Prismenkanten fast vollkommen entspricht, Winkel an nahe
100° und 80° bildend, dagegen entspricht sie in der Neigung gegen
die schmalen Prismenflächen des Disthen jener Staurolithfläche in
ihrer Neigung gegen die Längsflächen, Winkel von 93°30° und 86030‘
bildend. An drei Disthenkrystallen zeigte sich eine viel steilere
schiefe Fläehe an den Enden, welche mit den schmalen Prismenflä-
chen des Disthen einen Winkel von nahe 125° bildet und an einem
Exemplare als Abstumpfung der Combinationskante erscheint, welche
die schmale Prismenfläche mit der zuerst erwähnten schiefen End-
fläche bildet. An einem Exemplare des Argentit von Freiberg (Sach-
sen) sind die Krystalle mOm.. O.:u O0, wo der Werth von m klei-
ner als 2 ist. Ein an beiden Enden ausgebildeter Rutilkrystall stellt
die Combination „P.P ... P dar, wovon die letzten Flächen sehr un-
tergeordnet sind. Zugleich erscheinen die pyramidalen Enden in der
Ausbildung hinter den seitliehen, den prismatischen Flächen insofern
zurückgeblieben, als da wo die Prismen- mit den Pyramidenflächen
Combinationskanten bilden sollten, die Rutilsubstanz sich als Erwei-
terung der Prismenflächen abgesetzt hat, während die pyramidalen
Enden wie in eine Hülse hineingesteckt erscheinen. Der eisen-
schwärze Krystall ist stark halbmetallisch glänzend und undurchsich-
tig, die überragenden Theile röthlichbraun bis gelblichroth stark
durchschimmernd. An drei Exemplaren des Scheelit von Frammont,
welche schöne Krystalle aufgewachsen mit Fluorit und Chalkopyrit
370
auf einem Pyrit enthaltendem gelben, rothen oder schwarzen thoni-
gen Gestein darstellt, liess sich eine interessante Zwillingsbildung
beobachten Die aufgewachsenen Krystalle sind Combinationen der -
vorherrschenden Pyramide P und der untergeordneten Pyramide P „,
woran noch zweierlei Pyramiden in verwendeter Stellung vorkom-
Pm
men, eine >= als Abstumpfung der Combinationskanten P/P „ und
| mPn 8 ER:
eine —>— als Zuschärfung der Combinationsecken von P und P„.
Bekanntlich kann man, wenn Krystalle zur Vergleichung nicht aus-
r l
reichen, solche Pyramiden beliebig als 5 oder —- bezeichnen, hier
aber sieht man aus der Zwillingsbildung, dass Krystalle mit _ und
4 du:Bm mPn ; Ä
solche mit wog: oder —— da sind. Die Zwillinge nämlich haben
parallele Achsen und würden als Penetrationszwillinge beim Zusam-
menfallen der Achsen nicht erkennen lasscn, ob sie Zwillinge sind.
Hiebei kann sich auch der Fall ereigneu, dass man quadratische
Trapezoeder sieht, ohne dass sie wirklich vorhanden sind. Esist nicht
selten, dass hemiedrische Flächen, welche in Combinationen unter-
geordnet auftreten, nicht vollzählig sondern vereinzelt da sind, zumal
wenn eine vorwiegende Ausbildung des Krystalls nach einer oder der
andern Richtung da ist. So kann auch hier das eineIndividuum des
aufgewachsenen Zwillings an einer hervortretenden Seitenecke eine
statt zwei Pyramidenflächen verwendeter Stellung haben und wenn
zufällig an dem andern Individuum auch nur eine solche da ist statt
mPn
zwei: so lässt der Zwilling die Flächen —- hemiedrisch trapezoe-
drisch erscheinen, ohne dass diese Hemiedrie in der That vorhanden
ist. Auch an Scheeliten von Zinnwalde beobachtete K. diese Bil-
dung. — (Züricher Vierteljahrsschrift IV. 338— 346.) 6.
A. Mitscherlich, überdieZusammensetzung des Tur-
malins, des Glimmers, der Hornblende und des Stauro-
lithes. — Nach den Analysen des Verf.’s durch Aufschliessen mit
Schwefelsäure und Wasser im zugeschmolzenen Rohre enthalten die
untersuchten Turmaline kein Eisenoxyd sondern nur Oxydul. Indem
Verf. danach die Rammelsbergischen Analysen für die Turmaline um-
rechnete, zeigte es sich, dass das Verhältniss der Basen mit der Bor-
säure zur Kieselsäure in allen Turmalinen dasselbe ist, es entspricht
dem Verhältniss 11:8. Das Vorkommen von Kohlensäure fand Verf.
nicht bestätigt, wohl aber entwickelte sich bei seiner Aufschlussme-
thode Chlorwasserstoffsäure. Lithion wurde in einigen Turmalinen
durch die Spectralanalyse in grösserer in andern in geringerer Menge
nachgewiesen. Von Glimmer und Hornblenden untersuchte Verf. nur
wenige, in denen viel Eisen enthalten war. Es zeigte sich, dass we-
der nur eine Oxydationsstufe des Eisens noch ein constantes Verhäli-
371
niss von Eisenoxyd und Eisenoxydul in ihnen enthalten war. Verf.
giebt eine Tabelle über die Resultate seiner Analysen. Es weichen
aber die gefundenen Eisenmengen so sehr von denen der Rammels-
berg’schen Analysen ab, dass wahrscheinlich verschiedene Species
den beiderseitigen Untersuchungen vorgelegen haben, es lässt sich
daher nur das Verhältniss von Oxyd zu Oxydul als richtig zur Ver-
gleichung annehmen. — (Journ. f. pract. Chem. Bd. 86 p. 1.) O.K.
E. Reiehardt, neues Vorkommen von Polyhalit. —
In Stassfurth durchsetzen das eigentliche - Steinsalzlager einzelne
Schnüre in bestimmter Richtung von einer Linie bis fast ein Zoll
Stärke, die auch noch in des Verf. grösserer Arbeit über das Stass-
further Lager als Gyps bezeichnet worden. Nach der genauern Un-
tersuchung ergaben sie sich aber als Polyhalit, der in vielen andern
Steinsalzlagern schon gefunden in Stassfurth noch fehlte. Wenn man
die Formel des Minerals mit Rose zu RO, SO®-+ Mg 0 SO3+ „(Ca O, SO;)
+3HO annimmt, so lässt sich seine Entstehung leicht vom Gyps ab-
leiten, indem 2 Atome Wasser in zwei Aequivalenten Gyps durch ein
Aeg. schwefelsaures Kali und ein Aeq. schwefelsaure Magnesia er-
setzt sind. — (Arch. d. Pharm. II. Reihe Bd. CIX p. 204). 0. &.
Palaeontologie. A.Zittel undF. Hochstetter, zurPa-
laeontologie von Neuseeland. — Die ersten Aufschlüsse über pe-
trefaktenführende Schichten im südlichen Neuseeland gab Mantell 1850
und Forbes, umfassendere Untersuchungen hat Hochstetter angestellt,
welche im Novarawerck erscheinen werden. Unger, v. Hauer, Suess,
Karrer und Stache bearbeiten die Petrefakten dazu und Zittel noch die
Mollusken und Seeigel, über welche sich derselbe hier verbreitet. Die
ältesten Petrefaktenführenden Schichten liegen auf der Südinsel bei Rich-
mond unweit Nelson und bestehen aus eisenschüssigem und grauwacken-
ähnlichen Sandstein mit Monotis salinaria var. Richmondana und Ha-
lobia Lommeli, also entschiedenen Triasarten und wenigen unsichern
Arten. An der WKüste der nördlichen Insel beim Waikato Southead
und am Kawhiahafen treien Kalkmergel mit viel Belemniten und ei-
nigen Ammoniten auf. Belemnites Auklandicus n. sp. ‚ist fast iden-
tisch mit B. canaliculatus, Ammonites novozealandicus giebt keinen
Anhalt, Placunopsis striatula und Inoceramus Haasti alle neu. Eine
nähere Altersbestimmung der Schichten gestatten diese Arten nicht,
Andere verschiedener Localitäten sind tertiär und z. Th. mit leben-
den identisch. Die Gesteine der ältern Abtheilung sind thonige glau-
konitische eisenschüssige Kalkmergel, helle Thonmergel, feinkör-
nige Sandsteine mit meist schlecht erhaltenen Arten, welche eine nä-
here Vergleichung nicht gestatten, doch das jugendliche Alter unver-
kennbar anzeigen. Verf. zählt die einzelnen Localitäten auf, ihre Ar-
ten sind sämmtlich neu: Brissus eximius, Schizaster rotundatus,
Hemipatagus formosus und tuberculatus, Nucleolites papillosus, Fas-
eiculipora mamillata, Terebrateln, Ostraea Nelsonana, Pecten athleta,
Burnetti, Williamsoni, Hochstetteri, subpolymorphus, Pecten Fischeri,
auclandicus, Cucullaea singularis, Scalaria Bronni und lyrata, Lamna-
372
zähne. Die Fauna der jüngsten Schichten schliesst sich eng an die
lebende Neuseelands an, enger an die jüngsten chilesischen und patago-
gonischen als irgend einer tertiären europäischen. Am reichsten sind
die blauen Thone im Awaterrethal, minder gut die Exemplare im
Grünsand von den Cliffs bei Nelson, dann am Kap Rodney in einer
grobkörnigen Breceie, andere Lokalitäten sind arm. Untersucht wur-
den eine lebende Waldheimia, Ostraea ingens und Wüllerstorfi, Pec-
ten Triphooki, Limopsis insolita Swb. die lebenden Solenella .austra-
lis Quoy und Pectuneulus laticostatus Quoy, Crassatella ampla, Do-
sinia Greyi, Teredo Heaphyi, Dentalium Mantelli, Crepidula incurva,
die lebende Trochita dilatata Quoy, Trochus Stoliczkai, Turbo super-
bus, Natica Denisoni, die lebende Voluta pacifica, V. gracilicosta»
Purpura und texteliosa, Buceinum Robinsoni, Struthiolaria canaliculata
und cingulata. — Die Braunkohlenlager der Nord - und Südinsel ge-
hören gleichfalls der ältern Abtheilung an und führen bei Drury un-
weit Aukland und bei Nelson dikotyle Blätter. Von erster Lokalität
konnte Unger nur wenige generisch bestimmen, die der anderen gar
nicht: kein einziges Blatt ist mit europäischen identisch. Fagus Ni-
nisana. steht der lebenden chilesischen F. procera zunächst, Lorantho-
phyllum Griselinia der neuseeländischen Griselinia lueida sehr ver-
wandt, L. dubium ähnlich dem Loranthus longifolivs, Myrtifolium
lingua ganz eigenthümlich, ferner die unbestimmbaren Phyllites Pur-
chasi, ficoides, novae Zealandiae und leucinium. — (Neues Jahrb. f.
Mineral. .146—161.) ;
L. Lesquereux, die Pflanzen der Namerikanischen
Steinkohlenformation (cf. XX. 26 8). — Diese Fortsetzung ver-
breitet sich über folgende Pflanzen: Gyromyces Ammonis Gp häufig
in Illinois ist vom Verf. zu Planorbis, von Dawson zu Spirorbis ge-
stellt worden. Von Pecopteriden kommen in NAmerika vor die eu-
ropäischen Alethopteris lonchitidis, aquilina, Serli und marginata,
dann die eigenthümlichen A. pensylvanica und Oweni. Von Callip-.
teris die C. Sullivanti. Zu dieser Gattung versetzt L. die europäi-
schen Pecopteris gigantea, punctulata, Neuropteris conferta, obliqua,
ovata, conjugata und Pecopteris firmata® Mehrere ächte Pecopteris
Europas kommen auch in NAmerika vor. Aspidites nervosa, muricata,
Pluckeneti und Loshi gleichfalls in beiden Welttheilen. Diplazites
nicht von Pecopteris zu trennen, mit D. emarginatus und longifolius,
auch Asplenites und Polypodites trennt L. nicht. Von Sphenopteri-
den kömmt nur Sphenopteris sparsam vor mit Arten von Dickso-
nioides, Cheilanthoides und Davalloides. Auch Hymenophyllites, von
welchem Pachyphyllum Lesq nicht zu trennen in mehreren Arten ver-
treten z. B.H.flexicaulis Lesg. Pachyphyllum begreift Arten von Aph.
lebia und Schizopteris.— (Sillim. Americ. Journ: 1861. <XXUI. 206-216.)
C. Mayer, systematische Uebersicht der jurassi-
schen Belemniten nebst'neuen Arten. — Als Prodromus einer
demnächst erscheinenden Monographie der Jurabelemniten giebt Verf.
hier folgende ‘Uebersicht derselben:
373
I. Acuarii lanzettliche comprimirte: ohne Kanal und Seiten-
linien a. völlig glatte, « mit excentrischer Alveole. C. Gruppe des
B. acutus kurz kegelförmig, kaum comprimirt: B.acutus im Sinemu-
rien, alter n. sp. und breviformis im Liasien, brevis und giengensis im
Bajocien. 2. Gruppe des B. spinatus schlank und ziemlich stark com-
primirt: B. striatulus und die drei neuen Oosteri , macilentus und
Oppeli im Sinemurien, B. spinatusim Toarcien und Bajocien. 3. Gruppe
des B. umbilicatus ziemlich cylindrisch und deprimirt nur B. umbili-
catus im Liasien. — $) Mit centraler Alveole. 4. Gruppe des neuen
B. Moeschi im Bajocien. 5. Gruppe des B. borealis im Callovien. —
b. Arten mit Scheitelfurchen «. mit centraler Alveole. b. Gruppe des
B. paxillosus schlank, walzig, mit zwei dorsolateralen Furchen: .B.
paxillus neu im Sinemurien, B. elongatus Liasien, virgatus neu, pa-
xillosus und crassus im Liasien, withbyensis, vulgaris und paxillatus
im Toarcien. £. Mit excentrischer Alveole. 7. Gruppe des einzigen
B. compressus Liasien. 8. Gruppe des B. irregularis gedrungen, stark
eomprimirt, mit ventraler Furche: B. incurvatus, Wrighti, irregularis
alle im Toarcien. 9. Gruppe des B. acuarius sehr schlank mit sehr
verlängerten Furchen: B. longissimus und lageniformis im Liasien,
B. acuarius, longisulcutus, tricanaliculatus und dorsetensis’im Toarcien.
10. Gruppe des B. tripartitus kegelförmig, leicht comprimirt, mit drei
Furchen: B. Quenstedti, rhenanus, conoideus im Toarcien. 12. Gruppe
des B. giganteus mässig comprimirt mit vier Scheitelfurchen und B.
giganteus und der neue B. praecursor im Bajocien.
II. Canaliculati lanzetliche mit deprimirter Bauchfläche und
ohne Seitenlinien. a Völlig glatt. «. Mit excentrischer Alveole.
13. Gruppe des B. excentralis leicht deprimirt und comprimirt: B.
Escheri n. sp. im Bathonien, Wechsleri im Callovien, excentralis ebenda
und im Corallien, levis im Corallien. 14. Gruppe des B. Trautscholdi
leicht deprimirt und stark comprimirt: B. Trautscholdi im Bajocien.
ß- Mit centraler Alveole. 15. Gruppe des‘ einzigen B. Souichi im
Kimmeridgien. — b. mit einem Kanal «. mit excentrischer Alveole
16. Gruppe des B infracanaliculatus mit der Scheitelregion endenden
Kanal: B. infracanaliculatus im Bajocien, dann Kirghisensis, russien-
sis, panderanus, magnificus und Puzosanus im‘ @allovien und Trosla-
yanus im Kimmeridgien. f£. Mit centraler Alveole. 17. Gruppe des
B. Blainvillei mit unterhalb der Alveole endendem Kanale: B. Blain-
villei und der neue B. Heberti im Bajocien, alpinus im Bathonien, ab-
solutus und volgensis im Callovien. 18. Gruppe der B. canalicula-
tus mit bis auf die Alveole reichendem Kanale, nur diese Art im Ba-
jocien und Bathonien und B. Grantanus im Callovien. — c. Mit zwei
Kanälen: 19. B. Meyrati im Callovien.
III. Hastati spindelförmige mit Seitenlinien oder Seitenkanä-
len. a. glatte. 20. Gruppe des B. clavatus, klein, spindel- oder keu-
lenförmig: B. clavatus im Lias, toarcensis, neumarktensis und subela-
vatus im Toarcien. 21. Gruppe des einzigen B. Royeranus im 'Coral-
lien. — b. mit Rinnen. 22. Gruppe des B. würtembergicus die schmale
374
Rinne erreicht nicht oder kaum die Keule: B. neglectus n. sp. in Li-
asien, tirolensis im Toarcien, würtembergicus in Bajocien, helvetieus
n. sp. in Bathonien. 23. Gruppe der B. fusiformis die breite Rinne
erreicht fast die Spitze: B. fusiformis in Bathonien, bernensis n. sp.
im Oxfordien. 24. Gruppe des B. hastatus mit über die Keule rei-
chendem Kanale: B. Beyrichi und baculoides in Bathonien, hastatus
im Callovien, semisulcatus im Oxfordien. 25. Gruppe des B. Duva-
lanus stark eomprimirt mit schmaler Rinne: B. Duvalanus im Callo-
vien, ferner Didayanus, pressulus, Sauvanaui und argoviensis im Oxfor-
dien. — c. Mit Seitenrinnen. 26. Gruppe der B. exilis mit diesem,
parvus, Gumbeli und serpulatus im Toarcien, endlich 27. Gruppe des
einzigen Coquandanus im Oxfordien. — Verf. diagnosirt nun noch
die 16 neuen Arten, welche in der Schweiz vorkommen und macht
die vier ihm unbekannten Arten namhaft. — (Journal Conchyliol. 1853.
April.)
I. W.Kirby, neueChitonarten aus dem Bergkalk von
Yorkshire. — Die Exemplare wurden im untern Kohlenkalk mit Rhyn-
chonella angulata, Terebratula hastata, Spirifera cuspidata etc. gesam-
melt und bestehen aus einzelnen Schalenstucken, welche unter Beifü-
gung der Abbildungen unter folgenden Namen einzeln beschrieben
werden: Chiton Burrowanus, coloratus, und zwei namenlose Arten.
Es sind die ersten Arten im englischen Kohlengebirge, während aus
dem Belgischen de Koninck schon 1843 deren zwei und Ryckholdt 1845
deren 10 beschrieb, später auch Baily noch eine aus dem irischen
Kohlenkalk; überhaupt sind nun 18 Chiton- Arten aus dem Kohlenge-
birge bekannt. — (Quaterl. journ. geol. 1862 XVIII. 233—237 ce. Figg.)
Th.H. Huxley, Pygocephalus neuer Kohlenmacrure.
— Im dunkeln Kohlenschiefer von Paisley in Schottland wurde der
Abdruck eines langschwänzigen Krebses gefunden, welcher der früher
schon aufgestellten Gattung Pygocephalus anzugehören scheint. Lei-
der gestattet die Erhaltung desselben keine eingehende Vergleichung
mit dem frühern Exemplare und keine befriedigende generische Be-
stimmung. Es ist ein Macrure mit deutlich gestielten Augen, langen
Blättern an den äussern Fühlern, sehr dünnen Beinen und grossem
Hinterleibe. — (Quaterl. journ. geol. 1862. XVII. 420-422. c. Fig.)
R. Kner und Fr. Steindachner, neue Beiträge zur
Kenntniss der fossilen Fische Oesterreichs (Wien 1863,
7 Tff. Fol.) — Heckel deutete von Zigno gesammelte Fische auf drei
Arten Albula und einen Megalops, deren Exemplare die Verff. unter-
suchten und anders bestimmten. Sie fanden an erstern nicht die sehr
charakteristischen Zähne der Gattung, hinsichtlich deren Heckel sich
getäuscht hat. Die Reste gehören vielmehr der Gattung Chanos an,
denn ihr Mund ist völlig zahnlos, die Form des Unter- und Zwischen-
kiefers und auch die vorderen Stücke des Suborbitalringes stimmen
vollkommen damit überein, nicht minder die Form und Zeichnung der
Schuppen und die Bildung der Schwanzflosse. Heckels Albula bre-
vis wird nun als Chanos brevis 7° lang von Chiavon beschrieben,
375
dessen A. Zignoi und lata als Ch. Zignoi von ebenda. Auch Heckels
Megalops forcipatus fällt Chanos in allen wesentlichen Merkmalen zu
und wird hier als Ch. forcipatus speciell beschrieben. Zu diesen Clu-
peoiden fügen die Verff. weiter an Scomberoiden Vomeropsis elonga-
tus Heck, welcher in der Ittiologia veronese als Zeus vomer abgebil-
det ist, aber doch mit Vomer nicht nah verwandt ist. Seine Totalge-
stalt ist elliptisch, der Kopf liegend ziemlich gestreckt, das längliche
Auge weit zurückstehend, eine lange Rücken- und Afterflosse, längs
ihrer Basis einander gegenständig, keine fadenförmig verlängerten
Flossenstrahlen, abgestutzte Schwanzflosse. Die Art vom Monte Bolca
wird ausführlich beschrieben. Die neue Gattung Pseudosyngnathus
beruht auf Syngnathus typhle Ittiol. veron. = $. opisthopterus Ag.
und vermittelt die Lophobranchier mit den Aulostomen. Die Art wird
als N. opisthopterus beschrieben. Solenorhynchus hat schon Heckel
als Lophobranchier charakterisirt: Körper, walzig, dünn, von kantigen
Ringen umgeben, der Schwanztheil kurz, Mund am Ende der Röhre,
klein, schief, aufwärts gespalten, zwei Rückenflossen, die erste mit-
telständig, die zweite über der Afterflosse, Bauchflossen vor der
Rückenflosse, Schwanzflosse zugespitzt, verlängert, Die Art ist S.
elegans Heck. Weiter wird der Rajacee Urolophus princeps Heck vom
Monte postale beschrieben und der Gadoide Morrhua aeglefinoides n.
sp. von Pod Sused in Croatien.
Huxley, neue Labyrinthodonten aus dem Edinbur-
ger Kohlengebirge. — Loxomma Allmanni beruht auf einem hin-
tern Schädelstück und Brustschildern aus dem Eisensteine von Gil-
merton, und wird speciell beschrieben. Während der grösste bekannte
Archegosauren Schädel 12” misst, hat dieser neue 14” Länge und
unterscheidet sich von jenen hauptsächlich noch durch die nach hin-
ten gerückten, schiefen, fast birnförmigen Augenhöhlen, worauf der
Name Loxomma, Schiefauge deutet. Die Brustplatten haben eine ent-
sprechende Grösse. — Pholidogaster piseiformis gründet sich auf ein
vollständigeres Exemplar derselben Gegend von etwa 44” Länge, wo-
von der Schädel den sechsten Theil einnimmt. Das Schnauzenende
ist völlig abgerundet, die Kehlschilder deutlich vorhanden, dahinter
schiefe Reihen langgezogener dicker Bauchschuppen. Die Wirbelkör-
per sind vollkommen knöchern, in der Mitte schwach eingezogen, bi-
concav, an der Unterseite mit mittler Kante; Bögen und Fortsätze
fehlen. — (Quaterl. journ. geol. 1862. XVII. 291—296. tb. II.)
R. Owen, Reptilien des Kohlengebirges in Neu-
schottland.-- Dawson sammelte in den Koblenschichten von South
Joggins Reptilienreste, welche Owen eingehend untersuchte. Hylo-
nomus Lyelli Wirbel, Rücken, Beinknochen, Schädelstück und Ober-
kiefer mit Zähnen, H, aciedentatus Ober- und Unterkieferfragmente,
K. Wymanni Fussknochen und sechs Schwanzwirbel, Hautschilder,
Hylerpeton Dawsoni linker Unterkieferast mit Zühnen, Dendrerpeton
Acadianum ein fast vollständiges Skelet. Die neue Gattung Hylono-
mus besitzt die Zahnbildung eines kleinen Insekten - oder Würmer-
376
fressenden Reptils. Zahl, Form und Stellung der Zähne erinnert zu-
nächst an Archegosaurus; ihre Krone ist über der Basis etwas er-
weitert und geht in eine stumpfe Spitze aus. In einer Kieferreihe
stehen mindestens 40 Zähne. Die Aussenfläche des Oberkiefers lässt
ähnliche Gruben und Furchen erkennen wie bei Archegosaurus. Die
Haut bedecken kleine oyale Schuppen, deren concave Innenseite zel-
lige Struktur zeigt, während die fast flache Oberseite die Härte der
Ganoidenschuppen zeigt. Die Vorderfüsse scheinen vierzehig gewe-
sen zu sein, die Zehen bis zur vierten an Grösse zunehmend und zum
Schwimmen geeignet; die Schwanzwirbel lang gestreckt, denen von
Proteus ähnlich. 'Hylerpeton hatte’ grössere und weniger Zähne mit
dicker stumpfer Krone und zeigt viel Fischähnlichkeit, doch zweifelt
O. an der Reptiliennatur nicht, ja die Zahnbildung verräth Echsen-
typus. Dendrepeton hat einen breiten niedergedrückten Schädel,
der vorn stumpf gerundet ist, durch seine allgemeine Configuration
den eigentlichen Labyrinthodonten ähnlicher als den Archegosauren.
Die grossen runden Augenhöhlen stehen fast in der Mitte der Schä-
dellänge. Wie erste Gattungen zeigt auch diese einige Beziehungen
zu den Ganoiden, selbst in der Körperbedeckung, welche in ellipti-
schen, innen glatten, aussen längs der halben Länge erhabenen Schup-
pen besteht. Keine dieser Gattungen kann einer lebenden Familie
oder Ordnung der Amphibien zugewiesen werden, sie constituiren
vielmehr eine eigenthümliche Gruppe, die der Ganocephalen. — (Quar-
terl. journ. geol. 1862 XVII. 238-244. tb.'9. 10.)
A. Gaudry, der fossile Affe Griechenlands. — Wäh-
rend Cüvier noch keinen einzigen vorweltlichen Affen kannte, sind
gegenwärtig deren schon zehn Arten nachgewiesen, 2 in Südamerika,
3 in Asien, 5 in Europa, alle freilich nur nach sehr seltenen und un-
vollständigen Ueberresten. Dazu kommen nun die griechischen sehr
zahlreichen Ueberreste. G. sammelte 20 Schädel, mehre Kiefer und
Knochen des Skelets bei Pikermi und konnte ein vollständiges Ske-
let aufstellen. Die Aehnlichkeit im Schädel mit Semnopithecus ist
unverkennbar und G. hielt die Aufstellung des Wagnerschen Mesopi-
thecus für nicht gerechtfertigt, was auch Beyrich schon nachgewiesen
hatte. Allein die letzten Ausgrabungen lieferten auch die Gliedmas-
sen, welche minder dünn und schlank wie bei Semnopitheken sind
und vorn und hinten fast gleich, vielmehr denen der Makaken ent-
sprechend. Die verwandtschaftlichen Beziehungen stellen sich nun-
mehr ganz anders, als man nach der Vergleichung des Schädels allein
erwarten konnte. G. nimmt nun den Wagnerschen Namen Mesopithe-
cus wieder auf, jedoch nicht mit Beziehungen zu den Gibbons, son-
dern zu den Makaken. Alle Ueberreste von Pikermi gehören der ein-
zigen Art M. pentelicus. Allerdings sind einige Exemplare: stärker
als andere und auf solche gründete Wagner seinen M. major, diesen
Unterschied nimmt G. für sexuell, da er in- ganz gleicher Weise auch
bei lebenden Affen vorkömmt. Der Mesopithecus hat !/; Meter Lei-
beslänge, einen langen Schwanz, einen Gesichtswinkel von 75°, sein
377
Gebiss entspricht ganz Semnopithecus und weisst auf weiche Pflan-
- zennahrung, die Form der Sitzbeine spricht für starke Gefässschwie-
len; die Vorderfüsse mit Daumen zum Greifen, die Finger der Hin-
terhände sehr lang und die ziemlich gleiche Länge beider Gliedmas-
senpaare macht den Aufenthalt am Boden wahrscheinlicher als den
auf Bäumen. Dass aber dieser Affe ein tropisches Klima für Grie-
chenland beweist, weil die lebenden Affen den, warmen Ländern ange-
hören, ist ein völlig unbegründeter Schluss. Er ist ein ganz anderes
Thier als die lebenden Affen und konnte also auch in einem anderen
Klima leben so gut wie gegenwärtig nicht alle Hirscharten in einem
Klima leben. — (Bullet. soc. geol. XVIII. 1022—2025.) @l.
Botanik. Treviranus bespricht die Auffassung der
Dichogamie nach Sprengel und Darwin. Nach Ansicht derselben
sind die Insecten ein Hauptinstrument zur Befruchtung der Pflanzen,
ohne diese würde es in vielen unerklärlich sein, wie die Befruchtung
vor sich geht. Treviranus erklärt sich einverstanden, findet aber, dass
Selbstbefruchtung doch als Norm anzusehen ist. Die Beobachtungen
lehnen sich an Papilionaceen, Primulaceen und Orchideen, von denen
namentlich die letzteren die grösste Schwierigkeit für den Vorgang
der Selbstbefruchtnng bieten. — (Bot. Zeitung, 1863. p. 1.) ;
Seemann hat eine Flora von 800 Arten der Fidji-Inseln
zusammengestellt. Merkwürdig ist die bedeutende Menge von Ru-
biaceen und die geringe der Compositen und Gräser. — (Synopsis
plantarum Vitiensium. Systematie list of all the Fijian plants at pre-
sent know.)
Sanio macht einige Bemerkungen über den Gerbstoff und
seine Verbreitung bei den Holzpflanzen. Die bisherigen Reagentien
auf Gerbstoff sind nicht geeignet über die Verbreitung des Gerb-
stoffs hinreichenden Aufschluss zu geben. Sowohl der Niederschlag
den Eisenchlorid hervorbringt, wie auch der rosenrothe Niederschlag,
den man mittelst Chlorzinkjod erhält, ist schmierig, fliesst deshalb
leicht aus den durch das Wasser geöffneten Zellen heraus und kann,
indem er sich über ursprünglich gerbstofffreie Zellen verbreitet, leicht
zu Täuschungen Veranlassung geben. Zweckmässig ist es, den Gerb-
stoff in den Zellen durch Ueberführung in eine feste compacte, durch
Farbe leicht erkenntliche Verbindung zu fixiren und dann durch Her-
stellung vom Quer- und Längsschnitten seine Verbreitung zu ermit-
teln. Das passendste Reagens hierzu ist zweifach chromsaures Kali.
Mit demselben bildet der Gerbstoff eine compacte, im durchfallenden
Lichte intensiv rothbraune Verbindung. Als Resultat ergiebt sich,
dass im Winter, also bei ruhender Vegetation, sich der Gerbstoft
nicht in allen Holzpflanzen vorfindet, stets nur in parenchymatösen
Zellen auftritt, sich nur gelöst im Zelleninhalte findet, neben Chloro-
phyll und Stärke auftreten kann und am reichlichsten in der Rinde
vorkommt, Von den einheimischen Holzpflanzen ist Quercus pedun-
culata am gerbstoffreichsten. — (Bot. Zeitung, 1863, p. 17.)
Lindenberg theilt im unten angegeb. Werke Bestimmungen
XXL 1863, 25
378
der Torfmoose mit. Derselbe unterscheidet: 2 Genera: Isocladia
und Sphagnum. Zu ersterem gehört nur eine einzige Art J. macro-
phyllus aus NAmerika, zum zweiten 2 Gruppen A) Homophylla ohne
Spiralfasern und mit nur einem endständigen Loche im Blatte (hierzu
nur? aus Java und Sumatra bekannte Arten und B) Heterophylla um-
fasst alle übrigen Arten. — (Torfmossornas byggnand, ut bredning
och systematisk uppstalling.)
W. Kabsch hat gefunden, dass wenn man die Haare des
Saamenschopfes von Asclepias »yriaca trocknet und unter dem
Mikroscope bei etwa 250—300 maliger Linear-Vergrösserung betrach-
tet, sehr häufig an ihnen spiral. Streifungen wahzunehmen sind, die
mitunter, namentlich in der Nähe der Basis der Haare äusserst re-
gelmässig in einfachen oder doppelten Spiralen verlaufen, welche zu
verschiedenen interessanten Beobachtungen über die Bildungsweise
der Ringfasern etc. Veranlassung geben. Ob die Sprödigkeit der
Haare durch einen Gehalt an oxalsaurem Kalk bedingt ist, muss der
Verf. dahingestellt sein lassen, jedenfalls ist das Vorkommen dieses
Salzes als Bestandtheil der Zellenmembran bemerkenswerth.
Liebe hat eine Schrift über die geographische Verbrei-
tung der Schmarotzerpflanzen herausgegeben. Dieselben sind
in den Tropen am stärksten vertreten und nehmen nach den Polen
ausserordentlich schnell ab. Namentlich ist dies bei den Lorantha-
ceen der Fall, die in den gemässigten Zonen nur in noch sehr ge-
ringer Zahl vorkommen; nur Viscum album L. geht bis zu den Mı-
seln im Mälarsee (60° N. Br.) Die meisten Loranthaceen hat Ame-
rika, dann Asien, Afrika, Australien und zuletzt Europa. — (Ueber die
geogr. Verbreitung der Schmearotzerpflanzen. Berlin 1862.)
D. Brandis giebt in einem Schreiben vom 23. März v.J. aus
Domdamu Forests in Hinter-Indien verschiedene Aufschlüsse über
die Baumvegetation einer Bergkette längs des Thales Thonogyun.
Obwohl die Berge an 4000‘ Höhe erreichen war es doch dem Reisen-
den gestattet Nächte im Freien zuzubringen. Der dichte Urwald
breitet eine Decke von 200° Dicke über dem Boden aus und wird nur
hier und da durch Rodungen unterbrochen. Die letztern werden je-
doch nur einmal zu einer Erndte von Reis und Baumwolle benutzt
und verwildern dann wieder. Die Bäume des Gebirges, welche auch
in der Ebene zu Hause sind, nehmen im Urwald gigantische Ge-
stalten an (200%) an. Als Repräsentanten sind anzuführen: Diptero-
carpus, Hopea, Shorea, Millingtonia, Cassia Boxburghii, Myristica,
einige Anonaceae, Eurya, Antiaris, Durio sp. nov., Pongamia, Chik-
rassia, Proteacea mit fleischiger Frucht, Quercus, Celtis (Gissoniera),
einige Rubiaceae, von Laurineen Tetranthera und Polyadenia, Arcto-
carpus sp., Gardenia rostrata, Pierardia sapida, Gascinia sp., Dua-
banga grandiflera, Pterospermum acerifolium, Nauclea sp., Jambosa
etc. — (Bot. Zt. 1863. p. 43.)
A. Kanitz hat Pflanzen Pannoniens, Daciens und
Rumeliens gesammelt und giebt deren Kenntniss nebst Verbreitung,
379
u. a. Carex pyrenaica Wahlenberg, C. trachyantha (dieselbe gleicht im
ganzen der pilulifera, unterscheidet sich aber durch die Deckblät-
ter, die am Grunde aus einer Vagina auslaufen und Oehrchen ein-
schliessen), Iris lepida Heuff., Iris biflora (wohl mit Iris germanica
identisch), Orchis elegans, Allium ammophilum, Salix repens, mehrere
Quercus, Veronica acinifolia, Ferula communis, Potentilla chrysantha
und rupestris, Cytisus leucanthus, Viola ambigua, Ranuneulus auri-
comus und flabellifolius. — (Ebda. 1863. p. 45.)
Nach Bericht über den botan. Garten in Buitenzorg auf Java
schreitet die Seide-Cultur dort fort. Man trägt Sorge, dass Mo-
rus indica mehr angepflanzt werde. — (Zbda. 1863. p. 48.)
v. Schlechtendal giebt Beiträge zur Kenntniss der Gattung
Beshorneria Kth. Im Sommer 1862 entwickelte sich im hotani-
schen Garten hierselbst B. yuccoides Hook. Es erhob sich aus dem
Mittelpunkte der Blattrosette ein Blühtenstand von grün und roth
gefärbten Scheiden umkleidet. Derselbe erhob sich 9 Fuss über den
Boden des Topfes, in welchem die B. stand, begann aber erst einige
Fuss über seinem untersten Ende Zweige zu bilden, die in unregel-
mässigen Abständen von einander, aber rund um die Hauptachse aus
den Winkeln der Bracteen hervorkommend eine verschiedene Länge
hatten (die längsten etwa 10 Zoll) und alle mit kleinern Bracteen
wieder besetzt waren, aus welchen bald gestielte Blumen herabhin-
gen. Die Spitze der Hauptachse hatte keine entwickelten Aeste,
sondern nur aus dem Bracteen-Achseln herabhängende gestielte Blu-
men. Die Pflanze macht keinen glänzenden Eindruck. Die grössten
Blätter hatten bei circa 31/3 Zoll Breite 2!/, Fuss Länge, auf ihrer
Oberfläche war eine breite Rinne, beide Flächen des Bl. aber mit
einem feinen weissen Ueberzuge bedeckt. Die Blume selbst hat eine
intensiv grüne Färbung. Es gelang auch die Frucht zu erzielen. —
(Ebda. 1863. p. 49.) RD.
A. Kanitz führt die Urticeen Ungarns auf. — (Zbda. 1863.
p. 54.
F. Nobbe veröffentlicht eine Vegetationsstudie über die
feinere Verästelung der Pflanzenwurzel, (Dresden, Druck von Bloch-
mann u. Sohn. 1862.) — (Ebda. 1863. p. 55.)
J. Sachs hat die Keimung des Samens von Allium Cepa
beobachtet und berichtet darüber ausführlich. — (Zbda. 1863. p. 57.)
William Nylander beschrieb mehrere Diatomeenarten.
An die Beschreibung derselben knüpft Hermann einige Bemerkun-
gen, ob die Diatomeen Thiere oder Pflanzen sind. Darüber kann
zur Zeit eine endgültige Entscheidung noch nicht abgegeben werden,
da wir noch zu wenig von der Entwickelungsgeschichte, von dem
doch sicher vorhandenen sexuellen Gegensatze in ihrem individuellen
Entwickelungskreise von einem ebenso wahrscheinlich noch neben der
Theilung vorhandenen aaderweitigen Fortpflanzungsprocesse wissen.
H. hält die Kopulation der Diatomeen, die er zu beobachten mehr-
25*
380
fach Gelegenheit hatte, nicht für eine Fortpflanzung im engern Sinne.
(Ebda. 1863. p. 62.)
Hoffmann giebt mehrere mykologische Berichte, welche
sich an schon früher von ihm gemachte anlehnen. Im Innern er-
krankter Seidenraupen oscilliren bekanntlich Körperchen, welchen
Lebert den Namen ‚„Panhistophyton ovatum gegeben hat, diese hält
Cornalia jetzt mit Genanntem für ein pilzartiges, einzelliges Wesen.
C. Vittadini hat beobachtet, dass das Embryonalgewebe mit diesen
Körperchen schon im Ei erfüllt ist. Man sollte demnach mittelst des
Mikroscops schon früh die kranken Eier von den gesunden sondern.
F. V. Jodin bestätigt die Versuche von Pasteur u. A. wonach
die Schimmelpilze in einer mykogenen Flüssigkeit starke Oxy-
dation veranlassen. (Zbda. 1863. pag. 71.)
H. Hoffmann hat eine Sylloge der Pilze aus der Mittel-
rheingegend, insbesondere dem Grossherzogthum Hessen zusammen-
gestellt. — (Zbda. pag. 73.)
Derselbe fährt fort mykologische Berichte zu geben. Nach
I. Kühn ist nicht der Berberitzenbrand oder Becherrost Ursache, dass
in Nähe vom Berberitzer das Getreide leicht brandig wird, sondern
die unter dem Schutze solcher Gesträuche und Hecken in Menge über-
winternden rostigen Queckenhalme übertragen die Sporen des Rostes
auf das benachbarte Getreide. — (Zbda. 1863, p. 82.) R.D.
Schultz-Schultzenstein sprach in der 3. Vers. des bot.
Vereins für Brandenburg über mehrere Pflanzen der Mark,
welche er im Ruppinischen fand und sonst zu den seltenen der Ge-
gen gehören. Leersia oryzoides Sw. an quelligen Stellen der Ge-
gend von Rheinsberg. Diese Pflanze wird an vielen Orten ihrer spä-
ten Blühtezeit wegen übersehn. Ihre Rispen entwickeln sich oft erst
im October und November. Arnica montana L. bei Ruppin unweit
Storbeck und im Hundebusch. Pulmonaria officinalis L. bei Ruppin
unweit des Pfefferteichs. Scrirpus Tabernaemontani Gmel in Seen
zwischen Rottstiel und Malchow. Diese Art liebt seichteres Wasser
als S. lacustris L. und wird von den dortigen Fischern unter dem
Namen Steinbiese wohl von letzterer unterschieden und ihrer grösse-
ren Festigkeit wegen zur Herstellung der Aalflösse vorgezogen. Lin-
naea borealis L. in der Ruppiner Gegend an der sogenannten Hack-
spitze unweit Kunsterspring. Die Kultur dieser Pflanze ist noch nicht
hinreichend erforscht. Es ist z. B. auffallend, dass man sie bei uns
nur auf moosigem Waldesboden, in den Alpen Graubündens und in
Scandinavien auch auf nackten Granitbodem findet. Nach einer Be-
merkung Bolle’s soll jedoch bereits Wildenow die Kultur der Linnea
gelungen sein und dieselbe neuerdings von Paul im botanischeu Garten
zu Berlin ohne Schwierigkeiten in Töpfen eultivirt werden, — (BeME
d. bot. f. Brandenb. 3 und 4 J. 1861 und 1862 pag. IX.)
P. Ascherson macht darauf aufmerksam, dass mehrere Pflan-
zen in der Provinz Brandenburg ihre Vegetationslinie erreichen und
diese hauptsächlich durch den Gegensatz von Continental- und See-
38l
klima in nordwestlicher und südöstlicher Richtung bedingt würde —
(Ebda. 1861 XIX.)
Th. Irmisch, über Trifolium Lupinaster L. — Es ge-
hört nicht bloss seiner geographischen Verbreitung nach zu den merk-
würdigsten Kleearten der europäischen Flora, sondern es bietet auch
in morphologischer Hinsicht manche Eigenthümlichkeiten dar. ' Die
Keimung erfolgt 2—3 Wochen nach der Aussaat. Das erste Laub-
blatt ist, wie es als Regel für die Kleearten gilt, einfach, manchmal
auch das zweite; doch zeigt sich hierbei manches Schwankende, in-
dem I. das zweite auch zwei- oder dreizählig fand. Das 3. Blatt ist
gewöhnlich 3zählig, wenn aber das zweite einzählig war, so hatte je-
nes bisweilen auch nur zwei Blättchen. Die Keimblätter. sowie die
ersten Laubblätter unterscheiden sich auffällig von den Blättern der
älteren Pflanze darin, dass die einfache Spreite oder die Blättchen
dureh einen deutlichen Stiel, an dessen Spitze letzterer dicht bei ein-
ander stehen, von der Scheide, die neben dem Stiele je ein niedriges
dünnhäutiges Aehrchen bildet, getrennt sind, während sie bekanntlich
an den späteren Blättern dieser Scheide dicht ansitzen. Der Stiel der
ersten Laubblätter misst 3—4 Linien in seiner Länge und ist faden-
dünn. Die Spreite des ersten Laubblattes fand Verf. ganzrandig,
wogegen die des folgenden fein gezähnelt waren. Das Vorhanden-
sein eines deutlichen Stiels an den Blättern der jüngern Pflanze im
Gegensatze zu dem Mangel desselben an den Blättern der späteren
Achsen erinnert lebhaft an dasselbe Verhalten, das von Berberis vulga-
ris bekannt ist. Die apikotylische Achse streckte sich im Laufe des 1.
Sommers bei kräftigen Pflanzen bis zu 4—5 Zoll Höhe. Sie blieb in
ihren oberen Theilen unverzweigt. Während des Herbstes und des
Winters des ersten Jahres stirbt die Primärachse bis auf die ganz
kurzen basilären Glieder, die, wie es bei so vielen perennirenden
Gewächsen um die angegebene Zeit der Fall ist, von dem Boden ver-
deckt sind oder doch nur wenig über ihn hervorsehen, gänzlich ab.
Von den perennirenden Knospen wachsen im Laufe des Frühlings
und Sommers eine oder einige zu abermals gestreckten Stengeln aus,
Am Grunde haben diese einige scheidenförmige Niederblätter, an die
sich in meist ailmäligem Uebergange die Laubblätter anschliessen,
welche an schwächeren Pflanzen auch im 3. Jahre oft nach 3- und 4-
zählig, bei stärkeren aber 5zählig sind. Die schwächeren blühten erst
im dritten, die stärkeren schon im zweiten Jahre. Die perennire-
den Knospen treten in zweierlei Formen auf. Einmal sind es solche,
die schief aufrecht dicht an ihrer Mutterachse stehen und neben der-
selben auch wieder über die Bodenoberfläche hervortreten ; anderseits
wachsen dieselben als horizontale Ausläufer eine Strecke unter dem
Boden hin, die längsten waren ungefähr eine Spanne lang. Sowohl
diekurzen, der Mutterachse ansitzenden, als die ausläuferartigen Spros-
sen bewurzeln sich oft sehr rasch, und einzelne Nebenwurzeln schwel-
len rübenförmig an. Die Blätter ausgewachsener Pflanzen sind ge-
rad in der Regel fünfzählig, doch findet man sie auch nicht selten
382
weniger oder mehrzählig. Die Blühten treten aus der Achsel der
oberen Stengel-Laubblätter hervor. Der gemeinsame Stiel der Inflo-
rescenz, welcher mit weichen Härchen besetzt ist, ist insofern eigen-
thümlich, als er an der Oberseite eine deutliche Längsfurche hat,
während er auf der Unterseite abgerundet ist. Dabei ist er an sei-
nem oberen Ende etwas verbreitet. Den Blühtenstand möchte I. bes-
ser eine Dolde, als eine Traube heissen. Von den 5—7 auf einem
deutlichen Träger stehenden Samenknospen, welche der Fruchtboden
enthält, kommen nur wenige, oft nur eine zur völligen Ausbildung.
Die Hülsen springen in der Bauchnaht auf. Das bräunliche Samen-
korn hat eine glatte nicht spiegelnde Oberfläche. — (Ebda. 1861 und
2, pag. 1 u. f.)
W. Lasch berichtet über einige Verbascum-Arten und
ihre Formen. — 1) Verbascum Thapsus L. (thapsiforme Schrad.)
unterscheidet sich von den andern durch den dicken, groben, gelb-
lich-wolligen Filz, den einfachen Stengel, die länglichen herablaufen-
den Stengelblätter und die dichte, bis 2‘ dicke Aehre, mit eiförmi-
gen zugespiten Kelcheinschnitten und grossen (11/a—1?/z Br.) Blumen,
deren beide längsten Staubgefässe nur bis doppelt so lange, kahle
Filamente, als ihre länglichen, der Länge nach angewachsenen Anthe-
ren besitzen. Eins der Hauptkennzeichen geben die an der Basis den
Stengel fast halb umfassenden und so gerade und allmälig verschmä-
lert sehr lang herablaufenden, seicht gekerbten Blätter.
2) V. phlomoides L. Bekleidung wie 1., wenig dunkler, grüner,
Blätter breiter, deutlicher gekerbt und kürzer zugespitzt, besonders
aber die des Stengels gegen die Basis wellenförmig oder gekräuselt
rundlich angewachsen, oder breit- und fast unmerklich an demselben
herablaufend. Die einfache Aehre ist zwar dick und lang, aber die
armblumigen Büschel gewöhnlich unterbrochen und die untern mit
grossen, sehr breiten und lang zugespitzten Bracteen gestützt; Kelche
und Blumenkronen sind die grössten (letztere bis über 2‘ Br.) und
von 1 sehr ähnlich, doch die Lappen der Kronen mehr wellenförmig
und die beiden längeren Filamente in der Regel auch etwas be-
haart.
3) V. phlomoides >< Thapsus, Bastard zwischen obigen beiden.
4) V. Thapsus x phlomoides, desgl.
5) V. gymnandrum. a) Der ersten Art ähnlich, auch mit sol-
chem dicken gelblichen Filze bekleidet; Wurzelblätter fast sitzend,
breit-lanzettförmig, ungleich oder fast doppeltgekerbt, untere Stengel-
blätter länglich, zugespitzt, obere eiförmig, beidelang und verschmä-
lert, etwas wellenförmig herablaufend, Bracteen breit, pfriemförmig
zugespitzt, Aehre lang und dick, nach unten oft unterbrochen; Blu-
men wie beil, die untern Kronenlappen sehr breit und wellenförmig,
“alle 5 Filamente völlig kahl. b) Untere Blätter länglich lanzettförmig,
die obern schmalen sehr lang zugespitzt, lang und verschmälert her-
ablaufend: angustifolium. c) Untere Blätter sitzend verkehrt eiförmig-
länglich, grob- oder doppeltgezähnt, lang und breit, stumpf- oder spitz
383
wellenförmig herablaufend, die oberen eiförmig, lang zugespitzt wel-
lig angewachsen, oder kurz und ungleich herablaufend; Aehre einfach
oder mit einigen Aesten: latifolium. d) Blätter kurz-wellig herablau-
fend, die untern elliptisch, die obern rundlich, sehr lang zugespitzt;
Aehre unterbrochen: subdecurrens.
” 6) V. Schraderi Meyer (Thapsus Schrad.). a. Bekleidung dem
1 ähnlich, doch feiner; Stengel einfach, meistens schlanker; Blätter
länglich-lanzettförmig, fein gekerbt, die des Stempels gerade weit und
sehr verschmälert herablaufend; Aehre dichtblumig, Kelcheinschnitte
breit oder länglich-lanzettförmig, Blumenkrone anfangs trichterförmig,
dann flach, 1” Br.; alle Filamente oben weiss bebartet, die beiden
längsten, etwa4 mal so langen als ihre grössern, schief aufgewachse-
nen Antheren, weniger. b. Longebracteatum. c. Latifolium. d. Semi-
v. non decurrens. e. Maximum. Bekleidung sehr dicht, Stengel dick,
6° hoch; untere Blätter bis 1!/a‘ lang, verkehrt eiförmig -länglich,
wellig; Aehre dick, 1!/s‘ lang, nach unten locker; Kelcheinschnitte
eiförmig, die beiden längeren Filamente am Rücken kahl, vorn an der
untern Hälfte bebartet.
7) V. Lychnitis L. a., Bekleidung kürzer, feiner, weissfilzig;
Stengel 1-6‘ hoch, ästig; untere Blätter gestielt, länglich-lanzettför-
mig, an beiden Enden verschmälert, doppelt gekerbt; die des Sten-
gels eilanzettförmig, sitzend, die oberen eiförmig, lang zugespitzt;
Rispe mit etwas entfernt stehenden Blühteubüscheln, Blumenstielchen
so lang oder länger als der Kelch, dessen Zipfel schmal lanzettför-
mig, Blumenkrone 6—9“' breit, Staubgefässe ziemlich gleich gestaltet,
Filamente alle weiss bebartet. b. Stengel kurz, einfach: Minus vel
simple. c. Maximum v. ramosissimum, pyramidatum v. virgatum.
d. Augustifolium. e. Latifolium. f. Nitidum, Blätter breit, fast kahl,
oberseits dunkelgrün, glänzend. g) Sehr dünnfilzig, subincisum.
8) V, Lychnitis x Thapsus. a. Longedecurrens. b. Semide-
currens. c. Longifolium. d. V. ramigerum Lk., thapsiformi- Lychni”
tis Schiede. e. Latifolium.
9) V. Lychnitis x phlomoides.
10) V. Lychnitis x Schraderi (thapsoides Lk., Thapso- (Schra-
deri-) Lychnitis M, K.)
11) V.nigrum L. a., Bekleidung dünn, fast grobfilzig, grünlich;
Stengel einfach oder ästig; Blätter bis höher hinauf gestielt, länglich-
eiförmig, doppelt bis mehrfach gekerbt, stumpf, an der Basis tief
herzförmig, unterseits etwas grau, die obern sitzend ei- oder ei-lan-
zettförmig, Bracteen eiförmig, lang zugespitzt; Aehre etwas dick mit
unterbrochenen Blühtenbüscheln, Blumenstielchen so lang oder länger
als die Kelche, deren Zipfel länglich-lanzettförmig, Krone 5—10“ breit,
Staubgefässe ziemlich gleichgestaltet, Filamente alle violett bebordet.
b. Simplex. c) Majus v. ramosum. d. Cuspidatum, e. Lobatum.
f. Auriculatum. g. Auriculatum latifolium.
12) V. nigrum >< Thapsus.
13) V. nigrum >< phlomoides.
384
14) V. nigrum X Schraderi.
15) V. nigrum > Lychnitis.
16) V. Lychnitis X nigrum.
Unter so vielen Verbindungen ist es öfters schwierig, die ech-
ten Arten mit ihren Local- Varietäten herauszufinden. Nur wo jede
‚für sich und in grösserer Menge vorkommt, ist dies leichter möglich.
— (Ebenda 3. und 4. Heft. 1861 und 62. pag. 13.) R.D.
Aug. Garcke, Dr., Flora von Nord- und Mitteldeutsch-
land. Zum Gebrauch auf Excursionen, in Schulen und beim Selbst-
unterricht bearbeitet. Sechste verbesserte Auflage. Berlin 1863. Verlag
von Wiegandt und Hempel. — Selten hat eine Anleitung zur Kennt-
niss der heimathlichen Gewächse in einer verhältnissmässig kurzen
Zeit eine so beifällige Aufnahme und allgemeine Verbreitung gefun-
den als Garckes Flora von Nord- und Mitteldeutschland. Freilich
wusste der Verf. auch schon von der ersten Auflage an die zweck-
mässigste Methode der Darstellung mit der gewissenhaftesten Bearbei-
tung zu verbinden. In meisterhafter Weise des Materiales Herr und
die Bedürfnisse der Schule sicher erkennend hält er die für ein Schul-
buch nothwendige rechte Mitte. Ohne dass der Schüler nöthig hätte
zur Bestimmung einer Pflanze ein anderes Werk zu Rathe zu ziehen,
sind doch die Diagnosen der Gattungen und Arten ebenso klar und
bestimmt wie kurz und erschöpfend. Gleich in der Anordnung der
Gattungen zeigt sich dies, bei welcher durchaus: zweckentsprechend
das Linne’sche System als das dem Anfänger am schnellsten und si-
chersten zur Auffindung der gesuchten Gattung führende zu Grunde
gelegt ist. Hier wie auch bei der Anordnung der Arten ist die Ver-
schmelzung der trockenen analytischen und der anregenden synthe-
tischen Methode mit dem besten Erfolge ausgeführt worden. Da-
durch wird das umständliche, den Schüler ermüdende und erschlaffende
Verfahren, welches erstere mit sich bringt und das noch jetzt nur zu
oft in der veralteten Weise in neueren Anleitungen zum Bestimmen
der Pflanzen aufrecht erhalten wird, glücklich umgangen, während
Verf. andererseits dafür gesorgt hat, dass durch übersichtliche Mit-
theilungen die systematische Bestimmung in möglichster Weise er-
leichtert und die langen Reihen ähnlicher schwierig zu erkennender
Formen vermieden werden. Der Schüler soll aber nicht blos die Na-
men aufsuchen und die Arten unterscheiden lernen, er muss auch
Kenntniss von der natürlichen Gruppirung der Gewächse erhalten
und dieser Anfordernng ist durch die Charakteristik der im Gebiete
vorkommenden Familien, sowie durch die Aufzählung der Arten nach
dem natürlichen Systeme von De Candolle zu genügen gesucht. Durch
die beständige Bezugnahme dieser beiden Anordnungen auf einander
wird der leichtern Bestimmung gleichfalls bedeutender Vorschub ge-
leistet und dass die wesentlichen, constanten Merkmale in den Diag-
nosen der Arten noch durch besondere Cursivschrift hervorgehoben
sind, verdient allgemeine Anerkennung.
Die Verbreitung der Gewächse ist in dieser Flora sorgfältiger
385
angegeben, als in irgend einer anderen und es ist erfreulich zu sehen,
wie der Verfasser gestützt auf seine umfangreichen und unermüdlich
gepflegten Detailstudien dieser neuen Auflage die grösstmöglichste
Vollständigkeit zu geben vermochte. Bei den grossen Schwierig-
keiten, welche sich einer solchen Arbeit entgegenstellen, wird dem
Verfasser für sein erfolgreiches Bemühen, ein treues Bild der Flora
des Gebiets wiederzugeben, eine dankbare Anerkennung seitens der
Botaniker gern gezollt werden. In gleicher Weise haben die seit dem
Erscheinen der letzten Auflage bekannt gewordenen systematischen
Arbeiten die aufmerksamste Berücksichtigung gefunden, so dass auch
in dieser Beziehung die neue Auflage für einen beispiellos billigen
Preis unzweifelhaft das Beste und Vollständigste biete. Neu hinzu-
gekommen endlich ist eine Tabelle zur leichten Bestimmung der Gat-
tungen aus der zweiten Ordnung der 15. Klasse, welche neben der
streng wissenschaftlichen, daher aber auch schwierigen Anordnung
dieser Gewächse eine andere nach übersichtlichen Merkmalen giebt,
wie dies in ähnlicher Weise schon bei den Umbelliferen glücklich
versucht war. Mögen sachkundige Lehrer, welche den botanischen
Unterricht an Gymnasien und Realschulen, an Lehrerseminarien und
höhern Bürgerschulen ertheilen, auf die hier nur allgemein angedeu-
teten Vorzüge diese sechste Auflage von Garkes Flora selbst ernst-
lich prüfen, und selbige wird auch dort die verdiente Aufnahme fin-
den, wo sie bisher noch keinen Eingang erhalten hat. e
Zoologie. Allmann, über Hydroiden. — Verf. unter-
sucht die feinere Struktur der Corymorpha nutans und diagnosirt neue
Tubularien von der Küste von Schottland und Devonshire nämlich:
Clava diffusa, Tubielava lucerna noy. gen. spec., Eudendrium humile
und vaginatum, Perigonymus serpens, minutus und muscus, Tubu-
laria bellis. — (Ann. mag. nat hist. X1. 1—12.)
Ch. Hinks beschreibt neue britische Hydroiden:
Atractylis margarica von Ilfracomb auf Flustra foliacea und Laomedea
fragilis ebda. — (Ibidem 45—46.)
H. und A. Adams führen 5 neue Genera Conchylien
ein: Leuconya: testa interna unguiformis, spathulacea, alba, extus con-
vexa, intus concava, impressione muscularis nulla, "marginibus inflexis,
apice involuto, uncinato, producto, eryptiformi, steht Dolabella zu-
nächst, Art L. Tylerana heimatslos. — Bacula: testa subulata, celavi-
formis, imperforata, tortuosa, solida, tota transversim striata, apertura
oyata, antice integra ‚producta; labio incrassato, calloso, labro simplici,
margine acuto, in medeo producto, ist wohl nicht von Eulima zu
trennen, Art B. striolata China. — Leiopyrga: testa turbinatoturrita, per-
foratoumbilicata, tenuis, porcellana, laevis nitida; apertura subeircu-
laris, spira brevior, labio tenui, columella angusta, excavata, incurvata;
labro simpliei, margine acuto, ähnelt Phasianella und Bankivia, Art
L. pieturata heimatslos. — Taheitia: testa elongata, subeylindria, de-
collata anfractibus, longitudinaliter costellatis; apertura ovata, anfracto
penultimo late sejuncta, peristomate continuo, extrorsum expanso
386
opereulum testaceum, laminis ereetis, radiantibus, excentricis instruc-
tum, ähnelt Truncatella, Art T. porrecta (= Truneatella porrecta
Gould). — Chromotis: testa ovata, auriformis, imperforata, tenuis, lae-
vis, polita, spira obtusa, brevissima; anfractibus rapide crescentibus
ultimo magno; apertura elliptica; columella complanata; operculum
ealcareum, Art Chr. neritina (= Phasianella neritina Dar, Gena li-
neata Ad) am Cap der guten Hoffnung. — (Ann. mag. nat. hist. XI.
18—20.)
Alb. Mousson, die von Schläfli im Orient gesam-
melten Land- und Süsswasser-Conchylien. — Verf. zählt
die Arten namentlich auf, gibt über einzelne Bemerkungen und be-
schreibt die neuen. Es sind 1 Zonites, 13 Helix, worunter neu H.
frequens, 1 Bulimus, 1 Chondrus, 2 Glandina, 5 Clausilia worunter neu
Ch. inconstans, 1 Cyclostoma und 1 Pomatias alle von Sagades und
Prevesa, dann aus dem Innern von Epira 1 Vitrina 3 Zonites, 10 He-
lix darunter H. Schlaefli n. sp. 1 Bulimus, 1 Chondrus, 2 Glandina,
1 Suceinea, 3 Pupa, 6 Clausilia darunter neu Cl. vallata, rugilabris
und janinensis, 1 Cyclostoma, 1 Pomatias exeisus n. sp., 2 Limnaeus.
4 Planorbis mit Pl. janinensis n. sp., 1 Ancylus, 1 Bithynia, 1 Pal
dina, 1 Valvata, 1 Cyclas, 1 Anodonta, 1 Dreyssena, aus Bulgarien
und dem obern Macedonien 1 Zonites, 10 Helix, 1 Bulimus, 3 Chon-
drus, 1 Pupa, 4 Clausilia mit Cl. auriformis n. sp., 2 Cyelostoma,
2 Limnaeus, 1 Dreyssena. — (Züricher Vierteljahrschr. IV. 253—298,)
G. v. Frauenfeld, neues Höhlen-Carychium und 2
neue fossile Paludinen, — Verf. beschrieb schon 1859 die Höh-
len-Carychien nämlich C. spelaeum Rossm, lautum, Schmidti, obesum,
wozu Freyer hinzufügte: C. Freyeri, Frauenfeldi, alpestre, pulchellum,
costatum, dann später Verf. noch C. amoenum, indem er zugleich
C.costatum und pulchellum mit C. Schmidti identificirte. Gleich darauf
führte Bourguignat ohne alle Begründung für diese Arten die Gat-
tung Zospeum ein, welche aber von Dohrn und dem Verf. als halt-
bar anerkannt wird. Die neue Art stammt aus einer Höhle Spaniens
und heisst Z. Schaufussi: Schale winzig klein, am Nabel tief einge-
drückt, konisch, glänzend, durchsichtig, glatt, die 5 Windungen bau-
ehig, Mündung rund, ungezähnt, der zusammenhängende Rand umge-
bogen, schwach verdickt. — Die fossile Paludina aus den neogenen
Schichten in WSlavonien, ist P. Vukotinovieii ähnelt durch ihre Kante
nur der chinesischen P, ecarinata und Amnicola hungarica aus den
Süsswasserschichten von Steyersbach in Ungarn ist sehr klein, weit
genabelt, oben an den Windungen stumpf gekantet, Mündung fast so
hoch wie der übrige Theil der Schale. — (Wien. Zool. Botan. Gesellsch.
xU. 969 — 972.)
W. T. Blanford gibt eine systematische Uebersicht
der indischen Helix umd Nanina mit Angabe des speciellen
Vorkommens , wobei er für Nanina die Subgenera Macrochlamys Beck
(= Orobia Alb, Xesta Pfeiff), Kaliella nov. subg. (= Trochomorpha
Alb. part.), Trochomorpha Alb., Durgella nov. subg., Helicarion Eer,
387
Sesarsa Alb. (— Tridopsis Pfeiff. part.), Hemiplecta Alb., Rotula Pfeiff,
Ariophanta Desm. und Oxytes Pfeiff, für Helix die Subgenera Ta-
chia Alb., Dorcasia Gray, Sivella n. subg, Thysonota Alb., Ganesella
n. subg., Plectopylis Bens annimmt. — (Ann. mag. nat. hist. X1.
8&1— 86.)
W. N. Benson beschreibt neue Arten von Helix, Clau-
silia und Spiraxis von Ceylon und Indien: H. Haugthoni,
Gordoniae, cyclotrema, hyptiocyclos, Cl. ceylanica, Sp. Haugthoni,
Walkeri, Layardi, eingalensis. — (Ibidem. 87 — 91.)
A, Adams, japanische Brachiopoden: Terebratulina ja-
ponica Swb., caput serpentis L., Cumingi Davds, Waldheimia cranium
Gm., septigera Lov, picta Chem., Grayi Davd, Terebratella coreanica
Ad, Mariae Ad., Ismenea sanguinea Gray, Reevi M. sp., Rhyncho-
nella lucida Gould, Woodwardi n. sp., Crania japonica n.sp., Discina
stella Gould, Lingula tumidula Brug, smaragdina M. sp., jaspidea n.
sp., lepidula n. sp., mit Diagnosen der neuen Arten. — (Ibidem,
98— 101.)
v. Fraueufeld gibt Wien zool. bot. Verhdl. 1146—1170
eine Uebersichtder Arten der Gattung Bithynia und Nema-
tura gestützt auf die Vergleichung eines sehr reichhaltigen Materiales
vieler Sammlungen. Bithynia hat folgende Arten: B. tentaculataL. Europa
und Asien, Letochae n. sp. Estramadura, Shuttleworthin.sp. China, tristis
n.sp. von Schiraz, bulimoides Oliv am Nil, striatula Bens. Shangai, bo-
gensis Dub, Troscheli Paasch (=inflata Hens, transsilvanica Blz, trans-
parens Parr) Europa, proxima n. sp,, Boissieri Charp. Italien, ventri-
cosa Gr (= Kiksi Vstd, Michaudi Duv, decipiens Mill) rubens Mke
Sieilien, similis Dvp. Utrecht, Küsteri (= decipiens Feruss) SEuropa,
vertiginosa n. sp. Neuholland, senaariensis Parr Afrika, Indien, ba-
diella Parr Aegypten, Orsini Chrp Griechenland, Majewskyi n. sp,
Ungarn, Dalmatien, meridionalis n. sp. Spanien und Calabrien, Schra-
deri n. sp. heimatslos, umbratica n. sp. NAmerica, orcula Bens am
Ganges und in Ceylon, africana n. sp. WAfrika, inconspicua Dhrn
Ceylon, stenothyroides Dhrn ebda und Indien, Adamsi n. sp. Ganges,
ceranospatana n. sp. Bengalen, pulchella Küst Indien, also 30 Arten
wozu noch cyclostomoides Kstr und costigera Bck und fraglich luteola
Kstr. — Von Nematura untersuchte Fr. 11 Arten in Cumings Samm-
lung: N. strigatula Bens Borneo, polita Swb. Indien Java, glabrata Ad
Pulo Penang, puncticulata Ad, monilifera Lens, deltae Bens, cingulata
Bens Pulo Penang, olivacea Ad, ventricosa Quoy Java, minima Swb
Charlsworth, frustillum Bens. — Arten der Gattung Vivipara Lk: V.
vera (— Helix vivipara L) atra Villa Italien, fasciata Müll, Halde-
mannana Shuttlew Ostflorida, essingtonensis Shuttlew Australien, Ber-
mondana d’Orb Cuba, lineata Val, Warreana Shuttlew, lineolata Mouss.
Sumatra, variata Frfld Indien, polita n. sp. Südafrika, Hamiltoni
Mitch, Maheyana Grat Malabar, unicolor Ol, Afrika, Troostana Lea,
javanica Busch, biangulata Küst Kordofan, fallax n. sp. Madras, for-
mosula n. sp. Java, angularis MI, tricarinata aut Philippinen, polyzo-
388
nata n. sp. u. a. die nicht besprochen werden. Auch die Arten der
Untergattungen Melantho und Laguncula stellt Verf. noch zusammen.
Grube, über die Beziehungen der zehnfüssigenIso-
dodengattungen Anceus und Praniza zu einander —
Verf. sammelte auf der Insel Lussin Exemplare von Praniza coeru-
lata mit Jungen in der Bruthöhle und von Anceus forfieularius und
knüpft daran Bemerkungen über die betreffenden Gattungen, welche
zwar schon immer durch die von den übrigen asselartigen Krebsen
abweichende Fünfzahl der Fusspaare die Aufmerksamkeit der Zoolo-
gen besonders auf sich gezogen, in letzter Zeitaber dadurch ein noch
erhöhtes Interesse erweckt hatten, dass’ nach Hesse’s Entdeckung die
Pranizen nichts anderes als die Jugend- oder Larvenzustände der
Anceus, diese aber die geschlechtsreifen Thiere sein sollten. So ver-
schieden auch die derben, breitköpfigen Anceus Risso’s, bei deren
Hervorbringung die Natur mit dem Bilde eines Piestus und Lucanus
oder ähnlicher Käfer gespielt zu haben scheint, von den zarten, klein-
und spitzköpfigen Pranizen aussehen, so konnte doch an der Richtig-
keit der Entdeckung nicht gezweifelt werden, nachdem Hesse aus-
führlicher dargelegt hatte, dass er aus den Eiern von Anceusweibchen
Pranizen gezogen, und dass er wiederum aus diesen in seinem Zim-
mer Anceus hervorgehen sah. Doch erhob Spence Bate darüber ein
Bedenken, ob die Hesse’schen Beobachtungen vollständig und erschö-
pfend seien, da er selbst solche Pranizen nicht von einem Anceus-,
sondern von einem Pranizenweibchen erhalten. Nach dem Verf. be-
ruht dieser Streit, wie schon Gerstäcker vermuthet, wahrscheinlich
auf einem Misverständniss: Spence Bate hat wahrscheinlich bei den
Anceusweibchen, von denen Hesse spricht, an Thiere weiblichen Ge-
schlechts, aber von derselben Körperform wie der männliche Anceus,
gedacht, und da er diesnicht bestätfgt fand, sich zu dem Schluss be-
rechtigt gefühlt, dass zwischen den beiden Gattungen kein solcher
Zusammenhang bestehe, vielmehr beide nach wie vor im System neben
einander beibehalten werden müssten. Hesse bemerkt jedoch aus-
drücklich, dass die Weibchen der Anceus eine von den Männchen
sehr abweichende Gestalt, namentlich einen sehr kleinen Kopf be-
sitzen und nach den Exemplaren des Verf.’s kann man einfach von
diesen Weibchen sagen: ihr Körper ähnelt im ganzen Habitus und in
den weichen Körperbedeckungen der Larve, hat aber nicht Mund-
theile zum Saugen, wie diese, sondern Kopfextremitäten, welche
theils an das Männchen, theils an die Larve erinnern. Den breiten
quadratischen Kopf des Männchens, seine enormen Mandibeln und die
breitklappigen Mundtheile, welche das vor ihnen in einer Vertiefung
gelegene Paar der mehrgliederigen Kieferfüsse gänzlich bedecken,
sucht man bei den Weibchen vergeblich, nur die letzteren sind vor-
handen, die Mandibeln winzig, ungezähnt, und statt der breitklappi-
gen Mundtheile findet man ein Paar zarter fussförmiger Extremitäten,
ähnlich dem hintersten an dem Kopf der Larve, doch ohne Klaue, und
unter ihm bereits das erste der Blätter, welche von beiden Seiten ge-
389
gen einander wachsend und sich überragend die Bruthöhle für die
Eier und Embryonen bilden. Solcher Blätter sind 4 Paar vorhanden,
sie fehlen bereits unter dem 5. Fusspaar. Bei der jungen Larve sind
die 5 Segmente des Vorderleibes noch fast gleich kurz, das Postab-
domen eben so lang als sie zusammengenommen, der Kopf mit sei-
nen grossen Augen fast !/s Zoll Totallänge, allmählig dehnen sich die
3 hintern Segmente des Vorderleibes aus, wogegen die andern Kör-
perabschnitte zurückbleiben; beim Weibchen wächst die Grösse und
namentlich auch die Breite des Vorderleibes, da sich hier die Eier
ausbilden müssen, der Kopf zieht sich in das 1. Segment hinein zu-
rück: am Bauch treten die Blätter der Bruthöhle auf, aber in der Ge-
stalt der Antennen, der Beine und der Schwanzflosse geht eine we-
sentliche Veränderung eben so wenig beim Weibchen als beim Männ-
chen vor, doch wird die Haut des Männchens hart, meist kalkig.
Die Beine und Antennen stärker und länger als beim Weibchen, bei
beiden Schiebt sich ein kleines Segment in einen hinteren Auschnitt
des Vorderleibes ein, welches beim Männchen die Ruthe trägt. Hier-
nach kann man sagen, dass die Form, welche Risso zur Gattung An-
ceus erhoben hat, das Männchen ist, und dass unter Praniza die Lar-
ven, mitunter wie es scheint, wohl auch die Weibchen begriffen sind.
Die Larven leben an Fischen von deren Blut, Männchen und Weib-
chen frei. — (Schlesische Gesellschaft in Breslau 13. Mai.)
G. Böck, Uebersicht der von der Novara-Expedi-
tion gesammelten Spinnen. — Die Zahl der gesammelten Exem-
plare beläuft sich auf 418, welche sich auf 104 Arten und 41 Gattun-
gen vertheilen. Sie kommen von Gibraltar, Madeira, Rio Janeiro,
Guten Hoffnungscap, St. Paul, Ceylon, Madras, Nicobaren, Singapur,
Java, Manila, Hongkong, Shanghai, Sidney, Aukland und sind 4 My-
galidae, 8 Cellicolae, 16 Lycosidae worunter 11 neue, 10 Attidae
worunter 5 neu, 10 Thomisidae 1 neu, 45 Epeiridae 5 neu, 5 Theri-
diidae und 8 Agelenidae, welche sämmtlich namentlich mit dem Va-
terlande aufgezählt werden. — (Verhandl. Zoot. Botan. Gesellsch. Wien
X1. 87—96.)
J. Blackwall setzt seine Beschreibung der Spinnen
von Rio Janeiro fort mit den Arten: Epeira audax, edax, rapax,
munda, Grayi, astuta, seitula, Plectana tricuspidata, Galena zonota
Koch, Tetragnatha splendens, formosa, Dysdera crassipalpus — (Ann.
mag. nat. hist. XI. 29—45.)
K. Brunner, die von der Novara mitgebrachten
Orthopteren. — Verf. gibt eine namentliche Aufzählung der Arten
nach ihrem Vaterlande und verspricht die neuen Arten später zu be-
schreiben, da kurze Diagnosen an diesem Orte nur Verwirrung ver-
anlassen könnten. Wir stimmen ibm hierin vollkommen bei und kön-
nen solche Arten mit blossen Diagnosen ohne eingehende Verglei-
chung mit ihren Verwandten durchaus nicht als begründete betrach-
ten. Er zählt auf von Gibraltar 6 Arten, von Madeira 5, Rio Ja-
neiro 25, vom Cap, 42, von St. Paul 2, von Ceylon 15, von Madras
390
4, von den Nicobaren 16, Singapur 3, Batavia 53, von Manila 9, von
Honkong 16, Shangai 6, Aukland 13, Sidney 17, Taiti 10, Chile 9 Ar-
ten. Vier neue Gattungen werden angedeutet. — (Wien. Zool. Botan.
Gesellsch. XTI. 88—96.)
v. Frauenfeld, eine für Oesterreich neue Trypeta.
— In den Blühtenköpfen von Inula cerithmoides DC in Dalmatien fand
Verf. Fr. Blctii, die er ausführlich beschreibt und mit Tr inulae und
longirostris zusammenstellt. Er verbreitete sich noch über einige
andere Arten. — (Wien. Zool. botan. Gesellsch. XI. 384—386.)
J. G. Johnson, neue Fische von Madeira — Muränen:
Pseudomuraena n. gen. mit Ps. maderensis, Thyrsoidea atlantica, Sy-
naphobranchiden: Synaphobranchus n. gen. mit S. Kaupi, Gadoiden:
Laemonea robusta, Trichuriden: Nesiarchus n. gen. mit N. nasutus,
Scomberoiden: Schedophilus elongatus, Trigliden: Setarches n. gen.
mit S. Güntheri, Percoiden: Priacanthus insularum. — (Ann. mag. nat.
hist. XI. 58—71.)
Alb. Günther, neue Fische von Victoria, SAustra-
lien: — Lates colonorum, Melambaphes nigroris (= Glyphisodon
nigroris CV) Glyphisodon Victoriae, Labrichtys ephippium, Pseudo-
phyeis barbatus, Lotella callarias, Rhombosolea flesoides. — (Ibidem
114—117.)
Alb. Günther beschreibt ama. ©. 134 — 140 neue Amphibien
und Fische des britischen Museums, nämlich Chloroscartes fascia-
atus neuer Agame von den Feejeeinseln, Phrynobatrachus natalensis
von Port natal, Centropogon marmoratus von der Moreton Bai, Catopra
siamensis aus Siam, C. tetracanthus aus Ostindien, Pseudochromis
perspicillatus aus China, Amblyopus sagitta Californien.-
Alb. Günther, neue australische Batrachier: Limnody-
nastes Kreffti gemein bei Sidney, affinis am Clarencefluss, Platyplec-
ctrum marmoratum ebda, Cryptotis nov. gen. Asterophryditae mit Cr.
brevis ebda und Hyla Kreffti von Sidney. — (Ann. mag. nat. hist. XI.
26—28. tb. 4.)
Alb. Günther, neue Schlangen im britischen Museum.
Cercocalamus collaris vom Habitus der Geophis lineata, Centralame-
rika, Brachyurophis semifasciata aus Neu Granada vom Habitus der
Rhinostoma, Dryophis Kirtlandi Hallow Fernando Po, Leptodira leu-
cocephala von Bahia, Brachysoma diadema (= Calamaria diadema
Schleg, Elaps ornata Gray, Furina diadema DB, Babdion oceipitale,
Gir, Gliyphodon ornatus Günth), Furina bimaculata DB W Australien,
Diemansia ceucullata Günth., annulata Günth., aus der Familie der
Elapiden: Neelaps calonotus (= Furina calonotus DB) Tasmanien
Teleuraspis nummifera (= Atropos nummifer Rupp, A. mexicanus DB,
Bothriechis mexicanus Cope) Vera Paz, von Viperiden: Poecilostolus
Burtonii Echis sehr nah verwandt, von Camaroon County. — (Ann.
mag. nat hist. XI. 20—25 tb. 3.)
W. Peters, über Cercosaura und die mit dieser Gat-
tung verwandten Eidechsen aus Südamerika. — Mit 3 Tf£.
391
Berlin. 1862. 4%. — Wagler gründete die Gattung Cercosaura auf eine Art
unbekannter Herkunft und Wiegmann fügte eine zweite Art aus Bra-
silien hinzu. Dumeril und Bibron gedenken ihrer nicht, wogegen Gray
mit ihr deren Ecpleopis und Circochaleis Wigm. zusammenwirft und
eine Gattung Argalia mit 2 Aren aufstellt, deren eine gleich daräuf
Günther als Cercosaurus rhombifer beschreibt und wovon auch Grays
Anadia ocellata kaum verschieden zu sein scheint. Ferner ist dessen
Emminia olivacea nicht verschieden. Weiter findet Verf., dass Cerco-
saura Schreibersi Wigm. völlig identisch mit Pantodactylus ist, aber
wesentliche Charaktere von Waglers Cercosaura nicht hat. Ein rei-
ches Material wurde nun mit den Originalexemplaren verglichen und
darauf die Gattungen und Arten kritisch beleuchtet und begründet.
Zunächst wird die Familie der Cercosauri speeiell charakterisirt. Sie
verbindet die Ameivae mit den Chalcides, welche alle drei eine Gruppe
bilden. — 1. Cercosaura Wagler: palpebra inferior disco pellucido;
plica axillaris arcuata; jugulumcollari obsoleto; squamae notaei magnae,
fasciatim dispositae, oblongoquadratae, compresso carinatae vel par-
vae lanceolatae, carinatae verticillatae; squamae colli laterales, axilla-
res. et coxales granulosae, trunei laterales parvae carinatae; gula serie
duplici seutellorum imbricatorum laevium; scutella abdominalia et sub-
caudalia lata, quadrata, laevia; palmae plantaeque pentadactylae, di-
gitis omnibus unguiculatis ; cauda ingens teres, basi cyclotetragona.
Subgen. Cercosaura: Rückenschuppen gross, länglich viereckig oder
trapezoidal, gekielt. Arten C. ocellata Wagl, C. humilis n. sp. Brasi-
lien, C. olivacea (= Emminia olivacea Gray) Pernambuco. Subgen:
Pantodattylus: schmale lanzettförmige scharfgekielte Rückenschuppen.
Arten: C. Schreibersi Wiegm. (=P. d’Orbignyi DB) Brasilien, Buenos
Aires C. concolor (—=P. concolor Tsch) Brasilien, C. argulus n. sp. Sta.
Fe de Bogota. —2.Iphisa Gray: squamae colli corporisque laterales lae-
ves; gula nuchaque serie dupliei scutellorum laevium; scutella abdo-
minales 4 serialia laevia; squamae caudales parvae lanceolatae, cari-
natae verticillatae: palmae plantaeque pentadactylae, pollice exungui.
Subgen, Iphisa mit I. elegans Gray Para, Subgen. Perodactylus RL
mit P. modesta RL bei Curvelo. — 3. Placosoma Tsch auf ein nicht
mehr vorhandenes Exemplar aus Bräsilien begründet. — 4. Lepido-
soma Spix: sulcus gularis haud distincetus; palmae plantaeque penta-
dactylae; squamae ovatolanceolatae, carinatae, in abdomine dorsoque
aequales verticillatae, colli laterales et axillares granulosae. Art: I.
scincoides Spix (— Tropidosaurus seincoides Schinz) am Amazonen-
strom. — 6. Ecpleopus DB: squamae corporis tenues, dorsi laeves, ob-
solete carinatae vel striatae, per fascias transversas dispositae, abdo-
minales et subcaudales quadrangulares laeves; palmae plantaeque pen-
tadactylae, digiti omnibus unguiculatis, Subgen. Ecpleopus DB mit E.
Gaudichaudi DB Minas Geraes. Subgen. Pholidobolus: keine nasofron-
talia, ein frenale, Nasenloch in der Mitte der nasale, die Kehle mit
zwei etwas unregelmässigen Längsreihen breiter Schildchen, der
Rand der Afterdecke von zwei grossen Schilden gebildet. Art: E.
392
montinm n. sp. Ecuador. Subgen. Aspidolaemus: mit Pholidobolus
gleich in der Beschildung der Kehle mit Ecpleopus in der Anwesen-
heit von Nasofrontalschilden, von beiden verschieden durch die glatten
einseitigen Rückenschuppen. Art: E. affinis n. sp. heimatslos. Subgen.
Oreosaurus: keine praefrontalia, Keblschuppen viereckig, tragezoidal
oder länglich, Rückenschuppen länglich viereckig, fein und merklich
gestreift, die einzelnen Schuppenwirbel deutlich von einander geschie-
den; Präanalschuppe gross, trapezoidal oder länglich. Arten: E. stri-
atus n. sp. Neu-Granada, E. luctuosus n. sp. Venezuela. Subgen.
Euspondylus Tsch: zwei nasofrontalia, eine deutliche Postmentalfurche,
Kehlschuppen vierekig oder trapezoidal, Schuppen der Hals- und Kör-
perseiten auffallend klein, Rückenschuppen länglich viereckig so lang
wie die Bauchschilder, ganz glatt oder mit glatten Längslinien; hintre
Reihe der Präanalschuppen länglich, in der Regel fünf; Extremitäten
ziemlich lang, Hinterseite der Unterschenkel mit sehr, kleinen Schup-
pen bedeckt. Art: E. maculatus Tsch Peru, E. rhombifer (= Cerco-
saurus rhombifer Gthr) Ecuador; E acutirostris n. sp. Venezuela, ? E.
ocellatus (— Anadia ocelllata Gray). — Subgen. Argalia Gray: von
vorigen unterschieden durch den auffallend breiten Kopf und die Be-
schuppung, indem die glänzend glatten länglich viereckigen Rücken-
schuppen länger als die Bauchschuppen sind, die seitlichen Hals- und
Körperschuppen gross und die Unterschenkel ringsum von grossen
Schuppen umgeben. Arten: E. olivaceus (Gray), Venezuela, E. mar-
moratus (Gray) Columbien, E. poecilochilus n. sp. Venezuela. Subgen.
Xestosaurus: Schuppen glänzend glatt, Rückenschuppen nicht länger
als Bauchschuppen, trapezoidal, hinten abgerundet oder hexagonal,
mehr weniger dachziegelig; nasofrontalia vorhanden, Kehlschuppen
klein, Unterseite des Vorderarmes und Hinterseite des Unterschen-
kels mit körniger Beschuppung; Männchen mit Schenkelporen, Weib-
chen ohne solche. Art: E. bogotensis n. sp. Bogota.,— Subgen. Proc-
toporus Tsch (= Riama Gray): keine nasofrontalia, Kehlschuppen tra-
pezoidal, Rückenschuppen länglich viereckig, glatt oder schwach
gekielt, Kehlfurche und Postamentalfurche deutlich, Schuppen der Hals-
und Körperseiten klein, gekörnt. Arten: E. pachyurus (Tsch) Peru,
E..unicolor (= Riama unicolor Gray) Ecuador.
Derselbe, überR. Schomburgk’s Aanphibsilen von Ade-
laide — Chelodina longicollis Shaw, Diplodactylus marmoratus Gray
(=Phyllod. porphyreus DB), D. furcosus n. sp., Gymnodactylus (Phyl-
lurus) Milusi Bory, Moloch horridus Gray, Amphibolurus barbatus
Kaup, A. Decresi DB, A. ornatus Gray, Typanocryptis n. gen. durch
den Mangel eines sichtbaren Trommelfelles von Amphibolurus ver-
schieden, mit T. lineata, Monitor Gouldi Gray, Lygosoma Whitei Gray
(= L. moniligerum DB), L. australe Gray (—=L. Lesueuri DB), L
Schomburgki n. sp., L. Bougainvillei DB,-Cyclodus gigas Bodd, C.
oceipitalis n. sp., C. adelaidensis n. sp., Trachysaurus asper Gray,
Hemierges decresiensis DB, Cryptoblepharis (Ablepharis) Boutonii
Desj (= A.Peroni DB), Morethia anomala Gray, Monetia Greyi Gray,
393
Pygopus lepidopus Merr, Delma Fraseri Gray, Aprosia pulchells Gray,
A. octolineata n. sp., Onychocephalus bicolor Solan, ©. bituberculatus
n. sp.; Diemansia superciliosa Fsch, Hoplocephalus coronoides Gth,
H. Gouldi Gray, H. curtus Schleg, H.futus n.sp., Pseudechis porphy-
riacus Shaw, Acanthophis antareticus Shaw, Neobatrachus n. gen. vom
Habitus des Helioporus, mit N. pietus n. sp., Limnodynastes tasma-
niensis Gth, L. Dumerili n. sp., Pseudophryne Bibroni Gth, Camario-
lius n. gen. sich zu Liuperus verhaltend wie Limnodynastes zu Cy-
stignathus, und mit C. varius n. sp., endlich Hyla adelaidensis Gray.
— (Berliner Monatsberichte April S. 228-236.)
Gould diagnosirtt Chlamydera guttata n. sp. aus dem
nördlichen WAustralien als ähnlich Chl. maculata, natürlich nur nach
der Farbenzeichnung. — (Ann. mag. nat. hist. XI. 56.)
A. B. Wallace, neue Vögel von Neu-Guinea: Coriphi-
lus rubronotatus, Halcyon nigrocyanea, Todopsis Grayi, Gracula pec-
toralis, Ptilonopus humeralis. — (Ibidem 56-58.)
Th. v. Heuglin, zur Ornithologie NOAfrikas. — Verf.
gibt erst einige allgemeine Bemerkungen über die in den durchwan-
derten Gebieten vorkommenden Vogelarten und beschreibt dann meh-
rere derselben speciell aus Central- und West- Abyssinien und aus
ÖOstsennaar, nämlich Aceipiter spee., Pandion vocifer, Merops nubicus,
Merops frenatus, zu welchen M. Bolewski Pelz zu ziehen ist, Mirafra
spec., Turtur spec., eine der Otis melanogastra ähnliche Trappe, Tin-
nuneulus alopex n. sp. — Örnithologisches aus Abyssinien: Surnium
umbrinum n. sp., Otus melanotus n. sp., ©. montanus Heugl. = O.
habessinicus Guer, Buto maximus in einem Exemplar bei Cairo, B. ca-
pensis, B. ascalaphus häufig in Aegypten, Otus maculosus bis 10000,
Meereshöhe, O. leucotis, ©. brachyotus als Zugvogel, ebenso silvest-
ris und Scops senegalensis, Athene spilogastra am Rothen Meere, A.
meridionalis sehr gemein, A. perlata, Strix flammea häufig und stets
mit ganz weissem Bauchgefieder in Felsen und hohlen Bäumen, Oli-
gomydrus sturninus n. sp., ein neuer Pogonias, Cuculus Heuglini in
9000‘ Meereshöhe, C. lineatus, C. smaragdinus, Pytelia lineata n. sp.,
Spermestes scutatus n. sp., Ortygospiza polyzona, Sporaeginthus sub-
flavus. —Zoologische Funde längs des Bahr el abiad: Coryphegnathus
melanotus n. sp., dann folgt noch eine Aufzählung der Glanzstaare
und Beschreibung der neuen Lamprocolius amethystinus, Crateropus
rufescens, Hemerodromus cinctus, Herodias concolor, Ardetta pusilla,
Ortygometra fasciata, Ciconia Pruyssenaeri. — (Journ. f. Ornithol. 3—29.)
O.Finsch, Turdus pallidus und T.obseurusund andere
asiatische Drosseln. — Chr. L. Brehm beschrieb Turdus obsoletus
aus Japan als angeblich neu, Verf. identifieirt dieArt mit T. pallidus, wel-
cher auchTT. daulias zugehört. Diese Art charakterisirt Verf. im Allgemei-
nen ünd im alten männlichen, weiblichen und Nestkleide, dann ebenso T.
obscurus Lath (= |T. pallens Pall, pallidus Naum, Tem, Glog, Schleg, T.
Seyffertitzii und pallens Brehm), ferner T. pelios Bp, T. dissimilis Blyth,
T. chrysolaus Tem, T. fumidus Müll, — (Ebda 29—40,)
XXL 1863. 27
394
Altum, die Nahrung unserer Eulen. — Ueber die Nütz-
lichkeit und Schädlichkeit unserer Eulen herrschen noch sehr wider-
sprechende Urtheile, und dieselben aufzuklären untersuchte A. die
Gewölle derselben. In.349 Gewöllen vom Schleierkauz fand er die
Knochen von 3 langöhrigen Fledermäusen, 6 Zwergfledermäusen, 2
Wanderratten, 154 Mäusen verschiedener Arten, 30 Waldwühlmäusen,
11 Wasserratten, 325 gemeinen Feldmäusen, 36 Ackermäusen, 1 brau-
nen Ackermaus, 36 Wasserspitzmäusen, 185 weisszähnigen Spitzmäu-
sen, 666 gemeinen Spitzmäusen, 1 Maulwurf, 7 Haussperlingen, 1
Grünfink. Sie frisst also mehr nützliche Spitzmäuse als schädliche
Nagmäuse. Vom Waldkauz, Srix aluco enthielten 156 Gewölle 1 Her-
melin, 5 gemeinen Ratten, 34 Mäuse, 18 Waldwühlmäuse, 7 Wasser-
ratten, 212 Feldmäuse, 11:Ackermäuse, 2 Wasserspitzmäuse, 2 weiss-
zähnige ‚Spitzmäuse, 10 gemeine Spitzmäuse, 5 Zwergspitzmäuse, 36
Maulwürfe, 1 weisse Bachstelze, 5 andere kleine Vögel, 1. grosser
Laufkäfer, 2 kleine Harpalus, 3 andere Käfer, 10 grosse Mistkäfer, 6
grosse Wasserkäfer. Die Gewölle im Mai bestanden fast nur aus
Maikäfern. Die Waldohreule hatte in 22 Gewöllen 5 Mäuse, 30 Feld-
mäuse, 2 Ackermäuse, 2 Meisen. Der kleine Kauz in 10 Gewöllen:
6 Mäuse, 9 gemeine Feldmäuse, 1 Waldwühlmaus, 1 gemeine Spitz-
maus, 3 grosse Misstkäfer, 8 grosse Laufkäfer. — (Ebda. 41—46.)
B. Wicke,ist der Sperling nützlich oder schädlich?
— Diese Frage kann nur durch Untersuchung des Mageninhaltes ent-
schieden werden und zwar zu verschielenen Zeiten an Sperlingen
verschiedenen Alters. ÖOberdiek hat auf solche gestützt den Sperling
für sehr schädlich erklärt und dringt auf dessen gänzliche Vertilgung.
Verf. ist nicht zu denselben Resultaten gelangt. Er untersuchte vom
21. April bis 24. Juni 118 Sperlinge, 45 alte und 75 Junge. Nur 3
alte hatten ausschliesslich Körner, die übrigen vorwiegend Körner
gemischt mit Käfern. Von den Jungen war bei 46 der Magen aus-
schliesslich mit Käfern, Raupen, Larven gefüllt, und bei 9 ausschliess-
lich mit Vegetabilien, bei 10 vorwiegend mit animalischen, bei 7 vor-
wiegend mit Körnern. Bei allen fanden sich auch Steinchen im Ma-
gen. Maikäfer waren äusserst wenige, dagegen viele Raubkäferlarven.
Es ergibi sich hieraus, dass die alten Sperlinge die Körner jeder üb-
rigen Nahrung vorziehen, die jungen aber hauptsächlich von Insekten
leben. Da der Sperling in jedem Sommer mehr als eine Brut macht,
so ist der Insektenbedarf bei der grossen Gefrässigkeit der Jungen
sehr gross und eine Vertilgung der Sperlinge mindestens nicht vor-
theilhaft, Verf. verlangt nur eine planmässige Einschränkung und wir
meinen, dass auch diese mit grösster Vorsicht und Berücksichtigung
der localen Verhältnisse auszuführen ist. Das Insektengeziefer, wel-
ches durch Ausrottung der Sperlinge gepflegt wird wuchert ungheuer
und ‚dürfte schädlicher werden als die Sperlinge im Sommer und Win-
ter durch ihren Körnerdiebstahl. Die gesetzliche Ablieferung von
Sperlingsköpfen ist nicht anzurathen — Ebda 46—54.) Gl.
Correspondenzblatt
des
Naturwissenschaftlichen Vereines
für die
Provinz Sachsen und Thüringen
Halle.
1563. März. April. NR I. IV.
Sitzung am 4. März.
Eingegangene Schriften:
1. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues der
. Königl. Preuss. Staaten no. 6—9 Berlin 1863. 40.
2. Verhandlungen und Mittheilungen des siebenbürgischen Vereins
für Naturwissenschaften XIII. Jahrg. no. 5—8 Hermannstadt
1862. 8°,
Zur Aufnahme angemeldet wird
Herr Gymnasiallehrer Ottomar Müller in Torgau
durch die Herren Arndt, Giebel und Taschenberg.
Der Vorsitzende theilte als für die Vereinsschrift eingegangene
Arbeiten mit von Herrn Irmisch: Scilla autumnalis und bifolia, und
Herrn Philippi in Santjago ein Verzeichniss der, Orthopteren von
Chili, Beschreibung eines neuen Acridiers so wie Analyse einer erd-
pechartigen Substanz.
Ferner legt derselbe ein von Herrn Dietrich eingesandtes
Fossil in Gestalt eines Schneckensteinkernes angeblich von Mansfeld
vor und erklärt dasselbe für einen Coproliten von einem grossen
Haifische.
Herr von Landwüst anknüpfend an den letzten Vortrag des
Herrn Weitzel, legt Zerrbilder vor, welche durch Drehen hinter
einer Scheibe mit vier Längsspalten, die in umgekehrter Richtung
gedreht wird, das wahre Bild 5 Mal erscheinen lassen.
Herr Zincken berichtet über ein Vorkommen von Fichtelit in
dem Hochmoore des rothen Bruches zwischen dem Wurmberge
und der Achtermannshöhe, welches Herr Forstrath Hartig in Braun-
schweig entdeckt hat. Das Fichtelit sitzt hauptsächlich zwischen der
Rinde und dem Holze von Kieferstämmen, welche, in bis 1"/,‘ starken
Stämmen sich findend, die unterste 5‘ mächtige Schicht des 30 — 40'
hohen Torflagers bilden. Ueber den Kiefern liegt eine Schicht von
stärkeren Fichtenstämmen und unter diesen eine Schicht von schwä.
chern und verkrüppelten Fichten. Kiefern kommen nach Hartig nur
396
noch im Rosstrappthale und im Ockerthale in kleineren Gruppen oder
ein:eln vor und zwar auf granitischem Boden, wie denn auch das
Torflager am rothen Bruche auf Granit ruht.
Derselbe spricht über, das Vorkommen von glauconitischem
Sandthon über der Braunkohle im Maschinenschachte der Grube Auna
Alwina Elsbeth am Glockenberge bei Helmstädt, welcher in der Preus-
sischen Fortsetzung der Helmstädter Kohlenmulde nicht angetroffen
wird. In dem circa. 3 Lchtr mächtigen‘Sandthon und dem davon ein-
geschlossenen Sandconcretionen finden sich nach Mittheilung des Herrn
Cammerraths Grotrian in Braunschweig fast die gleichen Conchylien
als von der Facies in den Hangenden von Lattorff. Gastropoden über-
wiegen, Zweischaler sind selten, ein Pectunculus ist noch nicht ge-
funden. Pholadomya Weissii.’ Lunulites lattorfensis, durch Herrn Gie-
bel in den von Herrn Grotrian aus seiner reichen Sammlung gefäl-
ligst überlassenen Exemplaren. Dentalium grande und mutabile, Conus
antediluvianns, Fusus multisulcatus und elongatus, Voluta anhaltina,
und Pleurotomen bereits genau bestimmt.
Derselbe legt endlich eine pechartige, wachsharte fett an-
zufühlende Masse aus. dem unteren Niveau des Torflagers von Ve-
chelde vor, welches. er von dem Kgl. Forstrath Hartig erhalten und
das er einer chemischen: Analyse unterwerfen lassen will, so wie ein
sehr schönes Exemplar von Pholadomya Weissii aus dem glauconiti-
schen Sandthone von Eggersdorf.
Herr Giebel spricht über. die, Struktur- Verschiedenheiten im
Baue der Korallenstöcke, und: legt erläuternde Exemplare derselben vor.
Sitzung am 11. März.
Als neues Mitglied wird proclamirt
Herr Ottomar Müller in Torgau.
Herr Siewert den Werth der Nährstoffe im Allgemeinen be-
leuchtend, verbreitet sich über die specielle Bedeutung einer Reihe
von Kohlenhydraten. Von denselben hat die Cellulose für den Menschen
wenig Werth, weil nur frische Zellen verdaut werden können, wäh-
rend die Wiederkäuer und besonders der Biber die Zellulose allgemein
als Nahrungsmittel verwerthen können. Gummi und Pectin sind
beide als Nährstoffe für den menschlichen Organismus unbrauchbar.
Das Stärkemehl im rohenZustande nur in geringem Grade verdaulich,
bietet gekocht ein wichtiges Nahrungsmittel. Es geht zuerst in Dex-
trin und dieses in Traubenzucker über. Dass ‚die Umwandlung in
letzteren bereits im Speichel vorbereitet wird, wies der Vortragende
durch Experimente nach, vorzugsweise wirkt aber das Sekret der
Bauchspeicheldrüse den vollständigen: Umsatz in Zucker. Die ver-
schiedenen Zuckerarten verhalten sich wiederum verschieden als Nähr-
mittel. : Der Traubenzucker bleibt als solcher nicht im Körper, son-
dern wird durch den Mundspeichel und Magensaft in Milchsäure um-
gewandelt. Der Rohrzucker allein wird nicht verdaut und; hat mithin
keinen Antheil an der Ernährung, jedoch in Verbindung mit andern
397
Speisen setzt er sich zunächst in. Traubenzucker und dieser in Milch-
säure um. Der Milchzucker endlich verwandelt sich ausserordentlich
schnell in Milchsäure, — Dieser Vortrag ‚gab Anlass zu weitern Dis-
kussionen.
Herr W. Weitzel macht Mittheilung von einem fossilen Eie
von den Chincha - Inseln bei Peru, welches daselbst 40 Fuss tief im
Guano gefunden. Nach H. Rose’s Angabe ist es von der Grösse ei-
nes Gänseeies und dadurch besonders ausgezeichnet, dass die orga-
nische Substanz des Innern bis auf einen sehr kleinen Bruchtheil ver-
schwunden und an Stelle derselben schwefelsaures Kali und schwe-
felsaures Ammoniumoxyd getreten ist. Die Schale besteht hauptsäch-
lich aus phosphorsaurer Kalkerde. — Sodann macht derselbe auf’ eine
von! Berger aufgestellte Vermuthung über Grundeisbildung aufmerk-
sam, nach welcher bei Nichtvorhandensein von Obereis Grundeis sich
an den der Strömung abgewandten Seiten der in Wasser befindlichen
festen Gegenstände bildet, Danach soll das strömende Wasser hinter
den Gegenständen einen wasserleeren Raum bilden, der sich mit Was-
serdampf erfüllt, welcher seinerseits die zu seiner Bildung nöthige
Wärme dem umgebenden Wasser entzieht und dieses dadurch soweit
abkühlt, dass es erstarrt. — Endlich: berichtet derselbe J. Schneiders
Beobachtung über das Auftreten hoher schrillender Töne, wenn ein
erhitzter Kupferstab oder Ring nur an einer Stelle 'einen kalten Blei-
block, auf dem er ruht, berührt. Nach Schneiders Erklärung sind
diese Töne durch wagrechte Schwingungen, begleitet von einer dre-
henden Bewegung des Stabes um eine senkrechte Achse entstanden,
während die Trevalyanschen Töne durch senkrecht ausgeführte
Schwingungen entstehen.
Sitzung am 18 März.
Eingegangene Schriften:
1. Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Görlitz XI.
Görlitz 1862. 80,
2. Fortschritte der Physik im Jahre 1860. XVI. Berlin 1862. 89.
3, Verhandelingen der koninklijke Akademie van Wetenschappen VIII.
Amsterdam 1862. 40,
4. Jaarboek van de Koninklijke Akademie van Wetenschappen, Am-
sterdam 1861 89.
5. Verslagen en Medeleelingen der Kon. Akademie van Wetenschap-
pen III. IV. Amsterdam 1862, 8°,
6, Brittinger, Flora von Ober- Oesterreich. Wien 1862. 80. — Ge-
schenk des Herrn Verf.s,
7. Charles Darwin, über die Entstehung der Arten aus dem Eng-
lischen von Bronn. I. Aufl. 3. Lief. Stuttgart 1863, — Recen-
sionsexemplar,
8, Proceedings of the American Philosophical Society Vol. VII. no.
64. 80,
398
Zur Aufnahme angemeldet wird:
Herr Rector Krieg in Quedlinburg
durch die Herren Wittein Aschersleben, Giebelund Taschenberg.
Der provisorische Vorstand des neu begründeten naturwis-
senschaftlichen Vereines in Mühlhausen wünscht als Zweigverein vom
hiesigen Vereine anerkannt zu werden. Der Vorstand behält sich
hierüber das Weitere vor.
Die Vorstände der beiden Gesellschaften: Akklimatisationsver-
ein für die königl. preuss. Staaten“ und Centralinstitut für Akklima-
tisation in Deutschland“ haben sich vereinigt und melden ihre neue
Gesellschaft als „Akklimatisationsverein in Berlin“ an. Dieselbe
schliesst zugleich ein Verzeichniss von Sämereien in.
Herr v. Lochow aus Wittenberg hat eine Partie fossiler Kno-
chen eingesandt, welche dort im Lehme aufgefunden worden, unter
denen sich Bruchstücke von Bos primigenius, Hyaena spelaea und ein
ziemlich vollständiger Schädel vom Rhinoceros auszeichnen. Herr
Giebel legt mehre dieser Ueberreste vor.
Endlich theilt derselbe ein Schreiben des Herrn Bischoff aus
Lehesten bei Saalfeld mit, in welchem derselbe meldet, dass in Folge
eines sehr starken Regens sich daselbst in einer grossen die Chaussee
überschwemmenden violetten Schlammasse auf 40 Schritt Erstreckung
kleine Thierchen in unzähliger Menge gefunden hätten, die er für Po-
dura aquatica erklärt und unter Einsendung eines Fläschens voll der-
selben näher zu bestimmen ersucht. Herr Giebel bestätigte die Be-
stimmung des Einsenders unter specieller Charakterisirung der einge-
sandten Exemplare. Auch auf den am Rande der Strasse liegenden
Steinhaufen sassen zahlreiche dieser Thierchen und glaubt Herr
Bischoff, dass dieselben von dem Tags vorher heftig wehenden Süd-
weststurme herbeigeführt worden seien. Jedenfalls eine höchst inte-
ressante Erscheinung, die zu weitern derartigen Beobachtungen auf-
fordert.
Herr Drenckmann erwähnt ein von Böttger in Frankfurt
aufgefundenes, neues Verfahren Ozon darzustellen durch Uebergiessen
von mangansaurem Kali mit concentrirter Schwefelsäure; dasselbe
wirkt so stark oxydirend, dass es Schwefel in Schwefelsäure verwan-
delt. Derselbe ergänzt seinen frühern Vortrag über Petroleum durch
die nachträgliche Mittheilung einer technischen Anwendung desselben.
In. einigen kleineren Städten des Staates New-York hat man dasselbe
zur Bereitung von Leuchtgas angewendet, welches sich allerdings im
Preise theurer herausstellt, als das von Steinkohle gewonnene, dafür
aber auch einen dreifach grösseren Leuchteffect haben soll. Wenn
1000 Kubikfuss Leuchtgas aus Petroleum zu 1 Thlr. 14 Sgr. aus
Steinkohle zu 1 Thlr. Herstellungskosten berechnet werden, 'so hält
der Vortragende diesen Unterschied noch für zu gering, wenn man
bedenkt, dass die Fabrikation des Leuchtgases aus Steinkohlen eine
Menge verwerthbarer Nebenproducte liefert, die bei der Gewinnung
aus Petroleum wegfallen.
399
Sitzung am 25. März.
Als neues Mitglied wird proklamirt
Herr Rector Krieg in Quedlinburg.
Zur Aufnahme angemeldet
Herr Kreibauinspector und Universitäts- Architekt Steinbeck
durch die Herren Giebel, Taschenberg und Weitzel.
Herr Giebel theilt einen Brief des Herrn Dr. Brendel aus
Illinois mit, in welchem derselbe sich über verschiedene von ihm ge-
sammelte Säugethiere, Vögel und Schmetterlinge verbreitet, und legt
hierauf eine ‚„Importationsliste amerikanischer Rauchwaaren vor, welche
für die diesjährige Frühjahrsauction in London eingegangen ist und
deren Zahlen etwa auf die Hälfte der in den Handel kommenden, be-
zeichneten Waaren zu veranschlagen sind. Hiernach lieferte die Hud-
sonsbay-Compagnie beispielsweise 94558 Biber, die vereinigten Staa-
ten und Kanada 1,895, die Gesammtsumme bleibt um 7357 Stück ge-
gen voriges Jahr zurück. Bisam sind in Summa verzeichnet 1,479558
Stück, Schuppen 221,908, Zobel 70601, Bären 5053, Luchse 4574,
Wölfe 3644, Chinchillas 32,136, die geschätzte immer seltener wer-
dende Seeotter 114 u. s. w. u. 8. w.
Herr W. Weitzel erstattet Bericht über die von G. Möllen-
dorf veröffentlichte Darstellung der Regenverhältnisse Deutschlands.
Die Regenmenge beträgt danach im Mittel: im Frühling 5,60“ par.
oder 22,40%/5; im Sommer 9,00‘ oder: 360),; im Herbst 5,86“ oder
2C,5%/, und im Winter 4,52‘ oder 18,10/,. Demnach sind in Deutsch-
land die Sommerregen herrschend. Das Jahresmittel ist 24,98‘ par.
Dem herrschenden Südwestwinde ist die grössere Rsgenmenge im
Westen, die kleinere im Osten Deutschlands zuzuschreiben, so dass
z. B. in Cöln durch diesen Einfluss und den der Meeresnähe die Re-
genmenge 38,32” beträgt, in andern Gegenden macht sich die Nähe
der Gebirge geltend, so in Clausthal mit 47,88 Regenhöhe. Sehr ge-
ring sind dagegen die Regenmengen in Prag 14,43, Polnisch-Warten-
berg 11,5; Halle hat 18,94’ par. Regen. Von Einfluss auf die Regen-
mengen sind ausser den angeführten Umständen noch die Meeres-
höhe, Oberflächengestaltung und Bodenbeschaffenheit des Orts. Be-
waldung beeinflusst nicht die Regenmenge, sondern nur die Regenver-
theilung. Zu beachten ist ferner, dass die Regenmenge von oben’
nach unten zunimmt, so dass an demselben Orte in 200° Höhe die
Regenmenge 100; in 150’ Höhe 102,5; in 100° Höhe 107,5; in 50‘ Höhe
118,0 und in 0° Höhe 155,9‘ beträgt, im Sommer ist die Zunahme in.
der Höhe grösser als im Winter. Es ist sonach die beobachtete Re-
genmenge stets zu gering; und dies beträgt bei Regenmessern von
6‘ Höhe noch 2%/,; ebenso ist die Regenmenge zu gering in Folge der
Verdunstung, welche beim Schnee 19,6%, erreicht, so dass die An-
gaben für die Wintermonate um !/; zu erhöhen sind. Die übrigen
Einflüsse dürfen vernachlässigt werden.
Herr Zinken übergiebt ein Verzeichniss der im Selkethale
400
wildwachsenden Pflanzen, welches nächst dem Bodethale die grösste
Mannigfaltigkeit der Harzer Flora enthält, etwa 440 verschiedene, für
genannte Flora seltenere Specien. Schliesslich spricht derselbe, an
seine frühern Mittheilungen über die Kreidekohle auknüpfend, über die
Wälderkohle. Dieselbe besonders durch Cycadeen und Coniferen ge-
bildet, zieht sich nordwestlich vom Harze bis nach Holland in meist
sehr schwachen, 2 Fuss Mächtigkeit selten übersteigenden Flötzen. Die
Koblen sind sehr verschieden und die stark zerklüfteten im Schaumburgi-
schen sind es hauptsächlich, auf welchen der Bergbau betrieben wird.
Hiermit wurden die Sitzungen für das Wintersemester geschlos-
sen und. der Anfang der Sommersitzungen auf den 22. April festgestellt.
Sitzung am 22. April.
Als neues Mitglied wird proklamirt
Herr Steinbeck, Kreisbauinspector und Universitäts-Architekt Bien,
Herr Giebel legt den Abdruck eines Palaeoniscus aus dem
Mansfelder Kupferschiefer vor, an welchem die Schuppen von der
Innenseite so eigenthümlich abgedruckt sind, dass man sie leicht für
Abdrücke von Wirbelkörpern halten könnte,
Herr Brasack berichtet über die von Carre zuerst ange-
wandte Methode der Eisgewinnung aus Ammoniak. Eine concentrirte
Ammoniaklösung wird zu diesem Zwecke in einem abgeschlossenen
eisernen Gefässe von cylindrischer Form erhitzt, doch darf die Tem-
peratur 130° C nicht überschreiten, damit nicht der innere Druck 8
Atsnıosph. überschreitet. Der Rauin hat sich mit Ammonıakdampf
gefüllt, der sich nun in einem mit dem Kessel in Verbindung stehen-
den Rohre zu wasserfreier Ammoniakflüssigkeit verdichtet. Die Flüs-
sigkeit sammelt sich in einem Gefässe, den sogenannten Vertheiler,
der dieselbe in constantem Flusse in den luftverdünnten Refrigerator
eintreten lässt. Letzterer ist ebenfalls ein eiserner Cylinder von dem
noch ein zweites Rohr in das ebenfalls luftverdünnte Absorptionsge-
fäss geht, auf dessen Boden sich einige Zoll hoch Wasser befindet,
Beim Eintreten der Ammoniak - Flüssigkeit in den Kälterreger verdun-
stet dieselbe, entzieht die dazu nöthige Wärme den Wänden des Ge-
fässes und bringt dadurch das um den Apparat befindliche Wasser
zum Gefrieren. Naturgemäss gehen nun die Ammoniakdämpfe auch
in den Absorptionsapparat über und werden hier ungemein schnell
vom Wasser verschluckt, was eine neue Verdunstung des Ammoniaks
im Kälteerreger veranlasst. Um den Process ununterbrochen vor sich
gehen zu lassen ist mit dem Absorptions-Apparate noch ein Pumpwerk
verbunden, das das mit Ammoniak gesättigte Wasser zurücktreibt in
den Verdampfungs-Cylinder, während die vom Ammoniakgas befreite
Flüssigkeit durch ein Kühlrohr in den Absorptionsapparat zurückläuft.
Der Process kann nun wieder ebenso verlaufen. — Die Resultate die man
mit diesem Apparate erzielt hat, übersteigen alle bisher bekannten, —
Druck von W. Plöts in Halle.
Feitschrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
1863. | Mai. Ne N.
Ueber die Vertheilung der Wärme auf der
Erdoberfläche,
von
L. Witte
in Aschersleben.
4. Die Störungen im normalen Gange der Wärme oder die Ursachen
des Wechsels der Witterung.
Bei der Bestimmung der mittlern Jahrestemperatur
eines Ortes aus seiner geographischen Lage und besonders
bei der Bestimmung des Ganges der täglichen mittlern
Temperatur eines Ortes, welche beiden Aufgaben ich in
Band III. und IV. in besonderer Weise zu lösen gesucht
habe, ist es Haupterforderniss, von allen Störungen des
normalen Ganges der Wärme völlig abzusehen und sich
einzig an die aus vieljährigen Beobachtungen sich ergeben-
den Mittel zu halten. Erst wenn diese normalen Mittel
gewonnen sind, lässt sich der Versuch wagen, auf das
hohe Ziel der Witterungskunde loszugehen, d. i. auf Er-
gründung der Ursachen des wirklichen Witterungsganges
an verschiedenen Orten der Erde. Wir schieben den Wech-
sel der Witterung mit guten Gründen den verschiedenen
Luftströmungen zu und sind auch wohl im Stande, hinterher
nachzuweisen, wie die Aenderung des Wetters durch die-
selben geschehen ist; allein es bleibt uns immer noch die
schwierige Frage zu lösen, wodurch ihr Lauf und Wechsel
bedingt sein mag. Dass die Häufigkeit und der Wechsel
der verschiedenen Winde und die Menge der durch ihren
XXI. 1863. 27
402
Zusammenstoss erzeugten Niederschläge, also hauptsächlich
der Regen, auf die Erhöhung oder Erniedrigung der mitt-
lern Jahrestemperatur eines Ortes Einfluss ausüben, habe
ich gleichfalls in Band XIII. zu zeigen versucht, zunächst
für Europa, und sind diese Einflüsse in dem Masse als con-
stant zu betrachten, als die Häufigkeit der Winde an einem
Orte und die Regenmenge allda selbst constant sind. Wären
sogar beide an einem Orte in jedem Jahre dieselben, was
freilich nicht der Fall ist, so würden sie doch in buntem
Wechsel in sehr verschiedenen Zeiten einfallen. Der Wech-
sel von warmen und kalten Jahren und von warmen und
kalten Tagen ist bekannt, und:die Regellosigkeit derselben
ist sprichwörtiich. Und doch muss die Wissenschaft ver-
wegenen Sinnes darauf ausgehen, eine Regelmässigkeit
auch da zu suchen, wo keine vorhanden zu sein scheint,
da sie nicht annehmen kann, dass eine unsichtbare Hand
willkürlich am Zeiger rückt. Ich bin weit ab von dem
Uebermuthe, den das Volk für Frevel ansieht, den Finger
segen den Himmel ausstrecken und hinzeigen zu wollen
in das kommende Wetter, noch die Kraft bemessen zu
wollen, in der Wind und Wärme und Leben beruht. Das
wäre von mir allzu kühn, und dazu weiss ich, welchem
Fluche die falschen Propheten verfallen. Ich gebe im Nach-
folgenden nur, was mir aus meinen langjährigen Beobach-
tungen hervorzuschimmern scheint, und meine bescheidenen
Ansichten machen durchaus keinen Anspruch auf Wissen-
schaftlichkeit, ich veröffentliche sie nur, weil ichs für mög-
lich halte, dass ihr Bekanntwerden von praktischem Nutzen
sein könnte.
Betrachtet man den Gang der Wärme längere Zeit,
so macht man bald die naheliegende Bemerkung, dass beim
Wechsel des Wetters Wärme und Kälte gemeinlich nicht
allmählig in einander übergehen, sondern dass sie meistens
mit einem Sprunge in einander umschlagen, Dieser Ruck
findet nicht allein statt, wenn in den untern Regionen West-
und Ostwinde wechseln, sondern auch oft, wenn der unten
herrschende Wind bleibt. Im erstern Falle ist der Sprung
erklärlich, aber auch im letztern bleibt nicht ausgeschlossen,
dass eine Aenderung der Luftströmungen in den obern und
403
mittlen Regionen vorgegangen ist, welcheeinen Wärmewechsel
in den untern hervorruft. Es ist unsfreilich gänzlich unbekannt
und nicht durch leichte Beobachtungen zu ermitteln, wie
viele verschiedene Winde in den Höhen, in uferlosen Betten
über und neben einander hinziehen oder gar sich erheben
und herabsenken, und selbst wenn diese bestimmbar wären
wie die Strömungen des dichtern und schwerern Elementes,
des Wassers, so würde doch bei der völligen Schranken-
losigkeit des Luftmeeres auf die Beständigkeit der Fluthun-
gen wenig oder gar nicht zu rechnen sein. Zwar scheint
uns in den beständigen Passaten der Tropen der feste
Stamm des die Erde mit seinen Wurzeln und Zweigen um-
schliessenden Wetterbaumes gegeben zu sein; indessen die
Wurzeln und Zweige sind gerade in unsern Gegenden so
verworren verschlungen, dass an eine Lösung derselben auf
diesem Wege wohl schwerlich gedacht werden kann. Sie
schwanken dazu unaufhörlich hin und her und auf und
nieder, so dass sie fast keinen Tag in derselben Lage blei-
ben. Wüssten wir jedoch nur, welche‘Kraft die Zweige
birgt, so möchten wir immerhin doch angeben können,
wohin sie sich neigen. Es entsteht also die Frage: Welche
Kraft bewirkt den Ruck in der Witterung oder veranlasst
die Störungen im normalen Gange der Wärme?
Die Aequinoctialstürme sind eine so bekannte und
beinahe regelmässige Erscheinung, dass man wohl ver-
sucht sein kann, sie als Wirkungen einer Ursache zu setzen,
die immer zu derselben Zeit sich zeigt. Die Sonne, die
Hauptquelle der Wärme auf der Erde, hat alsdann eben
die Linie passirt, und in diesem Vorgange ist sicher zum
Theil die Ursache des gewaltigen Ruckes zu suchen, den
um diese Zeit die Witterung in beiden Hemisphären erleidet.
In Betracht der Witterung zerfällt die Erde in zwei sehr
ähnliche Hälften, die durch die Region der Calmen geschie-
den und verbunden sind, der sich auf beiden Seiten die
Regionen der Passate mit ziemlich normalem Witterungs-
gange anlegen. Die Thatsache der Aequinoctialstürme in
den über diese Regionen hinausliegenden Gegenden dürfte
Beweis genug dafür sein, dass es für den ruhigen Gang
der Wärme nicht einerlei ist, ob die Wärmequelle nördlich
27°
404
oder südlich der Scheidelinie senkrecht wirkt, dass vielmehr
in diesem Gange ein Sprung stattfindet, sobald der Wärme
strahlende oder erregende Körper den Aequator passirt.
Auf dem indischen Oceane wird der Nordostpassat
durch die Moussons aufgehoben, die ihrer Natur nach reine
Land- und Seewinde sind und durch die ungleiche Erwär-
mung von Land und Meer entstehen. Sie setzen nach den
Aequinoctien um, und ihre Entstehung, die ich als bekannt
hier nicht weiter erörtere, giebt ferner Beweis dafür, dass
auch die Vertheilung von Land und Wasser oder die Lage
der Continente von Einfluss auf die Windströmungen und
damit auf den Gang der Wärme sein kann, woraufich mich
weiter unten beziehen werde.
Gäbe es ausser der Sonne noch andere Himmelskör-
per, welche auf der Erdoberfläche direkt Wärme erregten,
so würde es aus eben diesem Grunde nicht ganz gleich-
gültig sein, ob sie bei Tage oder bei Nacht am Himmel
stehen; da indessen selbst das Licht des Mondes nur eine
verschwindend geringe Wärme zeigt, so kann diese Rück-
sieht völlig ausser Betracht gestellt werden.
In der That können wir nur die Sonne als die einzige
Wärmequelle für die Erde ansehen; nach einer andern su-
chen wir vergeblich. Schiene nun die Sonne immer gleich
und wäre die Erde eine gleichartige Masse, d. h. ganz
Land oder ganz mit Wasser bedeckt, so stände anzunehmen,
dass an jedem Orte derselben die tägliche mittlere Wärme
den normalen Gang inne halten würde. Die Wärme zeigte
dann überhaupt nur die Schwankungen, welche Tag und
Nacht und Sommer und Winter hervorbringen und vielleicht
kaum nur eine Störung zur Zeit der Aequinoctien. Es
stände denn ferner anzunehmen, dass unter gleichen Brei-
tengraden überall nicht nur dieselbe mittlere Jahrestempe-
ratur, sondern auch ganz der Wärmegang an einem Orte
je nach der Lage zum Continente oder Meere abgeändert
wird, das habe ich Band III und IV. zu zeigen versucht.
Diese Aenderungen berühren aber nicht den unregelmässigen
Gang der Witterung, da sie natürlich völlig constant sind.
Da man an der Erde selbst für diese Unregelmässigkeiten
schwerlich Ursachen aufzufinden vermag, so hat man sie
405
bereits in .der Wärmequelle, in dem veränderlichen Scheine
der Sonne, gesucht, d.h. in den auflodernden Sonnenfackeln
und in den dunkeln Sonnenflecken, sowie zugleich dann
in der Achsendrehung derselben. Soviel mir bekannt, ist
es bis jetzt nicht gelungen, den Causalnexus dieser Erschei-
nungen mit der Wärme auch nur soweit nachzuweisen,
dass sie gleichzeitig eintreffen, oder auch nur, dass in Jah-
ren, die an Fackeln und Flecken reich sind, das gesammte
Wärmequantum der Erde grösser oder geringer sei als ge-
wöhnlich; vielmehr ist man durch alle Beobachtungen zu
der Annahme gelangt, dass dieses Wärmeguantum zu aller
Zeit dasselbe sei und sich auf der Erdoberfläche nur sehr
verschieden vertheile. \Venn dem so ist, so können die
Sonne und die Erdoberfläche, d. h. Continente und Oceane,
desgleichen in gewissem Sinne auch die beständigen Winde
und Regen nur als Factoren des normalen Wärmeganges
an jedem Orte der Erde angesehen werden, und zwar die
erstere, die Wärmequelle, als Hauptfactor, die andern als
Nebenfactoren, nicht aber können sie als Erzeuger der Un-
regelmässigkeiten der Witterung betrachtet werden. Die Ur-
sachen der Temperaturschwankungen sind anderswo zu
suchen.
Da sich in diesen Störungen noch keine Periodieität
hat entdecken lassen, so können die Ursachen nur immer
unter den verschiedensten Umständen wirksam sein, so dass
auf diese Weise eine unendliche Manichfaltigkeit der Ver-
kettung möglich wird und es also scheinen muss, als walte
darin freiste Willkür oder blosser Zufall. Diese Ansicht
muss schlechterdings abgewiesen werden, und will ich mit
den folgenden Annahmen den Versuch machen, ob sich
nicht alle oder doch die meisten Auf- und Abbiegungen
der Temperaturcurve an eine Regel anknüpfen lassen.
Die Luftströmungen sind den Meeresströmungen sehr
ähnlich, und beide würden wahrscheinlich einander voll-
kommen entsprechen, wenn letztere nicht durch die Con-
figuration der Landmassen aufgehalten und abgelenkt wür-
den. Wie die Unebenheiten des Meeresgrundes auf die
Meeresfluthen, so wirken die Unebenheiten des Erdbodens
auf die Luftströme, Sind nun diese beiden den Erdkörper
406
umfliessenden und einhüllenden Flüssigkeiten in den Haupt-
bewegungen einander ähnlich, so sind sie’s vielleicht auch
in den andern. Die hauptsächlichsten der letztern ist die
Erscheinung der Ebbe und Fluth der Oceane, von der jetzt
bis zur Evidenz erwiesen ist, dass sie eine Wirkung der
Attraction des Mondes ist. Dieser Zusammenhang, obwohl
lange geahnt und angenommen, ist mit den stärksten Grün-
den oft und hartnäckig bestritten worden, und endlich ist
doch die Gewissheit desselben durch planmässige genaue
Beobachtungen dargethan. Wenn nun das dichtere und
schwerere Wasser durch die Anziehung des Mondes bewegt
und hochgezogen wird — wenn auch nur wenige Fuss
hoch, — sollte da dieselbe Kraft nicht auch die weit dün-
nere und leichtere Luft in gleicher Weise bewegen und
heben können und müssen? — Zwar ist sofort dagegen
einzuwenden, dass das Barometer von solchen Fluthungen
des Luftmeeres nichts oder doch gar zu Geringes vermeldet;
indessen möchte ich wiederum die ganz nahe liegende Be-
richtigung einlegen, dass es auch von dem so erzeugten
höhern oder tiefern Stande des Luftmeeres nichts ergeben
kann, da eben durch die Anziehung des Mondes der Druck
der höhern Luftsäule nach unten nicht vermehrt werden
kann, indem er gerade um soviel aufgehoben wird, als die
Attraction des Mondes die Luftmasse häuft. Sonach würden
Sonne und Mond wie auf den Ocean, so auch auf das
Luftmeer einwirken können und zwar, ohne dass das Ba-
rometer die Ebben und Fluthen der Atmosphäre anzeigte.
Diese Ebben und Fluthen müssen in dem schrankenlosen
Luftmeere noch viel freier und ungestörter eintreten als
in dem beschränktern und schwerer beweglichen Wasser.
Durch sie würden dann alle ungewöhnlichen Luftströmungen
erregt und durch diese wieder die Wärme ungleich über
die Erde verbreitet. (Die periodischen Barometerschwan-
kungen, die täglichen wie die jährlichen, könnten hierbei
selbstverständlich nicht in Betracht kommen).
Giebt es in Wirklichkeit eine solche unmessbare Ebbe
und Fluth des Luftmeeres, so ist diese natürlich von der
Constellation des Mondes und der Sonne abhängig und zwar
in derselben Weise wie die des Wassers, so dass also zur
407
Zeit der Conjunction und Opposition beider ihre Ebben und
Fluthen einander verstärken und zur Zeit der Quadraturen
die Ebbe, welche der eine Himmelskörper erzeugt, die Fluth
schwächt, welche der andere hervorbringt. Wie tief diese
Bewegungen herabdringen, lässt sich nicht vermuthen;
aber selbst wenn sie den Dunstkreis auch nicht berühren
sollten, so dürfte er dennoch von ihnen erregt werden,
wenn nach den Quadraturen beide Körper in entgegenge-
setzter Riehtung wirken, nach dem ersten Viertel aus dem
Zusammenwirken in Entgegenwirken, nach dem letzten
Viertel aus Entgegenwirken in Zusammenwirken überge-
hen. Herschel und Johnson wollen am Vollmonde eine
wolkenzertheilende Kraft bemerkt haben. Doch sieht man
von diesen zweifelhaften Wirkungen ab, so bleibt es im-
merhin einleuchtend, dass, wenn überhaupt der Mond durch
seine Attraction auf die Atmosphäre einwirkt, ein Ruck
nur stattfinden kann nach den Quadraturen desselben, wenn
Sonne und Mond in entgegengesetzte Verhältnisse zu ein-
ander treten. Dadurch wäre indessen die grosse Manich-
faltigkeit der Störungen des normalen Wärmeganges noch
nicht erklärt, und bleibt für diese noch ein anderes Moment
zu beachten.
Es ist bereits oben gesagt, dass die Vertheilung der
Continente und Oceane schon auf die normale Wärmemenge
und den normalen Wärmegang an einem Orte der Erde be-
stimmend einwirkt, und dieser Einfluss muss auch hier in
Betracht gezogen werden. Es ist mir freilich unmöglich,
nachzuweisen, wie er bedingt wird, doch glaube ich, aus
meinen Beobachtungen nachweisen zu können, dass er Statt
hat, wenigstens für die nördliche Hemisphäre. Der grosse
östliche Continent (Asien, Afrika und Europa) breitet sich
von Ost nach West über ?/, des Erdumfanges aus, die Oceane
(der stille und der atlantische) mit Einschluss von Nord- .
amerika, das — durch Gewässer vielfach zertheilt — in
meteorologischer Beziehung keinen continentalen Einfluss
auszuüben scheint, breiten sich in gleicher Richtung über
5), aus, und eben diese Zahlenverhältnisse treten beim Ein-
flusse des Mondes auf die Witterung zu Tage. Die Wit-
terungsperioden gehen von Quadratur zu Quadratur und
408
treffen meist am dritten, spätestens am fünften Tage nach
derselben ein.
Ich übergehe alles Uebrige, was ich sonst noch zur
Begründung meiner Ansicht, dass der Mond ein Factor der
Witterung sei, anführen könnte, und indem ich eine lange
Reihe von Beobachtungen vorlege, will ich zunächst zeigen,
in wieweit eine abstrahirte Regel diesen entspricht. Diese
Regel gilt nur für den Winter. Die Scheidung von Sommer
und Winter ist durch den Stand der Sonne und durch die
oben bezeichneten Witterungshälften der Erdoberfläche be-
dingt. Die Regel lautet:
Fällt im Winter das erste Viertel des
Mondes in die Zeit von 8 Uhr Morgens bis
11 Uhr Abends, so tritt Wärme ein, fällt es
zwischen 11 Uhr Abends und 3 Uhr Menue
so tritt Kälte ein;
und fällt im Winter das letzte Viertel
zwischen 8 Uhr Morgens und 11 Uhr Abends
so folgt Kälte, fällt es zwischen 11 Uhr
Abends und 8 Uhr Morgens, so folgt Wärme.
Die beiden Tageszeiträume entsprechen den angegebe-
nen Ausdehnungen’der Oceane und des Festlandes auf der
nördlichen Erdhälfte, und die Wechsel- oder Scheidestunden
— 8 Uhr Moıgens und 11 Uhr Abends — scheinen für
Oerter von verschiedenster geographischer Länge dieselben
zu Sein, da sie für jeden Ort je nach letzterer zu anderer
Zeit einfallen. (Vorläufig sei hier schon bemerkt, dass die
Regel auch für den Sommer Anwendung findet, nur dass
aus obigen Gründen die Wärmebestimmungen dann ent-
gegengesetzt sind). Die Regel streift nahe an den alten
Volksglauben, nach welchem die Witterung davon abhängig
gemacht wird, ob der Mondwechsel vor oder nach Mitter-
nacht eintritt. Der alte Glaube wäre also doch nicht ganz
ohne Grund und der Beachtung wohl werth, nur hat sich
mir aus 16-jährigen Beobachtungen ziemlich klar gezeigt,
dass nicht die Mitternacht, sondern 11 Uhr die entscheidende
Stunde ist, und dass es ausser dieser noch eine solche am
Morgen giebt. Da ich mit dem bisher Gesagten die Regel
nur schwach begründet habe, so mag es mir vergönnt sein,
409
durch die lange Jahresreihe hindurch nachzuweisen, wie nur
in verhältnissmässig wenigen Fällen die Witterung sich
anders gestaltete, als voraus zusehen war. Mit der grossen
Menge Zahlen, die ich so kurz wie möglich fassen will,
gebe ich zugleich die nun ausgesetzten Temperaturbeob-
"achtungen am hiesigen Orte vom1.Jan. 1847 bis zum 22. März
1863, welche vielleicht auch der Mittheilung werth sind.
Die erste Tabelle enthält zunächst den Gang der täg-
lichen mittlern Temperatur zu Aschersleben für den
Winter, wie derselbe sich aus der Temperaturcurve des
Ortes ergiebt. Die Temperaturcurve ist aus der geographi-
schen Lage des Ortes und nach den Band III und IV von
mir aufgestellten einfachen Sätzen berechnet, und die also
gewonnenen Elemente dieser Ellipse sind nach den Bd. XII.
nachgewiesenen Einflüssen von Wind und Regen genauer
eorrigirt. Die so erhaltenen täglichen mittlern Temperaturen
stimmen mit den aus den Beobachtungen sich ergebenden
überein. Die Elemente dieser elliptischen Temperaturcurve
sind: die mittlere Proportionale zwischen den beiden halben
Achsen aus der geographischen Lage des Ortes berechnet
— 49,268, und nach dem Einflusse von Wind und Regen
corrigirt —= 49°,547, der Abstand des Mittelpunktes vom
Centrum des Gradnetzes (-—- 40°C.) aus der Entfernung des
Ortes vom Kältepole berechnet = 9°,299, und nach der
Vertheilung des Niederschlages auf die Jahreszeiten cor-
rigirt 10°, 415, d. i. die mit der Beobachtung übereinstim-
mende halbe Differenz zwischen dem kältesten und wärm-
sten Monate. Aus diesen beiden Elementen berechnet sich
nach dem ebenda (Band IV) aufgestellten Satze, dass sich
die Excentricitäten zu einander verhalten wie die corrigirten
Centrumsdistanzen, die Excentrieität zu 0,243 der halben
grossen Achse, sowie endlich aus dieser Excentrieität und
der mittlern Proportionale die halbe grosse Achse — 5091
und die halbe kleine Achse = 49° gefunden wird. Die Lage
derEllipse im Gradnetze wird durch den Sommerbrennpunkt
genügend bezeichnet. Er liegt in der Temperatur 20° Wal-
fardin, d. i. —20°C.*), und im Jahre auf dem 8. Septbr.
2) Die von Walfardin empfohlene hunderttheiligeThermometerscala
umfasst nämlich die 100 Celsiusgrade von —400C. bis +6000,, —
Man sehe das von mir darüber Band XIII, S. 12 Erwähnte,
410
Normale tägliche mittlere Temperatur für Aschersleben,
unter 51°45‘5” nördlicher Breite und 2907’ 36“ östl. Länge
von Ferro, während des Winters, d. i. vom 23. Sept. bis
22. März, in Graden Celsius.
}
Dee. Jan. | Febr.
Jan. Febr. | März. Tag.
Al, 1% wa
—00,5 | — 103 |. 005 | 24
—005 | —103| 006 1 35
— 00,6 | 103 | 00,7 | 26
—ig8,7 7703| 008 1%27
—00,7 10,2 | 00,9 | 28
— 06,8 | — 10,2 | (00,9) | 29
Sept. Oct. , Nor.
Oct. Nov. Dec.
—009| — 102 30
dog ln go] 31
Do or To
EA RE
es 10,2
1
2
3
— 101 | —1° 10,3 4
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= 10.214039, 106 6
—_ 1002| WS 7
Ba re Le) 8
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= 10/317. 02,72) 8 2008 10
Home 02.07 200 11
lee 52 12
— [04 005 205 13
22 | sos | 308 !_008 | —104 | 003 401 I 22
Die nun weiter folgenden Tabellen geben die Diffe-
renzen der beobachteten täglichen mittleren
Temperaturen von den eben aufgestellten nor-
malen in Zehntelgraden Cels., und zwar die links
stehenden Zahlen die Differenzen unter dem normalen Mit-
tel, also die relative Kälte, die rechtsstehenden die Dif-
ferenzen über demselben, also die relative Wärme.
Für die daneben vermerkten Formen des Niederschla-
ges sind folgende Zeichen gewählt: ein Komma bedeutet
schwachen Regen, ein r stärkern Regen, ein A Regengüsse;
Gtir bedeutet Gewitter mit Regen; n bedeutet schwache,
a1
und N starke Nebel, = fallenden Nebel; ein Punkt bedeu-
det Graupeln und ein Kolon Hagel, ein kleiner Stern Schnee
und ein grosser starken Schneefall; ein Ausrufungszeichen
Regen mit Schlossen.
Die letztere Hälfte des Winters von 1846 auf 1847.
Jan. | Febr.
uU. u. F Ä
Tag Jan. ae Tag Jan. Febr. | März.
K. W.IK. W.IK. W. K. W. IK. W.[IK. W
28 12 5 48125 7
24 16130 27 29) *
25 33144 57 88
26 31136 178 72
> 52147 54 49
28 57144 159 6
29 46 I 7 1
30 293 33 18
3l 25 30 30
1: [43 **| 16138 0 40
250 1 U 68 35
3 115 #131 6 66 40
4 18 16 7 50 62
5 10 215 4 683 46
6 113 191 9 583 43
7 113 15510
1) Das letzte Viertel am 9. Jan. um 19!/, h (von Mitter-
nacht an gezählt) deutete auf Kälte, die auch bei blei-
bendem Ostwind sofort stark eintrat und ohne Sprünge
andauerte, gegen das Ende selbst bei westlichen Win-
den. Die Nebel bei Ost.
2) Das erste Viertel am 23. Jan. um 17 h deutete auf
Wärme, die ebenfalls sofort eintraf und bei wechseln-
den Winden anbielt.
3) Das letzte Viertel am 8. Febr. um 14!/, h deutete auf
Kälte, die anfänglich bei W. einfiel, vom 15. jedoch
bei stärkeren W.-Stürmen in Wärme überging.
4) Das erste Viertel am 22. Febr. um 5 h deutete auf
Kälte, die sofort mit O eintraf, doch gegen das Ende
durch Westwinde abgeschwächt wurde.
5) Das letzte Viertel am 9. März um 5!/, h deutete auf
Wärme die nach 3 kalten Tagen (mit W.) eintraf und
bei meist südlichen Winden anstieg.
412
Es ergiebt sich demnach für diesen halben
Winter das günstige Resultat, dass das Wetter
mit Ausnahme der stürmischen Tage vom 15—
21 Febr. genau nach der Regel eintrat.
Stürme sind gewaltsame Aufregungen der Atmosphäre,
durch welche das durch unregelmässige Wärmevertheilung
verlorene Gleichgewicht der Luft wiederhergestellt wird;
sie bringen daher meistentheils unregelmässiges Wetter,
oder vielleicht richtiger, sind die Wirkung einer durch ir-
gend welche Ursache eingetretenen falschen Wärmeyver-
theilung. Spätere Beobachtungen werden diese Ansicht
bestätigen.
Der Winter von 1847 auf 1848.
Sept. Oct. Noy. |! Dee. Jan. I Febr.
u. u. u. u. u. u.
Tag. Oct. Nov. | Dee. Jan. Febr. | März. | Tag.
K. W. IK. W.!K. W.|K. W.IK. W.IK. W.
04 32 531 23
TA 44 r \67 24
83| * 86 25
166 r|88 26
181 r | 86 27
148 r\77 | 28
104 58 29
18 30
m 27 31
121 036
14 36 2
181 ‚,l1a| 3
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151 |52| 21
1)
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u
3)
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Se
|
Su
413
Das letzte Viertel am 1. Oct. um 8%/, h deutete auf
Kälte, die ganz regelmässig am dritten Tage stärker
eintraf. Bei meist östlichen Winden erfolgte bis zum
9. Nebel und Regen.
Das erste Viertel am 17. Oct. um 8!/, h deutete auf
Wärme, die ebenso regelmässig eintrat, zunächst bei
einfallendem S und SW mit Regen. Am 24 von 19
bis 21 h Nordlicht.
Das letzte Viertel am 30. Oct. um 23 h deutete auf
Wärme, die mit Regen schwach eintraf, aber bei wech-
selnden Winden mit Schwankungen anstieg.
Das erste Viertel am 15. Nov. um 19 h deutete auf
Wärme; die auch mit Schwankungen bei wechselnden
Winden im Ganzen stattfand.
} Das letzte Viertel am 29. Nov. um 17 h deutete auf
Kälte, statt deren mit SWsturm starke Wärme eintraf,
{op}
—
7
—
8)
9)
10)
die indessen bei wechselnden Stürmen allmälig bis auf
das Mittel herabsank.
Das erste Viertel am 15. Dec. um 6 h deutete auf
Kälte, die eintrat und bei meist östlichen Winden mit
starken Schwankungen endlich auf das Mittel ging.
Am 19. ein besonders schönes Nordlicht, und am 23.
starker Nebel bei NO.
Das letzte Viertel am 29. Dec. um 15 h deutete auf
Kälte, die auch bei östlichen Winden stark einfiel.
Das erste Viertel am 13. Jan. um 13 h deutete auf
Wärme, statt deren aber nach Nachtsturm und Schnee
bei anhaltenden Ostwinden starke Kälte eintrat.
Das letzte Viertel am 28. Jan. um 13 h deutete auf
Kälte, statt deren aber am dritten Tage mit eintreten-
dem SW starke Wärme folgte, die nur durch einfallen-
den NO auf zwei Tage herabgedrückt wurde. Viel
Regen und Schnee.
Das erste Viertel am 11. Febr. um 21 h deutete auf
Wärme, die auch bei W. stark blieb und nur an 2 Ta-
gen durch einfallenden O. herabgedrückt wurde. Von
33 ab SWstürme mit Regen.
414
il) Das letzte Viertel am 27. Febr. um 9 h deutete auf
Kälte, zu der auch die Temperatur, bei wechselnden
Winden herabfiel, die sie aber erst am 5. März er-
reichte. Viel Regen und Schnee.
12) Das erste Viertel am 12. März um 5?/, h deutete auf
Kälte, statt deren aber bei meist südlichen Winden
Wärme eintrat. Am 19. um 20 h Nordlicht.
In diesem Winter trafdemnach nach 7 Quadra-
turen vollkommen regelmässiges Wetter ein,
nach einer (ll) war es zur Hälfte regelmässig
und nach 4 entgegengesetzt, und zwar bei zweien
(5 und 8) mit einleitenden Stürmen und nur nach zweien
(9 und 12) ohne dieselben.
Der Winter von 1848 auf 1849.
Sept. Oct. Nov. | Dee. Jan. j Febr.
u. u. 0. u. u. u.
Tag. | Oet. Nov. Dee. Jan. | Febr. | März. | Tag.
K. W. IK. W.IK. W.IK. W. |K. W.|K. W.
ar Knast en sah a ie dat äl Er te
23 [44 s | ale], 1 con 3 | 93
24 126 14{ 3 |n,| 68 nnın 88 451 24
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5 36 |41 2 49 61 5
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22 161, 11 6simni |67 1 , [49 |26 22
415
1) Das erste Viertel am 5. Oct. um 15 h deutete auf
Wärme; es folgte erst regelmässiges, dann entgegen-
gesetztes Wetter. Winde wechselnd. Vom 1l.an eine
Regenzeit. Am 18. Nordlicht.
2) Das letzte Viertel am 19. Oct. um 7!/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei wechselnden Winden.
3) Das erste Viertel am 4. Nov. um 7 h deutete auf
Kälte. Regelmässig mit starken wechselnden Winden.
4) Das letzte Viertel am 17. Nov. um 20 h deutete auf
Kälte, statt deren aber bei südlichen Winden allmälig
Wärme eintraf.
5) Das erste Viertel am 3. Decbr. um 21 h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei SWwinden.
6) Das letzte Viertel am 17. Dec. um 12h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei O.
7) Das erste Viertel am 2. Jan. um 8%/, h deutete auf
i Wärme, statt deren die starke Kälte bei vorherrschen-
den östlichen Winden anhielt und erst in den letzten
Tagen mit SWsturm auf Wärme übersprang.
Das letzte Viertel am 16. Jan. um 7®/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden.
9) Das erste Viertel am 31. Januar um 18h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei SW.
10) Das letzte Viertel am 15. Febr. um 5h deutete auf
Wärme. Regelmässig mit starken Schwankungen bei
SWwinden. Am 27. um 20h Nordlicht.
Das erste Viertel am 2. März um 1 h deutete auf
Kälte, die jedoch bei starken SWwinden erst verspä-
tet am 9. schwach eintrat.
12) Das letzte Viertel am 17. März um’ 1!/, h deutete auf
Wärme, statt deren aber nach den stürmischen Wo-
chen am dritten Tage bei endlich herrschend werden-
den NOwinden Kälte eintraf.
Auch in diesem Winter traf das Wetter nach 7
Quadraturen vollkommen regelmässig ein, nach
2 (1 und 11) war es bei erregter Atmosphäre nur
zur Hälfte regelmässig und nach 3 (4, 7, 12) ent-
gegengesetzit.
8
—
19:
a
416
Der Winter von 1849 auf 1850.
Sept. Oct. Nov. Dec. Jan. | Febr.
u. u. u. u. u. u.
Tag.| Oct. | Nov. | Dee. Jan. ;j Febr. | März. | Tag.
K. W. IK. W.I K. W. IK. W. IK. W.I K. W.
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1) Das erste Viertel am 24. Sept. um Oh deutete auf
Kälte, die auch in schwachen Schwankungen um das
Mittel eintraf. Am 25. Gewitter. Wechselnde Winde
mit Regen.
2) Das letzte Viertel am 9. Oct. um 1'/,h deutete auf
Wärme, statt deren zunächst bei O. ziemliche Kälte
einfiel und erst gegen das Ende bei mehr südlichen
Winden schwache Wärme.
3) Das erste Viertel am 24. Octbr. um 8h deutete auf
Wärme, die bei Wwinden eintraf, doch auf 4 Tage bei
©. in Kälte umschlug.
417
4) Das letzte Viertel am 7. Nov. um 9!/; h deutete auf
Kälte. Durch SWsturm anfangs hohe Wärme, dann
Kälte. Die Richtung war regelmässig zur Kälte ab-
fallend. SWwinde.
5) Das erste Viertel am 23. Nov. um 3!/, h deutete auf
Kälte. Sehr regelmässig bei O.
6) Das letzte Viertel am 6. Dec. um 20 h deutete auf
Kälte, die bei Ostwinden regelmässig eintraf, aber durch
starken SW auf einige Tage in Wärme umschlug.
7) Das erste Viertel am 22. Dec. um 20'/, h deutete auf
Wärme, zu der die Temperatur bei starkem SW. auf-
stieg, dann aber um das Mittel stark schwankte.
8) Das letzte Viertel am 5. Jan. um 9"/, h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei stetem O.
9) Das erste Viertel am 21. Januar um 10 h deutete auf
Wärme, zu der die Temperatur bei einfallendem SW-
sturm sofort aufsprang, von der sie nur an einigen Ta-
gen durch durchgehende Nwinde wieder zurückgewor-
fen wurde.
10) Das letzte Viertel am 4. Februar um 2 h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden.
11) Das erste Viertel am 19. Febr. um 21 h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei gleichen Winden.
12) Das letzte Viertel am 5. März um 21 h deutete auf
Kälte, doch hielt die Wärme noch 6 Tage an, worauf
bei W. die Kälte mit Hagelschauern einsetzte.
13) Das erste Viertel am 21. März um 5 h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden.
Bei den 13 Quadraturen traf nach 8 regelmässi-
ges Wetter ein, nach einer (l) blieb es schwan-
kend, nach vier (2, 4, 6 und 12) war es halb re-
gelmässig, halb entgegengesetzt und zwar meist
durch übermässiges Andauern des vorhergehenden Wetters,
und nach keiner war es ganz entgegengesetzt.
XXL 1863. 28
418
Der Winter von 1850 auf 1831.
Sept. Oct. Nov. Dec. | Jan. | Febr.
\ u. u. u. u. u. u.
Tag. | Oct. Nov. Dee. Jan. | Febr. | März | Tag.
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1. Das letzte Viertel am 28. Sept. um 22°/, h deutete auf
Kälte, die auch bei wechselnden Winden und in derersten
Hälfte mit starkem Regen einfiel. Stürme in England.
. Das erste Viertel am 13. Oct. um 13!/, h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden. Am
24. Ab. Gewitter und Nachts Schnee.
Das letzte Viertel am 28. Oct. um 6 h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken Winden. Am 4.
31 h und am 5 um 0 h Sturm und Gewitter.
. Das erste Viertel am 12. Nov. um !/, h deutete auf Kälte,
die auch nach Wsturm und Regen anfänglich eintrat, aber
dann bei nahe südlichen Winden in Wärme umsetzte.
5. Das letzte Viertelam 26.Nov. um 131/, deutete auf Kälte,
die auch bei östl. Winden mit starken Nebeln einfiel, aber
419
vom 5. bis 9. Dec. durch westl. Winde in Wärme verwan-
delt wurde. Vom 7. bis 11. starke Nebel in England.
6. Das erste Viertel am 11. Dec. um 21!/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei südlichen Winden. Vom
16. bis 18. Südsturm am Tage und Windstille am
Abend. Am 22 um 15 h ein Hof um die Sonne.
7. Das letzte Viertel am 25. Dec. um 22'1/, h deutete
auf Kälte, statt deren aber bei SWinden starke Wärme
eintrat. Vorher war der Wind nach O. und N. um-
gesprungen. Regen in der ersten Hälfte.
8. Das erste Viertel am 10. Jan. um 17!/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei meist SWinden.
9. Das letzte Viertel am 24. Jan. um 9%), deutete auf
Kälte, statt deren bei wechselnden SW und SO starke
Schwankungen um das Mittel stattfanden. Schnee
. vom 27. Febr. bis 3. März.
10. Das erste Viertel am 9. Febr. um 10 h deutete auf
Wärme. RBRegelmässig bei SW.
11. Das letzte Viertel am 22. Febr. um 22°, h deutete
auf Kälte. Regelmässig selbst bei SW.
12. Das erste Viertel am 10. März um 23 h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei S und SW.
Nach 9 Quadraturen folgte also regelmäs-
siges Wetter, nach einer (9) stark schwanken-
des, nach einer (4) halb regelmässiges und nach
einer (7) stark entgegengesetztes.
Es dürfte hier schon am Orte sein, besonders darauf auf-
merksam zu machen, unter welchen Umständenim Win-
terbedeutender Niederschlag,Regen und Schnee,
erfolgt. Sehen wir von den geringen und vereinzelten
Niederschlägen ab, so waren in diesen fünftehalb Wintern
11 mehrtägige Regenzeiten. Von diesen traten 5 bei fal-
scher Wärme und bei SWinden ein, nämlich 1848 von 5
bis 10. Febr, und vom 27. Febr. bis 10. März 1849 am 15.
und 16. Oct, und vom 14. bis 19. Dec. und 1850 vom 26.
bis 31. Dec.; 4 wurden bedingt durch raschen Wechsel der
nordöstlichen und südwestlichen Winde, nämlich 1848 vom
11. bis 22. Oct. (erst bei falscher Kälte, dann bei richtiger
Wärme), 1850 vom 29. Sept. bis 6. Oct. (bei richtiger
28 *
420
Kälte, die durch den Regen abgeschwächt wurde) und vom
12. bis 20. Oct. (bei richtiger Kälte); eine Regenzeit trat
ein nach lange vorherrschendem SW wieder 1850 vom 15.
bis 18. Febr. (bei richtiger Wärme), und endlich eine bei
starken SW. -stürmen 1850 von 4 bis 19 Nov. (erst bei
richtiger Wärme, dann bei richtiger Kälte. Am häufig-
sten scheinen demnach die Niederschläge zu
sein, wenn falsche Wärme bei SW.-wind ein-
tritt, und dann auch, wenn SW. und NO. mehr-
fach einander verdrängen und mit einander
wechseln. Die Gründe für beide Erscheinungen
liegen nahe. Die Regenzeiten bei Wärme möchte
ich als Beleg dafür betrachten, dass die Wärme
in der That unregelmässigist.
Der Winter von 1851 auf 1852.
Sept. | Oct. Noy. | Dec. Jan. Febr.
u. u. u. u. u. u.
Tag. | Oct. | Nov. | Dec. | ‘Jan Febr. März | Tag.
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10.
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12.
421
„Das erste Viertel am 2. Oct. um 3!/, h deutete auf
Kälte, statt deren bei beständigem SW. in der ersten
Hälfte mittlere Temperatur, in der: letztern' mässige
Wärme eintraf.
. Das letzte Viertel am 18. Oct. um 1!/,h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei nicht südl. Winden.
. Das erste Viertel am 31. October um 20'/,h deutete
auf Wärme, statt deren schon am 30. Oct. bei südli-
chen Winden mässige Kälte eingefallen war, die bei
denselben anhielt, bis zum 10. mit Nebeln und Regen.
. Das letzte Viertel am 16. Nov. um 10!/,h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei SW., mit Schnee in den. letz-
ten Tagen.
. Das erste Viertel am 30. Nov. um 16!/,h deutete auf
Wärme. BRegelmässig bei SW. Am Ende (13. bis 19.)
“ bei wechselnden Winden starke Nebel.
. Das letzte Viertel am 15. Dec. um 18!/,h deutete auf
Kälte, statt deren bei S. anfangs schwach, dann bei
wechselnden Winden stark schwankendes Wetter
eintrat.
. Das erste Viertel am 30. Dec. um 14!/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken SSW.-stürmen.. Ge-
gen das Ende Niederschlag.
. Das letzte Viertel am 14. Jan. um 2'/;h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei südl. Winden.
. Das erste Viertel am 29. Jan. um:111,h deutete auf
Wärme. RBegelmässig bei starken SW.-winden. Am
5. und 6. starke Regengüsse in Deutschland, beson-
ders im mittlen, am 7. und 8. dergl. in England.
Das letzte Viertel am 12. Febr. um 11h deutete auf
Kälte, doch hielt in der erstern Hälfte bei W. die Wärme
noch an, erst in der letztern trat bei NO. Kälte ein.
(Am 16. und früh am 17 Gewitter mit Sturm an der
deutschen Nordseeküste, desgl. Sturm in Wien und
Gewitter bei Nördlingen). Am 19. Nordlicht.
Das erste Viertel am 28. Febr. um 6!/,h deutete auf
Kälte die mit Schnee eintraf. Nördl. Winde.
Das letzte Viertel am 12 März um 21'/;h deutete auf
422
Kälte, die bei gleichen Winden auch schwach anhielt
und nur am 23. durch S. unterbrochen wurde.
Es trafalso nach 8Quadraturen regelmässi-
ges Wetter ein, nach einer (6) schwankendes,
nach einer (10) halb regelmässiges und nach 2
(1 u. 3) entgegengesetztes.
Von den drei Regenzeiten dieses Winters trat die
stärkste vom 1. bis 6. Febr. bei SW.sturm und richtiger
Wärme ein, eine andere am 16. und 17. Febr. bei falscher
Wärme mit Gewittersturm aus SW. und die erste vom 4.
bis 10. Nov. bei falscher Kälte und südlichen Winden mit
Nebeln.
Der Winter von 1852 auf 1853.
Sept. | Oct. | Nov. | Dec. Jan. Febr.
u u u
u. u. u. } 3 :
Tag.| Oct. | Nov. | Dec. | Jan. Febr. | März. | Tag.
K. W. IK. W.IK. W.IK. W. IK. WI K W.
423
1) Das letzte Viertel am 6. Oct. um 11?/, h deutete auf
2)
3)
4)
5)
6
u
7)
8)
9)
10
—
11)
Kälte. Regelmässig erst bei starkem SW, dann bei
wechselnden Winden.
Das erste Viertel am 20. Octbr. um a),; h deutete auf
Kälte, statt deren aber bei südlichen Winden Wärme
eintraf. Mitunter Regen, am 20. Sturm auf dem Mit-
telmeere.
Das letzte Viertel am 5. Nov. um 1’/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig, nur am 12. und 13. bei O. ein-
fallende Kälte mit Schnee und Nebel. Am 15. Blitze,
am 16. Gewitter in Schwaben. +»
Das erste Viertel am 18. Nov. um 15?/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei wechselnden Winden.
Das letzte Viertel am 4. Dee. um 13%/, h deutete auf
Kälte, statt deren aber nach starken SW winden bei
meist südlichen Winden entschiedene Wärme eintraf.
Das erste Viertel am 18. Dec. um 9'/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden, nur am
23. bei O. einfallende Kälte.
Das letzte Viertel am 2. Januar um 23 h deutete auf
Wärme. Stark regelmässig bei südlichen Winden.
Am 12. in der Nacht Gewitter bei Nauen.
Das erste Viertel am 17. Jan. um 23 h deutete auf
Kälte, statt deren bei wechselnden Winden die Wärme
anhielt, bei östlichen Winden mit Schnee und Regen.
Das letzte Viertel am 1. Febr. um 71/, h deutete auf
Wärme, die bis zum Neumond selbst bei östlichen
Winden schwach anhielt und dann bei wechselnden
Winden mit Schneefall in Kälte überging. In den er-
sten Tagen starke Nebel in London.
Das erste Viertel am 16. Febr. um 41/, h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden mit star-
kem Schneefall, besonders im nordöstlichen Deutsch-
land, während im Bereiche des Mittelmeeres der schön-
ste Frühling sich zeigte.
Das letzte Viertel am 2. März um 14°/, deutete auf
Kälte. Regelmässig bei O., nur vom 7. bis 10. durch
einfallenden S. zu Wärme erhöht. Gegen das Ende
starke Nebel.
424
12) Das erste Viertel am 17. März um 3, h deutete auf
Kälte, die bei O. sofort einfiel und bei wechselnden
Winden anhielt.
Nach 8 Quadraturen traf regelmässiges Wetter
ein, nach einer (9) halb regelmässiges und nach
3 (2, 5, 8) entgegengesetztes.
Die Niederschlagszeiten fielen in diese 3 letztgenann-
ten Perioden (2, 5, 8) und zwar bei falscher Wärme, des-
gleichen in die 9 bei falscher Kälte und besonders in die
10 und ins Ende der 11 bei richtiger Kälte mit wechseln-
den Winden. ?
Der Winter von 1853 auf 1854.
Sept. Oct. Nov. Dec. | Jan. | Febr.
u. u. u. u. u. u.
Tag.| Oct. Nov. Dee. Jan. | Febr.| März. | Tag.
K. W. IK. W.IK. W. IK. W.IK. W. K. W.
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425
1) Das letzte Viertel am 25. Sept. um 11? h. deutete
auf Kälte, die auch schon am 26. mit starkem SWsturm
einfiel, der besonders in Holland und auf der Nord-
see wüthete, während im mittlen und südlichen Russ-
land und in Kroatien ein Nordsturm Schnee brachte
und die bis dahin herrschende Hitze brach (am 2. Oct.
West8turm und Ueberschwemmung in Petersburg).
Bei SO. hielt die Kälte schwach an.
2) Das erste Viertel am 9. Octbr. um 161/, deutete auf
Wärme, die bei SSW. schwach eintrat.
3) Das letzte Viertel am 25. Oct. um 6!/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei S- und SOwinden.
4) Das erste Viertel am 8. Nov. um 1?/, h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei wechselnden Winden mit Ne-
bel, Niederschlag und Schnee.
Das letzte Viertel am 23. Nov. um 2ö°/, h deutete
auf Wärme; es trat jedoch bei O. und SO. stärkere
Kälte ein.
6) Das erste Viertel am 7. Dec. um 131), h deutete auf
Wärme; es hielt jedoch bei Owinden dieselbe Kälte an.
7) Das letzte Viertel am 23. Dec. um 14!/, h deutete auf
Kälte, die auch bei wechselnden Winden noch länger
anhielt. Anfang Jan. Schneefall in ganz Deutschland.
8) Das erste Viertel am 6. Januar um 5 h deutete auf
Kälte, statt deren bei wechselnden Winden Wärme
eintraf, die nur vom 12. bis 15. durch Ostwinde in
Kälte umschlug.
9) Das letzte Viertel am 22. Jan. um 21/, h deutete auf
Wärme. RBRegelmässig bei starken SOwinden.
10) Das erste Viertel am 4. Febr. um 23?/, h deutete auf
Kälte, zu der die Wärme nach starkem SWsturm mit
Schneegestöber herabfiel und bei der sie bei NW. und
starkem W. mit Schnee anhielt.
11) Das letzte Viertel am 20 Febr. um 12 h deutete auf
Kälte, statt deren bei starken Westwinden schwache
Wärme eintraf, Am 25. und 26. starker Weststurm,
am Abend des 25. Gewitter, das in den hiesigen Ste-
phansthurm einschlug, vorher St. Elmsfeuer gesehen).
Das Gewitter war auch in der Umgegend (Quedlinburg,
b)
m
426
Oschersleben, Magdeburg) und bei Dresden; der Sturm
am 22. in Nordamerika bei Boston, am 26. in Ale-
xandrien in Egypten.
12) Das erste Viertel am 6. März um 20!/, h deutete auf
Wärme. RBRegelmässig bei wechselnden Winden.
Nach 8 Quadraturen traf regelmässiges Wetter
ein, nach 4 (5, 6, 8, 11) entgegengeset?%tes. Die
Niederschläge nach 4 und 7 bei richtiger Kälte wurden
durch Windwechsel veranlasst und der nach 10 durch an-
haltende Weststürme.
Merkwürdig war die Wärmevertheilung in Europa wäh-
rend der letzten Woche des Decembers, vielleicht in Folge
der beiden voraufgehenden starken falschen Kälteperioden.
Während im mittlern Russland bei mässiger Kälte viel Schnee
fiel (die drei Winter vorher waren schneearm gewesen),
herrschte im mittlern und westlichen Europa strenge Kälte,
in Spanien froren alle stehenden Gewässer zu (Schlittschuh-
laufen), bei Marseille war am 24. bei — 5°C. ein fernes
Gewitter, bei Bordeaux am 29. Eisschollen auf der Garonne,
am 30. in Lyon — 14°C. und in Nevers — 16°, im nörd-
lichen Frankreich waren alle Flüsse mit Eis bedeckt, in
Gotha war am 25. — 21°C., in England folgten Frost, Thau-
wetter und Schneetreiben schnell aufeinander.
Der Winter von 1854 auf 1855.
Sept. | Oct. | Nov. | Dec. Jan. Febr.
uU. uU. u. u. u. u.
Tag. | Oct. | Nov. | Dee. | Jan. | Febr. | März. | Tag.
K. W.IK. W.IK. W.IK. W.|K. W.I K. W.
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Tag.| Oct. Nov.
1)
2)
Jan. | Febr.
Sept. Oct.
u
u. u.
Febr. | März | Tag.
.IK. W.
Das erste Viertel am 29. Sept. um 14 h deutete auf
Wärme, statt deren bei wechselnden Winden stark
schwankendes Wetter mit eintreffenden starken Regen-
tagen eintrat.
Das letzte Viertel am 14. Octbr. um 3h deutete auf
Wärme, statt deren ebenfalls bei meist starken SW-
winden ein matteres Schwanken der Temperatur. Am
25. und 26. starker SW-sturm.
3) Das erste Viertel am 28. Octbr. um 20 h deutete auf
4)
5)
Wärme, jedoch ebenfalls schwach schwankend bei W-
winden.
Das letzte Viertel am 12. Nov. um 23%/, h deutete
auf Wärme, statt deren aber nach Schneestürmen aus
W. (am 11. u. 12.) bei östlichen Winden Kälte einfiel.
Das erste Viertel am 27. Nov. um 3°/, h deutete auf
Kälte, statt deren aber bei SWwinden, die vom 2. bis
4. Dec. in Sturm ausarteten, geringe Wärme eintrat.
6) Das letzte Viertel am 12. Dec. um 19!/, h deutete auf
Kälte, statt deren aber nach SWsturm mit Regen (vom
12. bis 15.) bei südwestlichen Winden stark schwan-
kende Temperatur eintrat. Am 23. SWsturm.
7) Das erste Viertel am 26. Dec. um 13?/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei starken SWwinden, die sich
vom 31. Dec. bis 2. Januar zu starkem Wsturm mit
Regen und Schnee steigerten.
428
8) Das letzte Viertel am 11. Jan. um 13 h deutete auf
Kälte, die mit Schneesturm aus W. am 14. einfiel und
bei nordöstlichen Winden stark anhielt.
9) Das erste Viertel am 25. Jan. um 2!/, h deutete auf
Kälte. Stark regelmässig bei bald eintretenden Ost-
winden, nur am 5. und 6. bei einfallendem W. etwas
Wärme.
10) Das letzte Viertel am 10. Febr. um 4 h deutete auf
Wärme, es hielt aber bei bleibendem ©. die Kälte an,
mit Schneefall bis zum 16.
11) Das erste Viertel am 23. Febr. um 8'/, h deutete auf
Wärme, zu der auch die Temperatur mit starken
Schwankungen zweimal aufstieg, von der sie aber
nach dem Vollmonde allmälig wieder zu Kälte nieder-
fiel. Wechselnde Winde.
12) Das letzte Viertel am 11. März um 15 h deutete aut
Kälte, die bei wechselnden Winden eintrat, mit klei-
nen Schwankungen in Wärme bei SW.
In diesem Winter traf nur nach 4 Quadraturen
regelmässiges Wetter ein, nach 5 schwanken-
des und nach 3 entgegengesetztes.
Als Ursache dieser Abnormität lassen sich zunächst
die in den Tagen der Wetteränderung einfallenden Stürme
betrachten, denen auch die reichlichen Niederschläge bei-
zumessen sind. Besonders reich an solchen Stürmen war
die erstere ‚Hälfte, in der daher auch nicht ein einziges
Mal regelmässiges Wetter eintrat. Es gab in ihr Zeiten,
wo die Atmosphäre weithin sehr aufgeregt war, so z. B.
vom 24. bis 26. Octbr., wo in Bengalen und bei Bombay
furchtbare Stürme wütheten und auf dem rothen Meere
und in Aden, das als regenlos bekannt ist, in einem Tage»
2° Regen fiel, sodann vom 11. bis 13. Nov., wo im schwar-
zen Meere, in der Krim und bei Constantinopel ein SOsturm
die Kriegsflotte stark beschädigte, ferner auch vom 31.Dec.
bis 2. Jan., wo in einem breiten Gürtel von Algerien bis
über Schlesien hin Orkane mit Gewittern, Schnee und Ha-
gel hausten, und -endlich wurde noch ausser dieser Zeit,
nämlich am 11. Febr., von Stürmen in Constantinopel und
auf dem schwarzen Meere berichtet.
429
Der December war in Russland sehr gelind, in Sibirien
sehr hart (in Jakutsk stets —38 bis —44°C.), in Griechen-
iand und Algerien sehr kalt. Der Februar war im ganzen
westlichen Europa kalt.
Erdbeben waren vom 29. bis 30. Dec. von Piemont
bis Marseille und am 28. Febr. in Brussa, was ich indessen
nur beiläufig bemerke, da ein Causalnexus dieser Vorgänge
im Innern der Erde mit der Aussenwärme nicht glaublich
scheint.
Der Winter von 1855 auf 1856.
Sept. | Oct. Nov. ! Dec. Jan. |! Febr.
u. u. u. u. u. u.
Tag.| Oet. | Nov. Dec. | Jan. | Febr. | März. | Tag.
K. W.IK. W. IK. W.IK. W.IK. W. IK. W.
23 17 444 31 36 „751 ,| 9] 23
24 118| I ‚1291 39| 2 381 „| so 141 24
25 141 1127 281% 36 16 341 25
- 26 51 371 48 431 „|65 471 26
27 124 ss 5|lr 45°7° 70 371 27
28 |13 n—l.ı64 41 50 42 301 28
29 20in—| 261 ‚| 9 514 ° [264 .. hAlR 29
30 5 411 ‚r | 16 681 * | 16 30
31 10 ssh** | 5 31
i! le Fee 16 1***| 141 , |28 1
2 sit 1 =I 2 24 I 19 32 2
3 ,! 6130| an 1121 7145 16 3
4 42153 | Mn 69 19 44 10 4
5 48 #10 23| * J10 Ta 3
6 635 29 | An 20) * 33 41|18 6
7 641 sIyni 34| * 13 86133 7
8 431 10 111 Inn* 31 ,r [114 & 8
9 5:12 41 50| * 36 1914 01114:39325 9
10 4119| ‚5 10| „4 80 331 ‚1106| ! |18] 10
11 J10| ‚J10| „3 95 54 ,r | 92|11 11
12 ‚1 8118 59 46 SIRILF2S. N He l2
13 1] 32 52| * 165 R |1061 34 13
14 Prism1oTt ZUNV 50 49 rn | 90429 14
15 3713| =nl 16| n 135 ‚1 75525 15
16 1 3| —n 281. , |37 1 *-| 30115 16
17 3 17 DEV 17 371 21 14 17
Cm waren Ge 6117| * 53h 18
19 261 37 121 Tau * 6 si 19
20 301 75 136 69INN | 10 161 20
21 401 88 1151| .|r, |82 #5 „|8sıh 21
22 241 77! n!125 ‚isstısl *i r!20" 22
1) Das letzte Viertel am 2. Octbr. um Oh deutete auf
Wärme. Begelmässig bei ziemlich starken Wwinden.
2) Das erste Viertel'am 18. Oct. um 16'/, h deutete auf
Wärme. Regelmässig bei gleichen SWwinden.
430
3) Das letzte Viertel am 1. Nov.: um 18 h deutete auf
Kälte. Regelmässig, anfangs bei wechselnden Winden
mit starken Nebeln, dann bei Ostwinden.
4) Das erste Viertel am 17. Nov. um 0 h deutete auf
6)
u
Kälte, die nach Niederschlag (14 bis 18) bei östlichen
Winden stärker anhielt und gegen das Ende bei W.
sich hob.
Das letzte Viertel am 1. Decbr. um 15 h deutete auf
Kälte. Regelmässig bei westlichen Winden, sehr stark
am 3. bei N. und am 8. bei NW. Schneefall vom
5. bis 9.
6) Das erste Viertel am 16. Dec. um 7°/; h deutete auf
Kälte, die in der erstern Hälfte bei O. und SO. sehr
stark einfiel, in der letztern bei SO. und S. in Wärme
aufsprang. — Die Kälte war in ganz Europa, 2. B.
in Moskau —40°C., in Paris —15°C., in Stockholm
— 20°C.; der Aufsprung zur Wärme geschah in vielen
Gegenden mit Sturm, z.B. im Kanale und im schwar-
zen Meere.
7) Das letzte Viertel am 31. Dec. um 13 h deutete auf
Kälte, jedoch war die Temperatur bei O. und SO.
schwankend; ohne Niederschlag.
8) Das erste Viertel am 14. Jan. um 16!/, h deutete auf
Wärme, die bei beständigem SW. regelmässig stark
eintraf.
9) Das letzte Viertel am 30. Jan. um 9!/, h deutete auf
Kälte, die auch anfangs mit Schneesturm aus W., ein-
traf, aber bald bei stehendem SW, in starke Wärme
überging, mit starken Regen vom 8. bis 15.
10) Das erste Viertel am 13. Febr. um 3 h deutete auf
il
12
u m
Kälte. Die Wärme fiel bei östlichen Winden mit
Schnee und Nebel zwar stark, die Temperatur blieb
aber bei Wwinden schwankend.
Das letzte Viertel am 29. Febr. um 2”/, h deutete auf
Wärme. Schwach regelmässig bei W.
Das erste Viertel am 13. März um 15!/, h deutete auf
Wärme, zu der die Temperatur bei östlichen Winden
bis zum Vollmonde (bis 4° über das Mittel) aufstieg,
dann bei westlichen Winden wieder zur Kälte herabsank.
431
Nach 7 Quadraturen traf regelmässiges Wetter
ein, nach einer (7) war es schwankend, nach 4
(6, 9, 10 und 12) war es in der ersten Hälfte regel-
mässig, in der letztern entgegengesetzt, nicht
ein Mal war es ganz entgegengesetzt.
Von den Niederschlägen traf der erste (untre 4) vor
richtiger Kälte bei NOwinden ein, der zweite (unter 5) des-
gleichen bei W., der Schneesturm (unter 9) bei kaltem W,
und der spätere Regen bei falscher Wärme und W. —
Starke Regengüsse waren Ende Sept. bis Mitte October in
Oberitalien, in Südfrankreich, in der Schweiz, in Ost- und
Westpreussen, in Livland und Litthauen, desgleichen Mitte
Nov. in Sieilien und Mitte Jan. in Spanien. An der Ost-
küste von Nordamerika war der Januar Schneereich mit
kalten Stürmen.
Um nicht mit Zahlen zu ermüden, brecheich hier vor-
läufg ab, indem ich mir den Bericht über die 7 letzten
Winter für eine Fortsetzung vorbehalte. Summirt man die
Ergebnisse nach der Regel in diesen zehntehalb Wintern,
so findet sich, dass nach 70 Quadraturen regel-
mässiges Wetter, nach 20 entgegengesetztes,
nachl4halb regelmässigesund nach 10 schwan-
kendes eingetreten ist. Da die beiden letzten
Witterungserscheinungen als indifferente be-
trachtet werden müssen: so stelltsich die Wahr-
scheinlichkeit für das nach der aufgefundenen
Regel eintretende Wetter auf gut 77 p.C., ein
Resultat, das bei einem so wechselvollen Ge-
genstande sicher nennenswerth ist. Aus weitern
Berichten wird sich ergeben, dass dieses Verhältniss im
Allgemeinen zu aller Zeit dasselbe ‚bleibt. Die Beobach-
tungen sind nicht zu ändernde Data, mit denen die Regel
von Jedermann leicht zu prüfen ist. Der Haupteinwurf ge-
gen dieselbe könnte scheinbar der sein, dass mein Beob-
achtungsort doch nicht als Mittelpunkt einer Hemisphäre
angesehen werden kann; worauf indessen zu entgegnen
wäre, dass die Regel solche Annahme gar nicht zulässt,
da jeder Ort von anderer Länge die Mondphase zu anderer
Tagesstunde hat, und höchstens dieLage am freien Oceane
432
in dieser Beziehung alteriren könnte. Gleichzeitige Beob-
achtungen an den verschiedensten Orten der Erde müssten
. darüber alsbald Ausweis geben. Solche stehen mir nicht
zu Gebote und sind auch wohl schwerlich vorhanden. Ge-
wiss fühle ich lebhaft diesen Mangel, dem erst 'abgeholfen
werden muss, ehe man mit einiger Aussicht auf Erfolg
den Ursachen des unregelmässigen Wärmeganges nachspü-
ren kann, und immerhin wird dann noch die Aufgabe in
ein Chaos von Beobachtungen Ordnung zu bringen, eine
ungeheure sein. Ich :gebe eben nur das Meinige und auf
die Gefahr des Irrthums in den Ansichten darüber. Die
Zeiten der Aufregung in der Atmosphäre und des Nieder-
schlages, also Sturm und Regen, die beide meist bei (nach
der Regel) falschem Wetter eintreffen, verführen mich, dass
ich auf Ansichten verfalle, die sich dem alten Volksglauben
anschliessen, und dass ich zugleich die Ursache der Ver-
änderungen im Luftmeere in den Factoren suche, welche die
Fluthungen des Oceans erwiesenermassen erzeugen. ‚Sollte
ich damit — wie ich noch nicht glauben mag wirklich: vor
dem richtigen Wege stehen, so dürfte es bei weiterem Vor-
gehen auf demselben nicht unmöglich sein, auch für die
hervortretenden Störungen des lunaren Einflusses, die sich
meistentheils durch die genannten Erregungen des Luft-
kreises als Unregelmässigkeiten kund geben, die sie bedin-
senden Ursachen aufzufinden, sei es nun in rein terrestri-
schen Verhältnissen, sei es in der gewaltigen kosmischen
Kraft, die den Weltbau zusammenhält: in der Attraction
der Weltkörper, die unserer Erde nahe kommen und selbst
deren Bahn zu ändern vermögen. Eine Beobachtung, die
schliesslich noch mitzutheilen ich mir erlaube, scheint frei-
lich zunächst auf jene hinzuweisen.
Stellt man nämlich die Quadraturen nach den Tages-
stunden zusammen, so ergiebt sich, dass im Winter die
Wärme im Allgemeinen richtiger eintrifft, als die Kälte, so-
wohl nach dem ersten Viertel zur Tageszeit, als nach dem
letzten zur Nachtzeit, und ferner, dass im Winter die Wärme
im Allgemeinen ebenfalls richtiger eintrifft, wenn die Vier-
tel in den letzten Stunden ihrer Tagesräume, die Kälte hin-
gegen, wenn jene in den ersten Stunden derselben eintre-
433
ten, so dass also mit einiger Sicherheit auf Wärme zu rech-
nen ist, wenn das erste Viertel von 16h bis etwa 23h und
das letzte Viertel von 3h bis 8h eintrifft, und auf Kälte,
wenn das erste Viertel von 23h bis 4h und das letzte
Viertel von 85 h bis 16 h einfällt. Die erstere Wahrneh
mung glaube ich auf das Ueberwiegen des SWstromes in
Europa, die letztere — jedoch mit schwächerem Grunde —
auf den Wechsel von Tag und Nacht beziehen zu dürfen.
(Fortsetzung folgt.)
Einige Bemerkungen über Scilla autumnalis
und Sc, bifolia. Taf. II.
von
Thilo Irmisch.
Seilla autumnalis habe ich bis jetzt nur zur Zeit, wo
ihre Früchte bereits völlig reif waren, zu Ausgang des Sep-
tember untersuchen können, und zwar in einer grössern
Anzahl von frischen Exemplaren, welche auf sonnigen Hü-
geln des Elsasses erwachsen waren, woher sie mir 1857
Herr Professor Dr. Kirschleger in Strassburg zu senden
die Güte hatte. Die Fruchtstengel hatten sich zwar mei-
stens etwas gebogen, doch standen sie, da sie ziemlich
hart sind, in die Höhe, ein Umstand, welcher insofern Be-
achtung verdient, als er nicht bei allen Arten wiederkehrt;
denn bei Sc. amoena und Sc. bifolia, welche ich in dieser
Beziehung beobachtete, strecken sich die Fruchtstengel auf
den Boden hin.
Neben dem Fruchtstengel, Fig. 1. A., war ein Büschel
von frischen, dunkelgrünen, schmal linealen, ziemlich dicken
Laubblättern, deren Ränder mit kleinen, weisslichen knor-
peligen Vorsprüngen (Zährichen) besetzt sind, hervorgebro-
chen: ich zählte ihrer 3—6; sie hatten eine Länge von 3
bis 5 Zoll und waren ziemlich schlaff. Die eiförmige Zwie-
bel ist zu äusserst von einigen wenigen bräunlichen, ganz
XX1. 1863, 29
434
dünnen und nicht ganz herumreichenden (ungeschlossenen)
Häuten überdeckt. Auf sie folgen in grösserer Anzahl,
ungefähr 16-20, dicht aufeinander liegende, ovale, gleich-
falls nicht geschlossene Schuppen, von denen die äusser-
sten und ältesten ungefähr Y/;—!/, Zoll breit und 2/, Zoll
hoch sind (Fig. 2), während die innern kaum 2--3” in die
Breite messen, jedoch mit jenen gleiche Höhe haben!).
Die äussern sind, weil bereits ausgesogen, schon zu ganz
dünnen, fast durchsichtigen Häuten geworden, die innern
dagegen sind, bei übrigens selhır geringer Dicke, noch saf-
tig; zu der angegebenen Zeit fand ich in ihrem Zellgewebe
nur sehr wenig Stärkemehl, wohl aber enthielt dasselbe
einen klebrigen Saft; in ihrer äussern Zellschicht finden
sich Krystallbündel oder Rhaphiden, und diese erkennt man
in den ältern, sich leicht in zwei Flächen trennenden Schup-
pen schon mit blossem Auge.
Die Grundachse hat zur Fruchtreife unterhalb des ter-
minalen Stengels keine Blätter, deren Lamina noch erhal-
ten wäre, sondern nur die stehen gebliebenen Grundtheile
älterer Blätter. In der Achsel, welche die innerste, an ih-
rem Oberrande mit einer Narbe versehene Schuppe m mit
dem Fruchtstengel A bildet, steht der frische Laubtrieb,
Fig. 3; jene Schuppe steht mit dem einen Rande ziemlich
weit von dem Stengel entfernt, mit dem andern aber um-
fasst sie ihn etwas Fig. 4. Die Zahl der ausgewachsenen
Laubblätter schwankt, wie ich schon bemerkte, an blüh-
reifen Exemplaren. Das erste derselben oder das Vorblatt,
welches übrigens zur Fruchtreife manchmal in seinen obern
Theilen schon gänzlich abgestorben ist, ist, was sich be-
sonders deutlich an seinem Grunde zeigt, stumpf zweikie-
lig Fig. 6, und steht mit der Rückenfläche vor dem Frucht-
stengel; wie dieses, so sind auch die andern Blätter — sie
sind nach ?/,; diverg. geordnet — an ihrem Grunde, wel-
cher später nach erfolgter Auflösung der obern Theile die
als Nahrungsbehälter dienende Schuppe bildet, etwas ver-
breitert Fig. 7. In dem Centrum der bereits ausgewach-
1) Linne nannte die Zwiebel von Seilla autumnalis eine radix
‚solida, wogegen Scöpoli (Fl. carniol. Tom. I. 248, ed. 2.) richtig
sagt: radix tunicata, non solida.
435
senen erkennt man noch 2—3 kleine Blätter, die allem
Anscheine nach gleichfalls zur Laubformation gehören ;
diese wachsen vielleicht im folgenden Frühlinge aus, oder
verkümmern. Leider habe ich darüber keine Beobachtung
anstellen können. Den Blühtenstengel fürs nächste Jahr
konnte ich in Mitten dieser Blätter noch nicht erkennen.
Aus dem Angegebenen ergiebt sich von selbst, dass der
Fruchtstengel und die frischen Laubblätter nicht einer und
derselben Achse angehören; jener schliesst die Achse ab,
deren basiläre Laubblätter im vorigen Herbste ausgewachsen
waren, diese gehören der Achse an, aus welcher sich im
nächsten Sommer der Blühtenstengel erheben wird !). Nennt
man, wie es in manchen Floren geschieht, die Blätter: hy-
Steranthia, nach der Blühte erscheinend, so wird zwar das
äusserliche Verhältniss angegeben, aber das wahre Ver-
halten, nach welchem die Blätter ungewöhnlich lange vor
dem zu derselben Achse gehörenden Blühten sich entwik-
keln, ist darin nicht ausgesprochen, sondern vielmehr ver-
leugnet. An einigen getrockneten Exemplaren meines Her-
hariums finden sich auch zuweilen schon zur Blüthezeit
die frischen Laubblätter, und Clusius bildet auch die
noch blühende Pflanze mit Laubblättern ab.
Im Vorhergehenden ist allein der Fall berücksichtigt,
dass in einer Vegetationsperiode nur ein einziger Blühten-
stengel aus einer Zwiebel sich entwickelt. Es ist aber gar
nicht selten, dass zwei Blühtenstengel sich finden: sie ste-
hen dann nicht unmittelbar neben einander, sondern der
zweite ist der terminale Abschluss des aus der Achsel der
innersten Schuppe neben dem ersten Blühtenstengel her-
vorgegangenen Sprosses; letzterer hat manchmal nur ein
(frisches) Blatt, das zweikielige Vorblatt, manchmal aber
bringt er auch 2—4 Blätter, ehe er. vom Blühtenstengel
abgeschlossen wird. Es bedarf keiner weitern Ausführung,
dass in diesem Falle neben dem zweiten Blühtenstengel
aus der Achsel des Vorblattes oder, wenn mehrere Blät-
ter vorhanden sind, des innersten Blattes wieder ein mit
einigen Laubblättern versehener Spross hervorgeht. Sind,
!) Dieses Verhalten giebt Kirschleger: Flore d’Alsace II,
183, ganz richtig an.
29”
436
was ich gleichfalls beobachtete, in derselben Vegetations-
periode sogar drei Blühtenstengel ausgewachsen, so gehö-
ren sie auch drei Achsen verschiedener Ordnung an, und
neben dem dritten finden sich die Laubblätter, welche dem
nächstjährigen Blühtenstengel vorangehen.
In allen darauf untersuchten Zwiebeln fand ich den
neuen Trieb mit seiner Abstammungsachse bezüglich der
Blattwendung homodrom, und da an einer Zwiebel, die be-
reits mehrmals geblüht hat, die Achsen einiger Jahre und
deren Blattreste repräsentirt sind (bulbus plurium annorum),
so ist die Grundachse als ein schraubelförmiges Sympodium
zu betrachten!). Da die Zahl der Blätter an den verschie-
denen Generationen keine ganz bestimmte ist, so folgt
daraus und aus ihrer spiraligen Anordnung, dass die Stel-
lung der Blühtenstengel in der Zwiebel keine constante
sein kann. Wenn eine jede Generation nur d Blätter hätte,
so würden die Blühtenstengel derselben von einer Seite der
Zwiebel aus in derselben Richtung nach der andern Seite
zu hintereinander zu stehen kommen, wie es in dem Falle,
welcher das Schema in Fig. 8 wieder giebt, bezüglich des
mit 1 und II bezeichneten Blühtenstengelrestes in Wirklich-
keit war. Aber dies muss sich sehr oft ändern, da die Zahl
der Blätter sich auch auf 6-9 steigern kann; ebenso kann
jene Stellung nicht eintreten, wenn in einem Jahre sich 2
oder 3 Blühtenstengel bilden, die an ihrem Grunde nur
von 1—4 Blättern umgeben sind. In dem Falle, dass ein
Jahrgang in der Erzeugung eines Blühtenstengels pausirt,
können selbstverständlich zwischen zwei Blüthenstengelre-
sten in einer Zwiebel noch mehr als 9 Blätter oder deren
Basaltheile vorhanden sein. Die Blühtenstengelreste findet
man als ganz schmale, lineale, dünne, trockne, schwärzliche
ı) In einigen Zwiebeln der Se. sibirica, die in einer Vegetations-
periode 4—5 Blühtenstengel hervorgebracht hatten, fand ich gleich-
falls, dass sie Abschlüsse von ebensoviel Sprossen waren; der zweite
und die folgenden hatten nur ein schuppenförmiges, basiläres Blatt
(Vorblatt). Neben dem innersten Blühtenstengel stand in der Achsel
seines basilären Blattes die Knospe, welche im nächsten Jahre aus-
wächst Die Sprossen waren untereinander homodrom. Dasselbe wird
wahrscheinlich auch von der nahe verwandten Sc. amoena gelten.
437
Häutchen zwischen den Schuppen der Zwiebel: in einer
Zwiebel zählte ich deren oft zwei oder drei; wenn ihrer
mehr, 4—6, vorhanden waren, so sprach schon der Um-
stand, dass zwischen zweien oft nur 1 oder 2 Schuppen
standen, entschieden für die Annahme, dass zwei Blühten-
stengel in einer Vegetationsperiode ausgewachsen waren.
Junge Zwiebeln zeigten nur wenige Laubblätter, wel-
che natürlich, da die Achse noch unbegrenzt ist, dem cen-
tralen Triebe angehören. Die Laubblätter hatten an solchen
Zwiebeln eine geschlossene Scheide, Fig. 10, und wurden
gewöhnlich von einem scheidenförmigen Niederblatte um-
geben Fig. 9; doch ist es nicht zu bezweifeln, dass auch
an nicht blühreifen Zwiebeln, wenn sie bereits etwas stär-
ker sind, die Laubblätter einen ungeschlossenen Blattgrund
haben werden. An blühreifen Zwiebeln fand ich regelmäs-
sig bloss Laubblätter, nur in vereinzelten Fällen bemerkte
ich zwischen den Laubblättern ein schuppenförmiges schmal
lanzettliches Niederblatt Fig. 5; es war, was indess nur
zufällig sein konnte, das vorletzte Blatt unterhalb eines
Blühtenstengels, und vielleicht war es nur durch Verküm-
merung eines Blattes, das eigentlich ein Laubblatt hätte
werden sollen, hervorgegangen.
Ausser in der Achsel des obersten Laubblattes, aus wel-
cher der Hauptspross hervorbricht, kamen auch in der Ach-
sel anderer Blätter Laubsprosse vor; im Ganzen genommen,
scheint dies aber nur sehr spärlich zu geschehen. Diese
Sprosse bleiben gemäss der längern Dauer, welche die Grund-
achse der Mutterzwiebel besitzt, meistens einige Jahre mit
letzterer in Verbindung und können an ihr wohl auch zur
Blühte gelangen.
Ich schicke der Beschreibung der Keimpflanzen ein
paar Bemerkungen über die reife Frucht und die Samen
voraus. Die Klappen der Frucht, unter der sich nur noch
wenige trockne Reste des Perigons vorfanden, breiten sich
bei deren Oeffnung fast wagerecht aus einander Fig. 11:
sie sind rundlich, flach vertieft, ziemlich dünnhäutig, und
ganz trocken, daher leicht zerhreeblich. Die Scheidewand
auf jeder Klappe ist ganz niedrig. Je zwei Samen (ur-
sprünglich zwei Fächern angehörend) liegen auf einer Klappe:
438
in der noch geschlossenen Frucht stehen zwei aufrecht
nebeneinander in jedem Fache. Sie sind fast verkehrt-
eiförmig, undeutlich kantig; an der dem Fruchtcentrum zu-
gewendeten Kante verläuft die Rhaphe als schmale der üb-
rigen Samenhaut in der schwarzen Färbung gleiche Leiste!)
und endigt an dem stumpfen Chalazaende, Fig. 12 und 13.
Der weisse Embryo liegt etwas gekrümmt in der Achse
des bläulich- weissen, etwas hornigen, doch leicht sich
schneiden lassenden Albumens: er ist über ?/, des Albu-
mens lang und lässt deutlich die Plumula und die Haupt-
wurzel erkennen, Fig. 12 und 14. Das Albumen ist dicht
von der schwarzen, etwas glänzenden. sich bald ein wenig
runzelnden dünnen Testa überzogen.
Die unmittelbar nach der Fruchtreife im Herbste aus-
gesäeten Samen keimten zum Theil noch im Herbste, an-.
dere und zwar die Mehrzahl erst im Mai des nächsten
Frühjahrs.. Das Samenkorn wird meistens von der hakig
gekrümmten Spitze des Keimblattes im Boden abgestreift.
Letzteres ist im Boden weiss, in seinem längern obern
Theile, mit welchem es über den Boden hervortritt, schön
grün und muss offenbar zur Laubblattformation gerechnet
werden. Die einen kurzen Längsspalt bildende Oeffnung
seiner geschlossenen Scheide tritt anfangs deutlicher hervor,
Fig. 15 u. 16; später gleicht sich der niedrige Vorsprung
auf dem sie sich befindet mehr aus, Fig. 17 u. 18. Inner-
halb der Scheide des Keimblattes findet sich ein weisses,
saftiges Niederblatt Fig. 19, welches in seiner engen Schei-
denhöhle ein junges Laubblatt, das in der nächsten Vege-
tationsperiode zur Entwicklung kommt, einschliesst. Die
Hauptwurzel geht unmittelbar unter der Insertion des Keim-
blattes ab und löst sich mit dem Ausgange der ersten Ve-
getationsperiode ebenso, wie die obern Theile des Keim-
blattes, dessen untrer Theil als Ueberzug der Zwiebel stehen
bleibt, auf. Aus den bereits oben beschriebenen schwächern
jungen Zwiebeln kann man die Weiterbildung der Keimpflan-
zen erkennen: sie besteht einfach in der Grössenzunahme
1) Kunth enumerat. pl. IV, p. 315, nennt die Rhaphe weiss-
lich, was ich für die vollkommen reifen Samen nicht zutreffend finde.
.439
der Blätter, in der Erhöhung ihrer Anzahl, später in dem
Eintritt der ?/, div. für Y/, div., in der Verbreiterung der
Grundachse und in der Vermehrung der aus ihr hervorbre-
chenden Nebenwurzeln. Nach Clusius (var. pl. hist. I, 185)
werdeu die Keimpflanzen seines Hyacinthus autumnalis ma-
jor, der auch zu Se. autumnalis gezogen wird, bisweilen
schon im dritten Jahre blühreif. Die Zusammensetzung der
Zwiebel von Se. bifolia hat Wydler in der Flora (Regensb.
bot. Zeitg. 1856, Nr. 3) trefflichst erläutert: ihre Grundachse
ist gleichfalls ein schrauhelartiges Sympodium, ein jedes
Glied (oder Jahrgang) hat 3 ungeschlossene, zu Zwiebel-
schalen 1) sich umwandelnde Blätter; je ein Nieder- und 2
Laubblätter. In der Achsel, die das zweite Laubblatt. mit
dem den Jahresspross nach oben abschliessenden Blühten-
stengel bilden, steht die mit ihrer Abstammungsachse ho-
modrome Hauptknospe: ihr erstes Blatt (das Niederblatt)
steht mit dem zweikieligen Rücken vor dem Blühtensten-
gel, die beiden im folgenden Jahre auswachsenden Laub-
blätter stehen in alternirender Stellung quer vor .demsel-
ben Fig. 41—-45, und in Folge dieser Blattstellung und der
Homodromie der Sprosse kommt der je fünfte Blühten-
stengel vor den je ersten zu stehen. In einer Zwiebel, die
eine längere Reihe von Jahren geblüht hat, sind 4--6 Ge-
nerationen vereinigt. Ich kann dies Alles durch meine
Untersuchungen nur bestätigen. Im Ganzen selten ist es,
dass die angegebene Zusammensetzung der Zwiebel etwas
modifieirt wird durch das Auftreten von je 4 Blättern in ei-
nem Jahrgange: es kommen nämlich drei Laubblätter vor,
ein Fall, der schon den Vätern der Botanik bekannt war;
seltner fand ich 2 Niederblätter und 2 Laubblätter an einem
Jahrgange. — Die Entwicklung von Nebenzwiebeln ist ziem-
lich selten; die Vermehrung erfolgt in der freien Natur si-
cherlieh vorzugsweise durch die Samen. Diese keimen,
wenn man sie nach der Fruchtreife oder im Herbste aus-
säet, im nächsten Frühjahr. Das hakig an seiner Spitze
gekrümmte Keimblatt Fig,26 und 30, tritt mit seinem län-
') Ich fand in denselben reichliches Stärkemehl und Rhaphiden,
aussen zwischen den einzelnen Schalen bemerkte ich öfters einen
klebrigen, wie es scheint, harzigen Stoff,
440
gern freudig grünen Theile über den Boden; der untere
Theil bleibt unter dem Boden und ist weiss. Anfangs er-
scheint er von der Hauptwurzel äusserlich kaum abgesetzt,
allein durch die Entwicklung der Plumula verdickt er sich
allmälıg. Dabei rückt der Scheidenspalt des Keimblattes
welcher anfangs nahe über der Hauptwurzel liegt, durch
das basiläre Wachsthum jenes Blattes allmählig etwas höher,
man vergl. Fig. 28, 29, 31. Die dünnbleibende mit zarten
Papillen besetzte Hauptwurzel verästelt sich nicht; eine Ne-
benwurzel sah ich in der ersten Vegetationsperiode nicht
hervortreten. Die Plumula wird von einem fleischigen,
scheidenförmigen Niederblatt gebildet, in dessen Höhle man
ein kleines Blatt erkennt, Fig. 32 u. 33. Mit dem Schlusse
der ersten Vegetationsperiode wird das Keimblatt weit hinab
zerstört, und nur sein Scheidentheil bleibt als Schutz für
die innern Theile der Zwiebel zurück ; die Hauptwurzel löst
sich gleichfalls allmählig auf. — Im nächstfolgenden Herbste,
wo ich die Keimlinge wieder untersuchte, waren bereits
aus der Grundachse der kleinen Zwiebeln zwei bis vier Ne-
benwurzeln hervorgetreten Fig. 34. Die Reste des Keim-
blattes waren als eine ganz dünne, schmutzig weissliche
oder bräunliche Haut noch vorhanden a in der cit. Figur;
das darauf folgende Niederblatt b war noch fleischig, nur
am obern Rande war es abgestorben; es umschloss ein
zweites Niederblatt Fig. 36 c, das nur ein wenig über die
Scheidenseite des ersten hervorsah Fig. 35 c, oder ganz
von ihm verdeckt war. Von diesem zweiten Niederblatt
war endlich das noch niedrige Laubblatt umgeben din Fig. 34
—36; es hatteeinenoch ganz niedrige, geschlossene Scheide,
aus der die Spitze eines Niederblattes hervorsah Figur 37.
Im nächsten Frühjahr beschränkten sich die Veränderungen
im wesentlichen darauf, dass das zweite Nährblatt ce noch
etwas höher wurde und dass das Laubblatt d nun wieder
über den Boden trat Fig. 58 u. 39; es war noch fast rund
oder doch undeutlich kantig; seine Scheide hatte sich ver-
längert Fig. 40, so dass am Ausgange der zweiten Vege-
tationsperiode das Blatt e äusserlich nicht mehr zu sehen
war, sondern gänzlich von der Scheide umschlossen wurde.
Nach Absterben der Lamina des Laubblattes bleibt seine
441
scheidige Basis als Nährbehälter stehen. Die Blattstellung
war noch alternirend. Die Weiterbildung der Keimpflanzen
in den folgenden Jahrgängen besteht auch hier der Haupt-
sache nach in der Grössenzunahme der Blätter, die dann
eine ungeschlossene Scheide haben, und der Achse und in
der Erhöhung der Anzahl der Nebenwurzeln.
In jedem Fache des Fruchtknotens fand ich stets eine
grössere Anzahl von Ei’cchen, nämlich 5—12: sie stehen
deutlich in zwei Reihen und in wagerechter Richtung, wie
dies auch bei Sc. amoena und Sc. sibirica der Fall ist. An-
fangs April, wo sich die Blühten geöffnet hatten, zeigen
die anatropen ovula durchaus nichts Auffallendes Fig. 20,
aber einige Tage darauf fand ich, dass sich an der Micro-
pyle ein ringförmiger Wulst zu bilden anfing Fig. 21 u. 22,
offenbar durch die Wucherung des Zellgewebes des Exo-
stomiums, wie ich es bereits in Bd. XI, p. 343 dieser Zeit-
schrift bemerkte. Mit der Ausbildung des Samenkornes
vergrössert sich auch der Wulst, so zwar, dass er an der
Stelle, wo der funiculus, an welchem das saftige Gewebe mit
emporsteigt, sich findet, schliesslich höher ist, als an der
von ihm abgewendeten Seite des Samenkornes Fig. 23—25:
er sieht dann weiss und glasig aus und ist ganz saftig;
in seinen Zellen erkennt man deutlich den Zellkern. Er
verschrumpft zwar an den Samenkörnern, quillt aber, ins
Wasser gelegt, wieder auf. Das Endostomium hat dann
eine bräunliche Farbe. Die Oberhaut, welche das fast ku-
gelrunde Samenkorn überzieht und sich leicht abschieben
lässt, ist beim Oeffnen der Frucht gelblich weiss, aber wenn
das Samenkorn einige Tage an der Luft gelegen hat, wo
dann auch der Anhängsel einschrumpft, nimmt die Oberhaut
eine gelblich - braune, immerhin ziemlich leichte Färbung
an!),. Die Rhaphe ist als schmale, ganz niedrige etwas
1) Schon Clusius legte auf die Färbung des Samens als Un-
terscheidungsmerkmale von anderen Secilla-Arten Gewicht, indem er
rar. pl. hist. 1. 185, sagt: semen fert non atrum ut cetera genera, sed
fuscum et tamquam fuligine infectum. Tragus nannte die Samen
goldgelb; sein Uebersetzer Kyber hat die allzu lebhafte Farbe ge-
dämpft, indem es in der von ihm besorgten latein. Ausgabe heisst!
fulvum semen, — Samen, die ich bereits 8 Jalıre lang aufbewahrte.
haben immer noch eine ziemlich helle Farbe.
442
dunkel gefärkte Leiste nur wenig bemerkbar, die schwärz-
lichen Gefässe des funiculus bilden einen fadenförmigen
Streifen. Der Embryo hat auf dem Durchschnitt einen el-
liptischen Umriss und ist zum Durchmesser des Albumens
kurz zu nennen Fig. 24; doch ändert wahrscheinlich dieses
Verhältniss ab, denn Wydler bemerkt a. a. O., dass der
Embryo den dritten Theil bis zur Hälfte der Längenachse
des Eiweisses einnehme.
Des fleischigen Samenanhängsels bei Sc. bifolia ge-
denkt übrigens schon Vaucher (histoir. physiol. des pl.
.d’Europe IV, 356): graines enveloppees & la base d’un arille
epais, lobe et demi-gelatineux. Grennier und Godron
haben in ihrer trefflichen Flora Frankreichs auf jene Eigen-
thümlichkeit des Samens die Gattung Adenoscilla gegründet;
dass der Anhängsel, wie jene Botaniker sagen, aus einer
Anscehwellung des funiculus hervorgehe, kann ich nicht be-
stätigen. — Ich habe bereits oben bemerkt, dass sich die
Fruchtstengel auf den Boden strecken; die Kapseln sprin-
gen vorzugsweise bei nassem oder feuchtem Wetter auf, in-
dem die Wände derselben fast breiartig weich (capsules
spongieuses Vaucher |. ].) werden: es ist also auch hierin
anders als bei Sc. autumnalis; wahrscheinlich aber stimmt
darin Sc. amoena mit Sc. bifolia überein. Eingeschrumpfte
Fruchtkapseln der Sec. bifolia, die ich 6 — 8 Jahre aufgeho-
ben hatte, quollen, ins Wasser gelegf, rasch wieder auf, die
ursprüngliche Form annehmend und eine fast gallertartige
Masse bildend.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1—19. Scilla autumnalis. Fig. 1. Mittelgrosse Zwie-
bel im Herbstzustande, natürl. Grösse. A Basis des Stengels. —
Fig. 2. Eine Zwiebelschuppe, nat. Gr. — Fig.3. Grundachse von
den äussern Schalen entblösst: m oberste Schuppe, die mit der
einen Seite der Basis von A umfasst: in der Achsel, die m mit
A bildet, stehen 3 Laubblätter von denen nur die Basaltheile ge-
zeichnet sind — Fig.4. Schematischer Grundriss von dem Blühten-
stengel A dem Blatte, m und den 6 ersten Blättern des neuen
Sprosses. — Fig. 5. Ein Schuppenblatt, nat. Gr. — Fig. 6. Basis
des Vorblattes, vergrössert. Fig. 8. Schema einer Zwiebel; die
äussern Schalen sind nicht berücksichtigt. Es sind daran 16
Blätter und 3 Blühtenstengel: I— I, repräsentirt, ein vorjähri-
443
ger und zwei diesjährige. Das Vorblatt von III war abgestor-
ben: von den fünf Blättern des in seiner Achsel stehenden Trie-
bes waren 3 ausgewachsen, 2 noch klein. — Fig. 9. Ein Schuppen-
blatt und 2 Laubblätter aus dem Centrum einer jüngern Zwiebel.
— Fig. 10. Basis der beiden Laubblätter, vergr. — Fig. 11. Die
aufgesprungene Kapsel, von oben gesehen: von der einen Klappe
sind die beiden Samenkörner entfernt. Vergr. — Fig. 12. Vergr.
Längsdurchschnitt durch ein Samenkorn. — Fig. 13. Querschnitt,
Fig. 14. Längsdurchschnitt durch die Basis des Embryo. — Fig. 15.
Eine Keimpflanze, die eben erst über den Boden trat. — Fig. 16.
Das Keimblatt von der Scheidenseite, vergr. — Fig. 17. Späterer
Zustand der Keimpflanze. — Fig. 18. Ihre angeschwollene Basis
vergrössert: man sieht den Scheidenspalt. — Fig. 19. Das Nähr-
blatt aus der Scheide des Keimblattes herausgelöst, von der Schei-
denseite, vergrössert.
Fig. 20 — 45. Seilla bifolia. Fig. 20. Ein ovulum beim
Oeffnen der Blühte (Anfangs April) vergr. — Fig. 21. Einige Tage
später. Es ist von der vordern, von der Rhaphe abgewendeten
Fläche gezeichnet. Fig. 22. Von der Seitenfläche. — Fig.23. Ein
reifes Samenkorn aus der sich öffnenden Frucht (Ende Mai) 7
bis 8 mal vergr., von der vordern Seite. — Fig. 24. Längsdurch-
schnitt, f der funieulus. — Fig.25. Der Anhängsel von dem Sa-
menkorn abgelöst; zwischen den beiden höchsten Wülsten sieht
man als dunkle Stelle das Ende des funiculus. — Fig.26. Junge
Keimpflanze (Ende des Märzes), zweimal vergr. — Fig. 27. Vergr.
Querschnitt durch das im Samenkorn befindliche Ende des Keim-
blattes: er zeigte 4 Gefässbündel. — Fig. 28. Vergr. Basis der
Keimpflanze mit der Scheidenöffnung des Keimblattes. — Fig. 29.
Dieselbe Partie etwas späterer Zustand, vergr. — Fig. 30. Keim-
pflanze, zu Anfang des Mai, nat. Gr. — Fig.31. Basis derselben
vergr., von der Scheidenseite des Keimblattes. — Fig. 32. Das
von der Scheidenhöhle des Keimblattes umschlossene Nährblatt
isolirt und von seiner Scheidenseite gesehen, vergr, Fig. 33. Das-
selbe Blatt im Längsdurchschnitt, um das in seiner Scheidenhöhle
eingeschlossene, vom Schnitte nicht getroffene Blatt zu zeigen. —
Fig. 34. Eine Zwiebel, nach Beginn der zweiten Vegetationspe-
riode (Anfang Nov. 1856), aus dem Boden genommen, zweimal
vergr.: die Hauptwurzel war gänzlich zerstört, a Rest des Keim-
blattes, b oberer Rand des zweiten Blattes — Fig. 32 und 33;
d Spitze des frischen Laubblattes. — Fig. 35. Stärker vergr. oberes
Ende einer andern, ebenso alten Zwiebel: b — b in Fig. 34, c
Spitze des zweiten Niederblattes, d des frischen Laubblattes. — Fig.
36. Das Blatt ce nach Wegnahme von a und b; d von der Rück-
seite. — Fig. 37. Stärker vergr. Basis des Laubblattes d: aus sei-
ner Scheide sieht die Spitze eines Niederblattes. — Fig.38. Eine
zweijährige Zwiebel den 18. Mai 1857 aus dem Boden genom-
men, in nat, Gr.— Fig. 39. Vergr. Zwiebel derselben, nach Weg-
444
nahme der Reste des Keimblattes: b c und d wie in Fig. 34—36.
— Fig. 40. Vergr. Basis des Laubblattes d von der Scheidenseite
um dessen Weiterbildung zu zeigen, man sehe den Text. — Fig.
41. Schematischer Grundriss des Blühtenstengels A vom vorigen
Frühling und der neben ihm stehenden neuen Knospe, die mit
einem Niederblatte beginnt, auf das zwei Laubblätter folgen, von
denen das zweite den Blühtenstengel des nächsten Frühjahres
umfasst. — Fig. 42. Basis des Blühtenstengels vom vorigen Früh-
ling und die vor ihm stehende Knospe, ®%on der Vorderseite des
Vorblattes a: unter der Figur ein Querschnitt durch das Vorblatt;
Fig. 43. 4 =4A u. Fig. 42: neben ihm sieht man nach Weg-
nahme des Vorblattes das erste Laubblatt b der Knospe von sei-
ner Vorderseite; die Seitenränder sind nah aneinander gelegt.
Fig. 44. Auch b ist entfernt; man sieht das zweite Laubblatt e
von seiner Vorderseite; zwischen seinen Rändern sieht der junge
Blühtenstengel des nächsten Jahres hervor: dieser ist — Fig. 45
isolirt: man sieht einen kleinen Vorsprung, wo sich die unterste
Blühte bilden will. — Fig. 42—45 stellen Zustände aus einer
Zwiebel dar, die Anfangs Juni aus dem Boden genommen wurde,
Fig. 41 dient zur Veranschaulichung der in diesen Figuren dar-
gestellten Theile.
Beschreibung einer neuen Acridioide
aus der Argentinischen Republik
R. A. Philippi.
Der Kopf ist ziemlich senkrecht, die Stirn zwischen
den Augen etwas ausgehöhlt; nur zwischen den nah bei
einanderstehenden Fühlern sieht man die beiden mittlern
Leisten; die ganze Oberfläche ist mit Höckern, Spitzen und
Leisten bedeckt; indem nicht nur zwei Längsleisten unter-
schieden werden können, welche nach dem Munde hinab-
steigen, sondern zwei Querleisten, die jederseits aussen von
demselben abgehen, die eine in halber Höhe, die andere
dicht vor dem Unterrand des clypeus. Die Augen sind
mehr als halbkugelig, stark vorgequollen. Die Fühler
sind fast so lang wie Kopf und Vorderbrust zusammen,
und bestehen aus 19 oder 20 Gliedern, das erste ist das
445
dickste, das zweite das kürzeste, die folgenden sind etwas
zusammengedrückt.
Die Mundtheile habe ich nicht untersuchen mögen,
da ich nur ein einziges Exemplar zu meiner Verfügung
habe; die Palpen sind sehr kurz.
Der Prothorax ist breiter als lang und von oben
betrachtet mit Einschluss des Kopfes beinah dreieckig. Der
hintere Rand bildet einen nach hinten gerichteten Kreis-
bogen, ist wulstig erhoben, und mit einer doppelten Reihe
Dornen bewaffnet, die untere Reihe besteht aus sechs grös-
seren, horizontalen, die obere aus zahlreichen, schräg in
die Höhe stehenden Dornen. Der Vorderrand ist grad ab-
geschnitten und zu jeder Seite des Kopfes in einen spitzen
Lappen verbreitert. Von dessen Spitze läuft eine nach innen
eingebogene Kante bis zu einem vorspringenden Winkel
des Hinterrandes. Etwas vor der Mitte verläuft eine ver-
tiefte Querlinie, und kurz vor der Mitte desselben erhebt
sich ein spitzpyramidenförmiger Höcker. Es ist nicht die
geringste Andeutung von einem Längskiel da. Der hintere
Theil des Prothorax zeigt jederseits unten einen horizontal
ausgebreiteten halbeiförmigen in vier oder fünf tiefe Zähne
eingeschnittenen Lappen, der durch eine tiefe Grube oder
Furche oberhalb von der oben erwähnten, gebogenen Kante
geschieden ist. Die ganze Oberfläche ist mit spitzen Dor-
nen und Höckerchen dicht besetzt. Der Mesothorax ist
hinten grad abgeschnitten, und reicht in der Mitte kaum
so weit nach hinten wie die wulstige Erhöhung des Hin-
terrandes des Prothorax; über den Ursprung der Mittelbeine
verläuft jederseits eine horizontale, mit spitzen Dörnchen
besetzte Kante; die Oberfläche ist rauh und körmnig. Der
Metathorax ist eben so lang wie die zweite Abtheilung
des Prothorax, mit einer hinter der Mitte liegenden Quer-
furche versehen, hinten gerade abgestutzt, und hat eben-
falls jederseits über dem Ursprung der Hinterfüsse eine am
Rand mit Dornen besetzte Leiste; er zeigt eine erhabene
Mittellinie, die nach dem Hinterande zu sich in einen star-
ken Dorn verlängert; der hintere Theil und die Seiten sind
mit kleinen Dornen dicht besetzt, unter denen sich einige
grössere auszeichnen; die übrige Oberfläche ist mehr rauh
446
und gekörnt als dornig zu nennen. Der Hinterleib.des
Männchens ist nicht so lang wie die Brust, vorn breit, also
beinah dreieckig. Die ersten drei oder vier Segmente ha-
ben eine erhabene Mitteliinie, die sich nach dem Hinterrand
hin einen Dorn erhebt, und sind oben gekörnt und rauh.
Die Aftergriffel sind äusserst kurz. Es ist keine Spur von
Flügeln oder Flügeldecken vorhanden.
Das Vorderbrustbein ist sehr kurz und kaum et-
was breiter als der Kopf; der Vorderrand ist gekrümmt,
mit der Wölbung nach hinten, nicht im Geringsten aufge-
worfen, und so den Mund umgebend. Dicht hinter dem-
selben erblickt man eine etwas stärker gebogene, erhabene
Linie oder Kante, ohne alle Spur eines Dorns oder
Griffels, und hinter dieser eine tiefe, halbmondförmige
Furche. Mittel- und Hinterbrustbein sind horizontal,
‘sehr breit, breiter als lang und scheinen grösstentheils ver-
wachsen; sie sind ganz glatt mit vier fast im Quadrat ge-
stellten vertieften Punkten, den Stigmen. Vorder- und Mit-
telbeine sind eher kurz zu nennen; die Oberschenkel sind
drehrund und namentlich die der Mittelbeine, von kleinen
schwer erhabenen Pünktchen etwas rauh. Die Schienen
zeigen nach unten jederseits drei schwach abwärts gerich-
tete Dörnchen. Die Schenkel der Hinterbeine erreichen nicht
das Ende des Hinterleibes, sind oben gekielt, unten seicht
gefurcht, auf dem Kiel und den Rändern der Furche mit
kleinen spitzen Dörnchen, auf der Mittellinie der Aussen-
seite mit ca. 6 pyramidenförmigen ziemlich grossen Dornen
bewehrt, und ausserdem die ganze Oberfläche mit kleinen,
dicken Höckerchen besetzt. Die Schienen haben 2 Reihen
kurzer starker Dornen. Das erste und zweite Tarsenglied
sind gleich lang, das zweite sehr kurz. Der Haftlappen
zwischen den Klauen ist sehr klein. Das ganze Thier ist
hellgelblich grau, mit schwarzer Längslinie auf dem Schei-
tel, und einer schmalen Längsbinde jederseits auf dem Kopf
hinter den Augen. Diese haben braune Längsbinden. Die
Unterseite des Körpers ist hellgelb. Die Hinterschenkel ha-
ben am Kniegelenke jederseits einen schwarzen Halbmond.
Die Fühler sind heller, gelblich. Länge des Körpers 13 Li-
nien, Breite der Vorderbrust 8 Linien.
447
Herr Louis Huidobro hat ein Exemplar aus der Argen-
tinischen Republik mitgebracht.
Die überaus breite Brust, der senkrechte Kopf, die
kleinen vorgequollenen Augen, der erweiterte schildartige
Vorderrücken, stellen dieses Thier in die Nähe von Omme-
xechus, Batrachotetrix, Batrachopus etc., von denen es sich
aber durch den nicht aufgeworfenen Vorderrand des Vor-
derbrustbeins, den Mangel des Dorns auf demselben, den
gänzlichen Mangel der Flügel, die dornigen Hinterbeine etc.
unterscheidet, so dass man wohl ein eigenes Genus dafür
errichten muss, für welches ich den Namen Graea vorschlage.
Die Art nenne ich Graea horrida.
Analyse einer dem Erdpech ähnlichen Substanz,
gefunden in einer Höhle bei Catemu in Chile
von
Vasquez und Bassols.
(Aus den Anales de la Universidad de Chile 1862, p. 264 sq. im Aus-
zuge übersetzt von Dr. R. A. Philippi.)
Die oberflächliche Beobachtung genügt, um zu zeigen,
dass in diesem sonderbaren Produkt zwei sehr verschiedene
Substanzen enthalten sind; die eine sind die Fäces eines
Säugethiers und ganz denen der Ratten ähnlich; die andre
ist eine Substanz, deren Farbe, Glanz etc. sie dem Erdpech
ähnlich machen. Es ist nicht möglich eine dieser Substan-
zen mit der andern zu verwechseln, denn sie sind voll-
kommen charakterisirtt. Sie lassen sich vermittelst des
Wassers trennen, denn während die bitumenähnliche Masse
sich vollkommen in Wasser auflöst, bleibt die Fäkalmasse
unangegriffen.
Die Analyse der ersteren gibt gar kein stickstoffhal-
tiges Princip, und dies ist ein Grund der uns nöthigt, in
derselben keinen thierischen Ursprung zu sehen. Wir glau-
ben im Gegentheil, dass sie von irgend einer Pflanze her-
stammt, dass die gummiartige Materie, die sich in derselben
448
findet, vielleicht dem Thier zur Nahrung dient, und dass
dieses in derselben seine Excremente ablegt, und dass die
dunkle Farbe wahrscheinlich einer Einwirkung des Sauer-
stoffs der Luft auf die Extractivstoffe zuzuschreiben ist.
Aber, welches ist die Pflanze, die diese Substanz her-
vorbringt? [So frage auch ich, und ich frage noch mehr.
Welches Nagethier wählt den in seiner Höhle eingetragenen
Nahrungsstoff, um darauf seine Excremente abzulegen? Und
wie fängt es der unbekannte Urheber der Excremente an,
solche enorme Quantitäten Gummi —- unvermischt mit
Rindenstückchen, Blättern u. s:w. — zusammenzutragen? Ph.]
Als wir die Auflösung der bitumenähnlichen Substanz
abdampften, erhielten wir eine extractförmige Materie von
dunkler Farbe, unangenehmen, eigenthümlichen Geruch, und
ziemlich bitteren, adstringirenden Geschmack, dem eine ge-
wisse Süssigkeit und etwas Pikantes beigemischt war. Er-
hitzt hinterliess dieselbe eine schwer verbrennliche Kohle
und entwickelte keinen Ammoniakgeruch. Im ‚Wasser löst
sie sich vollkommen auf, und die Auflösung verändert die
Lakmuspapiere nicht; geschüttelt bildet sie einen reichli-
chen Schaum. Alkohol schlägt aus der Auflösung weisse
Flocken einer gummiartigen Materie nieder. In Alkohol
und Aether ist die Substanz unauflöslich, doch geben diese
Flüssigkeiten derselben eine Chocoladenfarbe (le comunican
color de chocolate).
Reine oder verdünnte REN lösen die Sub-
stanz auf und geben der Auflösung eine Weinfarbe. Wenn
die Säure sehr verdünnt ist, bildet sich viel Schaum. Die
concentrirte Auflösung in Salpetersäure wird (mit der Zeit?)
hellgelb, während die verdünnte einen Niederschlag bildet.
In Schwefelsäure ist unsere Substanz sehr wenig
löslich, man bemerkt aber eine lebhafte Effervescenz, und
es entwickelt sich ein Geruch nach Ricinusöl und nach Wan-
zen. In verdünnter Schwefelsäure ist sie kaum löslich und
gibt alsdann einen Geruch von sich, der dem der getrock-
neten Kirschen ähnlich itt.
Concentrirte Salzsäure erzeugt wie die Schwefel-
säure ziemliche Effervescenz mit Entwicklung weisser Dämpfe.
— Die Auflösungen in concentrirter Schwefelsäure und Salz-
449
säure nahmen nach einigen Tagen eine sehr dunkle Farbe
an. Der Niederschlag, welchen in diesem Fall Se Schwe-
felsäure bildet, ist dunkelbraun.
In Essigsäure.ist unsere Substanz nicht löslich.
Schwefelsaures Eisen (Sulfato de hierro) bringt
in der wässrigen Auflösung einen reichlichen, olivengrünen
Niederschlag hervor.
Essigsaures Blei (autato de plomo) gibtin der Auf-
lösung einen voluminösen,. schmutzig weissen Niederschlag.
Opium (die wässerige Lösung desselben?) erzeugt in
der wässerigen Auflösung einen reichlichen Niederschlag.
Aus allen diesen Thatsachen schliessen wir, dass die
analysirte Substanz aus einer Art Gerbstoff, Gummi, und
einem aromatischen Princip besteht, welches wir durch die
Destillation nicht haben abtrennen können.
- So weit die Herren Vasquez und Bassols. Chemiker
mögen ihre Untersuchung würdigen.
Ich bekenne offen, dass mir die fragliche, bitumen-
ähnliche Substanz nach dieser flüchtigen Analyse noch räth-
selhafter ist als vorher.
Vor einigen Wochen sprach ich Herrn Carlos Hui-
dobro aus Catema über dieselbe. Er sagte mir, er habe
in der Höhle nachgraben lassen, und wohl an fünf Centner
dieser Materie erhalten, habe aber nicht in Erfahrung brin-
gen können, welches Thier in der Höhle lebe. Bei der
Nachgrabung fand sich ein einziges Knöchelchen, welches
ich noch nicht Zeit gehabt habe zu untersuchen. Er hat
mir versprochen, eine grössere Quantität dieser räthselhaf-
ten Substanz zukommen zu lassen, die ich alsdann nach
Deutschland schicken werde, in der Hoffnung, dass es dort
ein Chemiker der Mühe werth findet, sie etwas genauer
zu untersuchen.
Santiago, den 27, December 1862.
XXI. 1863, 30
450
Mittheilungen,
Der Erdfall bei Dachrieden unweit Mühlhausen.
Der Erdfall liest von Dachrieden in nordnordöstlicher Richtung
ungefähr eine Viertelstunde entfernt in einer Höhe, welche zum
Muschelkalk-Gebiete gehört. In der Schichtenfolge dieser For-
mation werden folgende drei Abtheilungen, von welchen jede für
sich selbstständig abgeschlossen entwickelt ist, unterschieden. : Die
untere Abtheilung, bestehend aus Wellenkalk und dem Mehlstein
(Mehlbatzen), ruht unmittelbar auf der vorangegangenen Buntsand-
stein-Formation und ist nicht auf der Seite des Mühlhäuser Ge-
bietes, wohl aber nach dem Werra-, Leine- und Wipperthale hin
aufgeschlossen. Die mittlere Abtheilung, in Gyps und Steinsalz-
lagern auftretend, wie sie bei Buffleben, Erfurt, Artern ete. vor-
kommen, ist in hiesiger Gegend bisher noch nicht aufgefunden.
Dass aber in älteren Zeiten bier eine salzhaltige Quelle gespru-
delt, jedoch damals wieder versiegt sein soll, kann man aus einer
Sage, sowie aus dem Namen des Dorfes Saalfeld und dem Namen
eines zum Forstberge führenden Weges, des Salzweges schliessen.
Die obere Abtheilung bedeckt vorzüglich unsere Muschelkalkhöhen
und besteht aus Dolomitkallsiein, Enkrinitenkalk und dem Kalk-
steine von Friedrichshall, dem Hauptmuschelkalke, dessen auf-
einander folgende Lagen m bläulich grauen Thonschichten und
dichten Kalksteinen mit hellgrauem Kalkmergel wechsellagern.
In der Tiefe dieses Hauptmuschelkalks kommen jedoch auch nicht
selten grosse Gypsmassen stock- oder gangartig vor.
Der neue Erdfall im Hegehölzchen bei Dachrieden liegt in
der letztgenannten Abtheilung, die in ihren Schichtenlagen ausser
Gyps keine durch Wasser löslichen Stoffe enthält. Dass bei der
Tiefe von 73° diese Abtheilung schon mit der mittlern, dem Stein-
salzlager, in Verbindung stände, ist schwerlich anzunehmen, je-
doch bei 143° Tiefe nicht unmöglich. Der Gyps ist schwefel-
saurer Kalk und wird, wenn die Meteorwasser sich bis zu seinen
Massen hin Kanäle ausgehöhlt haben, nach und nach vom Was-
ser aufgelöst und aus seiner Lagerstätte fortgeführt. Hierdurch
entstehen im Verlaufe von Jahrtausenden Auswaschungen ganzer
Gypslager, in Folge davon Höhlen und, wenn irgend an einer
Stelle die Decke bricht, Erdfälle.. Befinden sich Steinsalzlager
zwischen dem Gyps, so werden sie mit demselben Erfolge aus-
gewaschen. Diese geben dann die Veranlassung zu Salz-, jene
zu Schwetelquellen. Da in unserer Gegend keine Salzquelle, wohl
aber im Reiser’schen Thale eine Schwefelquelle vorkommt, so ist
anzunehmen, dass der neue Erdfail, sowie sämmtliche Erdfälle
auf den Muschelkalkhöhen in der angegebenen Weise, nämlich
durch Auswaschung eines Gypslagers, entstanden sind. Obgleich
451
nach Hrn. Prof. Senft’s Angabe etwa 400 Theile Wasser nur
einen Theil Gyps lösen, so ist doch die Möglichkeit leicht zu
denken, dass das meteorische Wasser während der Jahrtausende
vor denen die Muschelkalkformation bereits sich gebildet hat,
solche Auflösungen bewirkte. Die Erfahrung lehrt ja, wie Wasser-
tropfen den festesten Stein aushöhlen.
Eine nicht ganz aus der Luft: gegritfiene Annahme würde
auch die sein, dass die unterirdischen Höhlen, die nach dem Ein-
bruche ihrer Decke zu Erdfällen werden, durch plutonische Erup-
tionen entstanden sind. Die auf den Muschelkalk folgende jün-
gere Meeresablagerung ist hier nämlich die Keuperformation.
Diese wurde durch neue Ausbrüche der noch im Innern der
Erde fortdauernd thätigen plutonischen Gewalt, welche im Harze
und Thüringerwalde die Porphyre und Melaphyre zu Tage brachte,
emporgehoben. Da nun die sämmtlichen Erdfälle in unserer
Umgegend auf der der Keuperformation zugekehrten Seite des
Muschelkalks liegen, so wäre der Schluss nicht ungerechtfertigt,
dass dieselbe gleichzeitig Hebungen erlitten und sich dadurch hohle
Räume in dem Muschelkalke gebildet hätten.
Gleichviel nun ob die Erdfälle in unserer Gegend auf diese
Weise entstanden sind, so verdient doch der neue Erdfall bei
Dachrieden in geognostischer Beziehung die grösste Beachtung,
weil das Innere desselben leicht und gefahrlos zugänglich ist und
dadurch einen Blick in den innern Bau der Muschelkalkforma-
tion gewährt.
Die Oeffinung des Erdfalls hat 12° im Durchmesser. Nach
einer 1' starken Humusdecke folgt eine 12° mächtige blaue Thon-
schicht, die auf der südöstlichen Seite schräge, auf der nordwest-
lichen dagegen senkrechte Wände hat. Der darnach verengerte
Schlund besteht aus 16° mächtigen Muschelkalkbänken, die das
durchbrochene Gewölbe der früher kellerartigen Höhle festhalten.
An dem nordöstlichen Ende fällt diese Höhle noch bis zu einer
Tiefe von weiteren 70‘ ab, sodass die ganze Tiefe von der Mün-
dung des Erdfalls 143' beträgt. Diese genaueren Angaben ver-
danken wir dem Bergmanne Sieland aus Eldmannshausen, der den
Erdfall in Begleitung von zwei hiesigen Turnern und einigen
Dachrieder Einwohnern am 3. d. M. zum ersten Male befuhr,
die drei Bäume, die mit hinabgestürzt waren, unten auffand und
einige Kalksteine mit Kalkspath und Kalkspath-Krystallen, blau-
graue Thone und Gypse zu Tage förderte. Weder im oberen
noch unteren Theile des Erdfalls ist ein fliessendes Wasser sicht-
bar oder ein Rauschen in der Tiefe hörbar. Eine Analyse wird
nächstens ergeben, ob dass von den Wänden sehr stark herab-
tröpfelnde Wasser schwefel- oder salzhaltig. ist.
Interessant ist auch das Vorkommen zahlreicher ähnlicher
Erdfälle auf der Hainleite bei Kindelbrück, wo in derselben Kalk-
30*
452
formation viel Gyps liegt. Auch dort ist im letzten Winter ein
neuer, dem unsern ungemein ähnlicher, sehr tiefer Erdfall ent-
standen, dessen nähere Beschreibung noch nicht vorliegt.
L. Möller.
Analcim mit Desmin und Stilbit bei Andreasberg.
An einem Exemplare von Andreasberg am Harz, welches
vereinzelte Desminkrystallbüschel und viele gelblich weisse, durch-
sichtige Stilbitkrystalle aufgewachsen auf zerklüftetem Thonschiefer
enthält, fand ich auf der Oberfläche der Stilbitkrystalle viele kleine
stark glänzende Krystallkörnchen, welche sich bei genauerer Be-
trachtung unter der Loupe als farblose, durchsichtige glasglänzende
Analeimkrystalle in der Gestalt 202 und 202.00 ® erwiesen.
Durch das Nichtbrausen bei Befeuchtung mit Salzsäure wird jede
Verwechselung mit Caleitkryställchen ausgeschlossen. Obgleich
das Vorkommen von Analeim bei Andreasberg nicht neu ist, in-
dem derselbe bereits auf Caleit gefunden wurde, so ist dieses Vor-
kommen in der Begleitung des Desmin und Stilbit neu, weshalb
ich dasselbe hier mittheile. A. Kenngott.
Ueber Borsteneichkätzchen.
Ehrenberg fasste die Borsteneichkätzchen unter Xerus,
Lesson unter Spermosciurus zusammen, und während man die
Eigenthümlichkeit der Gruppe allgemein anerkannte, ordnete man
dieselbe Sciurus als Subgenus unter ohne weiter deren systema-
tischen Werth abzuwägen. Der Schädel weicht von allen weich-
haarigen Arten ab durch seine gestreckte Form im Allgemeinen,
welche besonders in der Verschmälerung der Stirn auffällt, durch
die sehr geringe Entwicklung der Orbitalfortsätze an den Stirn-
beinen, welche als ganz kleine Spitzchen stark abwärts gebogen
sind, durch die breiten Frontalforsätze der Scheitelbeine, die wei-
tern Infraorbitalkanäle und die tief concave Infraorbitalfläche für
die vordere Portion des Masseters, welche bei den übrigen Arten
breiter flach oder nur seicht concav ist, und durch die weit hin-
ter den letzten Backzahn gerückte Lage des Gaumenausschnittes.
Am Unterkiefer bildet der Kronfortsatz eine nur schwach vor-
tretende Ecke statt des deutlichen Hakens bei den ächten Sciu-
rinen. Ferner ist das Gebiss ungleich kräftiger wie sonst bei den
Eichkätzchen Die Nagzähne und zumal die obern erscheinen
von vorn nach hinten fast viermal so breit wie im Durchmesser
von rechts nach links. Auch die Backzähne fallen durch ihre
beträchtliche Breite auf. So nach den Schädeln von Sc. setosus
und Se. leucoumbrinus, welche die hiesige Sammlung besitzt.
Eigenthümlichkeiten des Skeletes finde ich nirgends erwähnt,
453
A. Wagner hatte zwar von seinem Sc. praetextus dasselbe bei
Aufstellung der Art, unterliess aber wie häufig in seinen Beschrei-
bungen die eingehende Vergleichung, so dass er nicht einmal diese
eigene Art genügend begründete.
Rüppell trennte zuerst den abyssinischen Sc. leucoumbri- _-
nus von dem capischen Sc. setosus und mit Recht. Sein Schä-
del ist merklich gestreckter und schmäler, die Infraorbitalfläche
für die vordere Portion des Masseters viel schmäler und beson-
ders nach vorn tief ausgehöhlt, die Foramina incisiva länger, die
Jechbögen schwächer, die Gaumenbeine bis zwischen das dritt-
letzte statt vorletzte Paar der Backzähne vorgreifend. Sc. leuco-
umbrinus hat gelbe kurze, Sc. setosus weisse, merklich längere
Nagzähne. Ersteres besitzt im Oberkiefer den ersten kleinen
Stiftbackzahn, welcher Sc. setosus fehlt. Bei diesem ist dagegen
der erstere obere Backzahn um mehr als die Hälfte kleiner wie
der entsprechende bei Sc. leucoumbrinus, hat auch nur zwei, bei
diesem aber drei Falten, während der letzte Backzahn bei Sc.
setosus relativ grösser als bei Sc. leucoumbrinus ist. Auch im
Unterkiefer zeigt der letzte Backzahn beider Arten dasselbe Grös-
senverhältniss. Die Falten dringen hier tief in die Kaufläche ein
und theilen die des ersten sogar in zwei Querjoche, deren Gipfel
vor der Abnutzung zweihöckerig sind, ganz wie bei ächten Eich-
kätzchen.
Unsere Bälge beider Arten zeigen den schon von Rüppell
hervorgehobenen Unterschied der Ohrmuschel recht auffällig, im
Uebrigen stimmen sie in den-Körperformen, der Behaarung und
Färbung überein und zwar völlig bis auf den Schwanz, welcher
bei Sc. leueoumbrinus breit buschig, platt zweizeilig behaart ist,
die Haare rostfarben, an der Spitze rein weiss, bei Sc. setosus
dichter, kürzer und gleichmässig buschig behaart erscheint und
die Haare nur gelblich weiss und schwarz gefärbt sind. Die
Haare sind am ganzen Körper nur plattgedrückte Borstenhaare
mit oberer Rinne und lang ausgezogener feiner Spitze. Uebrigens
ist auch bei den weichhaarigen Eichkätzchen das Grannenhaar
glatt gedrückt, meist jedoch minder breit und ohne oder mit nur
sehr schwacher undeutlicher Rinne. A. Wagner’s Sc. praetex-
tus nur etwas kleiner, mit schmälerm Schwanze und fast ganz
schwarzen Krallen lässt sich nach diesen Unterschieden nicht spe-
cifisch von Se. leucoumbrinus trennen.
Xerus oder Spermosciurus begreift vier Arten mit weissem
Seitenstreif, und zwar eine grossöhrige/-Se. leucoumbrinus Rüpp
(Se. ginginianus Griff — Sc. praetextus Wagn) in Ostafrika und
drei kurzöhrige: Sc. setosus Forst (— Se. albovittatus Desm, Se.
/Levaillanti Kuhl) am Cap, Se. erythropus Cuv in Senegambien,
V(Se. pyrrhopus Cuv (— Se. congieus Kuhl) auf Fernando Po —
und eine Art ohne Seitenstreif mit grossen Ohren :,,8e. rutilus
454
Cretzsch (= Se. brachyotus Ehbg) in Abyssinien. Lesson’s
Se. marabutus, simplex und prestigiator vom Senegal sind nach
den kurzen Diagnosen nicht zu deuten.
©. Giebel,
Literatun
Astronomie und Meteorologie. Schönfeld, Beob-
achtungen von Nebelflecken und Sternhaufen. — Vrf. stellte
seine Beobachtungen an den verschiedenen Ringsmikrometern des acht-
füssigen Refractors von 73‘ Oeffnung aus dem Steinheil’schen Atelier
in München auf der Manheimer Sternwarte an und verfolgte jeden
dieser Gegenstände zwischen dem 25. Parallel südlicher Declination
und dem Nordpol, soweit nicht zu grosse Lichtschwäche oder un-
regelmässige und verwaschene Gestalt die Beobachtung hindert. Die
Zahl derselben wird sich auf etwa 1000 belaufen. Die Durchmesser
der Ringe hat er mit der grössten Sorgfalt durch zahlreiche Beob-
achtungen ermittelt und zu jeder Beobachtung denjenigen Ring an-
gewendet, für den sich die passendsten Vergleichsterne finden. Dies
sind meist Parallelsterne und wo solche nicht zu finden, ist der Ne-
belfleck stets an einem südlichen und einem nördlichen Vergleichs-
stern angeschlossen worden. Vier Durchzüge bilden gewöhnlich eine
Position und solcher Positionsbestimmungen werden wenigstens fünf
gemacht in verschiedenen Nächten and unter möglichst verschiedenen
Umständen, um dadurch die von dem Aussehen der Nebelflecken her-
rührenden Verschiedenheiten in der Auffassung des hellsten Punktes
möglichst zu compensiren. Bei Auswahl der Vergleichssterne band
sich Verf. nur an die passlichsten. Dieselben wurden alle aus den
Beobachtungen neu bestimmt, um die Positionen von den eigenen
Bewegungen der Sterne unabhängig zu machen. Diese Bestimmungen
führte Argelander auf der Bonner Sternwarte aus. In der ersten
Lieferung des Werkes sind gegeben 999 Positionen von 235 verschie-
denen Nebelflecken, die von Ende November 1860 bis Ende Mai 1862
angestellt sind. Es steht zu hoffen, dass in 5—6 Jahren die ganze
. grosse Arbeit vollendet sein wird. — (Sitzungsber. niederrhein. Ges.
XIX. 193—195.) .
Nowak, über die Gewitter. — Dass vor dem Einbrechen
eines Gewitters schnell der Himmel mitdichtem Gewölk sich bedeckt ist
noch nicht genügend erklärt. Dasselbe ist nur ein potenzirtes Auf-
treten von Haufenwolken, die man überhaupt dureh aufsteigende
Luftströme erklären will. N. sieht sie vielmehr da am regelmässig-
sten auftreten, wo sich zwischen Bergen quellenreiche Thäler hin-
ziehen und nimmt an, dass sie nur über solchen Gegenden sich bil-
455
den, wo sichtbare Quellen zu Tage treten oder unterirdische Wasser-
adern durch Spalten und Klüfte ihre Dünste der Atmosphäre über-
liefern. Er sucht diese Behauptung näher zu begründen und wendet
sie auf die Gewitterwolken an, die eben nur durch grössere Raschheit,
grössere Massigkeit, schärfere Umrisse und grössere Menge ihrer
Elecetrieität von den gewöhnlichen sich unterscheiden. Die Poten-
zirung wird bedingt durch zeitweilig eintretende ungestüme Steige-
rung des tellurischen Processes, der die Wasserdämpfe liefert. Die
Gewitter stehen im geraden Verhältniss zur Häufigkeit und Mächtig-
keit der Quellen jeder Gegend. In den regenlosen Distrikten an der
Küste von Peru, der Westküste von Mexico etc. fehlt es an Gebirgen
und an Quellen. Die Gewitter sind im Sommer häufiger als im Win-
ter, weil dann die Quellen ergiebiger fliessen und im Winter über-
haupt die Emanationswege geschlossen sind. Auch eine monatliche
Periodieität wird sich noch nachweisen lassen und bei vielen Quellen
besteht eine gewisse Uebereinstimmung mit den Mondphasen. Die
tägliche Periodicität zumal der Tropengewitter erklärt sich aus der
zweimaligen Ebbe und Fluth der Quellen, die gerade dort sehr ener-
gisch ist. Gewitter zu ungewöhnlicher Zeit haben in mancherlei
zeitweiligen Störungen des Wasserdampfprocesses ihren Grund. —
(Böhm. Sitzgsberichte. Prag 1862. I. 78—87.)
C. Kratzsch, meteorologische Mittel von Gera im
Jahre 1862. —
Barometer. Thermometer. :
December 332,11 — 0,11
Januar 329,17 — 2,16
Februar 331,30 0,11
März 327,70 5,81
April 330,70 8,53
Mai 329,51 12,85
Juni 329,00 13,05
Juli 330,15 14,26
August 329,81 13,41
September 330,90 1139
October 330,10 9,02
November 329,62 23
- 330,006 71,372
Das Maximum des reducirten Barometerstandes im ganzen Jahr fiel
auf 27. Decbr. 1861 —= 336,8, das Minimum auf 3. März = 321,1, das
Maximum des Thermometerstandes auf 8. Juni — 26,4, das Minimum
auf 21. Januar = — 13,0, — (Geraer Verhdiyn. V. 14.) b
G. von Möllendorf, die Regenverhältnisse Deutsch-
lands ist die Ueberschrift einer im XI, Bande der von der natur-
forschenden Gesellschaft in Görlitz herausgegebenen Abhandlungen
enthaltenen umfangreichen Arbeit, Die erste Abtheilung derselben
enthält Tabellen über die Höhe der atmosphärischen Niederschläge,
wobei die 213 Beobachtungsorte von Westen nach Osten nach der
456
Reihenfolge der Lage ihrer geographischen Länge geordnet sind.
Die Regenmengen mit Einschluss des aus dem Schnee erhaltenen
Wassers sind in pariser Zollen bis zur zweiten Decimalstelle ange-
geben. Die Jahrgänge, während welcher an den verschiedenen Orten
Beobachtungen angestellt sind, liegen noch zwischen weiten Grenzen;
ebenso ist die Vertheilung der Orte über das Beobachtungsgebiet
noch keine planmässige, so dass die aus den angeführten Zahlen ge-
zogenen Mittelwerthe nicht unbedingte Giltigkeit haben. Die zweite
Abtheilung enthält die Folgerungen aus den angeführten Beobachtun-
gen. Die erhaltenen Werthe sind nun: März 1,42“, April 1,76‘, Mai
2,42, Juni 2,90“, Juli 3,16‘, August 2,94, September 2,02‘, Octo-
ber 1,97°, November 1,87, December 1,67’, Januar 1,52‘, Februar
1,33; Jahr 24,98; die Monate in gegebener Reihenfolge zu je drei
genommen ergeben: Frühling 5,60‘ — 22,4 pC.; Sommer 9,00% —
36 pC.; Herbst 5,86 — 23,5 pC; Winter 4,52“ = 18,1 pC. — Der
Einfluss der Höhe eines Ortes über dem Meeresspiegel scheint sich
erst bei über 600° bemerkbar zu machen. — Es sind sodann die Re-
genverhältnisse nach Landschaften geordnet, wobei sich eine entschie-
dene Abnahme der Regenmenge von Westen nach Osten herausstellt;
doch bedingen nebenbei örtliche Verhältnisse, so Nähe der Nordsee,
an einzelnen Orten eine Ueberschreitung, so dass Emden 25,13“,
Cleve 27,9, Cöln 38,32‘ Regen zeigt. Einfluss des Gebirges ist nicht
zu verkennen,; dahingegen scheint der der Entwaldung der gewöhn-
lichen Ansicht zu widersprechen, indem das Vorhandensein von Wäl-
dern nicht sowohl die Regenmenge vermehrt, als vielmehr Regenver-
theilung, Abfluss, Verdunstung gleichförmiger macht und so seltne-
ren aber stärkeren Regen und Ueberschwemmung verhindert. Nicht
ohne Einfluss scheint ausser Oberflächengestaltung auch die Gebirgs-
art zu sein, jedoch dürften hierbei noch nicht alle mitwirkenden Um-
stände in Rechnung gezogen sein. Von grosser Bedeutung ist aber
die Höhe des Regenwassers über dem Beobachtungsorte, da die Ver-
mehrung des Regens beim Herabfallen aus der Höhe zur Erdoberfläche
eine ganz bedeutende ist. Als Durchschnittswerth ergeben sich fol-
gende: ist die Regenmenge 200° über dem Erdboden 16,10‘, so ist
sie in der Höhe von 150° schon 16,4‘; bei 100‘ ist sie 17,2; 19,0°
bei 50° und 28,8° unmittelbar über dem Erdboden. Dabei ist die
Zunahme in der Höhe im Sommer grösser als im Winter; nahe dem
Erdboden dagegen im Winter grösser als im Sommer. Will man da-
her die Menge der feuchten Niederschläge für einen bestimmten Ort
genau ermitteln, so hat man, wenn der Regenmesser wie gewöhnlich
6‘ über dem Boden sich befindet, die beobachtete Regenmenge unter
2 pC. zu vermehren; ausserdem gehen für die Beobachtung verloren
beim Regenmesser über 1 pC,, beim Schneefang sogar 19,6 pC., so
dass also für die Wintermonate der sechste Theil der beobachteten
Niederschläge noch hinzuzurechnen ist. Der durch Thau- und Nebel-
niederschläge bewirkte zu hohe Stand im Regenmesser ist seiner
Kleinheit wegen zu vernachlässigen. — Die dritte Abtheilung enthält
457
in 4 Abschnitten: Anwendbarkeit der Regenbeobachtungen auf Ent-
und Bewässerungen und auf gewerbliche Anlagen. Der umfangrei-
ehen, sehr verdienstlichen Arbeit ist eine Karte beigegeben, welche
ausser der geographischen Darstellung der Regenverhältnisse Deutsch-
land noch eine graphische Darstellung der Regenverhältnisse in den
Jahren 1849 bis 1858 enthält mit Angabe der“jährlichen Regenhöhe
von 50 von Westen nach Osten aufgezählten Beobachtungsorten im
zehnjährigen Durchschnitt, der des Jahres 1857, Lage der Beobach-
tungsorte über dem Meeresspiegel und der mittleren Höhe des zehn-
jährigen Regenfalles sämmtlicher Beobachtungsorte. W. W.
Physik, Paalzow, A, über die Glüherscheinung am
positiven und negativen Pole bei der Entladung einer
Leydener Batterie. — Enthält der Schliessungsbogen eines In-
duetoriums eine Luftstrecke, so zeigt der negative Draht eine höhere
Erwärmung als der positive und kann sogar zum Glühen gebracht
werden, während der positive keine sichtbare Erwärmung zeigte.
Nach P.’s Untersuchungen steht das Glühen des negativen Drahts an
seinem freien Ende in der Luft in keinem Zusammenhange mit der
Erwärmung der übrigen Theile des Schliessungsbogens und tritt nur
dann auf, wenn die Entladungen der Batterie von sehr langer Dauer
sind. Das leichte Auftreten dieser Glüherscheinung bei dem Indu-
etorium ist bedingt durch die durch Feinheit, Länge und Form des
Drahtes bewirkte lange Dauer der Entladung. P. theilt zunächst als
Hauptergebnisse mit, dass die Glüherscheinung vollständig mit der
Annahme von alternirenden Entladungen übereinstimme und nur bei
Entladungen von langer Dauer auftreie. — (Poggendrff OXVII, 657.
W. W.
Müller, J., Bestimmung der Wellenlänge einiger hel-
len Spectrallinien. — Mit Hülfe eines gut getheilten Glasgitters
welches 2001 Striche auf einer Breite von 4 pariser Linien hatte
wurde die Wellenlänge der rothen Lithiumlinien bestimmt: Liel, A —
0,00029936° und Li«2, A = 0,00030000; als Mittel ergab sich aus
diesen beiden Messungen: Li «, A —= 0,0002997' = 0,0006763 mm,
Für die gelben Natronlinien ergab sich:
Na «1,4 — 0,0002626‘
Na o 2, } = 0,0002623’
Na « 3, } = 0,0002619’°’ und im Mittel
Na co, 4 —= 0,00026227° — 0,0005918mm,
Für die blaue Strontiumlinie
Sr d 1,4 = 0,0002056’‘
Sr d2, 2 = 0,0002048° und im Mittel
"Sr d, 7 — 0,0002052” — 0,0004631 mm,
Für die grüne Thalliumlinie:
Th « 1, A = 0,000237088°
Th « 2, A = 0,000236838°
Th o, ı — 0,00023696” — 0,0005348mm,
(Verhdign. der Freiburger Ges. 1863. — Pyy. CXVIN, 641) W. W.
458
Mascart, Wellenlänge der Linie A. '— Nach Kirchhoff
fällt die Linie A des Sonnenspecetrums zusammen mit der wenigst
abgelenkten hellen Linie der Kalisalze. M, verflüchtigte Chlorkalium
im Geblässe von Leuchtgas und Sauerstoff und bestimmte mittelst ei-
nes Gitters die Wellenlänge der Linie A des Sonnenspectrums zu
4 — 0,000708mm gegenüber der aus Cauchy’s Dispersionsgesetze her-
geleiteten Zahl 0,000750mm. — (Compt. rend. LVI 138. — Poggendorff
CXVI, 367.) W. W.
Ringer, S.,, über die Aenderung der Tonhöhe bei &ei-
tung von Tönen durch verchiedene Medien. — Eine Stimm-
gabel, erst dich an das Ohr gehalten und ausser Berührung mit ei-
nem resonirenden Körper, dann auf einen solchen gestellt und in ei-
niger Entfernung durch die Substanz desselben hindurch behorcht,
lässt verschieden hohe Töne wahrnehmen. Tannenholz vertieft dem-
nach den Ton am meisten, und zwar soll die Vertiefung mit der Po-
rösität des Holzes und der Entfernung wachsen. Glas und Elfenbein
erhöhen ihn mit gleichzeitiger Schwächung. Wasser erhöht den Ton
proportional der Entfernung; ebenso Alkohol und Aether, mehr noch
Wasser, in welchem schwefelsaurer Baryt suspendirt war. Die Er-
höhung soll mit der Abnahme des spec. Gewichts wachsen. Atmo-
sphärische Luft soll den Ton erhöhen proportional der Entfernung.
Die Erhöhung des Tones, welche R. durch Interferenz zu erklären
sucht, soll proportional der Schwierigkeit sein, mit welcher die Kör-
per die Schwingungen aufnahmen und fortleiten. Nach Dr. Scott Ali.
son ist Eisen der schlechteste Leiter und hebt die Tonhöhe am mei-
sten. — (Proceed. ofthe R. S. vol. X, 276; — Poggdff. OXVIII, 686.)
Ww. w.
Chemie. Theoretische. Fr. Briegleb und A. Geuther,
über Stickstoffverbindungen. — Während man gewöhnlich den
Stickstoff als das indifferenteste Element bezeichnet, ist es im Stande
bei erhöhter Temperatur direct mit einigen Metallen sich zu verbinden,
wie z. B. mit Bor, Chrom, Magnesium, Eisen etc. Die Verbindung
NMe; wurde durch Ueberleiten reinen getrockneten Stickgases über
starkglühende Magnesiumfeile dargestellt. Die Verbindung ist fast
rein gelb gefärbt und wird durch Salzsäure in Chlormagnesium und
Chlorammonium zersetzt. Phosphorsuperchlorid bildet damit Chlor-
magnesium und Phosphorstickstoff 3PCOI--5NMg? — 15MgCl+-P3N35,
(Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXIII, pag. 221.) Swt.
C. Bödeker, über Darstellung der Wismuthsäure. —
Wenn man eine Lösung von Cyankalium mit einer concentrirten Lösung
von Cyankalium im Deberschuss versetzt, so scheidet sich ein dunkel-
braunes Puiver ab, das etwas heller als Bleisuperoxyd ist, und die
darüberstehende Flüssigkeit ist dunkelbraunroth gefärbt. Der Nieder-
schlag besteht nach vollkommenem Auswaschen aus BiO® + 2HO,
verliert aber beim Trocknen bei 150°C. schon einen Theil seines Hy-
dratwassers. — (Ann. d. Chem. und Pharm. CXXII, p. 61.) Swt,
459
Fleury, Umwandlung des Harnstoffs in Rhodanammo-
nium wurde dadurch herbeigeführt, dass man Harnstoff mit Schwefel-
kohlenstoff und absolutem Alkohol in einem zugeschmolzenen Rohre
36 Stunden auf 100°C. erwärmte.
C2H+N202 + 0S2 = CO? -+- C2H*N?S2.
(Compt. rend. LIV, 519.) Swt.
A. Graham, über Transpiration von Flüssigkeiten.
— Es scheint, als ob der Durchgang tropfbarer Flüssigkeiten durch
ein Capillarrohr, analog der Diffussion der Gase, in: engstem Zusam-
menhang mit der chemischen Constitution stehe. Gr. construirte sich
zu diesen Untersuchungen einen einfachen Apparat. Es zeigte sich,
dass die Transpiration ein genaues Hülfsmittel bietet, Verbindungen
nach bestimmten Verhältnissen zu erkennen. So sind z. B. die Hy-
drate mit Constitutionswasser SHO* + HO, C?H?0* + 2HO, NHO%
+ 3HO und C2H#02 + 6HO durch Maxima in den Transpirations-
zeiten ausgezeichnet. — (Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXII, 90.) Swt.
A. Geuther, über Einwirkung von Phosphorchlorid
auf einbasische organische Säuren. — Die Untersuchung hat
den Zweck, die Annahme Gerhardt’s zu widerlegen, dass das Phos-
phoroxychlorid das Chlorid der dreibasischen Phosphorsäure sei. G.
beweist, dass die chem. Zersetzung nicht nach der Formel
3(NaO.C*H30:) + PO2,Cl3 — 3(€:H302.Cl) + Na0O;.PO®
vor sich gehe, sondern nach der Formel
3(Na0.C+H302) + PO2.C1® — C*H?02.C1-+ 2C?H303 + 2NaCl1-+ NaO.PO5
dass mithin nicht gewöbnliches phosphorsaures, sondern metaphos-
phorsaures Natron entstehe. Hieraus erklärt sich, dass man bei der
Zersetzung sehr wenig Chloracetyl und viel Essigsäureanhydrid er-
hält. Bei Einwirkung des Oxychlorids auf essigsauren Baryt wurde
ebenfalls metaphosphorsaurer Baryt erhalten. Anders dagegen ver-
hielt sich Aetzbaryt; denn es wurde bei Anwendung von 3 Mest.
Phosphoroxychlorid und 1 Mgt. Aetzbaryt nur circa die Hälfte des
Chlorides zersetzt, obgleich noch unzersetzter Aetzbaryt vorhanden
war, G. hält daher an der ursprünglich für das Oxychlorid von H.
Rose aufgestellten Formel 3PC15.2PO5 fest. — (Ebda. p. 113.) Swt.
A. Geuther, Zersetzung des Chloroforms durch alko-
holische Kalilösung scheint den Beweis zu liefern, dass das Chloro-
form nicht als das Chlorid des dreiatomigen Radikals (C?H) aufzu-
fassen sei, sondern als C2C12.HCl. Zunächst trennt sich nach G. durch
Einfluss des Kalis die Salzsäure von dem dem Kohlenoxyd entspre-
chenden Chlorkobhlenstoff, sodann wird dieser zersetzt und Kohlenoxyd
gebildet, welches, wenn es genügend Kali findet, durch Vereinigung
mit Wasser in Ameisensäure übergeht, wo nicht, so entweicht es als
Gas. — (Ebenda pag. 122.) Sit.
A. Husemann, über Rhodanammonium und einige
Harnstoffe. — Ausgehend von der Idee, dass das Rhodanammonium
isomer mit dem problematischen Sulfocarbamid sein müsse, suchte H.
letzteres auf verschiedenen Wegen darzustellen, ohne jedoch zum
460
Ziele zu gelangen, Br. fand aber bei seinen Versuchen eine leichtere
Methode den Sulfokohlensäureäthyläther leicht darzustellen. Es wird
zuerst Natriumsulfocarbonat in der Weise dargestellt, dass man in
käufliche concentrirte Natronlauge Schwefelwasserstoff bis zur Sätti-
gung einleitet, die gleiche. Menge Natronlauge hinzugiesst und zu der
eoncentrirten Lösung von Natriumsulfuret die entsprechende Menge
Schwefelkohlenstoff zufügt. Auf Zusatz von Alkohol oder Aetheral-
kohol wird sofort Natriumsulfocarbonat als dicke rothe Flüssigkeit ab-
geschieden. Nachdem dieselbe von der darüberstehenden Flüssigkeit
befreit ist, wird sie in einem Kolben mit lang aufsteigenden Glas-
rohr mit der dreifachen Menge Alkohol und Jodaethyl so lange ge-
schüttelt bis die Reaction beendet ist; der gebildete Sulfokohlensäure-
äther wird darauf mit Wasser abgeschieden über Chlorcalecium ge-
trocknet und destillirt. Der Aether siedet bei 240°C. Mit Ammoniak
zersetzt er sich in Aethylmercaptan und Rhodanammonium, ohne dass
sich ' gleichzeitig Sulfocarbamid bildet. Anilin liefert in ähnlicher
Weise neben Aethylmercaptan Diphenylsulfocarbamid. — (Amnal. d.
Chem. w. Pharm. OXXII, 64.) Swt.
A. Husemann, über Aethylsulfocarbonat. — Nach
kurzem Schütteln einer Mischung von Natriumsulfocarbonat und Ae-
thylenbromür oder Chlorür, wobei die Mischung in wallendes Sieden
geräth, zeigt sich am Boden des Kolbens eine schwere, ölige, gold-
gelbe Flüssigkeit, die nach der Befreiung von der darüber stehenden
Flüssigkeit und Waschen mit Wasser, in Aetheralkahol gelöst und der
freiwilligen Verdunstung überlassen wird. Es bilden sich schön gelbe
Krystalle, die bei 36,50 C schmelzen, und wie es scheint nicht ohne
Zersetzung destillirt werden können. Sie bestehen aus Aethylensul-
focarbonat und bilden sich nach der Formel:
CS, ci Ha z C2 S, y
N? St 1 Bra NL
das spec. Gew. wurde gleich 1,4768 bestimmt. Ammoniak liefert da-
mit Rhodanammonium und Elaylsulfür. Chlor und Salpetersäure be-
wirken starke Erhitzung und tiefer greifende noch nicht genau stu-
dirte Zersetzungen. — (Ebenda pag. 83.) Sut.
Ed. Linnemann, Bildung des Mannits aus Zucker. —
Gewöhnlichen Rohrzucker durch Wasserstoff in statu nasc. in Mannit
überzuführen war bisher nicht gelungen, da man saure Lösungen an-
gewendet hatte und auch ausserdem den Rohrzucker nicht durch vor-
herige Einwirkung verdünnter Schwefelsäure modifieirt hatte. L. be-
nutzt die von der Säure befreite modifiecirte Zuckerlösung zur Um-
wandlung in Mannit mittelst Natriumamalgam. Nach vollendeter Ein-
wirkung wird die alkalische Flüssigkeit mit Schwefelsäure abgestumpft
und der Ueberschuss der Säure durch Kalkmilch fortgenommen, worauf
die grösste Menge des schwefelsauren Salzes nach dem Eindampfen
durch Krystallisation und Zusatz von Alkohol abgeschieden wird. Aus
461
der zum Syrup verdickten Flüssigkeit krystallisirt dann der Mannit
nach längerem Stehenlassen heraus. — (Ebenda pay. 126.) Swt.
R. Rieth und Beilstein, über Darstellung von Zink-
äthyl. Man bereitet zunächst eine Legirung aus 4 Th. Zink und 1
Th. Natrium dadurch, dass man letzteres in das bis zur lebhaften De-
stillation in einem hessischen Tiegel erhitzte Zink einträgt. Nach
dem Erkalten wird die Legirung gepulvert in verschlossenen Flaschen
aufgehoben. 1 Th. derselben wird mit 11/; Th. Jodäthyl in einem
Kolben übergossen, der durch einen doppelt durchbohrten Korke ver-
schlossen werden kann; durch die eine Oeffnung wird das Kohlen-
säurezuleitungsrohr eingeführt, durch die andre die Röhre eines auf-
steigenden Kühlapparates. Nach Beendigung der Reaction wird der
Kühlapparat umgekehrt angebracht, und das gebildete Zinkäthyl im
Kohlensäurestrome abdestillirt. — (Ebenda pag. 245.) Smwt.
Stenhouse, über Larixinsäure — Dieser Stoff präexistirt
in der Rinde der jüngern Lerchenbäume, die ein Alter von 20—30
Jahren noch nicht überschritten haben und kann daraus durch Extrac-
tion mit Wasser erhalten werden. Die Säure ist mit den Wasserdäm-
pfen flüchtig, da sie schon in. wasserfreiem Zustande bei 93° C subli-
mirt. Der Geruch der wässerigen Lösung ist etwas süsslich, der Ge-
schmack bitter und adstringirend. Sie ist in kaltem Wasser schwer,
in heissem Wasser leicht löslich und scheidet sich aus der heiss con-
centrirten Lösung oft in 1—2 Zoll langen Krystallen aus... St. giebt
ihr die Formel C3,HıoO10. Sie wird durch Bleizucker und Bleiessig
nicht gefällt und reducirt alkalische Kupferlösung nicht. Eisenoxyd-
salze werden durch sie schön purpurroth gefärbt, — (pag. 191.) Smt,
Th. Werthheim, über Coniin. -— Nach W. liegt der Sie-
depunkt des reinen Coniins bei 163,5°C. Wird in dasselbe ein Strom
von salpetriger Säure bis zur Sättigung eingeleitet, so findet eine be-
trächtliche Volumvermehrung statt, indem sich ein Molekul Coniin mit
1 Mol. salpetriger Säure verbindet. Wird das Product in Wasser ge-
bracht, so scheidet sich ein ölartiger gelber Körper ab, der indiffe-
rent ist, aber ebenso heftige giftige Wirkung ausübt, wie das Coniin
selbst, nur tritt der Tod etwas später ein. Der neue Körper siedet
bei 140° C. unzersetzt und bildet sich nach der Gleichung € H,;N.
N,0+H,90—=6;Hs N; -HNH0,. W. bezeichnet ihn als Azocony-
drin, indem er annimmt, dass ein Atom H des Conydrins &gH„,N&
durch N ersetzt sei. Durch Einwirkung wasserfreier Phosphorsäure
stellt er ferner einen von ihm Conylen genannten Kohlenwasserstoff
dar Hs 9 -+P,90; = 6;Hıa +2 N-+-P29;. H,9; so dass demnach
Ca Hu
H
dem Coniin die Formel N zukommen würde. Dieser Kohlen-
wasserstoff verbindet sich direkt mit 2 Atomen Brom, aus welcher
Verbindung durch Destillation über Kalihydrat ein bei 140 —1500C,
siedender Körper erhalten wird, den W. Conylenoxyd nennt =&€3H,4®.
Dasselbe riecht wie das Conylen widerlich senfartig. (p. 157.) Swt.
462
Wurtz, über Bildung des Alkohols aus Aldehyd. —
Diese Bildung gelingt leicht bei Anwendung von Natriumamalgam,
während sie in saurer Flüssigkeit nicht stattfindet. Somit entsteht
aus den beiden isomeren Körpern Aethylenoxyd und Aldehyd durch
Wasserstoff im Entstehungsmomente unter denselben Bedingungen,
d. h. bei Behandlung mit Natriumamalgam derselbe Körper, nämlich
gewöhnlicher Aethylalkohol. — (Compt. rend. LIV, 915.) Swt.
Zwenger u. Dronke, über das Rutin. — Von diesemsowohl
in der Gartenraute als auch in den Kappern enthaltenen Stoff weisen
die Verff. nach, dass es ein Glucosid, aber weder mit dem Quer-
citin noch Robinin identisch sei, wie von andrer Seite behauptet wor-
den war, wiewohl auch aus dem Rutir bei der Spaltung Quercetin
neben Zucker erhalten werde. Im chemischen Verhalten stehen sich
Rutin und Quereitrin ziemlich nahe, unterscheiden sich aber in ih-
rem physikalischen Verhalten; das umgekehrte Verhältniss findet
zwischen Rutin und Robinin statt. Die Formeln der drei Körper
stehen unter einander in einem sehr einfachen Verhältniss, und zei-
gen, dass der wesentliche Unterschied nur in den verschiedenen Koh-
lenhydraten liegt, die mit dem Quercetin verbunden sind:
Quereitrin Ca Hin O12 — CoHs Os + 6 ag.
Rutin Ca; Hı10 012 En 2C3H909g + 5 aq.
Robinin Ca Hıo O12 + 2C72B1n0010 + 11 ag.
(Annalen der Chemie und Pharm. CXXIII, 145.) St.
N. Zinin, über Hydrobenzoin. — Man löse, um dasselbe
darzustellen 4 Th. reines blausäurefreies Bittermandelöl in 6 Th. Al-
kohol von 85 pC. auf, und setze dazu 4 Th. Alkohol die vorher mit
Salzsäuregas gesättigt sind, worauf man in das Gemisch 1 Th. fein-
gekörntes Zink allmälig einträgt. Das Gemisch erhitzt sich stark und
nimmt ein gelbes bis grüngelbes Aussehen an, ohne dass sich Was-
serstoffgas entwickelt. Nach Beendigung der Reaction wird die drei-
bis vierfache Quantität Wasser von der des angewandten Bitterman-
delöles zugesetzt, wodurch sich ein Öölartiger Körper abscheidet der
beim Erkalten krystallinisch erstarrt. Man löst ihn zuerst in Aether
und krystallisirt ihn nach der Verdunstung desselben aus Alkohol um.
Krystallform: rhombische Tafeln. Das Hydrobenzoin ist farblos,
schmilzt bei 130° zu einer schwach gelblichen Flüssigkeit und siedet
über 300° C, unter theilweiser Zersetzung. Es bildet sich ‚dieser
Körper nach der Gleichung 26,H;9 + 2H —= £1H120. Von al-
koholischer Kalilösung wird das Hydrobenzoin nicht verändert. —
(Ebenda p. 123.) Sut.
Praktische. ©. Bischoff, über relative Schmelzbarkeit
verschiedener Silikate. — Bei Rothgluth schmelzen weder Ei-
sen-, noch Caleium-, Magnesium- und Aluminiumsilikate; bei der Tem-
peratur des schmelzenden Roheisens schmilzt SiO3,3FeO vollkommen,
während 2Si03.3FeO nur erweicht; bei Stahlschmelzhitze erweichen
die Silikate 3Ca0,2SiQ03 in Fluss kommt, jedoch weniger vollkommen
als. FeO.8i0?. Die Schmelzpunkte der andern Silikate liegen etwas
465
höher und zwar in folgender Reihe: Al20?.38i0?, Al203.2Si03,
Mg0.Si0?, A®O3.8Si03, 3MgO0.28i0®% 3MgO,SiO?% Es sind daher
die Magnesiumsilikate die am schwersten schmelzbaren; und es er-
gibt sich aus B.’s Versuchen, dass die Schmelzbarkeit der Eisensili-
kate wächst mit dem Eisengehalt, und die der Magnesium-, Caleium-
und Aluminiumsilikate abnimmt in dem Verhältniss als sich der Si-
lieiumgehalt verringert. — (Polyt. Centrbl. 1863, 279.) St.
Davanne und Girand, über Sulfocyanammonium. —
Dieses Salz empfehlen die Verff. an Stelle des bisher gebräuchlichen
unterschwefligsauren Natrons zur Fixirung der photographischen Bil-
der, weil es das unzersetzte Chlorsilber besser aus den Eiweiss- resp.
Collodiumschichten entfernen soll. — (Rep. de chim. applig. 1863. 115.)
Swt.
Delaune, über Anwendung des Baryts bei der Me-
lassenreinigung. — Die von Dubrunfaut vorgeschlagene Methode
zur Reinigung der frischen Zuckersäfte und besonders der Melassen
mittelst Aetzbaryt an Stelle des Aetzkalk wurde wenig benutzt, weil
man die Giftigkeit des Baryts fürchtete und andererseits der Aetz-
baryt zu theuer war. D. gibt ein Verfahren zur Darstellung von
Aetzbaryt aus dem natürlich vorkommenden kohlensauren Baryt. Man
pulverisirt den Witherit, mischt das Pulver mit feinem Kohlenpulver
und caleinirt. Das erhaltene Produkt wird noch heiss mit Wasser
ausgelaugt und liefert eine 30-32°B. starke Lösung von Barythydrat,
welche man der auf 70—80°0C. erwärmten Melasse zugibt, wodurch
sich unlösliches Barytsaecharat abscheidet. Die von diesem Nieder-
schlage abfiltrirte Flüssigkeit wird auf Pottasche verarbeitet. Der
Zuckerbaryt wird mehrfach mit Wasser gewaschen, und mit Kohlen-
säure zersetzt; die Zuckerlösung vom gebildeten Barytcarbonat durch
Filtration und Auspressen geschieden, und, wenn nöthig, die Opera-
tion noch einmal wiederholt. Sollten die Zuckerlösungen ein wenig
Baryt enthalten, so werden sie mit Schwefelsäure schwach angesäuert,
der Ueberschuss der Säure durch Kalkmilch abgestumpft und nun
durch Filter von 12 Fuss Höhe und 3 Fuss Durchmesser filtrirt. Die
erhaltene Melasse wird dann auf 35--36°0B. verdampft und durch die
gewöhnlichen Kohlenfilter geschickt. Der bei der Operation erhaltene
kohlensaure Baryt kann nach der oben angegebenen Methode wieder
in Aetzbaryt übergeführt werden. — (Polyt. Oentrbl. 1863. 286.) Swt.
Ueber Bereitung des Knochenmehles. — Vor der Ue-
berführung der Knochen in Mehl unter vertical gehenden Mühlsteinen
ist es vortheilhaft dieselben zu entfetten. Man gibt zu dem Ende
ca. 10 Centner in ceylindrische aus Eisenblech gefertige Kessel von
6 Fuss Länge und 3 Fuss Durchmesser, welche mit einem falschen
durchlöcherten Boden versehen sind und von unten erhitzt werden
können. Es wird soviel Wasser in den Cylinder gegossen, dass das-
selbe einige Zoll über dem falschen Boden steht, worauf 24 Stunden
gefeuert wird, so dass die Spannung innerhalb des Cylinders !/, At-
mosphäre beträgt. Nach Oeffnung des Bicherheitsventils und Ablas-
464
sung des Wassers wird durch das Mannloch die gedämpfte Knochen-
masse noch warm herausgenommen und mit einem hölzernen Hammer
gröblich zerschlagen, was nach dem Erkalten nicht mehr gelingt.
Durch das Dämpfen haben die Knochen circa 10 pCt. an Fettmasse
und einer geringen Menge Stickstoffhaltiger Proteinsubstanz verloren.
Das Fett kann zur Seifenfabrikation verwandt werden, das abgelas-
sene Wasser zur Wiesenberieselung. Die gedämpften Knochen sind
trotz des Verlustes an Stickstoffhaltiger Substanz (ca. 5—8 pC. des
gesammten Stickstoffgehaltes) zur Düngung brauchbarer als vorher,
denn die fettfreien Knochen leisten der Einwirkung der Bodenfeuch-
tigkeit und Kohlensäure nicht so starken Widerstand als die fetthal-
tigen. Es wurde nachgewiesen, dass innerhalb 4 Jahren von den
fetthaltigen Knochen nur 8 pC., von den feitfreien 25—30 pC. auf-
gelöst worden waren. — (Polyt. Oentrbl. 1863. 178.) Swt.
F. Luchs, über Collodiumbereitung. — Es wird in eine
Mischung von 20 Thl. Schwefelsäurehydrat und 9 Thl. Kalisalpeter,
nachdem dieselbe 10 Minuten gestanden und öfters mit einem Holz-
spatel umgerührt ist, ein Theil Baumwolle in Ei- bis Faustgrossen
lockeren Mengen eingetragen und jedesmal gut durchgerührt. Im
Sommer genügt eine 10 Minuten dauernde Einwirkung, während im
Winter längere Zeit erforderlich ist, um eine vollkommen in Aether-
Alkohol lösliche Schiessbaumwolle zu erhalten, wenn man es nicht
vorzieht, die Säuremischung im Wasserbade zu erwärmen. Sollten
sich hiebei grössere Mengen salpetrigsaurer Dämpfe entwickeln, so
kann man deren Bildung durch Zusatz concentrirter Schwefelsäure
vorbeugen. Um zu prüfen, ob die Umwandlung schon vollkommen
eingetreten sei, schlägt L. vor, eine Probe herauszunehmen, mit
Wasser zu waschen und auszupressen und sogleich in eine Mischung
von 2 Th. Aether und 1 Th. Alkohol zu bringen. Erfolgt vollkom-
mene Lösung, so wird wie gewöhnlich die gebildete Collodiumwolle
mit Wasser gewaschen, dann aber 24 Stunden in Alkohol gelegt.
Nach der Entfernung des Alkohols durch Auspressen ist die Wolle
vollkommen weiss, und löst sich ohne Rückstand in einer Mischung
von 2 Th. Alkohol und 15— 20 Th. wasserfreiem Aether. — (Polyt.
Centralblatt 1863. 270.) Swt.
Scehur, über Fabrikation von Milchglas. — An Stelle
des bisherigen Zusatzes von Knochenasche zum Glassatze schlägt
Schur Guanoasche vor, weil sie bedeutend reicher an Kalkphosphat
ist als käufliches Knochenmehl. Trotz des Verlustes, den der Guano
beim Caleiniren erfährt (ca. 20—25 pC.) ist diese Asche billiger als
die der Knochen. Das erhaltene Milchglas aus folgender Mischung:
Quarzpulver 180 Mennige 20
Pottasche 70 Guanoasche 60
Kochsalz 18 Pyrolusit 0,5
Salpeter 6 Borax 3
soll ein fehlerfreies Glas ohne Blasen und von vollkommener Weisse
liefern. — (Polyt. Centrbl. 1863. 250.) Swt.
465
Geologie. Fr. Römer, überdie geognostischen Ver-
hältnisse der Umgegend von Konstantinopel betreffende
Beobachtungen. — Konstantinopel mit seinen Vorstädten Pera und
Scutari steht auf dunkelm Thonschiefer und Grauwackesandsteinen,
denen mehr oder minder mächtige Lager von dunkelgrauem, durch
dünne Thonschiefer - Lamellen nierenförmig abgesonderten, dichten
Kalkstein untergeordnet sind.. Am nördlichen Ausgange von Pera
sieht man die Schiefer - und Sandsteine in einer nach dem Bosporus
sich hinabziehenden Schlucht deutlich anstehen. Eben so an vielen
Stellen am Meeresufer bei Scutari. Auch auf der ganzen Strecke von
Pera bis zu den im Walde von Belgrad, 2!/, Meilen nordwärts von
Konstantinopel gelegenen Bassins für die Wasserleitung, wurden an
zahlreichen Aufschlusspunkten ausschliesslich solche Schichten ange-
troffen. Noch deutlicher und zahlreicher sind die Aufschlusspunkte
längs des Bosporus. Hier sieht- man namentlich auch die nierenför-
mig abgesonderten Kalkstseine in mehreren Steinbrüchen aufgeschlos-
sen. So namentlich bei Therapia und in dem kleinen bei Istenia aus-
mündenden Thale. Kalksteine dieser Art liefern auch das Material
für das wegen seiner Schlechtigkeit berüchtigte Pflaster von Konstan-
tinopel. Die Schichtenstellung ist durchgängig eine steile, aber sonst
sehr wechselnde. Die ganze, augenscheinlich ein einziges zusammen
gehöriges Schichtensystem bildende Reihenfolge von Thonschiefer,
Sandsteinen und Kalksteinen ist wellenförmig gebogen und aufge-
wühlt. Das Streichen der Schichten ist überall von SW. gegen NO,
Das 3 Meilen lange Thal des Bosporus ist also ein Querthal wie das
Rheinthal zwischen Bingen und Koblenz, an welches es auch durch
ähnliche Form und Höhe der Thalgehänge, durch die übereinstimmende
Beschaffenheit der geognostischen Zusammensetzung und durch den
dicht gedrängten Anbau der Ufer mit Ortschaften und Landhäusern
erinnert, wenngleich freilich die an den schmalsten Stellen 1000 Schritt
betragende Breite des Bosporus diejenige des Rheins mehrfach über-
trifft. Die Altersstellung dieser Schichten bei Konstantinopel betref-
fend, so ist schon seit längerer Zeit durch Dumont, Tschihatschef und
Andere deren devonische Natur richtig erkannt worden. Dagegen ist
ihre nähere Stellung innerhalb der devonischen Gruppe bisher nicht
genügend ermittelt. Tschihatschef (Bullet. soc. geol. de France, 2eme
Ser. XI, 41) erklärt sie für unterdevonisch und stellt sie der Grau-
wacke von Koblenz gleich. Allein die petrographische Beschaffenheit
der nierenförmig abgesonderten Kalksteinschichten stimmt so voll-
ständig und schlagend mit derjenigen der ober-devonischen, Goniati-
ten und Clymenien führenden Nierenkalke in Deutschland überein,
dass ein gleiches Alter mit diesen letzteren durchaus wahrscheinlich
ist. Die bisher beobachteten organischen Einschlüsse, welche als
Steinkerne und Abdrücke in zersetzten und durch Eisenoxydhydrat
braun gefärbten Thonschiefer an mehreren Stellen am Bosporus vor-
kommen, stehen dieser Deutung nicht entgegen und weisen in jedem
Falle mehr auf die obere, als auf die untere Abtheilung der devoni-
XXL 1863, Sl
466
schen Gruppe hin. Das von Tschihatschef namentlich als beweisend
für die Altersgleichheit mit der älteren rheinischen Grauwacke auf-
geführte vermeintliche Pleurodietyum ist eine specifisch verschiedene
Art der Gattung, und kann daher nicht zur Begründung jenes höhe-
ren Alters dienen. — (Schlesische Verhandlunyen.)
Heymann, über geschlosseneHohlräumein den Fel-
sen. — Es ist eine bekannte Thatsache, dass gerade die Hohlräume
in den verschiedensten Felsarten eine reiche Fundstätte der schönsten
Krystalle bieten, und eine vielfach anerkannte Behauptung, dass die
meisten der darin sich findenden Mineralien Auskrystallisationen durch-
sickernder Wasser sind. Nicht unwichtig dürfte es daher sein, die
Entstehung dieser Räume etwas näher zu beleuchten, zumal dieselbe
auf verschiedenen Wegen von Statten zu gehen scheint, deren Grän-
zen möglichst scharf getrennt werden sollten. Wir finden in Sedi-
mentärschichten, z. B. im Kohlenkalk von Ratingen und Lintorf, meist
in der Nähe der liegenden Schieferschichten, kleinere und grössere
vollständig geschlossene Hohlräume, deren Wandungen mit schönen
Quarz-Krystallen bekleidet sind, häufig auch wechsellagernd mit Braun-
spath und Spatheisenstein, auf welchem Krystalle von Binarkies, Blei-
glanz und Blende sich ausgeschieden haben. Diese Hohlräume, welche
als solche bei der horizontalen Ablagerung der Kalkschicht aus
dem Kohlenmeere nicht ursprünglich sich bilden konnten, sondern nach
der Hebung und steilen Aufrichtung der Schichten entstanden sein
werden, mögen ihren Ursprung nur Auswaschungen verdanken, welche
durch die steile Schichtenstellung ermöglicht, jedenfalls erleichtert
wurden. Die frühere Ausfüllungsmasse dieser Räume war höchst
wahrscheinlich Gyps, und spricht dafür nicht nur die äussere Form
der kleineren dieser Räume, welche man auf die Umrisse eines Gyps-
krystalls zurückführen kann, sondern auch die Bildung der Schwefel-
metalle in diesen Drusenräumen und zahlreicher grösserer Vorkom-
men von Schwefelmetallen, besonders Binarkies und Bleiglanz an der
Gränze von Kohlenkalk und Alaunschiefer, von denen einige Gegen-
stand bergmännischer Gewinnung bilden, welche wohl hier durch die
Zersetzung des Gypses bedingt gewesen ist. Dass grössere Gyps-
partieen im älteren Gebirge der Rheinlande fehlen, darf nicht als Ge-
gengrund betrachtet werden, weil wir wissen, dass im Kohlenkalke
und sogar in den obersilurischen Bildungen Nordamerica’s Gyps reich-
lich auftritt und selbst Steinsalz - Lagerstätten in demselben vorkom-
men. Gyps wird in dem älteren rheinischen Sedimentgebirge wohl
auch früher vorhanden gewesen sein, er ist jedoch ausgewaschen, und
nur einzelne grössere Höhlen, wie in Westphalen und im Bergischen,
zeigen uns noch die Räume an, in welchen einst Gypskörper sich be-
fanden. — Wir sind aber auch nicht genöthigt, anzunehmen, dass die
Gypsmassen, welche zur Bildung dieser Drusenräume Veranlassung
gaben, ursprünglich sich gleichzeitig mit Kalkschlamm in dieser
Gruppirung niedergeschlagen haben, vielmehr möchte man behaupten,
dass in selbiger Weise, wie noch heute unter unseren Augen sich
467
Gypskrystalle und deren Gruppen in Ablagerungen von tertiärem
Thon und Mergel bilden und, noch fortwährend sich vergrössernd,
unter Zurückdrücken der umgebenden Masse fortwachsen, auch die
angenommenen Gypsgruppen im Kohlenkalk von Lintorf und Ratin-
gen sich erst später in dem Kalkschlamme ausgebildet haben. Für ei-
nen solchen analogen, geschlossenen Hohlraum in den Felsen, welcher
durch Auslaugung von Mineralien entstanden ist, schlägt Verfasser vor,
den Namen Drusenraum festzuhalten und rechnet hierhin die mei-
sten dieser Räume in den Erzgängen und den körnigen krystallini-
schen Gesteinen. Eine zweite Art von geschlossenen Hohlräumen
findet sich mehr in Mineralmassen, welche sich in einer Schichtenlage
abgesondert haben, als in einer Schichtenlage selbst, und können als
Beispiel die Thoneisenstein-Nieren im tertiären Thon etc., so wie die
sogenannten Septarien, Kalkeoncretionen in Mergel- und Thonlagen,
Cölestinkugeln und manche andere Vorkommen gelten. Ueber die
Entstehnng der Thoneisenstein-Nieren und der Hohlräume in densel-
ben hat Verfasser schon früher, bei einer General- Versammlung des
naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande und Westpha-
len in Bonn, eingehend referirt und die Behauptung aufgestellt, dass
die Hauptursache dieser Schalen- und Hohlraumbildung die Austrock-
nung und Zusammenziehung der weniger dichten, weichen Masse zu
festern, dichten Schalen sei, wodurch unter Beibehaltnng des frü-
heren Umfanges, wenn auch kaum jemals genau derselben Form, Hohl-
räume im Inneren dieser Massen gewiss entstehen müssen. Noch vor
wenigen Wochen hatte derselbe gerade Gelegenheit, bei Befahrung der
Thoneisenstein-Grube Engelbertsglück unweit Niederpleis, dem Herrn
Gustav Bleibtreu in Beuel gehörend, ein mächtiges Thoneisen-
stein - Vorkommen zu beobachten, welches von den tiefer gelege-
nen Stellen an nach dem Ausgehenden zu von einem lagerartigen
Sphärosiderit- Vorkommen allmählich in ein sphäroidisches und dann
in ein nierenartiges Thoneisenstein - Vorkommen übergäng. Die
Sphäroide waren von einer festen Schale zusammengehalten, von der
radial zahlreiche Spalten dem Mittelpunkte zustrahlten, wieder durch-
quert von vielen concentrischen Klüften. Das Innere dieser Sphäroide
ist meistens ganz hohl und häufig mit Wasser ausgefüllt. Tritt zur
Austrocknung und Verdichtung der Sphärosiderit-Masse noch die
Umwandlung des kohlensauren Eisenoxyduls in Eisenoxyd oder Eisen-
oxydhydrat, so bildet sich durch weitere Ablösung von Umwandlungs-
schalen die Thoneisenstein-Niere aus. — Wenig verschieden von die-
ser Entstehungsweise bilden sich die analogen Mergelkalk-Concretio-
nen, deren Hohlräume häufig mit Krystallen von Braunspath, Dolomit,
Arragonit, Cölestin, Schwefelkies etc. bekleidet sind. Für einen solch«
artig entstandenen geschlossenen Hohlraum möchte sich der Name
Contractions-Hohlraum empfehlen. Eine dritte Art von ge-
schlossenen Hohlräumen bieten nun die durch aufsteigende Gase
(Wasserdampf) in ehemals flüssigen oder doch weichen Felsmassen
veranlassten, so genannten Blasenräume in Laven, Schlacken und
31*
468
Absätzen heisser Quellen dar, welche Gesteinsmassen noch längere
Zeit beweglich genug blieben, um die mechanisch beigemengten Gase
sich zu einzelnen Blasen sammeln zu lassen, jedoch nicht mehr den-
selben gestatteten, die Oberfläche zu erreichen. In den Sprudelstei-
nen, welche im verflossenen Jahre unweit Karlsbad bei Fundamenti-
rungen zu Tage kamen, finden sich theils geschlossene Blasen, theils
röhrenförmige, oben offene Schläuche, letztere die Wege ;anzeigend,
auf welchen die eingeschlossenen Gase aus einzelnen Blasenräumen
entwichen sind. Beobachtet man die Blasenräume in einer wirklichen
Lava oder Schlacke im Laacher See-Gebiete, z. B. am Kunkskof, so
sieht man leicht, dass, wo die Blasenräume in ihren bizarren Formen
deutlich entwickelt, die Wandungen derselben sehr dünn sind, wo
hingegen das Gestein körniger, krystallinischer wird, die Blasenräume
fast ganz zurücktreten und sich auf sehr flache, spaltenartige Höh-
lungen beschränken. Auch findet man nirgendwo in diesem Gebiete,
trotzdem manche poröse Laven an der Oberfläche der Zersetzung
sehr unterlagen, deren Blasenräume mit so genannten Mandeln von
Kalkspath und Kieselerde-Mineralien ausgefüllt, sondern wenn solche
Mineralien sich vorfinden, incrustiren sie offene Klüfte, während die
poröse Lava bei dieser Zersetzung ganz zu Grunde geht und eine
tuffartige Masse zurückbleibt. Wenn jedoch, wie dieses an dem ba-
saltartigen Gesteine am Rauchloch bei Obercassel und am zersetzten
Basalt vom Unkeler Steinbruche zu beobachten ist, die Augit- und
anderen Einschlüsse sich zuerst zersetzen, so entsteht durch Auslau-
gung des Zersetzungs - Productes ein löcheriger Zustand der Masse
unter Beibehaltung der äusseren Form. Vergleicht man, auf diese
Beobachtungen gestützt, die wirklichen Blasenräume in Laven etc.
mit solchen, welche man bisher zu den Blasenräumen rechnete, z. B.
den mit Amethyst, Calcedon und Jaspis ausgefüllten Räumen in den
Melaphyren, welehe man wegen deren häufiger Birn- oder Mandel-
form mit®lem Namen Achatmandeln bezeichnet, und berücksichtigt
dabei, dass man solche Mandelformen bei wirklichen Gasblasen-Räu-
men nicht im Mindesten vorwaltend findet, so drängt sich uns die
Ueberzeugung auf, dass man hier nicht Blasenräume, sondern Dru-
senräume vor sich hat, deren Räume vormals mit einem anderen
Mineral, Augit, ausgefüllt waren. An den Melaphyren des Fassatha-
les in Tyrol ist es leicht, die Ueberzeugung zu gewinnen, dass man-
delartige Massen von Grengesit und Delessit umgewandelte Augit-
Partien sind, und kommen dort auch deutliche Pseudomorphosen der
Art vor. Schonin einer früheren Sitzung der Gesellschaft hat Verfas-
ser nachgewiesen, dass Delessit meist aus Grengesit entsteht, so wie,
dass beide Mineralien auch in dieser Verknüpfung im Melaphyr des
Fischbachthales, im Nahe-Gebiete, auftreten. Bei Umwandlung des
Augits in genannte Mineralien wird besonders Kalkerde und Kiesel-
erde nebst einem Theile des Mangangehaltes fortgeführt, wodurch am
Orte der Wegführung Hohlräume in dem sich bildenden Grengesit
entstehen, an andern tiefer gelegenen Orten werden diese Stoffe
469
wieder zugeführt und bilden die Lagen von Kieselerde-Mineralien
und Kalkspath in den Drusenräumen. Die in dem Grengesit auf diese
Weise entstehenden Hohlräume bieten demselben die Möglichkeit dar,
sich zu krystallinischen Gruppen mit excentrisch strahligem Gefüge zu
constituiren, und dessen Umwandlung in Delessit veranlasst eine
Schalen -Absonderung dieser krystallinischen Concretion. Ferner be-
wirken die durchsickernden Wasser an dem oberen Ende der umge-
wandelten weichen Masse ein Abspülen, wodurch eine Schärfe wie an
einem Eiszapfen entsteht, während dieselbe Ursache am unteren Ende
eine Zurundung veranlasst. Auf diese Weise entsteht die so genannte
Mandelform der Achatknollen, welche Infiltrationen in solchen Gren-
gesit- oder Delessit-Mandeln sind. Wir finden daher auch fast immer
die Achatknollen mit Rinden von Delessit und Kalkspath, Producten
des zerstörten Augits, umgeben. Noch ist zu erwähnen, dass
schon Herr Nöggerath in seinem wichtigen Sendschreiben über
die Achatmandeln an den hochverdienten Haidinger in Wien (Mai
1849) die Thatsache anführt, dass die Achatmandeln im Mela-
phyr des Nahe-Gebietes nicht vorherrschend eine aufrechte Stellung,
mit der Spitze nach unten gekehrt, haben, wie dieses Leopold von
Buch annahm und als Beweis für deren Entstehung in Blasenräumen
hielt. Man kann noch hinzufügen, dass an vielen Stellen, z.B. an der
erwähnten, im Fischbachthale, nicht nur die von Leopold von Buch an-
genommene Stellung der Achatmandeln nicht vorherrscht, sondern eine
entgegengesetzte, mit der Spitze nach oben, dem abspülenden Was-
ser zugekehrt, zu beobachten ist, und reihen sich nicht selten die
Mandeln in parallelen Schnüren gerade in dieser Stellung an einan-
der. — Dürfte es demnach für die Achatmandeln und Hohlräume im
Melaphyr überhaupt feststehen, dass selbige Drusenräume seien,
so möchte dieses gewiss von vielen solchen Räumen in anderen kry-
stallinischen Felsarten zu behaupten sein, wie u. A. von den mit Cha-
basit und Natrolith bekleideten Hohlräumen im Phonolith Böhmens,
bei welchem auch Professor R. Blum in seiner Lithologie (1860) eine
solche Entstehungsweise andeutet. Selbst manche grössere Erz-Ver-
kommen, als so genannte Nester, Butzenwerke, stehende und liegende
Stöcke, dürften der Auswaschung eines leicht löslichen Minerals und
demnächstiger Infiltration von Erzen in diesem Drusenraume ihre
Entstehung verdanken. — (Rhein. Verhandigen März 3; Köln. Zeitg.
Nr. 150.)
G. Tschermak, die Diabase und Porphyre am Harz.
— Der eine grosse Spalte ausfüllende Diabas zwischen Osterode
und Klausthal zeigt keine scharfe Grenze gegen die umgebenden
grauwackenähnlichen Sandsteine und Schiefer, sondern geht allmählig
in dieselben über, so dass man ihm die eruptive Natur vollkommen
absprechen muss. Der feinkörnige Sandstein nimmt allmälig Kalkkü-
gelchen auf, die Schieferung verwischt sich, er wird zum Kalkdiabas,
der indess von Augit wenig sehen lässt. Zwischen dem Kalkdiabas
findet sich oft eine Zone von Brauneisenstein, welch letzterer deutliche
470
Spuren seiner Entstehung aus dem Kalkdiabas an sich trägt, indem
er löcherig ist. Dierundlichen Höhlungen aber entsprechen vollkom-
men der Form der Kalkspatkügelchen im Kalkdiabas. Der Uebergang
lässt sich oft verfolgen. Der Sandstein ist durch kalkführende Ge-
wässer in Kalkdiabas, später dieser durch eisenoxydhaltige Wasser
theilweise in Brauneisenstein umgewandelt worden, wobei der Kalk-
spath wieder weggeführt wurde. Bei andern augitreichen Diabas-
massen fand T. keine so vollständige Beobachtungsreihe, doch kann er
die eruptive Entstehung durchaus nicht zulassen. Da nun ähnliche
Grünsteine in manchen Uebergangsgebirgen eine wichtige Rolle spie-
len, so werden sorgfältige Beobachtungen in diesem Sinne sehr wich-
tig, da mit der eruptiven Natur dieser Gesteine gar manche Behaup-
tungen fallen müssen. — Am Brocken fand T. auf Kluftflächen im
Granit sehr deutliche Eindrücke von Kalkspathrhomboedern in Quarz,
wie das Volger sehr schön in den Alpen beobachtete. — Im S. von
Elbingerode tritt der Porphyr im Kalk- und Sandsteipe auf. An der
Grenze zwischen Kalkstein und Porphyr kommen zellige Massen aus
Quarz und Feldspath bestehend vor. Ihre Strukturrührt von verschwun-
denem Kalkspath her. Aber auch sehr deutliche Eindrücke liessen
sich in den dichtern Porphyrpartien beobachten. Der zellige Quarz
geht allmählig in Porphyr über, andererseits finden sich über die
Grenze hinaus Quarzgänge in Kalksteinen. Das ganze Vorkommen
spricht offenbar dafür, dass die Porphyrpartie in Folge einer Ver-
drängung des Kalkspathes durch Feldspath und Quarz, also durch
eine Umwandlung des Nebengesteines entstanden ist. An einem bläu-
lichgrauen porphyrähnlichen Gesteine fand sich die ganze Masse von
Opal durchdrungen und Alles pseudomorphosirt. Pseudomorphosen
von Opal nach Nephelin und Augit lassen sich noch erkennen. —-
(Amtl. Bericht der Karlsbader Versammlung 131— 132.) al.
Oryctognesie. P. Pusyrewsky, russische Apatite.,
— v. Kokscharow machte darauf aufmerksam, dass bei den Apatiten,
welche kein Chlor enthalten, die Neigung der Flächen der Grundpp
ramide zur basischen Endfläche —=139° 42‘ beträgt, während solche
bei chlorhaltigen etwas grösser. Deshalb erschien eine genauere Un-
tersuchung der russischen Apatite nothwendig, wenigstens auf ihren
Chlorgehalt. 1. Apatit von der Grube Kirjabinsk im Ural: schöne
grösse durchsichtige Krystalle P: OP==1390 46'30°, spec. Gew. 3,126;
gänzlich frei von Chlor. — 2. Apatit vom Berge Blagodat im Ural,
gut ausgebildete kleine Krystalle; die grüne Farbe rührt offenbar von
organischen Stoffen her, die sich beim Erhitzen des Minerals ver-
flüchtigen, welches dann farblos wird. Spec. Gew. =3,2; enthält
0,21 Chlor. — 3. Von der Grube Achmatowsk im Ural: ausgezeich-
net farblos. Krystalle eingewachsen in Chlorit, spec. Gew. = 3,091,
Chlorgehalt 0,51; P: OP=1390 53° 30.“ — 4. Aus den Smaragdgru-
ben am Flusse Tokowaja im Ural: grosse oft sehr rissige Krystalle,
spec. Gew. = 3,201, phosphorescirt sehr schön im Pulver auf glü-
hendem Platinblech., Analyse: 41,99 Phosphorsäure, 49,65 Kalkerde
471
4,50 Calcium, 0,01 Chlor, 4,20 Fluor. P: OP =139o 41’ 37%, —
5. Apatit von dem in den Baikalsee mündenden Sludjankafluss als
Moroxit in körnigem Kalk eingewachsen grosse Krystalle mit abge-
rundeten Ecken und Kanten, welche keine Messung gestatten; spec.
Gew. — 3,178. Analyse: 49,66 Kalkerde, 41,98 Phosphorsäure, 4,32
Caleium, 0,109 Chlor, 4,02 Fluor. Mit Salz- oder Salpetersäure be-
handelt bleibt ein unlöslicher Rückstand, der vorzüglich aus Quarz,
Glimmer und mieroscopischen Krystallen eines Minerals besteht, welche
wohl dem hexagonalen Systeme angehören mit spec. Gew. 3,9—4,0;
wahrscheinlich Kryptolith. Beim Erhitzen des Moroxit scheiden sich
die beigemengten organischen Stoffe, welchen das Mineral seine Fär-
bung verdankt, unter brenzlichem Geruch aus. — 6, Apatit aus den
Bergen von Schischinsk: zwei Abänderungen, deren eine wesentlich
von allen bisher bekannten Apatiten abweicht. Er stellt sich nämlich
im körnigen Kalk in grossen aber an den Enden stets abgebrochenen
hexagonalen Prismen ein; Spaltbarkeit sehr deutlich prismatisch.
Farbe bräunlich ins violette, vor dem Löthrohre ganz allmählig eine
milchweisse Farbe annehmend und undurchsichtig, wobei Splitter ab-
springen. Enthält Schwefelsäure und etwa 4 Procent Kieselsäure.
Die andere Apatitvarietät ist neu und zeigt die Combination „ P.OP;
spec. Gew. 3,139; weiss, durchsiehtig, in körnigem Kalk; 0,19 Chlor-
gehalt. — 7. Apatit aus dem Ilmengebirge im Miascit und körnigen
Kalk, spec. Gew. 3,234, chlorfrei und von organischen Stoffen gefärbt
oder mit Spuren von Chlor. Es sind hiernach in Russland nur fluor-
haltige Apatite bekannt, in welchem der Chlorgehalt nie über 0,8
steigt, demnach übt derselbe auf spec. Gew. und Grösse der Winkel
einen Einfluss aus. Mit Zunahme des Chlorgehalts vereinigt sich das
spec. Gew., während der Neigungswinkel der Pyramide zur Basis
wächst. — (Verhandlgn. russ. Gesellsch. f. Mineral. 1862. 59-72.)
A. Damour, mineralogische Untersuchung desLher-
zolith.— Dieses im Dept. de l’Ariege und besonders bei Lherz vor-
kommende Gestein betrachtete Charpentier als körnigen Augitfels,
allein die mikroskopische Untersuchung wies ein Gemenge nach aus
Olivin, Enstatit und Diopsid, wozu noch unwesentlich Picotit kömmt.
Der Olivin ist von den andern leicht durch seine Härte und oliven-
grüne Farbe zu unterscbeiden, ist vor dem Löthrohre unschmelzbar
mit Säure gelatinirend, spec. Gew. 3,38, Analyse: 0,4059 Kieselsäure,
0,4813 Magnesia, 0,1373 Eisenoxydul, 0,0160 Manganoxydul. Der En-
statit ist spaltbar nach den Flächen eines geraden rhomboidischen
Prismas mit dem Winkel von 93° und 87°, von graulichbrauner Farbe,
sehr schwer schmelzbar, in Säuren unlöslich, spec. 3,27; Analyse:
0,5476 Kieselsäure, 0,3022 Magnesia, 0,0935 Eisenoxydul, 0,0490 Thon-
erde. Der Diopsid findet sich in rundlichen smaragdgrünen Körnern,
schmilzt vor dem Löthrohre zu durchscheinendem grünen Glase, löst
sich in Phosphorsalz, dem er eine chromgrüne Farbe ertheilt, in Säu-
ren unlöslich, spec. Gew. 3,28; Analyse: 0,5363 Kieselsäure, 0,2037
Kalkerde, 0,1248 Magnesia, 0,0852 Eisenoxydul, 0,0407 'Thonerde, 0,0130
472
Chromoxyd. Der Picotit in sehr kleinen schwarzen Körnern dürfte
als eine Varietät des chromhaltigen Spinell zu betrachten sein, spec.
Gew. 4,08, Analyse: 0,5600 T'honerde, 0,1030 Magnesia, 0,2490 Eisen-
oxydul, 0,0800 Chromoxyd, 0,0200 kieseliger Rückstand. In (den un-
tersuchten Handstücken bildet der Olivin nahezu ®/; der Masse; der
Enstatit ist häufiger als der Diopsid, doch ändert das Mengenverhält-
niss ab. Der Lherzolith bildet ein Lager im Kalkgebirge. Ganz ähn-
liche Gesteine finden sich im Granit von Beyssas Dept. Haute Loire
und im Ultenthal in Tyrol. — (Bullet. hoc. geol. XXIX. 415 — 416.)
R. Blum, neues Zwillingsgesetz am ÖOrthoklas. —
Der dieses Gesetz zeigende Krystall stammt aus einem Felsitporphyr
von Manebach in Thüringen. Er ist in der Richtung der Klinodia-
gonale in die Länge gezogen und zeigt die Combination OP. Po
2Po:P.u P.o P3.2P.. Die Zwillingsebene ist die basische End-
fläche und das eine Individuum gegen das andere um 180° gedreht,
so dass sich der Zwilling als Hemitropie darstellt. Die Flächen des
positiven Orthodomas bilden an dem einen Ende einspringende, an
dem andern Ende ausspringende Winkel. Die basische Spaltung der
beiden Individuen läuft paralell, während die Klinodiagonale in ein-
ander fällt. — (Neues Jahrb. f. Mineral. 343).
Holmberg, Analyse des Bonsdorffit: 41,76 Kieselsäure,
31,25 Thonerde, 8,35 Eisenoxydul, 0,30 Manganoxydul, 4,73 Magnesia,
1,78 Kalkerde, 1,50 Kali, 10,44 Wasser, wonach sich die Formel er-
gibt (3RO.2SiO; -+3Alz2 O3. Si O3) +6 HO, also vollkommen identisch mit
Fahlunit. Der Bonsdorffit findet sich im Granit eingewachsen in un-
deutlich ausgebildeten Prismen bei Abo im Finnland. — (Verhandlig.
mineral. Gesellsch. Petersburg 1862. S. 152—153.)
Pisani, der Spinell von Migiandone bei Ornavasso im
Tocethal in Piemont zeigt das Octaeder mit untergeordnetem Doke-
kaeder, spec. Gew. 4,241, Analyse: 58,60 Thonerde, 1,31 Eisenoxyd,
22,80 Zinkoxyd, 14,30 Eisenoxydul, 3,96 Magnesia, 0,60 Kieselsäure,
Er gehört hiernach zur Gruppe der zinkhaltigen Spinelle: Gahnit, Dys-
lusit, Kreithonit. Mit letzterem zeigt er eine denkwürdige Analogie
des Vorkommens bei Bodenmais. Er ist in grauem blätierigen Or-
thoklas eingewachsen und wird von Quarz, Magnetkies und Kupfer-
kies begleitet. Theilchen von Magnetkjies sind zuweilen in den Kry-
stallen des Spinell eingeschlossen. — (Cumptes rend. 1862. LV. 924.)
G.
Palaeontologie K. E. Schafhäutl, Süd-Bayerns
Lethaea Geognostica. DerKressenberg und die südlich
vonihm gelegenen Hochalpen geognostisch betrachtet in ihren
Petrefakten. Mit 46 Holzschnitten, 2 Karten und 98 Tffln. Leipzig
bei L. Voss. 1863. Fol, — Ein splendid ausgestattetes und mit lang-
jährigem grossen Fleisse bearbeitetes Werk, wie es der Kressenberg
verdient. Es werden ausführlich beschrieben 510 Arten und in 1243
Figuren sauber abgebildet. Indem wir uns den Bericht über den
geognostischen Theil vorbehalten, zählen wir zunächst die als neu
473
beschriebenen Arten namentlich auf, um die Wichtigkeit des Werkes
nach dieser Seite hin anzudeuten. Es sind von Pflanzen nur Schaf-
häutlia Kressenbergi und Persica Kressenbergensis, von Spongien
Melomyca impressa, Spongilla gregaria und Manon pustulosum,
Polypen : Ceratotrochus conulus, Clonotrochus, Isis teisenbergen-
sis. — Reptescharella punctata, Membranipora bipunctata, Idmonea
irregularis, Nodicava rugosa, Multicreseis quadrifida, Numulites um-
bilicatus, rota, teruncius, subellipticus, catillus, conulus, guttula, dis-
cus, bija, ellipticus, reticulatus, modiolatus, libum, amygdala, orbicula-
tus, excavatus, Operculina biconcava, Hymenocyclus umbo, cymbalium,
rugosus, concameratus.
Echinodermen: Burgueticrinus cornutus, Comatula teisenbergen-
sis, Miliobates teisenbergensis, Echinocyamus sulzbergensis, Echinan-
thus bavaricus, Pygorhynchus carinatus, Conoclypus galerus, acumi-
natus, pyramidalis, expansus, Micraster ovalis, Schizaster similis.
Brachiopoden: Terebratula aequivalvis, pieta, coccionella.
Cormopoden: Anomia obliqua, Ostraea Selli, cincta, decurtata»
praerupta, semipectinata, caudata, suborbiculata, lyra, abscissa, orbis,
mamilla, unguiculus, folium, falcata, bulla, Exogyra plicata, Spondy-
lus teisenbergensis, astragalus, personatus, Pecten squamiger, scutu-
Jatus, undosus, Lima aspera, Vulsella trigona, Inoceramus acuteplica-
tus, cardioides, Avicula laticeps, flexuosa, pleuroptychale, Mytilus ele-
gans, Modiola flabellum, Pectunculus obliquus, Nucula maxima, tri-
quetra, Hellia gryphus, Chama monoceras, adversa, furcillata, lata,
cor, Unio acutus, Cardinia spatulata, Venericardia striata, fissicostata,
elliptiea, lata, rotunda. Isocardia ovum, Cardium orbiculare, artum,
ellipticum, inflatum, variabile, Cyprina acuminata, Lucina crassa, Cras-
satella obligua, longirostris, Venus glabra, Lutaria cuneata, navalis,
longissima, Panopaea aequalis, Lutaria nuculaeformis, Corbula velata,
Teredo ornata, rugosa, Clavagella cornigera. |
Gastropoden: Siliquaria enitens, Natica oostoma, cochleata, Glo-
bulus pectinatus, productus, Nerita colpostoma, Actaeon pyriforme,
scalaris, turritus, Avellana sulcata, Chemnitzia turriculata, Scalaria
fissicostata, densicostata, eirrata. Turritella pyramidalis, glabra, bi-
partita, biangularis, Phasianella conica, Turbo mitra, pyramidalis, dec-
livis, Solarium numisma, Potamides terebra, Cerithium pungens, an-
nulare, quadrifasciatum, Rostellaria fusiformis, quadrilineata, lineata,
fusus, Pterodonta crassa, Tritonium turris, Murex giganteus, Fusus
exaltatatus, cylindricus, procerus, scandens, obesus, angulosus, octo-
gonus, detornatus, aratus, operculatus, caudatus, polygonalis, turri-
tus, striatus, Pyrula texta, Morio tricarinatus, coronatus, Buccinum
conicum, turbineum, Eburna turriculata, Terebra pyramidalis, Voluta
melo, densicostata, turriculata, biinterupta, polygonalis, arata, globu-
lus, elongata, laevigata, fusiformis, procera, torta, subula, eminens,
terebrans, conica, Cymba tollusiensis, Mitra angulata, laevigata, turri-
culata, Terebellum clava, Marginella lata, ovum, Cypraea obovata, ob-
longa, acuminata, exsculpta, Bulla constricta, Limneus clavus,
474
Cephalopoden: Nautilus ellipticus, macrocephalus, crassus, regu-
laris, parallelus, parabolicus.
Crustaceen: Ranina Fabri, Helli, hirsuta, Xanthopsis sontho-
fensis, Grüntensis, Andreae, Cancer odontodactylus, Glyphithyreus
verrucosus, Cancer interpunctus, glaber, Leiochilus cordifer, Xanthia
exceisa, Cancer orthodactylus, acanthachir, granosus, ereagachir, me-
gachir.
Fische: Aetobatis giganteus, Myliobates arcuatus, eureodon,
Acrodus flexuosus, Pyenodus irregularis, Diaphyodus trigonella, ova-
lis, Saurodon eonoideus, Raja pulchra, Coelorhynchus sulcatus.
Amphibien: Crocodilus teisenbergensis, Kyrtodon ovalis, Chelo-
nia acuticeps.
Von den 492 Arten des Kressenberges stammen 69 aus dem
Granitmarmor und seinen Aequivalenten, 14 aus dem Liegenden des
Ferdinandstlötzes, 19 aus diesem selbst, 213 aus dem Emanuelflötz
und Maurerschurf, 20 aus dem Grünsandstein, 18 aus dem Grünsand-
mergel, 55 aus dem Josephsflötz, 17 aus dem schwarzgrauem Thon-
mergel, 67 aus dem Maximiliansflötz. 151 dieser Arten gehören un-
zweifelbaft der Kreide an und von ihnen kommen 54 auf die Numu-
litenbildung allein; die übrigen 362 lassen sich mit ganz vereinzelten
Ausnahmen auf eocäne Faunen beziehen. Die vereinzelten Liaspe-
trefakten im Kressenberger Thoneisenstein mögen aus aufgewühlten
Liasschichten übergeführt sein, wobei freilich deren sehr geringe An-
zahl auffällig ist.
Aus den bayrischen Alpen südlich vom Kressenberge beschreibt
der Verf. im v. Kapitel zablreiche Arten, worunter als neu eingeführt
werden: Calamites gracilis im Sandstein bei Partenkirchen, Ptero-
pbyllum gracilis, Taeniopteris pandurata ebda., Spongia pilulaim Kalk
am Hochfelln, Sp. dichotoma im Kalk des Wettersteingebirges, Sphae-
rosoros contextus im dunkeln Kalke bei Partenkirchen, Scyphia poly-
gonalis am Hochfelln, Ammon rotundatus auf dem Rücken des Wet-
tersteingebirges, A. macrocephalus ebda, Nullipora angulata von der
Zugspitze, Diplopora porosa, D. articulata, D. nodosa ebda., Vagini-
pora pustulosa an der Wettersteinwand, Thecophyllia helianthoides
Gipfel des Hochfelln, Cyelolithes eylindrica im Hieswang, Radioli-
tes maeandrinoides im Zugspitzkalk, Nephelaster cylindricus am Wet-
terstein, Cyathophyllum cylindricum, Poteriocrinus striatus bei Par-
tenkirchen, Terebratula contorta bei Häring, Pecten aratus, P. plicatus,
Lima rotundata, Malleus giganteus, Posidonomya parthanensis, P,
desecta, P. semiradiata, Avicula grandis, A. flabellum, A. fissicostata,
Lyeodus nov. Gen. mit L. cor., Caprotina rotunda, Astarte crenulata,
Venerupis modiola, Opis procera, Isocardia grandicornis, Gonodon
ovatum, Tauroceras tara, Natica elliptica, Actaeonina urna, Melania
gigantea, Turritella scabra, T. subulata, Turbo rotundus, Straparolus
vertebratus, Solarium conulus, Trochus impressus, Tr. gradatus, Cy-
clostoma turritum, Planorbis glaberrimus, Nautilus fastigatus, Cera-
tites nodulosus, Ammonites Helli, A. densicostatus, A. sella, A. Char-
475
pentieri, A. Quenstedti, A. inversefimbriatus, A. incisus, Crioceras
eoronatum, Cr. Kampi, Cypridina parthanensis, Carcinaspis pustulosa.
Gl.
Botanik. W.Lasch fand Pflanzenbastarde vonDian-
thus Carthusianorum und arenarius auch in der Umgegend
von Driesen. 1) Stengel dünn, einfach, Blätterscheiden zweimal so
lang, als dick; Blumen bis 4, fast büschelförmig; Kelch 6mal so lang als
dick; obere beide Bracteen kurz gespitzt, bis zum 4. Theil des Kelches
hinaufreichend; Platten der Blumenblätter klein, nicht ganz bis zur
Hälfte eingeschnitten, fast rosenroth. 2) Stengel fast dünn, einfach
oder oben mit einigen Aesten, Blätterscheiden 2mal so lang als dick;
Blumen einzeln, selten zu 2 genähert; Kelch !/; dick; obere Brac-
teen mit etwas verlängerter pfriemförmiger Spitze bis !/; des Kel-
ches hinaufreichend; Platten klein, bis etwa !/; eingeschnitten, ganz
hell rosa, fast weiss. 3) Stengel klein, dünn, einfach; Blätterscheide
1/2 mal so lang, als dick ; Blumen einzeln, Kelch !/s dick, obere Brac-
teen länger zugespitzt, bis !/s des Kelches hinaufreichend; Platten
der Blumenblätter klein, fast nur '/a eingeschnitten, mit sehr unglei-
chen breitern Zipfeln, rosa. 4) Stengel dünn oder etwas dicker,
einfach oder 1-2fach gabelig-ästig; Blätterscheiden doppelt so lang
als dick; oberste Bracteen mit veriängerter Spitze bis !/; des Kelchs,
Platten der Blumenblätter klein, bis etwa zur Hälfte eingeschnitten,
fast rosa. 5) Dicht rasenförmig, Stengel mitteldick, einfach oder oben
einfach bis wiederholt gabelästig; Blätterscheiden zweimal so lang
als dick; Blumen einzeln oder zu 2 bis 3 genähert; Kelch !/g dick;
oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze '/; des Kelches; Plat-
ten etwas klein, bis !/, eingeschnitten, blass rosa. £) Blätterscheiden
11), mal so lang als dick, Blumen bis zu 4 genähert; Bracteen mit
kurzer Spitze bis !/; des Kelchs. Platten gross fast weiss. 6) Sten-
gel mitteldick, einfach oder nach oben wiederholt gabelästig; Blätter-
scheiden wenig länger als dick; Blumen 7—9 in Büscheln zu 2—3;
Kelch !/; dick; oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze bis 4/3
des Kelch hinaufreichend ; Platten gross, bis etwas über die Hälfte
eingeschnitten, hellrosa. ß) Blätterscheiden 2 mal so lang als dick,
Platten mittelgross, bis zur Hälfte eingeschnitten, rosa. 7) Stengel
mitteldick, nach oben wiederholt gabelästig, Blätterscheiden bis über
2mal so lang als dick ; Blumen 4, fast 2 genähert; Kelch 1/s—!/e dick;
oberste Bracteen mit sehr verlängerter Spitze bis /; des Kelchs;
Platten gross bis etwas über die Mitte eingeschnitten, hellrosa. 8)
Stengel dick, oben ästig; Blätterscheiden 1!/; mal so lang als dick;
Blumen 8, auf kurzen Stielen eine Afterdolde bildend; Kelch !/s dick,
oberste Bracteen mit etwas verlängerter Spitze bis !/s des Kelchs;
Platten gross, bis fast zum Stengel fein eingeschnitten, sehr hell
rosa. — (Brandenb. botan. Verhandlgn. IV. 24.)
H. Jese giebt Beiträge zur Flora des Oderbruchs
zwischen Hohensaten und Zehden, der „Zehdener Bruch genannt,
Derselbe wird in Osten von dem Höhenzuge begrenzt, an dessen
476
Westhange das Städtchen Zehden liegt; im Westen wird er von der
Oder abgeschlossen, während er gegen Norden und Süden mehr spitz
auslaufend wiederum von dem bereits erwähnten Höhenrücken be-
grenzt wird. Der letztere umgiebt somit bogenförmig die Fläche des
Zehdener Bruches. Es bietet sich auf demselben für den Botaniker
Neues und zum Theil Ueberraschendes. Die Entstehung des Oder-
bruchs aus den fetten Schlickablagerungen der Oder bedingt seine
vegetative Eigenthümlichkeit, seine gänzliche Verschiedenheit von sau-
ren Wald- und Fela-Brüchen, an denen die norddeutsche Ebene strich-
weise so reich ist. Der Oderbruch ist überaus fruchtbar und vor
Allem von Boden-Säuren im Ganzen frei. Diese Fruchtbarkeit spricht
sich sofort in der Vegetation aufs unzweideutigste aus, indem diese
vorzugsweise aus solchen Pflanzen besteht, welche einen schlickrei-
chen Boden lieben, Die Abwesenheit von Säuren ist ebenso sicher
durch den Mangel vieler Gewächse ausgeprägt. Im Frühjahr ist das
ganze Bruchterrain fast ohne Ausnahme inundirt, zur Sommerzeit las-
sen sich indess sehr leicht verschiedene Wasserstände unterscheiden.
Ein Wasserstand von 1), —1' Tiefe bedeckt vorzugsweise die Bruch-
wiesen. Zwei Gräser dominiren auf ihnen: Phalaris arundinacea L.
und Glyceria spectabilis Lh. und K., welche den Hauptbestandtheil
des renomirten Oderbruchheues ausmachen und von denen ersteres
angeblich zur Pferdefütterung dem letztern vorgezogen wird. Ph. arund.
wird im Volksmunde dortiger Gegend „Militz oder Milenz“, Gl. sp.
„Lösch“ genannt. Beide erreichen an vielen Stellen eine solche Höhe
dass sie dem mittelgrossen Jäger über den Kopf hinausragen, fast
überall in seiner Gesichtshöhe bleiben und es oft unmöglich machen
ein weiter als 30 Schritt aufsteigendes Flug-Wild zu beschiessen.
Halme von 5—7 Linien unterm Durchmesser. Wie im Mittelwalde
das Buschholz den Unterstand unter dem höheren Baumholz bildet,
so treten weiter vergleichsweise zwei andere Riedgräser auf, welche
den Unterstand zu den ersten beiden bilden. Es sind: Glyceria flui-
tans (L.) R. Br. und Alopecurus geniculatus L. Dieser Unterstand
erscheint eben so massig wie der Oberstand. Man nennt dort die
beiden kleinen Gräser ,„Schwaden.“ Weiter tritt in einem Wasser-
stand von 1—1!/a‘ Höhe als dominirender Oberstand Phellandrium
aquaticum L. auf. Durchsnittlich ist der Stengel 1—2“ stark. Man
nennt das Gewächs ,„Muszän“ und den Bestand, welchen es bildet
„Gebräsch.“ Letzterer Ausdruck characterisirt die Wuchsverhält-
nisse der Pflanze ganz treffend: ihren dichten Stand, d.h. die Masse
des Vorkommens, dann die Aestigkeit des Individuums und endlich
das chaotische Gewirr, welches beide Umstände vereint hervorbringen.
Als Unterstand findet sich ebenso massig: auf den weniger tiefen
Wasserstellen Nasturtium amphibium (L.) R. Br., Alisma Plantago L.
und Sparganium ramosum Huds. (letzteres vulgo Schelp-Schilf);
2) bei tieferem Wasser Nuphar luteum (L.) Sm. ; und 3) in grandio-
ser Masse Batrachium und Myriophyllum. Bei einem Wasserstande
von 11»—2‘ Tiefe dominiren Rumex maritimus und Batrachia. Der
477
letzte Wasserstand endlich von siets über 2‘ Tiefe, der manchmal bis
zu 6‘ anwächst trägt im Allgemeinen den Character grösserer, stag-
nirender Teiche, in denen Batrachium, Myriophyllum und Potamoge-
ton dominiren. Die Localitäten, in welchen die genannten 3 Pflan-
zengattungen meist in einer solchen Masse auftreten, dass ein leich-
ter Kahn oft nur mit grosser Mühe durchzustossen ist, treten bald
als mehr abgerundete, teichartige Wasseransammlungen, bald und
häufiger noch als sogenannte „Schlenken‘ von 2—10 und mehr Ru-
then Breite auf, welche in oft sehr bedeutender Länge den ganzen
Bruch durchziehen und die Wasserstrassen derselben bilden. Diese
Schlenken werden an den Rändern meist von Sagittaria eingesäumt;
dieser zunächst im minder tiefen Wasser erscheint Nuphar, während
Nymphaea sich in die grössere Tiefe hineinzieht. Verf. des Aufs.
fehlte es an Zeit nähere Bestimmungen für die wunderbare Flora zu
treffen; jedenfalls möchten diese klassischen Sümpfe aber einer ge-
nauern Untersuchung zu würdigen sein. — (Ebda. 27.)
Aster salicifolius Scholl findet sich nach C. Grantzow
so häufig in der Umgegend von Trebbin in der Provinz Branden-
bnrg, dass die Pfl. als wild wachsend angesehen werden muss. Hier-
für spricht auch, dass sie dem Volke als „wildes Orant‘“ bekannt ist.
Der Name ist offenbar mit Dorant,' einem alten Namen von Achillea
Pharmica L. identisch. — (Ebda.)
Schultz-Schultzenstein theilt eine Analyse des Bo-
dens der Salzlacke bei Nauen mit, welche in botan. Beziehung
wichtig ist. Die Erde ist schwarzbraun, hat das Ansehen von Torf,
trocknet zu einer zwar zusammenhängenden, aber leicht zu Pulver
zerreiblichen, schwammig-lockeren Masse ein. Ein Kubikfuss der luft-
trocknen, lockeren Erde wiegt 20 Pfund altes preuss. Civilgewicht. Durch
Abschlämmen in einer graduirten Glasröhre liess sie sich trennen, dem
Volumen nach, in Sand- (Kieselerde) 34,5, Kalk (mit Schnecken- und
Muschelschalen untermengt) 14,0, torfigen Humus 51,5. Dem Gewicht
nach betrugen diese Massen an Kieselerde 50,0, Kalk 13,6, Humus
und Wurzelstücke 37,0. In Procenten, dem Gewicht nach ausgedrückt,
würden die Bestandtheile der Erde sein: Kieselerde 50,0, Humus
(Humusextract, Humussäure, Quellsäure, Humuskohle) 94,5, Kohlen-
saurer Kalk 8,5, Chlorcalcium 1,6, Kochsalz 1,4, Raseneisenstein 1,0,
Gips 2,0, Knochenerde 1,0. — (Ebda. 150.)
P. Ascherson macht darauf aufmerksam, dass es in der Ge-
schichte der Pflanzenwelt nicht an Beispielen fehlt, dass auffallende
Gewächse, von denen man nicht annehmen kann, dass sie früher den
Blicken der Forscher entgangen waren, plötzlich in der Flora mehr
oder weniger ausgedehnter Landstriche erschienen, sich in verhält-
nissmässig kurzer Zeit ausbreiteten und zuletzt derart einbürgerten,
dass sie für die Physiognomie nicht minder, als viele Urbewohner,
charakteristisch geworden sind. Als ein freiwilliger Einwanderer
möchte auch Senecio vernalis W.R. in die deutsche Flora auzusehen
sein, — (Ebda. 150.)
478
Aug. Garcke schildert die Verwandtschaft von Carex
spicata Schk. — Dieselbe gehört zu den seltensten und wegen ihres
vereinzelten Vorkommens räthselhaftesten Pflanzen. G. hatte Gele-
genheit dieselbe auf den Dölziger Wiesen und dem benachbarten
Bieritz bei Leipzig nicht nur in Blühte, sondern auch in ihren ka-
stanienbraunen, glänzenden kahlen Schläuchen von aufgeblasen-kuge-
liger Form zu beobachten. Es erscheint ihm gerechtfertigt diese
bisher räthselhafte Segge des Bieritz mit C. obtusata künftig nur als
eine Form passender vielleicht noch als einen unvollkommenen Zu-
stand von C. supina anzusehen, wobei dann freilich nach Reichen-
bach’s Vorschlag der Name C. obtusata als der ältere voranzustellen
wäre. — (Ebenda 157.)
C. Bolle stellt eine neue Umbeliferengattung auf, wel-
cher er nach Joh. Friedr. Ruthe den Namen Ruthea gibt. Dieselbe
gehört zu der Tribus Seselineae Koch und hat folgende Gattungseha-
ractere: „Calycis margo 5dentatus, dentibus paryis triangularibus
acutis. Petala oblonga, integra, involuta, lacinula subquadrafa et
subdentata. Fructus oblongus, sectione transversali teretiusculus, a la-
tere subcompressus. Mericarpia jugis 5 prominulis, crassiusculis,
subulatocarinatis, lateralibus, marginantibus non latioribus, Vallecu-
lae univittatae. Commissura bivittata. Semen semiteres, subquinqua-
gulare. Carpophorum bipartitum. Stylopodium ‚conicum elongatum.
Styli breves, adpresse reflexi. Stigmata clavata. Herba canariensis,
foliis pinnatis. Umbellae compositae, multi- (plerumque 25) radiatae.
Involucra utraque polyphylla. Flores flavi.“
Von der Species sagt B.: R. herbanica Ble (Beiname von ihrem
Vaterlande Herbania, dem mittelalterlichen Namen der Insel Fuerta-
ventura). Perennis (ut ex radice crassa videtur quae collum gerit bre-
viter squamulosum), glabra, foliis radicalibus caulinisque inferioribus
impari- pinnatis 4-5-jugis, petiolo basi vaginante, segmentis ovatis
vel ovato-lanceolatis basi inaequalibus acutis argute serratis, serratu-
ris mucronulatis, (segmentis) oppositis, infimis petiolulatis terminali
simplici vel rarius tripartito, caule 1-2-pedali robusto, tereti, striato,
medulla farcto, apice ramoso, foliis superioribus parvis pinnis linea-
ribus subulatis vel simplieiter linearibus vaginis margine albido-mem-
branaceis, umbellis terminalibus latioribus quam altis, involucro et
involucello eirciter 8-phyllis, involucri foliolis late linearibus subula-
tis, involucelli lanceolatis utriusque membranaceo-marginatis, involu-
cello floribus cum pedicello breviore fructus aequante, staminibus
pallide luteis, stylis in mericarpiis junioribus oblique erectis, mox re-
flexis. Habitat in archipelagi canariensis insula Fuertaventura, ad
rupes basalticas peninsulae eius meridionalis Handiae, ubi folia in-
terdum subcoriacea fiunt, nec non ad agrorum versuras loco dicto
„la Rosa 'de la Oliva“, copiose. Floret Aprili et Majo. — (Ebda. 174.)
R.v. VUechtritz gibt neue Beiträge zur Flora von Halle.
Adonis fammeus Jacg. Aecker zwischen Zscherben und Bennstedt,
noch am 2. September 1861 blühend.
479
Ranuneulus päucistamineus Tausch, Sparsam am salzigen See vor
Rollsdorf.
Ran. divaricatus Schrk. In Lachen bei, Passendorf.
Brassica nigra Koch. Weidengebüsch an der Saale bei der Gersdor-
fer wüsten Feldmark sparsam.
Diplotaxis muralis DC. Sehr vereinzelt auf Schutt unter Lehmann’s
Garten mit Crepis foetida L.
Rapistrum perenne All. Hohe Raine dicht hinter dem Seebener Busch,
bei der Rattmansdorfer Theerfabrik, Ackerränder bei Dörstewitz.
Viola collina Besser. Sparsam auf dem Bischofsberg in der Haide
unter Gesträuchen. Neu für die Flora von Halle!
Reseda lutea L. Dörstewitz bei Lauchstedt, Nietleben.
Hypericum hirsutum L. In der Aue bei Schkeuditz und Modelwitz.
Lotus tenuifolius Rchb. Feuchte Wiesen zwischen Dölau und der
Haide, Salzwiesen bei Dieskau, Langenbogen und Rollsdorf.
Lathyrus silvester L. %. platyphyllus Retz. Am Rande der Aue nörd-
lich von Bienitz in Gebüschen nicht selten.
Epilobium tetragonum L. Feldgräben vor der Rattmannsdorfer Theer-
fabrik.
Myriophyllum verticillatum L. In Lachen bei Passendort.
Pimpinella magna L. Passendorf, Röpzig.
Bupleurum tenuissimum L. Zwischen der Passendorfer Windmühle
und Zscherben am Wege; an der Salzke zwischen Langenbogen
und Rollsdorf.
Seseli coloratum Ehrh. An einem hohen grasigen Raine zwischen
Zscherben und Bennstedt mit Prunella grandiflora.
Cnidium venosum Koch. Wiese zwischen Dölau und der Haide, sparsam,
Torilis helvetieca Gmel. Raine zwischen Zscherben und Bennstedt,
sparsam. |
Galium trieorne With. Aecker zwischen Bennstedt und Kölme.
G. parisiense L. ß. anglieum Huds. Mauer des Amtsgartens zu Gie-
bichenstein.
Inula germanica L. Hohe Raine hinter dem Seebenschen Busche,
am salzigen See bei Rollsdorf in der Nähe der Teufelsbrücke.
Senecio aquaticus Huds. Wiesen bei Osendorf und häufig in der Aue
bei Modelwitz.
Cirsium acaule > oleraceum. Auf der Wiese vor dem Seebener Busch
mit C. bulbosum > oleraceum.
C. oleraceum >< palustre Schiede. Selten auf den Wiesen von Bienitz
und vor Bennstedt.
Tragopogon major Jacq. Rattmannsdorfer Theerfabrik.
Hieracium Schmidtii Tausch. Sparsam an der Mauer des Amtsgartens
zu Giebichenstein.
Lithospermum offiecinale L. Lindberg.
Verbascum thapsiforme >< Lychnitis Schiede. Felsen zwischen Gie-
bichenstein und Trotha vereinzelt.
Gratiola officinalis L. Sumpfwiesen zwischen Osendorf u. Döllnitz,
480
Veronica Buxbaumi Ten. Aecker am Wege von Halle nach der
Röpziger Fähre, Wörmlitz gegenüber, ziemlich zahlreich.
Salvia vertieillata L. zwischen Seeburg und Aseleben.
Chaeturus Marrnbiastrum Rchb. Hecken und Gesträuche Röpzig un-
weit der Saalfähre.
Peucrium Scordium L. Wiesen nördlich vom Bienitz.
Polycnemum majus A. Br. Auf dem Sandberge unmittelbar nördlich
von Zscherben, ziemlich zahlreich,
Chenopodium opulifolium Schrad. In Röpzig.
Rumex paluster Sm. Einzeln mit R. maritimus am Saalufer vor Gie-
bichenstein.
Aristolochia Clematitis L. Aecker am Südabhange des Galeeul re
Typha angustifolia L. An den Teichen südwestlich von Corbetha.
Iuncus supinus Mönch var. fluitans. Am Rande der Haide vor Dölau
in Gräben.
Carex Oederi Ehrh. Bei den Teiehen von Dieskau.
An diese Angaben schliesst Aug. Garcke:
Xanthium spinosum L. Unmittelbar vor Giebichenstäin an einem
kleinen Abhange des Weges, welcher nach der magdeburgischen
Chaussee führt.
Amarantus retroflexus L. In Halle am Pfännerholzplatze.
Campanula bononiensis L. Saalufer zwischen Kröllwitz und Lettin.
Myrrhis odorata. Auf dem Schloss Mansfeld. (Verhdl. des bot. V.
f. d. Pr. Brandenb. 3. u. 4. Heft 1861 u. 2 pag. 239.)
C. Sanio hat sehr ausführliche Untersuchungen über die Ele-
mentarorgane des Holzkörpers angestellt. Indem S. von den früher
verbreiteten Ansichten ausgeht und dieselben einer Kritik unterwirft,
kommt er zu eigenen Arbeiten, die eine Menge interessanter Resultate
bieten. — (Bot. Zeitung 1863 p. 85 — 128.) R.D.
Zoologie. Max Schultze, das Protoplasma der
Rhizopoden und der Pflanzenzellen. Leipzig 1863. 8%. —
Diese Schrift hat den Zweck die Angriffe Reicherts auf die Sarkode-
theorie, die wir Bd. XX S. 373 berichteten, zu widerlegen und fasst
Verf. die Resultate seiner Erörterungen am Schlusse wie folgt zu-
sammen. 1. Die Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Poly-
thalamien beruht auf einem Gleiten zahlreicher in der Pseudopo-
diensubstanz enthaltener Körnchen nicht aber auf wellenförmigen Er-
hebungen der Oberfläche. 2. Da den Körnchen die Fähigkeit der
selbstständigen Bewegung nicht zugeschriebeu werden kann, muss
das Gleiten derselben von einer Bewegung der Grundsubstanz ab-
hängen. Diese Bewegung kann mit Rücksicht auf der eigenthümli-
chen, dem einer Flüssigkeit verwandten Aggregatzustand der Pseu-
dopodiensubstanz, eine fliessende genannt werden. Doch kommt bei
der Unmöglichkeit eine klare Vorstellung [!| von dem Aggregatzu-
stande der lebendigen Pseudopodiensubstanz zu erhalten, auf den
Ausdruck nichts an (weil der Begriff fehlt), wir können mit demsel-
ben Recht die Bewegung eine gleitende, ziehende, kreisende etc. nen-
481
nen. Die Bewegung der Grundsubstanz ist an grössern Abtheilungen
derselben direct zu beobachten. Nichts widerspricht der Annahme,
dass diese sich bewegenden Abtheilungen der Grundsubstanz bis zu
minimaler Grösse herabsinken, in welchem Falle sie nur ein einziges
oft auch gar kein Körnchen enthalten. So erklärt es sich, dass dicht
neben einander liegende Körnchen eine verschieden schnelle und ver-
schieden gerichtete Bewegung zeigen. 3. Die Frage nach der Con-
sistenz oder dem Aggregatzustande der Pseudopodiensubstanz wird
ihrer Lösung wesentlich näher geführt durch die Beobachtungen
über die Erscheinungen, welche bei dem Zusammenstossen zweier sich
begegnender Pseudopodien auftreten. Dieselben sprechen für ein
Zusammenfliessen. Von ähnlicher Bedeutung für die Consistenzfrage
sind die Beobachtungen über die Aufnahme von Karmin- und Stärke-
mehlkörnchen. 4. Die Consistenz variirt bei verschiedenen Specien
ziemlich bedeutend. Als Extreme können Gromia uviformis und Du-
jardini gelten. Sie variirt aber auch in verschiedenen Tiefen ein
und derselben Pseudopodie. Ob bei den Polythalamien eine Differen-
zirung der Fäden in hyaline Rinde und körniges Innere vorkommt
wie bei den Amoeben ist durchaus zweifelhaft, sehen lässt sich nichts
davon. Dagegen zeigt sich bei Actinophrys Eichhorni deutlich eine
Differenzirung der Pseudopodien in hyaline Achse und körnerhaltige
Rinde. Mittelst letzterer als der weichen zerfliesslicheren Substanz
findet auch ein Zusammenfliessen der Pseudopodien statt, welches
sich nicht auf die hyaline Achse erstreckt. Bei manchen Radiolarien
des Meeres scheint etwas ähnliches vorzukommen. 5.1In der Leibes-
substanz von Actinophrys Eichhorni und zwar an der Peripherie der
dunklen Markmasse finden sich ganz constant in regelmässigen Ent-
fernungen viele zellenartige Körperchen mit meist mehrfachen klei+
nen Kernen. 6, Die Wärmestarre als todtliegende Gerinnung tritt
bei Actinophrys, Amoeba, Difflugia und bei den Polythalamien bei
42—43°C ein, Anguillulinen, Räderthiere, Naiden, Turbellarien, Ostra-
coden ertragen meist noch 44° C. 7. Die Schläge des Inductions-
apparates üben eine andere Wirkung auf die Körnchenbewegung. der
Pseudopodien nicht aus als solche Agentien, welche eine Reduktion
und endlich eine Auflösung derselben herbeiführen. 8. Die Bewe:-
gungen des Protoplasma der Pflanzenzellen gleichen denen der Pseu-
dopodien der Polythalamien so sehr, dass wenn die Anordnung des
Protoplasma der Art ist wie z. B. die Zeile der Staubfädenhaare
von Tradescantia kein Unterschied zwischen beiden Arten der Bewe-
gung aufzufinden ist. 9. Auch der Einfluss chemischer Reagentien,
der Wärme und der Electricität auf die Protoplasmafäden der Pflan-
zenzelle ist derselbe wie auf die Pseudopodien der Polythalamien.
Nur in Betreff des höchsten Temparaturgrades, bei welchem sich die
Bewegungen noch erhalten, ist der Unterschied anzuführen, dass die
Grenze bei den Pflanzenzellen etwas höher, 46 — 47° liegt. 10. Als
die Ursache der Bewegung des Protaplasma der Pflanzenzellen muss
wie schon Cohn und Unger aussprachen, eine Eigenschaft in Anspruch
XX1. 1863, 39
482
genommen werden, welche den Namen Contraktilität verdient. 11. Wie
bei den Pseudopodien so ist auch in den Protoplasmenfäden der
Pflanzenzellen eine Differenzirung in kinde und Mark nicht zu beob-
achten. Aus diesem Grunde kann Sch. der Brücke’schen Annahme
einer solchen Differenzirung nicht beipflichten. Die Körnchenbe-
wegung lässt sich auch ohne solche Annahmen ganz auf dieselbe
Weise wie bei den Pseudopodien der Polythalamien erklären. Theo-
retisch ist allerdings die Möglichkeit der Anwesenheit einer etwas
festeren Rinde für beide Objecte zuzugeben.
v. Frauenfeld, über das Lebendigggebären des Olm
— Bekanntlich ist bis jetzt die Fortpflanzung des Olm noch nicht be-
obachtet worden und überhaupt nicht aufgeklärt. Nach einer Mittkeilung
der Laibacher Zeitung Novice vom 26. Febr. 1862 gebiert er lebendige
Junge. Es wurde nämlich ein Proteus aus der Magdalenengrotte in
eine Flasche gesteckt und alsbald fand sich neben ihm ein kleines
unregelmässiges Thierchen. Apotheker Gottsberg in Adelsberg kaufte
die Mutter mit dem Jungen. Letzteres war 1!/,‘ lang, so dick wie
ein Baumwollenfaden, von blasser rosenrother Färbung mit bläulichem
Längsstreifen im Innern, mit dem Maule und Schwanze des Proteus,
mit rothen Punkten an Stelle der Kiemen. Aber bald war das Thier-
chen verschwunden, die gefrässige Mutter hatte es verschlungen, noch
ehe ein Zoologe es gesehen. Krainz bemerkt, dass schon am Ende
der vierziger Jahre ein Olm in einer Flasche ein Junges geboren und
dasselbe ebenfalls darauf verzehrt habe. Fr. meint, dass in beiden
Fällen kein junger Proteus vorhanden gewesen sein möchte. Hyrtl
erhielt ersteres Exemplar in Spiritus zugesandt und die anatomische
Untersuchung ergab, dass es ein Männchen war. In seinem Magen
fand sich der verschlungene Annelide halb verdaut vor; welcher Gat-
tung und Art liess sich nicht mehr ermitteln, auch ist aus der Adels-
berger Grotte noch keine solcher Würm bekannt. Derselbe muss un-
mittelbar vor dem Fange verschluckt sein, da erausgespien sich noch
zwei Tage lebhaft bewegt hat. — (Wiener zool. botan. Verhandlyn.
X1. 29 und 37.) Gl.
Correspondenzblatt
des
Naturwissenschaftlichen Vereines
für die
Provinz Sachsen und Thüringen
Halle.
- 1863. Mai. Ne NV.
Sitzung am 6. Mai.
Eingegangene Schriften:
1. Jahresbericht des naturhistorischen Landesmuseums für Kärnten.
V. Klagenfurt 1862. 8°.
2. Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift III. Band. Heft 3
und 4. Würzburg 1862. 3°.
3. Verhandlungen des botanischen Vereins für die Provinz Branden-
burg. Heft 3 und 4. Berlin 1861 und 1862. 8°.
Zur Autnahme angemeldet wird
Herr H. A. G. Schubring, stud. philos. hier
durch die Herren Männel, Feige und Giebel.
Herr Köhring in Dietendorf hatte einen Buchenklotz einge-
schickt, an welchem mehrere Zoll entfernt von der Oberfläche eine
dort früher eingeschnittene XVII ausserordentlich schön und erhaben
durch Fortwucherung zu erkennen war.
Herr Giebel legt einige Spinnen aus Siam und Aegypten vor
und characterisirt dieselben und ihre Verwandten näher (s. S. 329).
Herr Feige spricht über die zum Theil schädlichen Substan-
zen die man neuerdings dem Biere beisetzt, um den theuren Hopfen
zu sparen, und es narkotisch zu machen, bezeichnet als solche Bella-
donna, Hyoscyamus, Cocalskörner u. a., characterisirt die Wirkungen
eines solchen verfälschten Bieres und giebt ein einfaches Mittel an,
ihre Schädlickeit zu prüfen, indem man durch Abdampfung einen
Extract daraus bereitet, diesen mit Mehl vermengt und daraus gefer-
tigte Pillen einem kleinen Thiere, z. B. einem Huhne eingibt. Die
Art des Giftes selbst zu ermitteln ist wegen der geringen Quantitä-
ten nicht gut möglich. Andere, weniger nachtheilige Beimischungen
die dem Biere Reiz verleihen sollen, bestehen in Mezereum, Capsi-
cum u. a.
Sitzung am 13. Mai.
Eingegangene Schriften:
1. Zwölfter Bericht des geognostisch-montanistischen Vereines für
Steiermark. Gratz 1863. 80,
484
2. Verhandlungen der Gesellschaft von Freunden der Naturwissen-
schaften in Gera I. 1858—62. Gera 8°.
Als neues Mitglied wird ‚proklamirt
Herr H. A. G. Schubring, stud. phil. hier.
Herr Giebel legt das Obisium troglodytes, einen augenlosen
Bewohner der Adelsberger Grotte vor und gedenkt einiger anderer
sonderbarer Insekten, in der Höhlenfauna Kärntens.
Herr Taschenberg zeigt die Pimplarier seiner Sammlung
vor, erörtert ihre Stellung zu den übrigen Hymenopteren und macht
auf die Punkte aufmerksam, in denen die Unterschiede der Gattungen
und Arten zu suchen sind, wonach für letztere die Farben mehr be-
rücksichtigt werden müssen, als bei ihrer Unzuverlässigkeit wün-
schenswerth wäre.
Herr Brasack macht Mittheilungen über Versuche, welche
Herr Heckert hier mit buntstreifigen Glasscheiben zur Verbesserung
der Gewächshäuser angestellt hat; dieselben sind noch nicht zum
Abschluss gekommen. |
Sitzung am 20. Mai.
‚Zur Aufnahme angemeldet wird
Herr Dr. Guckelberger, Fabrikdirector in Ringkuhl
am Hirschberge unweit Kassel durch die Herren Zincken, Giebel
und Taschenberg. 3
Das November- und Decemberheft der Zeitschrift liegt zur Ver-
theilung vor.
Herr Zincken legt Braunkohle vom nordwestlichen Theile des
Westerwaldes vor. Sie sind meist bedeckt von Thonen, Letten und
Sand, bestehen zum Theil aus reinen Ligniten, die mit der Axt ge-
spalten werden müssen und durch Politur ein ebenholzartiges Anse-
hen erhalten, bestehen aus Coniferen, besonders dem Taxites ponde-
rosus Göpp und führen interessante Ueberreste von Wirbelthieren,
besonders Salamandern, Fröschen, Kröten etc. auch von Insekten.
An diese Mitteilungen knüpfte sich eine längere Discussion über die
Entstehungsweise dieser Kohlenformation.
Herr Weitzel I. gedenkt eines Zeitungsberichtes, wonach bei
Hull in 20 Fuss Tiefe ein verkohlter Wald gefunden sein soll mit
Eichenstäimmen von 20 Fuss Durchmesser. Bei dieser Gelegenheit
schildert Herr Steinbeck grosse Sandhügel bei Magdeburg, die er
für Dünenbildungen erklärt und die ebenfalls bei 3 Fuss Tiefe Vege-
tation von kohlenartiger Beschaffenheit erschlossen.
Herr Richter macht schliesslich auf die neuesten Versuche
Foucault’s über die Geschwindigkeit des Lichtes aufmerksam und be-
schreibt den Apparat, mit welchem sie angestellt wurden. Nach die-
sen Untersuchungen würde uns die Sonne !/s, näher sein und die bis-
her geltenden astronomischen Theorien einen Stoss erhalten. Es wurde
indess die Genauigkeit der Geschwindigkeitsmessungen des Lichtes
angezweifelt.
485
Zwanzigste Generalversammilung.
Halle, am 26. und 27, Mai.
In dem freundlichst bewilligten und schön decorirten Saale der
vereinigten Berggesellschaft versammelten sich folgende Herren zur
Theilnahme an den Verhandlungen:
F.W.v. Bassewitz, Landrath a.D.
Dr. C. Giebel, Professor.
R.Chop, Rechtsanwalt, Sondershsn.
Dr.H. Schaeffer, Professor, Jena.
G. Schubring, stud. math.
Dr. M. Siewert, Decent.
Dr. W. Weitzel, Oberlehrer.
G. Gross, stud. phil., Leipzig.
L. Möller, Hauptlehrer, Mühlhau-
sen.
W. Dietrich, Kaufmann, Schafstädt.
E. Taschenberg, Dr. phil.
A. Trotba, Oberlehrer.
A. Hellwig, Oberlehrer, Erfurt.
O. M. Schimpf, Lehrer.
Finsch, Lehrer.
Dr. W. Heintz, Professor.
RB. Teuchert, stud. math. |
A. W. Richter, stud. rer. nat.
Dr. A.Schreiber, Oberlehrer, Mag-
deburg.
C. Zincken, Civilingenieur.
M. Anton, Buchhändler.
W. Kahlenberg, Berg-Inspector.
Dr. C. S. Cornelius, Docent.
F. Tieftrunk, Assistent im chemi-
schen Laboratorium.
A. Janke, stud. math. et chem.
L. Marschner, Lehrer.
Dieck, Inspector.
R. Dieck, Chemiker.
H. Brodkorb, Apotheker.
W, Schlüter, Kaufmann.
Otto Unbekannt, Mechanikus.
J. Meyer, stud. math. et phys.
XXL 1863,
L.Lichtenstein, Chemiker, Gröbzig.
Dr. W. Bauer.
Graeger, Buchhändler.
Dr. H. Girard, Professor.
Dr. v. Schlechtendal, Professor.
Siemens, Bergassessor.
Gruner, Lehrer.
Dr. R. Heidenkain, Prof., Breslau.
Dr. H. Welcker, Professor.
C. v. Landwüst, Gerichtsrath.
Dr. J. Kühn, Professor.
Grünhagen, Rentier.
Engelhardt, Hansel, Rathsherr,
Bunzlau in Schlesien.
"Emil Kühn, Waisenlehrer, Pirna.
Rud. Steinbeck, Bau-Inspector.
Gustav Weisker, Student.
August Abel, Student.
Bruno Drenckmann, Dr. phil.
Chr. Hankel, Lehrer.
v. Schreeb, R.-Rath a. D., Schkeu-
ditz.
G. Kleemann, Meckaniker.
Dr. Kayser, pract. Arzt.
Dr. Francke, Apotheker.
Stippius, Rentier.
Winkler, Gerichtsrath.
Heithaus, Magdeburg.
C. v. Pfuel.
Dr. Pfundiy, Jena.
O. Bucerius, Kaufmann.
H. Koestler, Lehrer, Naumburg.
C. H. Müller, Lehrer.
A. Garcke, Dr. phil., Berlin.
33
486
E. Abbe, Dr. phil., Jena. O. v. Beuermann, Ober-Präsident.
Wolff, Kreis- Baumeister. Dr. J. Schaller, Professor.
G. A. Haweck, Lehrer. Dr, A. Mann, pract. Arzt.
B. Böhme, Lehrer. Dr. Pott, Professor.
Dr. Snell, Hofrath und Professor, | Dr, R. Volkmann, Professor.
Dr. Jul. Rosenbaum, pract. Arzt.
Der Vorsitzende Hr. Giebel eröffnete die Versammlung mit
folgender Ansprache:
Hochgeehrte Herren! Zehn Jahre sind verflossen, seit Sie ei-
ner Einladung des hallischen Vereines folgend, sich hier versammelten,
um die Satzungen festzustellen, welche unsere gemeinschaftliche Thä-
tigkeit regeln sollten. Die Vereinbarung geschah schnell, denn ein
und dasselbe Bedürfniss, das Streben nach ein und demselben Ziele
führte uns zusammen. Wie in der Natur als dem Kosmos jedes Glied
eine innere und nothwendige Beziehung zu allen übrigen und zum
Ganzen hat, für sich allein aber nicht bestehen kann, wie der che-
mische Process nicht ohne physische Grundlage möglich, das Pflan-
zenreich nicht ohne die Thierwelt, das Säugethier als Mierokosmos
nicht ohne Gehirn oder Herz existiren kann, in einer ebenso innigen
und nothwendigen Beziehung zu einander stehen die verschiedenen
naturwissenschaftlichen Disciplinen und ketten auch ihre Vertreter
eng und fest an einander. In ‘unserer Beschränktheit freilich 'sind
wir genöthigt jedes Glied, jeden kleinsten Theil eines Gliedes aus
seinem natürlichen Zusammenhange herauszureissen und zu zerstöreh,
um seine Wesenbeit zu erforschen. Aber gerade diese gründliche
Erkenntniss der Einzelnheiten befriedigt uns nicht, sie lässt vielmehr
unsere Beschränktheit uns erst recht empfinden, wir verlangen nun
auch die allseitigen Beziehungen dieses kleinsten Theiles zu allen üb-
rigen und zum Ganzen klar zu durchschauen. Es befriedigt uns kei-
neswegs als eifrige und geschickte Handwerker den Ausbau des rie-
sigen Gebäudes der Naturwissenschaft zu fördern, wir sind stolz
genug uns zugleich als Herrn desselben zu fühlen und beanspruchen
eine Einsicht in den ganzen Plan des Gebäudes und ‘dessen Ausfüh-
rung. Solchem Drange, mag er noch so eigemnützig sein, folgend,
theilt Jeder bereitwillig seine Beobachtungen und Forschungen mit
und macht sie zum Gemeingut, verlangt dafür aber auch vollen Be-
sitz des fremden Eigenthumes. Persönlicher Verkehr erleichtert und
sichert diesen Austausch des gegenseitigen Besitzthumes. In unserer
aufgeklärten Zeit hat nicht minder jeder wahrhaft Gebildete den Drang
durch eine Erkenntniss wenigstens der allgemeinen Naturgesetze und
Erscheinungen sich von der Knechtschaft zu befreien, in welcher die
Natur jeden Menschen durch ihre materielle und physische Gewalt
gefangen hält. Die naturwissenschaftlichen Vereine erfreuen sich da-
her des besonderen Vorzuges nicht blos Fachmänner, bewährte Ver-
487
treter und rüstige Jünger der Wissenschaft zusammenzuhalten, auch
der Gebildete jeglichen Alters und jedweden Berufes findet in ihren
Bestrebungen Befriedigung und zugleich den sichersten Schutz gegen
Beschränktheit und Einseitigkeit. — Zehn Jahre ist unser Verein thä-
tig, ein fast verschwindend kleiner Zeitraum in der Geschichte der
Menschheit und deren geistiger Entwicklung, aber ein gewichtiger
Abschnitt im Leben des Individuums und gerade dieses Decennium
auch ein sehr bedeutungsvolles in dem Fortschritte unserer Wissen-
schaft. Ich brauche nur auf die gegenwärtige Planetenwelt, auf die
Spectralanalyse, auf die Typentheorie der organischen Verbindungen,
auf die Befruchtung der Pflanzen und die Entwickelungsgeschichte
der niedern Thiere hinzuweisen, um sie auf die gewaltige Erweite-
rung unserer Erkenntniss der Natur während der letzten Jahre auf-
merksam zu machen. Unser Verein hat diesen Fortschritt im engen
Kreise seiner wöchentlichen Versammlungen, in dem weitern seiner
wandernden Generalversammlungen mit dem lebhaftesten Interesse
verfolgt und denselben durch seine Zeitschrift schnell zum Gemein-
gut aller Mitglieder gemacht. Aber auf diese eigennützige Theil-
nahme an den Fortschritten der Wissenschaft allein beschränkte
sich keineswegs unsere Thätigkeit, wir haben vielmehr durch eigene
Beobachtungen und Forschungen ganz nach Massgabe unserer beschei-
denen Kräfte und Mittel alle Theile unserer umfangreichen Wissen-
schaft unmittelbar gefördert und dürfen auch nach dieser Seite hin
mit Befriedigung die zwanzig Bände unserer Zeitschrift und die zwei
Bände unserer grossen Abhandlungen durchblättern. — Hochgeehrte
Herren, Sie wählten bei der Begründung unseres sächsich -thüringi-
schen Vereines Halle zum Sitz desselben, weil es den günstigsten
Mittelpunkt im grossen Vereinsgebiete bildet und im Besitze der
reichsten wissenschaftlichen Hülfsmittel ist, auch in der ernsten Pflege,
welche es von jeher den Naturwissenschaften gewidmet hat, eine
Gewähr für diese neuen gemeinschaftlichen Bestrebungen bot. Indem
Sie nach den ersten zehn Jahren unserer Vereinsthätigkeit sich aber-
mals hier versammeln, nehmen wir für uns das Zeugniss in Anspruch,
das Halle Sie in Ihren Erwartungen nicht getäuscht hat. Empfangen
Sie dafür den innigsten Dank, den ich Ihnen im Namen des Vorstan-
des und aller hallischen Mitglieder ausspreche. Wir wünschen und
hoffen, dass auch diese zwanzigste Generalversammlung durch gegen-
seitige Belehrung die persönlichen Bande unseres Vereinslebens fe-
ster knüpfen wird zu einer gesteigerten Thätigkeit für das zweite
Jahrzehnt. Mit diesem Wunsche heisse ich Sie herzlich willkommen
und erkläre die Versammlung für eröffnet.
Sodann übergab derselbe folgende für die Vereins-Bibliothek
eingegangene Schriften:
1. Wochenschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in
den königlich preuss, Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde,
Berlin 1863. No, 13—16. 4°,
33 *
ID
14.
15.
16.
17.
18,
19.
488
Zeitschrift für Acclimatisation. Organ des Acclimatisations-Ver-
eines für die kgl. preuss. Staaten. 1862. Juli bis Dezbr. Berlin
1863. 8°. und 1863. No. 1—3.
. Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. XV. 1. Ber-
lin 1863. 89.
Sitzungberichte der kgl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaf-
ten in Prag 1862. Prag 1862. 8°.
Jahresbericht des physikalischen Vereines in Frankfurt am Main
1861—62. 8°,
Correspondenzblatt des Vereines für Naturkunde zu Presburg. I.
1862. Presburg. 8°.
. A. Kiralyi Magyar Termeszettueomanyi Tarsulat Közlönye. 1862.
Pesten 1863. 80,
Bi
. Verhandlungen u. Mittheilungen des siebenbürgischen Vereines für
Naturwissenschaften zu Hermannsstadt. XIII. Hermannstdt. 1862.
» Jahrbuch der kk. geologischen Reichsanstalt in Wien 1863. XIII.
1. und Generalregister der ersten 10 Bände. Wien 1863. 4°.
. Vierteljahrsschrift der naturforschenden Gesellschaft in Zürich.
IV. und V, Zürich 1859. 60. 8°.
The Quarterly Journal of the geological Society. XIX. 1. Lon-
don 1863. 80°.
Bulletin dela Societe geologique de France. 2 serie. XIX. 46—
58, XX. 1-5. Paris 1861—63. 80,
H. M. Brunner, sanitätliche Bedenken gegen die Lagerung von
von Leichenäckern in zu grosser Nähe der Städte mit besonderer
Berücksichtigung der Lage des katholischen Friedhofes zu Augs-
burg. Erlangen 1863. 8°.
R. Geist, Methode der qualitativen chemischen Analyse von Sub-
stanzen, welche die häufiger vorkommenden Elemente enthalten.
Halle 1863. 8°.
C. G. Giebel, die Naturgeschichte des Thierreiches. IV. Band:
Gliederthiere. Leipzig 1863. 8°.
C. Hull, das Grundgesetz der Materie. Ein Beitrag zur Erwei-
terung, der rationellen Physik. Oldenburg 1863. 8°,
A. Gether, Anmerkungen zu Gedanken über die Naturkraft. Ol-
denburg 1863. 8°.
H. Weber, über die Bestimmung des galvanischen Widerstandes
der Metalldrähte aus ihrer Erwärmung durch den galvanischen
Strom nach absolutem Masse. Leipzig 1863. 4°.
E.A.Knorr, Studien über dieBuchenwirthschaft. Nordhsn. 1863. 80,
No. 13—19 Geschenke der Herrn Verfasser.
Als neues Mitglied wird proclamirt:
Hr. Dr. Guckelberger, Fabrikdirector in Ringkuhl am
Hirschberge unweit Kassel.
Zur Aufnahme angemeldet:
Hr. G. Gross, stud. der Bergwissenschaften in Leipzig,
durch die Herren Möller, Giebel und Taschenberg.
489
Hierauf erstattete Herr Giebel den Verwaltungsbericht des
Vorstands über das Jahr 1862 mit einem Rückblicke auf das damit vol-
lendete erste Jahrzehnt des Vereins:
Unsere Einnahme im Jahre 1862 betrug 573 Thaler und zwar
464 Thaler Jahresbeiträge, wovon jedoch 72 Thaler Restanden sind,
9 Thaler Eintrittsgelder neu aufgenommener Mitglieder und 100 Tha-
ler Unterstützung des hohen Cultus-Ministeriums für die Herausgabe
der beiden ersten Bände der Quartabhandlungen.
Die gleichzeitige Ausgabe stellte sich auf 615 Thaler 21 Gr.
1 Pf., nämlich früheres Deficit und Ausfälle restirender Beiträge
154 Thaler 10 Gr. 10 Pf,, Zuschuss zum Druck der Zeitschrift und für
Lithographien 342 Thaler 6 Gr. 3 Pf., Buchbinderarbeiten 12 Thaler
8 Gr. 3 Pf., Miete, Botenlöhne, Porto, Insertionen, Büraukosten
58 Thaler 29 Gr. 9 Pf. und Redaktionsgebühren 48 Thaler.
Hiernach ergab sich am Schlusse des Jahres ein Deficit von
42 Thalern 21 Gr. 1 Pf., welches voraussichtlich im laufenden Jahre
vollständig gedeckt werden wird. Der Vorstand hat die 20 Bände
der Zeitschrift für neu eintretende Mitglieder auf zehn Thaler herab-
gesetzt und hofft mit dieser Preisermässigung vielen jüngern Mit-
gliedern Veranlassung zu geben sich in Besitz der ganzen Zeitschrift
zu setzen, zugleich auch dem Vereine die Mittel zu verschaffen um
den seit zwei Jahren unterbrochenen Druck der Quartabhandlungen
wieder aufnehmen zu können.
Von den 266 wirklichen Mitgliedern und 15 correspondirenden,
welche der letzte Bericht zählte, gingen ab 28 und neu aufgenommen
wurden 16, so dass eine Verminderung von 12 stattgefunden hat.
Die Bibliothek erhielt durch den regelmässigen Tauschverkehr
mit 76 Instituten und Gesellschaften wieder sehr werthvolle Fortset-
zungen ihrer periodischen Schriften. Neue Tauschverbindungen
würden angeknüpft mit der geologischen Gesellschaft in Paris, der
kk. Gesellschaft in Cherburg, der Akademie in Padua und mit dem
Gewerbe-Verein in Hannover. Auch an Recensions-Exemplaren und
einzelnen Geschenken gingen schätzenswerthe Bereicherungen ein,
unter letztern verdient die Fortsetzung von H. Karsten’s Flora Co-
Jumbiae und der botanische Theil von W. Peter’s Reise nach Mossam-
bique, beide kostbare Geschenke des hohen Cultus- Ministeriums hier
einer besondern Erwähnung. Die Zugänge wurden im monatlichen
Correspondenzblatt regelmässig zur Kenntniss der Mitglieder gebracht.
Die Benutzung der Bibliothek war wie in den Vorjahren eine sehr
ausgedehnte.
Die übrigen Sammlungen des Vereins erhielten keine erwäh-
nenswerthen Zugänge.
Die öffentlichen Versammlungen hier in Halle erfreuten sich
einer lebhaftern Betheiligung als im letztvergangenen Jahre, woge-
gen die beiden General-Versammlungen in Erfurt und Suderode haupt-
sächlich durch die Ungunst der Zeitverhältnisse minder zahlreich be-
490
sucht waren als irgend eine frühere, Ueber die Verhandlungen ın
diesen Versammlungen erstattete das Correspondenzblatt der Zeit-
schrift regelmässigen Bericht.
Von der Zeitschrift wurden‘ der 19. und 20. Band vollendet.
Dem letztern ist ein Inhaltsregister über alle 20 Bände und die frü-
hern fünf Jahresberichte beigegeben worden, dessen sehr zeitraubende
Bearbeitung den Abschluss des Bandes bis in diesen Monat verzö-
gerte. Mit demselben ist die Benutzung des sehr reichen Materials
wesentlich erleichtert. — Dıe Fortsetzung der Quartabhandlungen
konnte bei dem seitherigen ungünstigen Stande der Kasse noch nicht
wieder aufgenommen werden. Da wir jedoch hoffen dürfen im lau-
fenden Jahre die Ausfälle gänzlich zu decken: so werden wir auch
diesen sehr wichtigen Publikationen demnächst einen dritten Band
folgen lassen können. An Material ist dazu bei der regen Thätigkeit
der Mitglieder kein Mangel.
Am Schlusse des Jahres trat Herr Heintz von der Redaktion
der Zeitschrift urd als Vorsitzender vom Vorstande zurück, nachdem
er seit dem Bestehen des Vereines seine rege Thätigkeit in der un-
eigennützigsten Weise den Vereinsbestrebungen dargebracht hat.
Seine gesteigerte amtliche Thätigkeit gestattet ihm nicht mehr den
seitherigen grossen Zeitaufwand dein Vereine zuzuwenden, aber er
entzieht ihm seine thätige Mitgliedschaft nicht. Herr Siewert ist für
ihn als Redakteur und Vorsitzender eingetreten. Zugleicher Zeit über-
gab unser Verleger Herr Bosselmann in Berlin sein Verlagsge-
schäft an die Herren Wiegandt und Hempel daselbst. Er hat un-
sere Publikationen mit lebhafter Theilnahme und in der liberalsten
Weise gefördert. Der Verein wird den Dank, den er Herrn Heintz
und Herrn Bosselmann für die langjährigen grossen Opfer schul-
dig ist, nimmer vergessen können.
Mit diesem ersten Berichte schliesst das erste Decennium un-
seres sächsischthüringischen Vereines ab und ist dieser Zeitpunkt
wohl geeignet einen Blick auf die Resultate der zehnjährigen Thätig-
keit zurückzuwerfen, um so mehr da sehr viele Mitglieder die wenn
auch erst kurze Vergangenheit des Vereins nicht kennen.
Der Verein erzielte in den zehn Jahren eine Gesammt-Einnahme
von rund 5500 Thalern und verwendete davon für Druckarbeiten
3120 Thaler, für Lithographien 890 Thaler, für Buchbinderarbeiten
172 Thaler, für Miete, Porto, Botendienste und andere geschäftliche
Ausgaben 916 Thaler, endlich für Redaktionsarbeiten 440 Thaler.
Die Herstellungskosten der 20 Bände der Zeitschrift (Satz,
Druck, Papier, Lithographien, Buchbinderarbeiten) dagegen belaufen
sich auf 10000 Thaler, die der beiden Bände Abhandlungen auf 2000
Thaler, rechnen wir dazu noch die nicht honorirten Correcturen und
Registerarbeiten einschliesslich der beiden Kataloge der Vereins-
bibliothek im niedrigsten Ansatz mit 1300 Thalern, so betragen die
Kosten unserer Publikationen ohne Honorar der wissenschaftlichen
Arbeiten 13300 Thaler, von welcher Summe der Verein selbst nur
491
4450 Thaler, also den dritten Theil aufgebracht und gedeckt hat,
Der buebhändlerische Ladenpreis der 20 Bände der Zeitschrift stellt
sich auf 562/; Thaler, der Abhandlungen auf 45 Thaler, während die
Mitglieder jene für 20 Thaler, diese für 18 Thaler erbielten und den
neu eintretenden Mitgliedern erstere jetzt für 10 Thaler vom Vor-
stande geliefert werden.
Unser Verein bietet hiernach den Mitgliedern in den monatli-
chen Heften seiner Zeitschrift das wohlfeilste und vollständigste Re-
pertorium für gesammte Naturwissenschaften, zugleich das einzige
in diesem Umfange jetzt erscheinende. Aber er hat sich weiter auch
durch dieselbe und die Abhandlungen mittelst eines ausgebreiteten
Tauschverkehrs eine sehr werthvolle wissenschaftliche Bibliothek er-
worben. welche durch Kataloge allen Mitgliedern zugänglich ist. De-
ren grösster Werth besteht in den vielen Bändereichen akademischen
und Gesellschaftsschriften, ausserdem aber enthält sie auch einzelne
schätzbare monographische Werke in allen Abtheilungen und eine ge-
diegene Unterhaltungs-Literatur. Die Ausgabe für Buchbinderlohn,
Porto und Repositorien wurden mit 280 Thalern bestritten. Sie lei-
stet den mit eigenen Forschungen beschäftigten Mitgliedern wesent-
liche Dienste und wird ebenso von den blos Belehrung, Anregung und
Unterhaltung suchenden Mitgliedern fortwährend in erfreulich ausge-
dehntem Masse benutzt.
Die übrigen Sammlungen des Vereins, ohne alle Geldmittel
nur auf Geschenke angewiesen, sollen sich zunächst nur auf das Ver-
einsgebiet beschränken. Sie befinden sich noch in den ersten An-
fängen, enthalten aber doch schon einzelnes werthvolles Material, wel-
ches zu Arbeiten in den Vereinsschriften benutzt worden ist. Das
kleine Herbarium, die oryktognostische und geognostische Sammlung
sind geordnet, die paläontologische erst theilweise, für die übrigen
Abtheilungen sind nur vereinzelte Präparate vorhanden.
Zu wissenschaftlichen Verhandlungen versammelte sich der Ver-
ein in den zehn Jahren 410 Male, also durchschnittlich in 41 Sitzun-
gen jährlich. In denselben wurden 920 Vorträge und Mittheilungen
gegeben, deren Gegenstände sich auf sämmtliche Gebiete der Natur-
wissenschaft vertheilen und zwar waren 47 allgemeinen Inhaltes, 120
aus der Astronomie, Meteorologie und Physik, 116 aus der Chemie,
16 aus der Technologie, 60 aus der Geologie und Geognosie, 35 aus
der Mineralogie, 164 aus der Paläontologie, 35 aus der Botanik, 197
aus der Zoologie und 72 aus der Physiologie. An diesen mündlichen
Verhandlungen konnten sich selbstverständlich stets nur wenige Mit-
glieder betbeiligen, an den wöchentlichen in Halle durchschnittlich
der dritte und vierte Theil von den hier ansässigen 70 bis 80, an
den wandernden General- Versammlungen kaum der sechste Theil
aller. Letztere Versammlungen so wie die zeitweiligen ‚öffentlichen
Sitzungen in Halle wurden stets von einer grossen Anzahl von Gä-
sten besucht.
Um den wissenschaftlichen Verkehr unter sämmtlichen Mitglie-
492
dern rege zu halten, druckt der Verein nicht blos den in allen na-
turwissenschaftlichen Vereinen üblichen Bericht über seine Verhand-
lungen, sondern erstattet zugleich in den monatlichen Heften seiner
Zeitschrift Bericht über alle neuen wichtigen Forschungen und Ent-
deckungen, wodurch den Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird den
Fortschritten unserer grossen und vielgliederigen Wissenschaft im
Einzelnen zu folgen. Solche Berichte erscheinen zwar ausführlicher
in mehreren Fachjournalen und eigenen Jahrgängen, werden aber in
dieser Form nur den Fachmännern zugänglich, während unsere Zeit-
schrift unter Beschränkung auf das wichtigste und nächstliegende De-
tail dieselben zusammenfasst und sie innerhalb und ausserhalb des
Vereines allen denen auf die bequemste und wohlfeilste Weise dar-
bringt, welche weder Zeit noch Gelegenheit haben ihre Belehrung
aus der Fachliteratur zu schöpfen. Dazu bringt unsere Zeitschrift in
den Monatsheften stets auch Originalaufsätze von Mitgliedern und
Nichtmitgliedern und in den Quartabhandlungen veröffentlichten wir
daneben eine Reihe grösserer monographischer Arbeiten. Das Ur-
theil über diesen Theil unserer Thätigkeit ist längst in dem Beifalle
ausgesprochen, mit welchem dieseiben in der wissenschaftlichen Welt
aufgenommen worden sind.
So können wir mit Befriedigung auf die Resultate unserer Thä-
tigkeit zurückblicken und dürfen ohne uns dem Vorwurfe der An-
massung auszusetzen, behaupten, dass keiner der zahlreichen Local-
und Landesvereine so viel — keineswegs so grosses massen wir
uns an — geleistet hat, als der unsere mit seinen sehr beschränkten
Mitteln und seinen doch nur bescheidenen Kräften. Aber wir alle
sind gewiss weit entfernt in diesen erfreulichen Resultaten schon die
Lösung unserer gemeinschaftlichen Aufgabe erkennen zu wollen, es
ist vielmehr nur ein befriedigender Anfang zu derselben. Wir wol-
len zunächst in unserm Vereinsgebiete die Naturwissenschaft verbrei-
ten, Tausende aber sind in demselben, welche Interesse an ihr neh-
men, und doch konnte sich unsere Mitgliederzahl in zehn Jahren noch
nicht dauernd auf 300 erheben, während andere Vereine mit engerm
Gebiete und viel beschränkterm Interesse für die einzelnen Mitglie-
der längst schon deren mehr denn Tausend zählen. Wir wollen fer-
ner die natürlichen Verhältnisse unseres Vereinsgebietes erforschen,
aber bis jetzt veröffentlichten wir alljährlich nur ganz vereinzelte
Forschungen und vieles sehr vieles ist nach dieser Seite hin der Ver-
einsthätigkeit noch vorbehalten. Unsere Zeitschrift soll zugleich an-
regend wirken auf solche, welche der strengen Forschung fern stehen
aber sie pflegt vorherrschend die Detailstudien nnd bringt nur hin
und wieder allgemein unterhaltende, populäre Mittheilungen. Warum
erzielten wir nach diesen Richtungen hin keine günstigern Resultate?
— Viele, welche in andern Gebieten dem Landesvereine sich an-
schliessen, finden oder suchen auf unserm Gebiete für ihre speciellen
Bedürfnisse anderwärts die Befriedigung, welche sie leichter, beque-
mer, erfolgreicher in unserm Vereine haben könnten. Andere verfol-
493
gen Interessen, welche der Verein bei seinen bisher beschränkten
Mitteln, unzureichenden Kräften, ungenügender Veranlassung noch gar
nicht oder nur zu dürftig pflegen konnte. Auch ist an viele Orte
die Kunde unserer Thätigkeit, unserer gemeinsamen Bestrebungen
noch gar nicht gedrungen, wir mussten in Zeitungen das Bedauern
lesen, dass für den Harz, für den Thüringerwald kein Organ, kein
Verkehrspunkt existire, durch welchen vereinzelte Forschungen ver-
werthet, isolirt lebende Beobachter verbunden würden. Alle derar-
tigen Hindernisse, welche der weitern Ausdehnung unseres Wirkungs-
kreises bis jetzt entgegenstanden, sind beseitigt, sobald alle Mitglie-
der durch den Verein nicht blos in eigennütziger Weise ihre indivi-
duellen Bedürfnisse zu befriedigen suchen sondern mit denselben zu-
gleich die allgemeinen Interessen des Vereins fördern und pflegen,
soweit sie dazu eben Kraft und Mittel, Veranlassung und Gelegenheit
haben. Unser Verein ist ein auf Gegenseitigkeit begründeter und
nur von dieser getragenes Institut, der Vorstand allein und mit Hülfe
noch einiger uneigennütziger und eifriger Mitglieder kann nicht den
vielen und vielseitigen Bedürfnissen Befriedigung gewähren. Dazu
gehören grössere Mittel und mehr Kräfte. Die bis jetzt erzielten
Resultate aber bieten gewiss eine ausreichende Garantie, dass der
Verein, wie er an Umfang und Ausdehnung, an materiellen und gei-
stigen Kräften gewinnt auch entsprechend seine Leistungen steigern
wird und dass mit ihm durch das Zusammenwirken Aller oder auch
nur eines grossen Theiles derer, welche auf unserm weitem Gebiete
ein mehr oder minder ernstes Interesse an den Naturwissenschaften
nehmen, bedeutendes für die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kennt-
nisse und für den unmittelbaren Fortschritt der Wissenschaft zu er-
zielen ist. Mögen daher alle Mitglieder neben der Verfolgung ihrer
individuellen Bedürfnisse stets auch der schönen und grossen allge-
meinen Aufgabe des Vereins sich bewusst sein, das Resultat der ge-
meinschaftlichen Thätigkeit im zweiten Decennium wird gewiss auch
eine höhere Befriedigung gewähren. —
Die Herren Hellwig und Schreiber nehmen die Wahl als
Revisoren des Kassenberichts an.
Im Auftrage des Vorstandes schlägt Hr. Giebel folgende Herrn
zur Ernennung zu correspondirenden Mitgliedern vor, indem er be-
merkt, dass der sächsisch-thüringische Verein bei seiner Begründung
die Correspondenten des damaligen hallischen Vereines übernommen,
selbst aber noch keine ernannt habe, jetzt nach zehnjährigem Beste-
hen sei es wohl an der Zeit den Männern, welche unsere Bestrebun-
gen gefördert und deren Verdienste um die Wissenschaft wir beson-
ders hochachten, auch das äussere Zeichen unserer Anerkennung dar-
zubringen. Die Herren sind:
Professor Dr. H. Rose in Berlin,
Geheimrath Prof. Dr, G. Rose in Berlin;
4 „ Dove in Berlin,
Profeisor Dr. Alexander Braun in Berlin,
494
Professor Dr. W. Peters in Berlin,
& „ RB. Blum in Heidelberg,
» „ . Oswäld Heer in Zürich,
ce „ Caspary in Königsberg,
Sn „Ferdinand Römer in Breslau,
> „ F. Unger in Wien,
Pr „ Hugo v. Mohl in Tübingen,
h „ E. H. Weber in Leipzig,
Dr. Fr. Brendel in Peoria (Illinois),
Professor Dr. R. A. Philippi in Santjago,
u „ Löw in Meseritz,
> „ 4A. W. Hofmann in London,
n » R. Bunsen in Heidelberg,
H ». Wurtz in Paris,
Durch ein eben eingehendes Telegramm entbieten die Freunde
der Naturwissenschaften in Gera der Versammlung ihren Gruss und
laden die nächste Pfingstgeneralversammlung nach Gera freundlichst ein.
Der Vorsitzende übernimmt es nach der morgen statt finden-
den Wahl des Versammlungsortes den Dank für. den Gruss und die
Einladung brieflich auszusprechen.
Herr Heintz sprach über absolute Isomerie und chemische
Structur. Mit dem Namen der absoluten Isomerie bezeichnet der-
selbe den Fall der Isomerie, wobei Körper von verschiedenen Eigen-
schaften nicht nur dieselbe Anzahl Atome derselben Elemente vorhan-
den ist, sondern auch die Anzahl derselben Radicale.. Die gewöhnli-
chen isomeren Körper enthalten nämlich entschiedene Radicale. Die
Summen aber der Atome der Elemente sind bei denselben einander
gleich. Bei den absolut isomeren Körpern muss dagegen der Grund für
ihre verschiedenen Eigenschaften in etwas Anderem gesucht werden
als in der Verschiedenheit ihrer Radicale. Man kann ihn nur in der
verschiedenen chemischen Structur finden.
Man stellt sich vor, dass bei dem absolut isomeren Körper die
Lage der Radicale innerhalb der Moleküle verschieden ist, Wäre sie
gleich, so wäre gar kein Grund für die verschiedenen Eigenschaften
derselben vorbanden. Um dieser verschiedenen Lagerung willen sind
denn auch die Zersetzungsproducte derselben verschiedene. Isomere
Körper, bei denen die Lagerung der Atome oder Radicale verschie-
den ist, haben also verschiedene chemische Struktur.
Schon früher hat Herr Heintz auf soiche absolut isomere Kör-
per hingewiesen. Jetzt ist es ihm gelungen eine mit der früher
von ihm entdeckten Diglycolamidsäure absolut isomere Säure darzu-
stellen, die Diglycolaminsäure. Sie ist die Aminsäure der ebenfalls
von ihm entdeckten Diglycolsäure.
Unterwirft man dies saure diglycolsaure Ammoniak der trock-
nen Destillation so schmilzt es, es entweicht ein schwaches ammonia-
kalisches Wasser und es geht eine farblose beim Erkalten bald fest
werdende Flüssigkeit über, welche das Diglycolamid ist.
495
Diese Substanz krystallisirt aus der wässerigen oder alkaholi-
schen Lösung beim Erkalten aus langen seidenglänzenden Nadeln, die
sich schon in der Wärme des Wasserbades langsam verflüchtigen
und in Form feiner Nadeln sublimiren.
Das Diglycolimid ist der Formel u
H gemäss zusam-
mengesetzt.
Versetzt man ein Gemisch von Diglycolimid und Wasser mit
der aequivalenten Menge Barythydrat, dampft die Lösung in sehr
gelinder Wärme ein, zieht eiuen Rest von Diglycolimid mit Alkohol
aus und krystallisirt das dann nicht lösliche, welches ein Gemenge
von diglyeolaminsaurem Baryt und diglycolaminsauren Ammoniak ist,
aus der Lösung in verdünntem Alkohol um, so erhält man jenes Ba-
rytsalz rein. Zersetzt man dasselbe genau durch Schwefelsäure, so
enthält die Flüssigkeit die Diglycolaminsäure, welche aus der wässe-
rigen Lösung in grossen prismatischen Krystallen anschiesst, in Was-
ser und Alkohol nicht ganz leicht löslich ist, bei 130—135° schmilzt
und durch Kochen mit Kalk in diglycolsauren Kalk und Ammoniak
zerlegt wird.
Die Zusammensetzung dieser Säure kann durch die Formel
£:H19?
u
| © oder besser durch die Formel N H
H
ausgedrückt werden, da aber das Radical Diglycolyl 6?H4®3 in der
Diglyeolsäure aus zwei Atomen des Radicals Oxäthylenyl (G?H29)
entstanden ist, so muss die Formei vielmehr sein
£2H?2Q )
62H? (
N n}®'
H
H
Aus dieser Formel folgt, dass diese Säure einbasisch ist, während die
£?H29 | o
H
N(£H:92,H,N)
H
8
mit ihr absolut isomere Diglycolamidsäure N< €?H29 | g ?weiba-
H
H
sisch ist, was der Versuch in der That bestätigt.
Wird Diglycolimid mit salpetersaurem Silberoxyd und dann
mit Ammoniak versetzt, so entsteht ein weisser Niederschlag, der
nicht das Silbersalz der Diglycolaminsäure, sondern Diglycolimidsilber
: 6: H40°
ist = N Ag ;
Bei der Destillation der Diglycolsäure geht eine beim Erkalten
erstarrende Flüssigkeit über, welche Wurtz, der sie zuerst beobach-
tete, für eine eigene Pyrosäure hielt, Der Vortragende hat darge-
than, dass dieselbe aus Diglycolsäure und einer kleinen Menge Gly-
eolsäure besteht. Auserdem bilden sich dabei Kohlensäure, Kohlen-
oıyd, Wasser und Wasserstoff, wahrscheinlich auch Methylen und
496
Kohle bleibt in der Retorte zurück. Ausserdem entsteht eine kleine
Menge Dioxymethylen, welches aber möglicher Weise erst aus der
zuerst erzeugten Glycolsäure gebildet sein kann.
Der Vortragende zeigte die betreffenden Präparate vor, sowie
andere, welche er bei einer Untersuchung über die Darstellung des
Aethylamin’s aus dem Salpetersäureäthyläther und über die Scheidung
der drei Amine des Aethyls mittelst Oxaläther erhalten hatte, worun-
ter namentlich die noch nicht bekannte Diäthyloxaminsäure und die
fast noch ganz unbekannte Aethyloxaminsäure, sowie Verbindungen
derselben zu erwähnen sind.
Hr. Bauer verbreitet sich über die Stellung der Naturwissen-
schaften zur Philosophie, giebt einen geschichtlichen Ueberblick über.
das Verhältniss, welches zu verschiedenen Zeiten zwischen beiden
Wissenschaften bestanden hat und geht genauer ein auf ihre Stellung
in der Gegenwart. Zum Schlusse hebt derselbe einige Punkte her-
vor, in denen eine Annäherung und das Zusammenwirken beider mög-
lich und zum Theil schon angebahnt ist, namentlich Bezug nehmend
auf die psychophysischen Untersuchungen Fechners.
Nach einer Pause theilt Hr. Giebel aus einem Schreiben von
Herrn Burmeister in Buenos Aires 12. April 1863 die paläontolo-
gischen Resultate von dessen Reise an den Rio Salado mit. Die an-
gestellten Ausgrabungen daselbst lieferten Ueberreste von Toxodon,
Equus curvidens, einen vollständigen Panzer von Glyptodon, mehre
Skelettheile von Megatherium und von Mylodon robustus und M. Dar-
wini, von letzterm auch die ganze mit eckigen Knochenstücken ge-
panzerte Bauchhaut, deren Beschaffenheit Herr Burmeister näher
schildert.
Hierauf legt Derselbe die Schädel von Sus scropha und S. lar-
vatus vor und macht auf deren Unterschiede aufmerksam, letztrer ist
kürzer, mit ganz flachem scharfkantigen Nasenrücken, sehr kurzen
Thränenbeinen, starkem Höcker auf den-obern Eckzahnalveolen; der
erstere untere Backzahn fehlt, die Gaumenfläche erweitert sich nach
vorn stark, die Felsenbeine erscheinen sehr stark comprimirt mit ho-
her lamellenartiger Leiste vor dem Zitzenbeinfortsatze, die Pflugschar
mit schneidender Leiste, der Unterkiefer kurz und kräftig. Diese
Eigenthümlichkeiten bestätigen die auf äussere Merkmale begründete
specifische Trennung des Maskenschweines von dem Hausschweine.
Hr. Siewert spricht über einen Theil unsrer Nahrungsmittel
und zwar denjenigen, der Stickstofffrei ist und auch nicht zu den
Kohlenhydraten gehört. Zuerst gab er eine Uebersicht über das Vor-
kommen des Fettes in der Natur, sowohl im pflanzlichen als thieri-
schen Organismus, und hob hervor, dass bisher nur in den niedrigst
organisirten Thierklassen kein Fett gefunden sei. Sodann ist es be-
merkenswerth, dass der Fettreichthum des Organismus in innigstem
Zusammenhange mit dem Alter, Wachsthum, der körperlichen Be-
schäftigung, besonders aber der geschlechtlichen Thätigkeit des In-
dividuums steht. Dass auch Gemüthszustände, acute und chronische
497
Krankheiten sowohl des ganzen Körpers als einzelner Körpertheile
abnorme Fettverminderung oder Vermehrung bedingen können, wurde
ebenfalls erwähnt. Die Frage über den Ursprung, oder die Entste-
hung der Fette im Körper wurde mit Liebig einmal dahin beantwor-
tet, dass Fett sowohl mit unseren Nahrungsmitteln aufgenommen
werde, als dahin dass es auch innerhalb unseres Organismus normal
gebildet werden könne, wahrscheinlich durch Umbildung von Stick-
stoffbaltigen Stoffen, wie z.B. der Muskeln; wofür verschiedene wis-
senschaftlich festgestellte Thatsachen als Beweise angeführt werden.
Die Verwerthung, die das Fett im Organismus findet, werde als eine
dreifache bezeichnet, weil es 1. mechanisch als Polster, Stosskissen
und zur Ausfüllung leerer Räume diene, 2. physikalisch ais schlech-
ter Wärmeleiter, wegen seines geringeren specifischen Gewichts als
Erleichterungsmittel für den Körper im Wasser, als Gelenkschmiere.
3. chemisch-physiologisch als Quell der Erregung und Erhaltung der
thierischen Wärme und Unterstützung der Verdauung. Es hat sich
zwar ergeben, dass grössere Mengen Fett weder für sich, noch mit
anderen Nahrungsmitteln leicht assimilirt werden, dass aber auch die
Verdauung der letztern durch Mithülfe geringer Mengen Fett bedeu-
tend erleichtert wird, und schneller erfolgt, als wenn das Fett völlig
fehlt. In den Betreff des Fettüberganges aus dem Darmkanal in das
Blutgefässsystem und von da in die Körpertheile musste der Vortra-
gende sein Bedauern ausdrücken, nichts Näheres darüber mittheilen
zu können, da über diese Vorgänge noch so gut wie gar nichts fest-
gestellt ist.
Hierauf wird die erste Sitzung geschlossen. Die Anwesenden
vereinigten sich zu einem Mittagsmahle, unternahmen nach demselben
eine Gondelfahrt nach Cröllwitz, wo die grossartige Papierfabrik und
schönen Gartenanlagen des Herrn Commerzienrath Keferstein besucht
wurden, während andere Theilnehmer Hrn. Volkmanns physiologisches
Institut und das physikalische Kabinet besuchten. Abends fand ge-
sellige Unterhaltung im Bad Wittekind bei Giebichenstein statt.
Zweite Sitzung am 27. Mai, Vormittags 10 Uhr.
Der Vorsitzende Hr. Giebel proclamirte
Hrn. Georg Gross, stud. der Bergwissenschaften in
Leipzig als wirkliches Mitglied.
Die Ernennung correspondirender Mitglieder erfolgt nach 8.17.
der Statuten durch Abstimmung mit zwei Drittel Stimmen der An-
wesenden und wird auf Antrag des Herrn Volkmann über die von
dem Vorstande in der gestrigen Sitzung vorgeschlagenen Herren im
Einzelnen abgestimmt. Die Abstimmung ergibt nahezu, meist völlige
Einstimmigkeit und proclamirt darauf der Vorsitzende als correspon-
dirende Mitglieder die Herren:
Professor Dr. H. Rose in Berlin,
Geheimrath Professor Dr. G. Rose in Berlin,
» » » Dr. Dove in Berlin,
498
Professor Dr. Alexander Braun in Berlin,
= » W. Peters in Berlin,
= »„ R. Blum in Heidelberg,
u „ Oswald Heer in Zürich,
. „ Caspary in Königsberg.
» „ Ferdinand Römer in Breslau.
5 »„ F. Unger in Wien,
5 »„ Hugo v. Mohl in Tübingen.
„ E.H. Weber in Leipzig.
Dr. Fr. Brendel in Peoria (Illinois),
Professor Dr. R. A. Philippi in Santjago.
> „ Löw in Meseritz,
» „ A. W. Hofmann in London,
5 „ R. Bunsen in Heidelberg,
A » Wurtz in Paris.
Hr. Schreiber erstattet Bericht über die Prüfung der Kassen»
belege und ersucht die Versammlung unter Vorbehalt nachträglicher
Beibringung zweier fehlenden kleiner Quittungen Decharge zu er-
theilen, was geschieht.
Zur Wahl der Orte der nächstjährigen Versammlungen schrei-
tend wird für die zweitägige Pflugstversammlung die gestrige tele-
graphische Einladung dankbar angenommen und Gera gewählt, für
die eintägige Herbsiversommlung Merseburg angenommen. Zugleich
wird beschlossen, die diesjährige Herbstversammlung in Mühlhausen
ganz ausfallen zu lassen, da sich der Ort seiner ungünstigen Lage
wegen für eine eintägige Versammlung in jener Jahreszeit doch
nicht wohl eignen möchte und geeigneter für eine zweitägige Pfingst-
versammlung zu reserviren sei.
Zu Jen wissenschaftlichen Vorträgen übergehend, spricht Herr
Giebel über das Wassergefässsystem der niedern Thiere. Er schil-
dert zunächst dessen verschiedene Einrichtungen bei den Infusorien,
Radiaten, Mollusken und Würmern, legt die abweichenden Deutungen
und Ansichten über dasselbe von Ehrenberg, v. Siebold, Burmeister,
Leuckart, Gegenbaur u. A. dar und begründet dann die seinige, nach
welchem dasselbe ein Turgescenzorgan für die strengen Wasserbe-
wohner, analog der Pneumaticität bei den Vögeln und Insekten als
den typischen Luftbewohnern ist, zugleich aber mit Uebernahme ge-
wisser Funktionen des Ernährungssystemes in einzeln Familien in der
Weise wie auch andere Organe gar nicht selten eine ihrer ursprüng-
lichen Anlage und Bestimmung fremde Funktion übernehmen.
Hr. Heidenhain spricht über die Kraftökonomie der Muskeln
und theilt seine hierauf bezüglichen Untersuchungen mit. Nach ei-
nem längst bekannten Gesetze der Mechanik ist der Wärmeeffekt um
so geringer, je grösser die mechanischen Leistungen sind, weil Wärme
verwendet wird zur Erzeugung der sogenannten lebenden Kraft. Es
fragt sich nun, ob dasselbe Gesetz auch auf die Muskeln seine An-
wendung findet. Die Arbeitskraft desselben lässt sich als Zahl dar-
499
stellen, die ein Produkt ist aus (dem Gewichte, womit man ihn be-
schwerte und der Hubhöhe, bis zu welcher dasselbe vom Muskel ge-
hoben wird. Nicht mit gleicher Einfachheit lässt sich die Tempe-
Tatur messen und werden ausserordentlich feine Instrumente dazu
vorausgesetzt. Es ergab sich nun, dass je mehr ein Muskel arbeitete,
desto mehr Wärme wurde erzeugt, was seinen Grund in der grössern
Menge oxydablen Materials haben mag, welches beim Arbeiten ge-
geben wird. Dies findet aber nur bis zu einem gewissen Grade statt,
wird derselbe überschritten, d. h. die Arbeit noch mehr erhöht, so
nimmt die Wärmeentwickelung ab.
Hr. Siewert spricht über die Geschichte, die Entwickelung
und die neuesten Fortschritte der Photographie. Seitdem Wedgwood
den Gedanken angeregt, die durch die Sonnenstrahlen in der camera
obscura erzeugten Lichtbilder, mit von Chlorsilber durchtränktem
Papier zu fixiren, wurde nach vielfachen vergeblichen Versuchen von
H. Davy und Niepce, zuerst von Daguerre das Problem gelöst durch
Benutzung jodirter und bromirter Silberplatten. Die theuren ;Silber-
platten wurden zunächst durch mit Silber plattirte Kupferplatten,
sodann von Talbot wieder durch Papier ersetzt, welchem letztern bei
der Aufnahme des Negativ unter Zuhülfenahme der auch schon früher
gebräuchlichen Glasplatten als Unterlage lichtempfindliche Collodium-
schichten von Acher substituirt wurden. Immer aber wurde die Ver-
änderung der Chlor-, Brom- und Jodsilber durch die chemisch zer-
setzend wirkenden Sonnenstrahlen und Entfernung des nicht vom
Lichte zersetzten Silbersalzes für die Darstellung der sogenannten
Lichtbilder zu Grunde gelegt. Erst in der neuesten Zeit hat man'es
versucht die Wirkung des Lichtes auf andere organische und unor-
ganische Stoffe oder deren Combination zur Darstellung von Bildern
zu benutzen um den Vorwurf der Silberverschwendung nicht mehr
länger tragen zu müssen. Der Vortragende bespricht schliesslich ei-
nen solchen Versuch, durcn Anwendung von saurem ‚chromsauren Kali
in Verbindung mit Gerbsäure und Eisenchlorid ‚die Silberpräparate
zu ersetzen,
Schliesslich legt Hr. Giebel eine Anzahl neuer Spinnen der
hiesigen Universitätssammlung vor und characterisirt dieselben im
Allgemeinen (siehe S. 329 ff.).
Nach einer kurzen Pause hielt Hr. Snell für die dritte öffent+
liche Sitzung, zu welcher auch Damen eingeladen waren, einen po-
pulären Vortrag über einzelne Momente der Entwickelungsgeschichte
mit besonderer Beziehung auf die Darwinsche Theorie.
Hierauf wurden die Verhandlungen geschlossen und ein klei-
nerer Theil als am gestrigen Tage vereinigte sich wieder zu einem
gemeinschaftlichen Mittagsessen. Nach demselben wurden von eini-
gen Theilnehmern wie schon am Vormittage vor der Sitzung die Uni-
versitäts-Sammlungen besucht und am Abend war noch gesellige Un-
terhaltung im Garten der Weintraube bei Giebichenstein.
500
Anzeige.
Den Mitgliedern des sächsisch-thüringischen Vereines, welche
noch nicht im Besitz der sämmtlichen Vereinsschriften sind, liefern wir
dieselben, soweit unser Vorrath reicht, zu nachstehenden sehr ermäs-
sigten Preisen und sehen frankirten Aufträgen recht bald entgegen.
Halle im Mai 1863. Der Vorstand.
Abhandlungen des naturwiss. Vereines für Sachsen und
- Thüringen in Halle. Herausgegeben von C. Giebel u. W. Heintz.
Ba. Iu. 1I. Berlin 1856—61. Fol. Mit 50 Tafeln. (Ladenpreis
45 Thlr.) 12 Thir.
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften.
Herausgegeb. v. d. naturwiss. Vereine f. Sachsen u. Thüringen in
Halle, redigirt von C. Giebel u. W. Heintz. Jahrg. 1853 —62.
Ba.I-XX. Berlin 1853—62. 8° (Ladenpreis 562/; Thlr.) 10 Thir.
Einzelne Bände zu 20 Groschen.
Jahresbericht des naturwiss. Vereines in Halle. Jahrg.
Jahrg. II-V. Berlin 1849—54. (Ladenpreis 9 Thlr.) 2 Thlr.
Giebel, C.G., die silurische Fauna des Unterharzes nach Hrn.
C. Bischofs Sammlung. Mit 7 Tff. Fol. Berlin 1858. (Ladenpreis
3 Thlr.) 1!/), Thlr.
——, Beiträge zur Osteologie der Nagethiere. Mit 5 Tff. Fol. Berlin
1857. (Ladenpreis 3 Thlr.) 1!/, Thlr.
——, die Versteinerungen im Muschelkalk von Lieskau bei Halle.
Mit 7 Tf£. Fol. Berlin 1856. (Ladenpreis 4 Thlr.) 1!/, Thlr.
Heer, Osw., Beiträge zur nähern Kenntniss der sächsisch-thürin-
gischen Braunkohlenflora. Nebst einem Anhange über einige sie-
benbürgische Tertiärpflanzen von C. J. Andrae. Mit 10 Tff. Fol,
Berlin 1861. (Ladenpreis 3 Thlr.) 3 Thlr.
Irmisch, Th., über einige Arten aus der natürlichen Pflanzenfamilie
der Potameen. Mit 5 Tff. Fol. Berlin 1859. (Ladenpreis 4 Thlr.)
2 Thlr.
——, morphologische Beobachtungen an einigen Gewächsen aus den
natürlichen Familien der Melanthaceen, Irideen und Aroideen. Mit
3% T£n. Fol. Berlin 1856. (Ladenpreis 22/; Thlr.) 1 Thlr.
Loew, Herm., die Dipterenfauna Süd-Afrika’s. I. Abtheil. Mit 2
Fol. Berlin 1861. (Ladenpreis 10 Thlr.) 5 Thir.
Schmidt, Ad., der Geschlechtsapparat der Stylommatophoren in
taxonomischer Hinsicht gewürdigt. Mit 14 Tffln. Fol. Berlin 1856.
(Ladenpreis 5 Thir.) 2 Thlr.
Schwarz, Fr. S. H., de affectione curvarum additamenta quaedam.
Berolini 1856. Fol. (Ladenpreis 1°/; Thlr.) 2/, Thlr.
Druck von W. Plötz in Hallo,
FJFeitschrift
für die
Gesammten Naturwissenschaften.
1863. uni. 1% VI.
——
Ueber die Farbenveränderungen der
Chromoxydsalzlösungen
von
M. Siewert.
Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXVI, p. 86.
mitgetheilt vom Verfasser.
Die verschiedenen Ansichten, welche bisher über diese
Erscheinungen veröffentlicht wurden, wollten mich nie ganz
befriedigen, und da ich mich seit langer Zeit mit Unter-
suchung der Chromverbindungen beschäftigt hatte, so habe
ich mich auch urprünglich zu eigener Belehrung über diesen
fraglichen Punkt mit einigen Versuchen beschäft‘gt, deren
Resultate ich hier mittheilen will, um darauf meine Ansicht
über den Gegenstand zu gründen. Ich sende erst in Kürze
die Ansichten vorauf, die von den einzelnen Forschern über
die Farbenveränderung des Chromalauns entwickelt wurden.
Berzelius leitete dieselbe von dem Vorhandensein verschie-
dener Modificationen des Chromoxydes, Schrötter vom
verschiedenen Wassergehalt des krystallisirten violetten und
des amorphen grünen Salzes, Krüger und Löwel von ver-
schiedenem Säuregehalt ab; nach des letztern Ansicht ist
diess jedoch nicht der einzige Grund, indem er glaukt, dass
die Farbenänderung von dem Zusammenwirken der ver-
schiedenen Sättigungsverhältnisse, des Wassergehaltes und
‚des Vorhandenseins der verschiedenen Modificationen des
Chromoxydes abhängig sei.
XXI. 1863. 34
502
Wie ich über die Ansicht von Berzelius, das Vorhan-
densein verschiedener Modificationen betreffend denke, habe
ich schon in einer früheren Arbeit!) ausgesprochen. Gegen
Schrötter’s Ansicht vom verschiedenen Wassergehalt op-
ponirten sich Berzelius, Löwel, Otto und Andere, indem
sie als Beweis beibrachten, dass unveränderter Chromalaun
aus seiner frisch bereiteten Lösung gefällt werde, wenn man
dieser wasserentziehende Flüssigkeiten als Fällungsmittel,
z.B. Alkohol, concentrirte Schwefelsäure, zusetze. Die An-
gabe Krüger’s?), dass durch Behandlung der durch Kochen
grün gefärbten Chromalaunlösung mit Alkohol nur Schwefel-
säure vom Alkohol aufgenommen werde, so. dass eine farb-
lose Flüssigkeit über einem grünen ölartigen Niederschlage
entstehe, habe ich nie bestätigt gefunden, da. wieich gleich
zeigen werde, der Alkohol. nicht Schwefelsäure entziehend
wirkt, sondern nur dazu dient, zwei verschiedene, schon
durch das Kochen gebildete neue Verbindungen zu scheiden,
von denen die eine mehr oder weniger in Alkohol löslich
ist, als die andere.
Chromalaunkrystalle mit absolutem Alkohol übergossen
zeigten sich selbst nach mehrtägiger Digestion unverändert.
Der Versuch wurde nun dahin geändert, dass 20 CC. abso-
luter Alkohoi zu 10 CC. Chromalaunlösung von verschiede-
ner Concentration hinzugesetzt wurden, oder, wenn dieselbe
Concentration eingehalten wurde, die Dauer, während wel-
cher das Salz vor dem Alkoholzusatz in Auflösung erhalten
worden war, abgeändert wurde.
I. Drei Proben einer frisch bereiteten Lösung, in 10 CC.
1.6741 Grm. krystallisirten Salzes enthaltend, lieferten auf
Zusatz von 20 CC. Alkohol und 10 Minuten dauerndem Ste-
henlassen je 1,6200 Grm., 1,6190 Grm. und 1,6020 Grm.
— 96,77; 96,76; 95,69 pC. eines violetrothen Niederschlages,
der sich bei der Analyse als reiner Chromalaun erwies.
1,5 Grm. gaben 0,4834 Grm. SO®, 0,23215 Grm. Cr? 0?
und 0,1378 Grm. KO.
ı) Diese Zeitschrift XVIII, 244,
?) Poggend. Ann. LXI, 218.
503
Gefunden Berechnet
so?® 32,23 32,07
Cr?0? 15,47 15,23
KO 9.19 9,42
Verlust = HO 43,11 43,28
100,00 100,00,
Da die von den drei Niederschlägen gewonnenen alko-
holischen Filtrate nur sehr geringe Mengen Substanz in Lö-
sung hielten, wurden sie vereinigt und die Quantitäten der
einzelnen Bestandtheile im Ganzen bestimmt, und so die
Summe des Verlustes jener drei einzelnen Versuche erhal-
ten, während sich das Verhältniss von SO°:Cr20°: KO, wie
vorauszusehen war, — 4:1:1 ergab.
II. Aus einer anderen Lösung, von der 10 CC. 1,9120
Grm. Chromalaun enthielten, wurden auf Zusatz von 20. CC.
absoluten Alkohols zur eben bereiteten Lösung 1,8361 Grm.
— 96,03 pC., nach achttägigem Stehenlassen 1,5280 Grm.
— 79,92 pC., nach vierwöchentlichem Stehenlassen 1,3363
Grm. — 69,89 pC. krystallinischer Niederschläge erhalten,
die eine etwas verschiedene Farbe hatten, indem der erstere
violettroth, der letztere mehr blaugrün war. Ob letzterer
noch unzersetzter Chromalaun gewesen, wurde nicht unter-
sucht. Jedenfalls deutet dieses verschiedene Verhalten der
frisch bereiteten und der älteren Lösung gegen Alkohol
darauf hin, dass selbst ohne Anwendung höherer Tempe-
ratur in dem in Lösung befindlichen Salze eine Veränderung
stattgefunden haben müsse.
II. 10 CC. Lösung, enthaltend 1,6741 Grm. Chromalaun,
wurden zwei Stunden unter Zusatz des verdampfenden Was-
sers im Wasserbade gekocht, darauf nach dem Erkalten mit
20 CC. absoluten Alkohols versetzt und nach 10 Minuten
dauerndem Stehenlassen die grüne Flüssigkeit von dem öl-
artigen grünen Niederschlage durch Filtration geschieden,
letzterer mehrmals mit Alkohol noch gewaschen und luft-
trocken gewogen; dasselbe betrug 0,8010 Grm. Nach der
Wägung wurde die Masse in Wasser unter Zusatz von Salz-
säure gelöst und die einzelnen Bestandtheile nach den üb-
lichen quantitativen Methoden bestimmt, indem zuerst das
34*
‚504
Chromoxyd, sodann Schwefelsäure und Kali abgeschieden
wurden. Die Analyse ergab:
So? 0,31050 Grm. = 38,76 pC. 18 At.
Cr? 0° 0,15718 , 19620 is
KO *) 0,11584 „ = 44,88, BE,
Verlust = HO 0,21748_, —= 26,74 „ 55
0,80100 Grm. 100,U0 pC.
Nachdem im Filtrat der Alkohol zum grössten Theil
durch Verdunsten entfernt war, wurden die Bestandtheile
in gleicher Weise bestimmt und gefunden:
SoO® 0,23547 Grm. = 26,97 pC. 14 At.
Cr20® 07a Pe
KO oa ee a
Verlust = HO 0,49659 „ loan
0,87310 Grm. 100,00 pC.
IV. 10 CC. Lösung, enthaltend 1,9120 Grm. Chrom-
alaun, wurden eine Stunde gekocht, nach Ersatz des ver-
dampfenden Wassers mit 20 CC. absoluten Alkohols gefällt
und nach 10 Minuten durch Filtration die grüne Flüssigkeit
vom Ausgeschiedenen getrennt. Das Filtrat trübte sich
durch den zum Waschen benutzten Alkohol. Der Nieder-
schlag war nicht zerfliesslich und betrug lufttrocken 0,9510
Grm. Seine Analyse ergab:
so? 0,36120 Grm. —= 37,98 18 At.
Cr203 0186664 „ = 992 5,
KO 0133. Serie vera Fang il
HO 0,26682 „ 28:06 16049
0,95100 Grm, 100,00.
Das Filtrat erwies sich bei der Analyse zusammen-
gesetzt aus:
S03 0,23232 Grm. 62,54 14 At.
Cr?0%. 0,09954 „ —= 26,80 3205
KO 0,03964 „ — 10,66 -
0,37150 Grm. 100,00.
*) Die in dieser Arbeit gegebenen Zahlen für Cr20? und KO
sind nicht die ursprünglich gefundenen, sondern die durch Berechnung
sich ergebenden, weil ich früher gezeigt habe, dass man aus alkali-
haltiger Flüssigkeit kein reines Chromoxyd durch Ammoniak fällen
könne; es wurde daher stets nach dem Glühen des Chromoxydes des-
sen Gehalt an chromsaurem Kali durch Titrirung bestimmt,
505
»W. 10 CC. Lösung, enthaltend .1,9120 Grm. Chrom-
alaun, wurden drei Stunden gekocht, im übrigen wie IV.
behandelt. Das Filtrat blieb klar. Der Niederschlag wog
0,8726 Grm. und bestand aus:
Sso3 0,33740 Grm. 38,66 pC. 18 At.
cro? t1ı15 „, = 1964, 5,
Koss 0asıaz Su alliugg jan) ME,
Ho ale bi zdrggge 55,
0,87260 Grm.
Das Filtrat ergab sich bei der Analyse zusammen-
gesetzt aus:
so® 0,2552 Grm. = 61,66 pC.
6r303,...0.1125,. , 27.1305
KO 0,0462 „ —., blos
“VI. ‚10 CC. Lösung, enthaltend 1,9120 Grm. Chrom-
alaun, fünf Stunden gekocht, im übrigen gleich IV. behandelt,
lieferten mit Alkohol einen Niederschlag von 0,4690 Grm.
Gewicht; derselbe bestand aus:
so? 0,15986 Grm.
34,09 pC. 18 At.
Cr203 0,082 „= 15, 5,
Kon 0,06209 10), Hd —1113,28,
TE,
HO 0,16383 ,
0,46900 Grm. 100,00 pC.
Die Uebereinstimmung der Resultate für die durch Al-
kohol erhaltenen Niederschläge tritt wegen des verschiedenen
Wassergehaltes der einzelnen nach dieser Art der Bereitung
zu wenig hervor; berechnet man aber die procentische Zu-
sammensetzung von Ill, IV, V, VI auf wasserfreie Substanz,
so erhält man:
II. IV. Vz VI. Berechnet
8027553,21.. 52,79 ..52,65 ,,,02,38,.,...18 At. 52,09
C220226,93,. 27.29 ...96,59 ; 27,26 De 27,50
KOZE1936,,1992:..20,76.., 20,85 (SR 20,41
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00,
Bei der Zusammenstellung der Resultate, die für die
festen Bestandtheile der Filtrate III, IV, V gewonnen wur
den, ergeben sich folgende Zahlen:
506
II. IV. V. Berechnet
SO? 62,56 62,54 61,66 14 At. 63,49
Cr203 26,74 26,80 27,18 3:15 25,85
KO 10,70 10,66 11,16 2:0 10,66
100,00 100,00 100,00 100,00.
Es wurde also durch Alkohol aus der durch Kochen
grün gefärbten Chromalaunlösung ein Körper abgeschieden,
der sich durch die Formel ausdrücken liesse:
a) 6KO.SO® + 5Cr?0?.12503,
während in Lösung blieb:
b) 2KO.SO® + 3Cr?0?.12S0°.
Diese Formeln scheinen ziemlich unwahrscheinlich,
aber wenn sie auch den chemischen Process, der beim
Kocken der Chromalaunlösung stattgefunden hat, nicht zu
erklären im Stande sein, so zeigen sie wenigstens, dass
eine viel tiefer eingreifende Reaction beim Kochen einge-
treten ist, als man bisher angenommen hat. Es ist aller-
dings damit immer noch nicht bewiesen, dass durch das
Kochen wirklich der gewöhnliche Chromalaun auf diese
Weise gespalten wurde, sondern nur, dass durch Alkohol
diese Körper geschieden werden, vielleicht als Producte ei-
ner secundären Zersetzung, die durch Mitwirkung des Al-
kohols hervorgerufen war. Eine Verbindung 5 Cr?03.12SO3
spricht so gegen alle Analogie, dass sie vorläufig nicht an-
genommen werden kann, und es ist für a) die Formel
6KO.SO? + 2(Cr?20°.350°) + 3(Cr?0?.2SO°)
wahrscheinlicher.
Für b) lässt sich noch schwieriger eine Formel finden,
wenn man nicht die Existenz eines vierdrittelsauren, oder
eines doppelt-schwefelsauren Chromoxydes annehmen will,
also entweder
2 KO.SO3 + 2(Cr?03.3S03) + (Cr?0?.6S0°) oder
2 KO.SO3? + 3(Cr?03.4SO0°) oder
2(K0O.2S0°)-+ 2(Cr?03.3S03) -— (Cr?0?.4SO°),
Verbindungsverhältnisse, die bisher noch nicht beim Chrom-
oxyd beobachtet sind.
Es fragte sich nun, ob es wesentlich bei der Spaltung
des neutralen Chromoxydsalzes wäre, das noch ein anderes
neutrales Salz vorhanden sei, welches dadurch, dass es ein
507.
saures'Salz zu bilden im Stande ist, die Aufhebung des Neu-
tralitätsverhältnisses zwischen Chromoxyd und Säure bedinge.
Dies scheint nicht der Fall zu sein, obgleich ich anfangs
darin den Grund der Erscheinung suchte. Wäre es nämlich
der Fall, dann müssten sich in der alkoholischen Lösung so
viel Atome sauren schwefelsauren Kali’s haben finden müssen,
als im Niederschlage Atome basisch-schwefelsauren Chrom-
oxydes. Diess scheint nach obigen Analysen nicht der Fall
gewesen zu sein; denn sonst hätte bei b) das Atomverhältniss
von SO3:Cr203:KO = 18:4:3 sein müssen. Es ist jedoch
bekannt, dass es sehr schwer ist, aus wässeriger Lösung
saures schwefelsaures Kali zur Krystallisation zu bringen,
indem man neutrales Salz in verdünnter Schwefelsäure auf-
löst; denn lange ehe die Concentration erreicht ist, bei
welcher das saure Salz anschiesst, hat sich wieder das
schwerer lösliche neutrale Kalisalz abgeschieden. Es liegt
daher das Fabrikgeheimniss, schnell und gut krystallisirtes
saures schwefelsaures Kali zu erzengen, darin, dass man
neutrales Salz mit der nöthigen Menge Schwefelsäure zu-
sammenschmilzt und die Schmelze sodann im Wasser löst,
Ja, es kann durch zu langes Kochen die gebildete Verbin-
dung des sauren Salzes wieder aufgehoben werden. Es ist
somit nicht gut anzunehmen, dass der zweite Bestandtheil des
Chromalauns, das schwefelsaure Kali, irgend eine Rolle ver-
möge seiner Verwandtschaft zu freier oder gebundener
Schwefelsäure spielen sollte. Es muss also im schwefelsauren
Chromoxyd selbst der Grund zur Spaltung liegen, und ich
glaube ihn darin zu finden, dass das Chromoxyd die Eigen-
schaft aller Sesquioxyde theilt, lieber basische und saure
Salze zu bilden, als neutrale, weshalb es auch so schwer
ist, wirklich neutrale Sesquioxydsalze darzustellen. Es wäre
in diesem Falle nur wunderbar, dass sich saure und basische
Verbindungen in derselben Lösung befinden sollten, ohne sich
wieder zu einer neutralen zu vereinigen. Und doch scheint
diess der Fall zu sein. Saure schwefelsaure Chromoxydlö-
sungen sind grün und haben ein anderes Lösungsverhältniss,
als das schwer krystallisirende blaue Salz; basische Lösungen
andererseits sind ebenfalls grün, und können, ohne fest zu
werden, viel weiter abgedampft werden, als dem Lösungs-
508
verhältniss des neutralen Salzes entspricht. Giesst man
beide zusammen, so bleibt die Mischung ebenfalls grün,
und krystallisirt selbst nach langer Zeit nicht, weil sogar,
wenn die Neutralität gerade getroffen wäre, nun gleichsam
eine übersättigte Lösung entstanden ist, aus der das an
und für sich schwer krystallisirende neutrale Salz nicht
krystallisiren kann. Hat sich aber das Neutralitätsverhältniss
dureh längeres Stehenlassen der Lösung wieder hergestellt,
so genügt der Zusatz von einigen Tropfen Alkohol, um
dasselbe zur Abscheidung zu bringen. Hat man einmal
das neutrale Salz in fester Form abgeschieden, so wird es
selbst durch Kochen mit Alkohol nur in dem Masse zer-
setzt, als es in diesem löslich ist; die vom Alkohol nicht
gelöste Menge zeigt nach dem Auflösen in Wasser noch
blaue Farbe und wird durch Alkohol unverändert aus die-
ser Lösung wieder gefällt. Es wird also nur die Lösung
des Salzes bei einer Temperatur von circa 80°C. zersetzt,
nicht aber das feste Salz. Letzteres schmilzt erst bei hö-
herer Temperatur in seinem Krystallwasser und wird nach
Abgabe eines Theiles desselben grün und schliesslich bei
schwachem Glühen violettroth, indem es in das neutrale
wasserfreie Salz übergeht.
Da das krystallisirte blaue schwefelsaure Chromoxyd
beim Kochen mit absolutem Alkohol nicht zersetzt wird,
so scheint mir damit der Beweis geliefert, dass Wasserver-
lust nicht der Grund sein könne, der die Umwandlung der
blauen in die grüne Farbe bedinge. Es wurden daher die
Krystalle in möglichst wenig Wasser unter Mitwirkung der
Wärme gelöst, der absolute Alkohol, mit dem die Krystalle
schon vorher gekocht gewesen waren, wieder zugegeben
waren und so lange im Wasserbade gekocht, bis die weni-
gen Krystalle, welche sich anfangs auf den Alkoholzusatz
abgeschieden hatten, wieder verschwunden waren. Da nach
dem Erkalten aus der alkoholischen Flüssigkeit kein ölarti-
ger Körper abgeschieden wurde, ein Zeichen, dass selbst
das basisch-schwefelsaure Chromoxyd für sich in Alkohol
ziemlich leicht löslich ist, so wurde die Wirkung des Ae-
thers zu Hülfe gezogen. Der auf Zusatz desselben ausge-
schiedene grüne Syrup bestand aus:
509
'vı 80% 0,4808 Grm. = 56,47 pt. 12 At.
Cr203 0,3703 „ — 4353 „ sich
0,8506 Grm. 100,00.
Eine zweite Menge durch Aether gefällter basischer
Verbindung wurde nochmals in wenig Wasser gelöst, mit
Alkohol gekocht und wieder mit Aether gefällt und darauf
analysirt; sie bestand aus:
Berechnet
SO® 0,1558 Grm. = 55,35 pC. 12 At. 55,81
Cr?02, 0,1257 ; —= 4465 „ D, 44,19
0,2815 Grm. 100,00 100,00,
Es wurde also beim Kochen des schwefelsauren Chrom-
oxydes allein eine eben solche Spaltung des neutralen Salzes
hervorgerufen und eine Verbindung von der Form 5Cr?0%.,
12SO3 durch Aether abgeschieden, wie sie durch Alkohol
aus. dem gekochten Chromalaun in Verbindung mit schwefel-
saurem Kali abgeschieden wurde. Da nun aber, wie, die
letzten Versuche mit reinem schwefelsaurem Chromoxyd
lehren, jenes basisch-schwefelsaure Salz in Alkohol löslich
ist, so kann seine Fällung mittelst Alkohols aus dem ge-
kochten Chromalaun nur dadurch bedingt worden sein, dass
das durch Zusatz des Alkohols abgeschiedene schwefelsaure
Kali jene Verbindung mit niederreisst. Jedoch auch hier
bleibt es noch unentschieden, ob das durch Aether gefällte
Product wirklich als eine einheitliche chemische Verbindung
5Cr?0?°.12SO®, oder vielmehr als ein Gemenge von neutra-
lem und basischem Salz aufzufassen ist, d. h. als
2(Cr?0°.3S0®° + 3(Cr?0?.28S0?).
Die von dieser Verbindung abgeschiedene Flüssigkeit
enthielt die Schwefelsäure in einer durch Chlorbaryum nicht
fällbaren Form, also wahrscheinlich als Aethylschwefelsäure;
denn erst nach Verdünnung mit Wasser und darauf folgendes
Kochen wurde schwefelsaurer Baryt gefällt.
Wollte man jenen grünen ölartigen Niederschlag, den
Aether in gekochter alkoholischer schwefelsaurer Chromoxyd-
lösung erzeugt, als einfache chemische Verbindung anspre-
chen, so müsste sich dieselbe auch auf andere Weise dar-
stellen lassen, nämlich durch Bättigen von Schwefelsäure
510
oder neutralen Salz mit überschüssigem Chromoxydhydrat.
Es ist mir jedoch nie gelungen, eine Verbindung, welche
dieser Formel entspräche, zu erhalten.
Il. Es wurde die Lösung des krystallisirten blauen
Salzes 3 volle Tage unter öfterem Umschütteln mit Chrom-
oxydhydrat in der Kälte digerirt. Trotzdem, dass die Flüs-
sigkeit grün geworden war, war nur sehr wenig Hydrat
aufgelöst worden; denn die Analyse ergab Resultate, die
am besten zur Formel 4Cr203.11803 passen:
Gefunden Berechnet
SO® 0,4372 Grm. = 58,83 pC. 59,14
©r?203 0,3059 , — en 40,86
0,7431 Grm. 100,00 100,00.
Merkwürdig ist, dass bei Digestion von verdünnter
Schwefelsäure mit Chromoxydhydrat in der Kälte ein hiervon
abweichendes Resultat erhalten wurde, das aber mit dem
übereinstimmte, welches sich beim Kochen des neutralen
Salzes mit überschüssigem Hydrat ergab.
II. Verdünnte Schwefelsäure und überschüssiges Hydrat
kalt digerirt und die entstandene filtrirte grüne Flüssigkeit
analysirt, ergab für die festen Bestandtheile:
Berechnet
SO? 0,1632 Grm. = 45,85 pC. 8 At. 45,81
Cr20?3 0,1927 „ — g.lla, ©. Hiuz 54,19
0,3559 Grm. 100,00 100,00.
III. Neutrales Salz in Lösung mit überschüssigem Hydrat
gekocht, filtrirt und die ganze Flüssigkeit analysirt, ergab:
SO? 0,2472 Grm. —= 45,66 pC. 8 At.
6r2037°0,2342 5 —= 54,34 „ DI
0,3559 Grm. 100,00.
Die bei III. erhaltene Flüssigkeit blieb beim Verdünnen
mit Wasser in der Kälte klar, trübte sich aber beim Erhitzen.
War dagegen die Flüssigkeit vor der Verdünnung fast bis
zum Festwerden abgedampft, dann trat bei Wasserzusatz
sogleich ein Trübung ein. Als aber die trübe Flüssigkeit
bis auf ein kleineres Volum eingedampft war, wurde sie
wieder klar, und absoluter Alkohol fällte einen grünen Syrup
von der Zusammensetzung:
511
a) SO? 0,2399 Grm. 50,51 pC.
Cr?03. 0,2351 „ 49,49 „
0,4750 Grm. 100,00.
Ein Theil des durch Alkohol erhaltenen Niederschlages
gab mit Wasser eine klare Lösung, die selbst beim Kochen
klar blieb; sie wurde mit absolutem Alkohol gefällt und
der Niederschlag untersucht:
II
b) SO?® 0,4598 Grm. = 49,55 pC.
Cr?O3 0,4681 „ ==2.80,45.,
0,9279 Grm. 100,00.
Bei einer neuen Darstellung wurden erhalten für
Berechnet
2950? 0,7220 Grm. '=1151-48 pC..3 2At.) 51,28
Cr? 03 0,6805 „ — 4852 „ Li, 48,72
1,4025 Grm. 100,00 100,00.
b) SO? 0,5264 Grm. — 50,19 pC.
Cr20? 0,5225 „ 149,815
1,0159 Grm. 100,00.
Das Verhältniss zwischen Chromoxyd und Schwefel-
säure blieb also für die mit Alkohol erhaltenen Nieder-
schläge immer nahezu
1 Cr?03.2SO3.
während ein der Neutralität näher stehendes Salz, als lös-
licher in Alkohol, noch in Lösung blieb.
Da nun blaues neutrales schwefelsaures Chromoxyd
in wässeriger Lösung mit überschüssigem Hydrat kalt. di-
gerirt eine grüne Farbe annimmt, indem es etwas Hydrat
auflöst und dadurch basisch wird: so scheint mir die Far-
benveränderung, welche durch Kochen der neutralen Lö-
sung eintritt, auf demselben Grunde zu beruhen. Löwel
beobachtete es zuerst, dass wenn man grün gewordene
Chromoxydsalzlösungen mit Salpetersäure koche, die grüne
Farbe wieder in die blaue übergehe. Diese Erscheinung
wird wohl dadurch hervorgerufen, dass die freie Salpeter-
säure das überschüssige Oxyd des basischen Salzes auf-
nimmt, da saures und neutrales salpetersaures Chromoxyd
blau sind und diese Salze der ganzen Flüssigkeit eine blaue
Farbe mittheilen. Führt man dem sauren oder neutralen
salpetersauren Salze in der Kälte wieder überschüssiges
512
Hydrat zu, so verändert es ebenfalls seine Farbe aus Blau
in Grün und behält sie selbst nach längerem Kochen. —
Eine in der Kälte mit überschüssigem Hydrat gesättigte
Salpetersäure wurde vom ungelösten Hydrat abfäiltrirt und
je 3 CC. der Flüssigkeit zur Analyse verwandt,
a) mit alkoholischer Wasserstoffentwickelungsmischung de-
stilirt, lieferte ein 6,2 CC. Normalschwefelsäure sätti-
gendes Destillat, entsprechend 0,3348 Grm. NO®.
b) gab 0,2183 Grm Cr?0#, mithin
Berechnet
NO® 0,3348 Grm. = 60,48 pC. 2 At. 58,70
Cr?0? 0.2188 „ — 1 At. 41,30
0,5536 Grm. 100,00 100,00.
Als diese schon. basische Lösung noch mit überschüs-
sigem Hydrat gekocht wurde, führte die ähnlich ausgeführte
Analyse zu der Zusammensetzung:
Berechnet
NO’ 0,5076 Grm. ==.51,82 pC: 3 At. 51,59
Cr?20? 0,4720 , = BSH IER Ber2AR 48,41
0,9796 Grm. 100,u0 100,00.
Unter Grünfärbung nimmt also Salpetersäure resp. neu-
trales salpetersaures Chromoxyd noch bedeutend mehr über-
schüssiges Oxyd auf, als das schwefelsaure Salz. Sobald
man der freien grünen Lösung freie Salpetersäure zufügt,
verwandelt sich augenblicklich schon in der Kälte die grüne
Farbe in die blaue, Setzt man zu dem Salze (2Cr?0°.3NO°)
einen grossen Ueberschuss von Aether- Alkohol, so fällt
Chromoxydhydrat nieder und man erhält neutrale blaue
Lösung von salpetersaurem Chromoxyd.
Basisch-schwefelsaure Thonerde. — Wie die Farbenver
änderung der Chromoxydsalze meiner Ansicht nach auf einer
Aenderung der Basicitätsverhältnisse beruht, so auch die
der schwefelsauren Thonerde. Diess neutrale, mit 18 At.
Wasser krystallisirende oder durch Alkohol fällbare Salz ist
vollkommen weiss und löst sich vollkommen klar in Wasser;
kocht man aber eine wässerige Lösung desselben mit völlig
reinem Hydrate, so wird je nach der Concentration der
Flüssigkeit eine grössere oder geringere Menge Thonerde-
hydrat aufgelöst. Wird die basische Lösung vom Ueberschuss
513
des Hydrats durch Filtration geschieden und bis zur Con-
centration abgedampft, bei welcher das neutrale Salz beim
Erkalten mit weisser Farbe erstarrt, so bildet das überschüs-
sige Basis enthaltende Salz-mehr.oder weniger gelbe Mas-
sen, deren Färbung nicht etwa von einem Eisenoxydgehalte
herrührt, sondern darin seinen Grund hat, dass basisch-
schwefelsaure Thonerde an sich gelb gefärbt ist. Wird diese
gelbe Masse in Wasser gelöst, so erhält man immer eine
mehr oder weniger trübe Lösung. Die schwefelsaure Thon-
erde, welche jetzt einen bedeutenden Handelsartikel aus-
macht, weil sie den Alaun völlig verdrängt hat, wird hier
bei Halle in Morl von Otto Senff jährlich zu 12,000 Cent-
nern fabricirt; da dieser Fabr‘kant stets bemüht war, neu-
trales Fabricat zu liefern, so wurde er oft zur Verzweiflung
gebracht, wenn die von den Consumenten g@wünschte weisse
Farbe des Products nicht zu erreichen war, sondern durch
eine oft 'bis zum citronen- und braungelben übergehende
Färbung verdrängt war. Papierfabrikanten sowohl als Färber
leiteten die gelbe Farbe des Products vom grossen Eisen-
gehalt und andern Verunreinigungen her und refusirten zu
ihrem Nachtheile das Fabrikat, bis den Einsichtsvolleren
jetzt klar geworden ist, dass sie sich bei Benutzung des
gelben Productes besser stehen, als bei weissem, da sie bei
ersterem vor freier Säure, die ihnen oft so empfindlichen
Schaden verursacht, völlig sicher sind.
Da schwefelsaures Chromoxyd und schwefelsaure Thon-
erde in Bezug auf diese durch Veränderung, der Basicitäts-
verhältnisse hervorgerufenen Farbenveränderungen einander
80 nahe stehen, schien es; mir nicht unwahrscheinlich, dass
sie auch in ihrer Zusammensetzung in Betreff des Wasser-
gehaltes übereinstimmen möchten, der von Schrötter!)
auf 15 Atome bestimmt worden ist, während: er bei der
schwefelsauren Thonerde 18 beträgt. Ich analysirte dess-
halb das nach der Methode nach Löwel?) frisch darge-
stellte Salz im lufttrockenen Zustande und erhielt bei 1 Grm.
angewandter Substanz:
ı) Poggend,. Ann. LIII, 524.
2) Chem, Centralbl. 1854, 565,
514
Berechnet
so? 0,3278 Grm. = 32,78 pC. 3At. 33,52
Cr? 03 0,2118: ul 28 4% 1At. 21,23
Verlust =HO 0,4604 „ 46,04 „ 18At. 45,25
1,0000 Grm. 100,00
bei 35° getrocknet:
SO? 34,19
Cr?O3 22,04
HO 43,77
100,00
Nachdem das Salz einige Stunden in der Sonne ge-
legen hatte:
Berechnet
SO? 39,75 3 At. 39,47
Cr?0® 25,10 1 At. 25,00
HO 35,15 12 At. 35,53
100,00 100,00
Das Salz scheint also wirklich ursprünglich durch Al-
-kohol mit 18 Atomen Wasser aus seiner Lösung abgeschie-
den zu werden, verliert aber einen Theil dieses Krystall-
wassers bei der geringsten Temperaturerhöhung.
Schrötter!) war der erste, welcher dieses Salz in
wasserfreiem Zustande darstellte und analysirte und aus
seinen Analysen für dasselbe die Formel Cr?0?.3S0° ab-
leitete. Ihm trat Traube?) mit der Behauptung entgegen,
dass das rosafarbene wasserfreie Salz Schrötter's keines-
wegs neutral und wasserfrei sei, und brachte eine grosse
Menge analytische Belege für seine Behauptung bei, dass
der Verbindung die Formel 2(Cr?03.3S0° + HO.SO?
zukomme.
So unwahrscheinlich es mir im ersten Moment schien,
dass freie Schwefelsäure in einem Salze enthalten sein sollte,
das vollkommen unlöslich in Wasser und Säuren sei und
dem man diese Säure selbst nicht durch Kochen mit Al-
hohol und verdünntem Ammoniak entziehen könne, eben
so sehr überzeugte ich mich durch ein Dutzend Analysen
1) Poggend. Ann. LIII, 529.
2) Ann. der Chem. u. Pharm. LXVI], 87.
515
des durch verschiedene Darstellungen nach der Traube’-
schen Angabe gewonnenen Salzes von der Richtigkeit sei-
ner Angaben; indem
der Chromoxydgehalt von 34,18 bis 35,19 pC.
der Schwefelsäuregehalt von 62,74 „ 63,42 „
der Wassergehalt von 242... 880,
bei meinen Analysen schwankte.
Als ich jedoch nach Schrötter's Vorgang das 18 At.
Wasser haltende krystallisirte Salz erst in einer Glasröhre
im Kohlensäurestrome bei 280°C. von der grössten Menge
des Wassers befreite und dann das zerriebene Pulver im
Platintiegel über einer ganz kleinen Flamme, d. h. so dass
der Boden des Tiegels nie zum Glühen kam, so lange er-
hitzte, bis das Gewicht des Tiegels nicht mehr abnahm,
ergab die Analyse vollkommen die Richtigkeit von Schröt-
ter’s Behauptung.
1) 0,5175 Grm. gaben 0,2000 Grm. Cr?O3 und 0,3070 Grm. SO3,
2) 0,7356 „ „ 20:2610. 5 . „0,2910. 2,
1) 2) Berechnet
SO® 61,37 61,35 3 At. 61,21
Cr?2O? 38,18 38,20 1 At. 38,79
99,55 99,55 100,00
Durch Alkohol wurde die durch Kochen grün gewor-
dene Chromalaunlösung so gespalten, dass ein basisches
Salz neben neutralem KO.SO® gefällt wurde, während ein
saures Salz neben KO.SO?® in Lösung blieb; will man dafür
die oben aufgestellte Formel 2KO.SO®? + 3(Cr?0?.4SO?)
acceptiren, d. h. für die reine Chromverbindung eine Com-
bination von Cr?0O3.4SO3 annehmen, so lässt sich die For-
mel von Traube auch so schreiben Cr?03.3S0°-- Cr?O3,
450° + HO, so dass das von ihm erhaltene rosafarbene
Salz ein Gemenge von neutralem Salze und jenem sauren
Salze wäre, das wir als in der alkoholischen Lösung vor-
handen annehmen können, nachdem die Combination
2(Cr?0°?.380°) -—+ 3(Cr?0°.2S0?)
durch Alkohol gefällt worden war.
Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862.
516
Ueber Salpetersäurebestimmung
M. Siewert.
Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXV, pag. 283
mitgetheilt vom Verfasser.
Schon L. Gmelin!) hatte darauf aufmerksam gemacht,
dass die Salpetersäure durch Wasserstoff in statu nascenti
in Ammoniak übergeführt werde, und dass es vielleicht
möglich sei, hierauf eine Methode zu ihrer Bestimmung zu
gründen. Martin?) hatte es versucht, Gmelin’s Vorschlag
in die Praxis einzuführen, jedoch ohne Nachahmung zu
finden, und Schulze’s?) verbesserte Methode scheint auch
mehr zur qualitativen Bestimmung benutzt, überhaupt we-
nig in Anwendung gekommen zn sein, weil meistens das
Verfahren von Pelouze ?) vorgezogen wurde.
Bei meinen Versuchen über die Bestimmung des Stick-
stoffs in seinen Sauerstoffverbindungen ging ich von dem
Gedanken aus, dass eine Methode, die es möglich mache,
den Stickstoff der Salpetersäure vollkommen in Ammo-
niak überzuführen, auch für die Analyse organischer Nitro-
producte brauchbar sein müsse. Denn es ist nicht zu
leugnen, dass diese Körper hauptsächlich deshalb so wenig
untersucht sind, weil jeder Bearbeiter vor der umständli-
chen und zeitraubenden Bestimmung des Stickstoffs in Gas-
form zurückschreckt. Zur Zeit, als ich mich mit diesem
Gegenstande zu beschäftigen anfing, war mir die Arbeit
von Schulze noch unbekannt, und ich kam, nachdem ich
die Angaben von Martin als wenig brauchbar erkannt,
ganz selbstständig auf die schon von Schulze vorgeschla-
gene Reduction in alkalischer Flüssigkeit. Die Gefähr des
Uebersteigens der wässerigen alkalischen Flüssigkeit bei
der Destillation habe ich dadurch zu beseitigen versucht,
dass die wässerige Flüssigkeit durch eine alkoholische er-
2) Lehrbuch der Chemie I, 828.
2) Journal f. pract. Chemie LXI, 247,
8) Chem. Centralblatt 1861, S. 657 und 833,
4) Annalen der Chemie und Pharmacie LXIV, 400.
317
setzt wurde; auch habe ich immer ein Gemenge von Eisen-
und Zinkfeile zur Wasserstoffentwickelung benutzt, und zwar
auf 1,01 Grm. Salpeter,, entsprechend !/ıoo Atom oder 0,54
Grm. NO5, welche durch Reduction 0,17 Grm. NH? liefern, die
ihrerseits 10 CC. Normalschwefelsäure sättigen, 4 Grm.
Eisen- und 8 bis 10 Grm. Zinkfeile, 16 Grm. festes Kalihy-
drat und 100 CC. Alkohol von 0,825 spec. Gew.
Der benutzte Apparat ist sehr einfach. Der Entwi-
ckelungskolben fasste 300 bis 350 CC.; zwei andere Kölb-
chen von 150 bis 200 CC. Inhalt, sind durch zweimal recht-
winkelig gebogene Röhren mittelst doppelt durchbohrter
Korke luftdicht mit einander verbunden. Nachdem in dem
dem Entwickelungskolben zunächst befindlichen Kölbchen
eine mehr als zur Sättigung des entstehenden Ammoniaks
genügende Menge titrirter Schwefelsäure vorgeschlagen ist,
wird der Apparat völlig zusammengefügt. Das zweifach
gebogene Entwickelungsrohr ist an beiden Enden schräg
abgeschliffen; ein kleines Rohr, das aus dem zweiten vor-
gelegten Kölbchen den überschüssig entwickelten Wasser-
stoff entweichen lässt, dient gleichzeitig zum Einführen
eines Lackmusstreifens während der Destillation, um zu er-
fahren, ob genügende Absorption stattfinde, und nach der
Destillation, um die Flüssigkeiten beliebig aus einem Kölb-
chen in das andere überführen zu Können.
Nach vollständiger Zusammenfügung des ganzen Appa-
rates kann man die Gasentwickelung in der Kälte sich erst
vollenden lassen, oder dieselbe gleich von Anfang durch
eine kleine Flamme verstärken. Nach Verlauf einer halben
Stunde beginnt dann das gebildete Ammoniak in dem Masse
überzugehen, als der Alkohol abdestillirt. Sobald der letztere
völlig aus dem Entwickelungskolben entfernt ist, pflegen
nur noch Spuren von Ammoniak im Kolben zurückgeblieben
zu sein; um auch diese überzutreiben, muss man entweder
bei verringerter Flamme, um ein Uebersteigen zu vermeiden,
so lange erhitzen, bis sich Wasserdämpfe im Entwickelungs-
rohr zeigen, oder man giesst schnell noch ein- oder zwei-
mal 10 bis 15 CC. Alkohol in den Entwickelungskolben nach,
und destillirt dieselben wieder ab. Nach zwei- bis drei-
stündiger Destillation kann die Menge des gebildeten Am-
XXL 1863. 35
518
moniaks durch Titrirung der überschüssig vorgeschlagenen
Schwefelsäure mit Normalnatron bestimmt werden.
1) 1,01 Grm. KO,NO?° mit der oben erwähnten Menge von
Zink- und Eisenfeile und Kalihydrat, 20 CC. Wasser und
100 CC. Alkohol destillirt, gaben ein Destillat, das genau
10 pC. Normalschwefelsäure sättigte, also genau 100 pC.
KO, NO? entsprach.
2) 1,01 Grm. KO, NO? mit 20 CC. Wasser und 50 CC. Al-
kohol destillirt, gaben ein Destillat, das nur 9,7 CC.N.-SO;
sättigte, also nur 97 pC. KO, NO? entsprach.
3) 1,01 Grm. KO, NO°® mit 100 CC. Alkohol ohne Wasser
destillirt, gaben ein völlig richtiges Resultat.
4) 0,101 Grm. KO,NO?° mit 2 Grm. Zink-Eisenfeile, 2 Grm.
KO, HO und 50 CC. Alkohol destillirt, gaben ein völlig
1 CC. N.-SO?® sättigendes Destillat.
5) 1,305 Grm. bei 110°C. getrockneter BaO,NO® mit 4 Grm.
Eisen- und 10 Grm. Zinkfeille, 16 Grm. KO, HO mit
20 CC. Wasser und 100 CC. Alkohol, und
6) dieselben Mengen mit 100 CC. Alkohol allein destillirt
gaben völlig richtige Resultate.
7) 1,655 Grm. bei 110°C. getrocknetes PbO, NO° mit obi-
ger Wasserstoffentwickelungsmischung, Wasser und Al-
kohol,
8) dieselben Mengen nur mit Alkohol destillirt gaben eben-
falls richtige Resultate, d. h. ein genau 10 CC. N.-SO®
sättigendes Destillat.
9) 0,55 Grm. eines bei 110°C. getrockneten käuflichen Chili-
salpeters, wie er in der Schwefelsäurefabrik von Press-
ler bei Halle verarbeitet wird, gaben ein Destillat, das
9,88 CC. N.-SO? sättigte, entsprechend 98,80 pC. NaO,NO®.
Der Controle wegen wurden die anderen Bestandtheile
auf dem gewöhnlichen analytischen Wege bestimmt und
gefunden:
0,3 pC. unlöslicher Rückstand
0,375 „ MgO,SO?
0,249 „ MgCl
0,392 „ NaCl
1.316,
dazu 98,800 „ NaO,NO?°
"100,116.
519
Für die Bestimmung der Salpetersäure resp. des Radi-
cales derselben in flüchtigen organischen Verbindungen,
z. B. salpetersaurem Aethyloxyd, Nitrobenzin u. s. w., lässt
sich die Methode noch nicht anwenden, und es ist mir bis-
her auch noch nicht gelungen, eine solche Veränderung in
der Methode zu finden, die es möglich machte, eine ab-
solute Genauigkeit in der Stickstoffbestimmung zu erreichen.
Selbst wenn man in der Kälte die Umwandlung der Sal-
petersäure in den flüchtigen organischen Verbindungen
durch Wasserstoff in sitatw nascenti versucht, wird immer
ein geringer Theil der Verbindungen mit dem überschüssig
sich entwickelnden Wasserstoff unzersetzt entweichen. An-
dererseits liegt z. B. bei der Umwandlung des Nitrobenzins
noch ein zweiter Uebelstand darin, dass das gebildete Anilin
nicht mit den Alkoholdämpfen überdestillirt; vielleicht auch
in diesem speciellen Falle darin, dass das eben gebildete
Anilin mit dem noch vorhandenen nicht umgewandelten
Nitrobenzin in Wirkung tritt und Veranlassung zur Bildung
eines neuen Körpers giebt. Als die alkoholische Flüssig-
keit eines solchen verunglückten Versuches, in der das
Nitrobenzin zwar völlig umgewandelt, aber ein Theil unzer-
setzt in die vorgeschlagene Schwefelsäure übergegangen
war, dazu benutzt wurde, sie mit Schwefelsäure zu neutra-
lisiren, in der Absicht, die zur Trockne gebrachten Salze
(schwefelsaures Zinkoxyd, Kali und Anilin) mit Natronkalk
zu glühen, um zu erfahren, wie viel Nitrobenzin auf diese
Weise umgewandelt sei, zeigte sich das gebildete, auf der
Flüssigkeit schwimmende rothe Oel, das nach der Voraus-
setzung Anilin sein musste, nach Uebersättigung mit Schwe-
felsäure nicht in Wasser löslich. Da ich jedoch die Sache
nicht weiter verfolgt habe, weiss ich nicht, ob der gebildete
Körper Anilin oder ein anderer Stoff gewesen ist.
Salpetersaures Aeihyloxyd.
1) 0,94 Grm. in der gewöhnlichen Weise reducirt, gaben
ein Destillat, das 8,25 CC. Normalschwefelsäure sättigte;
es waren also nur 82,5 pC. des Aethers umgewandelt
worden.
2) 1,38 Grm. gaben in derselben Weise ein Destillat, das
35*
520
statt 15 CC. nur 13,9 CC. Normalschwefelsäure sättigte;
es waren also 92,69 pC. des Aethers umgewandelt.
Ich versuchte die Umwandlung dadurch vollständiger
zu machen, dass ich eine gewogene Menge des Aethers
erst 12 Stunden unter häufigem Umschütteln mit alkoholi-
scher Kalilösung im verschlossenen Kolben stehen liess.
3) 1,53 Grm. des bei 87°C. siedenden Aethers, der mehr-
mals rectifieirt war, gaben ein 15 CC. Normalschwefel-
säure sättigendes Destillat, entsprechend 0,255 Grm.
NH® = 98,08 pC. salpetersauren Aethyloxyds.
Ich legte mir die Frage vor, ob bei der Einwirkung
des Wasserstoffs in statu nascenti aus dem Aether Aethyl-
amin gebildet würde. Der Versuch ergab im Ganzen ein
negatives Resultat, da nur Spuren gebildeten Aethylamins
im Destillat entdeckt werden konnten. Zu dem Zwecke
wurden die überdestillirenden ammoniakalischen Producte
in Salzsäure aufgefangen und nach der Destillation im Was-
serbade zur Trockne verdampft. Die völlig trockene Salz-
masse hatte allerdings nach 48-stündigem Stehen an der
Luft etwas Feuchtigkeit angezogen, was auf einen geringen
Gehalt an salzsaurem Aethylamin hindeutete. Dieselbe
wurde in absolutem Alkohol aufgenommen, der ungelöste
Salmiak abfiltrirt und die alkoholische Lösung mit Platin-
chlorid unter Zusatz von Aether gefällt. Das Gewicht des
erhaltenen Platindoppelsalzes betrug 1,7066 Grm., welches
nach vorsichtigem Glühen 0,7506 Grm. Platin hinterliess;
dieses entspräche 1,6945 Grm. Ammoniumplatinchlorid, so
dass die Menge des gebildeten Aethylamins nur eine spu-
renhafte zu nennen ist.
Salpetersaurer Harnstoff.
Da das Atomgewicht dieses Körpers 123 ist, wurden:
1) 1,23 Grm. abgewogen und zur Destillation mit Fe, Zn,
KO und Alkohol verwandt, aber 40 CC. Normalschwe-
felsäure statt 20 CC. vorgeschlagen, da ein Atom des
Salzes 3 At. Ammoniak liefern musste. Nach einmaliger
Destillation zur Trockne ergab sich, dass das Destillat
nur 26,4 CC. Normalschwefelsäure gesättigt hatte. Es
wurden daher in den Destillationskolben .noch 50 CC
521
Alkohol nachgegossen und nochmals bei 10 CC. vorge-
schlagener Normalschwefelsäure destillirt; das Destillat
hatte nun noch genau 3,6 CC. Säure gesättigt. Es war
also die gesammte Menge des salpetersauren Harnstoffs
in NH? umgewandelt worden.
2) 0,615 Grm. Salz wurden mit 10 CC. HO, 10 Grm. KO,
600 CC. Alkohol destillirt und lieferten ein 10 CC. Nor-
malschwefelsäure sättigendes Destillat; also war hier
nur die Menge des im salpetersauren Salze enthaltenen
Harnstoffs durch Destillation mit alkoholischer Kalilösung
Ammoniak übergeführt worden.
Harnsäure
lieferte weder bei Destillstion mit einer alkoholischen Kali-
lösung, noch mit der Reductionsmischung ein ammoniakhal-
tiges Destillat. |
$ Guano.
1) 1 Grm. Guano mit 10 Grm. KO, HO und 100 CC. Al-
kohol destillirt gab ein 6,03 CC. N.-SO® sättigendes De-
stillat, Der Rückstand im Kolben wurde genau mit
Schwefelsäure neutralisirt, im Wasserbade zur Trockne
gebracht und mit Natronkalk verbrannt, wobei ein 3,24
CC. N.-SO3 sättigendes Destillat erhalten wurde.
2) 1 Grm. Guano mit der Wasserstoffentwickelungsmischung
destillirt gab ein 6,08 CC. N.-SO? sättigendes Destillat.
3) 1 Grm. Guano mit Natronkalk verbrannt, gab ein 9,17
CC. N.-So3 sättigendes Destillat.
Aus den drei Analysen ergab sich somit, dass der
Guano überhaupt 12,84 pC. Stickstoff, aber keine salpeter-
sauren Salze enthielt, und dass wahrscheinlich 8,47 pC.
Stickstoff im Mittel auf Gehalt an Harnstoff und Ammo-
niaksalzen zu rechnen waren, der Rest aber auf einen Ge-
halt an Harnsäure oder anderen organischen stickstoffhal-
tigen Excreten, die, wie die Harnsäure , durch Destillation
mit alkoholischer Kalilösung oder einer Wasserstoffent
wickelungsmischung nicht zersetzt werden.
Haferextract,
bereitet durch Zerquetschen der noch grünen Pflanze wäh-
rend der Fruchtbildung, lieferte sowohl mit alkoholischer
522
Kalilösung allein, als auch mit der Wasserstoffentwickelungs-
mischung destillirt das gleiche Resultat, nämlich ein 0,15 pC.
Ammoniak haltendes Destillat, so dass der Saft der grünen
Haferpflanze keine salpetersauren Salze zu enthalten scheint.
Pikrinsäure.
Da das Atomgewicht der Pikrinsäure 229 ist, ferner
ein Aequivalent der Säure 3 Atome Stickstoff enthält,
welche möglicherweise 3 Aequivalente Ammoniak durch
Einwirkung von Wasserstoff in statu nascenti liefern konnten,
so wurde ein Drittel des Atomgewichtes = 0,7633 Grm.
der Untersuchung unterworfen. Wurde in dieser Quantität
angewandter Substanz die ganze Menge des im Radical
Trinitrophenyl an Sauerstoff gebundenen Stickstoffs in Am-
moniak übergeführt, dann musste ein Destillat erhalten
werden, das 10 CC. N.-SO3 sättigte. Es wurde jedoch ein
Destillat erhalten, das nur 3,3 CC. N.-SO3 sättigte, mithin
‚statt 18,34 nur 6,05 pC.N, d.h. nahezu ein Drittel des in der
angewendeten Menge Pikrinsäure enthaltenen Stickstoffs.
Hierauf wurde dieselbe Menge Pikrinsäure mit Kali-
hydrat und Alkohol allein destillirt, und ebenfalls ein am-
moniakhaltendes Destillat erhalten. Da jedoch, aus Furcht
vor einer Explosion, die Flüssigkeit nicht zur Trockne de-
stillirt wurde, enthielt das Destillat nur 2,38 pC. N, hatte
also nur 1,3 CC. N.-SO? gesättigt.
Da nun schon durch Kochen mit alkoholischer Kali-
lösung allein die Pikrinsäure in Ammoniak und einen an-
deren, noch nicht näher untersuchten Körper zerfällt, und
wahrscheinlich bei völliger Zersetzung durch Kali eben so
viel Stickstoff in Ammoniakform ausgetrieben werden wird,
als bei der Einwirkung des Wasserstoffs in siatu nascenti
entsteht, so scheint es fest, als ob die bisherige Annahme
nicht ganz richtig sei, dass die Stellung, welche die drei
Atome Stickstoff in der Pikrinsäure einnehmen, eine gleiche
sei, d. h. dass die Pikrinsäure nicht als ein Trinitroproduct
angesehen werden könne.
Die aus der Pikrinsäure entstehende neue Verbindung
scheint nach meinen bisherigen Beobachtungen nicht Pikrin-
säure zu Sein; ich behalte mir, da ich die Untersuchung
noch nicht beendigt habe, desshalb weitere Mittheilungen vor.
323
Schiessbaumwolle
wurde zuerst in Aether- Alkohol gelöst, die klare Lösung
zur Trockne verdunstet, um wieder, wie bei der Pikrinsäure,
aus den gleichen Gründen genau ein Drittel des Atomge-
wichts abwiegen zu können. Da die so erhaltene trockene
Masse sehr dicht ist, und zu vermuthen war, es möchte sich
ein Theil der Wirkung des Wasserstoffs entziehen, wenn
er nicht vorher in Lösung übergeführt wäre, so wurden die
abgewogenen Mengen (0,99 Grm.) jedesmal erst in dem
zur Reduction und Destillation dienenden Kolben durch
24stündiges Stehenlassen und Schütteln oder durch geringe
Erwärmung im Wasserbade in Lösung übergeführt, ehe die
Wasserstoffentwickelungsmischung zugegeben wurde. Die
drei fast übereinstimmenden Versuche lieferten Destillate,
. welche resp. 6,7 CC., 6,45 CC. und 6,5 CC. N.-SO? sättigten,
während der Berechnung nach 10 CC. Normalsäure gesät-
tigt werden sollten. Die beiden Stickstoffatome, welche
als Ammoniak während der Destillation aus der Schiess-
baumwolle ausgetreten sind, scheinen somit auch in dieser
Verbindung eine andere Stellung in der Moleculargruppi-
rung einzunehmen, als das dritte,
Ueber den bei dieser Reduction aus der Schiessbaum-
wolle entstehenden Körper bin ich vorläufig noch völlig im
Unklaren ; derselbe scheint jedoch die Eigenschaft zu be-
sitzen, Kupferoxydul aus der Fehling’schen Lösung zu
reduciren.
Wenn somit die so eben angegebene Methode zur
Bestimmung des Stickstoffs in salpetersauren Salzen zwar
für die unorganischen Verbindungen Anwendung finden
kann, nicht aber auf die flüchtigen organischen Verbindung
oder die Nitroproducte, so liefert sie vielleicht doch ein
Moment für die Beurtheilung der Gruppirung der Elemente
in diesen Körpern.
Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862.
524
Ueber das gelbe Quecksilberoxyd;
M. Siewert,
Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie Band CXXV, pag. 20
mitgetheilt vom Verfasser.
Die von Schaffner !) ausgesprochene Behauptung,
welche auch in Gmelin’s Handbuch ?) übergegangen ist,
dass das gelbe Quecksilberoxyd von dem rothen dadurch
unterschieden sei, dass ersteres das Hydrat, letzteres das
wasserfreie Oxyd sei, hat bisher noch keine Widerlegung
gefunden, was um so mehr zu verwundern ist, da man in
der Lehre von den Modificationen chemischer Verbindungen
nie ermangelt hat, sich des Quecksilberoxydes als eines
schlagenden Beispiels für das Vorhandensein von Modifica-
tionen zu bedienen. Es musste desshalb den Anhängern
jener Theorie jene Behauptung Schaffner’s sehr unge-
legen kommen, dass das gelbe und rothe Quecksilberoxyd
eine verschiedene Zusammensetzung hätten.
Zufolge der von mir angestellten Analysen dieses
Körpers muss ich Schaffner’s Behauptung ganz enschie-
den entgegentreten, indem ich der von Pelouze?) ausge-
sprochenen Ansicht beitrete, dass die verschiedene Farbe
des dnrch Fällung und durch Glühen des salpetersauren
Salzes dargestellten Oxydes lediglich von dem molecularen
Zustand, d. h. dem verschiedenen fein vertheilten Zustand
der einzelnen Molecüle desselben Körpers abhängt, welcher
weiter das verschiedene chemische und physikalische Ver-
halten des verschieden gefärbten Oxyds veranlasst. Ob aber,
wie Pelouze behauptet, dem rothen Oxyde Krystallinität
zukomme, und nicht vielmehr beide Arten amorph sind, und
das eine nur vermöge der Art seiner Darstellung etwas
dichter als das andere, lasse ich unentschieden. Gay-Lus-
sac hatte beide für krystallinisch erklärt.
1) Annal. d. Chem. u, Pharm. LI, 182.
2) Fünfte Auflage III, 474,
®) Annal. d. Chem. u. Pharm. XL. VI, 195.
525
Schaffner?!) hatte in dem von ihm dargestellten
gelben Oxyde 19,96 und 20,50 pC. HO gefunden, was drei
Atomen Wasser entspräche. Ich habe zu wiederholten Malen
das Oxyd dargestellt, indem ich bald Quecksilberchlorid in
überschüssiges Kalihydrat goss, bald umgekehrt; bald heiss,
bald kalt fällte. Die Niederschläge wurden kalt ausgewa-
schen, bis das Waschwasser keine Spur von Chlorreaction
mehr zeigte, und sodann über Schwefelsäure getrocknet.
1) 2,1400 Grm. verloren 0,0126 Grm. im gewogenen Chlor-
caleiumrohr aufgefangenes Wasser, entsprechend 0,59pC.
2) 1,8977 Grm. verloren 0,0090 Grm. HO = 0,48 pC.
3) 3,2187 Grm., im Kohlensäurestrome erhitzt, verloren
0,0156 Grm. HO = 0,48 pC.
4) 3,7757 Grm., im Luftstrome erhitzt, verloren 0,0212
Grm. = 0,56 pC. HO.
“ Da ich beim Erhitzen im Glasrohre stets eine geringe
Menge eines weissen Sublimats bemerkte, der nicht metal-
lisches Quecksilber sein konnte, kam ich auf den Gedan-
ken, dass es Quecksilberchlorür oder -Chlorid sein möchte,
Letzteres war es nicht, weil es sich weder in Wasser noch
in Säuren löste Da sich durch Silberlösung in der salpe-
tersauren Lösung des ausgewaschenen Oxydes kein Chlor
nachweisen lässt ?), so wurden zur Nachweisung desselben:
5) 1,9280 Grm. mit 'chemisch reinem trockenem kohlen-
saurem Natron im Platintiegel geglüht, und nach dem
Glühen im Rückstand durch Silberlösung ein Nieder-
schlag von 0,0144 Grm. AgC] erhalten, entsprechend
0,00356 Grm. oder 0,18 pC. Cl.
6) 1,3924 Grm. wurden zur Nachweisung eines vermuthe-
ten Kaligehaltes in Salpetersäure gelöst, das Quecksilber
mit Schwefelwasserstoff gefällt; das Gewicht des HgS
betrug 1,4842 Grm., entsprechend 1,3818 Grm. oder
99,24 pC. HgO. Das Filtrat wurde unter Zusatz weni-
ger Tropfen Schwefelsäure zur Trockne abgedampft und
geglüht; das Gewicht des Rückstandes (KO.SO?) betrug
0,0037 Grm., entsprechend 0,0020 Grm. = 0,14 pC. KO.
1, a, 2 O,
2) Annal. d. Chem. u, Pharm. XLI, 317.
526
Nehmen wir für den Wassergehalt das Mittel aus den
vier ersten Analysen = 0,52 an, so würde die Zusammen-
setzung des von mir untersuchten gelben Quecksilberoxydes
gewesen sein:
HeO 98,93
HeCl 0,39
KO 022
KO 0,52
100,06. -
Hiermit scheint mir aber auch bewiesen dass Schaff-
ner einen anderen Körper als Quecksilberoxyd unter den
Händen gehabt haben müsse, und dass der durch die festen
Alkalien aus Oxydlösungen gefällte gelbe Körper kein Hy-
drat, sondern im Wesentlichen wasserfreies Oxyd ist, dem
jedoch selbst durch das andauerndste Auswaschen kleine
Mengen anderer Körper nicht entzogen werden können.
Privatlaboratorium zu Halle, im October 1862.
Mittheilungen.
Der lithographirte lilhographische Vogelsaurier.
Unter dem 15. August 1861 meldet von Meyer im Bronn-
schen Jahrbuche die Entdeckung einer wirklichen Feder im lithogra-
phischen Kalk von Solenhofen als von einem vortertiären Vogel
herrührend. und einen Monat später auf eine Mittheilung des
Obergerichtsrathes Witte die Entdeckung eines fast vollständigen
Skelets mit Federn, für welches er den Namen Archaeopteryx li-
thographica einführt.
Herr Witte, :dem zu Ehren unsere Zeitschrift Bd. XVI,
127. Tfl. 1. die schön erhaltene Aeschna Wittei aus dem li-
thographischen Kalk brachte , theilte Näheres über dieses befie-
derte Skelet mündlich A. Wagner mit, welcher zugleich noch
von einem andern vollständig sachkundigen Freunde einen‘ münd-
lichen Bericht darüber erhielt. Beide Berichte lieferten das
Material zu einem Vortrage in der Münchener Akademie Sitzg.
9. Novbr. 1861, dessen Betrachtungen damit schliessen, dass das
befiederte Skelet von einem Saurier herrühre, welcher den Na-
men Griphosaurus, Räthselsaurier führen müsste. So hatte denn
527
‚das seinem Wesen nach noch völlig unbekannte, räthselhafte
Thier bereits zwei Namen erhalten und zwar von den deutschen
Paläontologen nach demselben Prineip, nach welchem d’Orbigny
auf seiner südamerikanischen Reise einen Vogel, den er nur
im Fluge gesehen hatte, mit einem neuen systematischen Namen
belegte!
Da das Fossil ebenso wichtig wie nach diesen Mittheilungen
zweier sehr geachteten Autoritäten räthselhaft war, so eilte Wa-
terhouse schleunigst von London nach Pappenheim zum Land-
arzt Häberlein und kaufte dessen Sammlung Solenhofer Petre-
fakten mit diesem befiederten Räthselsaurier um 700 Pfund Ster-
ling für das britische Museum. Dort ist nun R. Owen mit der
gründlichen Untersuchung desselben beschäftigt und wir begnügen
uns mit der Abbildung. Eine solche ist im Intellectual observer
Decbr. 1862 bereits erschienen, und von Weinland im Zoologi-
schen Garten Nr. 6. d. J. eopirt worden.- Ohne nun den vor-
aussichtlich sehr gründlichen Untersuchungen Owens irgenwie
vorgreifen zu wollen wird es doch gestattet sein, den beiden
Urtheilen auf blos mündliche Berichte noch ein drittes auf die
Abbildung begründetes hinzuzufügen.
Die Abbildung zeigt uns ein Skelet ohne Kopf und Hals
mit völlig zerstörtem Rumpfe, zerrissenen Gliedmassen und yor-
trefflich erhaltener Schwanzwirbelsäule, an dieser jederseits sorg-
fältig angelegt eine dichte Reihe langer Federn, ebenso vorn je-
derseits einen Fächer grosser langer Federn. Die Federn sind
nur im Abdruck erhalten, die Knochen selbst vorhanden. Da
Kopf, Hals und Rumpf fehlen: so ist die systematische Bestim-
mung nicht auf den ersten Blick möglich. Der lange, fadendünn
auslaufende Schwanz schliesst sogleich die Vögel von der Ver-
gleichung aus und weist, da seine Wirbel schon vom sechsten
an aller Fortsätze entbehren, entschieden auf Echsen und nicht
auf Säugethiere. Die Abbildung giebt 23 Wirbel an, und auch
an den ersten sind nur Querfortsätze gezeichnet, keine Andeutung
von Bögen und Dornfortsätzen, Wohl unnatürlich verschwinden
plötzlich am sechsten alle Fortsätze. Das Becken ist nur in
der rechten Hälfte und zwar unvollständig erhalten und harmo-
nirt in der Pterodaktylenähnlichkeit mit dem Schwanze, nicht
minder das schmale, am Ende breit abgestutzte Schulterblatt.
Zwischen diesen und dem Oberarm ist ein kleiner starker Knochen
eingeschoben, ob ein selbständiger oder etwa das hervorgepresste
Ende eines Schlüsselbeines, das ist aus der Abbildung nicht zu
ermitteln, wahrscheinlich jedoch das letztere anneiımbar. Weiter
nach vorn liegt ein starker gekrümmter Knochen, den man als
Schlüsselbein der andern Seite nehmen möchte. Oberarm und
Oberschenkel sowie die doppelten Unterarmknochen und die Tibia
weisen mit den Formen der Gelenkköpfe auch bei dem Mangel
besonderer Muskelleisten, Sehnen und Gefässrinnen wiederum
528
entschieden auf Saurier, vorausgesetzt dass eben die Zeichnung
genau ist. Dagegen erscheint nun aber der Tarsus als ein ein-
facher starker Knochen mit vier Gelenkköpfen für die vier'Zehen,
also nach Vogeltypus gebildet. Die Zehen haben 2. 3. 4. 5.
Phalangen mit den Krallengliedern der Pterodaktylen. Ausserdem
sind nur noch feine, fadendünne Rippen vorhanden und ganz
vorn ein Winkelknochen mit breiten Gelenkenden, den man als
Gabelbein deuten möchte, das wiederum Vogelähnlich wäre. Von
dem Flugfinger ist nichts zu sehen, auch auf das Brustbein kein
Abdruck mit Sicherheit zu deuten.
Sonach haben wir hier ein Pterodaktylusskelet mit langem
Schwanze, von den bis jetzt bekannten Arten durch den einfa-
chen Tarsusknochen unterschieden. Allein gerade dieses Glied
des Skelets ist noch am ungenügendsten bekannt, von den mei-
sten Arten gar nicht. Hier liegt übrigens in dieser Bildung des
Tarsus keineswegs ein entschiedener und ausschliesslicher Vogel-
charakter, denn wir treffen dieselbe unter den Säugethieren bei
Dipus und haben in der Fusswurzel der Chamäleonten und Frösche
den unmittelbaren Uebergang dazu auch bei den Amphibien.
In ihm hätten wir daher keine grössere Annäherung des Ptero-
daktylenskelets an den Vogeltypus als in dem seither genügend
bekannten Bau des Skelets.
Die Befiederung besteht aus zwei Reihen scheinbar gleich
langer dicht einander folgender Federn am Schwanze, jederseits
eine, so dass der Schwanz eine platte Federfahne bildete. In
der Abbildung gehen alle Federfahnen unmittelbr von den
Schwanzwirbeln aus und ist weder Spuhle noch Schaft angedeu-
tet, auch liegen alle Fahnen und ihre Strahlen so regelmässig
als wäre die ganze Schwanzfahne sorgfältig niedergelegt und
schön ausgebreitet. Am vordern völlig zerstörten Theile des Ske-
lets breiten sich die beiden Flügelfittige aus und zwar dieselben
Federn wie im Schwanze fächerförmig vom Grunde, in welchem
nichts von Strukturverhältnissen zu erkennen ist.
Ganz unnatürlich ist es zunächst, dass die Schwanzfedern
beiderseits unmittelbar von den Wirbelkörpern ausgehen und an
diesen selbst keine Spur von häutiger Umhüllung erhalten oder
nur angedeutet ist, in welcher die Federn sich entwickelten und
befestigt waren, ferner dass an den Wirbeln weder Rinnen für
Sehnen, noch Leisten und Fortsätze für die Muskeln zur Bewe-
gung der grossen Schwanzfahne vorhanden sind und drittens, dass
bei der gänzlichen Zerstörung des Rumpfskeletes doch die Federn
und ihre Strahlen in schönster Ordnung zum Abdruck gelangt
sind. Zur Bildung eines so üppigen Federschmuckes ist eine
dicke gefässreiche Haut unbedingt erforderlich und ihr Raum
würde in der unmittelbaren Umgebung der Wirbelkörper minde-
stens doch stellenweise und schwach angedeutet sich erhalten
haben. Die dünne Haut unserer langen Eidechsenschwänze kann
529
nur Schuppen, nimmer aber grosse Federn entwickeln. Die im
Verhältniss zum Thiere grosse Schwanzfahne bedurfte weiter auch
einer ganz andern Muskulatur als der dünne beschuppte Eidech-
senschwanz und wenn v. Meyer an seinen langschwänzigen Rham-
phorhynchen noch dieSehnenfäden an den Schwanzwirbeln erkannte,
sollte an dem befiederten Schwanze keine Spur des Muskelappa-
rates sich erhalten haben. Und die Federn sind an den letzten
zartesten und kleinsten Wirbeln so lang und stark wie an den
ersten, so dass man gar nicht zu ermessen vermag, wie sie an
diesen feinen Knochenkernen Halt gewinnen konnten. Sie liegen
endlich in schönster Ordnung, müssen also jedenfalls fester an
den Wirbeln angeheftet gewesen sein als die Wirbel des Rumpfes
unter einander, da diese völlig zerstört sind. Die gewaltsame
Zerreissung und Zerquetschung des Rumpfes hat nicht einmal
die Lage der biegsamen Federn und ihre zartesten Strahlen
etwas stören können. Wahrlich dazu gehört der Glaube unserer
glaubensstärksten Theologen. Auch für die grossen Flügelfächer
suchen wir vergebens nach einem Anheftungspunkte. Schulter-
blatt, Oberarm und Unterarm zeigen keine einzige Ansatzstelle
für dieselben, also befestigten sie sich am nicht mehr vorhandenen
Handtheil. Hier erheischte aber ihre Bewegung um so stärkerer
Muskeln und Sehnen, für deren Anwesenheit am Oberarm und
Unterarm auch nicht die geringste Andeutung zu entdecken ist.
Und welches Wunder erhielt beide Fittige und die Schwanzfahne
vollständig, während von der übrigen Befiederung und den Weich-
theilen keine Spur nicht einmal die räumliche Andeutung über-
liefert, vielmehr auch das Rumpfskelet total zerstört worden ist.
Deuten wir die angeblichen Federn lieber als feine straffe
befiederte Borstenhaare, denn ich vermag in der Abbildung keine
Spuhle und keinen Schaft wie grosse Schwing- und Steuerfedern
selbige haben zu erkennen: so heben wir damit ihre Beziehung
zum Skelet gänzlich auf. Feine Borstenhaare entwickeln sich
und haften auch in dünner Haut, gehören eben nur dieser an
und sind unabhängig von der Muskulatur, da sie nicht Theil an
der Bewegung haben, an den Knochen ist also ihre Anwesenheit
auch nicht einmal angedeutet. Für sie wäre allerdings das
Wunder der schönen Anordnung bei Zerstörung des Rumpfes noch
schwieriger wie für Schwung)- und Steuerfedern zu beseitigen.
Bei solchen Schwierigkeiten und Widernatürlichkeiten kann
ich nur annehmen, dass die Federn dem Skelete anlithographirt
sind, das Gestein eignet sich vortrefflich dazu, ermöglicht auch
künstlichen Radirungen das Ansehen natürlicher Ein- und Ab-
drücke zu geben und die Anordnung der Federn musste ja eben
eine absonderliche und unnatürliche sein, da es darauf ankam
etwas Widernatürliches, einen befiederten Saurier herzustellen.
Nach dem was bis jetzt zur Beurtheilung des gefiederten
Sauriers vorliegt, erkläre ich denselben für ein Artefakt, für einen
530
Betrug. Der Saurier rechtfertigt in keiner Weise die doppelte
Taufe, welche ihm vor seiner Geburt schon ertheilt worden.
Möge es Owens Geschick, Scharfblick und Scharfsinn gelingen
am Original die Vorwürfe zu beseitigen, welche dessen Abbil-
dung auf sich ladet, und die Räthsel zu lösen, welche das Fossil
der wissenschaftlichen Forschung stellt. C. Giebel.
Das Braunkohlenlager von Latdorf unweit Bernburg.
Tab. II.
In einer von buntem Sandstein gebildeten Schlucht ist fast
rechtwinklich gegen die nördlich davon, in einer Entfernung von
nur 60 Lachtern (& 6?/; Fuss Rheinl.) vorbeifliessenden Saale
ein Kohlenflötz abgelagert worden, dessen Länge ca 400 Lehtr.
dessen Breite ca 200 Lchtr. und dessen Mächtigkeit ca 18 Lchtr.
am westlichen und ca 8 Lchtr. am nördlichen Flügel beträgt.
Das Flötz führt eine erdige, lagenweise mehr oder weniger hell-
braune, flüchtig brennende Braunkohle, schliesst selten Stücken
von Lignit meistens in sehr zersetztem Zustande ein‘, enthält
dagegen viel Retinit in bis nussgrossen Partien, gewöhnlich
in Bernerde eingehüllt oder ganz erdig und Kranzit, beide Harze
ziemlich gleichmässig in Flötze vertheilt, und wird mehrfach von
bis 3° starken sandigen Thonstreifen durchzogen.
Mitunter werden in demselben silifieirte Holzstücke, so
wie auch mit Kieselsubstanz imprägnirte Partien amorpher Braun-
kohle, selten, und zwar nur in der obersten Schicht, Anflüge
oder bis ?/,“ starke Plättchen von Eisenkies angetroffen.
Das Hangende des Flötzes bildet am westlichen und süd-
lichen Ende des Lagers eine 3—4 Lachter mächtige Schicht
von weissem scharfem Sand, (B) mit wellenförmig einfallenden,
stärkeren und schwächern braunen Koblenstreifen, Sandconcretionen
einschliessend, welche mit einem festen Kern von Quarzsandstein
nach aussen zu immer weniger fest werden und endlich wieder
in Sand übergehen. Den übrigen Theil des Flötzes bedeckten
vom Tage an: I—3 Fuss Dammerde (G), 1—2 Lchtr. Lehm (F),
2—4Fuss heller Thon (E), 1—3 Lehtr. dunkeler, thoniger glauco-
nitischer Sand (D), an Conchylien nur selten Fusus multisul-
catus enthaltend, welcher letzterer in der darunter liegenden Schicht
fast gar nicht vorkommt und endlich 1—2 Lchtr. hellgrüner
glauconitischer Sand (C), die Fundstätte zahlloser Meeresconchylien
in prächtigster Erhaltung, [deren Herr Giebel bereits 70 Arten
Bd. XII. 422 —446 und Bd. XVII. 30—47 beschrieben hat
und welche derselbe demnächst in einer ausführlichen Monogra-
phie mit vier Tafeln Abbildungen eingehender behandeln wird] in
2—3 Niveaus bis 6 Zoll starke Schmitze von erbsen - bis nussgros-
sen, weissen Quarzkörnern und bis erbsengrossen hellgrünen glauco-
531
nitischen eckigen Körnern so wie, hauptsächlich in seiner un-
tern Partie, kugelige und linsenförmige Blöcke von glauconiti-
schem Sandstein, bis 10 Fss. in Durchmesser gross oder
5—8 Fss. lang, bis 50 L. schwer einschliessend. Diese Blöcke
sind ebenfalls Concretionen von dem sie umgebenden Sande,
enthalten daher dieselben Versteinerungen, werden nach Innen
zu dichter und homogener, sind zerklüftet, wie die Septarien
des Thons und auf den Kluftflächen häufig mit kleinen Kalk-
spathkrystallen besetzt, werden nach aussen zu immer weniger
fest und gehen endlich ebenfalls, wie die Coneretionen des weis-
sen Sandes, in Sand über.
Nur in dem hellgrünen Sande findet sich Eisenkies häufig
in bis 2 Zoll grossen Kugeln und in nierenförmigen Gestalten,
z. Thl. aber auch fein vertheilt. C. Zincken.
Naturgeschichtliche Beobachtungen bei Saalfeld.
Die Beschreibung des Libellenzuges bei Elberfeld im Fe-
bruarheft der Zeitschrift hat mich an einen ähnlichen Zug er-
innert, den ich am 3. Mai 1857 hier in Saalfeld beobachtete.
Bei ziemlich stillem Wetter und etwas bewölktem Himmel er-
schienen Vormittags gegen 10 Uhr die ersten noch kleinen Züge,
auf welche um Mittag die Hauptzüge folgten. Diese waren so
gross, dass sie gleich den Wolken Schatten warfen. In einer
Breite von fast einer Viertelmeile zogen sie rauschend über die
Stadt in östlicher Richtung. Erst am Nachmittag nach 4 Uhr
hörten die letzten kleinern Züge auf. Auch hier wurden sie von
Libellula quadrimaculata L. gebildet und zwar waren alle von
mir gesammelten Exemplare so frisch, als ob sie eben erst die
Puppenhaut abgestreift hätten. Ueber die Herkunft des Zugs
war nur zu ermitteln, dass derselbe auch in Blankenburg (1 Meile
westlich von hier) gesehen worden war und dass Personen, die
am frühen Morgen vom nahen Gebirge herabgekommen waren,
erzählten, sie hätten viele Libellen an Halmen und Büschen ru-
hend erblickt. Es passt das ganz gut zu der von Cornelius
ausgesprochenen Vermuthung, dass solche Libellenzüge durch Zu-
zügler aus der Nachbarschaft ihres Wegs Benneng verstärkt
werden. Den weitern Weg des besprochenen Zugs konnte ich
nur noch ?/, Meile in östlicher Richtung verfolgen.
Auf dem Wege nach Schwarzburg fand ich vor einiger
Zeit Ascalaphus italicus L. Das ist wohl das nördlichste Vor-
kommen dieses schönen Insekts. Bei dieser Gelegenheit konnte
ich wieder beobachten, das auf dem grünen (kambrischen) Schie-
fer die Glockenblumen, namentlich Campanula persicifolia L. auch
in den kräftigsten 2—3‘° hohen Exemplaren fast weiss blühen,
während daneben Phyteuma orbiculare L, schwarzblau blüht.
532
Es ist dies ein ähnliches Verhalten, wie das von Echium vulgare
L. und Anchusa offieinalis L. auf Sandboden, auf welchem ersteres
auch weiss blüht, während letztere das schönste Indigblau zeigt.
Welche Nahrung verwenden diese Pflanzen zur Färbung ihrer
Corollen?
Lassen sie mich daran noch etwas Botanisches knüpfen.
Im vorigen (feuchten) Jahre pflanzte ich ein Exemplar Cheiran-
thus chiuri L., nachdem es im Topfe geblüht hatte, ins freie
Land, vergass aber, die Schoten abzuschneiden. Nach einiger
Zeit überraschte mich die Pflanze durch neue Blühten aus —
den Schoten. Ich lege Ihnen eine solche bei (es steht auch der
ganze Zweig, den ich einlegte, zu Diensten!). Aus der geöffneten
einen Naht der Schote, die oben noch die Narben zeigt, quollen,
an die entgegen gesetzte Naht angewachsen, die Kronenblätter
hervor, in deren Mitte Staubgefässe und Pistill deutlich wahrnehm-
bar sind. Ist diese Bildung nicht analog jener des Rosenkönigs ?
Noch eins: Ein dreijähriger Sämling von Azalea indica L.,
der voriges Jahr eine reiche Fülle normaler Blumen gebracht
hatte, blühte auch dieses Jahr zuerst im März (im Zimmer) und
wiederum jetzt im Juni (auf dem Blumenbrett im Freien). Beide
Male erschienen nur wenige, aber grosse Blumen, welche die
Anfänge zur Füllung beobachten liessen. Von den 5 Kronen-
zipfeln sind nämlich einer oder einige wieder gespalten und nur
einzelne Staubgefässe noch im normalen Zustande. Die übrigen
zeigen zuerst einen blumenblattartigen Saum, der sich bald ver-
breitert und nochmals spaltet. Erreicht die Verbreiterung die
Höhe der Antheren, so rücken diese auseinander, bis endlich
der zum Blumenblatt rückgebildete Träger sich ganz spaltet und
das auf jeder Hälfte zurückgebliebene Rudiment des Beutels zu-
letzt völlig verschwindet. In den Katalogen der Kunstgärtner
finden sich gefüllte Azalien noch nicht — vielleicht könnten solche
durch fortgesetzte Pflege erzielt werden.
Saalfeld, Juni 1863. H. Richter.
Literatur
Allgemeines. G. Suckow, zur Naturwissenschaft.
Berlin bei Wiegandt und Hempel. 1863. 8°. — Verf. behandelt in
diesem Hefte mehrere wichtige Fragen, nämlich: ob die Intensität
der Erdwärme vom Mittelpunkte der Erde aus mit dem Quadrate
der Entfernung abnimmt; Gruppirung der sogenannten natürlichen
Farben der Mineralien, die anomalen Braunit- und Hausmannitformen;
533
interessantes Vorkommen gediegenen Goldes;; zur Krystallreihe des
Bleioxyds; die allmählige Zersetzung des Berylis; die Zwillingsfor-
men im Mineralreiche; chemische und mechanische Erosionsprocesse
im Mineralreiche; über den Antheil des Chlorits an der Zusammen-
setzung bunter Sandsteine bei Jena; die Bedeutung der Wechselwir-
kung phosphorsaurer Kalkerde und kohlensaurer Magnesia für den
Ackerbau; über die Nichtigkeit chemischer Untersuchungen verschie-
denartig gemengter Gesteine. Mögen Mineralogen und Geologen dem
Schriftchen ihre Aufmerksamkeit nicht versagen.
C. Hullmann, das Grundgesetz der Materie. Ein
Beitrag zur Erweiterung der rationellen Physik. Oldenburg 1863 bei
G. Stalling. 8°. — Nach einer einleitenden Geschichte der Entwicke-
lung des Begriffes der Materie beleuchtet Verf. die Materie und ihre
Kräfte, den freien Aether, das Dynamidensystem und die Wärme.
Die Erörterungen des Verf.’s beanspruchen eine ernste Prüfung sei-
tens der Physiker, welche leider zum grössten Theile den allgemei-
nen Fragen sich entziehen.
HB. Pompper, die wichtigsten Formen des Thierrei-
chesnach ihren hauptsächlichsten Merkmalen zergliedert.
Ein Handatlas in 24 Tafeln nebst erklärendem Texte für höhere Schu-
len und zur Selbstbelehrung sowie zu jedem Lehrbuche der Zoolo-
gie. 2. verbesserte Auflage. Leipzig 1863 bei Ed. Kummer. Fol. —
die dargestellten Gegenstände sind zweckmässig ausgewählt und im
Verhältniss zu dem billigen Preise von 1 Thlr. 18 Groschen auch gut
ausgeführt, so dass der Atlas als nützliches Hülfsbuch für den zoo-
logischen Unterricht empfohlen werden kann. Die Erklärung der Fi-
guren steht bei den Wirbelthieren unter den Tafeln, bei den übrigen
auf besondern Blättern. Tf. 1—5 bringen Schädel, Skelete und Zähne
von Säugethieren, 6—8 ebensolche, Köpfe und Füsse von Vögeln, 9.
und 10. von Amphibien, 11. und 12. nur 14 Figuren für die Fische,
13 bis 19 von Inseckten und einzelnen Organen, 19 und 20 von Kreb-
sen, 21 von Würmern, 22 und 23 von Mollusken und Strahlthieren,
24 von Polypen und Infusorien. An einzeln Abbildungen wäre grös-
sere Genauigkeit zu wünschen: so zeigt z. B. das Gebiss am Löwen-
schädel Tf. 2. Fig. 6 falsche Formen, die Einlenkung der Flossen-
strablen bei den Fischen auf Taf. 11 ist ganz unausgeführt u. dgl.
Dagegen verdient hervorgehoben zu werden, dass bei den Insekten
die Mundtheile dargestellt worden sind, worauf leider die meisten
Lehrer gar keine Rücksicht zu nehmen pflegen.
E. Hallier, Nordseestudien. Mit 27 Holzschniten und 8
lithogr, Tafeln. Hamburg bei Otto Meissner 1863. 8°. — Den vielen
Besuchern der Nordseebäder als sehr belehrende und anregende
Lectüre während ihres Aufenthalte besonders zu empfehlen, aber auch
für jeden Freund der vaterländischen Naturgeschichte von Interesse.
Die einzelnen Abschnitte behandeln: Helgoland als Seebad, das Meer
als Ganzes und seine Bewegung, Gewitter und Sturm, Sturmfluth
und ihre Verheerungen, den festen Boden, Dünen und Strandbildun-
XXI. 1863, 36
534
gen, Luft- und Lichterscheinungen, Dünenflora, Küstenvegetation,
Strand- und Wasserpflanzen, Phanerogamenflora Helgolands, Algen-
flora, Fragmente aus dem Thierleben, Land und Leute, der Töck
(eine Flora und Fauna der Vorwelt.) 4
Physik. Berger, Dr. in Frankf. a. M. Ueber Nebel,
— Die in der Natur gebildeten Dunstkörperchen sind nicht wesentlich
verschieden von den in einem Kochfläschchen gebildeten, welches mit
einer geschwärzten Flüssigkeit zum Theil angefüllt ist. Es zeigt sich»
dass über der erhitzten Flüssigkeit nach Verstöpselung sich nur dann
Dunstkörperchen bilden, wenn man Luft zuströmen lässt; also dass
zur Bildung derselben Luft nothwendig ist. Die Bildung des Dun-
stes folgt der vordringenden Luft. Befinden sich noch Dunstkörper-
chen über der Flüssigkeit, wenn man verschliesst, und kehrt man die
Flasche um, so wächst ihre Zahl bei Abkühlung des Bodens schnell
und nimmt ab bei wiederholter Erwärmung. Dunstkörperchen kön-
nen sich wohl in der Luft bilden, ohne eine Temperaturdifferenz
zwischen oben und unten, ebenso, wenn der Boden kälter ist als die
Luft über ihm, aber diese Bildung ist in der Regel nicht andauernd.
Zur Bildung eines längere Zeit fortbestehenden Nebels ist nothwen-
dig, dass eine hinreichend gesättigte Luftmasse eine niedrigere Tem-
paratur habe als der Boden unter ihr; dazu genügt schon eine Tem-
paratur von weniger als 4 GradC. Durch Abkühlung und Erwärmung
der Seiten des umgekehrten Kochfläschchens lässt sich beobachten,
dass die Dunstkörperchen im kalten Strome gebildet und durch den-
selben abwärts geführt, durch den warmen aber emporgerissen und
aufgelöst werden; also dass von einem Schweben, als einem ruhigen
Verharren in der Luft nicht die Rede sein kann. Der Grund des be-
stehend gewöhnlichen Nebels liegt darin, dass durch den wärmeren
Boden dic herabsteigenden kälteren Luftmassen erwärmt und somit
zum Wiederaufsteigen geeignet werden; während der fallende Nebel
kälteren Erdboden fordert und Abwesenheit kälterer Luftströmungen
Dunstbildung wird vorzüglich durch Einführung eines kalten Gegen-
standes, Eises, oder kalten Luftstroms hervorgebracht: immer aber
ist Strömung erforderlich. Die mannigfachen Figuren, die man auf
der Oberfläche einer gefärbten heissen Flüssigkeit sieht, entstehen
durch die sich bunt durchkreuzenden auf- und absteigenden Ströme.
Durch einen hohlen über die erwärmte Flüssigkeit gehaltenen Glas-
cylinder sieht man einen ununterbrochenen Strom von Dunstkörper-
chen aufsteigen in Folge des unten eintretenden kalten Luftstroms.
Wird der Cylinder eingetaucht, so entsteht in ihm ein absteigender
dunstfreier und aufsteigender dunstreicher Strom, die immer abwech-
seln; bei fehlendem Cylinder schliessen sich diese Ströme einander
ein und wird der eine zum Schornstein des andern. Beide Ströme
sind mit Dunst gesättigt. Herabfallende kältere Regentropfen ver-
dichten den Dampf der durchlaufenen Strömungen und verringern,
da Neubildung des Dampfes nicht möglich ist, die Sättigung der
Luft: Vom Wesen der Dunstkörperchen urtheilte Kratzenstein, dass
535
sie hohle Bläschen seien, deren Dicke er aus der Farbe des auffallen-
den Lichtes berechnete. Saussure und Muncke erklären diese Farben für
Beugungserscheinungen ähnlich den an Spinngeweben und Samen-
stäubchen zu beobachtenden. Clausius hat nachgewiesen, dass diese
Körperchen nicht massiv sein können; Brücke, dass sich nur auf die
Kleinheit und gleichmässige Vertheilung, nicht aber auf ihre Beschaf-
fenkeit ein Schluss aus den Erscheinungen ziehen lasse. Berger führt
nun an, dass Bläschen, ähnlich den Seifenblasen, nur durch gewalt-
sames Einpressen eines Gases gebildet werden können, und dass diese
Blasenform von der zähen Flüssigkeit sehr bald wieder aufgegeben
werde. Die Dunstkörperchen hingegen entstehen meistens in ruhiger
Atmosphäre, also dass die Unmöglichkeit des Entstehens von Dunst-
bläschen in’s Auge zu fassen sei. Zur Entscheidung der Frage stellt
Berger einen Versuch an. Wie an jedem eingeführten kälteren Kör-
per, so schlagen sich auch an eingeführten kälteren Lufttheilchen ver-
dichteter Wasserdampf nieder, ohne dass derselbe ausgeschieden wird.
Indem nun die Cohäsion der Wassertheilchen grösser als die der Luft-
theilchen ist, werden erstere sich zu einem ausserordentlich kleinen
Kügelchen vereinigen, um welches sich eine Anzahl von Lufttheil-
chen herumlagert, so dass wir statt einer wässerigen Hülle mit einem
elastischen Kern umgekehrt einen wässerigen Kern mit elastischer
Hülle hätten, welche letztere um so dichter wäre je niedriger ihre
Temperatur ist. An dieser Lufthülle werden sich neue Dämpfe, de-
nen das Kügelchen auf diesem Wege nach unten begegnet, anlegen,
und durch die öftere Wiederholung dieses Vorganges wird schliess-
lich ein Complex von solchen an einander gereihten äusserst feinen
Körperchen entstehen, der im allgemeinen um so grösser ist, je grös-
ser die Temperaturdifferenz ist. Der Grund, warum jene schr klei-
nen Körperchen sich nicht augenblicklich zu einem einzigen vereini-
gen ist wiederum in dem ununterbrochenen Luftstrome zu suchen,
welcher, mit Feuchtigkeit gesättigt, dieser gestattet sich an jene Kör-
perchen anzulegen, bis diese eine so grosse Annäherung und An-
ziehung der Theilchen unter einander erlangen, dass sie sich nicht
vereinigen. Das Herabfallen der Körperchen tritt ein, wenn der auf-
steigende Strom sie nicht mehr emporzuführen vermag. Zwei Fälle
sind zu unterscheiden. 1) Ist durch Vermischung der kalten und
warmen Luft Gleichgewicht hergestellt, so entsteht, wenn die Masse
unmittelbar über dem Boden schwebt fallender Nebel; schwebt sie
aber in der Höhe, so entsteht durch Herabdrängen eine Vergrösse-
rung der Wolke nach unten, und sind die untern Schichten hinrei-
chend gesättigt, ein sanfter Regen. 2) Bei sehr grosser Temperatur-
differenz ist der ganze Vorgang ein lebhafterer, gewaltsamerer; Con-
densation und Verdampfung folgen rasch auf einander; die entste-
henden nach allen Richtungen auf und durch einander geschleuder-
ten Wassertropfen werden zu gross und stürzen herab. So entstehen
Platzregen, beim Maximum der Temperaturdifferenz Hagel. Dringt
ein feuchter warmer Strom von oben in kalte Luft ein, so entsteht,
36 *
536
wenn diese letzte gesättigt ist, ein warmer Regen von kurzer Dauer
ohne Wolken im Zenith; dagegen werden ringsum gegen den Hori-
zont, da wo der eindringende Strom die kalte Luft seitlich streift und
in Folge dessen Wirbel verursacht, Wolken sichtbar. — (Pyg. 118.
456.) | Ww. Ww.
J. A. Angström, über das Wärmeleitungsvermögen
des Kupfers und Eisens bei verschiedener Temperatur.
— Dresprez nahm an, dass der Werth von K, dem Leitungsvermö-
gen, unabhängig von der Temperatur sei, und dass die Abweichung
von dem geometrischen Gesetz, welches die Wärmeabnahme in Stäben
von Blei, Eisen oder andern schlechten Wärmeleitern‘ zeigt, haupt-
sächlich herrühre von der Dicke des Stabes und in Folge dessen: von
der Temparaturungleichheit der verschiedenen Punkte in einem und
demselben Querschnitte des Stabes; andere, wie Langberg, Wiede-
mann, Franz, nehmen an, K sei constant für gute Wärmeleiter, wie
Kupfer, aber veränderlich mit der Temperatur für die übrigen. A.
wendet Stäbe von 1178mm Länge und 35mm. Dicke an, welche in Ab-
ständen von 200mm Löcher von 2mm Durchmesser zur Einsenkung der
Thermometer haben. Die Dauer der Periode betrug bei den Versu-
ehen mit dem Kupferstabe 24 Minuten, bei denen mit dem Eisenstabe
32 Minuten. Der Apparat zur Erwärmung und Abkühlung war so
eingerichtet, dass das kalte Wasser und der Wasserdampf durch be-
sondere Hülsen um den Stab geleitet wurden, so dass durch Ortsver-
änderung der Abstände derselben verschiedene Mitteltemparaturen
erreicht werden konnten. Durch die mitgetheilten Versuche und Be-
rechnungen glaubt A. dargethan zu haben, 1) die Anwendbarkeit und
Genauigkeit der von ihm eingeschlagenen Methode auch zur Bestim-
mung der Veränderungen, welche das Leitungsvermögen dnrch ver-
schiedene Temperaturen erleidet; 2) dass das Leitungsvermögen für
gute Wärmeleiter, wie Kupfer, Veränderungen unterworfen ist, ver-
gleiehbar mit denen, welche bei weniger guten Wärmeleitern, wie Ei-
sen vorkommen; wodurch dann 3) die Proportionalität, welche als
stattfindend zwischen dem Leitungsvermögen der Körper für Wärme
und Electricität: angenommen wird, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. —
(Ocfeis. af. K. Vetensk. Förhdl. und Pyg. 118, 423.) W. W.
Gassiot, über die Wärmeentwickelung anden Po-
len einer Volta’schen Batterie. — Schon 1838 gab Gassiot im
Phil. Mag. an, dass nach Oeffnung der Volta’schen Batterie ein Lieht-
bogen entsteht, und dass bei andauernder Entladung der positive. Pol
rothglühend und schliesslich geschmolzen wird. Grove, ebend. 1840,
suchte den Grund davon in einer stärkeren Action am positiven Pole.
Gassiot stellt die Erwärmung als Folge einer Oxydation in Abrede,
da z. B. bei: Entladung einer Induetionsrolle im Vacuum oder: in
Luft durch dünne Platindrähte dieselbe Erscheinung am negativen
Poldrahte stattfindet, jedoch nicht wenn der Poldraht diek ist. G.
schaltet in die Salpetersäure-Batterie eine 3 Zoll lange Kohlensäure-
Vacuumröhreein, welche 2, ungefähr 1 Zollauseinander, an: hermetisch
537
eingesiegelten Platindrähten befestigte Metall- oder Kohlenkügelchen
enthielten. Es zeigt sich diese Entladung wie die der Inductionsrolle
und der Wasserbatterie intermittirend, und es ergab sich, dass, so wie
die Wirkung der Batterie steigt, das die negative Kugel umgebende
Glimmlicht allmählig an Grösse wächst, bis nach wenigen Secunden
die ganze Kugel rothglühend wird. Bei einer Reihe von Versuchen
zeigt sich, dass die Media, durch welche die Entladungen gingen,
keinen Aufschluss zur Erklärung der Erscheinung liefern. Bei an-
dauernder Entladung, wobei im Vacuum zwei Hohlkugeln von Mes-
sing, zwei von Eisen, zwei von Coke angebracht waren, erhitzte sich
anfangs die negative Kugel bis zur Rothgluth, dann erfolgte eine
plötzliche helle geschichtete Entladung; (die Entwickelung der salpetrig-
sauren Dämpfe bezeugte die kräftige Wirkung der Batterie und als
die Batterientladung einige Secunden gedauert hatte, verlor die ne-
gative Kugel plötzlich ihre Helligkeit und die positive ‘wurde roth-
glühend. Die plötzlich helle Entladung bezeichnet das Ende der
unterbrochenen und den Anfang der ununterbrochenen oder Bogen-Ent-
ladung. Eine Vergleichung der Entladung einer Salpetersäurebatterie
mit der einer Regenwasserbatterie oder einer Inductionsrolle ergibt,
dass mit Zunahme der Wirkung sich das Glimmlicht am negativen
Pole vergrössert und die Hitze ebendaselbst ‚sich steigert. Während
die negative Kugel rothglühend ist, findet kein sichtbares Zeichen von
chemiseher Action in den Zellen der Batterie statt: die Wärmewir-
kung scheint vielmehr von der Steigerung der Spannung herzurüh-
rer; denn wenn die kupfernen Poldrahte mit Goldblatt- Electroscopen
in Berührung gebracht werden, bleiben die Blätter divergirend bis
die Bogenentladung eintritt, bei der sie sogleich zusammenfallen und
Hitze am positiven Pole entwickelt wird. Dass während der unter-
brochenen Entladung im Vacuum am negativen Pole ein Widerstand
stattfindet, geht ausserdem daraus hervor, dass Metall von diesem
Pole in kleinen Theilchen abgerissen und in seitlicher Richtung auf
die Wand der Röhre abgelagert wird. Damit Bogenentladung statt-
finden kann, ist eine starke Wirkung der Batterie erforderlich: die
Entladung ‚wird äusserst lebhaft, die Schichtungen nehmen die Ge-
stalt eines Kegels an, dessen Scheitel gegen den negativen Pol ge-
richtet ist, und sogleich wird Hitze am positiven Pole wahrnehmbar,
während der negative sich abküblt. G, zieht den Schluss, dass die
Wärmeentwickelung sowohl am positiven als am negativen Pole der
Volta’schen Batterie gänzlich herrühre von dem Betrage des Wider-
standes, welcher in jenem Theile des Schliessungsbogens der Batterie
stattfindet. — (Proc. of. Roy. Soc, XI, 329; Pyg. 119, 31.) W. W.
Chemie. Theoretische. Arppe, über die Azelain-
säure,. Verf. behält für die zuerst von Laurert unter den Oxyda-
tionsproducten der Fette mittelst Salpetersäure gefundene Säure, den
won Laurert gebrauchten Namen bei. und zeigt dass die Lepar-
gylsäure von Wirz, und ‚die Anchoinslure von Buckton damit
dentisch seien. Sie bildet sich aus allen fetten Säuren mit Ausnahme
538 %
der nach der Formel En Hzn $; zusammengesetzen, am besten eignet
sich jedoch das Ricinusöl. Die Azelainsäure oder Azelsäure ist schwer
in kaltem (700 Th.), leicht in heissem Wasser löslich. Die wässe-
rige Lösung kann nicht ohne Verflüchtigung eines Theils der Säure
mit den Wasserdämpfen concentrirt werden. In Aether ist sie noch
leichter, in Alkohol am leichtesten löslich. Aus wässeriger Lösung
kann sie in zolllangen Krystallen erhalten werden. Sie schmilzt bei
106° und erstarrt nach dem Schmelzen krystallinisch, in höherer Tem-
peratur ist sie theilweise flüchtig, die Dämpfe reizen stark zum Hu-
sten, wenn auch schwächer als die der Benzoesäure; dieselben sind
brennbar mit leuchtender Flamme und reagiren sauer. Die Zusam-
mensetzung der Säure ist £&3Hjs 4, in den Salzen sind 2 Atome Was-
serstoff durch 2 Atome Metall vertreten. Einige Salze nehmen Kry-
stallwasser auf. Die Alkalisalze effloresciren. — (Annal. d. Chem. u.
Pharm. CXXIV, 86). Swt.
L. Carius, über Entstehung der Schwefelessigsäure.
— Verf. geht von der Idee aus, dass die Sulfhydrate mehratomiger
organischer Verbindungen bei ihrer Oxydation auf jedes Atom in
ihnen enthaltenen Schwefels 3 Atome Sauerstoff aufnehmen, so dass
also aus Monosulfoglycolsäure Schwefelessigsäure entstehen müsste nach
) 80
der Gleichung (8 +03 - 0212000, Diese Vermuthung hat
2
C bestätigt gefunden, und gibt in seiner Arbeit die nähern Eigen-
schaften der Säure und deren Salzen an. — (Annal. d. Chem. u. Pharm.
CXXIV, 43.) Sut.
L. Carius, Einwirkung von Selenphosphor auf Al-
kohol. — Selenphosphor, dargestellt durch Zusammenschmelzen ro-
then amorphen Phosphors und fein vertheilten Selens in einem mit
Kohlensäure gefüllten Glasrohre, wird gepulvert in kalten absoluten
Alkchol gebracht. Es entwickelt sich reichlich Selenwasserstoff, et-
was Wasserstoff, und es scheidet sich etwas feines Selen ab. Nach
Beendigung der Reaction wird aus der filtrirten Flüssigkeit mit Wasser
ein öliger Körper abgeschieden, der zuerst mit Fliesspapier dann unter
der Luftpumpe vom Wasser befreit wurde. Er ist schwerer als Wasser,
sich mit diesem besonders in der Wärme zersetzend. Blassröthlich und
von schwachem Geruch nach Selenwasserstoff. C. hält ihn für Dise-
PSe Os N) 2
lenophosphorsaures Aethyloxyd (& H,)|Se (Ebenda pag. 57.) — Swt.
L. Dufour, dasspec. Gew. des Eises. — Dasselbe wurde
bestimmt in einer Mischung von Chloroform und Steinöl, welche das
Eis nicht auflöst; im Mittel aus 16 Versuchen ergab sich das spec.
Gew. 0,9178, wonach sich das Wasser im Moment des Gefrierens
fast genau um !/ıı seines Volums ausdehnt. — (Annal. d. Chem. und
Pharm. CXXIV, 42.) Swi.
L. Gilmer, über Identität von Melampyrin und
Duleit. — Das Melampyrin (dargestellt aus Melampyrum memoro-
sum, Scrophaloria nodosa, und Rhinantus crista galli) schmilzt bei
539
1820, C, verliert bei 275° C im trocknen Luftstrome Wasser, indem
es sich etwas bräunt, liefert mit Salpetersäure, Schleimsäure, Oxal-
säure und einen Kupferoxyd reducirenden Stoff. Er bildet farblose
Krystalle von schwach süssem Geschmack, ist nicht gährungsfähig
und ohne Rotationsvermögen und geht mit Baryt eine Verbindung
ein, die leicht krystallisirt und von der Dulcitbarytverbindung nicht
zu unterscheiden ist. Auch in der Zusammensetzung € Hı9s stim-
men beide Körper überein. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. OXXII,
372.) Swt.
E.Frankland, über neue Borenthaltende organische
Verbindungen. — Man liess auf das nach der Roseschen Methode
dargestellte borsaure Aethyloxyd Zinkäthyl einwirken; wobei unter
Temperaturerhöhung ein durchdringender Geruch entstand, herrüh-
rend von einer flüchtigen Verbindung, die an die Luft tretend selbst-
entzündlich ist und mit grüner Flamme brennt. Im reinen Zustande
siedet die Verbindung bei 95° und erwies sich als Boraethyl, ent-
standen nach der Gleichung
&H;,® \|&H;
2B’&H;9 13 Zu, —2B | H, +6,80
/Hs0 (2Hs ).H;
Sein spec. Gew. ist 0,6961 die seines Dampfes 3,4006. Die Verbin-
dung ist unlöslich in Wasser, und wird von demselben kaum zersetzt.
Jod wirkt ebenfalls kaum darauf. Mit Sauerstoff explodirt sie. Mit
wasserfreiem Ammoniakgas tritt sie direct zu einer öligen Flüssigkeit
zusammen, die jedoch sehr leicht wieder bei Luftzutritt in ihre Com-
ponenten zerfällt. Sobald sich das Boräthyl allmählig oxydirt, entsteht
eine bei 125° siedende wasserhelle Flüssigkeit von der Zusammen-
setzung B(C,2H;)302.. Bei Anwendung von Zinkmethyl werden die
Methylverbindungen erhalten. Das Bormethyl B(€H3); ist bei — 16°
noch gasförmig, wird aber bei 10° unter Druck von 3 Atmosphären
flüssig, reizt in seinen Dämpfen heftig zu Thränen und hat einen un-
erträglichen Geruch. Sein spec. Gew. ist 1,93137. Es ist in Wasser
wenig löslich, leicht in Alkohol und Aether und entzündet sich in Be-
rührung mit der Luft, mit glänzend grüner Farbe verbrennend. Mit
Ammoniakgas verbindet es sich ebenfalls direct. Die Verbindung kry-
stallisirt aus Aether in schönen baumartig verwachsenen Krystallen,
die bei 56° schmelzen und bei 110° C sieden. — (Annal. d. Chem. u.
Pharm. CXXIV, 129.) Swt.
E. Frankland, über die Entzündungstemperatur des
Steinkohlenleuchtgases. — 1) Das Gas kann selbst bei den
günstigsten Verhältnissen nicht bei einer Temparatur entzündet wer-
den, welche niedriger ist, als die, bei welcher Eisen in mässig hel-
lem Zimmer rothglühend erscheint. 2) Die hohe Entzündungstem-
paratur beruht hauptsächlich auf dem Gehalt von Oelbildenden Gase,
welches die Entzündungstemperatur selbst leicht entzündlicher Gase
wie Schwefelkohlensioff erniedrigt, resp. die Entzündung verhindert.
3) Die Entzündungstemperatur von Grubengas liegt höher als die des
540
Leuchtgases, somit können die Davy’schen Sicherheitslampen in Gru-
bengas gefahrlos benutzt werden, während sie bei Leuchtgas weni-
ger Sicherheit gewähren. 4) Gemische von Leuchtgas und Luft können
durch Funken, die von Metall oder Steinen absprühen (z. B. Schlag
von Werkzeugen oder Hufeisen auf Pflaster) entzündet werden. 5)
Entzündung kann auch eintreten, wenn ein andrer Körper zugegen
ist, wie ‘Schwefel oder Schwefelhaltige Substanzen, Baumwollenab-
fälle, die durch Berührung von noch nicht rothglühenden Eisen ent-
zündet werdet- — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXIV, 101) S
Henneberg, Stohmann und Rautenberg, Untersu-
chung des Harns der Pflanzenfresser. — Es handelte sich
darum, die Veränderungen des Harnstoff-, Hippursäure-, Bicarbonat-,
Kochsalzgehaltes, etc. bei verschiedenem Futter zu erfahren, und die
Untersuchungen ergaben folgende Resultate, 1) Der an Hippursäure
reichste Harn (2,1—2,7 pre.) ist bei Fütterung von Cerealienstroh
(Hafer und Weizen) mit geringem Zusatz von stickstoffreichen Boh-
nenstroh erhalten. Fütterung mit Kleeheu und Bohnenstroh hat eine
Depression der Hipptrsäure auf 0,4 pre. und darunter zur Folge.
Bei eigentlichem Wiesenheu steht der Hippursäuregehalt in der Mitte
1,2 —1,4 pre. 2) Ausser der Art des eigentlichen Tagesfutters übt
auch der demselben beigegebene Zuschlag von leicht verdaulichen
Substanzen (Bohnenschrot, Stärke, Zucker, Oel) Einfluss auf die Hip-
pürsäurebildung aus, indem bei vermehrtem Zusatz dieser Stoffe zum
Futter die Hippursäure abnimmt aber der Harnstoffgehalt sich erhöht,
3) Der Gehalt an Bicarbonat ist vom Gehalt des Futters an kohlen-
sauren resp. pflanzensauren Salzen abhängig; so wurde bei Klee-
heufütterung der grösste Kohlensäuregehalt 1,6—1,8 prc., bei Weizen-
stroh und Bohnenschrot fast gänzliches Verschwinden derselben beo-
bachtet. Der kohlensäurefreie Harn bei Weizenstrohfutter reagirte
sauer, während alle übrigen Harnsorten alkalische Reaction hatten.
Nach einer Mittheilung von Krant beobachtete Uelsmann bei auf der
Weide. ernährten Kühen ebenfalls einen kohlensäurefreien aber sauer
reagirenden Harn. Wurde der Weizenstrohration bei der Fütterung
essigsaures Kali zu 75grm. täglich zugegeben, so trat die alkalische
Reaction des Harns wieder ein. — (Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXIV,
181.) Swt.
C. Harbordt, über Amidobenzoesäure. Es wird zuerst
über die Darstellungsweise der Säure gesprochen und bemerkt, dass
die älteste Methode von Zinin die brauchbarste sei, während die von
Gerland und Schiff sehr schlechte Ausbeuten geben. H. hat die Ein-
wirkung der wasserfreien Salzsäure auf Amidobenzoesäure studirt
und zwei Producte enthalten; das in Wasser lösliche ist salzsaure
Amidobenzoesäure, die unlösliche ist das Anhydrid der Säure. Phos-
phorsuperchlorid erzeugt unter Entwickelung von Salzsäure phosphor-
saure Amidobenzoesäure und einen andern Stoff C7HSNO2. — (Annal.
d. Chem. u. Pharm. OXXIH, 287.) Suwt.
C. Harbordt, über das Rautenöl.— Nach seinen Unter-
541
stüchüngen kommt Verf. zu dem Schluss, dass der Hauptbestandtheil
des Oeles kein Aldehyd, sondern ein Keton von der Zusammensetzung
(Metylcaprinol) sei. — (Ebenda pag. 293.) Sat,
Jos.Lerch, über die aus Kohlenoxydkalium darstell-
baren Säuren. Die fortschreitende Farbenveränderung des Koh-
lenoxydkaliums ist hauptsächlich einer fortschreitenden Oxydation zu-
zuschreiben, so dass die Masse erst von schwarz in grau, wieder
schwarz, grün, roth und endlich in gelb übergeht. Aus der noch nicht
veränderten Substanz, die L. als €&j0@10Kıo zusammengesetzt ansieht
hat er durch Salzsäure eine in weissen Nadeln krystallisirende Säure
dargesteit CrHlı0ıo = ae, — Trihydrocarboxylsäure. Wird
das ursprüngliche Kohlenoxydkalium vor Behandlung mit Salzsäure
mit Alkohol in. Berührung gebraeht, so wird ‚eine in schwarzen Na-
£10H3s01 = u 9, = Bihydrocarboxyl-
säure erhalten. Ist die Masse vor und nach Behandlung mit Wein-
‚geist mit Luft in Berührung gewesen, dann wird mit Salzsäure eine
in dunkelgraurothen bis schwarzen Nadeln krystallisirende Säure aus-
£j0Hs910 = er Hydrocarboxylsäure. Istendlich die
deln krystallisirende Säure
geschieden
Masse vollends an der Luft roth geworden, dann stellt sie das Kali-
SwHseıo = eo nennt,
aber nicht mehr unverändert abgeschieden werden kann, sondern durch
Aufnahme von Wasser in Rhodizonsäure, in ungefärbten langen Pris-
men krystallisirend, übergeht, £10H4010 . 2 H>0 = '2 (€5H,8,).
Oder das carboxylsaure Kali geht einfach durch Spaltung” ohne Was-
'seraufnahme in. krokonsaures Kali über £10K4010 = 2. 65K39:.
Von der freien Rhodizonsäure führt L. an, dass sie bei 10000,
getrocknet Wasser verliert und schwarz wird
&H9 H_ _ CGH9)
120 — u = = H02
salz einer Säure;dar, die L. Carboxylsäure
Mit essigsaurem Bleioxyd scheint die Säure ein dunkelrothes basisches
Salz zu bilden. Ausser diesen genannten Säuren führt L. noch einige
andere an, die aus den erwähnten durch Oxydations- oder Reduc-
tionsmittel erzeugt werden können, z. B. Oxycarboxylsäure, Oxykro-
konsäure und Hydrokrokonsäure. Ferner ist es ihm gelungen in der
letzteren einen Theil des typischen Sauerstoffs durch Schwefel zu er-
setzen, und eine Verbindung zu erhalten, der er den Namen Hydro-
thiokrokonsäure gibt.
£10H26023 —= Oxycarboxylsäure.
!
Me E90 — Hydrokrokonsäure.
ne — Hydrothiokrokonsäure.
(Annal, d. Chem. u, Pharm. OXXIV, 20.) Swt,
.
542
Rieth und Beilstein, Synthese des Amylen und Pro-
pylen. — Bei Einwirkung des zweifach Chlorkohlenstoffs auf Zink-
aethyl entstehen neben Chlorzink und Chloraethyl Aethylen und Pro-
pylen ECi® + 3 (Zn. &H;) = &3H; + €5Hs + 3 Zn. Cl + &H;Cl,
Die bei der Einwirkung entwickelten Gase werden zuerst durch ein
aufrechtstehendes Kühlrohr, eine leere Flasche, durch eine mit alko-
holischer Schwefelkaliumlösung und eine mit wässrigen Kali gefüllte
Flasche geleitet, um das gebildete Chloraethyl zurückzuhalten, sodann
traten die gereinigten Gase von Aethylen und Propylen in eine mit
Brom gefüllte Vorlage. Die gebromten Gase wurden dann weiter
untersucht. Bei Einwirkung von Chloroform auf Zinkaethyl ensteht
neben Chlorzink Aethylwasserstoff und Amylen £HCl? -++-'3 (Zn. &,H,)
—= 3 Zn. Cl+ &;Hg + 65H10.- Anderthalbchlorkohlenstoff und Zink-
aethyl liefern Einfachchlorkohlenstoff, Chlorzink und Chloraethyl
&Cl; + Zu. &H; = C,Ch + Zn. Cl+ &H;Cl. Einfachchlorkohlen-
stoff scheint gar nicht auf Zinkaethyl zu wirken. — (Ebenda OXXIV,
242). Swt.
H. E.Roscoe, über den UVeberchlorsäureaether. Der- '
selbe wird von R. naeh der Angabe von Hare und Boyle dargestellt
aus überchlorsaurem und aethylschwefelsaurem Baryt und gefunden.
dass die Angaben des Entdeckers über seine stark explosiven Eigen-
schaften durchaus nicht übertrieben seien. Es ist deshalb rathsam
nur je 10 Grm. beider Salze auf einmal zu destilliren. Um den
Aether explodiren zu machen, genügt ihn im wasserbefreiten Zustande
zu schütteln oder aus einem Gefäss ins andere zu giessen. Unter
Wasser ist er weniger explosiv, und kann sogar unter ihm destillirt
werden. R. fand so seinen Siedepunkt bei 740 C. — (Annal. d. Chem.
u. Pharm. CXXIV. 124). Swit.
H.Schiff, über Löslichkeit der Salze. S. macht bei
Gelegenheit einiger theoretischer Betrachtungen darauf aufmerksam,
dass bei analog zusammengesetzten Doppelverbindungen diejenige
die löslichere ist, welche neben dem gemeinschaftlichen Bestandtheil
die für sich weniger lösliche Verbindung enthält, z. B. Kalialaun
leichter lösslich als Ammoniakalaun. — (Annal. d, Chem. u. Pharm.
CXXIV. 179. Swt.
C. Schönbein, über die Erzeugung salpetersauren
Ammoniaks. — Man erhitze einen offenen Platintiegel gerade so
stark, dass ein auf den Boden fallender Wassertropfen sofort verdampft,
ohne das Leidenfrostsche Phänomen zu zeigen, und lasse fortwährend
tropfenweise Wasser in den Tiegel fallen, so dass jedesmal die voll-
ständige Verdampfung abgewartet wird, bevor ein neuer Tropfen ein-
gebracht wird. Hält man über den Platintiegel eine kalte Flasche,
in der sich die gebildeten Wasserdämpfe verdichten können, so er-
hält man im verdichteten Wasser mit Schwefelsäure und Jodkalium-
kleister eine starke Reaction. Das Material des Tiegels in dem das
Wasser verdampft ist gleichgültig. Da sich ferner bei jeder Ver-
brennung von Wasserstoff in Luft, von Fetten, Leuchtgas et Nitrite
543
von Ammoniak bilden, so muss eine beträchliche Menge davon durch
die Schornsteine in die Luft gelangen. Verbrennt man kleine Stück-
chen Phosphor so lange auf einem mit etwas Wasser bedeckten Teller
unter einer Glocke bis das, Wasser stark sauere Reaction annimmt,
so findet sich immer auch etwas Ammoniak in der Säure. Auch bei
der Verbrennung des Arsens ‚und Schwefels findet die Ammoniak
und Nitritbildung statt. — (Anual. d. Chem. u. Pharm. OXXIV, 1).
Swt.
A. Strecker, über Bestandtheile der Schweinesalle.
Da die Hauptbestandtheile der Schweinegalle jetzt ziemlich genau
bekannt sind, erstreckte sich die Untersuehung auf die in geringerer
Menge vorkommenden Substanzen. Es wurden nachgewiesen Fleisch-
milchsäure, ein von Str. Cholin genannter Stoff, und Glycerinphos-
phorsäure. Das Cholin sowohl als seine Salze sind nicht krystallisir-
bar, nur das Platinchloriddoppelsalz kann in Krystallen von der Zu-
sammensetzung '&;HısN®. HCl. + PtCl2 erhalten werden. Die freie
Basis reagirt alkalisch und kann entweder als Amylenoxyd -Ammo-
niak £;H}09. NH3 oder als Aethylenoxyd-Trimethylamin €&2H4@N.&;zH;
aufgefast werden. In Betreff der Glycerinphosphorsäure nimmt Str.
an, dass sie sich erst durch das Kochen mit Baryt aus einem von
ihm Leeithin genannten Körper gebildet haben möchte, — (Annal. d,
Chem. u. Pharm. OXXIll, 353). Swt.
A. Strecker, über Zersetzung des Caffeins. — Nach
Mulder zerfällt das Caffein beim Kochen mit Barytwasser in Cyan-
eäure, ameisensaures Ammoniak und Alkohol. Von Wurtz wurde
dann später die Bildung des Methylamins nachgewiesen. Diese letz-
tere Zersetzung bestätigt Str., findet aber noch eine neue von ihm
Coffeidin genannte Basis, deren Bildung er durch die Formel erklärt
£sH10N.:d + H9 = €92 + CrHR2Na0. Er bemerkt jedoch, dass
sich neben dieser neuen Verbindung noch eine andre in den Mutter-
lauge befinde, die er noch nicht näher kennen gelernt habe. 'Das
Caffeidin ist in Wasser und Alkohol sehr leicht, in Aether ziemlich
schwer löslich. Es ist nicht destillirbar und gibt mit Platinchlorid
keinen Niederschlag. Der Zusammenhang zwischen Caffein und Caf-
feidin drüekt Str. durch die Formel aus:
C3Ns CN |
£ Ha
Hg und 5, B,ohN
2£Hs 2 GHa3
Caffein Caffeidin.
(Ebenda pag. 360). Sut.
A.Strecker, überZersetzung des Alloxans. — Versetzt
man Alloxan mit Alanin, so entwickelt sich Kohlensäure und Alde-
hyd und Murexid scheidet sich aus. Nimmt man statt Alanin Leucin-
lösung, so entweicht CO2, es scheidet sich Murexid ab, und bei der
Destillation der Flüssigkeit erhält man Valeraldehyd. Bei Anwen-
dung von Glycocoll sollte eigentlich der Aldehyd der Ameisensäure
544
entstehen. Man erhält aber nur Kohlensäure und Wasser. — (Eben.
da pay. 363). Swt.
A. Strecker, über ein dem Chinin isomere Basis aus
Cinchonin. — Es wurde zuerst aus Cinchonin nach der von Lau-
rent angegebenen Vorschrift Bibromeinchonin gemacht, welches dann
entweder mit Silberoxyd oder alkoholischer Kalilösung die neue
Verbindung gab. Sie ist mit dem Chinin gleich zusammengesetzt
Ca0 Haı Na 93 in Säuren leicht lösslich, fluoreseirt aber nicht, wie Chi-
ninlösung. Die Salze krystallisiren schwer. Dieser Verschiedenheit
der Eigenschaften wegen nennt Verf. die neue Base zum Unterschied
von Chinin Oxyceinchonin. — (Ebenda pag. 379). Sut.
L. Troost, das Aequivalentgewicht des Lithiums.
— Chemisch reines kohlensaures Lithion wurde in Salzsäure gelöst
und aus dem erhaltenen Chlorlithium durch Bestimmung des Chlors
als Chlorsilber das Atomgewicht des Lithiums berechnet und in Ueber-
einstimmung mit dem von Diehl bestimmten = 7 gefunden. — (Eben-
da pag. 284.) / Swt. .
H. Schwanert, über Camphren. — Die von Delalande
und Chautard gemachten Beobachtungen über die Bildung eines öli-
gen Productes bei der Einwirkung von concentrirter Schwefelsäure auf
Campher werden bestätigt und als günstigste Bedingung angegeben
1 Th. Campber mit 4 Th. Schwefelsäure 5—6 Stunden auf 100 Grad
zu erhitzen. Bei längerer Einwirkung entstehen andere nicht flüch-
tige Zersetzungsproducte. Schw. reinigte das Product nach mehr-
fachen Rectificationen, durch die es jedoch nicht ganz vom beigemeng-
ten Campher befreit werden kann, dadurch, dass er es 4—5 Tage in
einer tubulirten Retorte nahezu bei der Siedetemperatur mit Wasser-
stoffgas behandelte, bis sich keine Campherkrystalle mehr im Retor-
tenhalse ansammelten. Das reine Camphren siedet bei 230 — 2350 C.
hat ein spec. Gew. von 0,9614, ist unzersetzt flüchtig, ist optisch
unwirksam, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol und Aether.
Sch. legt ihm nach seinen Analysen, abweichend von Chautard, die
Formel €9H14Q0 bei, wonach es also dem Phoron isomer wäre. Dies
beweist er durch Einwirkung von Schwefelsäure, Phosphorsäureanhy-
drit, wobei ein dem Cumo! isomerer Kohlenwasserstoff £9 H!2 gebildet
wird, Salpetersäure, wobei zweibasische Camphrensäure 69 Hs 94
entsteht, Phosphorsuperchlorid, wodurch ein dem Chlorphoryl ent-
sprechendes Chlorcamphryl erzeugt wird 6°%HW%Cl. Schliesslich -wer-
den noch Methyl und Acetylcamphren £9H!3(GH2)@ und €'8H2?(E2H39)92,
entstanden durch Einwirkung von Jodmethyl und Chloracetyl auf in
Benzol gelöstes Camphren. Sie sieden das erste bei 225—2300, ‚das
zweite bei 230 — 240°, ersteres ein angenehm, letzteres ein unange-
nehm riechendes Oel. — (Ebenda pag. 298.) Sut.
Geologie. R. v. Benningsen-Förder, das nordeure-
päische und besonders das vaterländische Schwemm-
land in tabellarischer Ordnung seiner Schichten und Bodenarten. Ein
geognostischgeographischer Versuch. Berlin 1863. Fol. — Die ‚allu-
545
vialen und Diluvialgebilde haben unter den forschenden Geognosten
viel weniger Freunde als ihre wissenschaftliche Bedeutung wünschen
lässt und dass diese keine geringe ist, dafür sprechen die vorliegen-
den Untersuchungen und Betrachtungen des Verfi.’s. Dieselben behan-
deln das jetzige Alluvium in 41 Paragraphen, das alte Alluvium oder
die Eis- und Gletschergebilde und nordischen Geschiebe in 3, ferner
die Lehm- und Lehmmergelformation und als altquartär den Thon-
mergel und regenerirten Formsand, endlich in 10 Paragraphen das
tertiäre Schwemmland, so dass überhaupt 60 Gebilde über der Kreide-
periode unterschieden werden.
Ed. Suess, über die einstige Verbindung NAfrikas
mit SEuropa. — Hörnes’ Untersuchungen der Wiener Tertiärmol-
lusken haben eine überraschende Uebereinstimmung der marinen
Stufe mit der heutigen an der senegambischen Küste ergeben und
Verf. folgerte schon früher, dass einst ein Meer vom Golfe von Gam-
bia bis in die Gegend südlıch vom Höhenzuge Idjil in der Landschaft
Aderer sich erstreckt habe, die senegambischen Gestade mit jenen
des Mittelmeeres verbindend. Auch Laurent mit der Ausführung ar-
tesischer Brunnen am NRande der Wüste beauftragt, bestätigte in
seinem Berichte, dass die Wüste einst von einem Meeresgolfe über-
schwemmt war, der durch den Golf von Gabes hereingetreten und
dessen unverkennbare Spuren sich in wiederholten Terrassen längs dem
SRande des Aouresgebirges zeigen, wo die einstigen Uferstände des
Meeres auch durch einen der heute noch häufigsten Uferbewohner des
Mittelmeeres, Cardium edule, angedeutet sind, dessen Schalen in Menge
hier ausgestreut liegen, ja sogar in einzelnen Tümpeln der Wüste
‚noch fortleben soll. Noch jetzt liegen beträchtliche Strecken der
Wüste tief unter dem Meeresspiegel. Auch unter den Wiener tertiä-
ren Muscheln sind mehrere Arten bekannt geworden, welche heute
ihre Verbreitung bis an den Senegal ausdehnen so Lutaria oblonga,
Tellina crassa und lacunosa, Venus ovata, Dosinien, Tugon anatina,
Tellina 'strigosa, Mactra Bucklandi. Alle Schilderungen der Wüste
erklären dieselbe auch für einen alten Meeresboden. Die heutige
Landfauna Marokkos und Algiers bis zur Cyrenaica stimmt. wesent-
lich ganz mit der südeuropäischen überein, einerseits mit der der py-
renäischen Halbinsel, andererseits mit der süditalischen, während am
Senegal und Gambia und in den übrigen jenseits der Wüste folgen-
den Gegenden bis an den Nil erst der eigentliche afrikanische Cha-
rakter hervortritt. Elephant, Nashorn, Flusspferd, Giraffe, Krokodil
0.3. w. überschreiten die Sahara nicht und der Contrast dieser marok-
kanischalgierischen Landfauna mit der eigentlich afrikanischen ist ein
sehr lebhafter, während die Verbindungsglieder mit Europa unver-
kennbar sind, Das Herübergreifen des Inuus ecaudatus nach Gibral-
tar ist bekannt, der italische Sorex etruscus ist in Algier gefunden;
der Fuchs in Italien lichter als in Deutschland findet sich in, Algier
in einer noch lichtern Art. : Strauch erwähnt; in Algier die meisten
südeuropäischen Reptilien und von den Käfern sagt Erichson: eine
& .
546
Anzahl der algierischen Arten gehört auch der mitteleuropäischen
Fauna an, eire grössere verbreitet sich über alle Küstenländer des
Mittelmeeres, wenige mit Einschluss, die meisten mit Ausschluss Ae-
gyptens, welches in seiner Fauna mehr den Charakter Mittelafrikas
zeigt. Die meisten Arten hat Algier mit den gegenüberliegenden Si-
cilien und Sardinien, weniger mit dem italischen Festlande gemein,
wie dasselbe mit der spanischen Haibinsel und Marokko der Fall ist.
Bei den Landschnecken wiederholen sich diese Erscheinungen. Nach
Forbes sind in Marokko und Spanien sogar die Gebirgsschnecken diesel-
ben. Glandina algira findet sich in schmälerer Form von Isonzothale bis
Constantinopel, während die breitere Abart Unteritalien, Sicilien und
Algier verbindet. Alle südeuropäischen Teichmuscheln finden sich nach
Martens in Algier. Die heutige Landfauna lehrt uns also die cana-
rischen Inseln, Marokko, Algier und das SWEuropa als einen zu-
sammenhängenden Complex erkennen, von welchem Forbes es wahr-
scheinlich gemacht hat, dass er sich bis Cornwall erstreckte. Seine
Fauna nennen wir die lusitanische. Ferner fand Anca in den Kno-
chenhöhlen Siciliens Ueberreste, die von heute lebenden Land- und
Meeresconchylien (Helix aspersa, Cardium edule) begleitet waren, näm-
lich von der gefleckten Hyäne, Bär, Wolf, Fuchs, Stachelschwein, Ka-
ninchen, Elephant, Flusspferd, Schwein, Esel, Rind, Hirsch, Schaf.
Hier also neben typischen Europäern ächte Afrikaner von jenseits
der Wüste. Aehnliche Beziehungen beider Faunen sind auch in Spa-
nien nachweisbar. Es lässt sich heute nicht einmal vermuthen, auf
welchem Wege, durch welche Ereignisse das Verschwinden der lange
in Europa heimischen, jetzt afrikanischen Formengruppe aus Europa
veranlasst worden. Anca behauptet, dass selbst während der Existenz
der heutigen Faunen noch eine Verbindung bestanden hat. Eine erste
Andeutung einer Communication der unterseeischen Rücken, welche
von Sicilien zur afrikanischen Küste zieht, von dem Smyth sagt, dass
er die ausgedehnten Plateaus der Adventure Bank und die Skerki-
klippen umfasst, welche die versunkenen Arae Virgils sein sollen. Bei
allem Dunkel sind wir doch schon im Stande in der heutigen Bevöl-
kerung Europas nicht etwa nur eine Anzahl von selbstständigen For-
mengruppen von Faunen zu unterscheiden, aus denen die heutige Be-
völkerung Europas hervorgegangen ist, sondern wir können die Rei-
henfolge angeben, in der sie erschienen sind. Die erste noch erkenn-
bare ist die afrikanische längst gänzlich verdrängt; die zweite ist
die nordische, deren Reste auf unsern Hochgebirgen fortleben, gleich-
sam eine höhere Schicht bildend über den beiden tiefern. Diese sind
einerseits die westliche Fauna oder lusitanische und als deren Typen
die dem nördlichen Afrika mit Europa gemeinsamen Formen gelten
können, andrerseits die östliche oder asiatische, welche in mehrere
Glieder zerfällt. — (Jahrb. geol. Reichsanst. XIII. 26—30.)
F. Karrer, die Lagerung der Tertiairschichten am
Rande des Wiener Beckens bei Mödling. — Im Markte Möd-
ling von der Eisenbahn aufwärts sieht man rechts von der nahe am
”
547
Randgebirge liegenden Pfarrkirche höher hinauf eine neue Villa, deren
Brunnen neuen Aufschluss über die Lagerung gibt. Derselbe ist 19
Klafter 5 Fuss tief, wovon die letzten 5‘ im Tegel. Nach einer mässi-
gen Humusdecke folgen abwechselnde Lager von Sand, Lehm, Kalk-
stein, und wieder gelber Sand und Lehm, der verhärtete Partien
führt. Diese 8 Klafter mächtige Bildung gehört der Cerithienschicht
an. Dann folgt eine 4° mächtige horizontale Bank bläulichen Kalk-
steins, ächter Nulliporenkalk, darunter 3° bläulicher Tegel, mehre Fuss
Nulliporenkalk mit starker Neigung gegen die Ebene. Die übrigen
Schichten fallen mit derselben Steilheit ab und weisen auf eine starke
Schichtenstörung. Sie bestehen aus einem wieder sich auskeilenden
Tegel, Nulliporenkalk mit Zwischenlagen von Tegel und endlich einer
schwachen Schicht mit Heterostegina costata und schliesslich einer
starken Tegelmasse, welche das schöne Wasser liefert. Der Tegel
hat sich als ächter badener Tegel ergeben und führt Pecten cristatus,
Corbula gibba, Cardita scalaris und viele Foraminiferen so Glandulina
laevigata, Dentalina Boueana, floscula, elegantissima, Robulina cultrata,
Globulina triloba und bulloides, Textularia carinata und subangulata,
Sphaeroidina austriaca u.v.a. An einem weit tieferen Punkte an der
Engersdorferstrasse in einer nur wenig gegen NO abweichenden Linie
durchsank man die Cerithienschicht in folgender Ordnung unter Humus
und gelben Lehm 11/5‘ Cerithiensand, 3!/,‘ gelben Lehm, 2° Cerithien-
kalk, 1!/3‘ gelben Lehm, 2‘ Cerithienkalk, 4!/,‘ gelben Lehm, 3° Ceri-
thienkalk, 4!/a‘ gelben Lehm, schliesslich 4!/,‘ blauen Tegel. Merk-
würdig stimmt mit dieser Folge die Lagerung der Bänke in dem 3),
Stunden entfernten Felsenkeller von Brunn am Gebirge, wo nur der
Cerithienkalk mächtiger ist. Bei Mödling liefern die tiefer gelegenen
Brunnen schon in viel geringerer Tiefe Wasser aber schwefeliges,
nicht trinkbares. Der Wasserreichthum ist hier so bedeutend, dass
die Keller davon erfüllt werden. — (Ebenda 30-32).
H. Möhl, das Auftreten des Basaltes in der Umge-
gend von Marburg. (Halie 1863. 4°). — Nach Darlegung der
allgemeinen Verhältnisse schildert Verf. zunächst den Stempel. Der-
selbe soll früher ein 50—60‘ hoher Basaltkegel gewesen sein und ist
zum Strassenbau abgetragen, so dass nunmehr ein Hohlweg durch
bunten Sandstein zu ihm führt. Letzterer gleicht nicht mehr dem
an den Gehängen des nahen Lahnberges, ist gelblichweiss, wenig
gestreift, mürbe, mit Schieferthon wechselnd. Er lagert bis zu 30°
vom Basalt horizontal, dann aber fallen seine Schichten mit 25— 500
gegen OÖ. gegen den Basalt ein. Er legt sich nicht unmittelbar an
den Bassalt an, sondern ist durch ein 1‘ mächtige Schicht getrennt.
welche aus mattem zerreiblichen hellgrauen Thon besteht, am Sand-
stein von einer dünnen blätternden Brauneisensteinhaut umsäumt.
Diese Masse führt Knollen von Fettquarz mit anhängendem Glimmer
und Feldspath, solche von Olivin, Aragonit und Mesotyp. Sie ist
also zersetzter Basalt. Der gegen O. anstehende Basalt ist dicht,
sehr fest, dunkelschwarzblau und führt Olivin in faustgrossen Knollen
" 548
frische und verwitterte. Der Olivin kommt auch fein eingesprengt
vor mit Flimmern von Sanadin, sehr spärlich Chrysolith und Skapolith,
auch strabliger Aragonit und sehr häufig Quarz in aus scharfkantigen
Stücken gebildeten Knollen. Nach oben bildet der Basalt lose Blöcke,
eingewickelt und überlagert von basaltischer Erde, nach unten dieht
gedrängte Säulen in sehr verschiedener Richtung gestellt, In NW
und SO steht ein eigenthümliches Gestein an, das auf dichtem Basalt
ruht und von verwitterter oder basaltischer Erde überlagert wird,
welche Palagonit zu sein scheint und auch Prehnit in kleinen Kugeln
führt. An der SO Seite, wo diese Schicht zu Tage ausgeht, zeigt
sie anderes Ansehen, weniger hart, auf dem erdisen Bruche matt,
gelblichgrau, an der Zunge klebend und fest verbunden mit den auf-
und umlagernden Basaltstücken. Sie scheint eine vom Basalt einge-
wickelte gebackene Thonlage zu sein. An der SOWand sieht man
den säulenförmigen Basalt am Boden bis zum ORande des Kegels
auftreten, darüber aber den in grossen Blöcken folgenden von Basalt-
erde überlagerten Basalt in der Mitte der Wand aufhören, um einer
verwitterten Olivinmasse Platz zu machen, welche noch Basaltknollen
einschliesst. Die am Stempel vorkommenden Zeolithe wie Phillipsit,
Chabasit, Mesotyp befinden sich auf secundärer Lagerstätte. — SW
om Stempel erhebt sich auf dem Lahnbergsrücken als weithin sicht-
barer Basaltkegel der 100‘ hohe Frauenberg, über Sandstein, bedeckt
von Basalterde und Basaltblöcken. In, seinem Steinbruche stehen
senkrechte 1!/, dicken Säulen bisweilen 20° lang und gegliedert. Die
Grenze gegen den,Sandstein ist nirgends entblösst. — Im SWtheile
des Olmthales im Dreieck mit, Frauenberg und Stempel erhebt sich
der kleine Kegel des Wittelsberges. Sein Inneres ist nicht aufge-
schlossen, nach den Verhältnissen an der Oberfläche gleicht er dem
Stempel. Mitten im Olmthale steht die Basaltmasse der Amöneburg
als abgestumpfter Kegel, mit kleinern Kegeln zusammenhängend. Lehm
umgibt denselben, an einer Stelle auch aufgerichtete Schichten von
buntem Sandstein ohne Aufschluss der Grenzen. Der Basalt bildet
fünf- und sechsseitige Säulen in Gruppen mit verschiedener Richtung,
ist schwarz und dicht, mit vielen Olivinknollen, Aragonit und Mag-
neteisen. Er scheint zu verschiedenen Zeiten emporgestiegen zu sein.
— Die abgetragenen Basaltkegel bei Schönstedt stehen in buntem
Sandsteine, ebenso die beiden Badensteine im Burgwalde, die der
Verf. noch beschreibt. — Diese sämmtlichen Kuppen sind in einer
nach N fortsetzenden Linie von der grossen Basaltmasse des Vogelg-
gebirges abgesonderte Durchbrüche einer Eruptionsperiode im: bunten
Sandsteine. Der Basalt hob die Sandsteinschichten und zog sich wäh-
rend der Erstarrung stark zusammen, wodurch das Einschliessen, der
bunten Sandsteinschichten bewirkt wurde. Die Erhebung geschah
unter grossen Hindernissen und zwar nach Absatz der Tertiär-
schichten. Gl.
Oryctognosie. G. Tschermak, Grundriss der Mi-
neralogie. Wien, 1863, 8°, — Verf, nennt die Stoffe, welche un-
549
sern Erdkörper zusammensetzen Mineralien und behandelt dem gemäss
hier auch das Wasser und die Gase, die Atmosphäre, Gesteine, Pe-
trefakten. Wir können diese Begriffsbestimmung durchaus nicht bil-
ligen und müssen Mineral auf anorgische Körper, nicht Stoffe be-
schränkt lassen, mit den Stoffen hat es die Chemie und demnächst
die Physik zu thun, in der That ist auch das, was die Mineralogie
über Wasser, Gase, Atmosphäre lehrt gewöhnlich so dürftig und un-
genügend, dass wir selbst den praktischen Werth dieser gewaltsamen
Vereinigung nicht anerkennen können. Im Uebrigen bevorzugt Verf.
in seiner Darstellung die Krystallographie, was sich für den Uhter-
richt viel eher rechtfertigen lässt als eine ausführlichere Behandlung
des chemischen Theiles. Der allgemeine Theil, welcher nahezu die
Hälfte des Buches einnimmt, schliesst mit einer analystischen Tabelle
zur Bestimmung der wichtigsten Mineralien, welche freilich im Ein-
zeln noch manches zu wünschen übrig lässt. Der beschreibende Theil
charakterisirt die wichtigsten Mineralien nach naturgemässen Gruppen.
R. Blum, dritter Nachtrag zu den Pseudomorpho-
sen des Mineralreiches. Erlangen 1863. 8°. — Des Verf.’s hohe
Verdienste um die Kenntniss der Pseudomorphosen sind allgemein
bekannt und dass er denselben fortwährend seine Aufmerksamkeit ge-
schenkt, werden alle Mineralogen dankbar anerkennen. Dieser dritte
Nachtrag behandelt alle in den letzten zehn Jahren bekannt geworde-
nen Pseudomorphosen mit einem Hinweise auf die in den ersten bei-
den Nachträgen und dem Werke über dieselben beschriebenen und
zwar die Umwandlungspseudomorphosen durch Verlust von Bestand-
theilen hervorgerufen unter Nr. 1—20, durch Aufnahme von Bestand-
theilen hervorgerufen Nr. 21—36, durch Austausch von Bestandthei-
len veranlasst Nr. 37—207, die Verdrängungspseudomorphosen unter
Nr. 1—158, die Paramorphosen unter 1—5, die Versteinerungs- und
Vererzungsmittel unter 1—24, schliesslich die ungenügend erforsch-
ten Pseudomorphosen. Ein Paar Beispiele nur mögen hier herausge-
hoben werden:
Malachit nach gediegen Kupfer. — Die Beibehaltung der
Form des letztern beobachteteBl. an einem Handstück von einem Kupfer-
erzführenden Quarzgange in der Grauwacke bei Siegen. In dem sehr
gebrächen Quarz findet sich gediegen Kupfer in Platten und verzerr-
ten tesseralen Formen meist zu draht- und baumförmigen Gestalten
gruppirt, durch welche sich ein Theil der gediegen vorkommenden
Metalle auszeichnet. An den Enden dieser Gruppen erkennt man noch
deutliche Octaederflächen, trotzdem dieselben meist aus feinfaserigem
Malachit bestehen und eine ganz kleine nierenförmige Oberfläche be-
sitzen. An zerbrochenen Gruppen sieht man den Kern von gediegen
Kupfer, an den Spitzen der baumförmigen Gestalten ist die Verände-
rung vollständig, diese scheint durch Vermittelung von Kupferoxydul
vor sich gegangen zu sein, denn an den meisten Bruchstellen kann
man eine höchst dünne Rinde von Rothkupfererz zwischen dem ge-
diegen Kupfer und dem Malachit beobachten, so dass offenbar zuerst
XXL. 1868, 37
350
jenes und dann aus diesem der letztere entstand. Diese Umwandlung
kommt häufig vor, da dieselbe aber nur in der Aufnahme von Sauer-
stoff, Kohlensäure und Wasser begründet ist: so müssen die ohnehin
undeutlichen Formen des gediegen Kupfers durch die Volumvermeh-
rung noch undeutlicher werden. Malachit nach gediegen Kupfer fin-
“det sich auch auf den Quarzgängen bei Rheinbreitbach unfern Linz
am Rhein. Es sind diese langezogenen drahtförmigen Gestalten, an
denen man aber noch die vorherrschenden Würfel- und untergeord-
neten Octaeder- und Rautendodekaederflächen beobachten kann. Auch
hier ist die Umwandlung durch Rothkupfererz vermittelt.
Pseudoapatit nach Apatit. Schon lange ist der Pseudo-
apatit von Grube Churprinz Friedrich August bei Freiberg in Sachsen
bekannt in scharf ausgebildeten hexagonalen Säulen, die theilseinzeln
theils gruppirt auf Quarz oder Barytspath sitzen, zuweilen auch lang-
säulenförmige oder nadelförmige Individuen und büschelförmige bil-
den. Ihre Oberfläche ist eben, nur die Endfläche oft ganz drusig oder
auch eingebrochen, matt, höchstens hier und da schwach glänzend,
weiss, gelblich, röthlich, bis gelblichroth, nicht selten mit kleinen
Körnchen von Strahlkies bedeckt, der schwarz ist, bisweilen auch mit
Nadeln von Rothgültig. Rammelsberg erklärte das; Mineral für einen
durch Zersetzung angegriffenen Apatit und fand bei der Analyse
40,30 Phosphorsäure. 53,78 Kalkerde, 0,14 Talkerde, 1,78 Eisenoxyd,
4,00 Kohlensäure. Das Chlor des Apatits ist also verschwunden und
etwas Kohlensäure aufgenommen, der Verlust aber war grösser als
die Aufnahme. Das Innere ist nämlich stets zellig, es: sind verän-
derte Krystalle und ihre Veränderung begann auf der Oberfläche, wo-
durch die Form beibehalten wurde. Es sind jedoch weitere Analysen
nöthig um die verschiedenen Verändernngen nachzuweisen.
Jaspis nach Augit. Schon Maier bemerkt in seiner Beschrei-
bung des Wolfsberg: bei Cernossin in Böhmen, dass man Körner von
gelbem Jaspis im Basalte eingeschlossen finde, die als; Metamorphose
des Augits betrachtet werden müssen. Und in der That beobachtete
Bl. an Augitkrystallen von dort die Umwandlung in eine jaspisartige
Substanz, wie sie schon von der Hornblende bekannt ist. Zwei grös-
sere Krystalle, der eine die einfache, der andere die Zwillingsgestalt
der gewöhnlichen Augitform zeigen dieselbe. Ihre Form ist scharf
und deutlich, dabei wenig glänzend und braun, an der Kante und
den Ecken heller. Orthoklas wird leicht von ihnen geritzt;. vor dem
Löthrohre sind Splitter unschmelzbar. Ein zerschlagener Krystall
zeigt im Innern nichts mehr: von Spaltung, nur muschelige Bruch-
flächen z. Th. fettglänzend z. Th. matt, aber: die Farbe dunkler,
schwärzlichbraun, die Härte meist wie aussen. Eine Menge Poren
durchziehen die Masse, als ob diese Pseudomorphose nur durch: Ent»
fernung der einatomigen Basen, also durch. Verlust von Bestandthei-
len entstanden sei. Eine erdige Substanz, welche: alsı feinen Ueber-
zug die Wandung. der Poren bedeckt, könnte. die zurückgebliebene
Thonerde sein, die sich ja in. allen basaltischen Augiten; worfindet,
551
Uebrigens nehmen die Poren kaum ein Drittheil des inneren Raumes
ein, so dass doch immer noch etwas Kieselerde hinzutreten müsste,
um diesen innern Zustand zu erklären, zumal da bei ganz umgewan-
delten Krystallen der Art gar keine oder nur verhältnissmässig sehr
wenige solche Räume bemerkt werden. Diese kleinen Krystalle fir-
den sich sehr zahlreich auf einem etwa 2’ grossen Hornblendekry-
stall, sind sämmtlich auf- oder eingewachsen und haben allejene Um-
wandlung erlitten, sind meist hellbraun und etwas durchscheinend.
Auch die Hornblende etwas verändert und lässt auf ihrer Oberfläche
einen grössern Härtegrad wie gewöhnlich wahrnehmen. Auch sein
Inneres fand sich etwas verändert, weichere und härtere Stellen wech
seln hier ab und hohle Räume finden sich und sind Augitkrystalle
eingeschlossen. Merkwürdiger Weise sind dieselben ganz verändert.
Während nun die Hornblendesubstanz sich ritzen lässt, vor dem Löth-
rohre ziemlich leicht und zu einer schwarzen Kugel schmilzt und im
Kolben Wasser giebt, zeigt der Augit eine viel grössere Härte, schmilzt
nicht: und gibt kein Wasser. Auf einem andern Hornblendekrystall
ebendaher röthlichbraun und ziemlich weich sitzen kleine Hornblende-
und Ausgitkrystalle; erstere zeigen dieselbe Beschaffenheit wie der
grosse Krystall,; letztere die Umwandlung zu jaspisartiger Substanz,
Auffallend bleibt hierbei, dass die auf Hornblende aufsitzenden und
in sie eingeschlossenen Augitkryställchen eine vollständige Verände-
rung erlitten, während die Hornblende weniger berührt wurde, indem
sie nicht den Grad der Veränderung oder selbst nicht die nämliche
Art derselben zeigt. Man sieht wie dicht neben einander liegende
Substanzen selbst wenn sie ihrer chemischen Zusammensetzung so
nahe stehen wie Augit und Hornblende nicht nur verschiedene Grade
der Veränderung nach einer Richtung hin sondern auch Veränderun-
gen nach verschiedener- Richtung zeigen 'können.
Nephelin nach Mejonit. Allgemein ist das Vorkommen
des Mejonit in den Kalkblöcken am Monte Somma bekannt. Seine ge-
wöhnliche Form die beiden Säulen mit dem Octaeder, „Po. P.„P.
wozu bisweilen auch das: zweite Octaeder tritt, ist oft sehr undeut-
lich durch ungleiche Ausdehnung der Flächen und auch durch Unvoll-
ständigkeit der Krystalle selbst, da sie oft durchlöchert oder wie zer-
fressen erscheinen. Nicht selten sind sie auch mit einer weissen oder
graulichweissen undurchsichtigen Rinde überzogen, deren Entstehen
man der Verwitterung sogar der vorübergehenden Einwirkung vulka-
nischen Feuers zugeschrieben hat. Sie ist jedoch eine begonnene Um-
wandlung. Schon bei ihrer ersten Entstehung besonders auf den Pris-
menflächen bemerkt man eine Neigung zur Krystallbildung, sie zeigt
sich wie damasecirt, im weitern Verlauf wird jene noch deutlicher bis
endlich die Mejonitindividuen aus einem Aggregat von lauter kleinen
Kryställehen bestehen, so‘ dass deren Form gleichsam nur im Groben
erhalten ist. Die neugebildeten Kryställchen sind Nephelin und von
der Form „P.» Pa. OB.A1/,P,; weiss, halbdurchsichtig bis durchschei-
nend, stark glänzend: mit: perlmutterartigem Glasglanz auf den Säulen-
87 *
552
flächen, während die andern Flächen ‚bei Weitem ‚weniger und fett-
artig glänzen, auch sind die Combinationskanten von !/aP. zu OP so-
wie; die Scheitelkanten des. Hexagonaldodekaeders zugerundet. Es
ist: dies die Cavolinit genannte Abänderung des Nephelin. , Die Kry-
ställlächen zeigen vollständig die Mejonitformen, indem ‚diese ganz
und gar aus jenen bestehen. Dabei haben sich jedoch die Kryställ-
chen stets alle nach einer Richtung geordnet und zwar so, dass ihre
Hauptachse parallel einer der Combinationskanten des Prismas „Po
mit dem Octaeder P laufen. Hierdurch, sieht; man auf zwei parallele
Seitenflächen dieses Prismas der. ursprünglichen , Krystalle nur. die
Seitenlächen der kleinen Nephelinkryställchen,, während die beiden
anderr. Seitenflächen jenes Prismas von den End- und Hexagonaldo-
dekaederflächen gebildet werden. Aus den Flächen des Prismas „P
in dem Octaeder P ragen die Kryställchen mit einem Theile al-
ler Flächen hervor, die Flächen sind drusig, die Ecken und Kanten
gerundet. Die Seitenflächen, mit welchen die Seitenflächen der Nephe-
linkryställchen in eine Ebene fallen, sind stark glänzend, die andern
weniger. Diese Pseudomorphosen sitzen in den Drusenräumen der
Blöcke gewöhnlich unmittelbar auf einem Gemenge von weissem 'Glim-
und Augit, das auch nicht selten mit jenen verwachsen ist. Den Vor-
gang der Umwandlung erklärt die Analyse beider Mineralien, näm-
lich a Mejonit nach vom Rath und b Nephelin nach Scheerer:
a b
Kieselsäure 42,55 44,03
Thonerde 30,89 33,28
Eisenoxyd 0,41 0,65
Kalkerde 21,41 1,77
Talkerde 0,83 —_
Natron 1,25 15,44
Kali 0,93 4,94
Glühverlust 0,19 0,22
"98,46 100,32
Hieraus ergibt sich, dass die Hauptveränderung durch die Entfernung
der Kalkerde und die Aufnahme von Natron und etwas Kali bedingt
ist, dass also ein Natronerdesilikat aus einem Kalkerdethonerdesilikat
entstand, wie es auf gleiche Weise in andern Fällen hervorgegan-
gen ist. G.
Palaeontologie., A. Wagner, Monographie der fos-
silen Fische aus den lithographischen Schiefern Baierns,
II. Abtheilg. München 1863. 4°. — Ueber die erste Abtheilung dieser
Monographie berichten wir Bd. XVI. 183 und XIX. 490, das Erschei-
nen dieser zweiten erlebte der Verf. nicht mehr, sie schliesst’ also
seine vielen Arbeiten über das reiche Material der Münchener Samm-
lung und wir konnten bereits eine schöne Arbeit seines Nachfolgers
(S. 197) anzeigen. Hier werden die Ganoiden abgehandelt zunächst
die Familie der Griffelzähner, welche aus Agassizs Lepidoiden ber-
ausgenommen sind. Der lithographische Schiefer führt nur eine Gat-
553
tung derselben: Heterostrophus nov. gen. als Repräsentant des'liasini-
schen Dapedius, breit rhombisch, hoch gewölbt, mit dünnem Schwanz-
stiel; die Schuppenreihen bilden einen Bogen von oben nach unten -
Form der Schuppen und Zähne von Dapedius und Aechmodus, aber
andere Schädelplatten, nämlich völlig glatte; Rücken- und Afterflosse
nicht mehr vorhanden. Art H. latus. — Die Familie der Sphaerodon-
tes oder Scheibenzähner begreift die um Lepidotus sich schaarenden
Gattungen, wobei leider Joh. Müllers Kritik dieser Familie keine Be-
rücksichtigung gefunden hat. Er verbindet mit Lepidotus die Gat-
tung Sphaerodus und beschreibt L. armatus von 21/3“ Länge, L. un-
guiculatus Ag., L. oblongus Ag., L. decoratus n. sp., L. intermedius
n. sp., L. notopterus Ag., L. maximus (= L. giganteus Q), Sphaero;
dus gigas Ag. Ferner die Gattung Plesiodus nach Bruchstücken eines
grossen Schädels aufgestellt: Schädel mit sehr dicken gekörnten Plat-
ten belegt, hinter dem Kiemendeckel zwei grosse Platten, dahinter
kleinere, Schuppen sehr dick, fein gekörnt, Gebiss wesentlich wie bei
Lepidotus. Die Art heisst Pl. pustulosus n.sp. Ferner wird beschrie-
ben Serobodus subovatus, der als zwerghafter Lepidotus gedeutet wird.
— Die Familie der Sauroiden begrenzt Verf. ebenfalls anders als
Agassiz und betrachtet Lepidosteus und Polypterus als deren lebende
Vertreter. Ihre Gattungen im lithographischen Schiefer bilden 3
Gruppen. 1. Macrosemii, Rückenflosse ungewöhnlich lang, bisweilen
doppelt, Kopf keilförmig zugespitzt. Hierher Propterus Ag. mit den
Arten a. vordere Strahlen der ersten Rückenflosse sehr lang: Pr. spe-
eiosus nach einem Exemplar, Pr. elongatus wohl nicht von voriger
verschieden, Pr. microstomus Ag. (= Pr. gracilis Wgn., Notagogus
Zieteni Ag.) b. Die vorderen Strahlen der ersten Rückenflosse an-
scheinend kaum verlängert (Notagogus): Pr. denticulatus (Ag). Die
Gattung Macrosemius nimmt auch Thiollieres Disticholepis auf und
hat im lithographischen Schiefer nur M. insignis n.sp. Die englische
Gattung Histionotus mit H. Oberndorferi n. sp. 2. Gattungen deren
Rückenflosse höchstens die Hälfte des Rückens einnimmt, der Kopf
vorn abgestumpft. Ophiopsis Ag. mit O. Münsteri O. procera Ag.,
O. serrata (= Pholidophorus tenuiserratus Mstr.), O. attenuata n. sp.,
O. aequalis, O.intermedia, O. altivelis alle neu jedoch nicht hinläng-
lich begründet. Pholidophorus Ag. liefert a) grosse robuste Arten
mit ungleichförmiger Beschuppung: 'Ph. macrocephalus Ag. (= Ph.
uraeoides und latus Ag und jugendlich Ph. striolaris Mstr., Ph. taxis
Ag), Ph. radians Ag. (= Caturus intermedius Mstr.), b) mittle Arten
mit sehr hoher sichelförmiger Rückenflosse: Ph. falcifer n. sp. sehr
fraglicher Verwandschaft, c)' kleine schmächtige Arten mit gleichför-
miger Beschuppung :/ Ph. brevivelis n. sp., Ph. longiserratus Mstr.,
Ph. elongatus n. sp., Ph. latimanus Ag., d) kleine Arten längs, der
Mitte mit höhern Schuppen:' Ph. mierops Ag., Ph. micronyx Ag. (=
Ph. intermedius Mstr.), Ph. ovatus n. sp. Die in den englischen: Pur-
beckschichten entdeckte, Gattung Pleuropholis Egert tritt im lithogra-
phischen ; Schiefer auf mit Pl. laevissimus (= Pholidophorus laevis-
594
simus Ag.) in einem verstümmelten Exemplare, Eugnathus mit Eu.
titanius n. sp. 8° lang, mit weicher Wirbelsäule, Eu. macrodon n. sp.
4°’ lang, beide nicht vergleichbar und fraglicher Verwandtschaft mit
Eu. microlepidotus Ag. in drei Exemplaren identisch mit Eu. praelon-
gus Thioll von Cirin. $Strobilodus Wagn. wird näher charakterisirt,
Sauropsis Ag. Hypsocormus n. gen. lachsähnlich mit hochgewölbtem
Rücken, Flossen ohne Fulera, Rückenflosse über dem Anfange der
sehr langen Afterflosse endend. Art: H. insignis n. sp. bedarf sehr
der ‚nähern Begründung. B. Sehr lang gestreckte Gattungen mit
schnabelartigen Kiefern und gegenständiger Rücken - und Afterflosse.
Aspidorhynchus Ag. die fünf Agassizschen Arten auf zwei redueirt
nämlich A. acutirostris, dem zugehören A. ornatissimus und A. spe-
ciosus, dann A.mandibularis Ag. welchem zufallen A, lepturus Ag. und
A. longissimus Mstr., als neu A. obtusirostris. Die Gattung Belono-
stomus Ag, mit B. Münsteri Ag., B. Kochi Mstr., B. sphyraenoides
As. (=B. brachysomus Ag.), B. tenuirostris Ag. (=B. subulatus Ag.).
B. ventralis Ag. beruht auf einem unbrauchbaren Exemplare. Die
übrigen Familien vereinigt W. in eine Gruppe der Scheibenschupper,
die blos auf die Schuppen begründet sehr Widersprechendes zusam-
menfasst. Die Coelacanthen nur mit Undina Mstr., Art U. penieillata
Mstr., welcher H. Kobleri und H. striolaris Mstr. zufallen, U, major
n, sp: nach einem ungenügenden Exemplare. Die Familie der Salm-
schupper oder Caturinen tritt mit drei Gattungen auf. Caturus Ag.
mit C. maximus Ag., C. furcatus Ag. (= C. macrodus Ag.) vielleicht
mit vorigem identisch, C. latus Mstr., C. cyprinoides n, sp., C. miero-
chirus Ag., C. elongatus Ag., C. pachyurus Ag., C, contractus n. sp,
nicht von voriger zu trennen, C. granulatus Mst. nur im Habitus von
voriger unterschieden, C. macrurus Ag., C. oboyatus Mstr.. Die neue
Gattung Eurycormus steht zwischen Thrissops, Caturus, Pholidopho-
rus und liefert nur Eu. speciosus n. sp. Liodesmus wird auf Pholi-
dophorus gracilis Ag. (= Megalurus paryus Mstr.) und L. sprattifor-
mis .n. sp. gegründet. — Zur Ordnung der Teleosti rechnet Verf, zy-
nächst die Familie der Breitschwänze, Platyuri mit folgenden Gat-
tungen: Megalurus Ag mit M. lepidotus Ag, M. grandis n. sp., M;
altivelis n. sp., M. polyspondylus Mstr. M. elongatus Mstr., M, bre-
vicostatus Ag, M. elegantissimus n. sp.; ferner Oligopleurus Thiell
mit O. cyprinoides n. sp., Macrorhipis nov. gen. durch sehr breiten
Sehwanzstiel, solide knöcherne Wirbel und Fulera an der Schwanz-
flosse von Pachycormus unterschieden, mit M. Münsteri n. sp., M:
striatissima (Mstr); Aethalion Mstr mit Ae. Blainvillei (= Clupea
Knorri Blainv, Ae. angustissimus und inflatus Mstr.), Ae. tenuis Mstr
(= Ae. angustus und parvus Mstr), Ae. erassus (Ag), Ae. affinis n. sp.
bei Cirin. Die Familie der Kahlflosser erhält die Gattungen Thris-
sops mit Thr. formosus Ag, Thr. subovatus Mstr, Thr. propterus n.
sp., Thr. salmoneoides, Thr. cephalus Ag und Leptolepis mit den Agas-
sizschen L. Knorri dubius Ag), sprattiformis Ag, Voithi = con-
tractus und paucispondylus Ag.), macrolepidotus M. polyspondylus
599
DesReferenten Gattung Tharsis beseitigt W. aus keinem andern Gründe
als weil weder Agassiz noch er selbst Exemplare gesehen und des-
halb nur Leptolepis darunter begriffen seien könnten! Hätte er die
zur Begründung derselben angeführten Eigenthümlichkeiten an dem
reichen Münchener Materiale geprüft: so würde er seine Leptolepis-
arten gründlicher charakterisirt und auch Tharsis darunter gefunden
haben. Aber so wenig er berücksichtigt, dass Joh. Müller schon
längst vor ihm Sphaerodus als zu Lepidotus gehörig nachgewiesen,
dass Amia und seine Kahlflosser ächte Ganoiden sind, dass endlich
zur Begründung neuer Familien und Gattungen oberflächliche relative
Unterschiede nicht ausreichen, sondern tiefgreifende Formeigenthüm-
lichkeiten nothwendig sind: so unbequem sind ihm auch Beschreibun-
gen, die sich auf andere als Münchener Exemplare beziehen. Obwohl
nun die Monographie der lithographischen Fische vollständig vorliegt,
ist durch dieselbe deren Systematik noch keineswegs zu einem eini-
germassen befriedigenden Abschlusse gebracht; sie vervollständigt
und berichtigt Agassizs Angaben nicht genügend und ganz besonders
bedauern wir, dass das östeologische Detail darin keine Berücksich-
tigung gefunden hat.
v. d. Marck, fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus
dem Plattenkalk der jüngsten Kreide in Westphalen —
Dieselben wurden bei Sendenhorst und in der Hügelgruppe der Baum-
berge zwischen Münster, Coesfeld, Billerbeck und Horstmar gesam-
melt und sind folgende, wobei wir hinter den neuen Arten die Au-
tornamen weglassen: Hoplopteryx antiquus Ag, H. gibbus, Macrole-
pis elongatus, Sphenocephalus fissicaudus Ag und Sph. cataphratus,
Platycormus germänus und Pl. oblongus, Acrogaster parvus Ag, A. mi-
nutus, A. brevicostatus, Rhubdolepis eretaceus, Ischyrocephalus gracilis, '
Z. macropterus, Palaeolycus dreginensis, Esox monasteriensis, Istieus
macrocephalus, mesospondylus, megacephalus, gracilis Ag, Sardinius
Cordieri, S. macrodactylus, Sardinioides crassicaudus, S. monasterij,
S. mierocephalus, S. tenuicauda, Microcoelia granulata, Leptosomus
guestphalicus, Tachynectes macrodactylus, longipes, brachypterygius
und fraglicher Stellung Echidnocephalus Troscheli und tenuicaudus,
Enchelurus villosus; von Ganoiden: Zeptotrachelus armatus, Pelargo-
rhynchus dercetiformis und blochiformis, von Selachiern Palaeoscyllium
Dechenii; von macruren Krebsen: Pseudocrangon tenuicaudus, Peneus
Roemeri, Oplophorus Marcki, Nymphaeops Sentenhorstensis; endlich die
Pflanzen: Eucalyptus inaequilatera, Apocynophyllum subrepandum
Nehrium Rohli, Quercus dryandraefolia, Belonodendron densifolium,
Araucärites adpressus, Oalamitopsis Konigi, Haliserites contortuplica-
tus, Chondrites furcillatus Stbg, Targionii Stbg, intricatus Stbg. —
Von den zahlreichen neuen Gattungen ist zu bemerken: Macrolepis
beruht auf einem schlechten Exemplar, Pygäus im Habitus ähnlich,
mit grossen Augenhöhlen, vielen weichen Strahlen in der Rücken-
und Afterflosse. Platycormus höch und flach, mit sehr grossen Au-
genhöhlen, kammförmigen Hinterhauptsbeinen, mit Schuppen auf der
556
Basis der Flossen und grossen Schuppen. Rhabdolepis ‚gedrungen,
hoch, kräftige Wirbelsäule, mit grossen dicken radial gestreiften Schup-
pen. Ischyrocephalus flach, mit weitem stark bewehrtem Maule, zwölf
Kiemenhautstrahlen, mit Fettflosse. Palaeolycus lang, schmal, mit
kurzem Kopfe, im Unterkiefer mit starken, im Zwischenkiefer mit
kleinen Zähnen, nach hinten gerückte Rückenflosse. Sardinius nicht
die gleichnamig lebende Gattung, sondern neue auf Osmerus Cordieri
Ag begründet, davon Sardinoides unterschieden durch die äusserst
kleinen Brustflossen, sechs Kiemenhautstrahlen, sehr kleine Zähne
und grosse gewimperte Schuppen. Zu letzterer gehören Osmeroides
monasteri und microcephalus Ag. Microcoelia mit 3 Kiemenhaut-
strahlen, langem-Schwanze und kurzen Wirbeln. Leptosomus gleicht
Sardinoides. Tachynectes lang, spindelförmig, mit Bürstenzähnen,
wahrscheinlich 16 Kiemenhautstrahlen, sehr grossen Brustflossen.
Echidnocephalus schlank, dünn, mit dünnem Kopfe, fadendünnem
Schwanze ohne eigene Flosse. Leptotrachelus schmal, sehr dünnhal-
sig, mit langem Kopfe, schnabelartigen Kiefern, drei Schilderreihen,
ohne Afterflosse. Pelargorhynchus aalförmig mit mehreren Reihen
herzförmiger Schilder und schnabelförmigen Kiefern. Palaeoscyllium
mit stumpfer gerundeter Schnauze, scharfschneidenden Zähnchen ohne
Nebenzacken, grossen rautenförmigen Brustflossen. Die Mehrzahl
dieser Gattungen beruht also auf sehr ungenügenden Charakteren und
bedarf der erneuten Untersuchung, welche die einzelnen Formtheile
mit den nächst verwandten Typen vergleicht. Ganz verwerflich ist
aber die Aufstellung eines neuen Krebses Euryurus mit der Bemer-
kung: beruht auf einem undeutlichen Abdruck, der fast keinen einzi-
gen Körpertheil scharf erkennen lässt. Gattungen und Arten sind
doch ganz bestimmte Begriffe, Typen, wie kann man nur völlig un-
bestimmte und unbestimmbare als neue einführen und was können
solche Namen für einen Zweck haben. Muss denn jeder Stein und
jeder Dreck durch einen lateinischen Namen verewigt werden! —
(Palaeontographica XI. 1—83. 13 Tff.)
Cheloniens tertiaires des environs de Winterthur
par W. G. A. Biedermann, trad. Fr. par O. Bourrit. Winter-
thur. 1863. 4°. —- Nach Beschreibung der in der Mollasse sich befin-
denden Lagerstätte schildert Verf. ausführlich Testudo vitodurana,
T. Picteti, T. Escheri unter Beifügung der Abbildungen.
Th. Davidson verbreitet sich über folgendeBrachiopoden
aus der untern Kohlenformation von Neuschottland: Te-
rebratula sacculus Mart (= T. elongata. und sufflata Vern), Athyris
subtilita Hall, Spirifer glabra Mart, Spiriferina cristata Schl, ‚Spiri-
fera acuticostata Kon, Camerophoria giobulina Phill (= Hemithyris
longa MCoy), Rhynchonella Dawsonana n. sp., Rh. acadiensis n. sp.,
Rh. pungus Mart, Strophomena analoga Phill, Streptorhynchus cre-
nistria Phill, Productus semireticulatus Pbill, Pr. cora d’Orb (= Pr.
comoides und scoticus Kon, corrugataMC, Lyelli Vern, tenuistria und
557
Neffedievi Vern, pileiformis MChes.) — @uarterl. journ. geol. XIX.
157-175 tb. 9). Gl.
Botanik. V. Chatel, nouvelles observations et recherches
historiques sur la maladie de la pomme de terre et sur celle
de la-vigne. Caen 1860. — Verhütungsmittal der Kartoffelkrankheit:
Alsbald’ nach der Aerndte sollen die Saatkartoffeln in einem Bade
von 4 Theilen Kalk und 1 Salz gekalkt, oder mit gelöschtem Kalk und
Asche- gepulvert werden. — (Bot. Zeit. 1863. p. 99.)
H. G. Reichenbach fil. Neue Orchideen. 1) Phalaenop-
sis intermedia var. Portei: sepalis lateralibus tepalisque ima basi im-
maculatis, labelli apice foreipato cirris antrorsis. Blühte, wie die
einer kleinen Ph. Aphrodite, schneeweisse Lippe, purpurn mit gelbem
Grunde der mittlern Abtheilung und gelber Schwiele, auf der dunkel
purpurschwarze Puncte. Philippinen.
2) Cypripedium virens, aff. C. javanico cui persimile stamino-
dio oblongo (nec transverso) apice bilobo, tepulis eiliatulis (nec seti-
feris), labelli longioris basi verrucis nullis.
Die Blühte weissgrün mit wenig grünen Flecken. Der Blühten-
stiel lang. Die Farben alle blass und wie bei den Verwandten. Die
vordere Hälfte der Tepulen braunroth, auf der untern Hälfte einige
schwarzpurpurne Flecke. Borneo.
3) Dendrobium sculptum: foliis oblongis apice attenuatis, tepu:
lis oblongis valde transversis, labello trilobo, lobis lateralibus brevi-
bus, lobo medio lato emarginato bilobo cum apiculo, parte posteriori
rugis plurimis exarata, calcari ovarium pedicellatum non aequante.
Blühte so gross wie ein mässiges D. longicornu, von sehr starkem
Gewebe, schneeweiss, nur ein rundlicher orangegelber Fleck mitten
auf der Lippe. Borneo.
4) Dendrobium lucens, aff. D. pieto Lindl: majus, calcaris apice
antrorsum curvula, labello ligulata flabellata acuto, callo erasso angu-
liformi antrorsum acuto in disco, androclinii lobis lateralibus retuso-
trilobis. Farbe wie bei D. pietum, aber Lippe vorn ganz weiss, ge-
gen den Grund tief orange. Blühten so gross wie bei D. Kohlmeje-
rianum 'TTsm. Bendk. Borneo.
4) Wullschlaegelia aff. Cranichidi: columna antice in processum
semiovatum, margine libero ancipiti denticulatum , superne foveatum
(sigma) protensa. Rhizoma repens radicibus fusiformibus caudatis
pluribus. Caulis perulus, vaginis ovatis acuminatis sessilibus; usque
spithamaeus. Racemus plurifloris. Bracteae triangulae pedicellis sub-
aequales. Sepala et ovarium extus puberula. Sepalum dorsale ligu-
latum. Sepala lateralia triangula, obliqua, transversa, multo latiora
latere libero basilari rotundata. Tepala ligulata acuta, nunc basi cum
sepalis lateralibus connata. Labellum unguiculatum, oblongonavicu-
lare, obtuse acutum, basi utrinque rotundata semicordatum (seu obtu-
sangulo-semisagittatum.) Columna abbreviata, membrana tenui (ros-
tello) sub anthera reflexa, inter limbum oveae. Jamaica.
5) Stenoptera ananassocomos Rchb. fil. f#. Wullschgl.: perpu-
558
silla, foliis rosulatis petiolatis ovatis acutis, pedunculo puberulo. 1-3
phyllo, bracteis, lanceis acuminatis flores excedentibus floribus pu-_
berulis,, sepalis ligulatis apice discoloribus, tepalis linearibus, labello
lineari spatulato acuto uninervi. 2—3 pollices alta. Jamaica. — (Ebenda
p. 128—131) R.D.
Th. Irmisch, Beiträge zur vergleichenden Morpho-
logie der Pflanzen. Gagea. — Die Gagea-Arten bringen nur
spärlich völlig reife Früchte, noch am häufigsten G. lutea. - Die rei-
fen Samenkörner sind dem Hauptumrisse nach länglich, indessen än-
dert die Form wie auch die Grösse bei einer und derselben Art oft
ab. Bei G. lutea sind die reifen Samen undeutlich gestreift. ‚So
lange sie noch in der: Kapsel sind, sind sie weisslich, nehmen aber,
sobald sie sich öffnet oder die Körner herausfallen lässt, eine hell-
braune Färbung an. Der Embryo stellt einen walzigen oder schlank
eiförmigen, an dem Radicularende verdünnten Körper dar. Unmittel-
bar nach der Reife ausgesäete Samen keimen im nächsten Frübjahr.
Manche Keimpflanze war schon zu Anfang des Februar ziemlich weit
ausgebildet. Die weitere Entwickelung der Keimpflanze innerhalb
der ersten Vegetationsperiode beschränkt sich wesentlich auf die Aus-
bildung der vorhandenen Theile. I. geht darauf specieller auf! die
Zwiebeln ein und illustrirt durch Abbildungen. — (Bot. Zeitg. 1863.
pag. 137.) R.D.
H. Karsten, Entwickelungserscheinungen der:.or-
ganischen Zelle, — Gegenwärtig ist das Hauptaugenmerk.der Zel-
lenlehre zu richten auf die physikalischen und chemischen Verände-
rungen der Formelemente während der Entwicklung und Vermehrung
der Zelle, um durch das Verständniss dieser Erscheinungen auf. die
Gesetze zu kommen, welche der Entstehung und dem Wachsthume
der Organe und Organismen zu Grunde liegen. ‚Die Entwickelungs-
geschichte hat nun nach Verf. gelehrt: in den Fällen, welche als si-
chere Beweise für eine Zellenvermehrung durch Abschnürung. angege-
ben wurden, bewirken Tochterzellen, welche frei im flüssigen Inhalte
der Zellen entstehen, ihre Vermehrung und durch Vergrösserung die-
ser Tochterzelle wird die Theilung des Lumens der Tochterzelle
vermittelst Scheidewände ausgeführt. Ferner ist die Haut der Ge-
webzellen nicht einfach, sondern besteht aus mehren in einander ge-
schachtelten sich selbstständig entwickelnden Zellen. Der Zellkern
istreine entwickelungsfähige aber oft unterdrückte Kernzelle, neben
oder innerhalb welcher zum Zwecke der Vermehrung des betreffen-
den Zellenindividuums zwei neue Zellen auftreten können. ‚Nach
weitern ‚Betrachtungen schildert nun Verf. die Struktur des Urtica-
haares und dessen Physiologie, legt dann seine Beobachtungen: an Con-
ferven dar zumal an Spirogyren und fasst am Schlusse die Resultate
aus denselben zusammen. Die Urform, welche die als eigenthümlich
specifisch ausgeschiedene, organisationsfähige Materie annimmt, ist
das Bläschen, die Zelle, unzertrennlich bestehend. aus. Haut, und
Inhalt. Jeder dieser beiden, in innigster. Wechselwirkung, fortbeste-
559
henden Bestandtheile des Elementarorganes ist fähig mit Hülfe der,
physikalischchemischen Kräfte, denen es seine Entstehung verdankt,
sich ferner zu. entwickeln. Die Membran der Zelle vergrössert sich
und zwar nicht in passiver Ausdehnung; als Folge von Endosmose des
flüssigen Inhaltes, sie selbst ist vielmehr in fortdauerndem, wenn auch,
zum Theil fast unmerklichen Wechsel der Menge und Beschaffenheit
des sie: zusammensetzenden Stoffes begriffen, indem sie eigenthüm-
liche, höchst wahrscheinlich von der Natur .des Stoffes abhängige
Form annimmt. Gleich der Haut hat auch der flüssige Inhalt einer
jeden Zelle dieser in einander geschachtelten Systeme eine eigene Ent-
wickelungsfähigkeit. Während die Zellhaut durch ihre Vergrösserung
und meist schichtige Verdickung dieselbe zu erkennen giebt, thut
dies der flüssige Inhalt durch die in ihm entstehenden vergänglichen
Sekretionszellen. Sowohl durch die Assimilationsfähigkeit der Mem-
bran werden fortwährend andere höher combinirte Verbindungen er-
zeugt, ‚deren lösliche Endprodukte in der allgemeinen Nahrungsflüs-
sigkeit aufgenommen werden: als auch durch die in dem flüssigen
Inhalte der Gewebzellen in einer gewissen Entwickelungsperiode re-
gelmässig auftretenden Secretionszellen. Die neben diesen vorzüglichen
Secretionszellen zum Ersatze der primären Zelle und zur Erhaltung
des Zellindividuums in dem Zellsafte entstehende secundäre, tertiäre
folgende Generation entsteht und entfaltet sich auf Kosten der resor-
birt werdenden Absonderungsstoffe. Dieser Gestaltungsprocess im
Innern der Zelle beschränkt sich unter bestimmten Ernährungsbedin-
gungen nicht auf die Regeneration des Zellindividuums, sondern es
entstehen aus dem, an bildsamer Materie reicheren Zellinhalte gleich-
zeitig auf einmal mehre neue Zellen von der Natur der sich repro-
ducirenden Mutterzelle zum Zweck der Vermehrung der Gewebszel-
len.. Bei diesem complieirten Bau der Gewebszellen, welche die ent-
wickelten Organismen zusammensetzen, ist es völlig ungerechtfertigt
von einzelligen Thieren und Pflanzen zu reden, ebensowenig sind
hautlose Zellen denkbar; dergleichen Körper würde man Tropfen oder
Körner zu nennen haben. — (Poggendorffs Annalen OXVIII. 319—338$.)
Zoologie. Aug. Weismann, die Entstehung des vol_
lendeten Insekts in Larve und Puppe. Ein Beitrag zur Me-
tamorphose der Insekten. Mit 3 Tffln. Frankfurt a. M. 1863. 4%. —
Die Resultate seiner Beobachtungen fasst Verf. am Schlusse der Ab-
handlung in folgender Weise zusammen: der Körper des ausgebilde-
ten Insektes entsteht unabhängig von der äussern Haut der Larve;
Kopf, Thorax und Hinterleib mit ihren Anhängen sind Neubildungen.
Kopf und Thorax setzen sich aus einzelnen selbstständig entstehenden
Theilen zusammen, welche bereits in der frühesten Zeit des Larven-
lebens als ganglienähnliche von selbstständiger Membran eingehüllte
Zellenanhäufungen angelegt werden. Die Anlage des Auges nimmt
allmählig Kugelgestalt an, die Anlagen, der übrigen Theile gestalten
sich zu glatten Scheiben, in deren anfangs gleichförmiger Zellenmasse
je nach der Form der ‘zu bildenden Theile eine Differenzirung in
560
dreifacher Weise eintreten kann. Entweder wächst die Zellenmasse
zu einer gefalteten Membran aus (Flügel, Thoracalstücke) oder sie
schnürt sich durch Entstehen spärlicher Furchen zu einem einzigen
unverästelten Zellenstrang ab (Fühler, Beine) oder es werden mehrere
unter einander zusammenhängende sich mehr oder minder verästelnde
Stränge abgeschnürt (Tracheenkiemen von Simulia und Chironomus).
Die Bildungsscheiben entwickeln sich im Innern des Larvenkörpers
entweder im Verlauf eines Nerven, dessen Leitungsfähigkeit sie dann
für die Dauer des Lärvenlebens nicht zerstören oder durch Wuche-
rung der Peritonalbülle gewisser Tracheenstäimme. Ein jedes der
drei Thoracalsegmente wird aus zwei Scheibenpaaren zusammenge-
setzt. Die untern entwickeln sich als Anhänge die Beinpaare, als Ba-
salstücke die centrale Hälfte des betreffenden Segmentes, die obern
bilden die obere Hälfte der Segmente und für den Prothorax als An-
hang einfache Stigmenhörner oder auch Kiemen, für den Mesothorax
die Flügel und für den Metathorax (bei den Dipteren) die Schwinger.
Weitergehende Schlüsse und morphologische Betrachtungen anzustel-
len reichen die ermittelten Thatsachen noch nicht aus.
Al; Strauch, chelonologische Studien mit besonderer '
Beziehung auf die Schildkrötensammlung der kk. Akademie der Wis-
senschaften in St. Petersburg. Mit 1 TA. Petersburg 1862. 40, —
Das reichhaltige Material der Petersburger Sammlung führte Verf.
zu einer neuen Ülassification der Schildkröten, welche er im ersten
Abschnitte darlegt, während er im zweiten die untersuchten Arten
selbst aufzählt. Von ersterem können wir hier nur die am Schlusse
mitgetheilte analytische Tabelle der Familien und Gattungen wieder-
geben:
I. Testudinida. Rückenschild oval und mit Hornplatten ge-
deckt. Intergularplatte fehlt. 1. Chersemyda.
a. Schwanzplatte einfach, höchstens auf ihrer obern Fläche getheilt.
&. Rückenschild aus einem Stück
der vordere Brustschildiappen unbeweglich
Brustschild mit 12 Platten. Testudo
Brustschild mit 11 Platten. Chersina
der vordere Brustschildlappen beweglich. Pysais.
8. Rückenschild aus zwei Stücken, das hintere beweglich. Cinixzys.
b. Schwanzplatte doppelt.
a. Pectoralplatten berühren einander nicht, von der Mittellinie des
Brustschildes fortgerückt, wie luxirt. Manouria
ß. Pectoralplatten berühren einander
* Brustschild mit 12 Platten
+ Sternocostalsutur ‘ohne besondere Platten ,
Brustschild aus 2 beweglichen Stücken
schliessen die Oeffnung vollkommen. Terrapene.
N 5 unvollkommen. Emys.
Brustschild aus 1 Stück und fest. Clemmys.
561
++ Sternocostalsutur mit besonderen Platten und zwar
vier. Dermatemys
drei. Platysternon
** Brustschild höchstens mit 11 Platten
+ Sternocostalsutur mit 3 Platten
Marginolateralplatten in doppelter Reihe. Macroclemmys
5 ni in einfacher Reihe. Chelydra
+7 Sternocostalsutur mit 2 Platten
Brustschild mit 8 Platten, sehr kurz. Staurotypus
En mit 11 Platten
Brachiaplatten kleiner als die pectoralen. Aromochelys
3 eben so gross od. grösser als die pect. Cinosternon
2. Chelydra. Intergularplatten vorhanden.
a. Schwanzplatite einfach, aber oberseits der Länge nach getheilt.
Peltocephalus.
b. Schwanzplatte doppelt.
«. Rückenschild ohne Kiel oder mit schwachem Mittelkiel
* Intergularplatten zwischen den gularen
+ 5 Vertebralplatten
-& Nackenplatte fehlt
Brachialplatten kaum halb so gross wie die pectoralen. Podocnemis.
e ebenso gross oder grösser
vorderer Sternallappen beweglich. Sternothaerus
© fest. Pelomedusa.
88 Seekenplatte vorhanden. Platemys
tt 6 Vertebralplatten. Hydromedusa
* Intergularplatte hinier den gularen, ohne Theil am vordern Brust-
schildrande. Chelodina.
£. Rückenschild mit3 Reihen starker Kielhöcker, ungemein vlatt, Chelys
U. Trionychida. Rückenschild oval und mit einer: continu-
irlichen Haut überzogen
Brustschild kurz, am Hinterlappen ohne Klappen. Trionys.
Brustschild lang, Hinterlappen mit Klappen.
Rückenschild am Rande überall knorpelig. Cycloderma.
Rückenschild z. Th. mit Randknochen. Emyda.
III. Cheloniida. Rückenschild herzförmig, hinten zugespitzt
und mit einer continurischen dicken Lederhautüberzogen. Dermatochelys.
Hornplatten gedeckt
vier Costalplatten jederseits. Chelone.
mindestens deren fünf, oft mehr. Thalassochelys.
Im speciellen Theile werden 66 Arten kritisch beleuchtet und zum
Theil auch eingehend beschrieben. Nur eine ist neu darunter, näm-
lich Clemmys Wosnessenskyi aus Californien. Verf. hat sich durch
diese Abhandlung ein bleibendes Verdienst um die Systematik der
Schildkröten erworben und wird Jeder, der sich mit Schildkröten be-
schäftigt, dieselben mit Befriedigung benutzen. al.
esashkkemanle:
des \
Naturwissenschaftlichen Vereines
für die
Provinz Sachsen und Thüringen
Halle.
1863. sani.‘ NV.
Sitzung am 3. Juni.
Eingegangene Schriften:
1. Verhandlungen dsr zoologisch - botanischen Gesellschaft in Wien.
XII. Wien 1862. 8°,
2. Sitzungsberichte der königl. bayrischen Akademie der Wissenschaf
ten zu München 1862. II. Bd. 4. Hft. 1863. I. Bd. 1. 2. Hft.' 8°.
3. Bulletin de la societe geologique de France II Ser. Tom.:XX,
Feuilles 6-12. Paris 1862—63. 8°.
4. Zwölfter Jahresbericht der naturhistorischen Gesellschaft zu Han-
nover, von Michaelis 1861—1862. Hannover 1863. 4°.
Zur Aufnahme angemeldet werden:
Herr Professor Dr. Welcker hier,
durch die Herren Giebel, Siiewert und Taschenberg,
Herr Johannes Meyer, stud. phil. hier
durch die Herren Giebel, Schubring und Brasack.
Wegen der den 21. bh. fallenden Stiftungsfeier wird‘ beschlos-
sen, dieselbe durch eine öffentliche Sitzung zu begehen.
Herr Giebel legt nachträglich zwei, in’ der Generalversamm-
lung beider Rechnungslegung fehlenden Quittungen vor.
Zu den Vorträgen übergehend, bespricht derselbe die Unter-
schiede zwischen dem abyssinischen und capischen Borsteneichhörn-
chen. (S. 452).
Herr Zinken theilt aus der cölnischen Zeitung einen Bericht
von Müurchison in der londoner geographischen Gesellschaft mit, über
die Entdeckung der Quellen des weissen Nils.
Sitzung am 10. Juni.
Eingegangene Schriften:
1., Giornale.dell I. R. Istituto Lombardo di Scienze, Lettere ed Arti
VI—IX. Milano 1855—56. 40,
2. Memoire del R. Instituto: Lombardo: di Scienze, Lettere ed Arti;
VIL..Milano:1858. 59:49,
3. Atti dell’ J. R. Instituto Lombardo di Scienze, Lettere ed’ Arti
I—III, Milano 1858—63. 40,
563
Als:neue Mitglieder ‘werden proclamirt::
Herr Professor Dr, Welcker hier
Herr Johannes Meyer stud.- phil. hier. ’
Herr Professor Römer in'Breslau dankt mittelst Schreibens d.
d. 5. h. für die Wahl zum correspondirenden Mitgliede.
Herr Siewert verbreitet sich über 2 neue Fortschritte in der
Photographie, von denen der eine in der Anwendung einer bessern
Zubereitungsmethode des Colodiums zur Herstellung negativer Bil-
der besteht, der andere in einem Verfahren, positive Bilder von po-
sitiven abzunehmen ohne Anwendung von Silbersalzen.
Herr Drenckmann spricht über die Geschichte der Wald-
wolle und des Waldwollöls. Vor 20 Jahren suchte ein schlesischer
Papierfabrikant ein Surrogat für die damals kostbarer werdenden Lum-
pen und glaubte es in den Nadeln der Pinus nigra austriaca gefun-
den zu haben. Dieselben wurden mit Natron zu einem filzigen. Brei
gekoeht, der sich indess zur Papiergewinnung nicht eignete; um ihn
zu verwerthen, ward er zur Anfertigung von Gesundheitsmatratzen,
und das dabei gewonnene Oel zur Verwendung bei Bädern empfoh-
len. Ohne dass jenes Präparat allgemeine Anerkennung gefunden,
wurde es neuerdings durch einen Herrn Leiritz in Thüringen an-
gefertigt und dem Publikum als sehr heilsam angepriesen.
Herr Brasack gedenkt einer interessanten Entdeckung bei den
Ausgrabungen von Pompeji, wo man nämlich ein Fenster aufgefun-
den hat mit Glasscheiben von 1!/, Fuss Breite und 2 Fuss Länge.
Dieselben, grün von Farbe, sind auf der einen Seite glatt, auf der
andern uneben und weisen darauf, hin dass sie gegossen worden.
Die Analyse hat nahezu dieselbe unseres heutigen Glases ergeben:
69,43 Kieselsäure, 7,24 Kalk, 17,31 Natron, 3,55: Thonerde, 1,15 Eisen-
oxyd, 0,39 Magnesia, Spuren von Kupfer.
Sodann an G. Roses Untersuchungen über den Asterismus:
gewisser canadischer Glimmer anschliessend, legt derselbe von ihm.
gefertigte Präparate vor, die jene Erscheinung in sehr vollkommenen
Maasse wiedergeben. Kleine Glastafeln waren mit einem feinen
Wachsüberzug versehen und dieser stellenweise sehr fein wieder aus-
radirt, wodurch die muthmassliche Lage der mikroskopischen Cyanit-
krystalle in jenem Mineral nachgeahmt werden.
Sitzung am 17. Juni.
Zur Aufnahme angemeldet wird:
Herr A. Helbig, stud. phil. hier
durch die Herren Zinken, Giebel, Taschenbers; F
Der Vorsitzende meldet den Tod des Herrn Dr. Creplin in
Greifswald, der die Interessen des Vereins Jahrelang durch werth-
volle Mittheilungen gefördert hat, und theılt sodann Söbreiben der 2
Herren Professoren E. H. Weber in Leipzig und Bunsen in Heim,»
delberg mit, worin dieselben dem Vereine ihren Dank für die Ernen- a
nung zu correspondirenden Mitgliedern aussprechen, i
ENCES.
Druck von W. Plötz in Hallo,
564
Herr Siewert, über die frühern Methoden, grössere Hitze-
grade von über 300° zu messen sich verbreitend, theilt die Vorschläge
mit, welche Bischoff auf ‘von ihm angestellte Versuche macht. Er un-
tersuchte die Schmelzpunkte verschiedener Silikate und fand, dass je
nach den verschiedenen Höhen und deren niederen oder höheren Ver-
bindungen mit Kieselsäure sehr verschiedene Schmelzpunkte eintreten,
am niedrigsten stellt sich der der Eisensilikate heraus, dann folgen Kalk,
Aluminium und zuletzt mit höchstem Schmelzpunkte Magnesiasilikate.
Bischoff schlägt nun vor eine Skala dieser Silikate aufzustellen und
nach ibnen die Hitzegrade vergleichungsweise zu bemessen.
Eine zweite technische Notiz des Vortragenden bezieht sich
auf die Anwendung des Aetzbaryts bei der Zuckerfabrikation statt
des Aetzkalkes, um die Krystallisation zu fördern und die leicht in
Gährung überführenden Stoffe zu beseitigen. Schon vor 12 Jahren
schlug man den Aetzbaryt vor, verwarf ihn aber wieder als zu
theuer und als giftig. Jetzt hat man beide Einwürfe durch andere
Methoden, die man in Anwendung bringt zu beseitigen gesucht. Es
ist gelungen, denselben billig aus gepulvertem, kohlensauren Baryt
herzustellen, den man mit Kohlenpulver geglüht. Um aus der Me-
lasse den noch krystallisirbaren Zucker abzuscheiden, wird diese di-
rect mit dem erhaltenen Aetzbaryt versetzt. Die verschiedenen, den
Zucker verunreinigenden Salze bleiben dabei in der Lösung zurück,
während der Zucker sich vollständig als unlöslicher Barytzucker ab-
scheidet. Um nun den Baryt vom Zucker zu trennen wird Schwefel-
säure bis zur sauren Reaction zugesetzt und zuletzt durch Kalkmilch
die Schwefelsäure fortgeschafft. Die Zukunft, welche dieses Verfah-
ren nach der Ansicht des Vortragenden haben sollte, sprach ihm Herr
Drenckmann ab durch die wahrscheinliche Einsprache dagegen sei-
tens der Sicherheitspolizei. — Herr Weitzel spricht über die Erniedri-
gung des Tones durch Fortpflanzung desselben, die Beobachtungen
Sydney Ringers vortragend, und lässt der Versammlung mittelst
einer Stimmgabel die bestätigenden Versuche wiederholen.
Oeffentliche Sitzung am 24. Juni.
Zur Feier des am 21. h. fallenden Stiftungsfestes hielt Herr
Giebel einen Vortrag über das Alter des Menschengeschlechts.
Nachdem der einzelnen Fälle gedacht, wo man glaubte menschliche
Knochenreste fossil gefunden zu haben, schilderte er die drei Epochen
des steinernen, ehernen und eisernen Zeitalters, welche durch die Pfahl-
auten in der Schweiz und durch die analogen Ablagerungen im Nor-
7 ’ 2
Yeartsohr f ges Naberserssersch. 106S BA AN. ME LS
Bu
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